Risikomanagement: Anleitung zum Überleben als Trader

Risikomanagement: Anleitung zum Überleben als Trader
Bewerte diesen Artikel

Um als Trader erfolgreich zu sein, sind zwei wichtige Punkte zu erfüllen:

Erstens müssen Sie einen Tradingvorteil ausfindig machen.

Zweitens müssen Sie gewährleisten, dass Sie finanziell lang genug überleben können, damit sich dieser Vorteil bewähren kann.

Das zweite Ziel, bei dem es um das Überleben geht, ist als Risikomanagement bekannt.

Als Trader brauchen Sie einen Tradingvorteil. Aber um überhaupt Gewinne erzielen zu können, müssen Sie zunächst Verlustserien (Drawdowns) überstehen. Daher sind beide Ziele gleichermaßen wichtig.

Das Problem dabei ist, dass Trader häufig größeren Wert darauf legen, einen Tradingvorteil zu finden. Die Vernachlässigung des Risikomanagements hat einen sehr hohen Preis.

Diese Anleitung wird die Grundlagen des Risikomanagements abdecken. Wenn Sie sich bemühen, konsequent und planmäßig mit Ihrem Risiko umzugehen, werden Sie gegenüber den meisten Tradern einen entscheidenden Vorteil haben.

Um im Markt zu überleben, müssen Sie Ihr Risiko in zwei wichtigen Bereichen handhaben können: und zwar in finanzieller und in psychologischer Hinsicht.

Finanzielles Risikomanagement

Die Bewältigung des finanziellen Risikos besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil ist mit der Gesundheit Ihrer Finanzen insgesamt verbunden. Der zweite Teil betrifft den Schutz Ihres Tradingkapitals.

Persönliche Finanzplanung

Trading ist ein kapitalintensives Geschäft. Zudem sind die Tradinggewinne nicht garantiert. Selbst bei den besten Tradern werden die Häufigkeit und die Höhe der Tradinggewinne schwanken.

Was bedeutet diese von Natur aus bestehende Unsicherheit?

Es bedeutet, dass Sie eine vernünftige Finanzplanung für sich selbst (und Ihre Angehörigen) durchführen müssen. Wenn Sie das unterlassen, werden Sie finanziellen und psychischen Stress erleben, was sich auf Ihr Trading auswirken wird.

Viele unerfahrene Trader meinen, dass sie nur sich nur genügend Kapital zusammen sparen müssen, um ein Tradingkonto zu eröffnen und anzufangen. Das trifft nicht zu.

Um als Trader zu überleben, müssen Sie Ihr finanzielles Wohlergehen insgesamt in Betracht ziehen.

Dies sind die Hauptpunkte, die Sie durcharbeiten müssen:

  • Reduzieren Sie Ihre Ausgaben
  • Vergrößern Sie Ihre Ersparnisse
  • Machen Sie weitere Einnahmequellen ausfindig

Setzen Sie diese drei Punkte mit dem folgenden Ziel um: die Abhängigkeit von Ihren Tradinggewinnen zu reduzieren. Je weniger Sie sich auf Ihre Trading-Gewinne verlassen, desto besser können Sie sich darauf konzentrieren, gut zu traden.

Wenn Sie ein Buch suchen, das Sie für Ihren persönlichen Finanzplan inspirieren kann, empfehle ich Ihnen das folgende Buch. Es gründet auf der Idee, das grundlegende persönliche Finanzwissen auf eine Kartei zu komprimieren: The Index Card

Denken Sie immer daran, dass SIE der Trader sind. Ihr Finanzplan ist von entscheidender Bedeutung, um Ihr Überleben zu sichern. Es spielt keine Rolle, ob Sie innerhalb oder außerhalb des Marktes in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Wenn Sie in finanzielle Schwierigkeiten kommen, wird Ihre Tradinglaufbahn von kurzer Dauer sein.

Das Pleiterisiko des Tradingkontos vermeiden

Entscheidend für den Schutz Ihres Tradingkontos ist die Begrenzung der Verluste.

Einige Trader glauben, dass Verluststopps allein ihr Tradingkonto schützen werden. Andere Trader wiederum halten nichts von Stop Loss Aufträgen. Aber über was wir hier sprechen, sind nicht Verluststopps.

Während das Platzieren von Verluststopps optional sein kann, ist es das Begrenzen Ihrer Verluste nicht. Wenn Sie sich selbst der Möglichkeit von unbegrenzten Verlusten aussetzen, ist Ihr Überleben in Gefahr. Damit riskieren Sie nämlich die Vernichtung Ihres Tradingkontos.

Es gibt viele Möglichkeiten, Ihre Verluste zu begrenzen. Wir werden nun jede einzelne Methode näher betrachten.

Diese Methoden schließen einander nicht aus, so dass Sie diese miteinander kombinieren können, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

1. Begrenzen Sie Ihre Positionsgröße

Die Postionsgrößenbestimmung ist die einfachste Methode, um Ihre Verluste zu begrenzen. Ceteris paribus (das heißt unter sonst gleichen Bedingungen): Je größer Ihre Positionen sind, desto mehr können Sie verlieren.

Die Positionsbestimmung ist die effizienteste Methode, Ihre Verluste zu begrenzen, so dass Sie Verlustserien in Ihrer Strategie überstehen können.

2 % Ihres Tradingkontos zu riskieren, wird häufig als Faustregel bezeichnet. Es ist jedoch besser, ein Modell zur Positionsgröße von Ihrer erwarteten Performance abzuleiten. (Siehe Monte Carlo Simulation)

2. Verwenden Sie eine Stop-Loss-Order

Für einen technischen Trader ist eine Stop Loss Order ein wirkungsvolles Instrument des Risikomanagements. Um logische Verluststopps festzulegen, können Sie Kursformationen und Unterstützungs-/Widerstandsebenen nutzen.

Mit einem Stop-loss können Sie herausfinden, wie viel Sie bei einer bestimmten Positionsgröße verlieren können. Nutzen Sie diesen zusammen mit Ihrem Modell für die Positionsgröße, und Sie werden eine größere Überlebenschance haben.

Allerdings gibt es einen wichtigen Vorbehalt, den viele Trader übersehen: Verluststopps sind nicht garantiert.

Trader, die mit dem Zeitrahmen des Tageschart arbeiten, können Kurslücken erleben, die über den Stop-loss hinausgehen. In diesem Fall können sie unerwartet große Verluste erleiden.

Selbst Daytradern kann es passieren, dass ihre Stop-Order aufgrund geringer Liquidität eine beträchliche Slippage verursacht.

Unter diesen Umständen wird Ihr Verlust ausschließlich durch die Positionsgröße eingeschränkt. (Aus diesem Grund ist die Positionsbestimmung so wichtig.)

Es ist wahr, dass Verluststopps nicht perfekt sind. Dennoch sind sie ein leistungsfähiges und nützliches Instrument, damit Sie in den meisten Fällen Ihr Risiko in den Griff bekommen können.

3. Versichern Sie sich mit Optionen aus dem Geld

Hier geht es darum, Ihre Position abzusichern und zwar mit billigen Optionen aus dem Geld (OTM = out of the money). Diese billigen OTM-Optionen werden höchstwahrscheinlich wertlos verfallen. Aber diese Optionen werden Sie gegenüber katastrophalen Kursbewegungen schützen.

Sie können beispielsweise OTM-Put-Optionen kaufen, um eine Longposition gegen einen Kurssturz abzusichern. Wenn es zum Kurssturz kommt, werden Sie mit Ihrer Aktienposition Geld verlieren. Aber gleichzeitig werden Ihre Put-Optionen im Wert steigen, so dass Sie Ihren Verlust aufgrund Ihrer Aktienposition ausgleichen können.

Im Grunde schafft diese Methode eine Spread-Position. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, ist das folgende Buch von Michael Sincere das Richtige für Sie.

4. Arbeiten Sie mit Optionspositionen

Ich bevorzuge diese Methode bei Swingtrades und bei Positionen, die ich über Nacht halte. Anstatt das zugrundeliegende Basisinstrument zu kaufen, also die jeweiligen Aktien, entscheide ich mich für Call-Optionen tief im Geld (ITM = in the money) mit einem hohen intrinsischen Wert. Bei Shortpositionen verwende ich Put-Optionen.

Die Vorteile von Long-Optionspositionen sind:

  • Der mögliche Verlust ist auf den Wert der Optionen begrenzt.
  • Das Risiko von Kurslücken wird dadurch abgeschwächt.
  • Zick-Zack-Kursbewegungen überstehen (weil die traditionelle Stop-loss-Order hier nicht genutzt wird)

Natürlich hat auch dieser Ansatz seine Herausforderungen. Im Gegensatz zu Aktien können Optionen verfallen. Daher ist es erforderlich, dass sich der Markt in die für Sie günstige Richtung bewegt, bevor die Optionen verfallen. Zudem ist es erforderlich, aktiv mit diesen Positionen umzugehen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

Klicken Sie hier, um mehr über die Verwendung von tiefen ITM-Optionen anstatt Aktienpositionen zu lesen.

Warnhinweis: Nackte Optionen verkaufen

Nackte (ungedeckte) Optionen zu verkaufen, setzt Sie unbegrenzten Verlusten aus. Normalerweise können Sie zwar meistens kleine Gewinne erzielen, aber ein einziger schlechter Trade kann Ihr Tradingkonto völlig vernichten.

Es gibt zwar Möglichkeiten, dieses Risiko in den Griff zu bekommen, aber diese sind auch nicht absolut sicher.

Klicken Sie hier, um mehr über die Gefahren des Verkaufs von nackten Optionen zu lernen.

Psychologisches Risikomanagement

Um als Trader zu überleben, brauchen Sie mehr als Ihr Finanzkapital. Sie müssen auch Ihr psychologisches Kapital schützen.

Psychologisches Kapital ist ein weiter Begriff, der sich auf Ihre Willenskraft und Ihre feste Überzeugung bezieht, auf disziplinierte Weise zu traden.

Psychologisches Kapital für Trader

Begrenzen Sie die Anzahl der Trades, die Sie eingehen

Damit meine ich die Beschränkung der Anzahl von Trades, die Sie innerhalb eines bestimmen Zeitraums eingehen (zum Beispiel drei Trades pro Tag).

Einige Trader glauben, dass sie sich durch die Festlegung einer Obergrenze für die Trades, die sie eingehen, eine Art Kapitalschutz schaffen. Andere wiederum betrachten die Begrenzung Ihrer möglichen Gewinne als Schutzfunktion. Daher hängt es davon ab, in welchem Lager Sie sich befinden, ob Sie die Anzahl Ihrer Trades reduzieren wollen oder nicht.

Aber dieser Gedankengang bzw. diese Denkrichtung verschleiert den wahren Zweck für die Begrenzung von Trades.

Die tatsächliche Bedeutung, die der Begrenzung der Trades, die Sie eingehen, zukommt, ist psychologischer Art. Willenskraft ist eine beschränkte Hilfsquelle. Jeden Trade einzugehen, der sich bietet, erfordert ernsthafte Analyse, Konzentration und Disziplin.

Die Anzahl der Trades einzuschränken, gewährleistet, dass Sie nur die besten Trades eingehen und zwar mit optimalem Einsatz. Diese Sicherung ist insbesondere nach aufeinanderfolgenden Gewinnen oder Verlusten von Bedeutung. Sonst könnte sich eine Haltung von Selbstüberschätzung oder Vergeltung durchsetzen, so dass alles aus dem Ruder läuft.

Angenommen, Sie verfügen über ein vernünftiges Modell der Positionsgrößenbestimmung. In diesem Fall ist es wahrscheinlicher, dass Sie Ihr psychologisches Kapital zuerst aufzehren. Sie neigen dann eher zu geistiger Erschöpfung, bevor Ihr Tradingkonto in Gefahr gerät, vernichtet zu werden.

Deshalb besteht das eigentliche Ziel in der Begrenzung der von Ihnen gemachten Trades darin, Ihre Psyche zu schützen (und damit indirekt Ihr Tradingkapital).

Beachten Sie, dass das oben Gesagte vor allem auf diskretionäre Trader zutrifft, die in eigener Regie handeln. Für Systemtrader hingegen ist anstelle der Begrenzung der Anzahl von Trades die Überwachung ihres Tradingsystems das wichtigere Ziel.

Konzentrieren Sie sich auf das Richtige (nicht auf die Performance)

Ihre Tradingergebnisse über einen bestimmten Zeitraum sind eine Funktion Ihrer Strategie und der Price Action des Marktes.

Da Sie den Markt nicht kontrollieren können, können Sie auch nicht Ihrr Tradingergebnisse kurzfristig beherrschen.

Daher ist die Ausrichtung auf einen bestimmten Gewinn pro Tag nicht haltbar. Wenn Sie dies trotzdem tun, lassen Sie den Markt völlig außer Acht. Wenn Sie also Ihre vorgegebene Gewinnschwelle erreichen wollen, ist es nur eine Frage der Zeit, dass Sie mit dem Overtrading beginnen werden. Das bedeutet Unheil.

Folglich sollten Sie sich darauf ausrichten, dem richtigen Prozess zu folgen, indem Sie Ihre Strategie durchführen. Konzentrieren Sie sich auf die Gründe, warum Sie einen Trade jeweils eingegangen sind und nicht auf dessen Ergebnis.

Wenn Sie einen Tradingvorteil haben, ist dies der beste Ansatz, als Trader am Leben zu bleiben, bis sich Gewinne einstellen.

Schlussbemerkung

Bekommen Sie Ihr finanzielles Risiko in den Griff:

  1. Eignen Sie sich gute persönliche finanzielle Gewohnheiten für eine zukunftsfähige Tradinglaufbahn an.
  2. Begrenzen Sie Ihre Verluste, um Ihr Tradingkonto zu schützen und dessen Vernichtung zu vermeiden.

Kommen Sie mit Ihrem psychologischen Risiko zurecht:

  1. Schränken Sie die Anzahl der Trades ein, die Sie eingehen, um schlechte Tradingentscheidungen zu vermeiden.
  2. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Tradingprozess und nicht auf die Ergebnisse, um im Geschäft zu bleiben.

Zur Erinnerung: Um als Trader erfolgreich zu sein, ist folgendes erforderlich:

  1. Machen Sie einen Tradingvorteil ausfindig.
  2. Halten Sie sich so lange als Trader am Leben, bis sich Ihr Tradingvorteil bewährt hat.

Diese Anleitung hat zum Ziel, Ihnen beim zweiten Ziel behilflich zu sein: Lange genug finanziell zu überleben, bis Sie von Ihrem Tradingvorteil profitieren können. Das Risikomanagement selbst bietet keinen Tradingvorteil.

Da das Risikomanagement nicht direkt mit einem Tradingvorteil verbunden ist, erscheint es häufig für Trader nicht gerade interessant, aber bedenken Sie folgendes:

Gehen Sie davon aus, dass Sie einen Tradingvorteil haben – eine Strategie, die eine positive Erwartung vorweist.

Wollen Sie Ihren Tradingvorteil vergeuden und vertun, indem Sie pleite gehen? Oder wollen Sie das Beste aus Ihrem Tradingvorteil machen, indem Sie so lange wie möglich im Geschäft bleiben?

Für Trader, die wissen, wie man tradet, ist das Überleben das einzige, worauf es ankommt.

Das ist der Grund, warum ich ein ganzes Kapitel in meinem Tradingkurs über eine risikobasierte Tradingmethode geschrieben habe. Darin werden die finanziellen, psychologischen und operativen Risiken und ihre Beziehungen zueinander diskutiert. Klicken Sie hier, um mehr über den Kurs zu erfahren.

>>Zurück zum Anfang des Artikels Risikomanagement: Anleitung zum Überleben als Trader

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: Trader’s Survival Guide: A Primer on Risk Management

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

Klicke hier, um einen Kommentar zu hinterlassen 0 Kommentare

Hinterlassen Sie eine Antwort