Optionen handeln – Der erfolgreiche Einstieg (Kauf- und Verkaufsoptionen 2020)

Die Artikelreihe „Optionen handeln“ möchte einen Leitfaden für den Einstieg in den Optionshandel entwickeln. Über die Grundlagen hinaus wird der Wissensstand stetig erweitert, um in der Folge auch komplexere Optionsstrategien verstehen und handeln zu können.

Optionen – Ein Werkzeugkasten für jede Marktsituation

Optionen zählen zu den vielfältigsten Handelsinstrumenten. Der Vorteil gegenüber einem direkten Investment in einen Basiswert liegt vor allem im deutlich geringeren Kapitalbedarf. Darüber hinaus lassen sich Optionen in unterschiedlichsten Kombinationen verwenden, um Erwartungen an die Kursentwicklung gewinnbringend umzusetzen.

Ebenso können durch Stillhalterstrategien kontinuierlich Einnahmen generiert werden. Als Ergänzung zu bestehenden Investment-Portfolios bilden diese ein wirkungsvolles Instrument, um die Rendite zu optimieren. Gerne werden diese Prämieneinnahmen als zweite Dividende gezählt.

Genauso kann das Depot relativ kostengünstig gegen Verluste abgesichert werden. Je nach Anlagehorizont lassen sich sowohl kurz- als auch langfristige Risiken in skalierbarem Umfang abdecken.

Durch die Hebelwirkung setzen Optionen, wie jedes andere Finanzinstrument auch, genaueste Kenntnisse über ihre Funktion voraus. Die für einen erfolgreichen Optionshandel nötigen Voraussetzungen möchte ich in dieser Serie von Beiträgen schaffen.

In diesem Artikel finden Sie einen Überblick der zum Thema „Optionen handeln“ bereits veröffentlichten Teile. So können Sie direkt auf den Abschnitt zugreifen, der Sie besonders interessiert oder die Artikel in aufsteigender Reihenfolge lesen.

Die Broker für einen erfolgreichen Start

Optionen handeln können Sie über einen entsprechenden Broker. Die Vielfalt der Anbieter ist ebenso groß wie die Leistungsversprechen. Für den Optionshandel gibt es bei der Brokerwahl eine Reihe von Dingen zu beachten.

Generell muss der Broker die Order an eine Terminbörse leiten (routen). Meiner Information nach bieten aktuell in Deutschland lediglich Interactive Brokers und deren Introducing Broker, beispielsweise CapTrader, Lynx Broker und Banx Broker diese Möglichkeit.

Eine weitere Möglichkeit bietet IG.com. Mit einem entsprechenden Konto können hier Vanilla Options auf bestimmte Basiswerte gehandelt werden. Ich habe selbst noch keine Echtgeld-Erfahrungen mit dieser Variante gemacht. In der Demoversion lassen sich Optionen auch verkaufen und kombinieren. So würden sich die hier vorgestellten Strategien auch bei IG.com handeln lassen.

Unter den Links finden Sie die jeweiligen Testberichte zu den Brokern. Hier können Sie sich einen Überblick der Gebührenstruktur und Kontomodelle verschaffen.

Bei einigen Angeboten wird die Bezeichnung „Option“ missverständlich verwendet. Dann kann es sich um Optionsscheine handeln, oder auch um Konstruktionen des jeweiligen Brokers selbst. Im Zweifel empfiehlt sich eine Lektüre des Kleingedruckten oder ein Kontakt mit dem Kundenservice des Anbieters.

Für einen Einstieg in den Optionshandel empfehle ich ein Mindestkapital von 5000 Euro. Ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen und den Marginanforderungen der Broker lassen sich damit gut erste Schritte im Optionshandel machen.

Unterschiede zwischen Optionen und Optionsscheinen

Aufgrund einiger Gemeinsamkeiten passiert es häufig, dass Optionen und Optionsscheine gleichwertig eingestuft werden. Gemeinsamkeiten finden sich zwischen dem Kauf einer Option und dem Kauf eines Optionsscheins in den Eckdaten, wie zum Beispiel Basispreis und Laufzeit.

Der wohl signifikanteste Unterschied besteht darin, dass Optionen immer einem definierten Standard unterliegen. Sie werden grundsätzlich von den Terminbörsen ausgegeben. Es gibt immer nur eine Option gleichen Typs.

Und der Faktor, der Optionen für mich zum reizvollsten Finanzinstrument macht, darf nicht vergessen werden:

  • Sie können Optionen auch verkaufen, ohne sie besitzen zu müssen. Damit können Sie selbst als Anbieter / Stillhalter agieren.

Optionsscheine dagegen werden von Finanzinstituten, überwiegend Banken, emittiert. So kann es passieren, dass sich Optionsscheine mit gleichen Eckdaten finden lassen, allerdings von verschiedenen Anbietern. Sie sind mit einer WKN/ISIN versehen und lassen sie sich an der Börse handeln.

Der außerbörsliche Handel – OTC

Abweichend können Optionsscheine auch beim entsprechenden Anbieter gekauft werden. Bei den meisten Brokern ist dafür der Börsenplatz „OTC“ ( Over the Counter) verfügbar. Hierüber wird der außerbörsliche Handel zwischen den Marktteilnehmern ermöglicht.

Verkaufen lassen sich Optionsscheine und Zertifikate nur dann, wenn Sie in Ihrem Besitz sind.

Zu der Vielzahl an Anbietern kommt eine große Produktvielfalt. Das Regelwerk ist für jede Variante eines Optionsscheins unterschiedlich. Darüber hinaus behalten sich einige Anbieter ein außerordentliches Kündigungsrecht vor. In jedem Fall sollte vor einem Investment das zum jeweiligen Produkt erhältliche Informationsblatt zu Rate gezogen werden.

Das Finanzinstrument bestimmen

In der Handelssoftware TWS, die von Interactive Brokers verwendet wird, lassen sich die Eigenschaften der Finanzinstrumente anzeigen. Wichtig ist, den Wertpapiertyp zu beachten. Optionen sind mit „OPT“ bezeichnet, Optionsscheine mit „WAR“ für Warrant.

In den folgenden Screenshots sind die Unterschiede markiert:

Optionen handeln - Finanzinstrumentbeschreibung einer Option bei CapTrader TWS
Beschreibung des Finanzinstruments bei CapTrader, Option auf Apple

Funktion des SMART Routings bei IB

)* Das SMART Routing bezeichnet bei Interactive Brokers (IB) das intelligente Abstimmen der verfügbaren Börsenplätze, um die bestmögliche Ausführung unter Berücksichtigung der Gebühren zu erhalten. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass vor allem eine schnelle und faire Ausführung erfolgt. Weitere Infos dazu finden Sie auch bei IB oder beispielsweise CapTrader > SMART Routing

Optionen handeln - Finanzinstrumentbeschreibung eines Optionsscheins bei CapTrader TWS
Unterschiede eines Optionsscheins zur Option in der Beschreibung bei CapTrader

Der Multiplikator

Bei Optionsscheinen wird der Multiplikator auch als Bezugsverhältnis bezeichnet. Hier ist festgelegt, in welchem Verhältnis das Derivat zum Basiswert steht. Mit einem Optionskontrakt handeln Sie dementsprechend das Equivalent von 100 Aktien. Beim Optionsschein aus dem Screenshot benötigen Sie 10 Warrants, damit Sie an der Kursbewegung einer Aktie teilhaben können.

Überdies darf ich an dieser Stelle, als weitere Bereicherung zum Thema, die folgenden Artikel aus dem Kagels Trading Blog empfehlen:

Für meinen persönlichen Handelsstil haben sich Optionsscheine und Zertifikate nicht bewährt. Im Lauf der Zeit hat sich herauskristallisiert, dass ich mit Optionen meine Handelsideen optimal umsetzen kann. Daher geht es jetzt mit einem kleinen Beispiel weiter.

Optionen handeln – Ein Beispiel für die Kaufoption (Call)

Das Handelsinstrument „Option“ bietet sinngemäß eine Option auf den Erwerb eines Basiswerts. Um das Thema verständlicher zu machen, wird häufig der Erwerb eines alltäglichen Gegenstands herangezogen. Betten wir das einmal ein in eine Geschichte:

Im Gespräch mit Ihrem Nachbarn erzählt Ihnen dieser, dass er sich gerne einen Gebrauchtwagen kaufen möchte. Er hat genaue Vorstellungen von Marke, Modell, Ausstattung und sogar dem Kilometerstand. Natürlich hat er sich auch schon erkundigt, welche Preise aktuell dafür aufgerufen werden.

Auf dem Weg von der Arbeit sehen Sie das gewünschte Fahrzeug mit einem „Zu Verkaufen“-Schild in einer Hofeinfahrt stehen. Sie halten an und nehmen Kontakt zum Besitzer auf. Im Gespräch stellt sich heraus, dass das Fahrzeug gut 2000 Euro günstiger zu haben wäre als Ihr Nachbar vermutet hat. Ihnen kommt eine Idee.

Optionen sind Vereinbarungen zwischen Vertragsparteien

Sie bieten dem Verkäufer 200 Euro, wenn er das Fahrzeug zum vereinbarten Preis für Sie reserviert. Sollten Sie es nach drei Tagen nicht abgeholt haben, kann er die 200 Euro behalten. Da sich bisher nicht allzu viele Interessenten gemeldet haben, ist er einverstanden. So machen Sie sich auf den Heimweg und erzählen Ihrem Nachbarn, dass Sie sein Wunschauto gefunden haben.

An dieser Stelle hinkt das Beispiel etwas, nahezu jeder Mensch kauft sich ein Auto natürlich lieber selbst, bevor er es sich vom Nachbarn mitbringen lässt. Das Prinzip einer Kaufoption ist damit trotzdem gut veranschaulicht:

  • Das Fahrzeug stellt den Basiswert einer Option dar
  • Die 200 Euro sind der Preis der Option, auch Optionsprämie genannt
  • Die Laufzeit der Option beträgt drei Tage
  • Der Preis, den Sie mit dem Verkäufer verhandeln, symbolisiert den Basispreis (auch Strike genannt) einer Option
  • Der Preis, den Ihr Nachbar zu bezahlen bereit ist, stellt den aktuellen Kurs des Basiswerts dar
  • Die Formel für Ihren Gewinn lautet: Kurs – Basispreis – Optionspräme = Gewinn/Verlust


Das Regelwerk wird durch die Börse überwacht

Da im Aktuellen Fall (Kaufoption) der Kurs über dem Basispreis liegt, ist die Option im Geld.
Sollte Ihr Nachbar bei Ihrer Rückkehr bereits ein Fahrzeug erworben haben, stehen die Chancen auf einen Gewinn plötzlich schlechter. Dann haben Sie immer noch drei Tage Zeit, einen anderen Käufer zu finden. Gelingt das nicht, verfällt Ihre Option.

Die Berechnung ist an dieser Stelle deutlich vereinfacht, um die Funktionsweise einer Option darzustellen. In den weiterführenden Kapiteln wird die Preisbildung einer Option genauer erläutert.

Der Verkäufer darf die Prämie behalten, hat sich jedoch verpflichtet, den Basiswert zum vereinbarten Preis zu liefern. Sie haben also immer noch die Möglichkeit, das Fahrzeug zu kaufen und „in Ihrem Depot“ zu halten. Dafür müssten Sie natürlich die Kaufsumme parat haben.

Oder Sie erklären das Projekt für gescheitert und haben lediglich 200 Euro verloren. So funktioniert im Groben der Kauf (Long) einer Kaufoption (Call), auch als „Long Call“ bezeichnet. Im weiterführenden Teil der Serie (unter diesem >Link) gehe ich darauf genauer ein.

Rechte und Pflichten einer Kaufoption

Eine extrem wichtige und interessante Eigenschaft von Kaufptionen wird in diesem Beispiel deutlich: Sie müssen den Basiswert nicht besitzen, um einen Profit zu generieren. Und Sie müssen nicht einmal das Kapital für den Kauf des Basiswerts vorhalten, wenn Sie ihn nicht kaufen wollen.

  • Beim Kauf eines Calls bezahlen Sie die Optionsprämie für das Recht, den Basiswert zum vereinbarten Preis innerhalb der Laufzeit kaufen zu können.
  • Der Verkäufer erhält die Prämie und geht dafür die Verpflichtung ein, den Basiswert zum vereinbarten Preis auf Anforderung zu liefern.

Optionen handeln – Ein Beispiel für die Verkaufsoption (Put)

Die Funktion einer Verkaufsoption ist ähnlich gestaltet. Sie erwerben das Recht, einen Basiswert zu einem vereinbarten Preis verkaufen zu können.

In welchen Fällen macht das Sinn? Aus der Historie heraus lässt sich ableiten, dass die Aktienmärkte über den zeitlichen Verlauf moderat steigen. Unterbrochen wurde dieser Anstieg jeweils abrupt durch Krisen und unvorhergesehene Ereignisse.

Plötzliche Kurseinbrüche im Gesamtmarkt können auch ein diversifiziertes Aktienportfolio empfindlich treffen. Zumindest in der Vergangenheit haben sich die Märkte danach auf neue Höchststände erholt. Ein junger Mensch kann dies in einem Buy and Hold Depot aussitzen, und auch das kostet Nerven.

Auswirkung von Kursverlusten auf die persönliche Situation

Sollte jemand sein Portfolio auf einen entspannten Lebensabend ausgerichtet haben, kann ein Crash an den Märkten den Großteil der Träume vernichten. Hier steigt das Bedürfnis, sich gegen Kursverluste abzusichern.

Daher lässt sich ein Put sehr gut mit der klassischen Haftpflichtversicherung vergleichen: Sie zahlen eine Versicherungsprämie, um sich gegen die finanziellen Folgen eines definierten Ereignisses abzusichern. In der Regel ist Ihr Risiko auf die Zahlung der Prämie begrenzt und somit kalkulierbar. Die Laufzeit des Versicherungsschutzes ist ebenfalls vertraglich geregelt.

Der Kauf eines Puts lässt sich ebenso einordnen:

  • Als Basiswert können Sie einzelne Aktien oder einen dem Depot entsprechenden Index (beispielsweise den DAX) wählen.
  • Den Basispreis können Sie anhand Ihrer Depotstruktur so wählen, dass Verluste ab einer bestimmten Schwelle begrenzt sind.
  • Der Optionspreis ist die Prämie, die Sie für diese Absicherung bezahlen müssen.
  • Mit der Wahl der Laufzeit der Option bestimmen Sie das Zeitfenster, in der die Absicherung wirksam ist.

Falls Sie einzelne Aktien mit einem Put absichern, haben Sie bei stark fallenden Kursen die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten:

  • Sie können die Aktien über den Put zum Basispreis verkaufen.
  • Sie können die Put-Option verkaufen, den Gewinn abzüglich der Prämie einnehmen und die Aktien behalten.

Rechte und Pflichten einer Verkaufsoption

  • Beim Kauf eines Puts bezahlen Sie die Optionsprämie für das Recht, den Basiswert zum vereinbarten Preis innerhalb der Laufzeit verkaufen zu können.
  • Der Verkäufer erhält die Prämie und geht dafür die Verpflichtung ein, den Basiswert zum vereinbarten Preis auf Anforderung anzukaufen.

Im Artikel „Der Long Put“ wird der Kauf einer Verkaufsoption mit allen Eckdaten ausführlich erläutert.

Absicherung des Depots über einen Put

Die Aktie von Apple notiert aktuell bei 315 US-Dollar. Nach den Schmerzen der Corona-Korrektur sind wir als Depotinhaber froh, dass sich der Kurs doch relativ schnell wieder dem letzten Höchststand angenähert hat. Aus der Erfahrung der letzten Monate heraus möchten wir uns gegen erneute Kursverluste absichern.

Im Chart lässt sich die Situation gut nachvollziehen (Quelle: CapTrader TWS-Software)

Optionen handeln - Chart der Apple Aktie am 19.05.2020 - Quelle: CapTrader TWS
Chart der Apple Aktie am 19.05.2020 – Quelle: CapTrader TWS

Die Optionskette / Optionchain des Brokers stellt die Eckdaten wie Laufzeit, Basispreis, Prämie, etc. dar. Die Darstellung lässt sich auch an persönliche Bedürfnisse anpassen. Hier suchen wir nach einem passenden Basispreis (Strike):

Optionen handeln - Option Chain Apple Aktie CapTrader Trader Work Station
Optionskette / Option Chain der Apple Aktie. Quelle: CapTrader TWS

Auf den ersten Blick mag die Optionskette sehr viele Zahlen und Daten enthalten. Da wir einen Put suchen, schauen wir einmal nach der richtigen Seite. In der Mitte finden wir die Basispreise. In der Zeile mit dem gewählten Basispreis lässt sich dann der Preis der Option ablesen. Im Beispiel nehme ich den Put mit Strike $ 280 zum Preis von $ 19,85.

Die Laufzeit des Puts beträgt 240 Tage. Verfallstag der Option ist damit der 15. Januar 2021.

Jetzt kommt der Multiplikator ins Spiel

Aus der Finanzinstrument-Beschreibung wissen wir, dass Apple-Optionen einen Multiplikator von 100 besitzen. Das heißt, ein Optionskontrakt (= eine Option) bezieht sich auf 100 Apple Aktien. Der angezeigte Preis ist sozusagen ein Einzelpreis und muss mit 100 multipliziert werden. Die Prämie für diese Put Option beträgt somit $1985.

Wenn wir bei einer Verkaufsoption einen Basispreis unterhalb des aktuellen Kurses wählen, besitzt die Option keinen inneren Wert. Sie ist aus dem Geld. Falls der Kurs von Apple bis zum Verfallstag nicht unter $280 fällt, wird diese Option auch keinen inneren Wert aufbauen. Die bezahlte Prämie besteht ausschließlich aus Zeitwert, der sich bis zum Verfallstag abbauen wird. Dann läuft die Option wertlos aus.

Dieser Zeitwert kann als eine Art Wettquote angesehen werden. Meinem Verständnis nach ist es der Geldwert der Wahrscheinlichkeit, mit der die Option während der Laufzeit einen Profit erzielen kann, oder wie aus dem Beispiel der Preis für die Versicherung gegen fallende Kurse.


Kosten der Absicherung

Von den Brokergebühren einmal abgesehen, möchte ich die Kosten der Absicherung ins Verhältnis setzen:

  • Eine Position von 100 Apple Aktien hat einen Wert von $31.500
  • Die Absicherung unter einen Kurs von $280 kostet $1.985
  • Damit können Sie die 100 Aktien innerhalb der Laufzeit für $28.000 verkaufen
  • Abzüglich der Prämie bleiben Ihnen $26.015, selbst wenn der Kurs von Apple auf $10 fallen sollte
  • Das sind am Tag ca. $8,28 über die gesamte Laufzeit

Das Beispiel ist exemplarisch und sollte natürlich für jedes Depot individuell gewählt werden. Auch ist eine zu erwartende Preissteigerung der Option bei fallendem Kurs des Basiswerts nicht berücksichtigt. Der Zeitwert kann sich durchaus dynamisch entwickeln. Maßgeblich ist dafür die Implizite Volatilität, der ich mich im Lauf dieser Artikelserie ebenfalls widme.

Die Berechnung eines Optionspreises wird anhand des Black & Scholes Modells vorgenommen. Hier handelt es sich um eine mathematische Formel, die diverse Parameter in die Berechnung mit einbezieht. Wie sich Optionspreise in Relation zum Markt einschätzen lassen, wird im Verlauf der Artikelserie besprochen. Dabei wende ich vereinfachte Vorgehensweisen an.

Warum ich Optionen auf US-Aktien bevorzuge

Liquidität ist im Optionshandel ein wichtiger Faktor. Wenn ich eine Order platziere, möchte ich (abhängig vom Limit natürlich) in absehbarer Zeit eine Ausführung. Das bedeutet, dass jemand in dem Moment bereit sein muss, meinen Preis zu akzeptieren. Je mehr Teilnehmer aktiv in einem Handelsinstrument sind, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Gegenpart findet.

Unabhängig von der Anzahl dieser Akteure finden sich an jeder Börse die Market Maker. Das sind Spezialisten, die sich der Börse gegenüber verpflichten, für das entsprechende Handelsinstrument einen An- und Verkaufskurs zu stellen. Dadurch ist in den meisten Fällen eine faire Ausführung garantiert, auch wenn gerade niemand sonst kaufen oder verkaufen möchte.

Kein Optionshandel ohne Vertragspartner – wer steht gegenüber?

Ein Vergleich der im vergangenen Jahr an den Terminbörsen gehandelten Kontrakte ist ein Indiz für vorhandene Liquidität. So wurden über die CME Group mehr als doppelt so viele Kontrakte gehandelt als an der Eurex. (Quellen: CME Group und EUREX)

Mein Handelsschwerpunkt liegt auf US-Aktienoptionen. Die Hauptbörsen dafür sind die CBOE (Chicago Board Options Exchange) und die NASDAQ (National Association of Securities Dealers Automated Quotations). Hier werden circa 70 bis 80 Prozent des Gesamtvolumens an Aktienoptionen im US-Markt gehandelt.

Das ist im Fünf-Tages-Schnitt ein Wert von täglich knapp 15 Milliarden US-Dollar. (Quelle: CBOE Market Statistics) Stand: 18.05.2020. Dazu kommt eine Vielzahl an optionierbaren Aktien, die sich charttechnisch gut auswerten lassen. Über den Screener von finviz.com lassen sich die Aktien wählen, auf die Optionen erhältlich sind. Aktuell finden sich dort über 4000 Stück.

Mit etwas Feintuning lässt sich die Liste schrittweise auf Aktien reduzieren, die interessante Handelsmöglichkeiten bieten. Zwei bis vier Trades sind so jede Woche möglich. Durch eine geschickte Kombination von Optionen kann die mögliche Kursentwicklung von Aktien mit eingebauter Verlustbegrenzung und überschaubarem Kapitalbedarf gehandelt werden.

Optionen verkaufen – Prämie einnehmen

Kommen wir zurück zum Verkäufer des Autos aus dem Beispiel mit dem Long Call. Er hat 200 Euro Prämie für etwas bekommen, was eh in seiner Einfahrt rum steht. Dafür hat er Ihnen versprochen, das Auto zu einem von ihm akzeptierten Preis zu verkaufen. Im Grunde ist egal was passiert, er braucht nur still zu halten und bekommt 200 Euro extra.

Wenn Sie Aktien besitzen, können Sie es ähnlich machen. Sie verkaufen Calls mit Basispreisen, von denen Sie annehmen, dass der Kurs diese Marken vermutlich nicht erreichen wird. Die Prämie dürfen Sie in jedem Fall behalten. Auch wenn der Kurs an den Basispreis heran läuft, heißt das nicht zwingend, dass der Käufer die Aktien auch haben möchte. Vielleicht verkauft er lediglich den Call mit Gewinn und ist zufrieden.

Verkaufen einer Kaufoption

Das Gedankenspiel mit dem Auto lässt sich weiter spinnen, wenn Sie abends vor dem Fernseher den Aufruf einer prominenten Dame sehen. Sie sucht genau das Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer, auf das Sie die Option innehaben. Sie ist bereit, nahezu jeden Preis zu bezahlen, da persönliche Erinnerungen daran hängen. Das wäre der Jackpot, und auch ähnlich unwahrscheinlich.

Aber wie fühlt sich unser Noch-Autobesitzer in dem Moment? Vermutlich nicht gelenkig genug, um sich selbst wohin zu beißen. Doch Moment, ihm ist ja gar nicht wirklich etwas schlimmes passiert. Die Situation ist immer noch wie vor der Nachricht, er bekommt die Prämie und den vereinbarten Kaufpreis.

So ähnlich ist es auch beim Verkauf eines Calls auf Aktien, die in Ihrem Besitz sind. Lediglich der Preis ändert sich sogar zu Ihren Gunsten, da Sie für den Kursanstieg bis zum Basispreis (den Sie ja bewusst etwas höher gewählt haben) noch die Gewinne aus der Aktienposition mitnehmen können. Diese Methode wird auch als „Covered Call“ bezeichnet und ist im Artikel „Der Short Call“ – Verkauf einer Kaufoption genauer erklärt.

Gibt es unbegrenzte Verluste im Optionshandel?

Ein ruinöses Szenario zeichnet sich hingegen ab, sollten Sie die Aktien nicht besitzen. Wenn abends vor dem Fernseher die Meldung über den Ticker kommt, dass Microsoft die Firma kaufen will, spielt jede Kursphantasie verrückt. So kann es sein, dass Ihr Depot zur Markteröffnung zwangsgeräumt wird. Rechnerisch müssten Sie den Call dann zurückkaufen und die Verluste realisieren.

Im Falle einer Ausübung durch den Käufer hätten Sie die Pflicht, die entsprechende Anzahl Aktien zu liefern. Diese müssten Sie zum aktuellen Marktkurs kaufen.

Da der Kurs einer Aktie theoretisch nach oben keine Grenze kennt, wird der Verkauf eines Calls von optionskritischen Menschen gerne als Negativbeispiel verwendet. In dieser Konstellation kann der vielzitierte „unbegrenzte Verlust“ entstehen. Sicher würde der Broker Ihr Konto bei mangelnden Barmitteln schliessen und im schlimmsten Fall die Höhe des Verlustes bei Ihnen einfordern.

Nichtsdestotrotz kann sich jeder Trader mit entsprechendem Wissen um das Werkzeug Optionshandel vor genau solchen Situationen schützen. Die einfache Kombination unterschiedlicher Optionen kann eine Gewinnzone und einen vorher festgelegten Maximalverlust bestimmen. Solche Trades auf ausgewählte Aktien benötigen einen geringen Zeitaufwand und wenig Kapitaleinsatz.

Verkaufen einer Verkaufsoption

Die häufigste Form der Prämieneinnahme ist der Verkauf von Puts. Je nach Marktlage lassen sich bei erhöhtem Absicherungsbedürfnis gute Prämien erzielen. Da der Kurs einer Aktie nur bis Null fallen kann, ist hier der theoretische Verlust begrenzt. Je nach Kurs und Basispreis können trotzdem immense Verluste entstehen.

Auch beim Verkauf von Puts gibt es Möglichkeiten, den Maximalverlust bereits zu Beginn des Trades festzulegen. Interessant ist auch eine Variante, mit der sich Aktien günstiger einkaufen lassen. Mehr dazu gibt es im eigenen Artikel zum Short Put unter diesem Link: Verkauf einer Verkaufsoption.

Das Gewinn- und Verlustprofil

Um das Potential eines Optionstrades besser einschätzen zu können, hat sich die graphische Darstellung bewährt. Ein Diagramm stellt den Verlauf des möglichen Gewinns oder Verlusts in Abhängigkeit vom Kurs des Basiswerts dar. Gerade komplexere Strategien lassen sich so besser einschätzen.

In der Handelssoftware TWS von Interactive Brokers findet sich bereits eine Grundausstattung des Gewinn- und Verlustprofils. In diesem Screenshot habe ich einen Put auf die Apple-Aktie als Diagramm festgehalten.

Das Gewinn- und Verlustprofil eines Puts auf Apple in der CapTrader TWS Software
Gewinn- und Verlustprofil eines Puts auf Apple in der CapTrader TWS Software

Im Diagramm stellt die punktierte Linie den aktuellen Tag dar. Die durchgezogene Linie kennzeichnet den Verfallstag. Nun lässt sich an der X-Achse der Kurs ablesen und entsprechend an der Y-Achse der Gewinn oder Verlust. Im Infobereich links vom Diagramm können Sie eine Risikobewertung abschätzen.

Weiterführende Strategien können den Bedarf nach mehr Information wecken. So gibt es professionelle Tools, die zusätzlich zum Diagramm am Verfallstag auch die Entwicklung im zeitlichen Verlauf zeigen. Weiterhin werden die Griechen berechnet. Ergänzend gibt es sogar die Möglichkeit, Veränderungen in der Volatilität und deren Auswirkungen auf den Trade zu simulieren.

Manche Strategien reagieren sehr empfindlich auf solche Einflüsse, so dass eine Simulation vorab eine gute Entscheidungshilfe sein kann.

Ich selbst nutze das GuV-Profil von Optionsuniversum. Eine genaue Beschreibung des Inhalts und der Preise habe ich hier verlinkt:
Analysesoftware für Optionstrades von Optionsuniversum.

Die Software und ihre Anwendung in der Praxis stellt Christian Schwarzkopf in diesem Video ausführlich vor:

Die Artikelreihe „Optionen handeln“

Folgende Teile dieser Serie sind bereits erschienen:

Sie sind gerne eingeladen, mir im weiteren Verlauf zu folgen. Ich freue mich darauf, das Thema mit Ihren Fragen, Anregungen und konstruktiver Kritik dynamisch gestalten zu können.

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