Arbitrage – Ausnutzen von Preisunterschieden [05/2019]

Arbitrage- Ausnutzen von Preisunterschieden im Börsenhandel

Da ich bereits für verschiedene Handelshäuser tätig war, möchte ich in diesem Artikel meine dort gesammelten Erfahrungen in Bezug auf Arbitrage einmal mit Ihnen teilen.

Wie schon bereits in der Überschrift erwähnt, handelt es sich bei der klassischen Arbitrage um das Ausnutzen von Preis- oder Zinsdifferenzen von Wertpapieren.

Formen der Arbitrage

Man kann Arbitrage in verschiedene Kategorien wie z.B. Assetklassen, Märkten (Spotmarkt oder Terminmarkt) oder Strategien einordnen. Im Prinzip sind diese meiner Meinung nach trotzdem alle ähnlich und können daher immer in eine der drei  folgenden Kategorien eingeteilt werden:

  • Sichere Arbitrage, bei der man den Arbitragegewinn risikolos realisieren kann und  wo zusätzlich mehr verdient wird als der risikofreie Zinssatz.
  • Begrenzt sichere Arbitrage, bei der man zwei Assets hat, die einen oder fast gleichen Cashflow aufweisen und zu verschiedenen Preisen gehandelt werden. Hierbei gibt es aber keine Garantie, dass die Preise sich auch wirklich annähern und es besteht somit ein begrenztes Risiko.
  • Spekulative Arbitrage, was auf den ersten Blick nicht als wirkliche Arbitrage zu erkennen ist. Hierbei versuchen Händler einen Vorteil zu erzielen, in dem sie eine „fehlerhafte“ Bewertung in meist ähnlichen Assets erkennen. Hierbei wird das vermeintlich zu niedrig bewertete Asset gekauft und das zu hoch bewertete Asset verkauft.

Sichere Arbitrage

Viele Arten der sicheren Arbitrage sind für den normalen Händler mit bloßem Auge nicht erkennbar. Daher bedienen sich die meisten Trader mathematischer Computerprogramme und/oder haben das Handeln vollautomatisiert. Zudem bestehen diese sicheren Arbitrage-Möglichkeiten oft nur in sehr kleinen Zeitfenstern, so dass ein manueller Händler in der Regel dafür sogar zu langsam ist.

Solch eine Art der Arbitrage ist z. B. die Indexarbitrage, wie ich sie bereits oberflächig in dem letzten Artikel „Fair Value“ beschrieben habe.

Sichere Arbitrage kommt nur noch selten vor (im Vergleich zu den anderen  Formen der Arbitrage), und überwiegend findet man diese in dem Bereich der Futures- und Optionsmärkte.

Begrenzt sichere Arbitrage

Um das Ganze einmal zu veranschaulichen, habe ich ein Beispiel beigefügt.

Wir schauen uns eine Aktie an, die an zwei verschiedenen Börsenplätzen notiert. In diesem Beispiel ist diese Aktie an der Frankfurter und an der Pariser Börse handelbar. Gerade bei Aktien, die im In- und Ausland notieren, gibt es oft Preisunterschiede.

Geld-Briefkurs der Aktie XYZ an der Frankfurter Börse

 Bid-VolBid-KursAsk-KursAsk-Vol
1607210,40210,50528

Geld-Briefkurs der Aktie XYZ an der Pariser Börse

 Bid-VolBid-KursAsk-KursAsk-Vol
1540210,85210,95490

Ein begrenztes Risiko besteht hier darin, dass sich die Preisdifferenz zwischen den beiden Aktien plötzlich verkleinert bzw. der Preis sich ändert oder dass das Volumen auf der Gegenseite abnimmt, so dass ein Hedge nicht mehr so einfach möglich ist

Was kann man erkennen, wenn man sich die beiden Geld-Briefkurse anschaut ?

Die Aktie XYZ notiert in Frankfurt 210,40 – 210,50. An der Pariser Börse notiert die selbe Aktie 210,85 – 210,95.

Das bedeutet, die Aktie notiert in Paris ca. 35 Cent zu hoch (bezogen auf die Aktie an der Börse Frankfurt). Also kann man die Aktie an dem Börsenplatz, an dem diese zu hoch notiert (in diesem Beispiel in Paris) verkaufen. Direkt im Anschluss daran, kauft man diese an dem Börsenplatz, an dem die Aktie niedriger notiert (in diesem Beispiel in Frankfurt).

So würde ein Arbitrageur in diesem Beispiel 528 Aktien zu 210,85 € verkaufen und diese dann direkt wieder in Frankfurt zu 210,50 € zurückkaufen. Da auf der Gegenseite des Trades (in dem Beispiel Frankfurt) nur 528 Stück auf der Geldseite (Ask) stehen, verkauft dieser auch nur 528 Stück in Paris und bedient die Briefseite (Bid) nicht komplett mit den 540 Stück.

Wie hoch wäre der Gewinn ohne Beachtung von Transaktionskosten, etc. ?

Verkauf von 528 Aktien zu 210,85 € und Kauf zu 210,50 €, was einem Gewinn von 0,35 € pro Aktie entspricht. Das wären bei 528 Stück also ein Gewinn von 184,80 €. Oder in Prozent ausgedrückt: Man erzielt eine Rendite von ca. 0,17 Prozent auf das eingesetzte Kapital (184,80 €/ 528 Aktien * 210,85 €).

Solche Situationen ergeben sich natürlich nicht sehr oft, und vielleicht können auch nur 0,20 € pro Aktie oder weniger verdient werden, aber auch das summiert sich am Ende des Tages. Zudem haben die professionellen Arbitragehäuser auch entsprechend sehr gute Konditionen und vergleichsweise geringe Transaktionkosten. Für den privaten Trader wäre das schon allein aufgrund der hohen Transaktionskosten nicht umsetzbar. Auch wird heutzutage sehr viel mit Hilfe von Algorithmen umgesetzt, Märkte dementsprechend gescannt oder automatisiert gehandelt. Auch hier fehlt den privaten Tradern die Infrastruktur und das Know-how.

American Depositary Receipt

Was vielleicht noch interessant zu erwähnen ist, dass bei Aktien Arbitragegewinne erzielt werden können, auch wenn diese gar nicht direkt an einer Börse im Ausland gelistet sind.

Wie kann das funktionieren?

Man kann auf viele Aktien auch ADRs (American Depositary Receipt) handeln.

ADRs ähneln Zertifikaten und werden von US-Kreditinstituten ausgestellt. Diese repräsentieren oft einen Bruchteil der Aktie, aber können auch einer vollen Aktie entsprechen. Der Vorteil ist, dass somit ausländische Aktien auch recht einfach in den USA handelbar sind. Diese sind wie gewöhnliche Aktien handelbar und das ausstellende Kreditinstitut bestimmt das Verhältnis der ADRs. Ein Verhältnis von 10 bedeutet, dass 10 ADRs einer Aktie entsprechen.

Vielleicht noch interessant zu wissen, dass man ADRs in 3 verschiedene Typen einteilen kann:

  • Level 1, ist der einfachste Typ eines ADR. Hier sind die ADRs nicht an der Börse gelistet, da sich die ausländische Firma entweder nicht dafür qualifiziert oder dies nicht möchte. Diese werden somit OTC (over-the-counter), sprich außerbörslich, gehandelt. Es ist somit der einfachste und kostengünstigste Weg.
  • Level 2, diese werden entsprechend an der Börse gehandelt und haben somit etwas mehr Anforderungen durch die SEC (Securities and Exchanges Commission). Dies führt aber auch zu deutlich höherem Tradingvolumen der ADRs.
  • Level 3, dieses wird erreicht, wenn ein Unternehmen neue Aktien im US-Kapitalmarkt platziert und ermöglicht somit eine Kapitalaufnahme. Hierbei ist die Beachtung durch die Märkte, und somit das Tradingvolumen, in den USA natürlich am größten.

Beispiel für begrenzt sichere Arbitrage mit ADRs

So kommen wir nun noch zu einem kleinen Beispiel, bei dem es sich auch um eine begrenzt sichere Arbitrage handeln würde („begrenzt sicher“, da auch diese Art der Arbitrage immer mit etwas Risiko verbunden ist).

Angenommen die Firma ABC, ein Deutsches Unternehmen, möchte nun auch den Handel ihrer Aktien in den USA ermöglichen und lässt entsprechend durch eine amerikanische Bank  ADRs emittieren. Die Bank setzt ein Verhältnis von 10:1 fest. Das bedeutet 10 ADRs entsprechen einer Aktie. Die ADRs notieren aktuell bei $22, d.h. die Aktie müsste somit, nach Umrechnung von EUR in USD, bei $220 notieren, so dass sie zu ihrem „fairen“ Wert gehandelt würde. Sollte die Aktie jetzt aber nach Umrechnung der Währung bei beispielsweise $219,50 notieren, kann man hier versuchen, einen Arbitragegewinn zu erzielen. Man leiht sich die ADR und verkauft diese zu $220. Gleichzeitig kauft man die Aktie ABC zu 199,54 € (entspricht $219,50 bei einem angenommen Wechselkurs von 1,10). Man würde somit also einen Gewinn (ohne Einbeziehung der Transaktionskosten) von $0,50 je Aktie erzielen. Da die Transaktionskosten von ADRs in der Regel höher als bei dem normalen Aktienhandel sind, lohnt es sich nur diese zu arbitrieren, wenn die Preisdifferenz entsprechend groß genug ist.

Spekulative Arbitrage

Eine Form der spekulativen Arbitrage ist das Spread Trading (auch als Pairs Trading bekannt). Dieses kann aber auch als eigenständige Strategie gesehen werden. Für mich ist es aber nichts anderes, als eine Form der spekulativen Arbitrage.

Hierbei wird versucht, von der Korrelationen oder dem Verhältnis von zwei verschiedenen Werten zu profitieren. Diese Form der Arbitrage kann in sämtlichen Märkten und Instrumente angewandt werden.

Man wettet also, dass die Korrelation oder das Verhältnis von zwei Börsenwerten zu- oder abnimmt. So kann man beispielsweise Vorzugsaktien gegen Stammaktien (z. B. Volkswagen Spread) handeln. Man verkauft die Aktie, die höher notiert und kauft die, die geringer notiert. Wichtig ist aber, dass man sich dabei den historischen Spread anschaut und möglichst erst bei eher untypisch großen Kursdifferenzen (oder Hoch/Tiefs) diesen Spread eingeht. Auch kann man Futures gegeneinander handeln (z. B. Crude Oil und WTI). Man kann auch Aktien handeln, die aus dem gleichen Sektor kommen, wie z. B. E.ON und RWE. Es sind hier keine Grenzen gesetzt und es gibt hier wirklich unzählige Möglichkeiten. Man schaut sich Märkte, Aktien usw. an, die in der Regel miteinander korrelieren oder historisch gesehen ähnlich verlaufen, und versucht so von größeren Abweichungen zu profitieren.

Es gibt auch viele exotische Spreads, die kaum miteinander korrelieren und trotzdem gehandelt werden.

Auf jeden Fall kann es durchaus auch für den privaten Händler interessant sein, sich mit dem Thema Spread Trading zu beschäftigen. Viele Broker bieten beim Spread Trading im Future Markt auch entsprechende Nachlässe auf die Margin an. Dieser Nachlass kann zwischen 25%-75% liegen. Gerade für private Händler die nicht so gut kapitalisiert sind, kann dies ein Vorteil sein. Auch ist man unabhängig von der Marktrichtung, und das Risiko ist beim Spread Trading in der Regel kleiner.

Fazit:

Es gibt für professionelle bzw. institutionelle Börsenhändler eine Vielzahl an Möglichkeiten und Strategien, um im Börsenhandel Geld zu verdienen. Eine Form ist die der Arbitrage. Für den privaten Händler ist es aber fast unmöglich in dem Bereich der Arbitrage aufgrund der Transaktionskosten, der Infrastruktur und dem Know-How auch Geld zu verdienen. Die einzige Form der Arbitrage, die auch für den privaten Händler sehr interessant sein kann, ist die spekulative Arbitrage in Form des Spread Tradings.

Abschließende Bemerkung:

Meiner Meinung nach sollte sich ein privater Händler aber auf das Price Action Trading konzentrieren, denn hier hat dieser genau die gleichen Voraussetzungen wie professionelle bzw. instituionelle Börsenhändler.

2 Kommentare zu „Arbitrage – Ausnutzen von Preisunterschieden [05/2019]“

  1. Vielen Dank für den wertvollen Beitrag. Ich bin auch vor einiger Zeit auf das Arbitrage aufmerksam geworden. Ich habe viel in diese Richtung ausprobiert und bin nun mittlerweile Teil eines größeren Arbitragepools. Hier legen mehrere Investoren zusammen und dann wird das gesamte Kapital auf einmal arbitragiert.

    1. Hallo Markus, vielen Dank für dein Feedback. Ja, das hört sich interessant an, was du schreibst. Ist das auch so eine Art MLM? LG Karsten

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