Tradegate Exchange – die Börse für Privatanleger (2020)

Dieser Artkel stellt die Tradegate Exchange vor. Auch werden die wichtigsten Fragen in Bezug auf die Berliner Wertpapierbörse beantwortet.

Wer ist die Tradegate AG?

Die Tradegate AG ist eine Wertpapierhandelsbank mit Sitz in Berlin. Über die Tradegate Exchange GmbH betreibt diese die 2009 gegründete deutsche Wertpapierbörse, welche auf Privatanleger spezialisiert ist. Die Tradegate Exchange ist ebenfalls in Berlin ansässig.

Die Tradegate Exchange GmbH gehört zu 75 % der Deutschen Börse und die übrigen Anteile der GmbH werden von der Tradegate AG Wertpapierhandelsbank gehalten

Das Hauptgeschäftsfeld der Tradegate Exchange ist somit der Wertpapierhandel für Privatanleger.

Allgemeine Angaben zur Tradegate Exchange:

  • Börsengenehmigung: 20. Mai 2009 durch die Börsenaufsichtsbehörde des Landes Berlin
  • Konstituierende Sitzung des Börsenrats: 01. Dezember 2009
  • Erster Handelstag: 04. Januar 2010
  • Sitz: Kurfürstendamm 119, 10711 Berlin
  • Rechtsform der Börse: Teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts
  • Geschäftsführer: Thorsten Commichau, Oliver Szabries
  • Vorsitzender des Börsenrats: Holger Timm

Die Geschichte der Tradegate Exchange

Am 02. Mai 2001 wurde das elektrische Handelssystem Tradegate von der Tradegate AG in Betrieb genommen.

Es war das erste deutsche elektronische, außerbörsliche Handelssystem für Wertpapiere mit sofortigen automatischen Ausführungen, verbunden mit einer Informationsplattform im Internet für Privatanleger.

Am 01. November 2007 erlangte Tradegate den Status eines Multilateralen Handelssystem (MTF) durch die EU-weit gültige Finanzmarktrichtlinie.

Die Börsengenehmigung erhielt die Tradegate Exchange am 20. Mai 2009 durch die Börsenaufssichtsbehörde des Landes Berlin.

Der erste Handelstag war der 04. Januar 2010. Seitdem führt die Tradegate Exchange das elektronische Handelssystem Tradegate als „Geregelten Markt“ im Sinne der Finanzmarktrichtlinie fort.

Wie sind die Geschäftszahlen zur Tradegate Exchange?

Die Tradegate Exchange hat 2019 einen Gesamtumsatz von 123,3 Milliarden Euro erzielt. Davon entfielen 112,0 Milliarden auf Aktien, 1,3 Milliarden Euro auf Anleihen und 10,0 Milliarden auf Fonds und ETPs.

Insgesamt entspricht das einer Umsatzsteigerung von 9,0% gegenüber dem Vorjahr.

Die Transaktionszahl lag bei 18,1 Millionen Stück. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr liegt hier bei 10,30%.

Geschäftszahlen Tradegate Exchange aus dem Jahr 2019
Geschäftszahlen Tradegate Exchange 2019

Welche Wertpapiere sind auf Tradegate handelbar?

Auf Tradegate sind eine Vielzahl an Wertpapieren handelbar:

  • 4.100 Aktien
  • 2.400 Anleihen
  • 2.000 Investmentfonds
  • 1.700 börsengehandelte Fonds (ETF), Rohstoffzertifikate (ETC) und Inhaberschuldverschreibungen (ETN)

Gibt es eine Webseite der Tradegate Exchange?

Ja es gibt eine Webseite.

Diese ist in die verschiedenen Rubriken aufgeteilt:

  • Aktien
  • Anleihen
  • ETPs
  • Fonds
  • Zum Handel

Auf der linken Seite sind direkt die wichtigsten Kurslisten von Aktien auswählbar. Auch IPOs etc können angezeigt werden:

  • DAX Werte
  • MDAX Werte
  • TECDAX Werte
  • SDAX Werte
  • EURO STOXX 50 Werte
  • US-Toptitel
  • Handel per Erscheinen
  • Letzte IPOs
  • Alle Werte A-Z

Weiter unten ist noch ein Überblick der aktuellen Finanznachrichten.

Mittig sind die Tradegate Indikatoren zu sehen.

Diese sind nach DAX, MDAX, TECDAX und SDAX geordnet.

Diese können nach folgenden Kriterien sortiert werden:

  • Top 5 ausgeführte Orders
  • Top 5 Changes
  • Titel des Tages

Insgesamt erhält man mit der Webseite der Tradegate Exchange einen guten Überblick über die aktuellen Aktienindizes, sowie die anderen handelbaren Wertpapiere und kann diese nach verschiedenen Kriterien sortieren.



Wie werden auf Tradegate die Börsenpreise ermittelt?

Die Börsenpreise werden vom elektronischen Handelssystem Tradegate mit Unterstützung der sogenannten Spezialisten ermittelt. Die Spezialisten stellen ausreichende Liquidität für den Handel zur Verfügung stellen. Überwacht wird das Ganze von der hauseigenen Geschäftsführung und Handelsüberwachungsstelle.

Sollte man auf Tradegate oder Xetra handeln?

Das kann man so nicht pauschalisieren. Neben den Gebühren spielen auch die Kurse eine Rolle.

Die meisten Broker bieten bei Tradegate besonders günstige Konditionen an. Bei manchen Brokern fällt beim Handel auf Tradegate auch die Börsenplatzgebühr oder weitere Zuschläge weg. Zudem hat die Tradegate Exchange länger geöffnet und ist in der Zeit von 08:00 bis 22:00 Uhr präsent. Bei Xetra findet der Handel in der Zeit von 09:00 bis 17:30 Uhr statt.

Doch auch für Xetra spricht einiges. Xetra ist im Vergleich zu Tradegate eine reine Börse. Auch die Umsätze sind hier in der Regel um ein vielfaches Höher als auf Tradegate.

Bevor man über Tradegate oder Xetra handelt, sollte man somit die Gebühren und die aktuellen Kurse vergleichen. Handelt man auf Tradegate nach Börsenschluss des Xetra-Handels, so sollte man besonders auf die Kurse achten, da die Gebührenersparnis möglicherweise ungünstigeren Kursen gegenüber stehen könnten.

Welche Orderarten gibt es bei Tradegate?

Bei Tradegate sind neben Market- und Limit Orders auch Stop Orders, OCO Orders, Trailing Stop Orders, FOK Orders, IOC Orders und All-or-None Orders möglich.

Was hat es mit dem Artikel der Wirtschaftswoche bzgl. Tradegate auf sich?

Am 28. August 2014 erschien ein Artikel in der Wirtschaftswoche, welcher sich kritisch gegenüber der Tradegate AG äußerte. Dieser Artikel trägt den Namen „Die zweifelhafte Erfolgsgeschichte von Tradegate“.

Der Artikel geht auf mögliche Interessenkonflikte ein und äußert auch Kritik gegenüber Tradegate.

Zum Beispiel stellen viele Broker einen Börsenplatz im vorab ein. Der Anleger muss also erst eine andere Börse auswählen, sofern dieser nicht an dieser handeln möchte. Bei Cortal Consors etwa erscheint Tradegate als erster Börsenplatz. Der Mutterkonzern von Consors ist die BNP Paribas. Dieser ist an der Tradegate Ag beteiligt und kassiert somit auch eine Dividende.

Zudem ist die Deutsche Börse ebenfalls ein Aktionär und stockte Ihren Anteil noch weiter auf.

Die Tradegate-Handelsüberwachung steht unter dem Einfluss von Holger Timm, welcher auch Vorsitzender des Börsenrats der Tradegate Exchange ist und die Mehrheit an der Tradegate AG hält.

Diese Vorwürfe stammen unter anderem von Close Brother Seydler, ein Makler und somit Konkurrenten aus Frankfurt. Auch wird Tradegate vorgeworfen, dass man sich nicht an EU-Regeln halte, neue Preise machen würde und Orders im dem Moment ausgeführt werden, in dem der geänderte Preis angezeigt wird.

Auch gab es einen mysteriösen Kursverfall bei dem Tradegate angeblich den Kurs der Siemens Aktie drückte und so die Stop-Loss-Limits auslöste. Dies hatte zur Folge, dass die Anlager Siemens auf Tradegate im Vergleich zu Stuttgart zu billig verkauften. Allerdings richtete sich der Preis nach der aktuellen Orderbuchlage und somit wäre hier nichts zu beanstanden, so Timm.

Der Kursverfall der Siemens Aktie auf Tradegate vor dem Handelsbeginn auf Xetra.
Der Kursverfall vor dem Handelsbeginn auf Xetra

Auch enthält der Artikel Beispiele, wie Tradegate speziell im Handel nach Xetraschluss an den Preisen „schraubt“. Zum Beispiel möchte jemand nach 19 Uhr Osram-Aktien kaufen. Er testet Tradegate und gibt eine Order ohne Limit auf. Der Makler darf ihm die Aktien somit zum nächstmöglichen Preis verkaufen. Herr Müller, so heißt der private Händler welcher die Osram-Aktien kaufen möchte, stellt 600 Aktien ein. Das sind somit doppelt so viele, wie von Tradegate im vorab signalisiert. Herr Müller erhält die ersten 300 Aktien zu dem von Tradegate signalisierten Preis. Die nächsten 300 Aktien, welche Herr Müller elf Sekunden später erhält, bekommt dieser allerdings zu einem Aufpreis von 0,85%. Die zweite Ausführung hat ihn somit 91 Euro mehr gekostet.

Ein anders Beispiel zeigt, wie ein Anleger im Späthandel Commerzbank-Aktien kaufen möchte. Er möchte Tradegate überbieten und die Verkäufer sollen von ihm mehr Geld bekommen als von Tradegate. Doch in dem Moment in dem er die Order abgeschickt hat, hat Tradegate ihn überboten. Und direkt verkauft ein anderer Marktteilnehmer 170 Aktien über die Börse. Hätte Tradegate ihn nicht überboten, so hätte er die Zuteilung erhalten. So hat Tradegate das Geschäft gemacht. Sobald man ein Angebot mache, welches besser als der Tradegate-Preis ist, so wird man von den Maschinen um einen Zehntelcent überboten. Alles mit dem Zweck möglichst viel Geschäft für den Makler zu machen.

Was ist die Aktien-Ampel bei Tradegate?

Die Aktien-Ampel bei Tradegate zeigt den Händlern an, ob die Aktien, die sie überwachen, handelbar sind. Die Farben sind wie bei einer Ampel: rot (Kurs fällt), gelb (unverändert), grün (steigt).

Die Makler müssen eingreifen, sofern der Computer hakt. Auch überwachen diese, ob der Computer zu viele Aktien kauft. Ist dies der Fall, so wird wieder verkauft.

Was ist Tradegate bei comdirect?

Tradegate wird bei Comdirect sowohl im LiveTrading, was bei Comdirect die Bezeichnung für den außerbörslichen Handel darstellt, wie auch als Börsenplatz geführt.

Was ist Direkthandel bei Tradegate?

Der Direkthandel bedeutet, dass man direkt mit dem jeweiligen Handelspartner handelt. Im Fall von Tradegate also direkt mit Tradegate. Die Order wird somit außerbörslich über Tradegate ausgeführt. Durch den direkten Weg ohne Umweg über einen Makler sind die Ordergebühren oft geringer und weitere Gebühren, wie die Handelsplatzgebühr, Courtage und Börsenentgelte, entfallen.

Wie sind die Handelszeiten von Tradegate?

Die Handelszeiten von Tradegate sind börsentäglich von 08:00 – 22:00 Uhr.

Allerdings gelten diese Handelszeiten nur für Aktien und ETP (Exchange Trading Product).

Bei Anleihen und Fonds sind die Handelszeiten von 08:00 – 20:00 Uhr.

Gibt es eine Mistrade Regelung bei Tradegate?

Ja es gibt eine Mistrade Regelung bei Tradegate.

Die Geschäftsführung kann Geschäfte, die zu nicht marktüblichen Bedingungen zustande gekommen sind (Mistrades), auf Antrag eines Handelsteilnehmers oder von
Amts wegen aufheben und/oder ihre Rückabwicklung anordnen.

Was ist das Tradegate Orderbuch?

Das Orderbuch von Tradegate stellt die aktuellen Kauf- und Verkaufsaufträge für die Aktie von Tradegate am Börsenplatz in Frankfurt (Xetra) dar. Hier werden die zehn besten Aufträge auf der Kauf- und Verkaufsseite angezeigt. Die Anzahl an angebotenen oder gesuchten Stücke sind in der Spalte „Stück“ zu sehen.



Die Vor- und Nachteile von Tradegate

Prinzipiell ist jeder weitere Handelsplatz erst einmal eine Bereicherung für die Anleger. Auch Tradegate als Handelsplatz bringt viele Vorteile mit sich. Allerdings sollte man sich auch immer im Klaren sein, dass Tradegate ein Market Maker ist.

Die Vorteile sind sicherlich die komplette elektronische Abwicklung von Orders, sowie der Verzicht auf Maklergebühren. Auch gibt es einen Zeitstempel für Orders und vielfältige Orderarten sind verfügbar. Des Weiteren sind auch Orderzusätze, wie zum Beispiel fill or kill, immediate or cancel etc. auswählbar.

Die Nachteile sind die mögliche Spreadausweitung bei geringer Liquidität, welche Stops auslösen kann. Gerade bei den Handelszeiten außerhalb des Xetra-Handels kann es zu schlechteren Ausführungskursen kommen. Wie bereits erwähnt ist Tradegate ein Market Maker und hat somit auch eigene Interessen.

Trotz der Nachteile ist Tradegate ein wichtiger Handelsplatz und sollte beim Handel auch auf jeden Fall in Betracht gezogen werden.

Gibt es eine App von Tradegate?

Es gibt eine App der Tradegate Exchange.

Mit der App erhält man direkten Zugriff auf Echtzeitkurse von über 6.000 Aktien und ETFs, 1.500 Anleihen und 1.500 Investmentfonds. Auch eine eigene Watchlist kann erstellt werden.

Zusätzlich gibt es auch aktualisierte Wirtschaftsnachrichten, sowie Chartanalysen.

Die App der Tradegate Exchange und der Marktüberblick inklusive dem intraday Chart vom Dax Index.
Die App der Tradegate Exchange

Welche Broker bieten den Handel auf Tradegate an?

Über 35 Broker bieten den Handel auf Tradegate an.

Dazu zählen alle gängigen Broker. Selbst drei Broker aus Österreich und ein Broker aus dem Vereinigten Königreich bieten den Handel auf Tradegate an.

Partner und Broker für den Handel auf Tradegate.

Gibt es eine Aktie von Tradegate?

Es gibt eine Aktie von Tradegate. Dies notiert aktuell bei 35,40€ (08.05.2020).

Seit Beginn liegt die Performance der Aktie bei +785 % und konnte sich auch in den Zeiten der Coronakrise gut behaupten, da Tradegate von dem deutlichen angestiegenen Handelsvolumen profitieren konnte.

Die Aktie ist an allen deutschen Börsenplätzen handelbar.

Die Aktie von Tradegate und die Details zum Aktienkurs.
Die Aktie von Tradegate

Kann ich die Tesla Aktie auf Tradegate handeln?

Auf Tradegate sind auch Aktien aus den USA und somit auch Tesla handelbar.

Kann ich die Aktie von Alibaba auf Tradegate handeln?

Auch die Aktie von Alibaba ist auf Tradegate handelbar.

Fazit

Tradegate bietet privaten Anlegern eine große Auswahl an handelbaren Wertpapieren.

Die längeren Öffnungszeiten und die geringeren Gebühren machen Tradegate somit zu einer guten Alternative zu dem klassischen Handel über Xetra.

Allerdings sollte man nicht nur die Gebühren, sondern auch die Kurse vergleichen.

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