Revolutioniert „Trade Republic“ den Börsenhandel? Test und Erfahrungsbericht

Broker "Trade Republic"
Der neue Broker „Trade Republic“

Der neue Broker „Trade Republic“ ist derzeit in aller Munde. Kein Wunder, denn das junge Berliner FinTech-Startup bietet den Handel mit Aktien und Derivaten auf dem Smartphone für eine Fremdkostenpauschale von nur 1,00 Euro an. Im Vergleich zu den normalen Handelskosten bei gängigen Brokern ist dieses Angebot für viele Anfänger und Sparfüchse interessant. Doch ist das Angebot von „Trade Republic“ auch effizient? Wie kann das Startup bei diesen Preisen Geld verdienen? Lohnt sich jetzt der Einstieg in den Aktien- und Derivatehandel?

Ich habe etwas hinter die Kulissen geschaut und den umfangreichen Test gemacht. Das Ergebnis ist allerdings kein Freifahrtschein.

Die Story hinter „Trade Republic“

Die Entstehungsgeschichte von „Trade Republic“ reicht bis ins Jahr 2011 zurück. Dort lernten sich zwei der drei Gründer an einer Universität kennen. Christian Hecker studierte Betriebswirtschaftslehre und Philosophie, während sich Thomas Pischke auf Physik mit dem Schwerpunkt Quantencomputing festgelegt hatte. Erst 2015 kam Marco Cancellieri hinzu, der Medieninformatik studierte und mit erfolgreichen App-Projekten in der Medien-, Automobil- und Logistikbranchen schon von sich reden gemacht hatte.

Aufgrund ihrer Gemeinsamkeiten für das Thema Geldanlage entschieden sich die drei, 2015 das Unternehmen „Trade Republic“ zu gründen. Nachdem die ersten Wege eingeschlagen waren, begeisterten die drei Gründer den Broker „Sino AG“ für ihr Geschäftsmodell eines Aktienhandels ausschließlich auf dem Smartphone. Sino stieg 2017 als strategischer Investor bei dem Startup ein. In der Folge übernahm Ingo Hillen als bereits langjähriger Geschäftsleiter der Sino AG die Geschäftsführung bei „Trade Republic“. Er brachte gleichzeitig Karsten Müller mit, der als Justiziar schon bei der Lang & Schwarz AG sowie bei der Sino AG den Wertpapierhandel in rechtlicher Hinsicht begleitete.

Der letzte Schritt zum „Going Public“

Nach zweijähriger Vorbereitung und Entwicklung erwarb „Trade Republic“ im Dezember 2018 die Lizenz als Wertpapierbank. Doch nicht nur das. Zum offiziellen Start am 09. Januar 2019 gab der Broker die Zusammenarbeit mit der SolarisBank zur sicheren Verwahrung der Kundengelder bekannt. Die Zusammenarbeit mit der HSBC sollte fortan der sicheren Abwicklung der Wertpapiergeschäfte dienen. Und schließlich wurde durch eine Kooperation mit dem Broker Lang & Schwarz AG die Handelsqualität mit dem an der Börse Hamburg betriebenen elektronischen Handelssystem LS Exchange sichergestellt. Ab diesem Datum war es möglich, sich für den Handel mit Aktien und ETFs zu registrieren.

Im Februar 2019 begann „Trade Republic“, die ersten Kunden für den Handel freizuschalten. Nach eigenen Angaben hatten sich in den vier Wochen zuvor „mehrere Tausend Interessenten“ bereits registriert. Nachdem die Stabilität der Systeme wohl sichergestellt war, wurde Anfang Mai die Depot-Eröffnung für jedermann innerhalb von 10 Minuten möglich. Mit einem 25-köpfigen Team startete „Trade Republic“ damit endgültig in vollem Umfang den provisionsfreien Handel ohne Depotgebühren und Negativzinsen.

„Trade Republic“ überzeugt Investoren

Mitte Juli 2019 legte „Trade Republic“ noch eins drauf. In einer Pressemitteilung verkündete das Startup, dass nun auch Derivate des Handelspartners HSBC im Portfolio des Brokers verfügbar seien. Seitdem können bei „Trade Republic“ ebenso Zertifikate wie KO-Scheine auf alle denkbaren Basiswerte für nur 1,00 Euro Fremdkostenpauschale je Kauf und Verkauf gehandelt werden.

Durch den rasanten Zulauf interessierter Kunden und den starken Anstieg der Registrierungen innerhalb kürzester Zeit schaffte „Trade Republic“ den „Proof of Concept“. Hatte die Sino AG bis dahin als Investor den Aufbau des Unternehmens finanziert, war nun der Weg für eine „Series A“-Finanzierungsrunde frei, um nach weiteren Investoren und Venture Capital Ausschau zu halten. Mit dem Einstieg des international aufgestellten VC-Investors „Creandum“ (Spotify, Klarna) und dem Berliner Co-Investor „Projekt A“ flossen „Trade Republic“ nochmals weitere 10 Millionen Euro zu.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der neue Broker nach eigenen Angaben bereits 17 Millionen Euro an Kundengeldern eingesammelt. Aktuell firmiert die „Trade Republic Bank GmbH“ gemäß Impressum in Berlin, hat ihren Sitz jedoch in Düsseldorf. Dort ist auch die GmbH im Handelsregister eingetragen.

Was „Trade Republic“ an Leistungen verspricht

Das Credo von „Trade Republic“ lautet: „Wir sind der Broker für eine neue Generation: mobiler, intuitiver, schneller – und dauerhaft provisionsfrei.“ Um diese Kriterien zu erfüllen, kommt das Unternehmen zunächst mit einer Reihe von Leistungen, die das unterstreichen sollen. Zuoberst steht natürlich der Handel allein über das Smartphone und von überall auf der Welt. Die Gründer nutzen hierfür keinerlei althergebrachte Handelsplattform, sondern haben dazu ihre vollkommen eigene App programmiert. Erfahrene Trader dürfen hier nicht allzu viel bis gar nichts erwarten. Der Handel am PC ist nicht möglich und auch nicht vorgesehen.

Das handelbare Portfolio bei „Trade Republic“ umfasst mehr als 6500 deutsche und internationale Aktien. Ob diese Zahl stimmt, lässt sich natürlich nicht überprüfen. Man mag es aber glauben, da die Daten schließlich von der LS Exchange kommen. Schließlich ist es im Testzeitraum auch problemlos möglich gewesen, relativ exotische Werte wie die „National Bank of Greece“, Hua Hong Semiconductor (Small Cap in China) oder Itaú Unibanco (Brasilien) zu finden. Allein die Aktie der Spvgg Unterhaching war (noch) nicht abrufbar, deren viel beachtete IPO aktuell vor vier Tagen stattgefunden hat.

Derivate und ETFs bei „Trade Republic“

Bei den über 40.000 Derivaten bedient sich „Trade Republic“ ausschließlich beim Partner HSBC. Diese umfassen derzeit allerdings nur KO-Scheine und Optionsscheine. Für in der App handelbare Aktien lassen sich diese Scheine sehr leicht über die Watchlist anzeigen. Möchte man jedoch Zertifikate der HSBC auf andere Basiswerte wie zum Beispiel Indizes, Währungspaare oder Edelmetalle handeln, gelingt dies in der Wertpapiersuche nur mit Hilfe der WKN, die man aus anderen Quellen kennen muss.

Auch das ETF-Angebot kann sich grundsätzlich sehen lassen. Mit über 500 ETFs sollte jeder, der in diesem Bereich sein Geld investieren möchte, das Passende für sich finden. Die Suche ist auch hier tricky und lädt zum Ausprobieren ein. Etwa die Eingabe von ‚a‘ in der Such-Zeile stellt eingrenzende Vorschläge für ETFs auf Aktien, Asien oder Anleihen zur Verfügung. Mit ‚e‘ zeigt sie ETFs auf Europa oder auf den Eurostoxx50, ein ‚u‘ bringt Vorschläge für ETFs auf die USA, Unternehmensanleihen oder UK-Aktien. Wer nach „MSCI World“ sucht, wird auch auf der Suche nach dem beliebten iShares-ETF schnell fündig.

Von der Einfachheit des Handels bis zum administrativen Service

Das Leistungsspektrum von „Trade Republic“ erschöpft sich natürlich nicht schon durch das Portfolio der handelbaren Werte. Im Zentrum des Marketings steht denn auch die Aussage, dass der Handel für jeden vor allem einfach, verständlich und – abgesehen von der Fremdkostenpauschale – kostenlos sein soll. Ob das so ist, zeigt der nachfolgende Praxistest. Die angestrebte Einfachheit zeigt sich jedoch schon an der Website.

„Trade Republic“ verzichtet hier auf jeglichen Schnick-Schnack. Die Website verfügt lediglich über drei Seiten, von denen nur zwei für den potentiellen Kunden interessant sind: die Startseite und die „Über uns“-Seite, welche alle relevanten Informationen und nur einen einzigen Download-Link zum Preisverzeichnis als PDF enthalten.

So erfahren wir ebenfalls schnell auffindbar, dass die langen Handelszeiten immerhin von 07:30 Uhr bis 23:00 Uhr reichen. Desweiteren gibt es keine sonst übliche FAQ-Seite, sondern die neun wichtigsten Fragen beantwortet „Trade Republic“ im unteren Teil schon direkt.

Steuern und Dividenden

Darüber hinaus weist „Trade Republic“ etwas verschönend darauf hin, dass sie sich um die Abrechnung der Steuern „kümmern“. Dies bedeutet natürlich nur, dass die Abgeltungssteuer bei im Gewinn geschlossenen Positionen automatisch einbehalten und abgeführt wird. Standard für einen deutschen Broker. Dazu zählen auch die Erstellung einer Jahressteuerbescheinigung, die Teilnahme an einer Kapitalmaßnahme oder der Hauptversammlung eines Unternehmens, sowie der Bezug von Dividenden.

Zwar ist der Bezug von Dividenden, die Teilnahme an einer Kapitalmaßnahme oder die Jahressteuerbescheinigung kostenfrei. Für die Anmeldung an einer Hauptversammlung oder ein freiwilliges steuerliches Reporting und weitere Angelegenheiten wie der postalischen Auftragserteilung werden jedoch Gebühren fällig. Der Blick in das 1-seitige und überschaubare Preisverzeichnis sollte obligatorisch sein.

„Trade Republic“ im ultimativen Praxistest

Ich geb es zu, ich bin handy-phob! Smartphones nutze ich im Wesentlichen, um zu telefonieren, um über Whatsapp mit anderen schnell zu kommunizieren oder um ab und zu Kurse einzusehen. Viel mehr nicht. App-Berechtigungen sind mir zutiefst suspekt, wenngleich ich weiß, dass es ohne sie nicht geht. Mobile Trading-Apps habe ich noch nie benutzt, weil ich professionelles Trading mittels Handy über das reine Positionsmanagement hinaus nicht für möglich halte.

Aber für 1,00 Euro Aktien, Derivate und ETFs bei einem deutschen Broker volumenunabhängig zu handeln, das ist schon zumindest einen Versuch wert. Daher habe ich – natürlich auf dem PC – die Website von „Trade Republic“ aufgerufen, auf der Startseite meine Handynummer eingegeben und den „Loslegen“-Button geklickt. Wenige Sekunden später kam eine SMS mit einem Link zur Depot-Eröffnung.

Die Depot-Eröffnung bei „Trade Republic“

Registrierung bei "Trade Republic"
Die Registrierung bei „Trade Republic“

Der Broker wirbt damit, dass die Depot-Eröffnung in 10 Minuten möglich ist. Christian Hecker, einer der drei Gründer, spricht in einem Interview mit dem Online-Magazin „extraetf.com“ sogar von einer Rekordzeit von nur fünf Minuten. Auch wenn ich aufgrund meiner Handy-Phobie naturgemäß etwas länger gebraucht habe, sollte man doch etwas mehr Zeit einplanen. Der SMS-Link zur Depot-Eröffnung führt zunächst zur Installationsaufforderung der „Trade Republic“-App.

Bei mir scheiterte der erste Installationsversuch mit der Fehlermeldung, dass mein Gerät mit der App-Version nicht kompatibel ist. Auf Anfrage wurde mir dann mitgeteilt, dass mindestens die Android-Version 5.0 erforderlich sei. Ok, ich hatte nur Version 4.4.2 und aktualisieren ließ sich das auf meinem offensichtlich zu alten Handy nicht. Also musste ein neues Handy her.

Depoteröffnung bei "Trade Republic"
Die Depoteröffnung bei „Trade Republic“

Nachdem die „Trade Republic“-App installiert ist, loggt man sich mit seiner zuvor angegebenen Handy-Nummer nochmals ein. Daraufhin erhält man erneut einen Verifizierungscode per SMS, der in der folgenden Eingabemaske einzutragen ist. Anschließend folgt die Eingabe der persönlichen Daten. Dazu gehören natürlich Name, Wohnort, Geburtsdatum, die Kontoverbindung und die steuerliche Ansässigkeit. Später erhält man noch eine Mail an die angegebene eigene Mail-Adresse, welche ebenfalls nur bestätigt werden muss.

Die „Trade Republic“ Videoidentifizierung

Videochat zur Identifizierung bei "Trade Republic"
Der Videochat zur Identifizierung bei „Trade Republic“

Schließlich folgt das Kernstück der Depot-Eröffnung, die Identifikation per Video-Chat. Für mich eine völlig neue Erfahrung. Hierfür müssen natürlich die Handy-Kamera und die Internet-Verbindung aktiv sein sowie der Personalausweis bereitgehalten werden. Ein Lächeln gehört ebenfalls zu den Anforderungen. Während des Chats werden ein paar Fragen gestellt, der Ausweis muss sichtbar vor die Kamera gehalten werden und man darf ein paar Mal winken. Nach ein paar Minuten wird der Chat beendet und man wartet am Smartphone auf das Ergebnis der Videoidentifizierung.

Wurde diese positiv abgeschlossen, möchte „Trade Republic“ etwas über Erfahrungen und Kenntnisse beim Handel mit Aktien und Derivaten wissen. Am Ende bestätigt man den Erhalt verschiedener Informationsblätter, insbesondere der Kundenvereinbarung, der Zustimmung zum Treuhandkonto sowie des Preis- und Leistungsverzeichnisses. Nach der Bestätigung ist es geschafft und man erhält seine persönliche IBAN, und Hinweise dazu, was bei einer Geldüberweisung angegeben werden soll.

Zu beachten ist, dass „Trade Republic“ Überweisungen ausschließlich von einem deutschen Bankkonto erwartet. Kreditkarte, Paypal oder andere Zahlungsarten wie Neteller sind nicht möglich.

Geldeinzahlung bei "Trade Republic"
Die Geldeinzahlung bei „Trade Republic“

Meine Überweisung erfolgte gleich nach der Depot-Eröffnung. Die Gutschrift der Überweisung auf meinem „Trade Republic“-Account wurde schon am selben Tag nach nur knapp drei Stunden im persönlichen Bereich der App angezeigt. Das ging schnell und ich konnte im Prinzip mit dem Handel beginnen. Alles in allem hat die Eröffnung samt Kapitalisierung des Kontos somit keine vier Stunden gedauert.

Die Oberfläche der „Trade Republic“ – App

In der Zwischenzeit kann man sich schnell mit der spartanisch angelegten Oberfläche vertraut machen. „Trade Republic“ reduziert das Menü auf nur drei wesentliche Seiten, die über die drei Symbole am unteren Bildrand aufrufbar sind. Rechts befindet sich das Symbol für das „Profil“. Hier lassen sich über das kleine Zahnrad die persönlichen Daten einsehen und die App-PIN ändern, falls nötig oder gewünscht. Ebenfalls sieht man das zum Handel zur Verfügung stehende Kapital und daneben ein Button, um sich Geld wieder auszahlen zu lassen. Der restliche Bildschirm wird mit einer Timeline ausgefüllt, die alle relevanten Vorgänge wie Einzahlung, Auszahlung sowie Käufe und Verkäufe chronisch auflistet.

Handelsoberfläche der "Trade Republic"-App
Die Handelsoberfläche der „Trade Republic“-App

In der Mitte befindet sich die Lupe, die zur Suche von Wertpapieren führt. Gibt man hier den Namen einer Aktie, deren Börsenkürzel oder eine WKN an, zeigt die „Trade Republic“-App in Echtzeit Vorschläge zur Eingabe. Wählt man den gesuchten Wert aus, kommt man zu einer Profil-Seite der Aktie oder des Zertifikats. Dort kann man den Wert mit der Auswahl von ‚Kaufen‘ direkt handeln. Oben rechts lässt sich der Wert mit dem kleinen Fähnchen aber auch nur zur Watchlist hinzufügen. Ein Tap auf die drei senkrecht angeordneten Punkte daneben blendet mögliche Optionen zum Wert ein. Hier lassen sich entweder Preisalarme hinzufügen oder Derivate anzeigen.

Mit einem Tap auf den Zurück-Button des Smartphones gelangt man wieder zur Suchmaske.

Das linke Zeilen-Symbol am unteren Bildrand führt zur Übersicht der eigenen Investments, der Depotwert-Entwicklung sowie zu der darunter liegenden Watchlist. Wählt man einen Wert aus, gelangt man wieder auf dessen Profil-Seite mit dem ‚Kaufen‘-Button. Die Profil-Seite bietet zunächst kursbezogene Kennzahlen. Darunter befinden noch Informationen zum Unternehmen sowie eine Nachrichten-Timeline. Die Informationen sind, sofern relevant für den Anwender, mit Vorsicht zu genießen. Die Texte werden wohl aus Wikipedia übernommen und müssen nicht immer vollständig stimmen.

Denn so steht zum Beispiel im Text zu Infineon, dass das Unternehmen im Jahr 2015 einen Umsatz von sagenhaften 5795 Milliarden Euro erzielt hätte. Richtigerweise gehört allerdings hinter die 5 ein Komma, da es nur 5,795 Milliarden Euro waren.

Handeln mit der „Trade Republic“ – App

Der Handel von Aktien und Derivaten ist prinzipiell so einfach wie die ganze Struktur der App. Ob direkt aus der Suche oder der Watchlist heraus lassen sich Werte mit nur drei Taps kaufen und verkaufen. Hat man einen Wert herausgesucht, den man in sein Depot aufnehmen möchte, tippt man zunächst einfach auf ‚Kaufen‘. In der folgenden Eingabemaske gibt man die Anzahl der Aktien oder Zertifikate ein und tippt sodann auf den weiterführenden Pfeil im blauen Kreis. Die erscheinende Orderübersicht fasst die Details der Order nochmals zusammen und mit einem Tab auf ‚Jetzt kaufen‘ wird die Order in das Orderbuch bei LS Exchange eingestellt. Die Ausführung erfolgt in der Regel sofort und wird im Profil der „Trade Republic“-App angezeigt.

Market-Order in der "Trade Republic"-App
Die Market-Order in der „Trade Republic“-App

Dies betrifft zumindest die reine Market-Order so. Möchte man eine Limit-Order in den Markt geben, tippt man in der Eingabemaske auf die blau markierte Zeile „Markt-Preis“. Im folgenden Dialog lässt sich die Limit-Preis-Order auswählen. Entscheidet man sich dafür, gibt man auf der nächsten Seite den Limit-Kaufpreis ein, der natürlich unter dem aktuellen Kurs liegen sollte, und bestimmt die Länge der Gültigkeit der Order.  Hat man irrtümlich einen Preis eingegeben, der über dem Kurs liegt, erscheint ein entsprechender Hinweis darauf, dass die Order voraussichtlich sofort ausgeführt wird. Mehr nicht.

Limit-Order in der "Trade Republic"-App
Die Limit-Order in der „Trade Republic“-App

Ein echtes Manko ist allerdings das Fehlen einer Stopp-Loss Order beim Aktienhandel. Es ist derzeit bei „Trade Republic“ nicht möglich, bei Aktien offene oder Gewinn-Positionen mit einem Stopp Loss abzusichern. Laut Christian Hecker möchte „Trade Republic“ diese Option jedoch „zukünftig auch anbieten“. Wann das aber sein wird, ist nicht bekannt. Stopp-Orders sind derzeit nur bei den Derivaten einstellbar.

[EDIT: seit dem 22.08.2019 ist es nun auch beim Aktienhandel möglich, eine Stopp-Order zu setzen. „Trade Republic“ hat dies über die App jedem Nutzer mitgeteilt.]

Management offener Positionen

Um eine offene Position zu schließen oder einen Teilverkauf vorzunehmen, tippt man zuerst auf das unten positionierte Zeilensymbol in der „Trade Republic“-App. Dort sind die bestehenden Investments aufgelistet. Ein Tap auf den Basiswert führt zur Detailansicht mit einem ‚Verkaufen‘ und einem ‚Kaufen‘ Button. Hier lässt sich die Position nach dem gleichen Schema wie oben entweder aufstocken oder in Teilen bzw. als Ganzes wieder verkaufen.

Wird beim Verkauf ein Limitpreis angegeben, muss dieser diesmal natürlich über dem aktuellen Kurs liegen. Liegt der eingegebene Preis unter dem aktuellen Kurs, erscheint erneut die Warnmeldung, dass die Order voraussichtlich sofort ausgeführt wird.

Wie kann „Trade Republic“ bei den Preisen überleben?

Vielerorts taucht die Frage auf, wie „Trade Republic“ mit dieser Preisstruktur überhaupt funktionieren kann. Wer aber einmal in die Materie eingetaucht ist, versteht das sehr schnell. Die von „Trade Republic“ selbst programmierte Trading-App ist ebenso einfach strukturiert, wie die Website. Lizenzen für andere Trading-Plattformen fallen somit grundsätzlich weg, die Kosten für die IT-Infrastruktur minimieren sich drastisch.

Am überschaubaren Preisverzeichnis lässt sich ebenfalls gut erkennen, dass die Services auf das Notwendigste beschränkt sind. Das spart administrative und personell bedingte Kosten. Ebenso durch den hohen Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad bei den Wertpapiertransaktionen und der Wahl der dafür richtigen Partner kann „Trade Republic“ nach eigenen Angaben die Kosten auf einen Bruchteil minimieren.

Daher kommen die Gewinne bei „Trade Republic“

Die Basis der Ertrag-Struktur dürften jedoch die Rückvergütungen bilden, die „Trade Republic“ für jede Orderweiterleitung erhält. Der Kundenvereinbarung zufolge, die man auch nachträglich über das Profil öffnen kann, beträgt diese „bis zu 3,00 Euro“ je Order. Diese Rückvergütungen sind teilweise umstritten, weil befürchtet wird, dass die Orders nicht an dem Handelsplatz mit dem besten Preis ausgeführt werden, sondern dort, wo die Rückvergütung am höchsten ist.

"Trade Republic" verdient durch Rückvergütungen
„Trade Republic“ verdient durch Rückvergütungen bei Orderweiterleitungen

Christian Hecker weist jedoch diese Problematik und mögliche Interessenkonflikte zurück, da die Kurse der LS Exchange während der Xetra-Handelszeiten an deren Kursstellung als Referenzmarkt gebunden seien. Dies werde auch von der Börse Hamburg laufend überwacht. Demnach hätten die Kunden keinerlei Nachteile bei der Orderausführung in der „Trade Republic“-App. Auch der Spread richte sich von 09:00 Uhr bis 17:30 Uhr stets nach dem Referenzmarkt Xetra. Gemäß der Kundenvereinbarung unterliegen lediglich die außerbörslichen Spreads sowie die Kursstellungen im außerbörslichen Handel (OTC) der Maßgabe des jeweiligen Handelspartners bzw. Emittenten.

Weitere wichtige Aspekte bei „Trade Republic“

In der Kundenvereinbarung von „Trade Republic“ ist zu lesen, dass die Einlagensicherung für nicht in offenen Positionen liegenden Geldern maximal 20.000 Euro beträgt. Dies entspricht dem Standard in Deutschland. Allerdings weist „Trade Republic“ an dieser Stelle ebenfalls darauf hin, dass der Kunde „im Ergebnis das Insolvenzrisiko der das Treuhandsammelkonto führenden Solaris(-Bank)“ trägt, wenn „Trade Republic“ weder gegenüber der Einlagensicherung der Solaris noch gegenüber dem Insolvenzverwalter die Auszahlung des Kundenguthabens realisieren kann.

Depotübertrag ist bei "trade Republic" nicht möglich
Ein Depotübertrag ist bei „trade Republic“ nicht möglich

Depotübertragungen sind bei „Trade Republic“ nicht möglich. Derzeit ist laut deren Bedingungen nur die Lagerung von Wertpapieren zulässig, die auch über „Trade Republic“ geordert wurden. Der Broker hat allerdings laut einem Artikel in der „Wirtschaftswoche“ erklärt, dass Depotübertragungen noch im Laufe diesen Jahres möglich sein sollen, sofern der zu übertragene Wert in der „Trade Republic“-App handelbar ist. Die Verleihung von kundeneigenen Wertpapierbeständen schließt „Trade Republic“ aus.

Für den Dividendenbezug hat der Broker die zu Beginn bestehenden Gebühren zusammen gestrichen. Dieser ist also sowohl für inländische wie für ausländische Aktien kostenlos.

Freistellungsaufträge können im Profil unter „Steuerdaten“ erteilt werden. Dazu muss lediglich die Steuer-ID zusätzlich eingegeben werden. Bislang ist es nur möglich, den einfachen Freistellungsbetrag von 801 Euro einzutragen. Wer als Verheirateter den vollen Betrag von 1.602 Euro geltend machen möchte, muss sich noch gedulden. „Trade Republic“ arbeitet nach eigenen Angaben daran, dies zu ändern.

Der  Support bei „Trade Republic“

"Trade Republic" Support per Chat
Support bei „Trade Republic“ per Chat

Wer Probleme im Rahmen des Handels, der App oder des Account-Managements hat, findet in der Trading-App einen schnellen Kontakt zum Support. Im Profil lässt sich unter „Einstellungen“ und „Service“ der direkte Chat aktivieren. Eine Mail ist dort ebenfalls angegeben, wer das lieber mag.

Wenn jedoch das Smartphone schwer beschädigt wird oder durch Diebstahl bzw. Verlegung abhanden kommt, dann hilft nur noch der Rückgriff auf die Website. Dort sind im Impressum sowohl die Mail-Adresse wie auch eine Telefonnummer angegeben. Letztere sollte man in jedem Fall immer bei sich führen, ohne sie auf dem Smartphone gespeichert zu haben.

Für allgemeine Probleme oder auch Fragen ist die Facebook-Seite von „Trade Republic“ zu empfehlen. Ein Blick auf die Timeline beantwortet meist schon viele Fragen im Vorfeld.

Nachbetrachtung und Fazit zum Handel mit „Trade Republic“

Ist „Trade Republic“ nun die Revolution für den Handel mit Aktien und Derivaten? Um es juristisch eindeutig zu formulieren: ja und nein.

Ja deswegen, weil die Idee des Handelns an den Finanzmärkten für nur 1,00 Euro und zudem nur auf dem Smartphone wenigstens in Deutschland völlig neu ist. Selbst wenn der unmittelbare Konkurrent „justtrade.com“, der eigentlich vor „Trade Republic“ mit der Entwicklung und Bewerbung angefangen hat, immer noch in den Startlöchern sitzt.

Ja deswegen, weil die Trading-App wirklich innovativ, einfach und durchdacht ist. Alle Anforderungen an einen Broker werden erfüllt. Von der an Xetra gebundenen Kursstellung über das recht tiefe Aktien- und Derivate-Angebot bis hin zur zuverlässigen Orderausführung und Dokumentation bietet „Trade Republic“ alles, was man für den Handel braucht.

Die Depoteröffnung geht im Vergleich zu „normalen“ Brokern wirklich beeindruckend schnell und ist selbst für Handy-Noobs wie mich weitgehend unkompliziert. Die zügig installierte Trading-App ist übersichtlich und verständlich, Basiswerte sind darin leicht zu finden und zu handeln. Selbst der ungeübte Einsteiger sollte sich rasch und ohne Probleme einfinden, selbst wenn er vor Depoteröffnung noch nicht wusste, was der Unterschied zwischen einer Market- und einer Limit-Order ist.

Eine Schattenseite bei „Trade Republic“

Aber es gibt auch eine andere Perspektive. Denn nicht umsonst erwähnt „Trade Republic“ im Gegensatz zu anderen Brokern weder auf der Website noch in der App oder sonst irgendwo die Formulierung „professioneller Handel“. Weil es das auf keinen Fall ist und sicher auch nicht sein will.

Die Darstellung der kleinen und arg verkürzten Liniencharts in der Trading-App können nur als kleine themenbezogene Kosmetik angesehen werden. Für eine Analyse des Basiswertes mit Blick auf ein Investment sind sie schon im Ansatz absolut wertlos. Und hier liegt das Problem. Wie bewertet ein unerfahrener Anfänger, ob sich der Kauf einer Aktie lohnen könnte? Dazu sind in jedem Fall immer weitere Quellen nötig. Dies können zwar Finanz-Websites sein, über die sowohl fundamentale Daten wie auch Charts eingelesen werden können. Aber auch die muss man erst einmal finden und wissen, wie sie zu nutzen sind.

Das gilt insbesondere ebenso für den Handel mit derivativen Zertifikaten, der bekanntermaßen einiges an Kenntnissen und Erfahrungen erfordert. Wer hier nicht weiß, was er tut, landet schnell auf dem Zocker-Schlachtfeld mit totem Konto. Insofern erweckt „Trade Republic“ mit seiner sehr allgemeinen Präsentation und Konstruktion ein wenig den Verdacht, vor allem die junge und noch unbedarfte Generation als Zielgruppe anzusprechen.

Natürlich kann sich auch der gewiefte Händler die niedrigen Handelskosten bei einem doch recht breiten Angebot an handelbaren Werten zunutze machen, ohne auf seine eigentlichen Informations- und Analysequellen zu verzichten. Aber dann muss er mit Aspekten wie dem der fehlenden Stopp Loss-Order, dem fehlenden Trailing-Stopp oder der fehlenden Sell-Limit-Order (Take Profit) klar kommen. Ganz zu schweigen davon, dass umsichtiges Trade-Management nur mit einer händischen Übertragung der Orders auf „Trade Republic“ in einen echten Analyse-Chart funktionieren kann.

Abschließendes Fazit

„Trade Republic“ ist ein gelungenes Startup, das grundsätzlich gut nutzbar ist. Als Anfänger sollte man sich jedoch nicht allein auf die Trading-App konzentrieren, sondern weit über den Tellerrand hinaus schauen und vor jeder Investment-Entscheidung intensiv weitere Informationen suchen. Erfahrene Trader können die App nutzen, um vor allem ihre Handelskosten zu senken. Dafür müssen sie aber unter Umständen eine etwas kompliziertere Arbeitsweise akzeptieren. Wer dazu bereit ist, dem wird das preiswerte Trading auf „Trade Republic“ sicher Spaß machen.

P.S.: Ich werde mein Testkonto vorerst behalten.

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