Ölpreisprognose · WTI · Brent
Die Marken, die jetzt zählen, beide Szenarien für WTI und Brent und der lange Blick auf 2030, 2040 und 2050.
Stand 18.09.2026, WTI bei $95,70
Von Karsten Kagels, inhaltlich geprüft von Christian Möhrer
Die Ölpreisprognose ist eine auf technischer Analyse und Chartanalyse basierende Einschätzung der zukünftigen Preisentwicklung von Rohöl, insbesondere der Sorten WTI (West Texas Intermediate) und Brent Crude.
Der Rohölpreis gehört zu den meistbeobachteten Märkten der Welt. Er beeinflusst Energiekosten, Inflation und globale Konjunktur gleichermaßen. Auf dieser Seite findest du die aktuelle Ölpreisprognose für WTI und Brent, basierend auf regelmäßiger Chartanalyse und technischer Analyse durch Karsten Kagels.
Die Prognose wird wöchentlich aktualisiert, bei größeren Marktereignissen auch dazwischen, und beleuchtet kurzfristige Kursziele, mittelfristige Trendszenarien bis 2028 sowie langfristige Ausblicke bis 2050.
Ob du den Rohölpreis für dein Trading oder als aktiver Anleger nutzt: hier bekommst du eine fundierte Einschätzung auf Basis von Chartstruktur und Fundamentaldaten. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Ölpreisprognose aktuell in 30 Sekunden
Wo der Kurs steht
Rohölpreis WTI aktuell bei $95,70, unter dem Juni-Hoch nach dem Wechsel auf den November-Kontrakt (Stand: 18.09.2026).
Das dominierende Thema
Iran-Krieg und Hormuz-Blockade seit Ende Februar 2026: Die Straße von Hormus ist weiter faktisch gesperrt. Nach der Eskalation Anfang September mit Tankerangriffen und neuem Sperrgebiet gibt es erste vorsichtige Signale, der Katar-Besuch in Teheran nährt Spekulationen über eine Einigung. Brent zuletzt bei rund $103.
Kurzfristig, 2026
Am Mai-Hoch bei $105,20 abgewiesen, aktuell $95,70 unter dem Juni-Hoch. Das laufende Dreieck ist noch nicht verlassen.
Mittelfristig, 2027 und 2028
Breite Handelsspanne von $65 bis $120 (WTI) erwartet, abhängig von Geopolitik und OPEC+-Politik.
Langfristig, 2030 bis 2050
Handelsspanne von $35 bis $110 (WTI, nominal), sofern Energiewende und Peak Oil die Nachfrage dämpfen. Die EIA rechnet für 2050 mit $87 (Brent, in Dollar von 2025).
Die größten Risiken
OPEC+-Förderentscheidungen, US-Lagerbestände, der Iran-Konflikt und die US-Zollpolitik.
Die zwei Referenzsorten
WTI als US-Benchmark an der NYMEX und Brent als globaler Benchmark an der ICE in London.
Ölpreisentwicklung 2026: der Jahresverlauf im Chart
Die Ölpreisentwicklung 2026 beschreibt den Kursverlauf der beiden Referenzsorten WTI und Brent im laufenden Jahr, von den Jahrestiefs Anfang Januar über den kriegsbedingten Preissprung im Frühjahr bis zum Juni-Tief und dem erneuten Anstieg seit Juli.

Das Jahr begann mit den tiefsten Ölpreisen seit Jahren. WTI eröffnete am 2. Januar bei $57,32 und markierte am 7. Januar mit $55,76 sein Jahrestief. Brent lag mit $59,45 nur knapp darüber. Bis Ende Februar bewegten sich beide Sorten in einer engen Spanne.
Der Kriegsbeginn Ende Februar hat den Markt binnen Wochen mehr als verdoppelt. WTI stieg bis zum 9. März auf ein Intraday-Hoch von $119,48, Brent zog am 30. April auf $126,10 nach. Zwischen Jahrestief und Jahreshoch liegt bei WTI der Faktor 2,14.
Seit Mai baut der Markt den Risikoaufschlag wieder ab. Im Juni fiel WTI zurück bis auf $69,23, seither erholen sich die Notierungen. Am 15. September schloss WTI bei $105,83, dem höchsten Stand seit Mitte Mai, Brent bei $108,75. Der Knick am 18. September ist zum größten Teil kein Kursrückgang, sondern der Wechsel auf den nächsten Terminkontrakt, der bei beiden Sorten knapp $5 tiefer notiert. Mit $95,26 liegt WTI damit 66 Prozent über dem Jahresanfang, Brent mit $98,13 um 62 Prozent.
Was kostet ein Barrel Öl aktuell?
Ein Barrel Rohöl kostet aktuell $95,70 bei WTI und $103,12 bei Brent, umgerechnet 83,33 € und 89,79 €. Ein Barrel fasst 158,99 Liter, der Liter Rohöl kostet damit 0,52 € bei WTI und 0,56 € bei Brent.
| Sorte | je Barrel | je Liter |
|---|---|---|
| WTI | $95,70 83,33 € | $0,60 0,52 € |
| Brent | $103,12 89,79 € | $0,65 0,56 € |
Beide Werte beziehen sich auf denselben Kontrakt wie die Standzeile oben. Der Jahresverlauf-Chart zeigt bei Brent bereits den Dezember-Kontrakt, der zur selben Zeit gut $4 tiefer notierte.
Der Literpreis gilt für unverarbeitetes Rohöl. Beim Benzin, Diesel oder Heizöl kommen Raffinerie, Transport, Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer hinzu. Deshalb liegt der Preis an der Tankstelle ein Mehrfaches über dem Rohölpreis je Liter und folgt ihm nur mit Verzögerung.
Aktuelle Ölpreisprognose und Entwicklung für 2026 (kurzfristig)

Update der Ölpreisprognose und Chartanalyse am 18.09.2026
Der Ölpreis hat im Jahr 2025 eine breite Handelsspanne zwischen $55 und $80 abgearbeitet, wobei diese Grenzen in der ersten Jahreshälfte definiert wurden. Der Iran-Krieg ab Ende Februar 2026 hat den Markt jedoch grundlegend verändert: WTI sprang bis auf $119, bevor die Anfang April vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran den Preis wieder unter die $80er-Marke drückte.
Seit dem Juli-Tief bei rund $68 hat der Ölpreis kräftig zugelegt. In der Spitze reichte es bis $105,20, also genau bis zum Hoch aus dem Mai, und dort ist die Bewegung abgewiesen worden. Aktuell notiert der Markt bei $95,70 und damit unter dem Juni-Hoch bei $97,00, das vom Halt zum Widerstand geworden ist.
Ein Teil des Abstands zum Hoch geht dabei nicht auf fallende Kurse zurück. Zum Tageswechsel hat der Terminkontrakt von Oktober auf November gewechselt, und der November-Kontrakt notiert tiefer. Wer nur die Zahl vergleicht, sieht einen Einbruch, wo in Wirklichkeit die Rechengrundlage gewechselt hat. Am Vortag lag der November-Kontrakt $4,68 unter dem Oktober-Kontrakt. Der Wechsel allein hat den Kurs deshalb bis an das Juni-Hoch gebracht. Darunter gedrückt hat ihn erst die Bewegung des Tages: Der November-Kontrakt selbst gab bis zum Zeitpunkt der Analyse rund $1,50 nach (Vortagesschluss $97,23). Die Marken im Chart beziehen sich auf die Kursreihe des Charts (US Oil, TVC:USOIL); wer ältere Kurse einzelner Terminkontrakte danebenlegt, muss den Abstand zwischen den Kontraktmonaten mitdenken.
Das größere Bild ist ein laufendes Dreieck. Die obere Begrenzung führt vom März-Hoch bei rund $120 abwärts, die untere vom Juli-Tief aufwärts, und beide laufen aufeinander zu. Aus dieser Formation ist der Markt noch nicht ausgebrochen. Solange das so bleibt, ist die Richtung offen und die Schwankungen werden mit jedem Anlauf kürzer.
Kurzfristig besteht damit Korrekturpotenzial bis in den Bereich von $93,50. Auffällig ist, dass der 20-Tage-Durchschnitt mit $92,70 direkt darunter liegt, was die Zone technisch untermauert. Darüber hinaus gehen wir von weiter steigenden Kursen aus, mit einer Bewegung in Richtung der Jahreshochs.
Die Marken dafür sind übersichtlich. Nach oben ist zuerst das Juni-Hoch bei $97,00 zurückzuerobern, darüber warten $105,20 und $110,90. Nach unten warten die Unterstützungen bei $93,50 und $87,70, und im Bereich der ersten verläuft auch der 20-Tage-Durchschnitt mit $92,70. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt mit $80,60 deutlich darunter und stützt das übergeordnete Bild.
Bullisches Szenario: Ausbruch aus dem Dreieck
Nachhaltig über $105,20 wäre das Mai-Hoch genommen und die obere Dreiecksbegrenzung fällig, die knapp darüber verläuft. Gelingt auch dieser Schritt, liegt der Weg zu den Jahreshochs bei $119,48 offen. Treiber wäre eine erneute Eskalation um die Straße von Hormus oder ein Scheitern der Verhandlungen.
Zielzone: $105 bis $120
Bärisches Szenario: Korrektur in die $93er-Zone
Nach der Abweisung am Mai-Hoch ist $93,50 die nächste Auffangzone, gefolgt von $87,70. Im Bereich der ersten Marke verläuft auch der 20-Tage-Durchschnitt. Auslöser wäre eine Entspannung im Konflikt oder eine Förderentscheidung der OPEC+, die mehr Angebot bringt. Erst unter dem 200-Tage-Durchschnitt bei $80,60 wäre das übergeordnete Bild beschädigt.
Korrekturziel: rund $93
Widerstände
$110,90
$105,20
$97,00
Kurs bei Analyse
$95,70
Unterstützungen
$93,50
$87,70
Iran-Krieg 2026 und die Auswirkungen auf den Ölpreis
Der Iran-Krieg 2026 ist der wichtigste geopolitische Faktor für die aktuelle Ölpreisprognose: Durch die Straße von Hormus floss vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs.
Ende Februar 2026 begannen die USA und Israel koordinierte Militäroperationen gegen den Iran. Die Folgen für den Ölmarkt waren unmittelbar: Die Straße von Hormus wurde weitgehend blockiert, WTI stieg bis zum 9. März auf $119,48, Brent bis zum 30. April auf $126,10, die höchsten Stände seit 2022. Nach Reuters-Berechnungen stand im März zeitweise mindestens 40 % der russischen Ölexportkapazität still. Die Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur beschlossen am 11. März, 400 Millionen Barrel aus Notreserven bereitzustellen; darin enthalten sind 172 Millionen Barrel aus der strategischen Reserve der USA.
Nach einer Waffenruhe Anfang April und einer Absichtserklärung im Juni erklärte Trump die Feuerpause am 8. Juli beim NATO-Gipfel in Ankara faktisch für beendet. Das US-Militär griff erneut Ziele im Iran an, Teheran attackierte US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait.
Das iranische Angebot vom 1. September, zum Waffenstillstandsabkommen vom Juni zurückzukehren, blieb zunächst ohne Resonanz: Trump erklärte am 4. September, es fänden keine Verhandlungen mit dem Iran statt. Anfang September eskalierte der Seekrieg erneut: Am 5. September griffen die USA drei iranische Öltanker an, der Iran meldete Gegenangriffe und kündigte am 6. September ein neues Sperrgebiet an. Am 9. September passierten nach Angaben von Radio Free Europe nur noch sieben Schiffe die Meerenge, im Zehn-Tage-Schnitt 14 pro Tag; vor dem Krieg waren es rund 125. Aktuell zeichnet sich jedoch eine leichte Entspannung ab: Iranische Regierungsvertreter geben sich optimistisch, dass ein Abkommen bald zustande kommen könnte; ein erneuter Katar-Besuch in Teheran nährt Spekulationen über eine Einigung.
Für Trader bedeutet das: Jede Entwicklung rund um die Meerenge, ob Verhandlungsfortschritt, Tankerangriff oder politische Eskalation, kann den Kurs binnen Minuten um mehrere Dollar bewegen.
Steigende Energiepreise treiben die Inflation und damit die Anleiherenditen nach oben. In unserer Zinsprognose ordnen wir den Zusammenhang zwischen Ölpreis und Zinsentwicklung ein.
Was die dabei entstandene extreme Terminkurven-Situation für Trader bedeutet, erklärt unser Guide zur Backwardation im Trading.
Rohöl technische Analyse: Indikatoren aktuell
Eine hervorragende Übersicht über die technische Situation von Crude Oil (CL) findet sich hier auf TradingView.
Die technische Zusammenfassung des Rohölpreises, die dort zu sehen ist, basiert auf den beliebtesten technischen Indikatoren, wie gleitenden Durchschnitten, Oszillatoren und Pivots. Für die langfristigen Aussichten wählst du „1 Monat“ aus.
Technische Ratings können für viele Analysten oder Trader ein wertvolles Werkzeug der technischen Analyse sein. Viele Trader verwenden eine Auswahl von sich ergänzenden Indikatoren, um bessere Entscheidungen zu treffen. Technical Ratings vereinfacht diese Aufgabe, indem es die beliebtesten Indikatoren und ihre Signale kombiniert.
Hinweis: TradingView empfiehlt niemandem den Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments allein auf der Grundlage der Empfehlungen des Indikators „Technische Ratings“. Die Empfehlungen zeigen lediglich die Erfüllung bestimmter Bedingungen einer Reihe von individuellen Indikatoren an, die dem User helfen können, potenziell günstige Bedingungen für eine Transaktion zu erkennen, wenn dies mit seiner Strategie übereinstimmt.
Datenbasis der Charts auf dieser Seite. Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreschart zeigen bei TradingView die Kursreihen US Oil (TVC:USOIL) und Brent (TVC:UKOIL). Das sind von TradingView geführte CFD-Kursreihen auf WTI und Brent; am 18.09.2026 entsprach US Oil dem November-Kontrakt an der NYMEX. Jahresverlauf-Chart, Jahreshoch-Tabelle und Barrel-Tabelle beruhen auf Daten von Yahoo Finance, und zwar auf dem jeweils vordersten Terminkontrakt (CL=F, BZ=F) oder dem in der Bildunterschrift genannten Einzelkontrakt. Diese Reihe wird beim Kontraktwechsel nicht rückwirkend angepasst, der Wechsel erscheint deshalb als Sprung. Die Prognose wird wöchentlich aktualisiert; die Marken beschreiben Szenarien, keine Gewissheiten.
Ölpreisprognose und Entwicklung bis 2028 (WTI, mittelfristig)
Erwartete Spanne 2027 und 2028
$65 bis $120

In den vergangenen Jahren hat der Rohölpreis eine signifikante Unterstützung im $65er-Bereich etabliert, die im April 2025 nachgegeben hat. Die Gegenbewegung konnte das lokale Hoch bei $80 zunächst nicht zurückgewinnen, woraufhin der 50-Wochen-Durchschnitt die Kursbewegung vorerst gedeckelt hat.
Der Iran-Krieg hat diese technische Struktur aufgebrochen: Der Preissprung auf $119 konnte die vorherige Abwärtstrendphase durchbrechen. Die Frage ist nun, ob noch eine größere Anschlussbewegung möglich ist oder ob der Kurs bei aufkommender Beruhigung der Lage die alte Tradingrange über $55 weiterführt.
Im Wochenchart ist der Widerstand gut zu erkennen: die rot gezeichnete mittelfristige Abwärtstrendlinie. Darunter liegen zwei wichtige Unterstützungen bei $95,00 und $93,50. Grundsätzlich bleibt das Chartbild aber auch auf Wochenbasis positiv.
Mittelfristig dürften vier Faktoren die Preisentwicklung bestimmen:
- Globales Nachfragewachstum: Die US-Zollpolitik und Handelskonflikte könnten die Weltwirtschaft bremsen und die Ölnachfrage dämpfen
- OPEC+-Förderpolitik: Acht Länder der Gruppe hoben ihre Fördervorgaben im April und Mai um je 206.000 Barrel pro Tag an. Am 6. September beschlossen die sieben verbliebenen Länder, darunter Saudi-Arabien und Russland, die Vorgaben im Oktober auf dem Septemberniveau zu halten; das nächste Treffen ist am 4. Oktober
- US-Förderung: Die EIA erwartet in ihrem Kurzfristausblick vom September eine US-Rohölförderung von 13,8 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2026 und 14,3 Millionen im Jahr 2027, nach 13,7 Millionen im Jahr 2025
- Venezuela: Seit dem US-Eingreifen im Januar 2026 und einem Ölabkommen im August steigt die Förderung langsam, laut OPEC-Sekundärquellen von 941.000 Barrel pro Tag im Jahr 2025 auf 1,12 Millionen im Juli 2026. Wie schnell daraus zusätzliche Exporte werden, ist offen
Kurs bei Analyse
$95,70
Unterstützungen
$95,00
$93,50
Ölpreisprognose für Brent bis 2028 (mittelfristig)
Sowohl WTI (West Texas Intermediate) als auch Brent sind leichte, schwefelarme Rohöle, die als hochwertig gelten. Der wesentliche Unterschied besteht nicht in ihrer Zusammensetzung, sondern in ihrer geografischen Position und Logistik. WTI wird in den USA gewonnen und in Oklahoma (Cushing) gelagert. Brent hat seinen Ursprung in der Nordsee und wird in gut vernetzten Seehäfen verladen, wodurch es zur wichtigsten Referenz für den weltweiten Ölhandel wird. Deshalb wird Brent als Preisbasis für über drei Viertel des international gehandelten Erdöls genutzt.
Brent Ölpreis auf TradingView ansehen

Auch Brent ist nach dem kriegsbedingten Hochlauf zurückgefallen und sitzt jetzt direkt auf der Unterstützung am Juli-Hoch bei $102,00. Die Nordseesorte notiert mit $103,00 knapp darüber, die Marke wird also gerade getestet.
Hält sie nicht, liegt der nächste Halt spürbar tiefer. Bei $95,90 wartet ein Niveau aus dem Jahr 2023. Zwischen beiden Marken liegen rund sechs Prozent, und das ist die Spanne, in der sich eine Korrektur abspielen würde, ohne das größere Bild zu beschädigen.
Denn grundsätzlich bleibt das Chartbild auf mittelfristige Sicht positiv. Weiter steigende Brent-Preise sind aus heutiger Sicht relativ wahrscheinlich. Nach oben begrenzt die im Chart rot eingezeichnete mittelfristige Abwärtstrendlinie das Bild.
Brent notiert dabei weiterhin über der US-Sorte WTI. Der Aufschlag schwankt und ist nicht der Grund für die Rolle als Weltreferenz. Die kommt daher, dass Brent auf dem Seeweg gehandelt und weltweit verschifft wird und der Terminmarkt sehr liquide ist. Laut ICE werden rund 78 % des international gehandelten Rohöls auf Brent-Basis bepreist. Wer in Europa auf Kraftstoff- oder Heizölpreise schaut, findet in Brent die passendere Referenz als in WTI.
Die US-Energiebehörde EIA erwartet für Brent erst hohe, dann fallende Preise. In ihrem Kurzfristausblick (Short-Term Energy Outlook) vom 9. September 2026 rechnet sie für das zweite Halbjahr 2026 mit durchschnittlich rund $90 je Barrel, $8 mehr als in der Ausgabe vom August. Im August selbst lag Brent laut EIA im Schnitt bei $91. Getragen werden die hohen Preise von schrumpfenden Lagern, die nach Schätzung der EIA seit Jahresbeginn um 400 Millionen Barrel gefallen sind. Sobald wieder mehr Öl aus dem Nahen Osten fließt und die Lager aufgefüllt werden, soll Brent bis zum zweiten Quartal 2027 auf $77 sinken und im Jahresschnitt 2027 bei $74 liegen. Die Eingangsdaten hat die EIA am 3. September festgeschrieben, spätere Ereignisse berücksichtigt die Prognose ausdrücklich nicht. Die nächste Ausgabe erscheint am 6. Oktober.
Kurs bei Analyse
$103,00
Unterstützungen
$102,00
$95,90
Livechart von Brent Crude Oil:
US-Zollpolitik und Handelskonflikte als Preisfaktor
Die US-Zollpolitik unter der derzeitigen Regierung beeinflusst den Ölpreis zunehmend über den Umweg der globalen Nachfrage. Hohe Einfuhrzölle und Gegenmaßnahmen der betroffenen Staaten dämpfen Warenfluss, Lieferketten und letztlich den Treibstoffbedarf. Der Transport- und Mobilitätssektor macht circa 60 % der globalen Ölnachfrage aus.
Die Grundlage bleibt der Turnberry-Deal: Seit 1. Juli 2026 deckelt er die US-Zölle auf die überwiegende Mehrheit der EU-Exporte bei 15 %. Stahl und Aluminium sind weiterhin ausgenommen (bis zu 50 %). Seit dem 24. Juli 2026 ersetzen Section-301-Zölle den ausgelaufenen Section-122-Übergangssatz; für EU-Ursprungsware gilt faktisch ein Globalzoll von 10 %, sofern der Regelzollsatz darunter liegt. Die Obergrenze von 15 % aus dem Turnberry-Deal wurde dabei nicht aufgebrochen.
Für den Seehandel zählt vor allem ein Termin: Die US-Hafengebühren für Schiffe mit China-Bezug sind bis zum 10. November 2026 ausgesetzt. Greifen sie danach wieder, verteuert das die Fracht.
Für die Ölpreisprognose bedeutet das: Das Zollregime ist strukturell stabil, das Ende der Aussetzung der China-Hafengebühren am 10. November ist die nächste datierbare Wegmarke. Trader sollten PMI-Daten, Frachtvolumen und den weiteren Verlauf dieser Einzelkonflikte im Blick behalten.
Ölpreisprognose langfristig 2030, 2040, 2050
Erwartete Spanne 2030 bis 2050 (WTI, nominal)
$35 bis $110
Die langfristige Prognose des Ölpreises ist ein schwieriges Unterfangen und mit vielen Unsicherheiten verbunden. Wirtschaftliche Entwicklungen, technologische Innovationen, geopolitische Ereignisse und Umweltauflagen spielen eine große Rolle. Die hohe Volatilität des Ölmarktes und die Vielzahl der Einflussfaktoren erschweren präzise Prognosen. Auch technische Analysen über derart lange Zeiträume sind aufgrund der vielen Einflussfaktoren nur bedingt aussagekräftig.
Rohölpreise auf TradingView ansehen

Im Monatschart wird sichtbar, woran sich der Markt gerade reibt. Nach oben staffeln sich drei Widerstände dicht beieinander: $110,50, $112,20 und $114,80. Das sind keine beliebigen Zahlen, sondern Niveaus, an denen der Ölpreis in den Jahren 2011 bis 2014 und zuletzt 2022 gedreht hat.
Nach unten liegen die Auffangzonen bei $95,00, $93,50 und $87,70, also genau dort, wo auch Tages- und Wochenchart ihre Marken haben. Wenn dieselbe Zone in drei Zeitebenen auftaucht, hat sie mehr Gewicht als eine Linie, die nur im Tageschart existiert.
Widerstände
$114,80
$112,20
$110,50
Unterstützungen
$95,00
$93,50
$87,70
Langfristiger Trendkanal bis 2050

Wie man in diesem Jahreschart sehen kann, bewegt sich der Rohölpreis möglicherweise in einem langfristigen Trendkanal weiter aufwärts.
Der Chart ist logarithmisch skaliert. Gleiche prozentuale Bewegungen erscheinen dadurch gleich groß. Erst das macht einen Verlauf über mehr als 70 Jahre vergleichbar, denn ein Anstieg von $3 auf $6 ist prozentual derselbe Schritt wie einer von $100 auf $200.
Auch wenn es aktuell noch relativ unwahrscheinlich erscheint: Preise deutlich über $500 und sogar bis in Richtung $1.000 sind auf Sicht von mehr als einer oder zwei Dekaden möglich. Das ist eine Fortschreibung des Chartbilds in nominalen Preisen und ausdrücklich spekulativ, keine Prognose für ein bestimmtes Jahr. Die erwartete Spanne für 2030 bis 2050 bleibt $35 bis $110.
Erst ein Kursrückgang, der deutlich aus dem im Chart gekennzeichneten Trendkanal nach unten ausbricht, würde die längerfristigen Preisanstiege beenden.
Ölpreisprognose 2030
Die Internationale Energieagentur rechnet im World Energy Outlook 2025 damit, dass die weltweite Ölnachfrage um 2030 ein Plateau bei rund 102 Millionen Barrel pro Tag erreicht und danach langsam zurückgeht. Das gilt für das Szenario der angekündigten Politik (Stated Policies Scenario, STEPS), das neben beschlossenen auch angekündigte Maßnahmen einrechnet. Im Szenario, das nur bereits beschlossene Gesetze und Maßnahmen berücksichtigt (Current Policies Scenario, CPS), steigt die Nachfrage bis 2050 auf 113 Millionen Barrel pro Tag. Die Spanne zwischen diesen beiden Pfaden ist der eigentliche Kern jeder Langfristprognose.
Getragen wird der Rückgang im ersten Szenario vor allem von Elektrofahrzeugen. Bis 2035 erwartet die IEA über 840 Millionen davon auf den Straßen, die rund 10 Millionen Barrel pro Tag ersetzen, überwiegend in Asien und Europa. Gegenläufig wirken Petrochemie und Luftverkehr: dort nimmt der Ölbedarf bis 2035 und bis 2050 weiter zu.
Regional läuft die Entwicklung auseinander. In China dämpfen die schnell wachsenden Zulassungszahlen bei Elektroautos den Verbrauch, während Indien durch Urbanisierung und Industrialisierung mehr Öl benötigt.

Die Grafik zeigt, wie schnell die Luft aus dem Wachstum entweicht: von 2,6 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2022 schrumpft der jährliche Zuwachs auf nahezu Null und dreht 2030 leicht ins Minus. Getragen wird er am Ende nur noch von der Petrochemie, während die übrigen Sektoren ab 2027 Öl abgeben.
Auf der Preisseite ist die US-Energiebehörde EIA zurückhaltend. Im Annual Energy Outlook vom April 2026 bleibt Brent in nahezu allen Szenarien bis 2030 unter $70 pro Barrel, gerechnet in der Kaufkraft von 2025. Das liegt deutlich unter dem heutigen Niveau von rund $103 und setzt voraus, dass die Kriegsprämie aus dem Preis verschwindet.
Lesetipp: Erdgasprognose: wie geht es weiter bei Natural Gas?
Ölpreisprognose 2040
Für 2040 liegen die Erwartungen weiter auseinander. Die EIA sieht Brent in den späten 2030er Jahren über $75 pro Barrel steigen, was die Förderung in den 2040er Jahren stützt. Für 2040 selbst weist sie im Basisfall $76,02 aus, bei reichlichem Öl- und Gasangebot $66,75 und bei knappem Angebot $90,49, jeweils in der Kaufkraft von 2025.
Strukturell nimmt der Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix weiter zu, strengere Umweltauflagen und CO₂-Preise dämpfen die Nachfrage zusätzlich. Gegenläufig wirkt, dass die günstig förderbaren Reserven zur Neige gehen und teurere Methoden nötig werden. Dieser Kostendruck ist das stärkste Argument für steigende Preise trotz sinkender Mengen.

Diese Grafik zeigt, wer den Ausgleich leistet. Die Industrieländer senken ihren Verbrauch von rund 50 auf etwa 31 Millionen Barrel pro Tag, China geht nach 2030 leicht zurück, und die übrigen Schwellenländer wachsen von etwa 24 auf über 50. Die Summe bleibt dadurch bis 2050 nahe an der Marke von 100 Millionen Barrel pro Tag. Nicht die Menge verschwindet, sondern sie wandert.
Ölpreisprognose 2050
Für 2050 nennt die EIA konkrete Zahlen: $87 pro Barrel im Basisfall und $95, wenn der Verkehr stärker als angenommen am flüssigen Kraftstoff hängt. Beide Werte sind in der Kaufkraft von 2025 gerechnet. Die Grafik zeigt beide Pfade und die Spanne aller elf Szenarien der EIA: 2050 zwischen $73,74 bei reichlichem und $106,93 bei knappem Öl- und Gasangebot. Auffällig ist der Start, denn für 2026 unterstellt die EIA $53,45, tatsächlich liegt Brent bisher im Schnitt bei $88,50.

An dieser Stelle lohnt der Blick auf die Recheneinheit, denn er erklärt den scheinbaren Widerspruch zum Trendkanal weiter oben. Die Behörden rechnen real, also inflationsbereinigt in heutiger Kaufkraft. Der Chart zeigt nominale Kurse, so wie sie an der Börse gestellt werden. Ein real unveränderter Ölpreis erscheint im nominalen Chart deshalb als steigende Linie. Wie weit dieser Effekt trägt, hängt an der Inflation der nächsten 25 Jahre. Die Größenordnung von $500 aus dem Trendkanal liegt allerdings weit über allem, was die Agenturen in ihren Szenarien abbilden. Sie ist eine Chartbetrachtung, keine Nachfrageprognose.
Über solche Zeiträume ist jede Zahl eine Annahme über Politik und Technik. Fortschritte bei der Kernfusion oder bei der Speicherung könnten die Energielandschaft schneller verändern als heute absehbar. Umgekehrt kann ein einziger geopolitischer Bruch eine ganze Dekade Preisentwicklung vorwegnehmen, wie das Jahr 2026 gezeigt hat.
Peak Oil: Angebot oder Nachfrage, was erreicht zuerst die Spitze?
Peak Oil bezeichnet den Zeitpunkt, an dem die weltweite Erdölförderung (Peak Oil Supply) oder die globale Ölnachfrage (Peak Oil Demand) ihren Höhepunkt erreicht und danach dauerhaft sinkt.
Für die langfristige Ölpreisprognose ist die Peak-Oil-Debatte entscheidend. Dabei gibt es drei Szenarien:
Hochpreispfad: Die globale Ölförderung erreicht ihr Maximum, bevor die Nachfrage sinkt. Knappere Reserven und teurere Fördermethoden (Tiefsee, Ölsand) treiben den Preis langfristig über $100.
Referenzpfad: Angebot und Nachfrage erreichen etwa gleichzeitig ihren Höhepunkt. Der Ölpreis bewegt sich in einer breiten Spanne zwischen $60 und $90, da neue Energiequellen die rückläufige konventionelle Förderung kompensieren.
Niedrigpreispfad: Die Energiewende beschleunigt sich schneller als erwartet. Durch Elektrofahrzeuge, Wasserstoff und erneuerbare Energien sinkt die Nachfrage, bevor das Angebot knapp wird. In diesem Szenario könnten Ölpreise dauerhaft unter $50 fallen.
Laut der Occidental-Petroleum-CEO Vicki Hollub dürfte die US-Ölproduktion zwischen 2027 und 2030 ihren Höhepunkt erreichen. Fossile Brennstoffe machen aktuell noch rund 80 % des globalen Energieverbrauchs aus. Der Übergang zu Alternativen wird Jahrzehnte dauern.
Die 6 wichtigsten Einflussfaktoren auf den Ölpreis
1. Angebot und Nachfrage
Das Grundprinzip der Preisbildung für Rohöl beruht auf dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Ein Überangebot führt in der Regel zu sinkenden Preisen, eine Verknappung zu steigenden Preisen. So hat die steigende Nachfrage aus Schwellenländern wie China und Indien in den letzten Jahren zu höheren Preisen geführt.
Die OPEC reguliert das Angebot durch Produktionsquoten. Diese Entscheidungen können das weltweite Angebot erheblich beeinflussen. Nicht-OPEC-Produzenten, insbesondere die USA mit ihrer Schieferölproduktion, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Infobox: OPEC und Nicht-OPEC
OPEC: Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) setzt sich seit dem 1. Mai 2026 aus elf Mitgliedern zusammen, die Ende 2025 laut OPEC gut 70 Prozent der nachgewiesenen Ölreserven hielten. Ihr Anteil an der Förderung ist durch den Iran-Krieg stark gesunken: Die EIA erwartet für 2026 aus der OPEC 23,6 Millionen Barrel flüssige Brennstoffe pro Tag, bei weltweit 100,6 Millionen. Die Hauptaufgabe der Organisation ist die Regulierung des Ölangebots durch Produktionsquoten.
Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate hat das Kartell im Mai 2026 geschwächt. Abu Dhabi kündigte den Rückzug aus OPEC und OPEC+ am 28. April an, vollzogen wurde er zum 1. Mai 2026, nach 59 Jahren Mitgliedschaft. Es ist der größte Förderer, der die Organisation je verlassen hat: Die VAE lagen mit einer Quote von 3,5 Millionen Barrel pro Tag auf Rang drei hinter Saudi-Arabien und dem Irak und wollen ihre Kapazität bis 2027 auf fünf Millionen Barrel ausbauen. Für die Ölpreisprognose bedeutet das: Ein großer Produzent fördert seither ohne Quotenbindung, was die Steuerungsfähigkeit der verbliebenen Mitglieder verringert.
Nicht-OPEC-Länder: Große Förderländer außerhalb der OPEC wie die USA und Kanada haben keine gemeinsamen Förderquoten und reagieren einzeln auf die Marktbedingungen. Russland gehört zwar nicht zur OPEC, stimmt seine Förderung aber im Verbund OPEC+ mit ab und steht in dessen Fördervorgaben.
2. Geopolitische Ereignisse
Geopolitische Spannungen, insbesondere in ölreichen Regionen, können die Ölversorgung stören und die Preise massiv beeinflussen. Der Iran-Krieg 2026 ist das jüngste Beispiel: Die Sperrung der Straße von Hormus ließ den Ölpreis binnen sechs Handelstagen um 41 % steigen. WTI schloss am 27. Februar bei $67,02 und am 9. März bei $94,77.
Weitere Beispiele: Die Sanktionen gegen Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine (2022) führten zu erheblichen Preissteigerungen. Auch Rebellenaktionen im Roten Meer können Handelsrouten lahmlegen und die Versorgung in Bedrängnis bringen.
3. Technologische Entwicklungen und Energiepolitik
Die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien und Fortschritte bei der Energieeffizienz verringern langfristig die Abhängigkeit vom Öl. Elektrofahrzeuge, Wind- und Solarenergie können die Nachfrage nach Erdöl senken. Technologische Innovationen in der Ölförderung, wie die Schieferölgewinnung, haben das Angebot erhöht und die Preise beeinflusst.
Politische Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Reduktion von CO₂-Emissionen, etwa Subventionen für Elektrofahrzeuge oder strenge Abgasnormen, können die Ölnachfrage senken.
Als konjunktursensibles Industriemetall reagiert Kupfer ähnlich wie Rohöl auf globale Wachstumszyklen. Wer beide Märkte vergleichen möchte, findet in unserer Kupferpreis Prognose 2026 die technische und fundamentale Einschätzung.
4. Wechselkurs des US-Dollars
Öl wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Ein starker Dollar macht Öl für Käufer in anderen Währungen teurer, was die Nachfrage senkt. Ein schwacher Dollar hat den gegenteiligen Effekt. Zentralbankentscheidungen, Wirtschaftsindikatoren und politische Ereignisse, die den Wert des Dollars beeinflussen, wirken sich daher auch auf die Ölpreise aus.
Die Inflation im Euroraum lag im August 2026 bei 3,2 %. Für das Gesamtjahr erwartet die EZB im Schnitt 3,0 %. Am 10. September hat sie den Einlagenzins auf 2,50 % angehoben, wirksam seit 16. September; die nächste Sitzung folgt am 28. und 29. Oktober: alle Termine im EZB-Zinsentscheid.
Der Ölpreis beeinflusst über die Inflationserwartungen direkt die Geldpolitik der Fed. Die aktuelle Lage und alle Termine findest du im Artikel zum Fed Zinsentscheid.
Lesetipp: Euro Dollar Prognose
5. Lagerbestände und Produktionskapazitäten
Die Öllagerbestände sind ein wesentlicher Indikator für die zukünftige Preisentwicklung. Hohe Lagerbestände deuten auf ein Überangebot hin und drücken die Preise. Niedrige Lagerbestände können auf ein knappes Angebot hindeuten. Die US-amerikanische Energy Information Administration (EIA) veröffentlicht im Weekly Petroleum Status Report wöchentlich Daten zu den Öllagerbeständen, die häufig zu kurzfristiger Volatilität führen.
Die Produktionskapazitäten der Ölproduzenten, insbesondere der OPEC+ und der Nicht-OPEC-Länder, beeinflussen das weltweite Angebot. Investitionen in Infrastruktur und neue Fördertechniken können die Kapazitäten erhöhen.
6. US-Zollpolitik und Handelskonflikte
Die US-Handelspolitik hat sich in den vergangenen Jahren zu einem eigenständigen Einflussfaktor auf den Ölpreis entwickelt. Hohe Einfuhrzölle bremsen den globalen Handel, reduzieren Transportvolumen und damit die Ölnachfrage. Der Transport- und Mobilitätssektor ist mit rund 60 % der größte Ölverbraucher weltweit. Jede Abschwächung des Welthandels wirkt sich daher direkt auf den Rohölpreis aus.
Rohöl einfach erklärt: Definition, Sorten und Verwendung
Rohöl ist ein fossiler Brennstoff, der hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen besteht und aus unterirdischen Lagerstätten gewonnen wird.
Dieser Rohstoff ist das Ergebnis einer Millionen Jahre dauernden chemischen Umwandlung von organischem Material unter hohem Druck und hohen Temperaturen. Rohöl muss in Raffinerien weiterverarbeitet werden, um nutzbare Produkte wie Benzin, Diesel und Kerosin herzustellen, die für die moderne Wirtschaft unverzichtbar sind.
Unterschiede zwischen Rohöltypen
Brent-Öl wird in der Nordsee gefördert und dient als globaler Preisbenchmark für über drei Viertel des international gehandelten Rohöls. Es hat einen höheren Schwefelgehalt als WTI-Öl, wodurch es schwerer und saurer ist. Brent-Öl wird hauptsächlich in Europa, Afrika und im Nahen Osten gehandelt.
WTI-Öl (West Texas Intermediate) stammt aus den USA, ist leichter und süßer als Brent und hat einen geringeren Schwefelgehalt. Diese Eigenschaften machen es ideal für die Raffination zu Benzin und Diesel. WTI wird hauptsächlich in Nordamerika gehandelt und dient als Referenz für die Preise in dieser Region.
Verwendungszwecke von Rohöl
| Verwendung | Beschreibung |
|---|---|
| Chemische Industrie | Herstellung von Kunststoffen, Chemikalien und Düngemitteln |
| Transport | Basis für Kraftstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin für Autos, Flugzeuge, Schiffe |
| Energieerzeugung | Nutzung als Energieträger zur Stromerzeugung, besonders in Regionen ohne erneuerbare Energien |
| Heizung | Nutzung als Heizöl in Haushalten und Gewerbe |
| Medizin | Herstellung von Medikamenten und medizinischen Geräten |
| Textilindustrie | Produktion von synthetischen Fasern für Kleidung und andere Textilien |
| Bauindustrie | Verwendung von Asphalt für Straßenbau und Dämmstoffe für Gebäude |
| Kosmetik | Inhaltsstoff für diverse Kosmetikprodukte und Pflegeprodukte |
Regionale Unterschiede und Einflüsse
Die Ölproduktion und der Ölverbrauch sind regional sehr unterschiedlich und beeinflussen die Weltmärkte erheblich.
In Nordamerika hat die Schieferölrevolution die USA zu einem der größten Ölproduzenten der Welt gemacht. Durch Fracking und horizontale Bohrtechniken konnten die USA ihre Produktion massiv steigern. Bei Rohöl und Mineralölprodukten zusammen sind sie heute Nettoexporteur, bei Rohöl allein weiter Nettoimporteur: 2025 führten sie laut EIA netto 2,2 Millionen Barrel Rohöl pro Tag ein und netto 2,8 Millionen Barrel Rohöl und Produkte pro Tag aus.
Europa und Asien sind stark von Ölimporten abhängig. Brent-Öl ist hier die maßgebliche Referenz. Der starke Preisanstieg nach der russischen Invasion in der Ukraine 2022 und der erneute Preissprung durch den Iran-Krieg 2026 zeigen, wie anfällig die Region für geopolitische Schocks ist.
China und Indien sind große Akteure auf dem Weltölmarkt. Die Nachfrage beider Länder steigt aufgrund der Industrialisierung und des Bevölkerungswachstums stetig an.
Russland und Saudi-Arabien spielen eine Schlüsselrolle in der weltweiten Ölproduktion. Saudi-Arabien verfügt als führendes OPEC-Mitglied über die zweitgrößten nachgewiesenen Ölreserven nach Venezuela, laut OPEC 267 Milliarden Barrel Ende 2025, und kann durch seine Produktionsentscheidungen die Ölpreise erheblich beeinflussen.
Vergleich WTI Crude Oil und Brent
| Merkmal | WTI | Brent |
|---|---|---|
| Herkunft | USA, vor allem Texas und New Mexico | Nordsee (Großbritannien, Norwegen) |
| Dichte (API) | leicht, rund 39° | leicht, rund 38° |
| Schwefel | rund 0,24 % | rund 0,37 % |
| Hauptbörse | NYMEX (CME Group) | ICE Futures (London) |
| Lieferung | Pipeline, Cushing (Oklahoma) | Tanker, frei verschiffbar |
| Rolle | Referenzpreis für die USA | Referenz für über drei Viertel des Welthandels |
Jahreshochs und ‑tiefs im Vergleich
| Jahr und Anlass | WTI Hoch / Tief | Brent Hoch / Tief |
|---|---|---|
| 2026* Iran-Krieg, Hormus | $119,48 $55,76 | $126,10 $59,45 |
| 2025 Handelszölle | $80,77 $54,98 | $82,63 $58,39 |
| 2024 Überangebot | $87,67 $65,27 | $92,18 $68,69 |
| 2023 OPEC+-Kürzungen | $95,03 $63,64 | $97,63 $68,20 |
| 2022 Ukraine-Krieg | $130,50 $70,08 | $137,00 $75,11 |
| 2021 Nachfrageboom | $85,41 $47,18 | $86,72 $50,58 |
| 2020 Corona | $65,65 −$40,32 | $71,99 $16,00 |
| 2019 Handelskrieg | $66,60 $44,35 | $75,59 $52,50 |
| 2018 Iran-Sanktionen | $76,90 $42,36 | $86,72 $49,96 |
| 2017 OPEC+-Kürzungen | $60,51 $42,05 | $67,08 $44,36 |
| 2016 OPEC-Einigung | $54,51 $26,05 | $57,49 $27,11 |
| 2015 OPEC-Preiskrieg | $62,58 $33,98 | $69,60 $35,99 |
Handel und Trading von Rohöl
Der Handel mit Rohöl findet hauptsächlich an großen Warenterminbörsen wie der New York Mercantile Exchange (NYMEX) und der Intercontinental Exchange (ICE) statt. Hier können Anleger mit Futures, Optionen und ETFs handeln.
Futures-Kontrakte
Ein Futures-Kontrakt auf Rohöl umfasst in der Regel 1.000 Barrel und wird in US-Dollar gehandelt. Mit diesen Kontrakten können Marktteilnehmer auf zukünftige Preisbewegungen spekulieren oder sich gegen Preisschwankungen absichern.
Optionen
Optionen geben dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Futures-Kontrakt zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Sie bieten Flexibilität, da man mit Optionen auf steigende oder fallende Preise setzen kann, ohne den Vertrag tatsächlich erfüllen zu müssen.
ETFs und andere Instrumente
Exchange Traded Funds (ETFs) ermöglichen es Anlegern, in Rohöl zu investieren, ohne direkt Futures oder Optionen zu handeln. ETFs spiegeln die Preisbewegungen von Rohöl wider und bieten eine einfache Möglichkeit, sich am Ölmarkt zu beteiligen.
Beachte dabei die Rollverluste: In Contango-Phasen bleibt die Rendite von Futures-basierten Öl-ETFs hinter dem Spotpreis zurück.
Investition in Öl-Aktien
Anleger können statt des Rohstoffs auch die Unternehmen dahinter kaufen. Welche Öl Aktien sich lohnen, haben wir mit Marktkapitalisierung, Dividendenrendite und ISIN verglichen. Dabei handelt es sich um Aktien von Unternehmen, die in der Exploration, Produktion, Raffination und Vermarktung von Erdöl tätig sind. Beispiele hierfür sind ExxonMobil, Chevron und Shell. Investitionen in Öl-Aktien ermöglichen es, vom Ölmarkt zu profitieren, ohne direkt mit Rohöl zu handeln.
Steigende Ölpreise belasten tendenziell die Gewinnmargen vieler Dow-Jones-Komponenten. Die technische Analyse des Dow Jones Index zeigt, ob sich dieser Zusammenhang aktuell in den Charts widerspiegelt.
Wer handelt mit Rohöl?
Hedger: Unternehmen wie Fluggesellschaften, Reedereien und Raffinerien nutzen Rohöl-Futures und -Optionen, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern.
Spekulanten: Trader und Investoren nutzen die Volatilität des Ölmarktes, um Gewinne zu erzielen. Durch den Kauf und Verkauf von Futures und Optionen können sie von kurzfristigen Preisbewegungen profitieren.
Fazit Ölpreisprognose 2026: Geopolitik dominiert, Chartbild bleibt volatil
Der Rohölmarkt steht 2026 im Zeichen des Iran-Kriegs und der damit verbundenen extremen Volatilität. Als diskretionärer Price-Action-Trader verfolge ich die Ölmärkte seit Jahrzehnten. Eine derart schnelle Verdopplung und anschließende Korrektur innerhalb weniger Wochen ist auch historisch betrachtet außergewöhnlich. Die Waffenruhe vom April hat nicht gehalten: Anfang Juli erklärte Trump die Feuerpause für beendet, seither ist der Seekrieg um die Straße von Hormus zurück. Es gibt erste Verhandlungssignale, tragfähig ist bislang keines.
Für Trader empfehle ich in der aktuellen Lage besondere Vorsicht: Die Tagesspannen sind extrem, und geopolitische Schlagzeilen können den Kurs innerhalb von Minuten um mehrere Dollar bewegen. Wer Rohöl handeln möchte, sollte mit reduzierten Positionsgrößen und konsequentem Risikomanagement arbeiten.
Mittelfristig rechne ich mit einer breiten Handelsspanne zwischen $65 und $120 (WTI), abhängig davon, wie sich Geopolitik und OPEC+-Politik entwickeln. Langfristig erwarte ich eine breite Seitwärtsrange zwischen $35 und $110 (WTI, nominal), vorausgesetzt, die Energiewende dämpft die Nachfrage wie erwartet. Der Trendkanal im Jahreschart zeigt, dass nominal auch deutlich höhere Preise denkbar sind; das ist aber eine spekulative Chartbetrachtung.
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Der Ölpreis bewegt auch eine Währung. Kanada ist der größte Öllieferant der USA, entsprechend eng hängt der kanadische Dollar am Rohöl. Wie sich das im Chart niederschlägt, zeigt die USD/CAD-Prognose.
FAQ zur Ölpreisprognose aktuell
Was beeinflusst die Ölpreisprognose?
Die Ölpreisprognose wird von geopolitischen Ereignissen, OPEC+-Entscheidungen über Produktionsquoten, globalen wirtschaftlichen Entwicklungen, Nachfrageveränderungen und Angebotsschwankungen beeinflusst. Auch unvorhersehbare Ereignisse wie der Iran-Krieg 2026 oder die Hormuz-Blockade können erhebliche Auswirkungen haben.
Wie beeinflusst der Iran-Krieg 2026 den Ölpreis?
Der Iran-Krieg hat den Ölpreis seit Ende Februar 2026 massiv beeinflusst. Die Sperrung der Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs floss, ließ WTI zeitweise auf $119 steigen. Die Anfang April vereinbarte Waffenruhe drückte den Preis zwischenzeitlich unter $80, hielt aber nicht: Anfang Juli wurde die Feuerpause für beendet erklärt. Brent notiert seither wieder über $100.
Was bedeutet die Sperrung der Straße von Hormus für den Ölpreis?
Die Straße von Hormus ist der wichtigste Seeweg für Öltransporte weltweit. Durch diese Meerenge am Persischen Golf wurden 2024 laut EIA täglich rund 20 Millionen Barrel Öl transportiert, etwa ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs. Eine Blockade führt unmittelbar zu Angebotsknappheit und Preissprüngen, wie der Iran-Krieg 2026 gezeigt hat.
Wird der Ölpreis wieder sinken?
Kurzfristig ist ein Rücksetzer möglich, auf längere Sicht erwarten Prognosen einen Rückgang. Nach der Abweisung am Mai-Hoch bei $105,20 liegt die nächste Auffangzone für WTI bei $93,50, darunter bei $87,70 (Stand 18.09.2026). Auslöser wären eine Entspannung im Iran-Konflikt oder mehr Förderung der OPEC+. Erst unter dem 200-Tage-Durchschnitt bei $80,60 wäre das übergeordnete Bild beschädigt. Nach einer Korrektur gehen wir von weiter steigenden Kursen in Richtung der Jahreshochs aus. Die US-Energiebehörde EIA erwartet dagegen, dass Brent bis 2027 auf durchschnittlich $74 fällt.
Was ist der Unterschied zwischen WTI und Brent Öl?
WTI (West Texas Intermediate) stammt aus den USA und ist leichter und schwefelärmer als Brent. Brent Crude wird in der Nordsee gefördert und dient als globale Preisreferenz für über drei Viertel des international gehandelten Rohöls. In der Regel notiert WTI 1 bis 3 US-Dollar günstiger als Brent; dieser Spread kann sich bei geopolitischen Ereignissen deutlich ausweiten.
Was ist Peak Oil und wie beeinflusst es den Ölpreis?
Peak Oil bezeichnet den Zeitpunkt maximaler globaler Ölförderung oder -nachfrage. Die Debatte dreht sich darum, ob zuerst das Angebot (durch erschöpfte Reserven) oder die Nachfrage (durch Energiewende) ihren Höhepunkt erreicht. Für die langfristige Ölpreisprognose ist dies entscheidend: Knappheit treibt Preise nach oben, sinkende Nachfrage drückt sie.
Wie ist der Ölpreis heute (aktuell)?
Den aktuellen Ölpreis für WTI und Brent findest du in Echtzeit über das TradingView-Chart weiter oben auf dieser Seite. Der Preis ändert sich während der Handelszeiten sekündlich; Brent-Futures handelt die ICE werktags von 2:00 bis 24:00 Uhr deutscher Zeit.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er handelt seit 1980 aktiv an den Finanzmärkten und arbeitet als diskretionärer Price-Action-Trader, der seine Entscheidungen aus dem Kursverlauf ableitet statt aus automatisierten Systemen.
Sein Schwerpunkt liegt auf Devisen, Indizes und Rohstoffen. Aus der eigenen Handelspraxis sind die Kagels Trading Methode und ein Signaldienst entstanden. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Rohöl gehört zu den Märkten, die er selbst handelt. Die Marken in dieser Prognose stammen aus seinen eigenen Charts: Unterstützungen und Widerstände aus tatsächlichen Hochs und Tiefs, dazu die Trendlinien, an denen sich der Preis bisher gerieben hat. Eingeordnet wird nach dem Kursverlauf, nicht nach automatisierten Signalen.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.









