Warum Anfänger mit Price Action Trading beginnen sollten (und nicht mit Indikatoren)

Beim aktiven Trading sollte nicht mit komplizierten Formeln technischer Indikatoren begonnen werden. Für Anfänger ist das Trading der Price Action die bessere Wahl.

Von erfahrenen Tradern, die Indikatoren verwenden, werden Sie diese Aussage nicht hören. Aber das liegt nicht daran, dass diese Trader Sie in die Irre führen wollen.

Es ist einfach so, dass diese erfahrenen Trader schon lange genug traden. Dadurch haben sie die anfänglichen Unzulänglichkeiten und Mängel der Indikatoren überwunden. Die meisten können sich nicht einmal vorstellen, wie es wäre, wenn sie stattdessen mit dem Trading der Price Action begonnen hätten. Deshalb können sie die Vorteile des Price Action Trading für Neueinsteiger überhaupt nicht einschätzen.

Wenn dem so ist, warum habe ich dann den Schluss gezogen, dass Price Action Trading die bessere Wahl für Anfänger ist?

Ich habe mit vielen aufstrebenden Tradern gesprochen. Jene, die mit Price Action Trading begannen, haben normalerweise realistische Erwartungen. Jene, die sich mit einer Reihe von Indikatoren ausgestattet haben, neigen dazu, nach dem sogenannten Heiligen Gral zu suchen. Sie wollen eine magische Mischung von Indikatoren und Einstellungen ausfindig machen, die sofort Geld einbringen. Dementsprechend lautet deren wichtigste Frage: Welche Parameter soll ich für den MADC/RSI/CCI/ADX verwenden?

Unzählige Trader wünschen sich, dass sie anstelle von Indikatoren mit Price Action begonnen hätten. Aber ich habe bisher noch keinen einzigen Trader getroffen, der sich im Nachhinein gewünscht hätte, lieber mit Indikatoren anstatt mit Price Action angefangen zu haben.

Lesen Sie weiter, damit Sie verstehen können, warum für Neueinsteiger Price Action Trading die beste Wahl.

Price Action Trading spart Ihre Zeit

Ein konsequenter Trader zu werden, ist ein langer Weg. Es sind zumindest einige Jahre intensiver Anstrengungen erforderlich. Als Anfänger ist Zeit kostbar.

Sie sollten sich auf die Analyse des Marktes konzentrieren. Sie sollten Ihre Zeit dafür einsetzen, den Markt zu beobachten. Ein einfacher Ansatz wie das Price Action Trading ermöglicht Ihnen genau das.

Der Kurs ist das einzige, auf das Sie sich konzentrieren müssen. Dies hilft Ihnen dabei, Ablenkungen zu vermeiden. Mit der ausschließlichen Konzentration auf die Kurse oder Preise ist es einfacher, das Verhalten des Marktes zu erfassen und Ihre Fortschritte zu beschleunigen.

Um Price Action Trading zu erlernen, brauchen Sie nichts anderes als eine einfache Chartsoftware. Sie brauchen nicht zu überprüfen, ob Ihre Software über die Indikatoren verfügt, die Sie benötigen. Sie müssen auch nicht nachprüfen, ob der Indikator, den Sie erworben haben, auf Ihrer Chartsoftware funktionieren wird.

Sie können sofort mit der Untersuchung der Kursstäbe beginnen und Ihr Lerntempo aufrechtzuerhalten.

Wenn Sie mit Indikatoren anfangen, werden Sie mit komplizierten Formeln unzähliger Parameter konfrontiert. Sie werden Zeit damit verschwenden, Indikatoren auszuwählen und unterschiedliche Einstellungen auszuprobieren.

Mit Indikatoren umzugehen, bevor man das Verhalten des Marktes erfasst hat, ist für neue Trader ein aussichtsloses Unternehmen.

Price Action Trading fördert die richtige Einstellung

Für einen Neuling erscheint Trading mit Indikatoren einfach. Bei dieser Art von Trading geht es darum abzuwarten, bis der RSI-Indikator unter 30 fällt, bevor Sie kaufen. Der nächste Schritt besteht natürlich darin zu verkaufen, sobald der RSI über 70 steigt. Trading erscheint einfach, aber gerade das ist es nicht.

Letztlich führen Indikatoren dazu, dass sich neue Trader auf Signale ausrichten. Signale veranlassen den Trader zu traden. Das ist ein schlechter Einstieg in den Tradingberuf. Warum?

Es mag sich paradox anhören, aber für einen neuen Trader kommt es vor allem darauf an zu lernen, wann nicht getradet werden darf.

Sie sollten den Markt beobachten, studieren und analysieren. Sie sollten lernen zu erkennen, was im entsprechenden Markt vor sich geht und auf den Marktkontext achten. Trading kommt erst dann an die Reihe, wenn Sie den Markt deuten können.

Marktkontext verstehen

Bärische Marktrichtung – Zwei Kerzen Umkehr

Erfahrene Trader wissen, dass Tradingsignale von sekundärer Bedeutung sind. Wenn Sie den Trend des Marktes richtig erfassen können, gibt es Dutzende Möglichkeiten, um in den Markt einzusteigen.

Die meisten Trader lernen diese Lektion jedoch auf die harte Weise. Gleich von Anfang an verschwenden wir viel Zeit damit, Trading-Signalen nachzujagen, anstatt den Gesamtzusammenhang des Marktes zu analysieren.

In dieser Hinsicht ist Price Action Trading hilfreich, denn es betont die Wichtigkeit der Analyse. Beobachten Sie jeden Kursstab, während er sich entwickelt, und interpretieren Sie dessen Auswirkung auf Ihre Markthypothese. So erlernen Sie Price Action Trading.

Dieser Ansatz betont die Analyse und die Geduld anstelle von Kauf- und Verkaufssignalen.

Chartmuster zeigen das Risiko des Trades auf

Ein Price Action Trader verwendet Chartformationen, um in den Markt einzusteigen. Die meisten Chartmuster beinhalten ein dazugehöriges Verluststopp-Niveau.

Eine bullische Chartformation besagt, dass die Kurse steigen. Daher sollten die Kurse nicht unter das Chartmuster fallen. Ist das aber der Fall, hat das Chartmuster versagt, so dass es klug ist, die Tradingposition zu schließen.

Das gleiche Prinzip gilt für bärische Chartformationen. Betrachten Sie das folgende Beispiel für das Versagen eines Trend Bar Signals. Wenn die Kurse über das Hoch der Chartformation steigen, wissen wir, dass diese Chartformation gescheitert ist, so dass es Zeit wird, die Short-Position zu schließen.

ES-Future 5-Minuten Chart

1. Bullische Trendkerze versagt. 2. Hier Short-Einstieg 3. Stop-Loss am Hoch des Chartmusters. | Trade-Risiko

Jede Chartformation besitzt natürliche und logische Stop-loss-Punkte. Wenn Sie mit Chartmustern arbeiten, sind Sie zwangsläufig der Möglichkeit von Verlusttrades ausgesetzt.

Das ist der entscheidende Punkt. Neueinsteiger müssen die Realität unvermeidlicher Verlusttrades so früh wie möglich akzeptieren, wobei das Erlernen von Chartmustern einen wesentlichen Schritt darstellt, das Risiko des Trading anzuerkennen.

Demgegenüber besitzen Signale durch Indikatoren keinen ersichtlichen Verluststopp-Bereich.

Sie haben zum Beispiel eine Kaufposition bezogen, nachdem der Stochastik-Indikator vom Überverkauft-Bereich nach oben gedreht hat.

Wann wird das Signal ungültig? Auf welchem Kursniveau werden Sie sich eingestehen, dass das Signal fehlgeschlagen ist? Das sind wichtige Fragen, die Anfänger nicht stellen werden, weil sie diese Fragen nicht bedenken.

Ein besonnen vorgehender Anfänger dürfte die Notwendigkeit der Risikokontrolle einsehen. Allerdings gibt es keine klare Methode zur Platzierung von Verluststopps für Indikatoren-Signale. Daher werden sich viele Anfänger darauf einigen, Ihre Verluststopps aufgrund des Betrages festzulegen, den sie bereit sind zu verlieren.

Das ist ein weit verbreiteter Fehler. Einen Verluststopp ohne Berücksichtigung von Kurs und Volatilität festzulegen, führt langfristig gesehen zum Scheitern.

Price Action Trading oder Indikatoren

Verstehen Sie die obigen Erläuterungen nicht so,  dass Indikatoren unbrauchbar und schlecht sind.

Indikatoren sind nicht wertlos, aber sie sind nützlicher für Trader, die die Price Action verstehen.

In der Entwicklung befindliche Trader richten sich auf das Falsche aus. Sie konzentrieren sich auf Trading, Strategien und Perfektion. Was Sie lernen und verstehen sollten, sind Analyse, Risiko-Management und Geduld.

Trading der Price Action fördert die richtige Grundhaltung. Deshalb ist sie gut geeignet für Anfänger.

Wie immer ist der Trader der wichtigste Faktor. Sie können zwar auf die Price Action bauen, aber dennoch auf die falschen Dinge ausgerichtet sein. Die Price Action erleichtert es Ihnen, aber sie brauchen die richtige Geisteshaltung, damit es funktioniert.

 

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: Why new Traders should start with Price Action Trading (and not with Indicators)

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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