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Was ist Markttechnik im Trading? Überblick und Zusammenfassung

In diesem Artikel möchte ich Ihnen einen Überblick über die im deutschsprachigen Raum bekannte  Markttechnik geben, die dazu dient, zukünftige Marktbewegungen im Trading zu antizipieren. Die Markttechnik hat in den letzten Jahren immer an größerer Beliebtheit gewonnen.  Diese Analysemethode gehört in den Bereich der technischen Analyse, doch sind Markttechnik und Charttechnik nicht gleichzusetzen.

Die zwei wichtigsten Fragen in der Markttechnik sind somit:

Wo entsteht bzw. könnte Bewegung entstehen und wer kauft oder verkauft nach mir?

Überblick – Das erwartet Sie in diesem Artikel:

  1. Entstehung eines Kurses
  2. Der Trendaufbau
  3. Innen- und Außenstäbe
  4. Stoppsetzung
  5. Einstieg mit Hilfe der Markttechnik
  6. Ausstiege
  7. Qualität im Trading

1. Entstehung eines Kurses

Wikipedia´s Definition eines Kurses:

Der Börsenkurs ergibt sich aus Angebot und Nachfrage beim gehandelten Gut.

Eine detaillierte Erklärung zur Bildung des Börsenkurses finden Sie hier auf Wikipedia.

Man muss sich immer bewusst sein, dass es drei Positionen im Börsenhandel gibt:

  • Keine Position (engl. flat)
  • Long
  • Short

Bei der Entstehung des Kurses muss man sich somit immer fragen, wer nach einem kauft oder verkaufen könnte.

Was sind wichtige Punkte, an denen Bewegungen aufkommen könnte?

Wo liegen eventuell die Stopps der anderen Marktteilnehmer, wie z. B. an den Hoch und Tiefs der Marktbewegungen.

Die wichtigste Frage beim Trading ist somit nicht, was mache ich oder was ist meine Meinung, sondern was werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die anderen Marktteilnehmer machen.

Sobald man im Markt positioniert ist, hat man außer mit seinem Ausstieg keinen Einfluss mehr auf die Entstehung des Kurses.

Auch der weitere Marktverlauf ist nicht von einem selber abhängig, sondern von den Aktionen der anderen Marktteilnehmer.

Man sollte sich daher immer folgende Fragen stellen:

  • Wer hat bereits vor mir gekauft/verkauft und wer könnte dies nach mir tun?
  • Wer kommt schon in Bedrängnis und wird seine Position wieder schließen müssen?
  • Wer wird seine Position schließen, um Gewinne zu realisieren?
  • Wer ist noch nicht im Markt und kann noch dazu kommen?

Diese Marktteilnehmer zu identifizieren und zu erahnen, was diese machen könnten, ist Teil der Markttechnik.

Als Markttechniker sucht man also ständig nach Situationen, an denen sich ein kurzfristiger Überhang von Angebot oder Nachfrage ergeben könnte. Dieser Überhang sollte sich auch fortsetzen, damit die gewünschte Bewegung entsteht. Es ist ein laufendes Hineinversetzen in die anderen Marktteilnehmer und deren Verhaltensweise.

Die Marktteilnehmer kann man grob in vier Gruppen einteilen:

Auch sollte einem bewusst sein, dass Marktteilnehmer in verschiedenen Zeitebenen agieren und dadurch auch unterschiedliche Markterwartungen entstehen.

Markttechnik: Bild zeigt die Positionen im Markt, die man einnehmen kann, long, short und flat
Es gibt drei Positionierungen am Markt: Long, Short & keine Position (Flat).

2. Der Trendaufbau

Die Charttechnik definiert den Trend, die Markttechnik beurteilt seine Qualität.

Normalerweise benutzt man in der Charttechnik Trendlinien oder Indikatoren zur Definition des Trends.

Die Markttechnik dagegen bedient sich einer viel einfacheren Methode.

Es gibt zwei Arten von Trends:

  • Aufwärtstrend
  • Abwärtstrend

Die Markttechnik basiert auf den Grundsätzen von Charles Dow.

Ein Aufwärtstrend ist durch höhere Hochs und höhere Tiefs gekennzeichnet.  Das nächste Hoch sollte höher sein als das Hoch davor. Und auch das nächste Tief sollte höher sein als das Tief davor.

Bei einem Abwärtstrend ist es genau das Gegenteil. Dieser ist durch tiefere Tiefs und tiefere Hochs gekennzeichnet. Diese sollten wiederum tiefer sein als das Hoch bzw. Tief davor.

Der Vorteil, innerhalb eines Trends zu handeln,  ist unter anderem, das die Marktstruktur gut zu erkennen ist. Dies erleichtert den Handel.

Ein Trend besteht immer aus einer Bewegung und einer Korrektur.

Als Trader der Markttechnik ist es immer essentiell zu wissen, wo man sich gerade innerhalb des Trends befindet.

Befindet man sich zur Zeit in der Bewegung oder in der Korrektur?

Markttechnik - Bewegung und Korrektur in einem Trend
Ein Trend inklusive der Bewegung und der Korrektur. Höhere Hochs 1 und 2, sowie höhere Tiefs 3. Vice Versa beim Abwärtstrend.

Kann der Markt keine höheren Hochs und höheren Tiefs mehr bilden, spricht man aus markttechnischer Sicht von einem Trendwechsel.

Das Gleiche gilt bei einem Abwärtstrend. Bildet der Markt hier keine tieferen Hochs und tiefere Tiefs, liegt auch hier ein Trendwechsel vor.

Doch sollte man nicht direkt von einem Trendwechsel ausgehen, nur weil der Markt die bildhafte 123 Struktur nicht mehr zeigt. Aber aus markttechnischer Sicht ist der Trend dann erst einmal unterbrochen.

Mehr erfahren: Wie Sie mit statistischer Markttechnik erfolgreich traden

3. Innen- und Außenstab

Das Hoch und das Tief des Außenstabes umschließt die Eröffnungs- und Schlusskurse der nachfolgenden Balken. Der Außenstab muss nicht zwangsläufig der größte Bar sein.

Als Innenstäbe werden Bars definiert, die mit ihren Eröffnungs- und Schlusskursen innerhalb der Spanne von Hoch und Tief des Aussenstabes liegen.

Eine detaillierte Erklärung zu Innen- und Außenstäben finden Sie hier.

Weitere interessante Artikel zu Innen- und Außenstäbe:

Ein Video, dass unter anderem auch das Thema Innen- und Außenstab beinhaltet, finden Sie hier:

4. Die Stoppsetzung

Ein Risiko entsteht, wenn du nicht weißt was du tust. – Warren Buffett

Die Stoppsetzung ist das wichtigste für langfristigen Börsenerfolg. Die Stoppsetzung wird mit Hilfe eines Stop-Loss erreicht. Stop-Loss heißt auf Deutsch so viel wie Verlustvermeidung.

Nur wer bei seinem Tradingplan die möglichen Verluste und die möglichen Gewinne berücksichtigt, wird langfristig Erfolg haben.

Man muss immer eines bedenken:

Sobald man eine Position hat, macht der Markt was er will. Man hat über nichts mehr Kontrolle mit Ausnahme der Ausstiegsignale.

Es gibt verschiedene Arten der Stoppsetzung. Die Markttechnik ist eine Art und kann bei der Stoppsetzung ein hilfreiches Instrument sein.

Bei der Stopsetzung nach Markttechnik orientiert man sich nur am Chart.

Es gibt zwei Arten bei der Stopsetzung nach Markttechnik:

1.) Trendhandel

Hierbei wird der Stop dort platziert, wo der Trend nicht mehr intakt wäre.

Laut Markttechnik ist dies ein Unter- oder Überschreiten des Punkt 3. Dies ist somit der Punkt, an dem der Trend nicht mehr intakt wäre. Daher wird beim Trendhandel laut Markttechnik der Stop unter- bzw. oberhalb von Punkt 3 platziert und entsprechend auch so nachgezogen. Sobald der letzte Punkt 2 über- bzw. unterschritten wurde, ist somit ein neues Hoch im Aufwärtstrend bzw. Tief im Abwärtstrend entstanden. Dies gilt dann in der Markttechnik als eine Bestätigung für den Punkt 3 und der Stop kann entsprechend nachgezogen werden.

2.) Bewegungshandel

Im Gegensatz zum Trendhandel wird hierbei versucht, nur die Bewegung zu handeln. Ein Trend besteht aus Bewegung und Korrektur. Entsprechend wird beim Bewegungshandel die Korrektur ausgelassen und man versucht nur die Bewegung innerhalb des Trends zu handeln.

Generell ist die Idee beim Bewegungshandel, dass man zügig eine Bewegung erwartet. Mit Unterschreiten des vorherigen Tief/Hochs ist diese Idee erst einmal vorüber.

Beim Bewegungshandel wird der Stop klassischerweise am letzten Tief platziert. Wichtig ist hierbei die Beachtung von Innenstäben. Diese deuten auch darauf hin, dass es zur Zeit keine eindeutige Richtung gibt. Das kann dazu führen, dass die Liquidität im Markt geringer ausfällt, da einige Marktteilnehmer sich erst einmal zurückhalten.

Bei dem Auftreten eines Innenstabs wird empfohlen, den Stop nicht auf das letzte Tief/Hoch zu legen, sondern auf das davor.

Eine Veranschaulichung für die Stopsetzung nach Markttechnik beim Bewegungshandel.

Generelle Artikel zu dem Thema Stop-Loss und Risiko & Moneymanagement haben wir Ihnen hier aufgeführt:

5. Einstieg mit Hilfe der Markttechnik

Der Einstieg ist symbolisch mit einem Startschuss gleichzusetzen.

Beim Einstieg mit Hilfe der Markttechnik ist es wichtig sich die Frage zu stellen, warum, wo und wann Bewegung im Markt entstehen kann und voraussichtlich wird.

Hierbei gibt es zwei Einstiegspunkte:

1.) Einstieg in der Korrektur

Möchte man in die Korrektur einsteigen, so erfolgt der Einstieg am Punkt 3.  Man setzt also auf einen Rebound und einer Fortsetzung des Trends. Die Schwierigkeit liegt dabei zu erkennen, wann die Korrektur beendet ist und der Trend wieder fortgesetzt werden kann.

Wie man auch mit Hilfe des Price-Action Trading Korrekturen traden kann, finden Sie hier.

2.) Einstieg in die Bewegung

Möchte man die Bewegung handeln, so platziert man einen Stop-Buy/Stop-Sell über dem Punkt 2. Laut Markttechnik liegen dort die Stops der Shorties bzw. Longies, was eine Bewegung auslösen kann. Zudem werden auch andere Marktteilnehmer, die die Bewegung handeln möchten, dort ihre Stop-Buy/Stop-Sell Orders platzieren. Dies zusammen kann dann für die gewünschte Bewegung sorgen, die dann weitere Marktteilnehmer mit sich bringen kann.

Einen Artikel, der sich speziell mit dem Trading von Bewegungen bzw. Ausbrüchen befasst, finden Sie hier:

6. Ausstiege

Der Ausstieg entspricht der Zielfahne und der Stoppuhr.

Beim Ausstieg kommt es wiederum auch auf die Zielsetzung des Trades an.

Es gibt drei Zielsetzungen:

  1. Handel des Ausbruchs
  2. Handel der Bewegung
  3. Handel des Trends
Markttechnik
Es gibt drei Zielsetzungen beim Trading mit Marttechnik.

Die Zielsetzung des Trades sollte schon vor dem Einstieg klar sein, da sich auch entsprechend die Stoppsetzung daran orientiert.

Der Handel des Ausbruchs ist die kurzfristige Zielsetzung. Gefolgt von dem Handel der Bewegung. Der Handel des Trends ist somit die langfristigste Zielsetzung, aber auch die Schwierigste. Denn ein Trend besteht zusätzlich zu den Bewegungen auch aus Korrekturen. Beim Ausstieg besteht dann beim Trendhandel die Schwierigkeit, die Korrekturen auszuhalten, aber auch rechtzeitig auszusteigen, wenn der Trend beendet wird oder ein Trendwechsel entsteht.

Der Ausstieg nach Markttechnik hat die Zielsetzung, möglichst nahe an Punkt 2 auszusteigen.

Beim Ausbruchshandel kann der Punkt 2 aber schon niedriger/höher sein, als bei einem Trader, der die komplette Bewegung handeln möchte. Beim Trendhandel wird der Ausstieg erst erfolgen, wenn der Punkt 3 unter-/überschritten und somit der Stop-Loss greift. Oder es wird versucht, den Trend solange zu reiten, bis eine weitere Trendfortsetzung erst einmal unwahrscheinlich erscheint.

7. Qualität im Trading

Beim Trading geht es um Qualität. Diese wird erreicht durch Duplizierbarkeit.

Qualität entsteht dadurch, dass man einen Plan hat und sich an diesen Plan hält. Man muss sich Regeln auferlegen und diese müssen eingehalten werden. So bekommt man dann mit der Zeit einen duplizierbaren Handelsansatz. Die Trades müssen laufend dokumentiert und ausgewertet werden. Der Handelsansatz wird immer verfeinert und die Performance kann sich dadurch deutlich verbessern.

Man muss wissen, dass man, obwohl man sich an seinen Plan gehalten und alle Regeln befolgt hat, einen Verlierer erzielen kann. Das ist ganz normal und gehört zum Trading dazu.

Daher muss man beim Trading vier Arten von Trades unterscheiden:

  1. Fachlich korrekter Plus-Trade
  2. Fachlich korrekter Minus-Trade
  3. Fachlich nicht korrekter Plus-Trade
  4. Fachlich nicht korrekter Minus-Trade

Fachlich korrekt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man sich wie oben bereits erwähnt an seinen Plan gehalten und seine Regeln befolgt hat.

Fachlich nicht korrekt bedeutet wiederum, dass man sich eben nicht seinen Plan gehalten und/oder Regeln befolgt hat.

Ein fachlich korrekter Minus-Trade ist somit qualitativ hochwertiger als ein fachlich nicht korrekter Plus-Trade. Denn beim Trading geht es immer um Duplizierbarkeit. Nur wenn dies gegeben ist, kann man auch nachhaltig und langfristig an der Börse erfolgreich agieren.

Qualität im Trading bedeutet also, sein Trading anhand von verschiedenen Kriterien messbar und vergleichbar zu machen.

Wurden meine Regeln befolgt? Habe ich mich an meinen Plan gehalten? Ist mein Trading Setup so klar formuliert und definiert, dass es jemand „Fremdes“ handeln könnte?

Nur wer diese Anstrengung auf sich nimmt, wird im Trading die gewünschte Qualität bzw. Profitabilität erreichen.

Fazit dieses Artikels zur Markttechnik

Bei der Markttechnik handelt es sich um einen interessanten Bereich in der Marktanalyse für Börsenhändler, der auch einige wirklich brauchbare Dinge enthält. Zum einen die Idee, dass die Märkte mehrdimensional funktionieren und ineinander übergreifen, so auch bei Trends. Auch das Trends aus Bewegungen und Korrekturen bestehen. Zum anderen ist es extrem wichtig, Qualität in das eigene Trading zu bringen in Form eines duplizierbaren Handelsansatz. Ein Plan und Regeln sollen dabei helfen, die Qualität im Trading beizubehalten.

Kritik gibt es bzgl. den Ein- und Ausstiegen. Diese sind viel zu banal formuliert und werden auf Dauer keinen Edge im Trading bringen. Auch dreht sich der Börsenhandel nicht nur um die 123-Bewegungsstruktur. Die Markttechnik und allem die 1 2 3 Struktur wurde bekannt durch Michael Voigt und sein Buch Das große Buch der Markttechnik: Auf der Suche nach Qualität im Trading. Aber ich kann daraus keine wirklich neuen Erkenntnisse ziehen, die nicht schon bereits Joe Ross viele Jahre zuvor erkannt hatte.

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