Den „Fear and Greed Index“ verstehen und nutzen

In diesem Artikel geht es um den Fear and Greed Index.

Dieser Index findet weltweit eine große Beachtung und gibt einen Überblick über die aktuell vorherrschende Emotion am Markt. Erstellt wird der Index von dem US-amerikanischen Fernsehsender CNN Business. Wenn Sie mehr über den Fear & Greed Index wissen möchten oder den aktuellen Stand prüfen möchten, dann klicken Sie bitte hier: Der aktuelle Stand des Fear & Greed Index (Quelle: CNN Business).

Am 16.03.2020 lag der Fear & Greed Index bei 3 und somit im Bereich der extremen Angst. Am vorherigen Handelstag lag dieser Wert bei 5. Die Woche davor stand der Index auch bei 3.

Wie man in dem nächsten Bild sehen kann, lag der Index einen Monat zuvor bei 55, was einen neutralen Wert darstellt. Hier hat somit weder die Angst, noch die Gier dominiert. Ein Jahr zuvor wies der Index einen Wert von 65 aus, welcher auf Gier schließen lässt.

Screenshot des Fear & Greed Index
Der Fear & Greed Index

Angst & Gier im Trading (Der Fear & Greed Index)

Bekannterweise werden Investoren von zwei Emotionen getrieben:

  • Angst
  • Gier

Diese Emotionen haben einen markanten Einfluss auf die Börsenkurse. Denn zu viel Angst kann die Aktien weltweit unter das Niveau sinken lassen, auf dem sie sich aus fundamentaler bzw. wirtschaftlicher Sicht befinden sollten. Bei der Gier ist genau das Gegenteil der Fall. Die Gier führt dazu, dass die Aktienkurse zu weit nach oben getrieben werden.

Diese zwei treibenden Emotionen werden auf einer Skala von 0 (extreme Furcht) bis 100 (extreme Gier) tagesaktuell dargestellt.

Man kann das ganze auch als einen Kreislauf verschiedener Marktphasen darstellen. Diese Phasen wiederholen sich regelmäßig.

Mit steigenden Kursen und entsprechenden Trendbewegungen entsteht die Gier, welche dafür sorgt, dass die Kurse weiter steigen. Denn der „normale“ Zustand ändert sich so und die Anleger werden mutiger. Dem Mut folgt die Euphorie und jeder möchte möglichst viel vom Kuchen abhaben. Wir befinden uns hiermit in der Endphase der Trendbewegung. Selbst unser Nachbar hat hier nochmal seine Position aufgestockt. Doch dann folgt die Enttäuschung. Der Trend setzt sich nicht fort und es folgen die ersten Abverkäufe. Sobald sich diese beschleunigen, setzt die Angst ein und am Tiefpunkt folgt der Pessimismus. Hier haben oftmals auch die letzten wieder Ihre Aktien verkauft. Doch dann beginnt der Kreislauf wieder von vorne…

Die Berechnung des Fear & Greed Index

Der Fear & Greed Index wird aus 7 Indikatoren berechnet.

Für jeden Indikator wird untersucht, wie weit dieser von seinem Durchschnitt abweicht. Dies wird dann im Vergleich dazu gesetzt, wie weit dieser normalerweise vom Durchschnitt abweicht. Jeder Indikator wird hier auf einer Skala von 0 bis 100 betrachtet. Je höher der Wert, desto gieriger sind die Investoren. Ein Wert von 50 ist neutral.

Dann werden alle Indikatoren zusammengefügt und gleich gewichtet daraus ein abschließender Indexwert ermittelt.

Diese 7 Indikatoren sind folgende:

  • Put and Call Options
  • Market Volatility
  • Stock Price Strength
  • Safe Haven Demand
  • Market Momentum
  • Stock Price Breadth
  • Junk Bond Demand

Put and Call Options – Das Put/Call Verhältnis

Bei diesem Indikator wird das Handelsvolumen von Verkaufsoptionen (Put) mit dem Handelsvolumen von Kaufoptionen (Call) verglichen. Dieser gibt somit gibt das Verhältnis von gehandelten Verkaufsoptionen zu Kaufoptionen an.

In den letzten Wochen ist das Put/Call Ratio auf einen der höchsten Werte der letzten zwei Jahre gestiegen und lässt auf eine extreme Angst schließen.

Dieses Rating wurde am 20. Februar 2020 von dem Rating „Angst“ zu „extremer Angst“ geändert.

Die Historie des Put/Call Ratio lässt sich hier einsehen: Put/Call Ratio Historie

Die Entwicklung des Put/Call Ratio als graphische Darstellung.
Das Put/Call Ratio

Market Volatility – Die Marktvolatilität

Dieser Indikator misst die Schwankungsbreite bzw. Volatilität des Marktes. Hierfür wird der Volatility Index (VIX) genutzt, welcher die erwartete Schwankungsbreite des US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 anzeigt.

Dieser liegt aktuell bei 79,37 und zeigt an, dass die Investoren weiterhin über Rückgänge am Aktienmarkt besorgt sind. Das Rating „Angst“ wurde am 21. Februar 2020 auf das aktuelle Rating „extreme Angst“ geändert.

In Deutschland wird zur Messung der Volatilität der VDAX genutzt. Der DAX-Volatilitätsindex (VDAX) drückte die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite des Aktienindex DAX aus.

VIX Index und 50 Tage Gleitender Durchschnitt
VIX und sein 50 Tage Gleitender Durchschnitt

Stock Price Strength – Die Aktienmarktstärke

Die Aktienmarktstärke gibt das Verhältnis der Aktien an, die an der New Yorker Börse (NYSE) neue 52 Wochenhoch- und tiefs erreichen.

Auch dieser Indikator deutet zur Zeit auf eine extrem Angst hin. Denn die Zahl der Aktien, die ein frisches 52-Wochentief erreicht haben, übersteigt die Zahl der Höchststände und liegt zudem am unteren Ende der Spanne.

Das Ranking wurde hier am 27.02.2020 von „Angst“ in „extreme Angst“ geändert.

Das Verhältnis von neuen 52-Wochen-Hochs und Tiefs an der NYSE
Netto-Verhältnis von neuen 52-Wochen-Hochs und -Tief an der NYSE

Safe Haven Demand – Die Nachfrage nach sicheren Häfen

Hier wird die Differenz zwischen den Renditen von Aktien und Staatsanleihen berechnet.

Die Anleihen haben sich in den letzten 20 Handelstagen um 30,40 Prozentpunkte besser als Aktien entwickelt. Dies ist fast die schwächste Performance von Aktien im Vergleich zu Anleihen in den letzten zwei Jahren. Dies deutet darauf hin, dass die Anleger aus Gründen der Sicherheit von Aktien in Anleihen fliehen.

Das Ranking wurde am 19.02.2020 von „Angst“ in „extreme Angst“ geändert.

Die Differenz zwischen der Performance von Aktien und Anleiihen der letzten 20 Tage
Die Differenz zwischen der Performance von Aktien und Anleihen

Market Momentum – Das Momentum des Marktes

Hier wird das Momentum der Aktienkurse aus dem S&P 500 Index (SPX) gegenüber seinem gleitenden 125-Tage Durchschnitt gemessen.

Aktuell liegt der S&P 500 rund 20,70% unter seinem 125-Tage Durchschnitt. In den letzten zwei Jahres lag dieser in der Regel über diesem Durchschnitt, so dass sich hier ein schneller Rückgang und somit eine extremes Maß an Angst erkennen lässt.

Das Ranking „extreme Angst“ wurde am 04.03.2020 erreicht. Vorher war das Ranking „Angst“.

Der S&P 500 und sein 125 Tagesdurchschnitt.
Der S&P 500 und sein 125 Tagesdurchschnitt.

Stock Price Breadth – Die Aktienkursbreite

Dieser Indikator gibt das Verhältnis des Aktienvolumen steigender Aktien gegenüber rückläufigen Aktien an. Der hierfür benutzte Indikator ist der McClellan Volume Summation Index. Mehr Informationen zu diesem Indikator finden Sie hier.

Im letzten Monat wurde etwa ein um 28,51 % höheres Tagesvolumen in rückläufigen als in steigenden Aktien gemessen. Der Indikator liegt hier am unteren Ende der Spanne der letzten zwei Jahre.

Das Rating „Angst“ wurde am 21.02.2020 durch das Rating „extreme Angst“ ersetzt.

Der McClellan Volume Summation Index
McClellan Volume Summation Index

Junk Bond Demand – Die Nachfrage nach Schrottanleihen

Hier wird die Spanne zwischen den Renditen von Investment-Grade-Anleihen und sogenannten Junk-Bonds gemessen.

Zur Zeit fordern die Investoren in Junk-Bonds 2,27 Prozentpunkte zusätzliche Rendite gegenüber Investment-Grade-Anleihen. Investment-Grade-Anleihen sind Anleihen bester bis mittlerer Bonität. Historisch gesehen ist dieser Spread zwar niedrig, aber trotzdem deutlich höher als das jüngste Niveau und deutete darauf hin, dass die Investoren risikoscheuer geworden sind.

Das Ranking „extreme Angst“ wurde hier am 26.02.2020 erteilt. Zuvor lag das Ranking bei „Angst“.

Rendite-Spread: Junk Bonds versus Investment Grade Anleihen
Rendite Spread: Junk Bonds vs. Investment Grade

Die Entwicklung des Fear & Greed Index über die Zeit

Als der S&P 500 (SPX) am 17. September 2008 – dem Höhepunkt der Finanzkrise – auf ein Dreijahrestief fiel, sank der Index für Angst und Gier auf 12. Der Index gewann etwas an Boden und erreichte 28, bevor die Aktien am 9. März 2009 die Talsohle erreichten und die jüngste Hausse begann.

Man kann hier erkennen, dass der Index ein guter Indikator für die jeweiligen Höchst- und Tiefststände des S&P Index ist.

Fear and Greed Index im Big Picture.
Fear and Greed Index im Big Picture.

Wann notierte der Fear & Greed Index zuletzt bei 1?

Der Fear & Greed Index notierte zuletzt am Extrempunkt von 1 am 12.03.2020.

Am 12.03.2020 rauschte der US-Aktienindex Dow Jones angesichts der Coronavirus-Krise weiter ungebremst in die Tiefe. Der Index verlor knapp zehn Prozent und verzeichnete damit den schwersten Einbruch seit 33 Jahren. Der Verlust lag bei rund 2350 Punkte und stand nach Handelsschluss bei etwa 21.200 Punkten. Das war der stärkste Verlust seit dem Börsencrash vom Oktober 1987. Fast ebenso starke Verluste erlitten der Technologie-Index Nasdaq und der Leitindex S&P 500.

Die Coronavirus-Krise sorgte am 12.03.2020 für einen Indexstand von 1 beim Fear & Greed Index. Dieser notierte hier somit an seinem Tiefpunkt.
Die Coronavirus-Krise sorgte am 12.03.2020 für einen Indexstand von 1 beim Fear & Greed Index. Dieser notierte hier somit an seinem Tiefpunkt.

Fazit zum Fear & Greed Index

Der Fear & Greed Index findet nicht umsonst eine hohe Betrachtung und gibt hier einen schnellen, sowie umfassenden Einblick über die aktuelle vorherrschende Emotion am Markt.

Bei einer extremen Angst am Markt sollte man sich frei machen und geduldig auf mögliche Kaufkurse warten. Sobald der Index unter 18 fällt, kann oft mit einer ersten Bodenbildung gerechnet werden.

Eine extreme Gier sollte zur Vorsicht aufrufen und weitere Käufe gut überdacht werden. Ein Wert über 90 kann ein guter Indikator für eine mögliche Topbildung sein.

Doch sollte hier einfach nicht blind gekauft oder verkauft werden. Dieser Index ist, wie jeder andere Indikator auch, nur ein Hilfsmittel und kann zusätzliche Hinweise liefern.

Zudem ist der Index kostenlos abrufbar und tagesaktuell verfügbar. Gerade in Phasen der Übertreibung sollte man den Index nicht aus dem Auge lassen.

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