Der VIX ist die bekannteste Kennzahl für Nervosität an der Börse. Er misst nicht, wie stark der US-Aktienmarkt in der Vergangenheit geschwankt hat. Er misst, wie stark die Marktteilnehmer die Schwankungen in den nächsten 30 Tagen erwarten. Diese Erwartung steckt in den Preisen von Optionen auf den S&P 500. Werden diese Optionen teurer, steigt der VIX. Deshalb nennen ihn viele das Angstbarometer der Wall Street.
Dieser Artikel erklärt, was der Index aussagt und was du praktisch damit anfangen kannst. Du erfährst, welche Werte historisch normal sind, wie eng der VIX tatsächlich mit dem S&P 500 zusammenhängt und mit welchen Futures, Optionen und ETNs sich Volatilität handeln lässt. Ein eigener Abschnitt beantwortet die Frage, die in deutschsprachigen Beiträgen fast immer fehlt: welche dieser Produkte ein Privatanleger in der EU überhaupt kaufen darf. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Der VIX-Index: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Der VIX misst die erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 für die kommenden 30 Tage. Berechnet wird er von der Cboe aus den Preisen von Optionen auf den S&P 500, laufend alle 15 Sekunden. Wie das funktioniert
- Werte unter 20 sind der Normalfall, nicht die Ausnahme. An 62,9 Prozent aller Handelstage seit 1990 schloss der Index darunter, der Median liegt bei 17,59 Punkten. Die ganze Skala in Zahlen
- Das Allzeithoch liegt bei 89,53 Punkten am 24. Oktober 2008. Den höchsten Schlusskurs gab es dagegen im Corona-Crash mit 82,69 am 16. März 2020, den tiefsten Stand mit 8,56 am 24. November 2017.
- Der VIX selbst ist nicht handelbar, nur Derivate darauf. Die bekannten US-Produkte wie VXX oder SVXY sind für Privatanleger in der EU wegen der PRIIPs-Verordnung gesperrt. Was in Europa geht
- Der Zusammenhang mit dem Aktienmarkt ist eng, aber nicht perfekt. Die Korrelation der Tagesveränderungen beträgt −0,70. An Tagen mit einem S&P-500-Verlust über zwei Prozent stieg der VIX in 97,5 Prozent der Fälle. Die Messung im Detail
Video: Den Volatilitätsindex (VIX) im Trading richtig nutzen
Grundlagen der Volatilität
Was ist der VIX Index?
Der von Cboe Global Markets geschaffene Benchmark-Index dient zur Messung der vom Markt erwarteten zukünftigen Volatilität. Der VIX Index bedient sich der Preise von Optionen auf den S&P 500, der als führender Index für den breiten US-Aktienmarkt gilt. Als Indikator für die Volatilität des US-Aktienmarktes hat sich der VIX mittlerweile weltweit durchgesetzt. Mathematisch entspricht diese erwartete Schwankungsbreite einer Standardabweichung der Kursbewegungen, wie sie auch Optionshändler zur Strike-Wahl nutzen.
Wer den VIX entwickelt hat und was sich 2003 änderte
Entwickelt hat den VIX nicht die Börse selbst, sondern ein Wissenschaftler. Der Finanzprofessor Robert E. Whaley stellte das Konzept 1993 im Journal of Derivatives vor, unter dem Titel „Derivatives on Market Volatility: Hedging Tools Long Overdue”. Die Cboe übernahm es im selben Jahr als eigenen Index.
Der VIX von 1993 hatte mit dem heutigen allerdings wenig zu tun. Er wurde aus Optionen auf den S&P 100 berechnet, der damals meistgehandelten Optionsklasse, und nutzte ein anderes Rechenverfahren. Erst 2003 stellte die Cboe gemeinsam mit Goldman Sachs auf den S&P 500 und auf die heutige Formel um.
Die alte Rechnung existiert bis heute weiter, unter einem anderen Namen. Sie läuft als VXO und ist damit die Fortschreibung des ursprünglichen Index. Wer historische VIX-Werte vor 2003 zitiert, sollte deshalb wissen, welche der beiden Reihen er vor sich hat. Die von der Cboe rückgerechnete Kursreihe des heutigen VIX reicht bis 1990 zurück.
Wie wird der VIX Volatilitätsindex berechnet?
Der VIX-Index gibt eine Einschätzung der erwarteten Volatilität, indem die gewichteten Preise von Puts und Calls auf den S&P 500 Index zusammengefasst werden. Zur Anwendung kommt hierfür ein breites Spektrum an Basispreisen. Für die Berechnung der VIX-Index-Werte werden die Mittelwerte zwischen den Geldkursen und Briefkursen für die entsprechenden S&P-Optionen verwendet.
Die Cboe Options Exchange berechnet den VIX-Index anhand von den an der Cboe Optionsbörse notierten Optionen. In die Ermittlung fließen die Kurse der Standard-S&P-Optionen sowie der Optionen mit wöchentlichem Verfall (Weeklys) ein. Standardoptionen verfallen am dritten Freitag eines jeden Monats und die Weeklys verfallen an allen anderen Freitagen. Zur Berechnung werden ausschließlich die Optionen mit Verfallstermin an einem Freitag herangezogen. Zudem werden nur Optionen mit mehr als 23 und weniger als 37 Tagen Laufzeit berücksichtigt. Die ausgesuchten Optionen werden dann gewichtet, um ein 30-tägiges Maß für die erwartete Volatilität des S&P500 Index zu erhalten.
Die Intraday-Werte für den VIX basieren auf Momentaufnahmen der Optionspreise. Diese werden alle 15 Sekunden ermittelt und sollen den Bezug zum fairen Marktpreis der erwarteten Volatilität herstellen. Diese VIX-Indexwerte werden auch oft als „indikative“ oder „Spot“-Werte bezeichnet. Cboe Options berechnet die VIX-Index-Spotwerte zwischen 03:15 Uhr und 09:15 Uhr US-Ostküstenzeit („Global Trading Hours“ an der CBOE) und zwischen 09:30 Uhr und 16:15 Uhr US-Ostküstenzeit (Reguläre Handelssitzung) gemäß der im „White Paper“ dargelegten Formel.
Darstellung des VIX-Index im Chart
Der abgebildete Chart zeigt die Monatskerzen des VIX-Index seit Ende 2006. Gut zu erkennen ist, dass sich die Werte den überwiegenden Teil der Zeit bei relativ niedrigen Notierungen bewegen. Auch kehren die deutlichen Ausreißer nach oben schnell wieder von ihren Extremwerten zurück. Sein Allzeithoch konnte der VIX mit 89,53 Punkten im Oktober 2008 während der Unsicherheit in der Finanzkrise verzeichnen. Der Tiefstwert wurde mit 8,56 Zählern im November 2017 notiert.
Die rote Linie markiert einen Indexwert von 20 Punkten. Darüber wird die Marktstimmung als unruhig bewertet. In der Regel steigt der VIX bei einem Abwärtstag des S&P500-Index an. Fallende Aktienkurse erhöhen das Absicherungsbedürfnis der Marktteilnehmer und damit auch die Nachfrage nach Put-Optionen auf den S&P. Dementsprechend steigen die Preise der Optionen, was sich dann auf den Punktwert des VIX auswirkt.

Welche VIX-Werte sind normal? Die Skala in Zahlen
Eine Zahl allein sagt nichts, solange du ihren Maßstab nicht kennst. Genau daran scheitern die meisten Erklärungen zum VIX: Sie nennen die Marke von 20 und lassen offen, wie häufig der Index eigentlich darüber oder darunter steht. Für diesen Artikel haben wir deshalb selbst nachgerechnet, über 9.236 Handelstage vom 2. Januar 1990 bis zum 3. September 2026.
Ein VIX-Wert von 20 bedeutet, dass der Optionsmarkt für den S&P 500 in den kommenden zwölf Monaten eine Schwankungsbreite von 20 Prozent einpreist, hochgerechnet aus der Erwartung für die nächsten 30 Tage. Geteilt durch die Wurzel aus zwölf ergibt das rund 5,8 Prozent für einen Monat.
Das Ergebnis räumt mit einem verbreiteten Missverständnis auf. Ein VIX unter 20 ist nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall: An 62,9 Prozent aller Handelstage schloss der Index darunter. Der Median liegt bei 17,59 Punkten, der Durchschnitt bei 19,44. Werte über 30 gab es dagegen nur an 7,9 Prozent der Tage, Werte über 40 an 2,2 Prozent.
| VIX-Bereich | Was er anzeigt | Häufigkeit |
|---|---|---|
| unter 12 | sehr ruhiger Markt | 8,7 % |
| 12 bis 20 | Normalbereich | 54,2 % |
| 20 bis 30 | erhöhte Nervosität | 29,1 % |
| über 30 | Stress und Panik | 7,9 % |
Die Extremwerte des Index sind seltener, als es der Blick auf Schlagzeilen vermuten lässt. Den höchsten Stand überhaupt erreichte der VIX am 24. Oktober 2008 mit 89,53 Punkten im Tagesverlauf, mitten in der Finanzkrise. Der höchste Schlusskurs stammt dagegen aus dem Corona-Crash: 82,69 Punkte am 16. März 2020. Diese Unterscheidung wird oft übergangen, obwohl sie den Unterschied zwischen einer kurzen Panikspitze und einem ganzen Handelstag in Angst macht. Den tiefsten Wert notierte der Index am 24. November 2017 mit 8,56 Punkten.
Auch die jüngere Vergangenheit liefert Anhaltspunkte. Am 5. August 2024 sprang der VIX im Tagesverlauf auf 65,73 Punkte, im April 2025 auf 60,13. Im laufenden Jahr lag das Hoch am 9. März 2026 bei 35,30 Punkten, das Tief am 28. August bei 14,13. Der Median der Schlusskurse des Jahres 2026 beträgt 17,56 und liegt damit fast exakt auf dem langfristigen Wert.
Welche Vorteile bringt der VIX für den Handel?
Der VIX-Index wird als Barometer für Marktunsicherheit verwendet und bietet Marktteilnehmern und -beobachtern einen Richtwert für die konstante, auf 30 Tage zu erwartende Volatilität des breiten US-Aktienmarktes. Bewährt hat es sich, die Kursdaten des VIX zur Einschätzung der Marktstimmung heranzuziehen. Der VIX ist zugleich einer von sieben Bausteinen im Fear and Greed Index von CNN Business. Auch die Volatilitätsderivate können dazu verwendet werden. So beobachten viele Marktteilnehmer beispielsweise die Terminstrukturkurve der VIX-Futures, um einen Anstieg der Volatilität mit Kursbewegungen im S&P Index abzugleichen.
Den Handel der Volatilität kann man sich auch beibringen lassen. Eichhorn Coaching bietet dazu ein eigenes Intensiv-Seminar an. Wann es stattfindet und was es kostet, steht in unserem Erfahrungsbericht zum Anbieter.
Neben dieser Funktion lässt sich auch die Absicherung eines Aktienportfolios als Beispiel verwenden. Wer mit dem entsprechenden Handelsinstrument (möglich sind hier unter anderem Optionen, Futures und ETNs auf den VIX) bei aufkommender Unsicherheit investiert, kann die Kursverluste in seinen Aktienpositionen zumindest abfedern. Voraussetzung ist natürlich eine entsprechende Korrelation der Märkte, daher bietet sich diese Form der Absicherung primär für US-Aktien an.
In diesem Chart wird der Verlauf des S&P500 durch die rote Linie dargestellt. Hier ist zu erkennen, dass größere Korrekturen im Aktienindex mit deutlichen Anstiegen im VIX einhergehen. Unter Beachtung dieser Zusammenhänge stellt die Volatilität ein exzellentes Hedging-Instrument dar.

Warum lässt sich der VIX Index nicht direkt handeln?
Im Gegensatz zum S&P 500 Index, der sich aus einem relativ stabilen Aktienportfolio zusammensetzt, wird der VIX-Index anhand eines sich ständig ändernden Portfolios von Optionen auf eben diesen S&P berechnet. Damit die konstante Laufzeit von 30 Tagen gewährleistet bleibt, ändert sich das Optionsportfolio, aus denen der VIX-Index besteht, in jeder Minute etwas. Für einen Händler ist es nahezu unmöglich, dieses Portfolio, aus denen der VIX-Index besteht, zu kaufen und zu halten. Die Positionen müssten ständig neu ausbalanciert werden, was alleine in immensen Gebühren resultieren würde.
Auch wenn die Preise für Volatilitätsderivate im Allgemeinen an S&P-Optionen gekoppelt sind, kann die Bewertung mancher Volatilitätsderivate, abhängig von der Laufzeitstruktur, sehr unterschiedliche Optionsportfolios auf den S&P widerspiegeln. Die genaue Zusammensetzung des SPX-Optionsportfolios, das zur Abrechnung von Volatilitätsderivaten verwendet wird, ist während der Laufzeit eines Volatilitätsderivats nicht bekannt. So kann ein Händler nicht wissen, welche S&P-Calls und -Puts an einem bestimmten (Verfalls-)Tag in der Zukunft aus dem Geld sein werden.
Sicher bekannt ist jedoch das Verfallsdatum der SPX-Optionen, aus denen sich der VIX-Index am Verfallstag der Volatilitätsderivate zusammensetzt. Ebenso ist die Art und Weise geläufig, wie die VIX-Index-Formel an diesem Datum angewendet wird. Auf diese Weise können Händler den Terminpreis des VIX-Index schätzen, der eine fundamentale Größe für die Preise von VIX-Futures und -Optionen ist.
Auch rund um den Hexensabbat zieht der VIX häufig an, wenn am großen Verfallstag massenhaft Derivate abgerechnet werden.
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Ein zweiter Blick auf die Optionsmärkte lohnt sich: Das Put-Call-Verhältnis zeigt, ob Absicherung oder Zuversicht das Handelsvolumen dominiert.
VIX und S&P 500: Wie eng ist der Zusammenhang wirklich?
Dass VIX und S&P 500 gegenläufig laufen, steht in jedem Beitrag zum Thema. Wie eng dieser Zusammenhang ist, steht fast nirgends. Wir haben die Tagesveränderungen beider Werte über denselben Zeitraum gegeneinander gerechnet, also 9.235 Tagespaare seit 1990.
Die Korrelation der Tagesveränderungen beträgt minus 0,70. Das ist ein starker, aber kein perfekter Zusammenhang. In den einzelnen Jahrzehnten schwankt der Wert zwischen −0,63 (1990 bis 1999) und −0,79 (2010 bis 2019); seit 2020 liegt er bei −0,72. Praktisch heißt das: An 77,8 Prozent aller Handelstage bewegten sich VIX und S&P 500 in entgegengesetzte Richtungen. An gut jedem fünften Tag also nicht.
Je größer die Bewegung, desto verlässlicher wird der Zusammenhang. An Tagen, an denen der S&P 500 im Minus schloss, stieg der VIX in 76,5 Prozent der Fälle. Beschränkt man die Auswertung auf Tage mit einem Verlust von mehr als zwei Prozent, sind es 97,5 Prozent (326 solcher Tage seit 1990). Für eine Absicherung ist das die entscheidende Zahl: Der VIX reagiert dort am zuverlässigsten, wo die Absicherung gebraucht wird.
Der VIX steigt schneller, als er fällt, aber nicht so deutlich, wie oft behauptet wird. Im Median legt er an einem Plustag 3,70 Prozent zu und verliert an einem Minustag 3,51 Prozent. Das ist fast symmetrisch. Die Asymmetrie steckt in den Ausreißern: Der größte Tagesanstieg betrug 115,6 Prozent am 5. Februar 2018, der größte Tagesrückgang nur 35,8 Prozent. Nach oben kann der Index also explodieren, nach unten sickert er.
Auch die Rückkehr zum Normalwert dauert länger, als der Begriff Panikspitze nahelegt. Seit 1990 gab es 25 Episoden, in denen der VIX über einem Schlusskurs von 30 stand. Bis er wieder unter 20 fiel, vergingen im Median 52 Handelstage, also rund zweieinhalb Monate. Die kürzeste Episode dauerte 5 Handelstage, die längste 321. Wer eine Long-Position auf Volatilität mit einer schnellen Rückkehr begründet, rechnet damit gegen sich selbst.
Volatilitätsschübe folgen oft einem Terminplan: Welche Veröffentlichungen sie auslösen, siehst du im Wirtschaftskalender mit den wichtigsten Terminen.
Mit welchen Instrumenten lassen sich Erwartungen an die Volatilität handeln?
Auch wenn der VIX-Index nicht direkt handelbar ist, bietet die Berechnungsmethode dennoch eine Möglichkeit, das Volatilitätsrisiko mit einem Portfolio aus bestimmten SPX-Optionen nachzubilden. Auf dieser Basis wurde eine Vielzahl von handelbaren VIX-Futures, -Optionen und -ETFs bzw. ETNs geschaffen.
Auf einzelne Basiswerte lassen sich Volatilitätserwartungen auch ohne VIX-Produkte handeln, etwa mit Volatilitätsstrategien wie dem Strangle.
VIX-Futures
Mit diversen Instrumenten lässt sich die Volatilität für den Handel nutzen, so gibt es beispielsweise die VIX-Futures. Diese sind seit 2004 an der CBOE handelbar und spiegeln die Einschätzung des Marktes für den Wert des VIX-Index an den zukünftigen Verfallstagen wider.

Optionen auf den VIX-Index
Nach den VIX-Futures folgten im Jahr 2006 Optionen auf den VIX-Index. Damit haben die Marktteilnehmer ein weiteres Instrument an die Hand bekommen, um den Handel auf mögliche Entwicklungen in der Volatilität umsetzen zu können. Auf der Webseite der CBOE gibt es eine Filterfunktion, um einen schnellen Überblick über die verfügbaren Kontrakte zu bekommen. Auch lassen sich die Optionen mit dem höchsten Handelsvolumen herausfinden.

Auf dem VIX basierte ETFs und ETNs
Weitere Möglichkeiten, die Volatilität zu handeln, bieten ETFs (Exchange Traded Funds) und ETNs (Exchange Traded Notes) auf den VIX. Zu den bekanntesten zählen der VXX (iPath Series B S&P 500 VIX Short-Term Futures ETN), der VIXM (ProShares VIX Mid-Term Futures ETF) und der VXZ (iPath Series B S&P 500 VIX Mid-Term Futures ETN).

Interessant ist auch der SVXY (ProShares Trust II – ProShares Short VIX Short-Term Futures ETF), der eine inverse Abbildung der VIX-Indexwerte anstrebt. Dies bedeutet, dass sich Anstiege im VIX als Verluste im SVXY niederschlagen und umgekehrt. Deutlich wird dies auch im Vergleich zum Chart des VXX darüber.

Mini-VIX-Futures
Das jüngste Instrument im Angebot der CBOE bilden die Mini-VIX-Futures. Mit einer Kontraktgröße von einem Zehntel der regulären Futures weisen die Mini-VIX-Futures einzigartige Merkmale auf. Auch sie können den Marktteilnehmern die Flexibilität bieten, um ein Portfolio abzusichern. Darüber hinaus lassen sich hiermit bullische, bearische und auch neutrale Ausblicke für die implizite Volatilität des breiten Marktes umsetzen.

Auch die Volatilität der Volatilität wird gemessen
Mit dem VIX-Index wurde eine neue Anlageklasse geschaffen. Damit lag es nahe, auch die zu erwartende Volatilität der Indexwerte bestimmen zu wollen. Indem der Algorithmus, der die Volatilität für den S&P 500 bestimmt, auch an den auf den VIX handelbaren Optionen angewendet wird, ermittelt die CBOE mit dem VVIX-Index die Volatilität der Volatilität.
Wie beim VIX werden auch die Werte des VVIX alle 15 Sekunden aktualisiert. Zum Ende des Handelstages wird dann die Terminstrukturkurve angepasst.

Informationen, die aus dem VVIX und der Laufzeitstruktur entnommen werden können:
Quelle: https://www.cboe.com/us/indices/dashboard/vvix/
- die zu erwartenden Volatilitäten, die Einfluss auf die Preise der VIX-Optionen haben können
- die erwartete nahe Volatilität des VIX selbst
- Marktwerte der VIX-Futures
- Abweichungen zwischen den Preisen von VIX-Futures und ihren Marktwerten
- den Grad des Vertrauens, den der Markt in seine Vorhersage der künftigen VIX-Werte setzt
Der VVIX beziehungsweise ein Wert auf seiner Laufzeitstruktur stellt den Preis eines Portfolios von VIX-Optionen dar. Durch den regelmäßigen Verkauf dieses VVIX-Portfolios wird eine Risikoprämie auf die Volatilität erzielt.
Werte des VVIX über 140 Indexpunkte stellen einen Extrembereich dar. In diesen Situationen darf von einer zeitnahen Rückkehr in den Normalbereich ausgegangen werden (RM, also Reverse to the Mean). Häufig kennzeichnen diese Vorkommnisse eine Bodenbildung nach starken Kursverlusten. Im März 2020 lag der höchste Wert bei 152,92 und hat die Marke von 127,28 aus dem August 2015 abgelöst.
Welche VIX-Produkte deutsche Anleger überhaupt kaufen können
An dieser Stelle endet für die meisten deutschsprachigen Leser die Theorie, und kaum ein Beitrag sagt es. Die im vorigen Abschnitt genannten Produkte VXX, VIXM, VXZ und SVXY sind sämtlich in den USA aufgelegt. Für Privatanleger in der Europäischen Union sind sie nicht mehr als Neuposition handelbar.
Grund ist die europäische PRIIPs-Verordnung. Sie verlangt für jedes an Privatanleger vertriebene Anlageprodukt ein Basisinformationsblatt in der Landessprache. US-Emittenten stellen dieses Dokument nicht bereit, weil sie den europäischen Privatkundenmarkt nicht bedienen. Ohne dieses Blatt darf ein EU-regulierter Broker die Order eines Privatkunden nicht ausführen.
Wer die Sperre im Depot sieht, hält sie oft für ein Problem seines Brokers. Das ist sie nicht. Sie gilt bei jedem in der EU regulierten Anbieter gleichermaßen und ist eine aufsichtsrechtliche Vorgabe, keine Geschäftsentscheidung. Zwei Wege bleiben offen: die Einstufung als professioneller Kunde nach MiFID II, die eigene Voraussetzungen an Erfahrung und Vermögen stellt, oder ein Konto außerhalb des EU-Rechtsrahmens. Beides ist für die meisten Leser dieses Artikels keine sinnvolle Option.
Offen bleiben dagegen Futures und Optionen auf den VIX selbst. Sie sind keine verpackten Anlageprodukte im Sinne der Verordnung und deshalb nicht betroffen. Voraussetzung ist ein Depot mit Zugang zur Cboe Futures Exchange, das nicht jeder Anbieter führt. Welche Häuser Terminmarktzugang bieten, steht in unserem Vergleich der Online-Broker.
VSTOXX: das europäische Gegenstück an der Eurex
Für europäische Volatilität gibt es ein eigenes Gegenstück zum VIX, das in der deutschen Berichterstattung selten vorkommt. Der VSTOXX misst nach demselben Prinzip die erwartete 30-Tage-Schwankung des Euro Stoxx 50, also des Leitindex der Eurozone. Berechnet wird er aus den Preisen von Optionen auf diesen Index.
Gehandelt wird er an der Eurex in Frankfurt. Dort notieren VSTOXX-Futures und -Optionen unter dem Kürzel FVS. Für einen Trader mit europäischem Aktienportfolio ist das die naheliegendere Absicherung als ein US-Produkt: Die Korrelation zum eigenen Bestand ist höher, die Handelszeiten liegen im eigenen Tagesablauf, und es gibt keine Währungskomponente. Der Preis dafür ist eine geringere Liquidität als bei den VIX-Kontrakten.
Für den deutschen Markt liefert daneben die Börse Stuttgart ein eigenes Stimmungssignal. Das EUWAX Sentiment misst nicht die erwartete Schwankung, sondern die Richtungserwartung der Privatanleger im DAX. Beide Kennzahlen ergänzen sich, sie ersetzen einander nicht.
Welche VIX-Produkte es nicht mehr gibt
Ältere Beiträge über den VIX nennen bis heute Produkte, die es nicht mehr gibt. Das ist keine Kleinigkeit: Wer diese Kürzel im Depot sucht, findet entweder nichts oder etwas völlig anderes. Wir haben die im Umlauf befindlichen Namen einzeln geprüft, jeweils über den letzten Handelstag in den Kursdaten.
Der bekannteste Fall ist der XIV, ein inverses Zertifikat auf den VIX. Er wurde am 5. Februar 2018 zerstört, an genau dem Tag, an dem der VIX seinen größten Tagesanstieg der Geschichte hinlegte: von 17,31 auf 37,32 Punkte, also plus 115,6 Prozent. Das Produkt verlor über 90 Prozent seines Werts innerhalb von Stunden und wurde wenige Tage später abgewickelt. In der Branche heißt dieser Tag seither Volmageddon.
Zwei weitere Namen stammen aus derselben Produktfamilie und wurden 2020 eingestellt. Sowohl der TVIX als auch der VIIX haben ihren letzten Handelstag am 2. Juli 2020; die Emittentin hatte die gesamte VelocityShares-Reihe zurückgezogen. Der XXV ist ein Sonderfall: Das Kürzel existiert weiterhin, gehört heute aber einem völlig anderen Produkt ohne jeden Bezug zur Volatilität. Wer danach sucht, kauft im Zweifel das Falsche.
Die Lehre daraus gilt über die einzelnen Kürzel hinaus. Gehebelte und inverse Volatilitätsprodukte tragen ein Totalverlustrisiko, das sich nicht über einen Stop-Loss steuern lässt, weil der Schaden zwischen Börsenschluss und Eröffnung entsteht. Vor jedem Kauf gehört deshalb ein Blick auf den letzten Handelstag und auf das Basisinformationsblatt des Emittenten, nicht auf einen Artikel.
Weitere Volatilitätsprodukte
Mittlerweile hat sich ein breites Spektrum von Volatilitätsindizes auf Basiswerte aller Art entwickelt. An der CBOE werden aktuell 179 Volatilitätsindizes berechnet und veröffentlicht. Beispiele finden sich in der Volatilität auf den Goldpreis (Rohstoffe), den Euro (Währungen), Rohöl (Energie) und mit IBM oder Apple sogar einzelne Aktien sowie bestimmte ETNs und ETFs.

Alternative Datenquellen
Für meine eigene Marktroutine finde ich die Seite der CBOE etwas unübersichtlich, ich nutze hier eher die Filterfunktion und die umfangreiche Datenbank, wenn ich einen Basiswert analysieren möchte. Um die Indexwerte für mein Marktscreening zu ermitteln, verwende ich die Suchfunktion von Yahoo!finance. Dort lässt sich über das Kürzel ^VVIX (mit dem vorangestellten Zirkumflex) schnell der Wert für den VVIX ermitteln. Weiterhin beachte ich die Entwicklung in den Volatilitäten auf Nasdaq (^VXN), Gold (^GVZ), Rohöl (^OVX) und den Euro (^EVZ).
- Live-Kurse und Chart des Gold Volatility Index
- Live-Kurse und Chart des CBOE Nasdaq Volatility Index
- Live-Kurse und Chart des CBOE Crude Oil Volatility Index
- Live-Kurse und Chart des CBOE Euro Currency Volatility Index
Darstellung der VIX-Futures Terminstrukturkurve
Anhand der Werte für die VIX-Futures an den jeweiligen Verfallsterminen wird die Laufzeitstruktur gebildet und in einer Kurve dargestellt. Wenn die späteren Termine höhere Werte aufweisen, verläuft die Kurve wie abgebildet in Contango. Mit Eingabe eines bestimmten Datums lässt sich bei der CBOE auch die Laufzeitstruktur für vergangene Handelstage aufrufen.

VIX Central: Alternative Quelle und Analysemöglichkeit für die Laufzeitstruktur
Auch für die Darstellung der Terminstrukturkurve gibt es eine alternative Webseite. Unter www.vixcentral.com erscheint auf der Startseite direkt der aktuelle Preis des VIX-Index (grün gestrichelte Linie) und die Kurve mit den Werten der Futureskontrakte (blau). Darunter sind auch die Abstände der Werte zueinander, negative Werte stellen eine Backwardation-Situation dar.

Frühzeitiges Erkennen eines Wechsels in Backwardation
Neben der einfachen Kurve bietet diese Seite noch eine interessante Möglichkeit der Analyse. Wenn die Terminstrukturkurve des VIX aus der Contango-Situation in Backwardation umschlägt, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit auf fallende Kurse oder sogar eine starke Korrektur im S&P 500 Aktienindex. Unter dem Reiter “Historical Prices” lässt sich ein Datum aus der Vergangenheit wählen und über “Next Date” die Kurve des jeweiligen Folgetags abrufen.
Im unteren Beispiel habe ich das Datum für eine Woche zurück als Startdatum gewählt, dann die nächsten Tage dazu angezeigt. Für diese Darstellung der Kurven übereinander ist noch der Button “Multiple Dates per Graph” auszuwählen. Wenn man diese Analyse täglich für den Verlauf der vergangenen Tage macht, lässt sich das Umschlagen in Backwardation frühzeitig erkennen.
Volatilitätsindex (VIX) als Angstindex traden
Woher das Kürzel VIX stammt
Das ist das Tickersymbol der Chicago Board Options Exchange für den Volatilitätsindex. Der VIX gibt die implizite Volatilität, also die kurzfristige Intensität der Kursschwankungen der Indexoptionen des S&P 500 an.
Sieh dir die beiden folgenden Bilder an. Das ansteigende Volumen der Futuresoptionen des VIX lässt zunehmendes Interesse erkennen.
Warum wird der VIX als Angstindex bezeichnet?
Der VIX-Index erfasst die kurzfristigen Erwartungen des Marktes bezüglich der Volatilität des Aktienmarktes. Wenn der VIX steigt, dann rechnen die Trader damit, dass der Markt volatil wird.
Mit steigender Volatilität steigt auch die Unsicherheit und Ungewissheit. Unsicherheit bedeutet Risiko. Je höher das Risiko ist, desto höher steigt der Angstpegel. Deshalb bezeichnen viele Trader den VIX als Angstbarometer.
Was sind die Hauptmerkmale des VIX?

Ein interessantes Merkmal besteht darin, dass der VIX eine ausgeprägte positive Tendenz aufweist: Er steigt nämlich mehr und in schnellerem Tempo als er fällt.
Diese positive Tendenz hat einen Grund, denn der VIX ist ein Synonym für Angst. Angst breitet sich rasch aus und leitet in Panik über. Jedenfalls kommt es nicht häufig vor, dass Angst schnell abflaut.
Ein weiteres wichtiges Merkmal besteht in der Rückkehr zum Mittelwert. Beispielsweise können Unternehmensaktien langfristige Trends aufgrund der Veränderung der Fundamentaldaten aufweisen (d.h. nicht zum Mittelwert zurückkehren). Beim VIX hingegen handelt es sich um einen Volatilitäts- und nicht um einen Wertmaßstab.
Der Handel in der Praxis
Es ist ein Index, also lediglich eine Kennzahl. Eine Kennzahl lässt sich nicht kaufen und verkaufen. Handelbar sind nur die Derivate darauf.
ETF (Exchange-Traded Funds) und ETN (Exchange-Traded Notes)
ETFs: an der Börse gehandelte Indexfonds
ETNs: an der Börse gehandelte Schuldverschreibungen
Mit ETFs und ETNs lässt sich jeweils auf eine Richtung spekulieren. Sie sind jedoch unvollkommene Nachbildungen bzw. Referenzindices von deren Performance.
Das erfolgreichste Beispiel ist der kurzfristige Futures ETN des iPath S&P 500 (VXX). Dabei werden VIX-Futures des ersten und des zweiten Monats verwendet, wobei täglich ein Roll-over stattfindet.
Weitere börsengehandelte Produkte unterscheiden sich nach Laufzeit und Hebelwirkung. Aktiv sind heute unter anderem der VXZ für die mittlere Laufzeit, der gehebelte UVXY und der VIXY. Mehrere Kürzel, die in älteren Beiträgen noch auftauchen, existieren dagegen nicht mehr.
Daneben gab es Produkte mit umgekehrter Wertentwicklung. Das bekannteste war der XIV, der im Februar 2018 an einem einzigen Handelstag zusammenbrach und anschließend abgewickelt wurde. Diese Rolle füllt heute der SVXY aus, allerdings mit halbiertem Hebel.
Futures und Optionen
VIX-Futures basieren ausschließlich auf der impliziten Volatilität (Schwankungsintensität). Tatsächlich verwenden alle oben genannten ETNs und ETFs VIX-Futures, um die gewünschten Tracking Portfolios zu schaffen.
Über Optionen lässt sich mit Puts und Calls auf den Index spekulieren. Allerdings sind diese auf Volatilität basierenden Optionen kompliziert. Das ist darauf zurückzuführen, weil deren Kursgestaltung auf der Volatilität der Volatilität basiert.
Tradingstrategien für den VIX
Absicherung (Hedging) gegen den Aktienmarkt
Der häufigste Grund für das Trading des VIX besteht darin, sich gegenüber einem Börsencrash abzusichern. Da zwischen dem Volatilitätsindex VIX und dem Aktienmarkt meistens eine gegenläufige Korrelation besteht, bietet der VIX eine gute Absicherungsmöglichkeit. Dieses Korrelationsverhältnis bedeutet nämlich: Wenn die Volatilität des VIX ansteigt, fällt normalerweise der S&P 500, und wenn die Volatilität des VIX abnimmt, steigen die Kurse des Aktienmarktes.
Um deine Aktienpositionen abzusichern, kaufst du VIX-Call-Optionen aus dem Geld.
Bei einem Börsensturz werden die Optionen idealerweise an Wert gewinnen. Der Gewinn wird dann die Verluste des Aktienmarktes ausgleichen. Wenn es nicht zu einem Kurssturz kommt, werden die Optionen wertlos verfallen. Da Optionen aus dem Geld kostengünstig sind, ermöglicht diese Strategie eine billige Absicherung.
Da aber auch Optionen keine perfekte Absicherung bieten können, sind dennoch Verluste möglich. Wenn aber der Kursausschlag im Index drastisch ausfällt, ist es möglich, trotz der Absicherung mit einem Gewinn abzuschließen. Natürlich hängt das Ergebnis von deinem Absicherungsverhältnis ab. Der Options Guide enthält einen detaillierten Artikel über das Hedging mit VIX Optionen.
Absicherung mit dem VIX
„Seien Sie gierig, wenn andere ängstlich sind.“
Warren Buffet
Woran erkennst du, wann andere ängstlich sind? Sieh auf den Angstindex.
Wenn der VIX auf ein extremes Hoch ansteigt, besteht die Möglichkeit einer Bodenbildung. Natürlich gibt es dafür keine Garantie, aber hohe Kurswerte im VIX verdienen Beachtung.
Weitere Trading-Ideen für den Angstindex
VIX – ein nützlicher Stimmungsindikator
Bei extremen Kursbewegungen sind es die Emotionen und nicht die Fundamentaldaten, die den Markt antreiben. Daher ist es sinnvoll, Emotionen und Stimmungen quantitativ zu bestimmen.
Der VIX gehört zu einer Reihe von Stimmungsindikatoren. Andere Indikatoren dieser Art sind: Put-Call-Ratio (das Verhältnis zwischen Puts und Calls) und der NYSE Bullish Percent Index (der bullische Prozentindex der NYSE).
Der VIX ist auch ein zentrales Instrument im Rahmen der Risk-on / Risk-off Analyse. Dieses Konzept erklärt, wie das Marktsentiment die Kapitalflüsse zwischen riskanten und sicheren Anlageklassen steuert.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet in diesen Büchern mehr:
Trading VIX Derivatives: Trading and Hedging Strategies Using VIX Futures, Options, and Exchange Traded Notes von Russell Rhoads
Trading Volatility for Profit: Using VIX as a Predictive Indicator to Find Winning Trades von Lawrence G. McMillan
„Trading Connors VIX Reversals“ von Laurence Connors
Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: A Guide to Trading the CBOE Volatility Index (VIX) – The Fear Index
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
Handelszeiten: Wann der VIX und seine Futures laufen
Für einen Trader in Deutschland zählt nicht die Uhrzeit in Chicago, sondern die auf der eigenen Uhr. Genau daran scheitern die meisten Quellen: Sie nennen die Zeiten in US-Ostküstenzeit und überlassen dem Leser das Umrechnen. Hier stehen beide nebeneinander.
Die VIX-Futures laufen nahezu rund um die Uhr. Die Cboe Futures Exchange handelt sie an 23 Stunden pro Werktag, von sonntags 17:00 Uhr Chicagoer Zeit bis freitags 16:00 Uhr. In deutscher Zeit ist das der Zeitraum von Sonntag 0:00 Uhr bis Freitag 23:00 Uhr. Die tägliche Pause liegt zwischen 23:00 und 0:00 Uhr deutscher Zeit.
Der Index selbst wird deutlich kürzer berechnet. Die Cboe ermittelt die Spot-Werte alle 15 Sekunden, und zwar in zwei Fenstern: während der Global Trading Hours und während der regulären US-Handelssitzung von 9:30 bis 16:15 Uhr Ostküstenzeit. In deutscher Zeit entspricht die reguläre Sitzung 15:30 bis 22:15 Uhr in unserer Sommerzeit und 15:30 bis 22:15 Uhr in unserer Winterzeit.
Zwischen den Zeitumstellungen verschiebt sich alles um eine Stunde. Die USA stellen am zweiten Sonntag im März auf Sommerzeit um, die EU erst am letzten Sonntag im März. Zurück geht es in den USA am ersten Sonntag im November, in der EU schon am letzten Sonntag im Oktober. In diesen beiden Lücken beträgt der Abstand nur fünf statt sechs Stunden, die US-Börsen öffnen für uns also eine Stunde früher. Das betrifft 2026 die Tage vom 9. bis 27. März und vom 26. bis 30. Oktober.
Vorteile und Nachteile des VIX im Überblick
Der VIX ist ein starkes Informationswerkzeug und ein schwieriges Handelsinstrument. Diese beiden Seiten werden häufig vermischt. Die folgende Gegenüberstellung trennt sie und stützt sich auf die gemessenen Zahlen aus diesem Artikel.
Vorteile des VIX als Werkzeug
- Er blickt nach vorn. Anders als eine historische Volatilität misst er die Erwartung des Optionsmarktes für die kommenden 30 Tage.
- Er liefert einen belegbaren Maßstab. Mit dem Median von 17,59 und dem Anteil von 62,9 Prozent unter 20 Punkten lässt sich jede Tagesnotiz sofort einordnen.
- Er reagiert genau dann, wenn es zählt. An Tagen mit einem S&P-500-Verlust von mehr als zwei Prozent stieg er in 97,5 Prozent der Fälle.
- Er kostet nichts. Der Indexstand ist bei der Cboe und bei jedem Datenanbieter frei einsehbar, auch ohne Depot und ohne Datenabo.
- Er lässt sich zur Absicherung nutzen. Über Futures und Optionen kann ein US-Aktienportfolio gegen Kursverluste abgefedert werden.
Nachteile und Grenzen des VIX
- Der Index selbst ist nicht kaufbar. Handelbar sind nur Derivate, und die bilden ihn bloß näherungsweise ab.
- Er sagt nichts über die Richtung. Er misst die erwartete Intensität der Schwankung, nicht ihr Vorzeichen. Ein hoher Wert ist kein Verkaufssignal.
- Die meisten Produkte sind für EU-Anleger gesperrt. VXX, SVXY und UVXY sind in den USA aufgelegt und wegen der PRIIPs-Verordnung nicht als Neuposition handelbar.
- In ruhigen Phasen kosten Long-Positionen laufend Geld. Steht die Terminstruktur in Contango, verlieren Futures und ETNs bei jedem Rollvorgang an Wert.
- Die Rückkehr zur Ruhe dauert. Nach einem Schlusskurs über 30 vergingen im Median 52 Handelstage bis unter 20, im Extremfall 321.
Für den deutschen Markt gibt es ein eigenes Pendant. Der VDAX-NEW misst dieselbe Größe für den DAX und rechnet ebenfalls auf 30 Tage. Anders als beim VIX gibt es auf ihn allerdings keine handelbaren Produkte.
Fazit zum VIX Volatilitätsindex
Der VIX beantwortet eine Frage, die kein Kurschart beantwortet: wie unruhig der Markt die nächsten Wochen erwartet. Als Stimmungsmesser ist er wertvoll, ganz unabhängig davon, ob du ihn handelst. Ein Wert um 15 sagt etwas anderes über die Lage aus als einer um 35. Die Zahlen in diesem Artikel geben dir den Maßstab dafür: 62,9 Prozent aller Handelstage seit 1990 endeten unter 20 Punkten.
Beim Handel wird es unbequemer, als viele Beiträge es darstellen. Der Index selbst ist nicht kaufbar. Die Derivate darauf bilden ihn nur näherungsweise ab und verlieren in ruhigen Phasen durch die Terminstruktur laufend an Wert. Die bekanntesten US-Produkte sind für Privatanleger in der EU zudem gesperrt. Wer Volatilität in Europa handeln will, landet bei VSTOXX-Futures und -Optionen an der Eurex, also bei Instrumenten, die Erfahrung und Kapital voraussetzen.
Mein Rat lautet: Nutze den VIX zuerst als Information, nicht als Position. Er gehört auf den Bildschirm, neben Konjunkturtermine und Optionsdaten. Wer ihn nur beobachtet, zahlt nichts und lernt viel über den Rhythmus des Marktes. Und wer ihn handeln will, sollte vorher wissen, dass die Rückkehr von einem Schlusskurs über 30 auf unter 20 im Median 52 Handelstage gedauert hat, in Einzelfällen aber über ein Jahr.
Häufige Fragen zum VIX Index
Wann steigt der VIX?
Der VIX steigt mit dem Absicherungsbedürfnis der Anleger. Werden vermehrt Optionen auf den S&P 500 nachgefragt, vor allem Puts, steigen deren Preise. Genau diese Preise gehen in die Berechnung ein. Deshalb steigt der Index typischerweise dann, wenn die Aktienkurse fallen: An Handelstagen mit einem S&P-500-Verlust von mehr als zwei Prozent legte er in 97,5 Prozent der Fälle zu.
Kann man den VIX in Deutschland handeln?
Den Index selbst nicht, er ist eine reine Kennzahl. Handelbar sind Futures und Optionen auf den VIX an der Cboe Futures Exchange, wofür das Depot Terminmarktzugang braucht. Die bekannten US-ETNs wie VXX oder SVXY sind für Privatanleger in der EU dagegen wegen der PRIIPs-Verordnung gesperrt. Als europäische Alternative bietet sich der VSTOXX an der Eurex an.
Was bedeutet ein hoher VIX-Wert?
Ein hoher Wert zeigt an, dass der Optionsmarkt in den kommenden 30 Tagen mit starken Schwankungen rechnet. Als Schwelle gilt üblicherweise die Marke von 20. Werte darüber gab es seit 1990 an 37,1 Prozent der Handelstage, Werte über 30 nur an 7,9 Prozent. Ein hoher VIX sagt allerdings nichts über die Richtung der erwarteten Bewegung aus.
Was bedeutet ein niedriger VIX-Wert?
Ein niedriger Wert steht für eine ruhige Markterwartung. Er ist der Normalfall und kein Sonderzustand: An 62,9 Prozent aller Handelstage seit 1990 schloss der VIX unter 20 Punkten, der Median liegt bei 17,59. Der tiefste je gemessene Stand betrug 8,56 Punkte am 24. November 2017.
Ist der Handel mit VIX-bezogenen Produkten riskant?
Ja, und zwar deutlich stärker als bei einem Aktien-ETF. Long-Positionen verlieren in ruhigen Phasen durch das Rollen der Futures laufend an Wert. Gehebelte und inverse Produkte können praktisch über Nacht wertlos werden: Der inverse XIV brach am 5. Februar 2018 zusammen, als der VIX an einem Tag um 115,6 Prozent stieg.
Was war der höchste und der niedrigste Wert des VIX?
Den höchsten Stand im Tagesverlauf erreichte der VIX am 24. Oktober 2008 mit 89,53 Punkten. Der höchste Schlusskurs stammt dagegen aus dem Corona-Crash: 82,69 Punkte am 16. März 2020. Der niedrigste Stand lag bei 8,56 Punkten am 24. November 2017, der niedrigste Schlusskurs bei 9,14 am 3. November 2017.
Gibt es einen Volatilitätsindex für den DAX?
Ja, er heißt VDAX-New und misst nach demselben Prinzip die erwartete 30-Tage-Schwankung des DAX. Für die Eurozone insgesamt gibt es den VSTOXX auf den Euro Stoxx 50, für die Schweiz den VSMI. Anders als beim VIX sind die zugehörigen Terminkontrakte an der Eurex handelbar und damit auch für europäische Anleger zugänglich.
Über den Autor: Christian Möhrer
Christian Möhrer ist technischer Analyst und Options-Trader. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Chartanalyse und dem Handel von Aktienoptionen. Sein Schwerpunkt liegt auf regelbasierten Stillhalterstrategien wie Cash Secured Puts und Spreads mit definiertem Risiko.
Im Redaktionsteam von Kagels Trading verantwortet er die technisch geprägten Themen. Dazu zählen Indikatoren, Chartmuster und die Prüfung von Analyse-Software. Bei Tests legt er Wert darauf, Anbieterangaben gegen die eigenen Geschäftsbedingungen und öffentliche Register zu halten, statt Marketingmaterial zu übernehmen.
Für diesen Artikel hat er den VIX aus der Perspektive des Optionshandels aufbereitet. Er hat die Kursreihe des Index über 9.236 Handelstage seit 1990 selbst ausgewertet, die Korrelation zum S&P 500 nachgerechnet und die im Umlauf befindlichen Volatilitätsprodukte einzeln auf ihren letzten Handelstag und ihre Verfügbarkeit für EU-Privatanleger geprüft.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.


















