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Den Briefkurs verstehen und im Trading nutzen (2022)

In diesem Artikel möchte ich den Briefkurs erklären, der im Trading eine wichtige Rolle spielt. Der Briefkurs wird in der englischen Sprache als Ask bezeichnet. Der Gegenspieler zum Briefkurs ist der Geldkurs, im englischen Bid oder Offer genannt.

Der Briefkurs oder das Ask ist der aktuell niedrigste Kurs, zu dem jemand bereit ist, in einem Markt zu verkaufen. Dagegen ist der Geldkurs der aktuell höchste Kurs, zu dem jemand bereit ist, in einem Markt zu kaufen. Die Differenz zwischen Geldkurs und Briefkurs ist der sogenannte Spread.

Der Briefkurs in der Praxis

Briefkurs (Ask) in der Ordermaske von Interactive Brokers
Briefkurs im Trading verstehen und nutzen

Wenn wir auf einen Markt blicken, also auf den aktuellen Spread, dann sieht das z.B. so aus, wie in dem oben gezeiten Bild.

Es ist Dienstag, der 29. Juli 2014, um 16:39 Uhr, als ich diesen Screenshot gemacht habe. Wir sehen den aktuellen Spread für die Währungspaare GBP-USD, GBP-JPY und CHF-JPY. Der Spread ist genommen von der Trading-Plattform meines Brokers (Interactive Brokers).

Im einzelnen sehen wir z.B. für das Währungspaar  GBP-USD das aktuelle Bid (Geldkurs) bei 1,69390 und das aktuelle Ask (Briefkurs) bei 1,69395. Der Spread zwischen Geld- und Briefkurs beträgt also 0,5 Pips. Dazu bekommen wir das jeweilige Volumen angezeigt. Das Bid-Volumen beträgt 5,4 Millionen, und das Ask-Volumen liegt bei 2,2 Millionen. Es ist übrigens sehr wichtig, dass Sie von Ihrem Broker auch das Bid- und Ask-Volumen angezeigt bekommen.

Konkret bedeutet das hier für das Währungspaar GBP-USD: Zu einem Kurs von 1,69395 liegen insgesamt Verkaufsaufträge über 2,2 Mio. vor. Auf der anderen Seite gibt es Kaufaufträge in der Höhe von 5,4 Mio. zu einem Geldkurs von 1,69390.

Die Aufträge, die zum Geld- oder Briefkurs in den Markt gestellt werden, sind immer limitierte Aufträge (Limit Orders).

Wenn wir jetzt mit einer Market-Order  z.B. für 100.000 Britische Pfund gegen US-Dollar verkaufen würden, dann würden wir einen Kurs von 1,69390 erhalten. Und falls wir mit einer Market-Order z.B für 100.000 Britische Pfund gegen US-Dollar kaufen wollten, dann würden wir einen Kurs von 1,69395 erhalten.

Der Briefkurs beim Positionseinstieg

Ich benutze in meinem Trading den Briefkurs regelmäßig zum Einstieg in eine Shortposition, und zwar dann, wenn ich mit einer Sell-Limit-Order (limitierter Verkaufsauftrag) über dem aktuellen Kursniveau verkaufen möchte.

Ein Beispiel: GBP-USD steht bei 1,6920, aber ich möchte erst bei 1,6950 einsteigen und nicht mehr als 1,6950 für meine Shortposition bezahlen.

Ich platziere also eine Sell-Limit-Order mit 1,6950. Wenn jetzt der Kurs steigen sollte und der Briefkurs mit 1,6950 angezeigt wird, dann wird mein Verkaufsauftrag ausgeführt, sobald jemand mit einer Market-Order kauft. Mein Verkaufsauftrag wird auch dann ausgeführt, wenn der Geldkurs (also das Bid) auf 1,6950 heraufgesetzt werden sollte.

Der Briefkurs zur Positionsschließung

Auf der anderen Seite nutze ich den Briefkurs, wenn ich eine Longposition mit einer Sell-Limit-Order schließen möchte.

Angenommen, das Währungspaar GBP-USD wurde von mir bei 1,6910 gekauft, und ich erwarte, dass es bis 1,7000 steigen kann. Also platziere ich bei 1,7000 eine Sell-Limit-Order, und wenn GBP-USD bis 1,7000 steigt, dann wird mein Briefkurs ausgeführt, sobald jemand mit einer Market-Order kauft. Mein limitierter Verkaufsauftrag wird auch dann ausgeführt, wenn der Briefkurs (also das Bid) auf 1,7000 heraufgesetzt werden sollte.

Falls Sie Fragen zum Thema Briefkurs und Geldkurs im Trading haben, nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion am Ende dieser Seite.

2 Gedanken zu „Den Briefkurs verstehen und im Trading nutzen (2022)“

  1. Sehr geehrter Herr Friebel,

    vielen Dank für Ihre interessante Frage.
    Grundsätzlich ist der Abstand zwischen Geld- und Briefkurs, auch Bid-Ask-Spread genannt, variabel und von unterschiedlichen Faktoren abhängig.
    In erster Linie spielen hier Angebot und Nachfrage eine Rolle, die in bestimmten Situationen einen Überhang auf einer Seite verursachen können. Dazu gibt es bei den standardisierten Optionen (und auch anderen Wertpapieren wie Aktien, ETFs, etc.) Handelspartner (Marketmaker, Specialist) an den Börsen, die sich verpflichten, jederzeit An- und Verkaufskurse zu stellen und zu diesen jeweiligen Preisen auch den Ankauf bzw. Verkauf des entsprechenden Wertpapieres durchzuführen. Diese Personen müssen ein strenges Regelwerk einhalten und werden von den Börsen entsprechend überprüft.
    Bei Optionsscheinen ist es noch eine Spur vertrackter, hier bildet in der Regel die herausgebende Bank/Wertpapierinstitut Ihren Handelspartner und möchte sich bei ungünstigen Kursbewegungen natürlich auch entsprechend absichern, um ihre eigenen Verluste zu begrenzen.
    So kann in Fällen starker Kursbewegungen der Abstand zwischen Geld- und Briefkurs abhängig von geringer Liquidität im betreffenden Wertpapier stark anwachsen. Der im Artikel als Beispiel angeführte Forex-Markt ist davon aufgrund des hohen Handelsvolumens weniger betroffen als beispielsweise Aktien, Optionen oder Optionsscheine, wenn von diesen am Tag nur wenige Stücke gehandelt werden.
    Dieser Effekt lässt sich verringern, wenn Sie bei der Auswahl des Handelsinstruments auch auf das durchschnittliche Volumen achten und es mit anderen Werten vergleichen. Auch der Börsenplatz kann hier eine Rolle spielen.
    Lasse Sie mich gerne wissen, wenn ich Ihnen noch weitere Fragen beantworten kann.

    Herzliche Grüße,
    Christian Möhrer – Kagels-Trading GmbH

  2. Sehr geehrter Herr Kargels,

    mit großem Interesse lese ich Ihre Erläuterungen in Sachen Börsenhandel.
    Hier beschäftigt mich nun eine Frage bezügl. der Distanz des Geld und Briefkurses, ist dieser gleichbleibend konstant über die Laufzeit z.B. einer Option.
    Gerade geschehen ist mir, dass ich mich mit einem call gerade der Gwinnzone nähere und feststelle, dass der Geldkurs stagniert und der Briefkurs davon zieht und so eine Differenz von 15 Punkten ensteht, die bisher nur zwei Punkte betrug, so dass ich faktisch um die Erlangung der Gewinnzone gebracht wurde, dies erscheint mir mutwillig und unredlich, oder können sachlich integere Gründe die Ursache sein?

    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Friebel

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