Erfolgreich Traden: Wie Sie Margin Calls vermeiden und profitabel handeln

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Autor:

Karl-Heinz Ramer

Aktualisiert:

Lesezeit: 27

Margin Call Bedeutung – das Wichtigste vorweg

  • Ein Margin Call ist die Aufforderung des Brokers an einen Trader, Maßnahmen zur Sicherung seiner offenen Positionen zu ergreifen.
  • Der Margin Call bedeutet, dass das vorhandene Kapital auf dem Handelskonto des Traders nicht mehr ausreicht, um die erforderliche Mindesteinlage zur Aufrechterhaltung seiner offenen Positionen zu decken.
  • Diese Mindesteinlage – die sog. “Maintenance Margin” – wird in ihrer Höhe von der Börse (bei börsengehandelten Finanzprodukten) oder – bei außerbörslich gehandelten Produkten wie z.B. CFDs – vom Broker selbst festgesetzt.
  • Die von der Börse festgelegte Maintenance Margin kann vom Broker erhöht werden, um sein zusätzliches eigenes Geschäftsrisiko abzudecken.
  • Unterschreitet das Kapital auf dem Handelskonto diese Maintenance Margin, kann der Broker die Positionen des Trader liquidieren (glattstellen), bis eine erneute Deckung der Margin gegeben ist.
  • Der Trader kann vor der Liquidation durch den Broker Kapital nachschießen oder seine Positionen reduzieren, um eine erneute Deckung der Margin zu erreichen.
  • Der Broker ist nicht verpflichtet, den Trader vor der Liquidation von Positionen zu informieren- Daher ist eine permanente Kontrolle der Kapitalsituation auf seinem Handelskonto durch den Trader selbst notwendig.
  • Durch ein robustes Risiko- und Kapitalmanagement kann der Trader die Gefahr eines Margin Calls von vornherein minimieren

Schon allein das Wort “Margin Call” wirkt auf viele Trader wie eine Bombendrohung. “Wie konnte das passieren?”, “Was ist da schiefgelaufen?”, “Wie soll es jetzt weitergehen?” sind für gewöhnlich die ersten Reaktionen und Fragen, die aufkeimen.

Dabei hätte in den meisten Fällen diese unliebsame Mail oder der erschreckende Hinweis in der Trading-Software verhindert werden können (Margin Calls erfolgen – entgegen ihrem Namen – selten mit Hilfe des Telefons)!

WIE? – das will ich Ihnen in diesem Artikel zeigen.

Zu Beginn schauen wir uns an, was das überhaupt ist, ein “Margin Call”, und was Sie in diesem Zusammenhang über die Margin wissen müssen. Wir betrachten anhand der jeweiligen Geschäftsbedingungen und Risikohinweise, wie verschiedene Broker einen Margin Call handhaben und schließlich sprechen wir darüber, was zu tun ist, um diesen Schocker für Sie selbst und Ihr Handelskonto so weit wie möglich zu verhindern.

Was ist ein “Margin Call”?

Beim Margin Call im Trading fordert ein Broker den Trader auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die für den Handel geforderte Mindestmargin aufrecht zu erhalten. Die Margin ist der Anteil des Auftragswertes, den der Trader als Eigenkapital aufbringen muss, um eine Position zu eröffnen oder zu halten. Der Trader kann nun entweder zusätzliches Kapital in Form von Bargeld oder Wertpapieren auf sein Konto einzahlen oder seine Handelspositionen reduzieren bzw. schließen.

Ein Margin Call wird auch oft als “Nachschuss- Forderung” bezeichnet. Allerdings ist durch eine “Allgemeinverfügung” der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) diese “Nachschusspflicht” mittlerweile untersagt (von dieser Allgemeinverfügung wird in der Folge noch öfter die Rede sein.).

Zum Margin Call kommt es, wenn das Eigenkapital oder der Wert des Kontos unter einen bestimmten Wert absinkt, der erforderlich ist, um die aktiven Positionen geöffnet zu halten. Dieser Wert, Maintenance Margin genannt, legt der Broker nach bestimmten Kriterien fest. Unterschreitet das Kapital auf dem Handelskonto des Traders diese Schwelle, wird er “auf Margin Call gesetzt” und entsprechende Maßnahmen erfolgen.

Ein Margin Call kann erhebliche Auswirkungen auf einen Trader haben. Zunächst einmal steht er eventuell vor der Herausforderung, zusätzliches Kapital bereitzustellen, um die Marge wiederherzustellen. Wenn dies nicht gelingt, wird der Broker Positionen des Traders schließen, um Verluste zu begrenzen. Dies kann dann zu weiteren finanziellen Verlusten führen und das Trading-Konto des Traders noch mehr gefährden.

Der häufigste Grund liegt bei Verlusten in den Positionen des Traders. Die Aufforderung soll sicherstellen, dass er in der Lage ist, seine Verluste zu decken und den Handel fortzusetzen, ohne dass die Positionen liquidiert werden.

In der Regel hat jeder Broker spezifische Regeln und Mindestanforderungen für Margins, und es ist wichtig, diese zu kennen und zu beachten, um Margin Calls zu vermeiden.

Margin Call? Symbolbild-Trader betrachtet Kursverlauf mit deutlichem Downtrend
Abwärtstrend im Kursverlauf – kommt jetzt der Margin Call?

Droht der Margin Call bei jedem Geschäft an der Börse?

Nein. Ein Margin Call droht ausschließlich beim Handel mit sog. “gehebelten Produkten“. Das sind klassischerweise Futures und CFDs (Contracts for Difference, dt. Differenzkontrakte). Wenn Sie mehr über den Handel mit Futures bzw. CFDs erfahren wollen, sollten Sie im Anschluss unsere beiden Artikel Was sind Futures und wie werden Sie gehandelt? und CFD-Handel & CFD-Trading erklärt: der komplette Guide lesen.

Der langfristig orientierte Investor mit einem Depot aus Aktien und Fonds wird sich mit diesem Thema nicht auseinandersetzen müssen, sofern er diese am Spot-Markt erworben hat. (Am Spot-Markt werden nur Vermögenswerte gehandelt, die ein Trader tatsächlich besitzt, also Aktie gegen vollständige Bezahlung. Es findet kein Handel mit Hebel oder auf Margin statt.)

Broker bieten aber auch an, Aktien, Anleihen oder ETFs (Exchange Traded Funds, also Börsengehandelte Fonds) “on margin” – auf Marge – zu handeln. Dabei stellt der Trader einen bestimmten Prozentsatz des Nominalwerts einer Position aus eigenen Mitteln zur Verfügung. Den Restbetrag leiht der Broker (wofür er Gebühren und Zinsen berechnet).

Das Damoklesschwert des Margin Calls schwebt also über tatsächlich über jeden Trader, der sich im Marginhandel betätigt.

Gehen wir näher auf den Begriff Margin und Marginhandel ein.

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Was ist die “Margin” und was bedeutet “Trading on Margin”?

Was ist die “Margin”?

Die Margin ist der Mindestbetrag, den ein Trader auf seinem Handelskonto benötigt, um eine neue Position zu eröffnen und zu halten. Es handelt sich um einen Prozentsatz des Gesamtbetrags, den Sie für den Kauf eines Futures oder Aktienpakets aufbringen müssten.

Ein Beispiel aus dem Futures-Handel:

Ein Kontrakt eines WTI-Crude-Oil Futures (CL) beläuft sich auf eine Menge von 1.000 Barrel des Rohstoffs. Am 22.10.2023 wurde in New York (NYMEX) ein Barrel des Rohstoffs mit 88,17US$ gehandelt.

Der Kauf eines Kontrakts würde also den Betrag von 88.170$ erfordern.

In der Praxis – siehe Abbildung 1 – erfordert die Eröffnung einer Position im Crude-Oil (zu diesem Zeitpunkt und bei diesem Broker!) jedoch nur 17.550$, die sog. “Initial Margin” oder “Ersteinschuss. Dieser Betrag muss auf Ihrem Handelskonto verfügbar sein, bevor Sie den Trade eingehen können.

Abbildung 1 zeigt die Orderbestätigung für diesen Kauf eines Kontrakts des CL-Futures bei Interactive Brokers:

Orderbestaetigung in der Trader Workstation bei InteractiveBrokers
Abb.1: Orderbestätigung in der ‘Trader Workstation (TWS)’ von Interactive Brokers für den Kauf eines Kontrakts im Crude-Oil Future CL. – eigener Screenshot

Die unterschiedliche Bedeutung der Margin

Margin ist aber nicht immer gleich Margin. Zwar ist es immer ein Betrag, den Sie auf Ihrem Konto zur Abwicklung eines Handelsgeschäfts Verfügung stellen müssen.

Die eigentliche Bedeutung der Margin selbst variiert jedoch von Finanzprodukt zu Finanzprodukt.

  • Beim Handel mit Futures bezieht sich die Margin auf die Sicherheitsleistung, die ein Trader beim Broker hinterlegen muss, um eine Position zu eröffnen und aufrechtzuerhalten.
  • Auch beim Handel mit CFDs hinterlegt der Trader eine Margin. Hier bezieht sie sich jedoch auf den Hebel, mit dem ein Produkt gehandelt wird.
    CFDs sind wie Futures “Derivate“, d.h. ihr Preis wird vom Kurs eines zugrunde liegenden Produkts (sog. “Underlying) abgeleitet. Dieses zugrunde liegende Produkt kann z.B. ein Rohstoff, eine Aktie oder auch ein Währungspaar sein (es gibt nahezu kein Finanzprodukt, das nicht auch über einen CFD handelbar wäre).
    Der CFD-Trader zahlt einen bestimmten Prozentsatz des Nominalwerts dieses Underlyings. Bei Indizes, z.B. dem DAX40, beträgt dieser Prozentsatz 5%, ein CFD auf den DAX wird also mit einem Hebel von 1:20 gehandelt (der Hebel lässt sich berechnen mit Hebel = 100% / Margin%).
    Die folgende Tabelle listet die Marginsätze und entsprechenden Hebel der verschiedenen Assetklassen bei CFDs auf:
Marginsaetze in Prozent und Hebel bei CFDs
Tabelle 1: Marginsätze [%] und Hebel bei CFDs

Die Margin bei CFDs ist niedriger als bei Futures, und sie beträgt nur einen – teils relativ kleinen – Prozentsatz des eigentlichen Preises der einzelnen Produkte. Daher können Trader bereits mit einem kleinen Kapitaleinsatz handeln. (Dieser Umstand führt allerdings zu Gefahren, zum Beispiel zur Eröffnung viel zu großer Positionen. Im oben verlinkten Artikel zu CFDs wird das ausführlich besprochen.)

  • Eine dritte Bedeutung hat die Margin im Handel mit Aktien und Wertpapieren. Beim Handel mit Wertpapieren auf Margin “leiht” sich der Trader in der Regel Geld von seinem Broker, um Aktien oder Fonds zu kaufen. Diese Margin wird auch “Securities Margin” (Wertpapier-Margin) genannt. Üblicherweise beläuft sich die Margin in solchen Fällen auf 50%, das heißt, der Händler stellt die Hälfte des Kapitals und leiht sich die andere Hälfte vom Broker.

Ein Beispiel mit Zahlen:

Ein Trader, der 5.000$ auf sein Konto eingezahlt hat, kann sich bis zu 5.000$ leihen und damit insgesamt Aktien im Wert von 10.000$ kaufen.

Wenn der Kurswert der Aktie um 10 % steigt, erzielt der Händler einen Gewinn von 1.000$. Er schließt seine Position muss jetzt die 5.000$ plus Kreditkosten zurückzahlen, wobei er effektiv 20 % Gewinn erzielt hat (5.000$ * 20 % = 1.000$).

Umgekehrt muss der Händler bei einem Verlust von 10 % immer noch die vollen 5.000$ an den Broker zurückzahlen, wobei er einen Verlust von 1.000$, entsprechend 20 % ( bezogen auf seine auf 5.000$), erleidet.

Obwohl es sich um ähnliche Begriffe handelt, dienen Margin beim Futures-, Wertpapier- und CFD-Handel also verschiedenen Zwecken:

  • Bei Futures geht es in erster Linie um die Sicherheitsleistung des Traders bei Positionseröffnung. Diese Margin heißt auch “Commodities Margin” (Rohstoff-Margin).
  • Bei CFDs steht der durch die Margin bedingte Hebel im Vordergrund.
  • Im Wertpapierhandel bezeichnet der Begriff den Eigenkapitalanteil des Traders, der dem geliehenen Prozentsatz des Wertpapier-Preises gegenüber steht.

“Trading on margin” ist “Handel auf Pump”

Das Konzept des Marginhandels ermöglicht es Anlegern, ihre Investitionen zu hebeln und potenziell höhere Renditen zu erzielen (allerdings bei gleichzeitig höherem Risiko!).

Es handelt es sich im Grund um eine Anlageform, bei der ein Trader nur einen Prozentsatz des Nominalwerts des Finanzprodukts aus seinem Eigenkapital finanziert. Der Broker “leiht” ihm den Restbetrag und schließt das Geschäft ab.

Ein großer Vorteil besteht darin, dass Trading on margin Anlegern die Möglichkeit bietet, höhere Renditen zu erzielen, als es Trader mit ihren eigenen Mitteln könnten. Wenn die mit geliehenen Mitteln gekauften Wertpapiere im Wert steigen, profitiert der Anleger von deutlich höheren Kapitalgewinnen. Außerdem ermöglicht es privaten (Retail-) Tradern, an Märkten aktiv zu werden, die ihnen schon aufgrund der hohen Kapitalanforderungen verschlossen blieben (Rohstoffmarkt, Indizes).

Mit dem Marginhandel sind jedoch auch Nachteile verbunden, die nicht unterschätzt werden dürfen. Wenn der Wert der mit geliehenen Mitteln gekauften Wertpapiere sinkt, können erhebliche Verluste bis hin zum Totalverlust entstehen.

Wie ist die Margin zu hinterlegen?

Die Margin ist gewissermaßen ein Pfand, das Sie beim Broker hinterlegen. Der Betrag wird auf Ihrem Handelskonto geblockt und wieder freigegeben, wenn Sie die Position schließen. Im Verlustfall dient sie dem Ausgleich des Verlusts.

Die einfachste und häufigste Methode ist die Hinterlegung von Bargeld auf dem Handelskonto. Es gibt jedoch noch andere Arten von Kapitalmitteln, die als Margin eingesetzt werden können:

  • Aktien und Wertpapiere: Üblicherweise können auch Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen als Margin eingesetzt werden. Der Wert dieser Wertpapiere wird dann zur Berechnung der Margin herangezogen.
  • Kryptowährungen: In einigen Kryptowährungs-Handelsplattformen können Trader Kryptowährungen als Margin hinterlegen, um Kryptos oder Krypto-Derivate wie Bitcoin-Futures zu handeln.
  • Andere Handelsinstrumente: Manche Broker akzeptieren auch andere Handelsinstrumente als Margin. Das können Rohstoffe, Devisen oder andere Finanzprodukte sein.

Die Margin kann also nicht nur als Barmittel sondern aiuch in Form von Sachwerten hinterlegt werden.

Welche unterschiedliche Arten von Margins gibt es?

Im Marginhandel unterscheidet man zwei Arten der Margin:

  • Initial Margin oder Ersteinschuss: Dies ist der Betrag, den ein Trader benötigt, um eine Position zu eröffnen. Er dient als Nachweis für den Broker und soll sicherstellen, dass der Trader in der Lage ist, eventuelle Verluste zu decken.
    Die Höhe des Ersteinschuss wird vor der Ausführung eines Auftrags durch den Broker angezeigt (vgl. Abb.1). Falls zum Zeitpunkt der Auftragserteilung kein ausreichendes Guthaben verfügbar ist, wird der Auftrag überhaupt nicht ausgeführt.
  • Maintenance Margin oder Mindesteinschuss:Dies ist der Mindestbetrag an Kapital, der nach erfolgter Positionseröffnung auf dem Handelskonto verbleiben muss, um die Position offen zu halten.
    Die Maintenance Margin ist der bestimmende Wert für den Margin Call. Wenn der Kontostand unter diese Marke fällt, tritt der Fall des Margin Call ein.Die Höhe dieser Margin kann bis zu 90% der Initial Margin betragen. Im CFD-Handel wird keine Maintenance Margin festgelegt.
    Eine CFD-Position wird geschlossen, wenn die Kapitaldeckung auf unter 50% der Initial Margin absinkt. (Dieser Wert wurde durch die Allgemeinverfügung der Bafin vereinheitlicht, nachdem vorher Broker Prozentsätze zwischen 15% bis 50% angesetzt hatten.)

In Abbildung 2 sehen Sie die Gegenüberstellung der Margin-Anforderungen der Börse (CBT/CME Group), dem Broker WH Selfinvest und von barchart.com. Gehandelt werden soll ein E-mini Future auf den Index Dow Jones Industrial Average.

Gegenüberstelliung der Margin-Anforderung Dow Jones E-mini Future; an der Börse CBT, bei WH Selfinvest, und barchart.com
Abb.2: Margin-Anforderung Dow Jones Ind. Avg. E-mini Future; oben die Börse CBT, mitte WH Selfinvest, unten barchart.com — eigene Screenshots, bearbeitet

Anmerkung zu WH Selfinvest: die Margin ist notiert in €, die Bezeichnungen Intraday und Overnight sind teils vergleichbar mit den angesprochen Begriffen Initial und Maintenance Margin. Die Intraday Margin entspricht der Initial Margin; die Overnight Margin wird fällig, wenn der Trader die Position “über Nacht” hält anstatt sie vor Handelsschluss glattzustellen.

Auffällig ist die geringe Margin-Anforderung Intraday bei WHS, die vor allem Daytradern entgegenkommt.

Wer bestimmt die Margin-Höhe? Nach welchen Kriterien?

Bei dieser Frage ist entscheidend, wer das jeweilige Finanzprodukt anbietet. Bei börsengehandelten Assets wie Futures oder ETFs wird die Höhe der Maintenance Margin von der jeweiligen Börse festgelegt. Die Initial Margin legt der Broker fest.

Die Maintenance Margin ist in diesem Fall eine Mindestanforderung. Die Margin-Anforderung des Brokers liegt in der Regel darüber, um seine eigenen Risiken abzudecken.

Anders sieht es bei nicht börsengehandelten Produkten wie z.B. CFDs oder Forex aus. Diese Assets werden “Over-The-Counter” (“OTC”), also außerbörslich gehandelt. Hier legt der Broker die Margin in eigener Regie fest.

Bei CFDs muss er sich dabei an gesetzlichen Vorgaben orientieren, die von der BaFin in ihrer Allgemeinverfügung vom 23.07.2019 festgelegt wurden (siehe Link in den Quellenangaben). Die dort festgelegten Mindestanforderungen für die Initial Margin bei CFDs (bzw. die maximal zulässigen Hebel) können Sie der Tabelle 1 entnehmen.

Welche Kriterien sind maßgeblich für die Margin-Höhe?

Die Margin soll das Verlustrisiko abdecken, dem ein Trader über einen bestimmten Zeitraum (in der Regel an einem Handelstag) ausgesetzt ist. Zur Ermittlung dieses Risikos bedient sich die CME der SPAN-Methode (Standard Portfolio Analysis of Risk), die quasi einen Industrie-Standard zur Risikobewertung im Finanzhandel darstellt.

Sie bewertet das Gesamtportfoliorisiko durch die Berechnung der Gewinne und Verluste, die das Portfolio unter verschiedenen Marktbedingungen erleiden könnte.

Dazu werden verschiedene Risikoszenarien betrachtet und der Verlust ermittelt, den ein bestimmter Kontrakt erleiden kann.

Wichtige Parameter dabei sind:

  • die maximale Preisbewegung, die für das zugrunde liegende Instrument auftreten kann,
  • die maximal mögliche Veränderung der Volatilität,
  • Parameter der Inter-Commodity-Spreads (Risikoausgleich zwischen verwandten Produkten)
  • Parameter der Intra-Commodity-Spreads (Risikobewertung bei Portfolios gleichartiger Produkte)
  • Parameter für das Lieferrisiko bei physisch lieferbaren Produkten, wenn sie sich ihrem Liefertermin nähern
    (https://www.cmegroup.com/clearing/risk-management/span-overview.html)

Welchen Gefahren sind Sie bezüglich der Margin-Höhe ausgesetzt?

Die Höhe der Magin ist kein fixer Betrag, der, einmal festgesetzt, sich nicht mehr ändern kann. Besonders in sehr volatilen Märkten mit extremen Kursspannen findet eine kontinuierliche Anpassung der Margin statt.

Die angepasste und dann eventuell erhöhte Margin ist aber auch für Ihre offenen Positionen bindend. So kann es passieren, dass sie die Margin- Anforderung nicht mehr erfüllen können und Ihr Broker Sie mit einem Margin Call oder sogar mit der sofortigen Liquidation offener Positionen “überrascht”.

So steht z.B. in den Risikohinweisen bei Captrader (ein Reseller von Interactive Brokers/IB):

”… IB kann ihre eigenen Maintenance Margin-Anforderungen jederzeit erhöhen und ist nicht verpflichtet, Sie darüber im Voraus schriftlich zu informieren. Derartige Änderungen treten häufig mit sofortiger Wirkung in Kraft. Sollten Sie im Falle einer Margin-Erhöhung keine ausreichenden Mittel auf Ihrem Depot zur Verfügung haben, wird dies dazu führen, dass IB Securities oder Futures-Kontrakte in Ihrem Depot/Ihren Depots glattstellt …”

(https://www.captrader.com/wp-content/uploads/2021/11/CapTrader_Risikohinweise.pdf)

Lesetipp: Was ist Margin-Trading

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Die Risiken im Marginhandel

Trotz der Vorteile, die der Marginhandel bietet dürfen die Risiken, die vor allem den Neuling an den Märkten zu Fall bringen können, nicht hintan gestellt werden.

Lassen Sie mich diese kurz zusammenfassen:

  • Bei dieser Art des Handels können Trader Positionen eröffnen, die weitaus umfangreicher sind, als es ihr Kapital bei einem Konto ohne Margin erlauben würde. Diese Situation vergrößert nicht nur die potenziellen Gewinne, sondern auch die Verluste, was den Marginhandel besonders für unerfahrene Händler zu einem riskanten Unterfangen macht.
  • Eine ungünstige Marktbewegung kann schnell zu erheblichen Verlusten führen, die die ursprüngliche Investition und die vom Trader hinterlegten Sicherheiten übersteigen können. Daher ist die Risikokontrolle durch den Einsatz angemessener Stop-Loss-Aufträge unerlässlich, um eine finanzielle Katastrophe zu verhindern. Allerdings muss Ihnen bewusst sein, dass selbst ein garantierter Stopp-Loss keine absolute Sicherheit bieten kann. Auftretende Kurslücken oder auch panische Marktreaktionen können dazu führen, dass Ihre Position wesentlich schlechter geschlossen wird, als geplant.
  • Die zweite Risikokategorie, die mit dem Handel auf Margin verbunden ist, ist eher psychologisch als finanziell. Die höhere Hebelwirkung kann eine emotionale Belastung für Trader darstellen. Selbstüberschätzung und Gier können die Folge auf der einen Seite sein, Angst und Unsicherheit auf der anderen.
    Wenn die Dinge gut laufen, können Trader in einem Anflug der Euphorie ihr Engagement über ein vernünftiges Maß hinaus erhöhen oder sich weigern, profitable Geschäfte vorzeitig zu schließen.
    Umgekehrt, wenn der Kurs gegen sie läuft, verbleiben sie zu lange in der Position, statt den Trade zu beenden und den Verlust zu akzeptieren.
    Für manchen Händler ist der Margin Call dann der Weckruf — aber dann kann es zu spät sein.
Symbolbild-Trader verzweifelt am Kursverlust. Gibt es einen Margin Call?
Trader ist verzweifelt – bekommt er einen Margin Call?

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Was passiert bei einem Margin Call?

Die gefürchtete Nachricht wird Sie ereilen, wenn die Kapitalreserven auf Ihrem Handelskonto die Schwelle der Maintenance Margin (Mindesteinschuss) unterschreiten. Da diese Nachricht meistens automatisch von den Handelssystemen ausgelöst wird, werden Sie sicherlich keinen Anruf am Handy erwarten sondern eine Mail (sofern Sie ein Mailadresse hinterlegt haben) oder einen entsprechenden Hinweis in Ihrer Handels-Software vorfinden.

ABER aufgepasst! Ich zitiere wörtlich aus den AGB von WH Selfinvest:

“Einige Investoren gehen davon aus, dass ihr Broker sie kontaktieren muss, bevor ein Margin Call zum Tragen kommt und Positionen im Konto liquidiert werden. Dies ist nicht der Fall. Die meisten Broker werden versuchen, die Kunden zu kontaktieren, aber sie sind dazu nicht verpflichtet.”

(https://www.whselfinvest.de/docs/LU-02-GTC-DE.pdf)

Ein Broker, sofern er an einer guten Beziehung zu seinen Kunden Interesse hat, kann versuchen, Sie zu erreichen. Doch manchmal gelingt selbst dies nicht:

  • Technische Probleme können eine Kommunikation unmöglich machen.
  • Plötzlich auftretende Ereignisse am Markt können einen so heftigen Kurssturz auslösen, dass eine zeitgerechte Information der Kunden nicht mehr möglich ist. (Suchen Sie zu diesem Punkt doch einmal bei Google mit dem Begriff “flash crash 2010”)
Der "flash crash" am 6. Mai 2010-Kursverlauf des S&P500
Abb.3: Der “Flash Crash” am 06.05.2010 — Grafik: https://www.researchgate.net

Allerdings gibt es auch Broker, die generell keinen Margin Call ausgeben. In den Risikohinweisen von Interactive Brokers/ Captrader steht dazu:

[ … ] geben IB/ CapTrader generell keine Margin Calls aus und IB kann im Falle eines Margin-Defizits in Ihrem Depot sofort Securities oder Futures-Kontrakte glattstellen, ohne Sie darüber zu informieren.

(https://www.captrader.com/wp-content/uploads/2021/11/CapTrader_Risikohinweise.pdf)

Hier sind Sie in vollem Umfang für die Kontrolle Ihrer offenen Positionen selbst verantwortlich.

Die Auswirkungen des Margin Calls

Die unmittelbare Folge eines Margin Calls wird die Liquidierung von Positionen sein. Im günstigsten Fall kann Ihr Broker sie auf die Tatsache hinweisen und Ihnen eine Frist setzen, um einen Kapitalausgleich auf Ihrem Konto vorzunehmen. Im schlimmsten Fall kann er sofort dazu übergehen, Positionen glattzustellen.

Eine Position wird dabei zum Marktpreis (“market”) geschlossen.

Sie haben als Kunde dabei keinen Einfluss darauf, welche Positionen der Broker zuerst liquidiert. Und selbst wenn Ihr Broker Ihnen eine Frist einräumt, Ihr Konto auszugleichen, kann er dennoch nach eigenem Ermessen Positionen glattstellen.

Auch ein Broker, der auf vorherige Information seiner Kunden setzt, kann sich Situationen gegenüber sehen, die eine sofortige Schließung von Positionen erfordert. WH Selfinvest schreibt dazu in seine AGB, sie behalten sich das Recht vor …

Doch trotz einer rechtzeitigen Glattstellung kann es passieren, dass Ihr Konto mit einem negativen Saldo zurückbleibt.

Die genauen Bedingungen können von Broker zu Broker unterschiedlich sein. Daher ist es wichtig, die Geschäftsbedingungen, Risikohinweise und Vereinbarungen des jeweiligen Brokers zu überprüfen, um die genauen Verpflichtungen im Falle eines negativen Saldos auf dem Marginkonto zu verstehen.

Wie reagieren Sie also auf den Margin Call?

Sollten Sie wirklich einen Margin Call mit einer Fristsetzung erhalten haben, müssen Sie reagieren! Und zwar schnell. Sie haben zwei Alternativen:

  • Sie können ihrem Konto weiteres Kapital hinzufügen.
  • Sie können Positionen schließen oder reduzieren.

Die zweite Option erscheint in vielen Fällen die sinnvollere zu sein. Analysieren Sie, welche Assets und Positionen für den Verlust oder die Verluste verantwortlich sind und warum. Analysieren Sie deren weiteren Aussichten und trennen Sie sich von dauerhaft unrentablen und kritischen Engagements.

Das dürfte allemal besser sein, als “schlechtem Geld Gutes hinterher zu werfen”.

Und analysieren Sie im nächsten Schritt, was zu tun ist, um eine ähnlich Malaise künftig zu verhindern.

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Wie kann ein Margin Call verhindert werden?

Im Trading können Sie Verluste nicht verhindern. Was Sie jedoch verhindern können und müssen, sind Verluste, die Ihr Konto so stark in Mitleidenschaft ziehen, dass es für Ihr Trading das “AUS” bedeuten kann.

Symbolbild-Trader hat Margin Call erhalten und verzweifelt
Trader verzweifelt anhand des Margin Calls

Ein Margin Call kann der “letzte Schuss vor den Bug” sein, aber auch wenn Sie ihn abwenden können, werden Schäden zurückbleiben. Schäden im Konto und eventuell auch in Ihrem Selbstvertrauen als Trader.

Wie können Sie ihn also verhindern – oder zumindest sein Risiko weitgehend minimieren?

4 wichtige Maßnahmen:

► 1 Informieren Sie sich gründlich

Zugegeben – ein Tipp, den Ihnen auch Ihr Friseur geben könnte. Trotzdem: jeder Broker handhabt Margin Calls anders. Ich habe in diesem Beitrag Beispiele der AGB und Risikohinweise verschiedener Broker angesprochen und zitiert. Lesen Sie diese Dokumente, die Ihnen ihr Broker zur Verfügung stellen muss (und die Sie unterschreiben müssen), gründlich durch. Kontaktieren Sie den Broker bei Unklarheiten.

Es kommt wahrscheinlich nicht selten vor, dass ein Trader plötzlich überrascht bis entsetzt bemerkt, dass seine Positionen mit erheblichem Verlust vom Broker geschlossen wurden. Schließen Sie diese Situation von vornherein aus!

In diesem Zusammenhang möchte ich noch appellieren: Handeln Sie nur Produkte, die Sie wirklich verstehen. Der Handel mit komplexen Assets wie Futures oder Optionen kann einige Fallstricke bereithalten. Informieren Sie sich gründlich, über Produkte, aber auch über die Marktlage. Nicht immer sind Marketing-Aussagen oder “100% verlässliche” Handelsempfehlungen zutreffend und hilfreich.

► 2 Kapitalmanagement ist Ihre Lebensversicherung

Bevor Sie mit dem Handel beginnen, müssen Sie sich über Ihr Kapital Gedanken machen. Legen Sie fest, mit welchen Mitteln Sie traden und wie umfangreich diese sind. Dann bestimmen Sie Ihre Risikotoleranz und wieviel Prozent Ihres Kapitals Sie bereit sind, pro Trade schlimmstenfalls zu verlieren.

Bedenken Sie immer den Satz: Sie können NIE festlegen, wieviel Sie GEWINNEN werden, aber Sie können IMMER festlegen, wieviel Sie MAXIMAL verlieren können!

Die größte Gefahr im Marginhandel lauert in dem oft sehr geringen Ersteinschuss, der Initial Margin. Er verleitet Trader oft dazu, viel zu große Positionen zu eröffnen. Die Aussicht auf den schnellen Gewinn (die noch durch die vielversprechende Werbung mancher Broker genährt wird) verdeckt die Sicht auf die möglichen Verluste.

Ermitteln Sie in der Planungsphase ihrer Trades das Risiko pro Position und das Gesamtrisiko für Ihr Handelskonto. Sorgen Sie dafür, dass Ihnen auch noch ausreichende Finanzreserven für unvorhergesehene Ereignisse zur Verfügung stehen.

Der verlinkte Artikel zum Moneymanagement geht auf diese Gesichtspunkte in aller Ausführlichkeit ein. Lesen Sie ihn unbedingt im Anschluss!

Stichwort CFD

Eine Bemerkung zu den “Contracts for Difference”: diese Produkte sind mitnichten die idealen Einsteiger-Assets, als die sie manche Broker gerne darstellen. Sie gehören eher die Gruppe für erfahrene Trader.

CFDs verfügen über zwei wesentliche Gefahrenpunkte:

  1. Die geringe Margin verleitet zum “Überhebeln”. Diesen Punkt habe ich bereits angesprochen. Achten Sie daher darauf, bei Planung Ihres Risikobudgets den Hebel in die Rechnung einzubeziehen.
  2. CFDs werden nicht an der Börse gehandelt. Die Preisstellung erfolgt nicht wie in einem geregelten Markt über das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Der Preis des Kontrakts wird vom Broker festgelegt. Und hierfür gibt es keine gesetzlichen Vorschriften.Zwar bauen die meisten CFDs auf börsengehandelte Finanzprodukte (Aktien, Futures, Anleihen, ETFs …, Ausnahme sind CFDs auf Forex-Paare) auf, doch der Broker ist nicht verpflichtet, den Börsenpreis 1:1 an Sie weiterzugeben. Achten Sie hier verstärkt darauf, welchen Preis ein Broker Ihnen stellt.

Zum Thema CFD finden Sie ebenfalls einen Artikel in den Link-Hinweisen am Ende dieses Beitrags, den ich Ihnen ans Herz legen kann.

► 3 Risikomanagement ist Ihre Rettungsleine

Hier kann ich nur immer wieder darauf hinweisen, mit Stopp-Loss Orders zu arbeiten. Nutzen Sie in offenen Positionen Trailing Stopps. beachten Sie dabei aber: auch ein garantierter Stopp, wie er von vielen Brokern gegen eine geringe Gebühr angeboten wird, schützt Sie nicht gänzlich vor Verlusten. Garantierte Stopps können durch Kurslücken ausgehebelt oder durch “Flash Crashs” überrannt werden.

Informieren Sie sich, wie Ihr Broker Verluste bei garantierten Stopps handhabt.

Managen Sie Ihre Position aktiv. Nehmen Sie Gewinne rechtzeitig mit (aber nicht zu früh) und scheuen Sie sich nicht, unrentable Positionen aus dem Portfolio zu entfernen. Auch eine Position, die in einer Seitwärts-Range auf und ab zittert belastet ihr Konto mit Maintenance Margin.

Achten sie bei der Planung Ihres Portfolios auf ausreichende Diversifizierung. Vermeiden Sie, wie es heißt, “alle Eier in einen Korb zu legen”. Dies kann Ihnen passieren, wenn Sie Rohstoffe (Futures) handeln, die stark korreliert sind (z.B. Rohöl und Rohöl-Derivate wie Heizöl oder Benzin). Auch im Handel mit Aktien können solche Korrelationen im Verlustfall zu unschönen Ergebnissen führen.

Ein Beispiel: die Aktie der Siemens AG und der Tochter Siemens Energy im “trauten Gleichschritt”.

Kursverlauf SiemensAG & Siemens Energie seit Januar 2021, weekly Chart
Abb.4: Korrelierte Aktien – Siemens AG (farbig, oben) und Siemens Energy (s/w, unten), Wochenchart, prozentual, 04.01.2021 entspr. 0% — Chart: tradingview.com

Lesetipp: Risikomanagement für Trader

► 4 Bleiben Sie am Ball — mit aktiver Kontrolle Ihrer Positionen

Schließlich muss Ihnen noch klar sein, dass Sie nur durch konstante aktive Kontrolle Ihrer offenen Positionen sicherstellen können, dass ungünstige und gefährliche Kursentwicklungen Sie nicht völlig überraschen und in den Abgrund reißen.

Wie schon angesprochen ist der Broker nicht verpflichtet, Sie von einer drohenden Liquidation ihrer Positionen zu unterrichten. Manche Broker schließen diese Benachrichtigung von vorn herein aus.

Und manchmal kann Sie der Broker nicht mehr kontaktieren.

Nur eine kontinuierliche Überwachung Ihres Portfolios und eine Anpassung Ihrer Strategie, wenn sich die Marktbedingungen ändern, kann Sie vor unliebsamen Überraschungen weitgehend schützen.

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Mein Fazit zum Thema Margin Call im Trading

Der Margin Call ist der GAU – der größte anzunehmende Unfall – des Traders. Er richtet nicht nur im Tradingkonto Verwüstung an sondern kann dem Trader auch psychisch zu Schaffen machen. Je nach Psyche des Händlers und dem verbliebenen Kapital reichen die Reaktionen dann von völliger Resignation hin zu aggressivem “Jetzt-Erst-Recht” – Trading.

Doch ein Margin Call kommt selten völlig unerwartet (natürlich gibt es davon Ausnahmen – siehe weiter oben) und kann in vielen Fällen abgewendet werden.

Händler, die ihre “Hausaufgaben” in Bezug auf Analyse der Märkte und Planung ihrer Trades gemacht haben, die Grundregeln des Risiko- und Money Managements verinnerlicht haben und ihre Trades aktiv managen können relativ beruhigt dreinschauen.

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie sich zu diesen Tradern zählen können.

FAQ über Margin Call im Trading

“Mein Broker hat einfach meine Positionen geschlossen, ohne mich zu warnen. Ist das erlaubt?”

Ja, ein Broker ist nicht verpflichtet, einen Margin Call in irgendeiner Form auszugeben. Lesen Sie die AGB und Risikohinweise Ihres Brokers gründlich. Vielleicht hat er es ja dort sogar offiziell niedergeschrieben, dass er keine Hinweise sendet, bevor er Positionen schließt.
Andererseits kann es auch möglich sein, dass Ihr Broker gar nicht in der Lage war, eine vorherige Warnung auszugeben.

Muss ich als Daytrader einen Margin Call befürchten?”

Als Daytrader müssen Sie ebenfalls nach Eröffnung einer Position die Maintenance Margin vorweisen, um diese Position am Laufen zu halten. Maßgeblich für den Margin Call ist die Tatsache, dass das Kapital auf dem Handelskonto nicht mehr ausreicht, diese Margin zu decken. Ihnen kann also auch als Daytrader ein Margin Call drohen.

Was ist das ‘Margin Level’ und welche Bedeutung hat es für mein Trading?”

Das Margin-Level drückt Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital (gesamte Margin) in Prozent aus. Es wird berechnet, indem das gesamte Eigenkapital eines Kontos durch die gesamte eingesetzte Margin geteilt und mit 100 [%] multipliziert wird.

MarginLevel = (Eigenkapital / genutzte Margin) x 100 [%]

Ein hohes Margin-Level (deutlich über 100 %) bedeutet, dass ein Trader über genügend Eigenkapital verfügt, um seine Margin-Anforderungen zu decken.
Broker verwenden das Margin-Level, um festzustellen, ob ein Trader noch in der Lage ist, zusätzliche Positionen zu eröffnen. Dabei setzen Broker unterschiedliche Grenzen für das Margin-Level. Die Mehrheit der Broker legt diese Grenze bei 100% fest.
Technisch gesehen bedeutet das Margin-Level: wenn Ihr Konto das Level von 100% erreicht, können Sie zwar Ihre bestehenden Positionen noch schließen, jedoch keine neuen Positionen mehr eröffnen.

Warum hat die BaFin für den Handel mit CFDs die Margin gesetzlich geregelt?

Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) hat in ihrer “Allgemeinverfügung für den Handel mit CFDs” vom 23.07.2019 die Initial Margin für CFDs gesetzlich geregelt, um den Schutz von “Kleinanlegern” zu gewährleisten.
Kleinanleger sind Privatpersonen, die ausschließlich zu privaten Zwecken handeln, unabhängig von der Höhe des eingesetzten Kapitals. Die Margin-Regulierung zielt darauf ab, sicherzustellen, dass diese Kleinanleger ausreichend Kapital haben, um potenzielle Verluste zu decken.
Durch die Festlegung von Mindest-Margin Anforderungen und damit verbunden eine Begrenzung des möglichen Hebels soll sichergestellt werden, dass Trader genügend Eigenkapital aufbringen müssen, um Positionen zu eröffnen und aufrechtzuerhalten.
So müssen beispielsweise private Trader nun zum Kauf eines CFDs auf Aktien eine Margin von 20% des Nominalwerts hinterlegen. Dies entspricht einem Hebel von 1:5.
Vor dem Erlass der Allgemeinverfügung waren Hebel von 1:50 (2% Margin) oder 1:100 (1% Margin) nicht unüblich.
Trotzdem verleiten die reduzierten Margin Anforderungen unerfahrene Trader immer wieder dazu, zu große Positionen einzugehen und sich dadurch zu “überhebeln”.

Was bedeutet das “Verbot der Nachschusspflicht”, das die BaFin in ihrer Allgemeinverfügung erlassen hat?

In der o.g. “Allgemeinverfügung” vom 23.07.2019 hat die BaFin ein Verbot der Nachschusspflicht für Kleinanleger im Handel mit CFDs erlassen. Dieses Verbot wurde in der “Allgemeinverfügung – Produktintervention bezüglich Futures” vom 30.09.2022 auf den Handel mit Futures ausgeweitet.
Das Verbot untersagt Brokern einen Verkauf von CFDs (und später auch von Futures) an private Trader (sog. Kleinanleger), wenn damit verpflichtend ein Kapital- Nachschuss einher geht. Es werden also

“… die maximalen Verluste, die einem Kleinanleger aus dem Handel mit CFD entstehen, samt aller damit verbundenen Kosten auf den Gesamtbetrag der mit dem CFD-Handel verbundenen Gelder auf dem CFD-Handelskonto des Kleinanlegers begrenzt.”
(Wortlaut der Allgemeinverfügung).

Diese Regelung gilt auch für Broker mit Geschäftssitz im Ausland, sofern diese Finanzgeschäfte mit Kleinanlegern mit Sitz in Deutschland tätigen. Alle von mir kontaktierten Broker halten sich an dieses Verbot, mit der Folge, dass bei Unterschreitung der Mindest- Margin der Broker sofort zur Liquidation von Positionen schreitet.
Die Regelung gilt nicht für Trader, die bei ihrem Broker ein “Firmenkonto” oder Konto als “Professioneller Kunde” führen.

Karl-Heinz Ramer