Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe hat Ende Juli 2026 die psychologisch wichtige 3-Prozent-Marke überwunden. Sie notiert bei rund 3,17 %, nachdem sie im Juli zeitweise über 3,20 % gestiegen ist – der höchste Stand seit rund 15 Jahren. Der Treiber: Das US-Iran-Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus ist im Juli zerbrochen. Die Ölpreise sind zurück über 80 US-Dollar je Barrel Brent, und mit ihnen kehren die Inflationssorgen an den Anleihemarkt zurück.
Auf geldpolitischer Seite hat die EZB nach der Zinserhöhung vom 11. Juni (Einlagenzins von 2,00 % auf 2,25 %) am 23. Juli 2026 pausiert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde begründete die Zinspause mit der hohen Unsicherheit bei den Energiepreisen, schloss eine Erhöhung im September aber ausdrücklich nicht aus. Die Inflation im Euroraum stieg im Juli auf 2,9 %, nach 2,8 % im Juni. Die Geldmärkte rechnen bis Jahresende mit bis zu zwei weiteren Zinserhöhungen. Die Zinsprognose bleibt damit im Spannungsfeld zwischen eskalierender Geopolitik und einer abwartenden Notenbank.
In diesem Artikel findest Du die aktuelle Zinsprognose für deutsche Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit, eine technische Chartanalyse im Jahres- und Monatschart, die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Renditeentwicklung sowie konkrete Bull- und Bear-Szenarien. Wir aktualisieren alle Angaben regelmäßig nach unseren redaktionellen Richtlinien.
Zinsprognose aktuell in 30 Sekunden
- Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe notiert bei rund 3,17 % und damit über der 3-Prozent-Marke. Im Juli erreichte sie mit über 3,20 % den höchsten Stand seit rund 15 Jahren (Stand: 31. Juli 2026).
- Die EZB hat am 23. Juli 2026 pausiert: Der Einlagenzins bleibt bei 2,25 %, nach der ersten Erhöhung seit September 2023 im Juni. Nächster Zinsentscheid: 10. September 2026.
- Der Hormuz-Deal ist gescheitert: Der Iran lehnte Ende Juli einen Kompromissvorschlag ab, die Lage eskalierte erneut. Brent-Öl notiert wieder über 80 US-Dollar je Barrel.
- Die Inflation im Euroraum stieg im Juli auf 2,9 % (Kernrate 2,5 %). Die Geldmärkte rechnen bis Jahresende mit bis zu zwei weiteren Zinserhöhungen auf 2,75 %.
- Aus Sicht der Chartanalyse rückt das Kursziel bei 4,0 % näher: Der Juli steuert auf den ersten Monatsschluss über dem Widerstand bei 3,0 % zu.
Aktuelle Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe
Die 10-jährige Bundesanleihe ist eine von der Bundesrepublik Deutschland begebene Schuldverschreibung mit einer Laufzeit von zehn Jahren und gilt als Referenzgröße für das langfristige Zinsniveau im Euroraum.
Die Rendite dieser Anleihe zeigt Dir, was der Markt bei Inflation, Wachstum und geldpolitischer Entwicklung erwartet. Steigt die Rendite, verteuern sich Kredite. Sinkt sie, werden Finanzierungen günstiger. Für Trader ist die 10-Jahres-Rendite ein wichtiger Frühindikator für Bewegungen an den Aktien- und Devisenmärkten.
Im Juli 2026 stieg die Rendite zeitweise über 3,20 % – der höchste Stand seit rund 15 Jahren. Damit hat sie den Widerstandsbereich bei 3,0 % aus der Konsolidierung seit dem Zinsanstieg 2022/2023 überwunden. Zum Vergleich: Im März 2020 lag die Rendite noch bei rund –0,85 %. Der Anstieg um rund 4 Prozentpunkte in sechs Jahren ist historisch bemerkenswert. Die Bundesanleihen Prognose fällt damit klar bullisch aus: Die Chartanalyse zeigt ein Kursziel bei 4,0 %, sofern der Ausbruch auf Monatsschlussbasis bestätigt wird.
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Chartanalyse: Zinsprognose im Jahres- und Monatschart
Langfristige Einordnung im Jahreschart
Der abgebildete Jahreschart zeigt die Zinsentwicklung bei den deutschen Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit. Ich identifiziere darin einen fundamentalen Trendwechsel: Der jahrzehntelange Trend fallender Renditen am Anleihemarkt endete 2022 mit dem starken Zinsanstieg. Seitdem bewegt sich die Rendite in einer neuen Phase steigender Zinsen.

Aus Sicht der langfristigen Chartanalyse markiert das Tief bei –0,90 % (März 2020) den historischen Boden. Der anschließende Anstieg auf den Widerstandsbereich bei 3,0 % erfolgte in einer impulsiven Bewegung, wie sie für einen echten Trendwechsel typisch ist. Das Chartbild spricht längerfristig für weiter steigende Zinsen. Für die Zinsprognose 2026 ist das ein zentrales Signal.
Monatschart: Ausbruch über 3 %?
Im Monatschart zeigt sich der entscheidende Widerstand bei 3,0 % besonders deutlich. Nach dem Erreichen dieses Niveaus im Jahr 2023 lief die Rendite in einer Schiebephase über 2,0 % seitwärts. Eine klassische Konsolidierung nach dem vorangegangenen Aufwärtsimpuls.

Die 20-Monats-Durchschnittslinie diente dabei als dynamische Unterstützung. Die jüngste Entwicklung zeigt nun einen Ausflug über das markante Hoch bei 3,0 %. Daraus könnte sich ein Ausbruch entwickeln. Ein nahes Ziel wäre in diesem Fall die Marke von 4,0 %. Entscheidend ist, ob die Notierungen nach einem festen Monatsschluss die nötige Anschlussdynamik entwickeln.
Ein Rückgang von 50 % nach dem vorangegangenen Kursanstieg würde die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihen wieder bis knapp über 1 % drücken. Dieses Szenario wird erst bei einer deutlichen wirtschaftlichen Eintrübung oder einer Rückkehr zu aggressiven Zinssenkungen realistisch.
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Bundesanleihen Prognose 2026: kurzfristig, mittelfristig, langfristig
Kurzfristige Zinsprognose (nächste Wochen)
Die EZB hat auf ihrer Sitzung am 23. Juli 2026 pausiert und alle drei Leitzinsen unverändert gelassen. Der nächste EZB-Zinsentscheid folgt am 10. September 2026. EZB-Präsidentin Lagarde begründete die Pause mit der hohen Unsicherheit bei den Energiepreisen und hielt sich eine Erhöhung im September ausdrücklich offen. Nach dem Scheitern des Hormuz-Deals und dem erneuten Ölpreisanstieg ist der Inflationsdruck zurück.
Für die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe heißt das: Kurzfristig dürfte sie sich zwischen 3,00 % und 3,30 % bewegen. Die Ölpreisentwicklung nach der erneuten Eskalation in der Straße von Hormus bleibt der Schlüsselfaktor. Hält der Inflationsdruck an, bleibt die Rendite über der 3-Prozent-Marke. Nur eine überraschende Deeskalation würde den Druck nehmen. Wenn Du den Bund-Future tradest, solltest Du den 10. September als Schlüsseltermin im Kalender haben.
Mittelfristige Zinsprognose (bis Jahresende 2026)
Mit dem Zinsentscheid vom 11. Juni 2026 – der ersten Erhöhung seit September 2023 – hat die EZB die Zinswende nach oben eingeleitet: Der Einlagensatz stieg von 2,00 auf 2,25 Prozent. Am 23. Juli folgte eine Zinspause: Der EZB-Rat will zunächst beobachten, wie sich die volatilen Energiepreise auf die Inflation auswirken.
Bis Ende 2026 rechnen Marktbeobachter mit bis zu zwei weiteren Zinserhöhungen, die den Einlagensatz auf 2,75 Prozent bringen würden. Für die September-Sitzung gilt eine Anhebung um 25 Basispunkte als möglich, denn die Inflation ist im Juli auf 2,9 % gestiegen und die Konjunkturdaten der großen Euro-Volkswirtschaften fielen zuletzt besser aus als erwartet. Als treibende Faktoren gelten daneben die expansive Fiskalpolitik Deutschlands und die erneute Eskalation am Persischen Golf, die den Preisdruck hochhält.
Die 10-jährige Bundrendite notiert aktuell bei rund 3,17 % und bewegt sich damit im mittelfristigen Korridor von 3,00 bis 3,50 Prozent. Sollte die Inflation hartnäckig über dem EZB-Ziel verlaufen, bleibt auch ein Test der Obergrenze realistisch. Die technische Analyse stützt dieses Bild: Ein auf Monatsschlussbasis bestätigter Ausbruch über den 3-Prozent-Widerstand eröffnet charttechnisch weiteres Potenzial in Richtung 4,0 Prozent. Damit bleibt die Bundesanleihen Prognose mittelfristig aufwärtsgerichtet; für Dein Risikomanagement solltest Du dennoch beide Richtungen einplanen.
Langfristige Zinsprognose (2027 und darüber hinaus)
Langfristig zeigt die Chartanalyse einen intakten Aufwärtstrend bei den Renditen. Der Trendwechsel von 2022 ist aus technischer Sicht nicht abgeschlossen. Die Konsolidierung 2023 bis 2025 war eine Korrektur im übergeordneten Aufwärtstrend, kein Trendende. Die Bundesanleihen Prognose bleibt damit auch über 2026 hinaus auf steigende Renditen ausgerichtet.
Auch die Fundamentaldaten sprechen für anhaltend höhere Renditen: Das Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung, das wir in unserer DAX Prognose einordnen, erhöht das Angebot an Staatsanleihen. Die demografische Entwicklung belastet die Sozialsysteme. Die Energiewende erfordert massive Investitionen. All das lässt strukturell höhere Zinsen erwarten als in der Dekade vor 2022.
Zinsprognose: Bull- und Bear-Szenario
Bull-Szenario (steigende Renditen, Ziel 3,30 bis 4,00 %): Die Eskalation in der Straße von Hormus hält an, die Ölpreise bleiben über 80 US-Dollar je Barrel und die Inflation steigt weiter. Die EZB erhöht den Leitzins bis Jahresende zweimal um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf 2,75 %. Die 10-Jahres-Rendite bestätigt den Ausbruch über 3,0 % auf Monatsschlussbasis und arbeitet sich Richtung 4,0 % vor. Für Trader eröffnen sich Short-Positionen im Bund-Future und Long-Positionen in inflationsgeschützten Anleihen. Dieses Szenario hat durch das Scheitern des Hormuz-Deals deutlich an Wahrscheinlichkeit gewonnen.
Bear-Szenario (fallende Renditen, Ziel 2,30 bis 2,60 %): Eine überraschende diplomatische Wende beendet die Blockade der Straße von Hormus, die Ölpreise normalisieren sich in Richtung Vorkonfliktniveau (ca. 65 USD/Barrel). Die Inflation fällt bis Jahresende unter 2,5 %. Die EZB verzichtet auf weitere Erhöhungen und signalisiert das Ende des Zinserhöhungszyklus. Die 10-Jahres-Rendite fällt zurück unter 2,80 % und testet die Unterstützung am 20-Monats-Durchschnitt. Nach der jüngsten Eskalation ist dieses Szenario unwahrscheinlicher geworden.
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Was beeinflusst die Zinsprognose?
EZB-Geldpolitik und Leitzins
Der EZB-Einlagenzins ist der Zinssatz, den Geschäftsbanken erhalten, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen, und liegt aktuell bei 2,25 %.
Die Gegenseite dieser Rendite bildet der Euro-Bund-Future ab. Kurs und Rendite laufen gegenläufig. Die aktuelle Bund-Future Prognose mit Chartanalyse zeigt dasselbe Bild deshalb aus der anderen Richtung.
Zwischen Juni 2024 und Juni 2025 nahm die EZB insgesamt acht Zinssenkungen vor und halbierte den Einlagenzins von 4,00 % auf 2,00 %. Seit der Sitzung im Juli 2025 hält sie die Zinsen unverändert. Sieben Zinspausen in Folge. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 2,40 %, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 %. Mit der steigenden Inflation hat sich das Fenster für weitere Zinssenkungen geschlossen. Für die Zinsprognose der kommenden Monate bedeutet das: Auch der nächste Zinsschritt dürfte nach oben gehen.
Inflation und Energiepreise
Die Inflation im Euroraum lag im Juli 2026 bei 2,9 %, nach 2,8 % im Juni und 3,2 % im Mai (Kernrate zuletzt 2,5 %). Haupttreiber bleiben die Energiepreise: Deren Jahresrate lag im Juni trotz des zwischenzeitlichen Ölpreisrückgangs noch bei 8,7 %. Die EZB selbst rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einer durchschnittlichen Inflation von rund 2,6 %. In einer Szenarioanalyse vom März 2026 zeigt sie aber: Eine längere Blockade der Straße von Hormus könnte die Inflation auf 3,5 % bis 4,4 % treiben. Nach dem Scheitern des Hormuz-Deals gewinnt genau dieses Risiko wieder an Gewicht.
Geopolitik: Nahost-Konflikt und Hormuz-Deal
Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts am 28. Februar 2026 stehen die Anleihemärkte unter besonderem Druck. Die Unsicherheit über die Energieversorgung treibt die Risikoprämien nach oben. Das Mitte Juni 2026 unterzeichnete US-Iran-Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus brachte nur eine kurze Entspannung: Die Ölpreise fielen zunächst auf Dreimonatstiefs.
Im Juli ist der Deal zerbrochen. Nach einer erneuten US-Angriffsserie lehnte der Iran Ende Juli einen Vermittlungsvorschlag Omans ab, die Straße von Hormus in zwei Schifffahrtskorridore zu teilen, und griff US-Stellungen in Jordanien mit Raketen an. Brent-Öl kostet wieder über 80 US-Dollar je Barrel. Für die Bundesanleihen Prognose heißt das: Der Stagflations-Druck ist zurück. Solange die wichtigste Öl-Handelsroute der Welt blockiert bleibt, bleiben auch die Inflationserwartungen und damit die Renditen erhöht. Der Eurozone-PMI lag zuletzt bei 48,6, also weiterhin im Kontraktionsbereich.
US-Zinspolitik und transatlantischer Zinsspread
Die US-Notenbank Fed ließ den Leitzins auf ihrer Sitzung am 29. Juli 2026 zum fünften Mal in Folge unverändert in einer Spanne von 3,50 % bis 3,75 %. Bemerkenswert: Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses stimmten für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte – so viel Widerspruch in eine Richtung gab es zuletzt 2016. Die US-Inflation ging im Juni dank des zwischenzeitlichen Ölpreisrückgangs auf 3,5 % zurück; nach der erneuten Eskalation dürfte dieser Effekt nicht von Dauer sein.
Mit dem EZB-Einlagensatz nun bei 2,25 % hat sich der transatlantische Zinsspread leicht verengt und beträgt derzeit rund 1,25 bis 1,50 Prozentpunkte. Die Verengung stärkt den Euro gegenüber dem Dollar und beeinflusst den Euro-Dollar-Wechselkurs direkt. Einen Echtzeitblick auf die vom Markt eingepreisten US-Zinserwartungen liefert das CME Fed Watch Tool.
Fiskalpolitik: Deutschlands Sondervermögen
Das im März 2025 beschlossene Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro erhöht das Angebot an deutschen Staatsanleihen am Kapitalmarkt massiv. Mehr Angebot bei gleichbleibender Nachfrage drückt die Kurse und treibt die Renditen nach oben. Dieser strukturelle Faktor wirkt unabhängig von der EZB-Geldpolitik und spricht langfristig für höhere Zinsen.
Was bedeutet die Zinsprognose für Trader?
Die Zinsprognose ist für aktive Trader hochrelevant. Steigende Anleiherenditen konkurrieren mit der Aktienrisikoprämie. Wenn risikolose Bundesanleihen 3 % oder mehr abwerfen, verlieren Aktien relativ an Attraktivität. Sektorrotationen folgen: Wachstumswerte werden abverkauft, Value-Titel profitieren.
Für Trader im Forex-Markt wirkt der Zinsspread zwischen Euro und Dollar als primärer Treiber des EUR/USD-Kurses. Verengt sich der Spread (etwa durch eine EZB-Zinserhöhung bei gleichzeitiger Fed-Pause), stärkt das den Euro. Eine Ausweitung belastet ihn.
Der Bund-Future (FGBL) an der Eurex ist das zentrale Instrument für den direkten Handel auf die Zinsentwicklung. Ein Kursanstieg im Bund-Future entspricht fallenden Renditen und umgekehrt. Wer von weiter steigenden Renditen ausgeht, kann Short-Positionen im Bund-Future aufbauen. Allerdings erfordert das ein aktives Risikomanagement, denn geopolitische Schocks können jederzeit abrupte Renditerückgänge auslösen.
Auch die Korrelation zwischen Anleiherenditen und Rohstoffen verdient Beachtung. Steigende Zinsen stärken in der Regel den US-Dollar und belasten damit Gold und andere Dollar-notierte Rohstoffe. Die aktuelle Situation ist allerdings ungewöhnlich: Renditen und Goldpreis steigen gleichzeitig. Das deutet auf einen dominierenden Safe-Haven-Effekt hin und signalisiert erhöhte Marktunsicherheit.
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Fazit: Zinsprognose aus Sicht der Chartanalyse
Die Zinsprognose ist eine auf Chartanalyse, makroökonomischen Daten und geldpolitischen Erwartungen basierende Einschätzung zur künftigen Entwicklung der Anleiherenditen.
Aus meiner Sicht als Chartanalyst zeigt das technische Bild der 10-jährigen Bundesanleihe-Rendite eine klare Tendenz: Der langfristige Abwärtstrend bei den Renditen, der über Jahrzehnte bestand, ist beendet. Die Konsolidierung zwischen 2,0 % und 3,0 % in den Jahren 2023 bis 2025 war eine klassische Korrektur im übergeordneten Aufwärtstrend. Kein Trendende.
Der Widerstand bei 3,0 % bleibt das entscheidende technische Niveau. Im Mai scheiterte der erste Ausbruchsversuch noch am Monatsschluss. Im Juli hat die Rendite die Marke erneut überwunden und notiert mit rund 3,17 % klar darüber. Schließt der Juli über 3,0 %, ist der Ausbruch auf Monatsschlussbasis bestätigt. Dann eröffnet sich das Kursziel bei 4,0 %.
Ich empfehle Dir, zwei Entwicklungen besonders genau zu verfolgen: die Lage in der Straße von Hormus (jede weitere Eskalation treibt Ölpreise und Renditen, eine diplomatische Wende hätte den gegenteiligen Effekt) und die EZB-Entscheidung am 10. September 2026. Eine Zinserhöhung würde den Aufwärtsdruck bei den Renditen verstärken. Eine erneute Pause trotz gestiegener Inflation wäre ein Signal, dass die EZB die Konjunkturrisiken höher gewichtet.
Häufige Fragen zur Zinsprognose
Wie hoch ist die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe aktuell?
Die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe liegt Ende Juli 2026 bei rund 3,17 %. Im Juli stieg sie zeitweise über 3,20 % und erreichte den höchsten Stand seit rund 15 Jahren. Sie notiert damit über dem langjährigen Widerstand bei 3,0 %.
Was ist der Unterschied zwischen EZB-Leitzins und Anleiherendite?
Der EZB-Einlagenzins (aktuell 2,25 % nach der Anhebung am 11. Juni 2026) ist ein kurzfristiger Zinssatz, den die Zentralbank direkt festlegt. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe bestimmt dagegen der Kapitalmarkt durch Angebot und Nachfrage. Sie spiegelt langfristige Zinserwartungen wider. Beide können sich unterschiedlich entwickeln. Aktuell liegt die Anleiherendite deutlich über dem Leitzins.
Wie sieht die Zinsprognose für 2026 aus?
Die EZB hat am 11. Juni 2026 den Einlagenzins erstmals seit September 2023 auf 2,25 % angehoben und am 23. Juli pausiert. Die Geldmärkte rechnen bis Jahresende mit bis zu zwei weiteren Erhöhungen auf 2,75 %. Ob es dazu kommt, hängt von der Inflationsentwicklung und der weiteren Eskalation am Persischen Golf ab.
Soll man 2026 Bundesanleihen kaufen?
Das hängt von Deinem Zeithorizont und Deiner Strategie ab. Hältst Du die Anleihe bis zur Fälligkeit, sicherst Du Dir die aktuelle Rendite von rund 3,17 % pro Jahr. Bei weiter steigenden Zinsen verliert die Anleihe allerdings am Sekundärmarkt an Kurswert. Trader nutzen den Bund-Future, um von Renditebewegungen in beide Richtungen zu profitieren, ohne die Anleihe selbst zu halten.
Werden Anleihen 2026 gut abschneiden?
Die Gesamtrendite einer Anleihe setzt sich aus dem Kupon und der Kursentwicklung zusammen. Bei steigenden Zinsen fallen die Kurse bestehender Anleihen, was die Gesamtrendite drückt. Für 2026 rechnen die Märkte mit weiteren Zinserhöhungen. Kurzlaufende Anleihen sind in diesem Umfeld weniger anfällig als langlaufende. Wer 10-jährige Bundesanleihen bis zur Fälligkeit hält, erhält die vereinbarte Rendite unabhängig von zwischenzeitlichen Kursschwankungen.
Welche Rolle spielt die US-Zinsentwicklung für Europa?
Die Zinsentwicklung in den USA, gesteuert durch den Fed Zinsentscheid, beeinflusst auch die europäischen Anleihemärkte. Kapital fließt dorthin, wo die Renditen höher sind. Mit einem Fed-Leitzins von 3,50 bis 3,75 % liegt der US-Zins deutlich über dem EZB-Einlagenzins von 2,25 %. Dieser Spread zieht Kapital in die USA und schwächt den Euro. Verengt sich der Spread durch EZB-Zinserhöhungen, kehrt sich der Effekt teilweise um.
Wie viel Zinsen bekommt man bei Bundesanleihen?
Die Rendite hängt von der Laufzeit ab. Die 10-jährige Bundesanleihe bringt aktuell rund 3,17 % pro Jahr. Kürzere Laufzeiten liegen etwas darunter. Beachte: Diese Rendite bezieht sich auf den Kauf zum aktuellen Kurs und Halten bis zur Fälligkeit. Beim aktiven Handel am Sekundärmarkt können Kursgewinne oder -verluste dazukommen.
Wann ist die nächste EZB-Zinssitzung?
Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB findet am 10. September 2026 statt. Am 23. Juli 2026 hat die EZB pausiert und den Einlagenzins bei 2,25 % belassen. Ob im September eine Erhöhung folgt, hängt von der Inflationsentwicklung ab. Alle Termine und Hintergründe findest Du in unserem Artikel zum EZB-Zinsentscheid (Link oben im Text).
Wie entwickeln sich die Bundesanleihen 2026?
Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe erreichte im Juli 2026 mit über 3,20 % den höchsten Stand seit rund 15 Jahren. Die EZB-Zinswende, die expansive Fiskalpolitik und die Eskalation am Persischen Golf sprechen für weiter steigende Renditen. Charttechnisch eröffnet ein bestätigter Ausbruch über 3,0 % ein Kursziel bei 4,0 %. Nur eine nachhaltige Deeskalation würde dieses Bild drehen.
Über den Autor
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading. Er tradet seit 1978 mit Schwerpunkt auf Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.
In den 1980er-Jahren übersetzte er die Elliott-Wellen-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche und war über 17 Jahre offizieller Repräsentant von Joe Ross in Deutschland. In dieser Zeit übersetzte und veröffentlichte er 10 Tradingbücher.
Karsten Kagels kennt den Anleihemarkt aus fast fünf Jahrzehnten eigener Trading-Erfahrung. Für die vorliegende Zinsprognose ordnet er die aktuelle Renditeentwicklung der 10-jährigen Bundesanleihe anhand der langfristigen Chartanalyse ein.
Prüfvermerk: Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer geprüft.








