Die Türkische Lira verliert weiter an Boden. Ende Juli 2026 kostete ein Euro rund 54,94 Lira und damit so viel wie nie zuvor. Vor zwölf Monaten waren es noch etwa 46,49 Lira. Die Lira hat gegenüber dem Euro in diesem Zeitraum rund 15 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Wer Geld in die Türkei überweist, Urlaub plant oder das Paar handelt, steht vor derselben Frage: Läuft das so weiter?
Diese Prognose stützt sich auf die Chartanalyse in drei Zeitebenen: Der Tageschart zeigt die kommenden Wochen, der Wochenchart den Weg bis 2028 und der Monatschart den langfristigen Ausblick bis 2030. Dazu ordnen wir ein, was Inflation und Zinspolitik in der Türkei für den Kurs bedeuten. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
EUR/TRY-Prognose: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Kurzfristig: Der Kurs hat das alte Hoch bei 54,11 Lira überwunden und am 30. Juli 2026 bei 54,95 Lira ein neues Allzeithoch markiert. Die nächsten Ziele liegen bei 55 und 56 Lira.
- Mittelfristig: Im Wochenchart läuft ein Ausbruch aus der vorangegangenen Schiebephase. Das Ziel liegt bei 56 Lira, die Unterstützung im Bereich um 52 Lira.
- Langfristig: Der Aufwärtstrend im Monatschart ist seit Jahren intakt. Das langfristige Ziel liegt bei 60 Lira. Erst unter dem Tief vom Juli 2025 bei 46,26 Lira wäre der Trend gefährdet.
- Der Grund dahinter: Die türkische Inflation lag im Juni 2026 bei 32,11 Prozent, im Euroraum bei rund zwei Prozent. Solange diese Lücke bleibt, verliert die Lira gegenüber dem Euro weiter an Kaufkraft.
Was ist das Währungspaar EUR/TRY?
EUR/TRY ist das Währungspaar aus Euro und Türkischer Lira. Der Kurs gibt an, wie viele Lira für einen Euro bezahlt werden. Steigt der Kurs, wertet der Euro auf und die Lira ab.
EUR/TRY zählt zu den sogenannten Exoten. So nennen Trader Währungspaare, die deutlich seltener gehandelt werden als die Majors wie EUR/USD. Das hat zwei praktische Folgen: Die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs, der Spread, fällt spürbar breiter aus, und der Kurs kann in kurzer Zeit weite Strecken zurücklegen. Wie der Devisenhandel grundsätzlich funktioniert, erklären wir im Ratgeber zum Forex Trading.
Charttechnisch ist EUR/TRY ein ausgesprochenes Trend-Paar. Der Kurs kennt seit Jahren fast nur eine Richtung, weil die Lira strukturell schwächer ist als der Euro. Rücksetzer fallen im langfristigen Bild klein aus. Genau deshalb funktionieren hier klassische Trendfolge-Ansätze besser als der Versuch, Wendepunkte zu erwischen.
Euro/Türkische Lira Prognose kurzfristig in 2026
Zuletzt aktualisiert: 01.08.2026
Rückblick: Im Tageschart sehen wir einen Ausbruch über das Januarhoch bei 52,46 Lira. Von dort ist der Kurs zunächst an das damalige Allzeithoch bei 54,11 Lira gelaufen und hat dort einige Tage seitwärts konsolidiert.
Ausblick: Der kurzfristige Tageschart zeigt einen intakten Aufwärtstrend. Die 100-Tage-Linie verläuft rund zwei Lira unter dem aktuellen Kurs und markiert die erste ernsthafte Auffanglinie. Ein Rücksetzer in diesen Bereich wäre im Trend normal und würde das Bild nicht kippen.
Kursziel: Das nächste Kursziel für die Trendfortsetzung bildet der Bereich bei 55 Lira, danach folgt die 56er-Marke. Etablierte Unterstützung liegt im 52er-Bereich.

Ein Hinweis zum Chartstand: Die Grafik zeigt die Lage vom 24. Juli 2026. Seitdem ist der Kurs weiter gestiegen und hat am 30. Juli bei 54,95 Lira ein neues Allzeithoch markiert. Der im Chart eingezeichnete Widerstand bei 54,11 ist damit gefallen, die Struktur des Aufwärtstrends bleibt unverändert.
Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust
Kompakt erklärt, mit Praxisbeispielen und klaren Einstiegssignalen. kostenlos als PDF.

Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Euro/Türkische Lira Prognose mittelfristig bis 2028
Rückblick: Der Aufwärtstrend des Währungspaares EUR/TRY ist im Wochenchart gut zu erkennen. Im Juli 2026 hat der Kurs die vorangegangene Schiebephase nach oben verlassen und ein neues Hoch erreicht. Damit ist die Trendfortsetzung bestätigt.
Ausblick: Der Ausbruch aus der Konsolidierung lässt weitere Rekordwerte erwarten. Trendbestätigende Pullbacks dürften im 50er-Bereich Halt finden. Erst ein Bruch der 50-Wochen-Linie würde stärkeren Abwärtsdruck auslösen. Ein solcher Bruch ist bei diesem Paar historisch selten und war zuletzt immer nur eine Zwischenstation.
Kursziel: Das mittelfristige Kursziel für eine Trendfortsetzung bildet die Marke bei 56 Lira.

(Chart: TradingView)
EUR/TRY Prognose und Chartanalyse: Langfristige Rückschau und Ausblick 2030
Rückblick: Aus Sicht des Monatscharts steht EUR/TRY in einem langfristigen Aufwärtstrend. Das Bild zeigt eine konstante Abwertung der Türkischen Lira gegenüber dem Euro. Im August 2024 kostete ein Euro noch rund 37,65 Lira, im Juli 2026 waren es 54,94 Lira.
Ausblick: Grundsätzlich ist von weiter steigenden Kursen auszugehen. Eine echte Korrektur im Aufwärtstrend läge erst vor, wenn das Tief aus dem Juli 2025 bei 46,26 Lira unterschritten wird. Davon ist der Kurs rund 16 Prozent entfernt.
Kursziel: Das langfristige Kursziel für eine Fortsetzung des Ausbruchsszenarios dürfte die Marke bei 60 Lira bilden.

Eine Einordnung zu Langfrist-Prognosen bis 2030 gehört dazu. Im Netz kursieren Zahlen bis 135 Lira je Euro. Solche Werte entstehen, indem die Abwertung der vergangenen Jahre einfach fortgeschrieben wird. Eine Wechselkursprognose über fünf Jahre hängt aber an politischen Entscheidungen, die niemand modellieren kann. Belastbar ist nur die Richtung, nicht der Zielkurs. Wie stark der Kontrast zu einer Hartwährung ausfällt, zeigt die Prognose für Euro/Franken.
Das sind die wichtigsten Daytrading Regeln!
Hole dir jetzt das kostenlose E-Book und lerne, worauf es wirklich ankommt.

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Das sind die wichtigsten Daytrading Regeln!

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Diese Faktoren bewegen den EUR/TRY-Kurs
Der stärkste Treiber ist die Inflationsdifferenz. Nach Angaben des türkischen Statistikamts TÜIK stiegen die Verbraucherpreise im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahr um 32,11 Prozent. Besonders kräftig legten die Wohnkosten mit 45,14 Prozent zu. Im Euroraum liegt die Teuerung bei rund zwei Prozent. Wenn Geld in einem Land deutlich schneller an Kaufkraft verliert als im anderen, gleicht der Wechselkurs diese Lücke über die Jahre aus. Genau das sehen wir im Monatschart.
Der Leitzins der türkischen Zentralbank liegt bei 37,00 Prozent, der Einlagesatz der Europäischen Zentralbank bei 2,25 Prozent. Diese Zinsdifferenz von rund 35 Prozentpunkten ist der zweite große Treiber im Währungspaar EUR/TRY.
Die türkische Notenbank hat den Zins zuletzt fünfmal in Folge unverändert gelassen, zuletzt am 23. Juli 2026. Der Übernacht-Ausleihsatz steht bei 40 Prozent, der Einlagesatz bei 35,5 Prozent. Die EZB hat am selben Tag ebenfalls pausiert und ihren Einlagesatz bei 2,25 Prozent belassen. Für den Kurs heißt das: Beide Seiten der Zinsdifferenz stehen still, die Inflationslücke arbeitet weiter.
Diese Konstellation nennen Trader einen Carry Trade. Gemeint ist ein Geschäft, bei dem man in einer Niedrigzinswährung Geld aufnimmt und in einer Hochzinswährung anlegt, um die Zinsdifferenz zu verdienen. Das Risiko liegt im Wechselkurs: Wertet die Hochzinswährung stärker ab als der Zinsvorsprung hergibt, ist die Rechnung negativ. In den vergangenen zwölf Monaten verlor die Lira gegenüber dem Euro rund 15 Prozent, bei einem Zinsvorsprung von etwa 35 Prozentpunkten. Rückblickend ging die Rechnung also auf. Eine Aussage über die Zukunft ist das ausdrücklich nicht.
Der dritte Faktor ist das Vertrauen in die Geldpolitik. Die Türkei hat in den vergangenen Jahren mehrfach abrupte Kurswechsel erlebt, bei denen Zinsen gegen die Inflationsentwicklung gesenkt wurden. Jeder solche Bruch hat die Lira in kurzer Zeit deutlich schwächer gemacht. Für Trader ist das der wichtigste Ereignisrisiko-Faktor in diesem Paar. Ein Blick auf die Termine der türkischen Notenbank gehört deshalb zur Vorbereitung.
Zuletzt spielt die Liquidität eine Rolle. EUR/TRY wird deutlich seltener gehandelt als die großen Paare. Das führt zu breiteren Spreads und dazu, dass der Kurs bei Nachrichten weiter springt als gewohnt. Ein ruhigeres Euro-Cross ist EUR/JPY, dessen Verlauf die Euro-Yen-Prognose einordnet.
13 Trading-Indikatoren, die du kennen musst

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Das sind die wichtigsten Indikatoren für erfolgreiche Trader!
Hole dir jetzt das kostenlose E-Book und lerne, worauf es wirklich ankommt.

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Technische Analyse von EUR/TRY
Eine hervorragende Übersicht über die technische Situation des Währungspaares Euro/Türkische Lira findet sich hier auf TradingView.
Die technische Zusammenfassung zu EUR/TRY, die du dort siehst, basiert auf den beliebtesten technischen Indikatoren wie gleitenden Durchschnitten, Oszillatoren und Pivots. Für die langfristigen Aussichten wählst du “1 Monat” aus.
Technische Ratings können ein wertvolles Werkzeug sein. Viele Trader verwenden eine Auswahl sich ergänzender Indikatoren, um bessere Entscheidungen zu treffen. Technical Ratings vereinfacht diese Aufgabe, indem es die beliebtesten Indikatoren und ihre Signale kombiniert.
Hinweis: TradingView empfiehlt niemandem den Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments allein auf der Grundlage der Empfehlungen des Indikators “Technische Ratings”. Die Empfehlungen zeigen lediglich die Erfüllung bestimmter Bedingungen einer Reihe von individuellen Indikatoren an, die helfen können, potenziell günstige Bedingungen für einen Trade zu erkennen, wenn das zur eigenen Strategie passt.
Fazit: Die Lira-Abwertung läuft weiter
Alle drei Zeitebenen zeigen in dieselbe Richtung. Der Tageschart steht im Aufwärtstrend, der Wochenchart hat die Schiebephase nach oben verlassen, und der Monatschart läuft seit Jahren ohne echte Gegenbewegung nach oben. Das neue Allzeithoch bei 54,95 Lira bestätigt dieses Bild. Der nächste Halt liegt bei 56 Lira, langfristig bei 60 Lira.
Fundamental gibt es derzeit nichts, was dagegen spricht. Solange die türkische Inflation bei über 30 Prozent liegt und die im Euroraum bei rund zwei, arbeitet die Zeit gegen die Lira. Ein hoher Leitzins von 37 Prozent bremst diesen Prozess, dreht ihn aber nicht um. Für eine echte Trendwende bräuchte es Jahre mit deutlich niedrigerer Teuerung.
Für Trader bleibt die entscheidende Frage die nach dem Einstieg, nicht die nach der Richtung. Ein Paar, das nur eine Richtung kennt, verführt zum Kaufen auf Höchstständen. Die 100-Tage-Linie im Tageschart und der 50er-Bereich im Wochenchart sind die Zonen, in denen ein Einstieg ein definiertes Risiko hat. Wegen der breiten Spreads und der Nachrichtenanfälligkeit gehören Stopps in diesem Paar ohne Ausnahme dazu.
Häufige Fragen zur EUR/TRY-Prognose
Wird der Euro zur Türkischen Lira weiter steigen?
Das Chartbild und die Fundamentaldaten sprechen dafür. Alle drei Zeitebenen stehen im Aufwärtstrend, und die türkische Inflation von 32,11 Prozent liegt weit über der im Euroraum. Als nächste Anlaufmarken gelten 55 und 56 Lira. Eine Garantie ist das nicht: Ein Kurswechsel in der türkischen Geldpolitik kann das Bild kurzfristig drehen.
Was ist der höchste Euro-Lira-Kurs aller Zeiten?
Das Allzeithoch liegt bei 54,95 Lira je Euro, erreicht am 30. Juli 2026. Weil sich EUR/TRY in einem langfristigen Aufwärtstrend bewegt, fällt das Allzeithoch bei diesem Paar praktisch mit dem aktuellen Kursniveau zusammen und wird regelmäßig neu gesetzt.
Warum verliert die Türkische Lira an Wert?
Der Hauptgrund ist die hohe Inflation. Im Juni 2026 stiegen die Verbraucherpreise in der Türkei laut TÜIK um 32,11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im Euroraum um rund zwei Prozent. Geld, das schneller an Kaufkraft verliert, wertet auch gegenüber anderen Währungen ab. Dazu kommen mehrere abrupte Kurswechsel in der Geldpolitik, die das Vertrauen internationaler Anleger belastet haben.
Wie sieht die Euro-Lira-Prognose für 2030 aus?
Seriös lässt sich nur die Richtung angeben, nicht der Kurs. Solange die Inflationslücke bestehen bleibt, spricht alles für eine weitere Abwertung der Lira. Im Netz kursieren Prognosen von 60 bis über 130 Lira je Euro. Diese Spanne zeigt vor allem eines: Fünfjahres-Prognosen für eine Weichwährung hängen an politischen Entscheidungen, die sich nicht modellieren lassen.
Wie hoch ist der Leitzins in der Türkei?
Der Leitzins der türkischen Zentralbank liegt bei 37,00 Prozent. Die Notenbank hat ihn am 23. Juli 2026 zum fünften Mal in Folge unverändert gelassen. Damit liegt der türkische Zins rund 35 Prozentpunkte über dem im Euroraum. Zum Vergleich: Der Einlagesatz der EZB beträgt 2,25 Prozent.
Wie kann ich EUR/TRY handeln?
EUR/TRY wird über Forex-Broker gehandelt, zum Beispiel über CFDs (Differenzkontrakte). Trader können auf steigende Kurse (Long) oder fallende Kurse (Short) setzen. Zu beachten sind der breite Spread und die Finanzierungskosten, die bei einer Short-Position wegen der hohen türkischen Zinsen empfindlich ausfallen können.
Über den Autor: Christian Möhrer
Christian Möhrer ist technischer Analyst und Options-Trader im Team von Kagels Trading. Er verantwortet neben den regelmäßigen Kursprognosen für Rohstoffe, Indizes und Devisen auch den Optionsbereich der Seite.
Als Options-Trader seit 2014 verbindet Christian klassische Chartanalyse mit einem zahlenorientierten, nüchternen Blick auf die Märkte. Neben seinen täglichen Analysen betreibt er einen Videokurs zum Optionshandel und stellt Handelssignale bereit.
Die EUR/TRY-Prognose schreibt Christian regelmäßig fort. Grundlage sind Tages-, Wochen- und Monatschart mit gleitenden Durchschnitten, Trendlinien und markanten Hochs und Tiefs. Ergänzt wird die Chartanalyse um die Zins- und Inflationsdaten aus der Türkei und dem Euroraum, weil sie bei diesem Paar die Richtung vorgeben.
Prüfvermerk: Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.




