Wo drehen die Kurse heute? Diese Frage stellt sich jeder Daytrader vor Handelsbeginn. Pivot Points geben darauf eine erstaunlich einfache Antwort: Aus Hoch, Tief und Schlusskurs des Vortages entstehen rechnerische Marken, an denen der Markt häufig reagiert. Keine Interpretation, keine nachträglich verschobenen Linien, nur eine Formel.
Ich arbeite seit den 1980er Jahren mit Unterstützungen und Widerständen und habe das Standardwerk von John Person über das Trading mit Pivot-Punkten und Candlesticks ins Deutsche übersetzt. In diesem Guide zeige ich dir die fünf wichtigsten Pivot-Varianten mit allen Formeln, ihre Stärken und Schwächen und eine konkrete Daytrading-Strategie mit Praxisbeispielen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Pivot Points: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Pivot Points (Pivot-Punkte) sind aus Hoch, Tief und Schlusskurs des Vortages berechnete Kursmarken. Sie zeigen Daytradern potenzielle Unterstützungen und Widerstände für den laufenden Handelstag, ohne dass man sie subjektiv einzeichnen muss.
- Fünf Arten sind verbreitet: Standard, Fibonacci, Camarilla, Woodie und DeMark. Sie unterscheiden sich in der Formel und gewichten Schlusskurs oder Eröffnung unterschiedlich stark.
- Anwendung: Die meiste Zeit pendelt der Kurs zwischen R1 und S1. Range-Trader handeln die Umkehr an den Levels, Breakout-Trader den Ausbruch darüber hinaus.
- Grenzen: Für sich allein sind Pivot Points kein Handelssignal. Sie brauchen Bestätigung, etwa durch Candlestick-Muster oder weitere Indikatoren.
Pivot Points (deutsch: Pivot-Punkte) sind rechnerisch bestimmte Kursmarken, die aus Hoch, Tief und Schlusskurs des Vortages abgeleitet werden. Sie dienen Tradern als objektive Unterstützungs- und Widerstandslevels für den laufenden Handelstag.
Der Name kommt vom englischen „to pivot”, also drehen oder schwenken: An diesen Punkten wechselt der Kurs häufig die Richtung. Weil die Berechnung rein mathematisch erfolgt, sehen alle Marktteilnehmer dieselben Marken. Genau das macht die Levels so relevant, denn viele Orders sammeln sich an denselben Stellen.
Grundlagen der Pivot Punkte (Pivot Points)
Mit den Pivot Points lassen sich Unterstützung und Widerstand (englisch: Support und Resistance) einfach und vor allem einheitlich berechnen. Bei den Daily Pivots stammen die Eingangswerte aus dem Vortag. Damit stecken die wichtigsten Informationen der letzten Handelssitzung in den Levels:
- Kursschwankung: die gesamte Spanne zwischen Hoch und Tief
- Höchstkurs: das Tageshoch des Vortages
- Tiefstkurs: das Tagestief des Vortages
- Schlusskurs: der Schluss, an dem sich die Marktteilnehmer zuletzt geeinigt haben
Ausgehend vom zentralen Pivot Point (PP) ergeben sich je nach Volatilität des Vortages die weiteren Unterstützungen und Widerstände. Die fünf bekanntesten Arten von Pivot Points sind:
- Standard Pivot Points: der Klassiker mit gleichgewichtetem Durchschnitt
- Fibonacci Pivot Points: kombiniert mit den Fibonacci-Faktoren
- Camarilla Pivot Points: enge Levels mit Fokus auf dem Schlusskurs
- Woodie Pivot Points: der Schlusskurs zählt doppelt
- DeMark Pivot Points: bezieht als einzige Art die Eröffnung ein
Standard Pivot Points
Die bekanntesten Pivot Points sind die Standard Pivots. Die Grundlage bildet der zentrale Pivot Point (PP), ein einfacher Durchschnitt aus High, Low und Close des Vortages:
Standard Pivot Points bestehen aus einem zentralen Pivot Point und je drei Widerständen (R1 bis R3) und Unterstützungen (S1 bis S3). Der Pivot Point ist der Durchschnitt aus Hoch, Tief und Schlusskurs des Vortages: PP = (H + L + C) / 3.
Notiert der Kurs oberhalb des Pivot Points, wird ein bullischer Markt unterstellt. Darunter gilt der Tag als bärisch. Die Widerstände und Unterstützungen errechnen sich so:
- R3 = H + 2 × (PP – L)
- R2 = PP + (H – L)
- R1 = 2 × PP – L
- S1 = 2 × PP – H
- S2 = PP – (H – L)
- S3 = L – 2 × (H – PP)
Diese Punkte werden gerne als Orientierung für den Stopp-Loss und Take Profit genutzt. Eine mögliche Vorgehensweise: Bei Erreichen von R3 nach einem Short Scalp Ausschau halten, bei Erreichen von S3 nach einem möglichen Long Scalp suchen.
Fibonacci Pivot Points
Fibonacci Pivot Points kombinieren den klassischen Pivot Point mit den Fibonacci-Faktoren 0,382, 0,618 und 1,0. Die Faktoren werden auf die Handelsspanne des Vortages angewendet und zum Pivot Point addiert oder von ihm abgezogen.
Der zentrale PP wird genauso berechnet wie beim Standard Pivot Point. Anschließend kommen die bekannten Fibonacci-Level ins Spiel: Viele Trader arbeiten mit dem 38,2-%-, dem 61,8-%- und dem 100-%-Retracement. Da Fibonacci-Marken bei vielen Tradern ohnehin auf der Watchlist stehen, entsteht hier oft eine doppelte Konfluenz aus Pivot-Level und Retracement-Zone:
- R3 = PP + (H – L) × 1,0
- R2 = PP + (H – L) × 0,618
- R1 = PP + (H – L) × 0,382
- PP = (H + L + C) / 3
- S1 = PP – (H – L) × 0,382
- S2 = PP – (H – L) × 0,618
- S3 = PP – (H – L) × 1,0
Lesetipp: Was die einzelnen Fibonacci Retracement Levels bedeuten und wie du sie im Trading einsetzt, erklärt der komplette Fibonacci-Guide.
Camarilla Pivot Points
Die Camarilla Pivot Points wurden 1989 von dem Bond-Trader Nick Scott entwickelt. Der Fokus liegt stärker auf dem Schlusskurs: Die Idee dahinter ist, dass jeder Kurs die natürliche Tendenz hat, zum vorherigen Close zurückzulaufen.
Camarilla Pivot Points sind acht eng am Schlusskurs liegende Kursmarken. Sie werden berechnet, indem die Vortagesspanne mit den Faktoren 1,1/12, 1,1/6, 1,1/4 und 1,1/2 multipliziert und zum Schlusskurs addiert oder von ihm abgezogen wird.
Insgesamt entstehen acht Major Levels, vier Widerstände und vier Unterstützungen:
- R4 = C + (H – L) × 1,1/2
- R3 = C + (H – L) × 1,1/4
- R2 = C + (H – L) × 1,1/6
- R1 = C + (H – L) × 1,1/12
- S1 = C – (H – L) × 1,1/12
- S2 = C – (H – L) × 1,1/6
- S3 = C – (H – L) × 1,1/4
- S4 = C – (H – L) × 1,1/2
Die Handelsidee ähnelt den Standard Pivots, nur enger am Kurs: Bei Erreichen von R3 wird nach Shorts geschaut, bei Erreichen von S3 nach Longs. Durchbricht der Kurs dagegen R4 oder S4, deutet das auf einen sehr starken Trendwechsel hin: Dann sollte mit dem neuen Trend gehandelt werden, nicht dagegen.
Interessant an den Camarilla Pivots: Die Multiplikatoren lassen sich durch eigene Werte ersetzen. Je nach Markt oder Währungspaar entstehen so individuell angepasste Levels.
Woodie´s Pivot Points
Die Woodie Pivot Points ähneln in der Logik den Camarilla Pivots: Auch hier liegt der Fokus auf dem Schlusskurs, der in der Formel doppelt gewichtet wird. Dadurch reagieren die Levels stärker auf die jüngste Kursbewegung:
- R2 = PP + (H – L)
- R1 = 2 × PP – L
- PP = (H + L + 2 × C) / 4
- S1 = 2 × PP – H
- S2 = PP – (H – L)
DeMark´s Pivot Points
Die DeMark Pivot Points gehen auf den Analysten Tom DeMark zurück und unterscheiden sich in zwei Punkten von allen anderen Varianten: Sie beziehen die Eröffnung mit ein, und sie liefern nur je einen Widerstand und eine Unterstützung. Zuerst wird die Hilfsgröße X bestimmt:
- Schlusskurs unter der Eröffnung (C < O): X = H + 2 × L + C
- Schlusskurs über der Eröffnung (C > O): X = 2 × H + L + C
- Schlusskurs gleich Eröffnung (C = O): X = H + L + 2 × C
Daraus ergeben sich die drei Marken:
- R1 = X / 2 – L
- PP = X / 4
- S1 = X / 2 – H
Welche Pivot Points passen zu dir?
Alle fünf Varianten beantworten dieselbe Frage: Wo reagiert der Markt heute? Sie tun es nur unterschiedlich aggressiv. Als Faustregel aus meiner Praxis: Einsteiger fahren mit den Standard Pivots am besten, weil die meisten Charting-Tools sie als Voreinstellung nutzen und die Mehrheit der Marktteilnehmer auf dieselben Marken schaut. Scalper greifen eher zu Camarilla, weil die Levels enger am Kurs liegen und öfter angelaufen werden. Wer ohnehin mit Fibonacci-Retracements arbeitet, bekommt mit den Fibonacci Pivots Konfluenz frei Haus.
Ein Punkt wird oft übersehen: Die Varianten liefern unterschiedliche Levels für denselben Tag. Wer Standard und Camarilla parallel einblendet, hat schnell 15 Linien im Chart und keine davon ist mehr besonders. Entscheide dich für eine Variante, teste sie in deinem Markt und bleib dabei.
Pivot Points in TradingView und MetaTrader einrichten
Von Hand rechnen musst du die Levels nicht. Die meiste Trading-Software zeichnet Pivot Points automatisch in den Chart. In TradingView geht das so:
- Chart öffnen und oben auf das Symbol „Indikatoren” klicken
- „Pivot Points Standard” in die Suche eingeben und auswählen
- In den Einstellungen die Pivot-Art wählen: Traditional, Fibonacci, Woodie, Camarilla oder DeMark
- Die Zeitbasis festlegen: Daily für Daytrading, Weekly oder Monthly für Swing-Trading

Im MetaTrader 4 und 5 gibt es Pivot Points als kostenlose Custom-Indikatoren zum Nachrüsten. Wer die Levels lieber manuell prüft, kann den englischsprachigen Online Pivot Point Calculator verwenden, der Werte bis zum vierten Unterstützungs- und Widerstandslevel liefert.
Vor- und Nachteile von Pivot Points
Wie jedes Werkzeug haben auch Pivot Points Stärken und klare Grenzen. Beides gehört auf den Tisch, bevor du sie in deine Strategie einbaust. In den fertigen Handelsplänen von Trading Central ist die Pivot-Linie das zentrale Element.
Vorteile:
- Objektive Berechnung: Die Levels entstehen aus einer festen Formel. Kein nachträgliches Verschieben, keine Interpretationsspielräume.
- Hohe Verbreitung: Gerade die Standard Pivots beobachten viele Marktteilnehmer. An viel beachteten Marken sammeln sich Orders, was die Reaktionswahrscheinlichkeit erhöht.
- Einfache Anwendung: Jede gängige Trading-Software berechnet die Levels automatisch. Auch Einsteiger können sofort damit arbeiten.
- Flexibel einsetzbar: Pivot Points funktionieren in Forex, Indizes, Rohstoffen und Aktien und lassen sich auf Tages-, Wochen- und Monatsbasis berechnen.
Nachteile:
- Vergangenheitsdaten: Alle Formeln basieren auf dem Vortag. Ein Nachrichtenereignis am Morgen kann die Levels wertlos machen.
- Keine Erfolgsgarantie: Der Kurs muss an keinem Level drehen. Ohne Bestätigung durch Price Action oder weitere Indikatoren sind die Marken nur Linien im Chart.
- Variantenvielfalt: Standard, Camarilla und Fibonacci liefern unterschiedliche Levels für denselben Tag. Wer mehrere Varianten mischt, verwässert die Aussagekraft.
- Schwäche in volatilen Phasen: Bei starken Trendtagen werden Unterstützungen und Widerstände reihenweise durchbrochen. Range-Strategien an den Levels funktionieren dann nicht.
Daytrading-Strategie mit Pivot-Punkten und Candlesticks
Welcher Tradingregel stimmen alle Candlestick-Experten zu? Candlesticks isoliert anzuwenden, ist nicht gewinnbringend. Deshalb enthalten viele Candlestick-Strategien zusätzliche Werkzeuge zur Bestätigung. Der Tradingansatz von John Person verwendet dafür Pivot-Punkte. Ich habe sein Standardwerk zu dieser Methode ins Deutsche übersetzt und stelle dir hier eine vereinfachte Version seiner Strategie vor.
Trading-Werkzeuge
Pivot-Punkte
Pivot-Punkte markieren Kursbereiche, in denen die Kursbewegung häufig erschöpft ist. Für die Strategie reichen die Standard-Formeln mit PP, R1, R2, S1 und S2, wie oben beschrieben.
Doji mit hohem Schlusskurs
John Person entwickelte eigene Candlestick-Signale für seine Strategie. Der bullische Auslöser ist der Doji mit hohem Schlusskurs: Du wartest zunächst einen Doji ab, also eine Kerze, bei der Eröffnung und Schluss fast gleichauf liegen. Danach hältst du Ausschau nach einer Kerze, die über dem Hoch dieses Dojis schließt. Das ist das Kaufsignal.
Doji mit niedrigem Schlusskurs
Die bärische Version funktioniert spiegelbildlich: Nach dem Doji wartest du auf eine Kerze, die unter dem Tief des Dojis schließt. Das ist das Verkaufssignal.
Tradingregeln für die Strategie
Long-Einstieg
- Doji an einem Unterstützungslevel (S1 oder S2)
- Kauf zum Schlusskurs der Kerze, die über dem Doji-Hoch schließt
Short-Einstieg
- Doji an einem Widerstandslevel (R1 oder R2)
- Verkauf zum Schlusskurs der Kerze, die unter dem Doji-Tief schließt
Tradingbeispiele mit Candlestick und Pivot-Punkt
Gewinntrade: Doji mit hohem Schlusskurs

Dieser 5-Minuten-Chart zeigt eine vollständige Handelssitzung des ES Futures (S&P-500-Future). Die Kurse fielen unmittelbar nach der Markteröffnung.
- Der Kurs fand Unterstützung bei S2. Vier Dojis und drei bullische Kerzen in der Nähe von S2 bestätigten die Unterstützung.
- Der bullische Schlusskurs über dem letzten Doji lieferte das Kaufsignal.
- S1 war das natürliche erste Kursziel.
Verlusttrade: Doji mit tiefem Schlusskurs

Ein weiterer 5-Minuten-Chart des ES Futures aus der vorherigen Handelssitzung. Die senkrechte Linie teilt die Sitzungen.
- Die Kurse eröffneten mit einer Kurslücke nach oben und stiegen rasant über den Widerstand R1.
- Am Widerstand R2 stockte der Anstieg mit einer bärischen Umkehrkerze. Zwei Dojis zeigten die Unentschlossenheit.
- Die folgende Kerze schloss unter den Doji-Tiefs: ein Verkaufssignal. Der Aufwärtstrend setzte sich trotzdem fort, der Short lief in den Verlust.
Worauf du bei dieser Strategie achten solltest
Genau dieses zweite Beispiel ist der wichtigste Teil der Lektion: Die meisten Ausbrüche scheitern. Dojis stehen für Unsicherheit, und nicht jeder Ausbruch aus dieser Unsicherheit trägt. Bessere Ergebnisse bekommst du, wenn du auf Folgendes achtest:
- Mehrere Dojis in der Nähe der Pivot-Bereiche als Bestätigung der Erschöpfung
- Keine starken Gegenkerzen: Beim Long-Setup sollten keine überzeugenden bärischen Kerzen dazwischenliegen
- Konsolidierung abwarten: Die besten Trades entstehen nach einer Seitwärtsphase nahe den Pivot-Levels
Pivot-Punkte sind beliebte Werkzeuge, aber den anderen Arten von Unterstützung und Widerstand nicht überlegen. Trade auf keinen Fall wahllos jede Trendwende an einem Pivot-Level. Der vollständige Ansatz von John Person enthält zusätzlich Gleitende Durchschnitte und Divergenzen zur Verstärkung der Signale. Wer tiefer einsteigen will, findet die Methode in seinen Büchern:
- A Complete Guide To Technical Trading Tactics: How To Profit Using Pivot Points, Candlesticks and Other Indicators, deutsche Übersetzung
- Candlestick and Pivot Point Trading Triggers (Wiley Trading)
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
Fazit: Pivot Points im Trading nutzen
Die meiste Zeit bewegen sich die Kurse zwischen R1 und S1. Genau daraus ergeben sich die drei typischen Einsatzarten:
- Range-Trader gehen Long in der Nähe von S1 und Short in der Nähe von R1. Wie das systematisch funktioniert, zeigt der Guide zum Range Trading.
- Breakout-Trader platzieren oberhalb von R1 einen Stop Buy und unterhalb von S1 einen Stop Sell, um den Ausbruch mitzunehmen.
- Trend-Trader nutzen den PP zur Trendbestimmung und legen ihr Take Profit in die Nähe von R3 beziehungsweise S3.
Durch die einfache Nutzung und die standardisierte Berechnung sind Pivot Points ein praktisches Werkzeug: Du bekommst objektive Levels, ohne selbst im Chart nach Unterstützungen und Widerständen suchen zu müssen. Aus meiner Erfahrung liegt ihr größter Wert genau in dieser Objektivität, denn sie zwingt zur Disziplin.
Doch wie alle Indikatoren sind auch Pivot Points kein heiliger Gral. Für sich allein genommen haben sie zu wenig Aussagekraft. Erst in Kombination mit Price Action, Candlestick-Mustern oder weiteren Indikatoren entsteht daraus ein vollständiges Setup.
FAQ zu Pivot Points im Trading
Was ist ein Pivot Point?
Ein Pivot Point ist eine rechnerisch bestimmte Kursmarke, die aus Hoch, Tief und Schlusskurs des Vortages abgeleitet wird. Er dient als objektiver Anhaltspunkt für Unterstützungen und Widerstände des laufenden Handelstages. Das R in den Levels steht für Resistance (Widerstand), das S für Support (Unterstützung).
Wie werden Pivot Points berechnet?
Der klassische Pivot Point ist der Durchschnitt aus Hoch, Tief und Schlusskurs des Vortages: PP = (H + L + C) / 3. Daraus werden die Widerstände R1 bis R3 und die Unterstützungen S1 bis S3 abgeleitet, zum Beispiel R1 = 2 × PP – L und S1 = 2 × PP – H. Varianten wie Camarilla oder Fibonacci nutzen andere Multiplikatoren.
Wie nutzt man Pivot Points im Trading?
Die meiste Zeit pendelt der Kurs zwischen R1 und S1. Range-Trader kaufen nahe der Unterstützung und verkaufen nahe des Widerstands. Breakout-Trader handeln den Ausbruch über R1 oder unter S1. Trend-Trader bestimmen über den PP die Tagesrichtung und zielen auf R3 oder S3 als Gewinnmitnahme.
Welche Art von Pivot Points ist die beste?
Eine pauschal beste Variante gibt es nicht. Standard Pivots sind der verbreitetste Ansatz und für Einsteiger die erste Wahl, weil die meisten Marktteilnehmer dieselben Marken sehen. Camarilla eignet sich für Scalper mit engen Levels, Fibonacci Pivots für Trader, die ohnehin mit Retracements arbeiten.
Reichen Pivot Points allein für eine Trading-Strategie aus?
Nein. Für sich allein haben Pivot Points zu wenig Aussagekraft, denn der Kurs muss an keinem Level drehen. Erst die Kombination mit Candlestick-Mustern, Price Action oder weiteren Indikatoren macht aus den Levels ein handelbares Setup.
Welcher Schlusskurs wird für die Berechnung genutzt?
Im Forex-Handel nutzen die meisten Trader das New Yorker Closing um 17:00 Uhr Ortszeit New York, weil der Devisenmarkt ein 24-Stunden-Markt ist und dort der Handelstag endet. Bei Aktien und Futures gilt der offizielle Börsenschluss des jeweiligen Marktes.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und Hauptautor auf kagels-trading.de. Mehr über ihn erfährst du auf seiner Autorenseite.
Als diskretionärer Price-Action-Trader handelt er seit 1978 Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Ende der 1980er übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche und war über 17 Jahre der deutsche Repräsentant von Joe Ross, dessen zehn Trading-Bücher er übersetzte und verlegte. Bei Interactive Brokers ist er seit 1996 Kunde.
Zum Trading mit Pivot-Punkten hat Karsten einen direkten Bezug: Gemeinsam mit Gaby Boutaud übersetzte er John Persons Standardwerk „A Complete Guide To Technical Trading Tactics” über das Pivot-Punkte- und Candlestick-Trading ins Deutsche. Vortages-Levels wie Hoch, Tief und Schluss gehören seit Jahrzehnten zu den festen Marken in seiner täglichen Chartvorbereitung. Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.













