Scalp-Trading erklärt: Scalping-Strategien, Kosten und Ausbildung

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2026

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15 Min

Christian Möhrer

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Scalping ist die schnellste Spielart des Tradings. Du hältst eine Position nur Sekunden, manchmal eine Minute, und nimmst ein paar Punkte mit. Ich handle die Märkte seit 1978, zuerst Aktien, später Rohstoffe, Währungen, Zinsmärkte und Indizes. In dieser Zeit habe ich viele Trader das Scalping ausprobieren sehen. Die einen lieben das Tempo, die anderen zerreibt es nach wenigen Wochen. Diese Doppelnatur unterschätzen die meisten Einsteiger. Es ist kein Abkürzungsweg zum schnellen Geld, sondern ein Handwerk, das volle Konzentration und striktes Risikomanagement verlangt.

In diesem Guide erkläre ich dir, was Scalp-Trading wirklich ist, wie es sich vom normalen Daytrading unterscheidet und welche Strategien Scalper einsetzen. Du erfährst, welche Kosten über Erfolg und Misserfolg entscheiden, ob Scalping in Deutschland erlaubt ist und für wen sich dieser Stil lohnt. Ein eigener Abschnitt ordnet bekannte Ausbildungsangebote ein, etwa das Coaching von Heiko Behrendt, damit du einschätzen kannst, ob sich eine begleitete Ausbildung für dich rechnet. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Das Wichtigste zu Scalp-Trading in 30 Sekunden

  • Scalping hält Positionen nur Sekunden bis wenige Minuten und zielt auf viele kleine Gewinne statt weniger großer.
  • Der Spread ist die wichtigste Kostengröße, weil bei dutzenden Trades pro Tag jeder halbe Punkt zählt.
  • Scalping ist in Deutschland erlaubt, einzelne Broker schränken es aber in ihren Handelsbedingungen ein.
  • 70 bis über 80 Prozent der CFD-Privatkonten verlieren Geld, profitabel wird beim Scalping nur, wer Kosten und Psyche beherrscht.
  • Scalping lässt sich lernen, seriöse Ausbildungen reichen vom kostenlosen Kurs bis zum persönlichen Coaching per Warteliste.

Was ist Scalp-Trading?

Scalping, auch Scalp-Trading genannt, ist eine sehr kurzfristige Daytrading-Strategie, bei der ein Trader Positionen nur Sekunden bis wenige Minuten hält, um viele kleine Kursgewinne zu sammeln.

Der Name kommt aus dem Englischen. „To scalp” heißt so viel wie abschöpfen. Genau das beschreibt die Idee. Im Deutschen wird Scalp-Trading oft einfach Scalpen genannt. Ein Scalper jagt nicht den großen Trade, sondern das schnelle, kleine Stück Bewegung. Statt einmal am Tag fünfzig Punkte zu fangen, sammelt er den Gewinn aus vielen Trades mit je nur zwei oder drei Punkten. So ein einzelner Scalp kann bedeuten, den DAX bei 18.000 zu kaufen und 40 Sekunden später bei 18.003 wieder zu verkaufen. Die Summe vieler solcher Trades macht das Ergebnis. Deshalb arbeiten Scalper fast immer auf dem Minutenchart und auf hochliquiden Märkten wie DAX, Nasdaq oder EUR/USD.

Ein Scalper ist ein Trader, der dutzende bis hunderte sehr kurze Trades pro Tag eröffnet, um jeweils wenige Punkte oder Ticks Gewinn mitzunehmen.

Das klingt simpel, ist es aber nicht. Jede Sekunde Zögern kostet bares Geld. Ein Scalper trifft Entscheidungen im Bruchteil einer Sekunde und korrigiert sie genauso schnell. Er braucht eine schnelle Plattform, niedrige Gebühren und vor allem starke Nerven. Wer beim Blick auf den Tickchart hektisch wird, ist hier falsch.

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Scalping vs. Daytrading: Wo liegt der Unterschied?

Scalping und Daytrading werden oft in einen Topf geworfen. Das ist nicht ganz falsch, denn Scalping ist eine Unterform des Daytradings. Der Unterschied liegt im Tempo und in der Haltedauer.

Daytrading ist der Kauf und Verkauf von Finanzinstrumenten innerhalb desselben Handelstags, wobei Positionen nie über Nacht offen bleiben.

Beim klassischen Daytrading hältst du eine Position oft mehrere Stunden. Du steigst morgens ein und schließt am Nachmittag. Ein Scalper dagegen ist nach maximal fünf Minuten wieder draußen, meist deutlich früher. Daraus folgt der zweite Unterschied, die Anzahl der Trades. Ein Daytrader macht ein paar Trades am Tag, ein Scalper dutzende bis hunderte. Mehr Trades bedeuten mehr Gebühren, und dieser Punkt entscheidet beim Scalping über Gewinn oder Verlust.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

KriteriumScalpingDaytrading
HaltedauerSekunden bis wenige MinutenMinuten bis Stunden
Trades pro Tagdutzende bis hundertewenige
Zeitrahmenmeist M1 (Minutenchart)oft M5 bis H1
Zielgewinn pro Tradewenige Punkte oder Ticksgrößere Kursbewegungen
Gebührendrucksehr hochmoderat
Scalping vs. Daytrading im Vergleich: Haltedauer, Trades und Gebühren
Scalping vs. Daytrading: Scalping handelt schneller und häufiger, mit deutlich höherem Gebührendruck.

Wie funktioniert Scalping in der Praxis?

Damit du Scalping verstehst, musst du vier Begriffe kennen. Zwei davon sind deine Kosten, der Spread und die Slippage. Zwei sind dein Handwerkszeug, der Tick und der M1-Chart. Alle vier entscheiden über Gewinn oder Verlust.

Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs eines Finanzinstruments und für Scalper die wichtigste Handelskostengröße.

Der Spread ist dein erster Gegner. Kaufst du zu 18.000,5 und der Verkaufskurs steht bei 18.000,0, startest du jeden Trade mit einem halben Punkt im Minus. Beim DAX-CFD liegt der Spread bei vielen Brokern unter einem Punkt, bei exotischeren Werten kann er ein Vielfaches betragen. Bei einem langfristigen Investor ist das egal. Beim Scalper, der dreißigmal am Tag handelt, summiert sich das zu einem echten Kostenblock. Deshalb scalpt man nur Märkte mit engem Spread. Ein Rechenbeispiel: Bei 30 Trades und nur einem Punkt Spread zahlst du allein 30 Punkte, die deine Gewinne erst wieder hereinholen müssen.

Ein Tick ist die kleinstmögliche Kursveränderung eines Finanzinstruments und die Maßeinheit, in der Scalper Gewinne und Verluste messen.

In Ticks zu denken ist beim Scalping normal. Ein Trade über drei Ticks Gewinn ist hier schon ein Erfolg. Die Größe deiner Position entscheidet dann, ob aus drei Ticks ein paar Euro oder ein paar hundert Euro werden. Wie du die Positionsgröße sauber berechnest, zeigt unser Guide zum Money-Management.

Der M1-Chart ist ein Minutenchart, bei dem jede Kerze die Kursbewegung einer Minute abbildet, und der Standard-Zeitrahmen vieler Scalper.

Auf dem M1-Chart siehst du jede kleine Bewegung. Das ist Fluch und Segen zugleich. Du erkennst Einstiege früh, aber du siehst auch jedes Zucken des Marktes. Ohne festen Plan verleitet dich dieser Chart zu Überaktivität. Genau deshalb braucht Scalping ein hartes Risikomanagement mit klar definiertem Stop-Loss.

Slippage ist die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich ausgeführten Kurs einer Order und tritt im Scalping besonders häufig auf.

Slippage trifft dich im falschen Moment. Gerade wenn der Markt schnell läuft, bekommst du nicht den Kurs, den du wolltest, sondern einen schlechteren. Bei wenigen Ticks Zielgewinn frisst eine schlechte Ausführung deinen Vorteil sofort auf. Eine schnelle Orderausführung ist beim Scalping daher keine Kür, sondern Pflicht.

Scalping Spread-Kosten am Beispiel von 30 Trades pro Tag
So frisst der Spread deinen Gewinn: 30 Scalp-Trades summieren sich auf 30 Punkte Spread-Kosten, dazu Kommission und Slippage.

Welche Scalping-Strategien gibt es?

Es gibt nicht die eine Scalping-Strategie. Aber drei Ansätze tauchen immer wieder auf. Sie lassen sich gut kombinieren.

Eine Scalping-Strategie ist ein festes Regelwerk für Ein- und Ausstieg, das auf sehr kurze Haltedauern und kleine, häufige Kursgewinne ausgelegt ist.

Die Trendfolge ist der einfachste Einstieg. Du handelst nur in Richtung des übergeordneten Trends und nimmst kleine Stücke der Bewegung mit. Steigt der DAX, suchst du im Minutenchart kurze Rücksetzer für den Einstieg long. Das Prinzip ist alt, im Scalping aber besonders wirksam, weil du dich nicht gegen den Markt stellst.

Ein konkretes Beispiel aus der Trendfolge: Der DAX läuft im M1-Chart in einer klaren Aufwärtsbewegung. Du wartest einen kurzen Rücksetzer ab und steigst long ein, sobald die nächste Kerze über das Hoch der Rücksetzer-Kerze läuft. Den Stop legst du wenige Punkte unter den Rücksetzer, das Ziel auf das Doppelte deines Risikos. Riskierst du vier Punkte, nimmst du bei acht Punkten Gewinn mit. So ein Trade dauert oft nur ein, zwei Minuten. Das ist ein Lehrbeispiel, keine Handelsempfehlung, denn jedes Setup musst du an deinem Markt und deinem Risiko ausrichten.

Range-Scalping nutzt Seitwärtsphasen. Bewegt sich der Markt zwischen einer klaren Unterstützung und einem Widerstand, kaufst du unten und verkaufst oben. Diese Setups brauchen Geduld, weil du auf den Rand der Range warten musst. Ein präziser Stop knapp außerhalb der Zone schützt dich, wenn die Range bricht.

Markttechnik-Scalping liest die Akteure am Markt. Hier geht es um Markttechnik und das Verhalten großer Marktteilnehmer. Du versuchst zu erkennen, wo Stops liegen und wo institutionelle Order den Kurs bewegen. Dieser Stil ist anspruchsvoll und baut stark auf Price Action auf, also dem Lesen des nackten Charts ohne überladene Indikatoren. Genau diesen Weg vertrete ich seit Jahrzehnten, weil Indikatoren der Preisbewegung immer hinterherlaufen. Daneben existieren Varianten wie das Breakout-Scalping beim Ausbruch aus einer Range oder das riskante News-Scalping rund um Wirtschaftsdaten, die aber mehr Erfahrung verlangen.

Welcher Broker eignet sich fürs Scalping?
Beim Scalping ist der Broker kein Nebenthema. Er entscheidet direkt über deine Kosten. Fünf Punkte zählen:
Enger Spread: Jeder Trade startet mit den Spread-Kosten, je enger, desto besser.
Schnelle Ausführung: Langsame Order bedeuten Slippage und gehen direkt vom Mini-Gewinn ab.
Niedrige Kommission: Bei dutzenden Trades pro Tag fällt jede Gebühr massiv ins Gewicht.
Scalping muss erlaubt sein: Manche Broker schränken den schnellen Handel in ihren Bedingungen oder bei bestimmten Kontomodellen ein.
DMA- oder ECN-Ausführung: Eine direkte Marktausführung ohne Requotes vermeidet Interessenkonflikte, wie sie bei reinen Market-Makern entstehen können.
Welche Anbieter sich für den schnellen Handel eignen, zeigt unser Scalping-Broker-Vergleich.
Anatomie eines Scalp-Trades: Einstieg beim Ausbruch über den Rücksetzer, Stop 4 Punkte, Ziel 8 Punkte (CRV 1:2)

Vor- und Nachteile des Scalpings

Scalping hat klare Stärken, aber ebenso klare Schattenseiten. Du solltest beide kennen, bevor du startest.

Die Vorteile:

  • Kein Overnight-Risiko: Du bist abends flat, Kurslücken über Nacht können dir nichts anhaben.
  • Viele Gelegenheiten: Schon kleine Bewegungen reichen, du wartest nie lange auf den nächsten Trade.
  • Schnelles Feedback: Du siehst sofort, ob deine Idee funktioniert, und lernst dadurch zügig.
  • Unabhängig von der Trendrichtung: Du kannst long wie short scalpen und brauchst keinen großen Richtungstrend, nur genug Schwankung im Markt.

Die Nachteile:

  • Hoher Gebührendruck: Bei dutzenden Trades fressen Spread und Kommission schnell den Gewinn.
  • Enorme Konzentration: Schon eine kurze Unaufmerksamkeit kann mehrere gute Trades zunichtemachen.
  • Psychisch belastend: Das Tempo erzeugt Stress, viele halten das auf Dauer nicht durch.
  • Anfällig für Slippage: Bei schnellen Bewegungen bekommst du nicht immer den gewünschten Kurs.
  • Hohe technische Anforderungen: Du brauchst eine schnelle Plattform, eine stabile Verbindung und niedrige Latenz, sonst kostet dich jede Verzögerung Geld.

Welcher Broker eignet sich fürs Scalping?

Beim Scalping ist der Broker kein Nebenthema. Er entscheidet direkt über deine Kosten. Fünf Punkte zählen:

  • Enger Spread: Jeder Trade startet mit den Spread-Kosten, je enger, desto besser.
  • Schnelle Ausführung: Langsame Order bedeuten Slippage und gehen direkt vom Mini-Gewinn ab.
  • Niedrige Kommission: Bei dutzenden Trades pro Tag fällt jede Gebühr massiv ins Gewicht.
  • Scalping muss erlaubt sein: Manche Broker schränken den schnellen Handel in ihren Bedingungen oder bei bestimmten Kontomodellen ein.
  • DMA- oder ECN-Ausführung: Eine direkte Marktausführung ohne Requotes vermeidet Interessenkonflikte, wie sie bei reinen Market-Makern entstehen können.

Welche Anbieter sich möglicherweise für den schnellen Handel eignen, zeigt unser Scalping-Broker-Vergleich. Auf jeden Fall gehört Interactive Brokers zu den absoluten Top-Brokern für professionelles Scalping.

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Ist Scalping seriös, profitabel oder verboten?

Rund um Scalping kursieren viele Mythen. Vier Fragen kommen immer wieder, und ich beantworte sie ehrlich.

Ist Scalping seriös? Ja, Scalping selbst ist ein legitimer Handelsstil, den auch Profis und institutionelle Trader nutzen. Unseriös ist nicht die Methode, sondern Anbieter, die damit schnellen Reichtum versprechen. Die Strategie ist anspruchsvoll, aber nicht anrüchig.

Ist Scalping in Deutschland verboten? Nein. Scalping ist eine legale Handelsstrategie. Es gibt kein Gesetz, das den schnellen Handel untersagt. Eingeschränkt wird es höchstens vom Broker selbst, der in seinen Geschäftsbedingungen bestimmte Praktiken ausschließt. Prüfe das vor der Kontoeröffnung.

Ist Scalping profitabel? Es kann profitabel sein, für die wenigsten ist es das. Die Pflicht-Hinweise der CFD-Broker, die auf Vorgaben der BaFin zurückgehen, sprechen eine deutliche Sprache. Je nach Anbieter verlieren 70 bis über 80 Prozent der Privatkonten Geld. Beim Scalping ist die Hürde sogar höher, weil die Gebühren einen größeren Teil des kleinen Gewinns wegnehmen. Profitabel wird hier nur, wer seine Kosten im Griff hat und diszipliniert handelt.

Warum scheitern 90 Prozent der Daytrader? Die oft genannten 90 Prozent sind eine Faustzahl, belegt sind die regulierten CFD-Zahlen von 70 bis 80 Prozent. Der Grund ist in beiden Fällen derselbe, und er liegt nicht am Wissen, sondern am Kopf. Der schnelle Takt verführt zu Overtrading und zu Rachetrades nach Verlusten. Wer seine Psyche nicht kontrolliert, verliert. Mehr dazu im Guide zum Trading-Mindset.

Lesetipp: Wie du Scalping risikofrei übst, zeigt unser Guide zum Paper Trading.

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Scalping lernen: Coaches und Ausbildung im DACH-Raum

Scalping kannst du dir selbst beibringen. Schneller geht es oft mit einem erfahrenen Lehrer, der dir die typischen Fehler erspart. Im deutschsprachigen Raum gibt es dafür mehrere Anbieter. Einer der bekanntesten ist Heiko Behrendt.

Heiko Behrendt ist ein deutscher Trading-Coach und Scalping-Spezialist aus Jena, der seit 2001 hauptberuflich die Index-Märkte handelt und über Scalp-Trading.de Trader im kurzfristigen Handel ausbildet.

Behrendt ist ein Quereinsteiger. Vom gelernten Zimmermann zum Vollzeit-Trader, so beschreibt er seinen Weg selbst. Nach eigenen Angaben handelt er seit 2001 selbstständig und konzentriert sich auf DAX und US-Indizes wie Dow Jones und Nasdaq. Ab 2010 betrieb er bei GodmodeTrader den Live-Trading-Room „Highspeed Daytrader”, später kamen Seminare und seine eigene Ausbildung dazu. Heute ist er ein bekanntes Gesicht der Szene und tritt regelmäßig auf Messen und in Webinaren auf.

Scalp-Trading.de ist die Ausbildungs- und Coaching-Plattform von Heiko Behrendt mit persönlichem 1:1-Coaching, dem Online-Videokurs „Grundlagen Scalp-Trading” und kostenlosen täglichen DAX-Analysen.

Das Angebot von Scalp-Trading.de ist dreistufig. Der kostenlose Einstieg ist ein Daytrading-Basiskurs mit fünfzehn Lektionen, ideal zum Reinschnuppern. Wer tiefer einsteigen will, bucht den Videokurs „Grundlagen Scalp-Trading” über einkommenstrading.de mit 128 Lektionen in 14 Modulen und rund 35 Stunden Material. Die dritte Stufe ist ein persönliches 1:1-Coaching. Laut Anbieter sind hier aktuell alle Plätze belegt, der Zugang läuft über eine Warteliste.

Bei den Kosten solltest du genau hinschauen. Der Grundlagenkurs kostet 1.099 Euro, das ist kein Schnäppchen, der Basiskurs ist gratis, und für das Coaching nennt der Anbieter keinen öffentlichen Preis. Den Hinweis „alle Plätze belegt” samt Warteliste solltest du nüchtern sehen, denn Verknappung ist auch ein Verkaufsargument. Als Software setzt Behrendt nach eigenen Angaben auf den StereoTrader, einen Aufsatz für MetaTrader 4 und 5, der das schnelle Ordern erleichtert.

Wie steht es um die Erfahrungen? Die Bewertungsplattform ProvenExpert weist für Scalp-Trading.de zwar 88 gesammelte Bewertungen aus, veröffentlicht ist davon aber nur eine einzige, also rund ein Prozent. Diese eine Bewertung vergibt 5,00 von 5 Sternen und lobt vor allem die Live-Streams. Aussagekraft hat so ein Wert kaum, zumal die Bewertungen vom Anbieter selbst eingeholt werden und nicht neutral gewichtet sind. Auf der eigenen Website schreibt ein Kursteilnehmer, der Kurs sei für ihn der Schlüssel gewesen, seinen Handel in die Gewinnzone zu bringen. Solche Stimmen sind ein gutes Zeichen, ersetzen aber keine eigene Prüfung. Mein ehrlicher Hinweis als Trader: Kein Kurs nimmt dir die Disziplin ab. Auch nach der besten Ausbildung entscheidet dein eigenes Verhalten am Markt.

Heiko Behrendt von Scalp-Trading
Heiko Behrendt bildet über Scalp-Trading.de seit Jahren Trader im Scalping aus.

Heiko Behrendt ist nicht der einzige Anbieter. Eine größere Community rund um Daytrading und Scalping bauen zum Beispiel die TradingFreaks auf, mit regelmäßigen Live-Sessions und aktivem Austausch. Auf kurzfristiges, regelbasiertes DAX-Daytrading setzt zudem TradersClub24 von Carlos Martins mit der bekannten Box-Trading-Methode. Das ist kein reines Scalping, deckt aber den schnellen Index-Handel ab. Einen breiten Überblick über seriöse Anbieter findest du in unserem Vergleich der besten Daytrading-Ausbildungen. Wenn du die Grundlagen lieber zuerst selbst aufbauen willst, hilft dir unser Überblick zum Traden lernen.

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Fazit: Lohnt sich Scalp-Trading?

Lohnt sich Scalp-Trading? Für die meisten Trader nicht, für eine kleine, disziplinierte Minderheit aber durchaus. Scalping ist faszinierend und brutal zugleich, es belohnt Schnelligkeit und bestraft jede Unaufmerksamkeit. Der Stil passt zu Menschen, die volle Konzentration über kurze Zeitfenster halten können und Spaß am Tempo haben. Wer Ruhe braucht oder nur nebenbei traden will, ist mit Swing-Trading oder klassischem Daytrading besser bedient.

Mein Rat nach fast fünf Jahrzehnten am Markt: Unterschätze die Kosten nicht. Spread, Slippage und Kommission entscheiden beim Scalping mehr über dein Ergebnis als die schönste Strategie. Lerne zuerst sauberes Risikomanagement, übe risikofrei, und prüfe ehrlich, ob dieser Stil zu deinem Charakter passt. Eine begleitete Ausbildung wie die von Heiko Behrendt kann den Weg abkürzen, ersetzt aber nie deine eigene Disziplin.

Häufige Fragen zu Scalp-Trading

Was ist ein Scalp Trader?

Ein Scalp Trader handelt sehr kurzfristig und hält Positionen nur Sekunden bis wenige Minuten. Sein Ziel sind viele kleine Gewinne, die in der Summe zählen, bei gleichzeitig eng begrenztem Risiko pro Trade.

Ist Scalping für Anfänger geeignet?

Eher nicht. Scalping verlangt Routine, Disziplin und sekundenschnelle Entscheidungen, die Anfänger meist noch nicht haben. Sinnvoller ist der Start mit ruhigeren Stilen und risikofreiem Üben, bevor du auf den schnellen Handel umsteigst.

Wie viel Startkapital brauche ich fürs Scalping?

Eine feste Untergrenze gibt es nicht, sinnvoll ist aber genug Kapital, um sauberes Risikomanagement zu betreiben. Wichtiger als die Kontogröße ist, dass du am Anfang mit kleinem Risiko handelst und erst skalierst, wenn deine Performance stimmt.

Welcher Zeitrahmen eignet sich fürs Scalping?

Die meisten Scalper handeln auf dem M1-Chart, also dem Minutenchart, manche gehen sogar auf den Tickchart. Höhere Zeitrahmen wie M5 dienen oft nur zur groben Orientierung über die Trendrichtung.

Welche Märkte eignen sich fürs Scalping?

Am besten liquide Märkte mit engem Spread, etwa der DAX, die US-Indizes Dow Jones und Nasdaq oder das Währungspaar EUR/USD. In illiquiden Werten mit breitem Spread frisst allein der Einstieg den Mini-Gewinn.

Wie viel verdient ein Scalper?

Das lässt sich nicht pauschal sagen und hängt von Kapital, Strategie und Disziplin ab. Seriös ist hier nur eine ehrliche Antwort: Die Mehrheit der kurzfristigen Trader verliert Geld, und feste Renditeversprechen sind ein Warnsignal.

Über den Autor

Karsten Kagels ist seit 1978 aktiv als Trader und handelt diskretionär nach der Price Action. Sein Schwerpunkt liegt auf Forex, Indizes, Rohstoffen und Zinsmärkten. Als Plattform nutzt er seit 1996 Interactive Brokers. Über die Jahrzehnte hat er unzählige Handelsstile kommen und gehen sehen, vom langfristigen Positionshandel bis zum schnellen Scalping.

Bekannt wurde Karsten auch als Übersetzer und Herausgeber. Ende der 1980er Jahre übertrug er die Elliott-Wellen-Literatur von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er der deutsche Repräsentant von Joe Ross und übersetzte und veröffentlichte zehn von dessen Tradingbüchern. Diese Arbeit hat sein Verständnis für Markttechnik und kurzfristigen Handel tief geprägt.

Beim Thema Scalping bringt Karsten den Blick des erfahrenen Praktikers ein. Er kennt den Reiz des schnellen Handels ebenso wie seine Tücken und ordnet Ausbildungsangebote nüchtern ein. Sein Anliegen ist es, Tradern eine ehrliche Erwartung zu vermitteln, statt schnelle Gewinne zu versprechen.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer redaktionell geprüft.

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