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Stop-Loss Order setzen – Logische Anleitung für Trader

Eine Stop-Loss-Order begrenzt das Risiko eines Trades. Sie ist somit der beste Freund eines Traders, der im Markt überleben will und langfristig potenzielle Gewinne realisieren möchte. Die meisten Trader schätzen es, Stop-Loss-Orders zu ihrem eigenen Schutz im Markt zu haben. Aber in den meisten Fällen denken sie über die Platzierung ihrer Stop-Loss-Aufträge nicht viel nach.

Um den Vorteil von Stop-Loss-Aufträgen wirklich zu erfassen, ist eine logische Denkweise erforderlich. Bevor wir uns genauer anschauen, wie man Stop-Loss-Orders bestimmt, wollen wir zuerst erörtern, wie man Stop-Loss-Aufträge nicht setzt.

Die falsche Art, Stop-Loss-Orders zu setzen

Die zwei folgenden Fragen fassen den falschen Denkprozess für das Setzen von Stop-Loss-Aufträgen zusammen:

1. Wie viel möchte ich verlieren?

Nehmen wir an, Sie wollen Ihr Risiko auf 200 $ beschränken.

2. Was ist der implizierte Stop-Loss-Kurs?

Ich kaufe beispielsweise eine Aktie ABC zu  50 $. Um mein Risiko auf 200 $ zu begrenzen, muss ich mein Stop-Loss bei 48 $ platzieren.

$ 50 – (200 $ / 100 Aktien) = 48 $ Stop-Loss-Kurs

Somit werde ich meine Stop-Loss-Verkaufsorder bei 48 $ platzieren.

Was stimmt bei diesem Denkprozess nicht?

Die Kursbewegung wird dabei überhaupt nicht berücksichtigt. Wir haben den Stop-Loss-Kurs ausschließlich im Hinblick auf unsere persönliche Risikopräferenz festgelegt. Für den Markt ist dieser Stop-Loss-Punkt willkürlich und bedeutungslos.

Die logische Anleitung zum Platzieren von Stop-Loss-Orders

Ein logisch vorgehender Trader durchdenkt nacheinander folgenden Fragen:

1. Welcher Stop-Loss-Kurs ist folgerichtig?

Ein logischer Stop-Loss-Punkt ist keine Folge unserer persönlichen Risikobereitschaft. Er gründet vielmehr auf der Kursbewegung. Stop-Loss-Werte, die auf Grundlage der Price Action bestimmt werden, ermöglichen es uns, unser Risiko zu begrenzen und geben uns genügend Spielraum, damit sich unser jeweiliger Trade entfalten kann.

Es gibt zwei grundlegende Methoden, um Stop-Loss-Punkte mit Hilfe der Kursbewegung festzulegen:

Die Unterstützung oder der Widerstand als Stop-Loss

Wir wollen, dass der Markt im Idealfall unseren Stop-Loss-Punkt nicht erreicht. Daraus folgt logischerweise, dass bei Long-Positionen die Unterstützung-Niveaus des Marktes als Stop-Loss dienen. Das gleiche gilt für die Widerstands-Niveaus des Marktes, die somit als Stop-Loss-Punkte für Short-Positionen genutzt werden können.

Bei Candlestick- und Balken-Chartmuster sind Unterstützung / Widerstand von geringer Bedeutung. Wenn Sie mit solchen Kursmustern arbeiten, platzieren Sie Ihr Stop-Loss unterhalb (oder oberhalb) von diesen.

stop-loss-auftrag

Chartmuster Stop-Loss-Platzierung für ein Hikkake Long-Setup

Im obigen Beispiel haben wir einen Stop-Loss Verkaufsauftrag unter das Long-Hikkake-Chartmuster platziert.

  1. Dieses Long-Hikkake-Muster prallte vom Gleitenden Durchschnitt ab, so dass wir eine Longposition eröffneten.
  2. Der natürliche Stopp für dieses Chartmuster befand sich kurz unter dem Tief des Hikkake Musters.

Swing-Pivotpunkte bilden ebenfalls  natürliche Unterstützung (Support) und Widerstand (Resistance), die sich für die Platzierung von Stop-Loss-Aufträgen anbieten.

swing-pivotpunkte-stop-loss

Stop-Loss Platzierung unter einem Pivot-Swingtief

 

Im obigen Chart ist die Swings des Marktes mit blauen Linien gekennzeichnet.

  1. Hier eröffneten wir eine Long-Position ohne bestimmtes Kursmuster. Unser Trading-Signal stellte stattdessen der Schlusskurs über dem Gleitenden Durchschnitt (orange) dar.
  2. Wir platzierten unseren Stop-Loss etwas unterhalb des letzten Swing-Tiefs, das hier als Markt-Unterstützung diente.

Volatilität als Stop-Loss

Ein ideales Stop-Loss bietet genug Raum, damit der Trade sich entwickeln kann. Aber wie viel Raum (Kursspanne) ist genug?

Die Antwort hängt von der Volatillität des Marktes ab. Daher ist die Berücksichtigung der Volatilität der Kursbewegung eine weitere logische Methode, um Stop-Loss-Aufträge zu platzieren.

Ein klassisches Beispiel für einen Volatilitätsstop stellt der sogenannte Candelier-Stop dar. Hierbei wird der ATR-Indikator genutzt,  wobei ATR für Average True Range steht. Der ATR-Indikator misst die Schwankungsbreite bzw. die Volatilität der Kurse innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Dann wird ein Stop Loss platziert, der ein Vielfaches des ATR ausmacht.

Im Beispiel unten haben wir den 14-Perioden ATR multipliziert mit drei für unseren Chandelier-Stop (in orange) benutzt.

chandelier-ausstieg-stop-loss

Volatilitätsstop mit Chandelier Ausstieg

 

  1. Wir kauften, nachdem der Markt über die kleine blaue Abwärtstrendlinie gestiegen und dort einen Schlusskurs hinterlassen hatte.
  2. Auf Grundlage des  Chandelier-Stop platzierten wir hier (gepunktete Linie) ein initiales Stop-Loss.
  3. Der Chandelier-Stop wird häufig als Trailing-Stop-Loss (nachgezogenes Stop-Loss) eingesetzt. In diesem Fall hat er gut funktioniert. Wir konnten den Stop nach oben verschieben und von einer schönen bullischen Kursbewegung  profitieren.

2. Wie viel muss ich aufgrund des logischen Stop-Loss-Punktes riskieren?

Zum Beispiel liegt ein durch ein Chartmuster begründetes Stop-loss-Niveau bei 40 $. Wir entscheiden uns bei einem Kurs von 50 $ mit 100 Aktien einzusteigen. Somit werden wir 1.000 $ riskieren müssen.
(50 $ – 40 $) x 100 Aktien = 1.000 $ Trade-Risiko

3. Kann ich es mir leisten, diesen Betrag zu riskieren?

Szenario 1:

Mein Tradingkonto enthält 2.000 $. Das ist alles, was ich für meine Trading-Aktivitäten einsetzen kann. Wenn ich das verliere, kann ich nicht mehr traden.
Wenn ich 1.000 $ verliere, wie es mein Chartmuster-Stop besagt, laufe ich Gefahr, eine Minuslage (Drawdown) von 50 Prozent verkraften zu müssen. Dieses Risiko einzugehen, kann ich mir nicht leisten.

In diesem Fall ist der Trade zu teuer für mich, unabhängig von der Qualität des Trading-Setups. Ich muss also auf diesen Trade verzichten oder meine Positionsgröße reduzieren, um das Risiko für den Trade auf ein akzeptables Niveau verringern.

Szenario 2:

Ich habe 50.000 $ auf meinem Tradingkonto. 1.000 $ machen somit lediglich 2 Prozent meines Risikokapitals aus. Ein Verlust von 2 Prozent würde mich nicht ruinieren, so dass ich danach nicht mehr traden könnte. Ich kann es also gut verkraften, dieses Risiko einzugehen. Daher werde ich mich für diesen Trade entscheiden.

Ein logischer Stop-Loss gibt der Price Action Priorität

Ein törichter Trader setzt zuerst seine persönliche Risikopräferenz fest und platziert daraufhin seinen Stop-loss im Markt. Er hat bereits seine Entscheidung getroffen, sich im jeweiligen Markt zu engagieren, bevor er überhaupt das entsprechende Risiko überprüft hat.

Der folgerichtig und rational vorgehende Trader zieht zuerst das Risiko in Erwägung, bevor er sich für ein Engagement in einem bestimmten Markt entscheidet. Er beginnt mit einer Analyse des Marktes, um seinen Stop-Loss festzulegen. Daraufhin zieht er seine persönliche Risikobereitschaft in Betracht. Letztlich engagiert er sich nur dann in einem Markt, wenn er in der Lage ist, das entsprechende Risiko zu tragen.

Stop-Loss Orders begrenzen das Risiko und sind von entscheidender Bedeutung für das Überleben eines Traders.

Wenn Sie jedoch bei der Festlegung Ihrer Stop Loss Order nicht durchdacht vorgehen, indem Sie den Markt an die erste Stelle setzen, sind diese nutzlos.

Denken Sie immer daran, dass der Markt zuerst kommt. Und traden Sie nicht, wenn Sie es sich nicht leisten können zu verlieren.

 

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: The Logical Trader’s Guide to Setting Stop-Losses

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

 

Danke für das Teilen!
Klicke hier, um einen Kommentar zu hinterlassen 4 Kommentare
Ingmar Folk - 18/09/2016

Hallo,

ein sehr guter Artikel zu einem der wichtigsten Themen beim Trading, wie ich finde.

Sein Risiko zu managen, ist nicht notwendiges Übel für einen Trader, sondern das A und O.

Sehr viele Anfängertrader stellen sich tatsächlich gar nicht die Frage, ob sie sich einen Trade leisten können. Die meisten können sich viele Trades nicht leisten, handeln sie dennoch, und wundern sich, warum Verluste entstehen.

Weil viele einfach sofort alles und jede Chance traden wollen, halten sie sich nicht an die grundlegenden Spielregeln der Börse. Natürlich wird das bestraft ;)

Grüße
Der Risikomanager

Trading-Psychologie

Antworten
Karsten Kagels - 18/09/2016

Hallo Ingmar, vielen Dank für deinen Kommentar. Wir kennen uns doch noch aus den „alten Zeiten“.

Den Link zu deinem interessanten Artikel zur Trading-Psychologie habe ich extra eingebaut, so können interessierte Trader dort weiter lesen.

Beste Grüße
Karsten

Antworten
Ingmar - 19/09/2016

Hi Karsten,

poste normalerweise keine Links direkt im Kommentar, deshalb habe ich den Namen etwas interessanter gestaltet. Aber so ist es ja top, merci.

Klar kennen wir uns noch! Über die Joe Ross Gemeinschaft bin ich ans Trading herangeführt worden. Schon lnage her. Ich schätze der alte Joe wird schon von oben auf uns gucken, oder?

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