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Drawdown im Trading: Definition, Berechnung und 38 Jahre DAX-Daten

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2026

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34 Min

Karsten Kagels

Überprüft von

Karsten Kagels

KI für Trader Hauptkurs
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Der DAX hat seit 1988 zwölf Drawdowns von mindestens 15 Prozent durchlaufen, im Schnitt also alle drei Jahre einen. Der tiefste kostete 72,7 Prozent, und danach vergingen 7,3 Jahre, bis der alte Höchststand wieder erreicht war. Beides sind eigene Messungen an Tagesschlusskursen, weiter unten stehen alle Zahlen.

Ein Drawdown ist der Rückgang vom letzten Höchststand bis zum folgenden Tiefpunkt. Wer dabei nur auf die Tiefe schaut, übersieht die zweite Hälfte der Rechnung: die Zeit bis zur Erholung. An ihr scheitern die meisten Konten, nicht am einzelnen Verlust.

In diesem Artikel liest du, was ein Drawdown ist, wie du ihn berechnest und was Maximum Drawdown bedeutet. Danach folgen die Zahlen aus 38 Jahren DAX und 46 Jahren S&P 500, die großen Crashs der Börsengeschichte und die Regeln, mit denen du die Tiefe deiner eigenen Drawdowns begrenzt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Drawdown: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Ein Drawdown ist der prozentuale Rückgang vom Höchststand bis zum folgenden Tiefpunkt, gemessen an einem Anlageprodukt oder an einem Handelskonto. Auf Deutsch heißt er Wertverlust, der größte davon maximaler Wertverlust.
  • Drawdowns ermöglichen es dem Trader, Chancen und Risiken eines Investments abzuwägen und zu vergleichen. Dabei sollte er die maximale Stärke vergangener Drawdowns („Maximum Drawdown”), aber auch deren Häufigkeit und die jeweilige Dauer („Time to Recover”) berücksichtigen.
  • Drawdowns können externe Ursachen wie politische Konflikte, Naturereignisse oder unternehmensspezifische Gründe haben, auf die der Trader keinen Einfluss hat. Sie können aber auch durch Fehlverhalten des Anlegers, seine mentalen und kognitiven Eigenheiten oder durch unkontrolliertes und impulsives Handeln verursacht werden.
  • Ein Trader oder Anleger kann einen Drawdown nicht verhindern. Drawdowns sind ein natürlicher Bestandteil des Marktgeschehens. Er kann sich aber darauf vorbereiten und die Auswirkungen auf sein Kapital reduzieren.
  • Ein solides Risiko- und Kapitalmanagement, die Diversifikation des Portfolios, die permanente Analyse und Bewertung seiner Trades sowie die Entwicklung mentaler Stärke und eines psychologisch gefestigten Mindsets sind die wichtigsten Voraussetzungen für den Trader. So kann er Drawdowns unter Kontrolle halten und sein Überleben am Markt sichern.
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Warum jeder Trader Drawdowns erlebt

Wir sollten uns nichts vormachen: ein Drawdown ist ein unvermeidlicher Bestandteil des Tradings, der selbst den erfahrensten Anleger heimsuchen kann. Jeder Akteur an den Finanzmärkten musste schon Verluste hinnehmen, größere und kleinere. Aber nicht der Verlust als solcher kann den Trader und sein Kapital vernichten, sondern die Art und Weise, wie er damit umgeht.

Die Zahlen dazu sind eindeutig. An 94 Prozent aller Handelstage seit 1988 stand der DAX unter einem früheren Höchststand, beim S&P 500 sind es 91 Prozent. Der Normalzustand an der Börse ist also nicht das Allzeithoch, sondern der Weg dorthin zurück.

Wer das akzeptiert, stellt die richtige Frage. Sie lautet nicht, wie du Drawdowns vermeidest, sondern wie tief du sie werden lässt und wie du dich in dieser Zeit verhältst.

Was ist ein Drawdown?

Ein Drawdown ist der Rückgang eines Kurses, eines Depots oder eines Handelskontos von einem Höchststand bis zum darauffolgenden Tiefpunkt, angegeben in Prozent. Er misst das Risiko und die Schwankungsbreite eines Investments oder einer Handelsstrategie.

Schemazeichnung eines Drawdowns im Trading
Abb.1: Schema eines Drawdowns im Trading

Diese Definition bezieht sich auf den Kursverlust bei Aktien. Im Trading bezeichnet ein Drawdown auch den Rückgang des Kontostands eines Traders von einem Hochpunkt bis zum nächsten Tiefpunkt.

Die Tiefe eines Drawdowns steht erst fest, wenn das Kapital den alten Höchstwert wieder überschreitet. Sie wird prozentual vom Höchstwert aus gerechnet:

Formel 01 Berechnung des Drawdown
Formel 01: Berechnung des Drawdown

Ein Drawdown wird immer als negativer Wert angegeben. Deshalb kann man statt dem negativen Bruch auch im Zähler (Tiefstwert minus Höchstwert) berechnen.

Ein zweiter wichtiger Wert ist in dem Zusammenhang die Zeitspanne, die nötig ist, um den Wertverlust auszugleichen.

Die Größe eines Drawdowns ist ein Maß für die Volatilität eines Finanzprodukts. Der Maximum Drawdown bezeichnet den maximalen Wertverlust innerhalb eines definierten Zeitabschnittes. Er ist ein wesentlicher Bestandteil des Qualitätsscores eines Finanzprodukts.

Drawdowns sind kein Zeichen einer defekten Strategie, sondern statistisch unvermeidbar. Wer sie übersteht, arbeitet mit konsequentem Risikomanagement im Trading, das die Positionsgröße in Verlustphasen reduziert und den maximalen Rückgang kalkulierbar hält.

Was bedeutet ein Drawdown für den Trader?

Trader müssen die Chancen und Risiken einer Investition abwägen und diese miteinander vergleichen. Wie stark kann eine negative Entwicklung eine Investition belasten?

Dazu sollten sie die Drawdowns der Vergangenheit und insbesondere den Maximum Drawdown betrachten. Hier ist es aber nicht nur wichtig, den prozentualen Kursverlust in einem bestimmten Zeitraum zu analysieren. Es muss auch die Häufigkeit der Verluste und die Zeit berücksichtigt werden, die benötigt wurde, um den jeweiligen Verlust wieder auszugleichen.

Die Wichtigkeit der Zeitspanne

Diese Zeitdauer zwischen dem Beginn der Abwärtsbewegung und dem Erreichen eines neuen Höchstwerts ist ein wichtiger Faktor. Die Time to Recover sagt dir, wie lange es dauern kann, bis du wieder auf dem alten Stand bist.

Das musst du bei deiner Anlagestrategie berücksichtigen. Denn je länger der Ausgleich dauert, desto später erzielst du wieder eine positive Rendite. Die Kennzahl hilft dir bei der Entscheidung, ob du kurz-, mittel- oder langfristig investierst. Wie effizient ein System sein Kapital dabei einsetzt, misst dagegen der Profitfaktor.

Es lohnt sich immer, auch extreme Szenarien zu betrachten. Sieh dir dafür den längsten Drawdown der Vergangenheit an. Daran erkennst du, wie lange ein Ausgleich im schlechtesten Fall dauern kann.

Wie tief und wie lange: die Zahlen aus 38 Jahren DAX

Bis hierhin war der Drawdown ein Begriff. Jetzt wird er eine Zahl. Für diesen Abschnitt haben wir 9.774 Tagesschlusskurse des DAX seit dem 30. Dezember 1987 und 11.756 Schlusskurse des S&P 500 seit Januar 1980 ausgewertet. Gezählt wurde jede Phase, in der ein Index vom letzten Höchststand um mindestens 15 Prozent zurückfiel, bis er diesen Höchststand wieder überschritt.

Ergebnis für den DAX: zwölf solcher Phasen in 38,7 Jahren, im Schnitt also alle gut drei Jahre eine. Acht davon gingen über 20 Prozent hinaus. Die neun größten im Überblick:

AuslöserTiefeZeit bis zum alten Hoch
Dotcom-Blase, 2000 bis 2003−72,7 %7,3 Jahre
Finanzkrise, 2007 bis 2009−54,8 %5,8 Jahre
Corona, Februar 2020−38,8 %0,9 Jahre
Russland- und LTCM-Krise, 1998−37,6 %1,4 Jahre
Rezession und Golfkrieg, 1990−33,0 %3,5 Jahre
China-Schock, 2015 bis 2016−29,3 %2,0 Jahre
Zinswende und Ukraine, 2022−26,4 %1,4 Jahre
Handelskonflikt, 2018−23,4 %2,0 Jahre
US-Zölle, Frühjahr 2025−16,0 %30 Tage
Die neun größten DAX-Drawdowns seit 1988 mit Tiefe und Erholungsdauer
Abb.10: Tiefe und Erholungsdauer der neun größten DAX-Drawdowns seit 1988 | eigene Auswertung auf Tagesschlusskursen

Die Spalte rechts ist die wichtigere. Sie beantwortet die Frage, die im Abschnitt zur Time to Recover offengeblieben ist: Ein Drawdown ist erst vorbei, wenn der alte Höchststand wieder steht. Im DAX dauerte das im Median 1,5 Jahre, im Schnitt 2,2 Jahre und im schlimmsten Fall 7,3 Jahre. Der S&P 500 kam schneller zurück, sein Median liegt bei 0,6 Jahren.

Der S&P 500 zählt in 46,6 Jahren elf Phasen ab 15 Prozent, sechs davon über 20 Prozent. Sein tiefster Einbruch war die Finanzkrise mit −56,8 Prozent, gefolgt vom Platzen der Dotcom-Blase mit −49,1 Prozent. Letztere brauchte 7,2 Jahre bis zur vollständigen Erholung, fast exakt so lange wie beim DAX.

Der Normalzustand an der Börse ist der Drawdown

Eine Zahl aus derselben Auswertung sagt mehr als alle Crash-Geschichten zusammen: An 94 Prozent aller Handelstage seit 1988 notierte der DAX unter einem früheren Höchststand. Beim S&P 500 sind es 91 Prozent.

DAX-Drawdown seit 1988: Abstand zum jeweils höchsten Schlusskurs
Abb.11: Abstand des DAX zum jeweils höchsten bisherigen Schlusskurs, 1988 bis 2026 | eigene Auswertung

Ein Index steht also fast nie auf einem Rekord. Er ist fast immer auf dem Rückweg zu einem. Wer einen Drawdown als Ausnahmezustand behandelt, behandelt den Normalfall als Ausnahme, und genau daraus entstehen die überstürzten Entscheidungen, um die es weiter unten geht.

Wie unterschiedlich dieselbe Kennzahl ausfallen kann, zeigt ein Blick auf Finanzradar: Der Anbieter nennt seinen maximalen Drawdown auf drei eigenen Seiten mit 3.726, 6.407 und 6.704 Euro.

Große Drawdowns der jüngeren Geschichte

Bevor ich mich näher mit den Ursachen eines Drawdowns befasse, will ich einen kurzen Blick auf ein paar bedeutende Crashs der jüngeren Finanzgeschichte werfen (alle historischen Charts der folgenden Abbildungen erstellt mit barchart.com)

Auch hinter spektakulären Erfolgsbilanzen stecken solche Phasen: die Erfolgszahlen von Michael Marcus verschweigen, wie tief es zwischenzeitlich nach unten ging.

Ein Lehrstück dazu ist der Absturz von Richard Dennis, dessen Turtles im Oktober 1987 an einem einzigen Tag 20 bis 40 Prozent Kontokapital verloren.

Black Monday: der Schwarze Montag am 19.10.1987

Der Dow Jones Industrial Average am BlackMonday1987 mit einem großen Drawdown
Abb.2: Der Drawdown des Dow Jones Industrial Average am „Black Monday” 19.10.1987

Am 19. Oktober 1987 ereignete sich der erste große Börsencrash der Nachkriegszeit. An diesem sog. „Schwarzen Montag” fiel der Dow Jones um 22,6 Prozent, den höchsten Tagesverlust seiner Geschichte. Der breitere S&P 500 verlor an diesem Tag 20,5 Prozent und hält damit bis heute seinen eigenen Rekord. An diesem Tag „verpuffte” so fast ein Viertel des gesamten amerikanischen Börsenkapitals. Vor genau diesem Einbruch hatte das Hindenburg Omen als Frühwarnsignal ausgelöst, ebenso vor der Dotcom-Blase und der Finanzkrise.

In den darauffolgenden Tagen stürzten weltweit die Börsen ins Bodenlose. Die Computer des automatisierten Börsenhandels konnten dem hohen Ordervolumen nicht mehr standhalten. Aus diesem Grund musste an vielen Handelsplätzen der Handel ausgesetzt werden.

Nach dem Black Monday gab es aber nur einen kurzen Bärenmarkt (fallende Kurse), und nach drei Monaten begann wieder ein Bullenmarkt mit steigenden Kursen. Der Dow Jones erreichte nach rund 15 Monaten wieder das Niveau, das er vor dem Crash aufwies.

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, wodurch der Börsenkrach verursacht wurde. Es gab kein spezielles unmittelbares Ereignis, das ihn ausgelöst hätte.

Entscheidend war wohl die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Ronald Reagan, bekannt als „Reaganomics“. Diese Politik hatte das Ziel, Steuersenkungen für Bürger und Unternehmen durchzuführen. Allerdings führte sie auch zur Abwertung des Dollars. Die Abwertung hatte zur Folge, dass das Handelsdefizit stieg und Gelder von Sozialausgaben zu Rüstungsausgaben umgeschichtet wurden.

US-Finanzminister James Baker erhöhte als Reaktion auf die Abwertung des Dollars die Zinsen, was zu Unruhen auf dem Markt führte. Die Investoren wurden ängstlich und es gab panische Verkäufe an der Wall Street. Das neue Computersystem, das gerade eingeführt worden war, wurde überlastet und gab falsche Preissignale aus.

Nach dem Zusammenbruch führten die Börsen automatische Handelsunterbrechungen ein, die sogenannten Circuit Breaker. Sie hängen heute nicht mehr an Dow-Punkten, sondern an drei prozentualen Stufen des S&P 500 gegenüber dem Vortagsschluss: bei 7 Prozent und bei 13 Prozent pausiert der Handel jeweils 15 Minuten, bei 20 Prozent bleibt er für den Rest des Tages geschlossen. Die ersten beiden Stufen greifen nur bis 15:25 Uhr Ortszeit New York.

Die „Dotcom-Blase” platzt: der Crash der „New Economy”

Im März 2000 platzte die „Dotcom-Blase“.

In den späten 1990er Jahren löste die aufstrebende Elektronik-, Internet- und Mobilfunkindustrie eine wahre Euphorie für Aktieninvestoren aus. Neue Technologien und die Verbreitung und Entwicklung des Internets sowie mobiler Geräte schürten die Hoffnung auf exorbitante Gewinne. Das Interesse der Investoren und die Verlockungen der Börsennotierung haben dazu geführt, dass eine unüberschaubare Zahl neuer Unternehmen aus dem Boden geschossen ist, die „New Economy“.

Doch die Euphorie der Anleger verhinderte den Blick auf fundamentale Unternehmensbewertungen. Im Traditionellen Unternehmen stellen physische Produkte her oder bieten konkret nachgefragte Dienstleistungen an. Es war schwierig, manchmal unmöglich, den tatsächlichen Wert der neuen Unternehmen zu bestimmen. Ihre Geschäftsideen basierten weitgehend auf Prognosen, von denen niemand sagen konnte, ob sie tatsächlich eintreten würden.

Größter Handelsplatz für entsprechende Wertpapiere waren die USA mit der elektronischen Börse NASDAQ. Im März 2000 erreichte der Boom schließlich sein Peak-Level. Und dann passierte es:

Der NASDAQ-COMPOSITE-Aktienindex ($NASX, der wichtigste Aktienindex in den USA, in dem viele Unternehmen aus dem Technologiesektor gelistet sind) stürzte von seinem Höchststand bei über 5.000 Punkten in die Tiefe und hatte sich bis zum Ende des Jahres in seinem Wert halbiert:

NASDAQ COMPOSITE Daily Chart 2000 während der Dotcom Blase
Abb.3: Drawdown des NASDAQ-COMPOSITE Index, Daily, im Jahr 2000, dem Jahr der „Dotcom-Blase”

Auslöser dafür war, dass immer mehr Dotcom-Unternehmen ihre Gewinnerwartungen stark nach unten korrigieren und teilweise sogar Insolvenz anmelden mussten. Ihre internet- und technologiebasierten Geschäftsmodelle hatten sich als zu instabil erwiesen.

Zunächst verkauften erfahrene Börsianer mit Gewinn. Durch den anhaltenden Kursverfall gerieten dann die oft neuen und unerfahrenen Kleinanleger in Panik und verkauften „um jeden Preis”, um ihre Verluste zu begrenzen. Aus dem Kursverfall wurde ein Kurssturz. Die Internet-Blase war geplatzt.

Manche anderen Kleinanleger glaubten, dass sich die Kurse wieder erholen würden: sie verpassten den richtigen Ausstiegszeitpunkt und verloren ihr investiertes Kapital vollständig.

Den Tiefstand erreichte die New Economy erst im Oktober 2002, bei einem Minus von 77,9 Prozent gegenüber dem Hoch. Bis der NASDAQ Composite seinen alten Höchststand wieder überschritt, verging der 23. April 2015. Vom Hoch bis zur Erholung waren das 15,1 Jahre.

Auch Deutschland geriet in den Strudel: am 7. März 2000 stieg der DAX im Tagesverlauf auf 8.136,16 Punkte und schloss bei 8.064,97 Punkten. Am 13. März 2000, dem Tag des Infineon-Börsengangs, wurden so viele Infineon-Aktien gehandelt, dass die Handelssysteme der Frankfurter Wertpapierbörse zusammenbrachen.

Überhitzte Spekulationen und der Rausch der Neuemissionen fluteten die Börse, Anleger glaubten an grenzenlosen Aufschwung. Doch die Blase platzte, und viele, die von schnellen Gewinnen träumten, wurden jäh auf den Boden der Realität zurückgeholt.

September 2008: Lehman Brothers und die „Subprime Krise”

Als „Subprime-Krise” wurde eine Finanzkrise bekannt, die im Zusammenhang mit minderwertigen oder risikobehafteten Hypothekenkrediten, den sogenannten „Subprime-Hypotheken”, steht.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erlebte die USA einen Boom am Immobilienmarkt, begleitet von einer hohen Nachfrage nach Hypotheken. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, vergaben Banken vermehrt Kredite an Kreditnehmer mit schlechter Bonität, die als „Subprime” eingestuft wurden. Diese Kredite waren mit höheren Zinsen verbunden, um das erhöhte Ausfallrisiko abzudecken.

Als jedoch die Leitzinsen stiegen und viele Kreditnehmer Schwierigkeiten hatten, ihre Hypotheken zurückzuzahlen, führte dies zu einer Welle von Zahlungsausfällen und Zwangsversteigerungen.

Im Herbst 2008 verschärfte sich die Hypothekenkrise schließlich zur globalen Finanzkrise.

Auslöser waren die Rettung der Hypothekenbanken ‘Fannie Mae’ und ‘Freddie Mac’ innerhalb weniger Tage durch die US-Regierung sowie der Bankrott der Investmentbank ‘Lehman Brothers’.

Diese Unternehmen hatten Milliarden Dollar in minderwertige Hypotheken investiert oder über Versicherungen abgesichert.

Der Zusammenbruch der Lehman-Bank führte zu einem drastischen Kursverfall an den Börsen. Der Dow Jones verlor am 15. September 4,4% und am 18. September 4,1% . Am 29. September betrug der Kurseinbruch sogar 778 Punkte entsprechend 7%.

Nachdem US-Präsident George W. Bush mit seinem umfangreichen Rettungspaket für Banken im Kongress gescheitert war, fielen die Kurse dramatisch und die Krise breitete sich weltweit aus.

Der Chart in Abb.4 zeigt den Kursverlauf des S&P 500 von Januar 2008 bis Mitte 2009.

Der S&P500 DailyChart während der Subprime-Krise 2008/2009
Abb.4: „Subprime-Krise” | der S&P 500, Daily, Januar 2008 bis Juli 2009; erste Anzeichen der Krise zeigten sich im Mai 2008: zwischen 19.05. und 15.07. verlor der S&P 15,6%. Nach einer zeitweiligen Konsolidierung setzte sich der Drawdown ab dem 02.09. fort. Bis zum 06.03.2009 verlor er fast 49%. Insgesamt büßte der Index in der Zeit 53,7% ein.

„Flash Crash”, 06.05.2010

An der Börse kann es oft blitzschnell gehen. Kurse können innerhalb weniger Augenblicke abstürzen und genauso schnell wieder steigen. Am 6. Mai 2010, um 14.42 Uhr, geschah an der Wall Street etwas Unerklärliches:

Eine Stunde im Mai: 6.Mai 2010, Dow Jones Industrial Average, Minutenchart, 14:11 bis 15:11Uhr*
Abb.5: Eine Stunde im Mai. 6.Mai 2010, Dow Jones Industrial Average, Minutenchart, 14:11 bis 15:11Uhr

Innerhalb weniger Minuten fiel der Dow-Jones-Index um fast 600 Punkte. Die New York Times berichtete: „Für einen Moment schien der Verkaufsdruck Computer und menschliche Systeme zu überwältigen”. Eine halbe Stunde später hatten viele Unternehmen jedoch ihre Verluste ausgeglichen und ihre Kurse erreichten wieder das Niveau vor dem Einbruch.

Es ist bis heute nicht vollständig geklärt, was den „Flash Crash” verursacht hat. Einige vermuten, dass ein Händler sich einfach vertippt hatte und so eine Kettenreaktion ausgelöst wurde. Es scheint aber sicher zu sein, dass die Computerprogramme eine Rolle spielen.

Die automatischen Systeme verkaufen Aktien, wenn ihr Kurs unter eine bestimmte Schwelle fällt. Auf diese Weise beeinflussen sie den Markt innerhalb weniger Minuten. Während des Tages verlor der Dow zeitweise neun Prozent, was bis heute ein Rekord ist.

Corona, Ukraine und der Zoll-Schock 2025

Die drei jüngsten Einbrüche liegen nah genug, dass viele Leser sie selbst im Depot gespürt haben. Sie zeigen zugleich, wie unterschiedlich schnell Märkte zurückkommen.

Selbst Trader mit dreistelligen Jahresrenditen sind an ihren Drawdowns gescheitert: Richard Dennis stellte den Handel zweimal ein, einmal 1988 und einmal im Jahr 2000.

Corona …

Während der Corona-Krise waren die internationalen Finanzmärkte stark von Unsicherheit und Volatilität geprägt. Der Ausbruch der Pandemie führte weltweit zu starken Kursverlusten an den Aktienmärkten und zu drastischen Kurseinbrüchen bei vielen Unternehmen.

Die Ausrufung der Pandemie durch die WHO am 11.03.2020 führte zu einem Einbruch der Weltwirtschaft und damit auch zu einem starken Rückgang der Nachfrage nach Rohstoffen. Die Unsicherheit und die Auswirkungen der hektisch verhängten „Lockdown”-Maßnahmen, insbesondere in Ländern wie China, hatten erhebliche Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte.

Es gab aber auch Gewinner der Lockdowns: für die Unternehmen der Kommunikations-Elektronik waren Schulschließungen mit „Home-Schooling” und die Verlagerung von Verwaltungsaufgaben ins „Home-Office” positive Erfahrungen. Sie verstärkten die Nachfrage und beschleunigten den Ausbau der Internet- und Online-Infrastruktur.

Drawdown im DAX im Wochenchart 2020-23
Abb.6: Drawdown im DAX | Wochenchart 2020 bis 2023 | der deutsche Aktienindex verlor im Februar/März 2020 zu Beginn der „Corona-Krise” im Verlauf von vier Wochen rund 40%. Im Januar 2021 konnte der Kurs das Niveau des Drawdown-Beginns erreichen. Im Februar 2022 stürzte er dann infolge des Beginns des Ukraine-Konflikts erneut ab. (Chart: TradingView)

Und noch etwas zur Erinnerung: etwas bis dahin Unvorstellbares ereignete sich im April 2020. An der New Yorker Börse fiel der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI zum ersten Mal in der Geschichte in den negativen Bereich. Dies bedeutete, dass Händler für kurze Zeit sogar bereit waren, eine Prämie für die Abnahme des Rohöls zu bezahlen.

Crude Oil WTI am 20. April 2020
Abb.7: Drawdown bei Crude Oil WTI | am 20. April 2020 fielen die Preise zum ersten Mal in der Geschichte unter Null; Graphik: Wikipedia, © Renerpho, eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

In der Folge erholten sich die Märkte etwas, unterstützt vor allem durch Hoffnungen auf Impfstoffe und wirtschaftliche Öffnung. Technologieaktien profitierten von der verstärkten Digitalisierung während der Lockdowns. Die Lage blieb jedoch unsicher, und die Märkte reagierten weiterhin sehr empfindlich auf Nachrichten im Zusammenhang mit der Pandemie.

… und Ukraine

Die zweite große Krise begann am 24. Februar 2022 mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine.

Dies führte zu immenser Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten. Die Aktienmärkte reagierten mit Verlusten, und die Rohstoffmärkte reagierten aufgrund von Befürchtungen über Lieferunterbrechungen bei Energie und Metallen volatil.

… und der Zoll-Schock im Frühjahr 2025

Der jüngste größere Drawdown kam nicht aus einem Krieg und nicht aus einer Pandemie, sondern aus einer Ankündigung. Anfang April 2025 setzten die USA breit angelegte Zölle in Kraft. Der S&P 500 verlor vom Hoch am 19. Februar bis zum 8. April 18,9 Prozent, der DAX zwischen dem 6. März und dem 9. April 16,0 Prozent.

Bemerkenswert ist, was danach geschah. Einen Tag nach dem Tief stieg der S&P 500 um 9,5 Prozent. Das war sein drittgrößter Tagesgewinn seit 1980, übertroffen nur von zwei Tagen im Oktober 2008. Wer in der Panik verkaufte, verpasste die Erholung um 24 Stunden.

Der DAX stand bereits 30 Tage nach dem Tief wieder auf seinem alten Höchststand, der S&P 500 brauchte 80 Tage. Zum Vergleich: Nach der Dotcom-Blase waren es beim DAX 7,3 Jahre. Dieselbe Kennzahl, dieselbe Größenordnung im Prozentwert, aber ein völlig anderer Zeitbedarf. Genau deshalb gehört die Erholungsdauer neben die Tiefe.

Der DAX im 21. Jahrhundert: von Drawdown zu Drawdown

Einige der von mir aufgeführten Finanzkrisen in der Zeit nach dem II. Weltkrieg hatten ihren Ursprung in den USA und breiteten sich von da über die globalen Finanzplätze aus. Aber nicht alle. Auch andere politische Ereignisse (Brexit, Ukraine) und Naturkatastrophen (Fukushima) beutelten die Börsen.

Auch der deutsche Leitindex DAX zeigt diese Krisen deutlich in seinem Kursverlauf.

DAX Drawdowns 1993 bis 2023
Abb.8: Drawdowns im DAX | Monatschart ab dem 01.11.1993 mit prozentualer Skalierung, Chartstand 2023 (Chart: TradingView)

Dabei fällt auf, dass der Index fast von Drawdown zu Drawdown „schlittert”. Das Ende des Drawdowns der „Dotcom-Krise” fällt fast auf den Tag genau mit dem Start der Immobilienkrise („Subprime-Krise”) zusammen.

Trotz der Tatsache, dass sich der Index seit Oktober 2009 in einem fast ungebrochenen Aufwärtstrend befindet (deutliche Ausnahme: der Bruch bei „Corona”) sieht man, dass die Korrekturen durch zwischenzeitliche Krisen zum Teil länger anhaltende Drawdowns zur Folge hatten.

DAX 2000 bis 2016. Der Daily Chart zeigt die beiden größten und längsten Drawdowns des 21. Jahrhunderts
Abb.9: Der DAX zwischen 2000 und 2015: die beiden größten und längsten Drawdowns des 21. Jahrhunderts (Chart: barchart.com)

Kehren wir jetzt von unserem Ausflug in die Geschichte zurück an unseren Trading-Desk.

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Besonders tiefe Einbrüche entstehen oft durch ein unerkanntes Konzentrationsrisiko: Mehrere Positionen verlieren gleichzeitig, weil sie auf dasselbe Ereignis setzen.

Ein prominentes Beispiel aus jüngerer Zeit ist die Valeant-Position von Bill Ackman. Sie kostete seinen Fonds je nach Quelle 2,8 bis 4 Milliarden Dollar. Auch das war ein Drawdown, nur eben in Milliardenhöhe.

Die Ursachen eines Drawdowns

Wie entstehen Drawdowns? Gibt es Hinweise und Warnsignale? Worauf musst du als Trader achten und wann sollten die Alarmglocken läuten?

Grundsätzlich will ich zwischen zwei Bereichen trennen: externe Faktoren, auf die du keinen Einfluss hast. Du kannst sie beobachten und darauf reagieren. Und interne oder mentale Faktoren, die aus deiner Psyche und deinem Verhalten kommen.

Externe, marktspezifische Ursachen für Drawdowns

Blicken wir auf vorhergehenden Abschnitt. Die großen Crashs an den Finanzmärkten wurden meist durch politische Entscheidungen oder sich aufbauende wirtschaftliche Fehlentwicklungen ausgelöst. Hier lassen sich vor allem identifizieren:

1. Politische Konflikte

Konflikte wie die Ukrainekrise können zum Zusammenbruch der Nachfrage oder der Rohstoffversorgung führen. Die Auswirkungen auf die Märkte ist immens. Rohstoffe werden und wurden auch immer schon als politisches Druckmittel eingesetzt („Ölkrise”).

Hier geraten nicht nur die Rohstoffmärkte in Bewegung sondern natürlich auch die Aktienmärkte. Die resultierende Volatilität stellt eine extreme Gefahr für dein Handelskapital dar.

2. Naturereignisse

Hierunter fallen tatsächliche Naturkatastrophen, wie Hurricanes, Tornados, Vulkanausbrüche und ähnliche Ereignisse. Als Beispiel in der Vergangenheit kann die Fukushima-Katastrophe dienen oder Hurricanes, die zum Beispiel Auswirkungen auf die Rohstoff- und Energieversorgung haben.

Unter dieser Überschrift könnte man auch die „Corona-Krise” einordnen. Großräumige Epidemien oder Pandemien können über längere Zeit die Wirtschaft schwächen und zu Einbrüchen an den Börsen führen.

3. Branchen- oder Unternehmensspezifische Risiken

Wie die „Dotcom-” oder „Subprime-“Krise zeigen, können nicht nur einzelne Unternehmen in Schieflage geraten sondern komplette Branchen und Wirtschaftssektoren.

Dabei können unternehmensspezifische Risiken durchaus überraschend auftreten (negative Schlagzeilen in den Medien, plötzliche personelle Veränderungen, ein misslungenes Produkt, eine Werbekampagne, die den Konsumenten verärgert, etc.) Als Anleger bleibst du deshalb am Ball und verfolgst die Entwicklung der Unternehmen, in die du investiert hast.

Branchenbezogene Gefahren ziehen dagegen oft nicht „von jetzt auf gleich” auf. Die „Dotcom-Blase” ist das beste Beispiel für so einen Markt, der völlig „überhitzt” war. Professionelle Anleger konnten den sich anbahnenden Crash vorausahnen und rechtzeitig Konsequenzen ziehen.

Neue Technologien können einen „Hype” auslösen, es ist wichtig zu erkennen, wann diese Euphorie ihren Höhepunkt erreicht. Leider ist die menschliche Psyche so konstruiert, dass der Drang „dabei zu sein” rationale Überlegungen in den Hintergrund drängt (ich komme später auf dieses Thema zurück).

Eine nüchterne Analyse der Unternehmensdaten vieler „New Economy”-Vertreter hätte für manchen Investoren das Aus am Markt verhindern können. Anbahnende Crashs am Finanzmarkt können anhand verschiedener Indikatoren erkannt werden, z.B.:

  1. Hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV): Ein signifikant überdurchschnittliches KGV kann auf eine Überbewertung hinweisen
  2. Übermäßige Spekulation und euphorische Stimmung: Wenn Investoren übermäßig optimistisch und spekulativ sind, kann dies auf einen bevorstehenden Crash hindeuten. Hier lohnt sich ein Blick auf die Sentiment-Daten verschiedener Brancheninstitute.

4. Konjunkturzyklen

Jeder Konjunkturzyklus geht einmal zu Ende. Ein wirtschaftlicher Konjunkturzyklus gliedert sich in 4 Phasen:

  • Aufschwung (Expansion)
  • Hochkonjunktur (Boom)
  • Abschwung (Rezession)
  • Tief (Krise)

Je nach Art des Zyklus unterscheidet sich seine Dauer. Es existieren kurzfristige Zyklen (Produktionszyklen), mittel- und langfristige Zyklen.

Wichtig für den Investor ist, zu erkennen, wann ein Zyklus sich dem Ende nähert, also in eine Rezessionsphase eintritt. Wachsende Volatilität an den Märkten, steigende Verschuldung der Unternehmen und Haushalte und Euphorie und übermäßiges Vertrauen der Investoren und Anleger sind Anzeichen einer überhitzten Konjunktur.

Die Preise von Vermögenswerten wie Aktien, Immobilien oder Rohstoffen sind zu diesem Zeitpunkt deutlich über ihren tatsächlichen Wert gestiegen.

In der Endphase des Konjunkturzyklus können Zentralbanken die Zinsen erhöhen, um die Überhitzung der Wirtschaft zu bremsen. Dies kann dann Auswirkungen auf die Kreditkosten und Investitionen haben.

5. Lenkende Eingriffe des Staates

Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor sind staatliche Eingriffe zur Lenkung der Wirtschaft.

Dabei kann es sich um fiskalische Eingriffe wie neue oder angehobene Steuern und Abgaben sowie um Subventionen handeln. Auch gesetzliche Regulierungen, Handelsbeschränkungen, Sanktionen und Zölle wirken stark auf die Finanzmärkte. Der Zoll-Schock im Frühjahr 2025 ist das jüngste Beispiel: Eine einzige Ankündigung kostete den S&P 500 binnen sieben Wochen fast 19 Prozent.

Drawdown als Folge eines falschen Verhaltens des Traders

Trader grübelt über die Ursachen seines Drawdowns
Trader grübelt über die Ursachen seines Drawdowns

Die bisher beschriebenen Drawdown-Ursachen kannst du nicht aktiv bekämpfen. Du kannst dich vorbereiten, die Märkte und ihr Umfeld gründlich analysieren und beobachten. Und du kannst rechtzeitig reagieren, wenn du merkst, dass der Markt gegen dich läuft.

Aber du kannst den Markt nicht beeinflussen und kontrollieren (und du kannst den Markt auch nicht „schlagen”). Beeinflussen und kontrollieren kannst du nur deine Reaktion auf die jeweilige Marktsituation.

Und hier kommen wir auf die zweite Gruppe von Ursachen zu sprechen. Tatsächlich sind die meisten Drawdowns, Verluste und zerstörten Konten nicht wirklich auf „den Markt” zurückzuführen, sondern darauf, wie der Trader auf den Markt und seine Besonderheiten reagiert.

Ich werde nun einige dieser Ursachen beleuchten, die in der Psyche, im Verhalten und in kognitiven Fehlschlüssen des Traders zu suchen sind.

1. Fehler in der Strategieentwicklung

  • Unzureichendes Risiko- und Kapitalmanagement: Ausgehend von einer zu hohen Risikotoleranz investieren Trader zu viel Kapital in einen einzelnen Trade. Sie eröffnen Positionen, deren Risiko pro Finanzprodukt (Aktie, CFD, Future) das akzeptable Risiko überschreitet oder sie gehen zu große Positionen ein (oder beides!).
Zitat Alexander Elder: Verluste kontrllieren, Drawdown überleben
Zitat Alexander Elder: Verluste kontrllieren, Drawdown überleben
  • Mangelnde Diversifikation: Eine unzureichende Streuung der Investitionen über verschiedene Anlageklassen oder Märkte kann die Anfälligkeit für Verluste erhöhen. Ein Trader sollte seine Investments diversifizieren, um das Risiko zu minimieren und Drawdowns zu reduzieren. Dabei ist es wichtig, auch die wechselseitigen Beziehungen (Korrelationen) der einzelnen Finanzprodukte zu berücksichtigen. Dies ist zum Beispiel für einen Rohstoff- und Futurestrader essentiell, da hier viele Rohstoffe direkt korreliert sind (z.B. Rohöl und seine Derivate Heizöl, Diesel) oder gegensätzliche Abhängigkeiten aufweisen können (Gold und der US-Dollar bzw. US-Dollar und Euro).Auch im Aktienmarkt müssen Abhängigkeiten der Unternehmen (z.B. in Lieferketten) bei einer Investition berücksichtigt werden.Vor allem in dieser Hinsicht gilt der Leitspruch: Handle nur, was du wirklich verstehst.
  • Ignorieren von Stop-Loss-Orders: Ein weiterer ernsthafter Fehler ist das Vernachlässigen von Stop-Loss-Orders, die den Verlust begrenzen können. Ohne Stop-Loss-Orders besteht die Gefahr, dass Verluste unkontrolliert anwachsen, was den Drawdown deutlich erhöhen kann. Dieser Fehler entwächst aus der sträflichen Vernachlässigung des Risiko- und Money-Managements.
  • Vernachlässigung einer Ausstiegsstrategie: Viele Trader legen den Schwerpunkt ihrer Strategieplanung auf die Frage „Wann steige ich in den Trade ein?”. Viel wichtiger ist jedoch die Antwort auf die Frage „Wann und vor allem wie komme ich aus der Position wieder heraus?”. Ein Stopp-Loss für den Fall, dass die Position in die Verlustzone läuft, ist überlebenswichtig. Genau so wichtig ist es jedoch auch, ein Tradingziel zu bestimmen, bei dessen Erreichen die Position geschlossen wird. Das Handelsziel („Target”) minimiert die Gefahr, denen sich mancher Trader ausgesetzt sieht: er bleibt zu lange in einer Position, gibt erzielte Gewinne wieder ab und sieht zu, wie der Trade dann erst noch in den Verlust läuft.

2. Emotionales Trading

„Die Märkte sind gnadenlos und emotionales Trading führt immer zu Verlusten.” (Dr. Alexander Elder, ‘Trading for a Living’)

In seinem Buch „The New Trading for a Living” (dt. ‘Alles was Sie über Trading wissen müssen’) beleuchtet der Arzt, Psychiater und professionelle Trader Alexander Elder die unterschiedlichen Emotionen eines Traders und deren Auswirkungen auf seine Ergebnisse (das Buch ist eine absolute Leseempfehlung; → Quellenangeben).

Allgemein werden in der Tradingliteratur zwei grundlegende Emotionen genannt: Angst und Gier. Die Gier führt dazu, zu viele Positionen zu schnell und unüberlegt einzugehen oder eine erfolgreiche Position zu lange zu halten (und die erzielten Gewinne am Ende wieder abzugeben).

Nicht selten geht die Gier in eine regelrechte Trading-Sucht über. Der Nervenkitzel am Markt und das Gefühl, unbesiegbar zu sein nachdem sich mehrere Erfolge eingestellt haben, lassen jede Vorsicht vergessen und schalten Vernunft und Überlegung aus.

Die Angst gewinnt meist dann die Oberhand, wenn sich ein oder mehrere Verluste eingestellt haben, also der Drawdown eingetreten ist. Jetzt tritt eine „Schockstarre” ein, die ein rationales Handeln verhindert.

Es ist aber noch eine weitere Emotion zu verzeichnen, die den Trader am Erfolg hindert: die Hoffnung. Läuft ein Trade ins Minus, blüht die Hoffnung, dass der Kurs nur in eine kurze Korrektur eintritt. Der Trader hofft, dass er bald zurückkommt und seinen ursprünglichen Weg fortsetzt. Doch die Hoffnung kann täuschen! Und so bleibt der Händler zu lange in seiner aussichtslosen Position, die oft dadurch entsteht, dass er entweder ohne Stopp-Loss handelt oder ihn, noch schlimmer, verschiebt.

Zitat A. Elder - Emotionales Trading führt zum Drawdown
Emotionales Trading führt zum Drawdown
Zitat aus: Alexander Elder, The New Trading for a Living

3. Heuristiken und Kognitive Verzerrungen

Kognitive Verzerrungen (engl. ‘Cognitive Biases‘) sind nicht nur eng mit dem emotionalen Trading verbunden sondern häufig dessen direkter Auslöser.

Die Liste der kognitiven Verzerrungen ist lang, und häufig beeinflussen mehr als nur eine das Handeln des Menschen. Diese Denk- und Wahrnehmungsfehler, die in unserem Denkprozess auftreten sind oft auf Heuristiken oder vereinfachte Denkregeln zurückzuführen.

Lesetipp: Alles über Trading-Psychologie

Einige Beispiele, die nicht nur für Trader von Bedeutung sind:

  1. Overconfidence Bias (Selbstüberschätzung): tritt auf, wenn ein Trader zu selbstsicher ist und übermäßiges Vertrauen in seine Fähigkeiten hat. Dadurch kann er zu riskante Positionen eingehen oder das Risiko willkürlich erhöhen.
  2. Loss Aversion (Verlustaversion): Trader haben oft Angst vor Verlusten und neigen dazu, Verluste zu vermeiden. Die Folge ist, dass aus einer Position bereits ausgestiegen wird, bevor der im Vorfeld bestimmte Stopp erreicht wurde.
  3. Availability Bias (Verfügbarkeitsheuristik): bezieht sich auf die Tendenz eines Traders, sich auf Informationen oder Ereignisse zu konzentrieren, die ihm leicht verfügbar sind. Dabei kann er wichtige Informationen übersehen oder falsche Schlussfolgerungen ziehen. Die Lösung kann hier sein, einen fundierten und umfassenden, systematischen Prozess der Informationsbeschaffung anzuwenden.
  4. Anchoring Bias (Ankerheuristik): Hierbei orientiert sich ein Trader an einem bestimmten Preisniveau oder einer bestimmten Marktbewegung und lässt sich dadurch beeinflussen. Dadurch kann er möglicherweise nicht rechtzeitig aus einer Position aussteigen oder zu spät einsteigen. Häufig wird der Einstiegspreis als Anker angenommen; eine Bewegung in Verlustrichtung wird dann „ausgesessen” in der Hoffnung, der Preis würde wieder auf sein Einstiegsniveau zurückkehren.
  5. Confirmation Bias (Bestätigungsfehler): Die vermutlich (nicht nur im Trading) häufigste Heuristik des Menschen! Confirmation Bias bezieht sich auf die Tendenz, gezielt Informationen zu suchen und zu akzeptieren, die bestehende Ansichten und eine vorgefertigte Meinung bestätigen. Dadurch werden wichtige Warnsignale übersehen und der Trader kann sich in riskanten Positionen verfangen. Hier gibt es nur eine Lösung: Offenheit für unterschiedliche Perspektiven zeigen und eine regelmäßige Überprüfung der eigenen Annahmen zulassen.
  6. Gambler’s Fallacy (Spieler-Irrtum): Die falsche Überzeugung,  dass ein zufälliges Ereignis viel wahrscheinlicher auftritt, wenn es längere Zeit nicht eingetreten ist, oder unwahrscheinlicher ist, wenn es erst kürzlich oder gehäuft eingetreten ist. Denk an den Lottospieler, der nur Zahlen tippt, die schon drei Jahre lang nicht mehr gezogen wurden.
  7. Herdenverhalten: Dies ist die Tendenz eines Traders, den Handlungen anderer zu folgen und sich von der Masse beeinflussen zu lassen. Dies kann zu übermäßigem Risiko führen, wenn die Mehrheit der Trader in eine bestimmte Richtung geht. Handle unabhängig und führst du ihre eigenen Analysen durch, anstatt mit von der Herde mitzulaufen. Denk immer daran: WENN 80% aller Trader keinen Profit machen UND gleichzeitig aber 80 % long gehen: Wie groß ist dann die Chance, mit einer LONG-Position Gewinn zu erwirtschaften?

4. Mangelnde Disziplin: das Grundübel im Trading

Disziplin ist der zentrale Faktor im Trading. Disziplin beinhaltet die Einhaltung deiner festgelegten Handelsstrategien, deiner Risikomanagement-Regeln und der Ausstiegspläne.

Disziplinierte Händler reagieren nicht impulsiv auf Marktveränderungen. Ihr selbst definiertes Regelwerk gibt ihnen die Richtung vor. Sie bleiben ruhig und befolgen diese Regeln, auch wenn der Markt gegen sie läuft. Ihr diszipliniertes Handeln versetzt sie in die Lage, rechtzeitig aus Verlustpositionen auszusteigen und ihr Kapital zu schützen.

Der erste Schritt, zu mehr Disziplin im Trading ist die gewissenhafte Erarbeitung eines Tradingplans. Dazu gleich mehr.

Die Auswirkungen des Drawdowns auf dein Trading

Die allererste, schmerzliche Auswirkung ist natürlich zunächst der Kapitalverlust. Geh davon aus, dass es wesentlich länger dauern kann, einen Drawdown auszugleichen als ihn zu erleiden. Nach einem Verlust von 10 % brauchst du nicht 10 % Gewinn, um wieder bei null zu stehen. Da dein Kapital durch den Verlust auf 90% seines Ausgangswerts abgesunken ist, benötigst du nun einen Gewinn von 11,1% bezogen auf dein verbliebenes Kapital. Ein 20% Verlust erfordert 25% Gewinn, ein 33% Verlust bereits 50% Gewinn. Feste Drawdown-Grenzen sind zugleich das zentrale Regelwerk beim Trading mit Fremdkapital.

Ein weiterer Aspekt ist die Zeitdauer, die du benötigst, um den Verlust zu egalisieren. Dies „Time-to-Recover” hängt von vielen Faktoren ab und wird hauptsächlich durch die Marktbedingungen, die Performance und Dynamik des Marktes, bestimmt.Natürlich könnte man meinen, eine höhere Handelsfrequenz würde diese „Aufholjagd” verkürzen. Doch hier liegt eine der größten Gefahren und Fehlerquellen für den unerfahrenen Trader: die Trotzreaktion „Jetzt Erst Recht!” führt dazu, zu viele, zu unüberlegte und zu risikoreiche Positionen einzugehen.Dieses „Overtrading” genannte Verhalten ist oft der sichere Weg in den Totalverlust.

Die dritte und gefährlichste Folge des Drawdowns sind die psychologischen Auswirkungen auf den Trader:

Frustration und Selbstzweifel. Den Trader verlässt zunächst die Motivation, weiterzumachen. Der Kapitalverlust schockiert, der Grund dafür stellt das eigene System in Frage. Er verliert sich in Selbstzweifeln. Er sucht einen Schuldigen und findet ihn entweder im Markt oder bei sich selbst. Er resigniert und gibt sich die Schuld am Verlust. Sein Selbstvertrauen ist auf einen Tiefstand gefallen. In diesem Zustand ist an eine Aufarbeitung der wahren Ursachen nicht zu denken. Eine gründliche Analyse der „vermurksten” Trades bleibt aus.

Stress und Angst. Der Rückgang des Kontostands führt im Extremfall zu Existenzängsten, besonders dann, wenn das Trading als ein Teil des Kapitalerwerbs betrieben wird.

Verlust von Disziplin und klarem Denken. Das kann entweder zum völligen Stillstand oder zu unüberlegten, impulsiven Entscheidungen führen. Wie bereits angesprochen, wird alles versucht, um die Verluste wieder aufzuholen.

Bei automatischen Systemen entscheidet der Drawdown darüber, ob du durchhältst. Ein Praxisbeispiel liefert unser Beitrag Algo-Camp im Test.

Wie gehst du mit diesen psychologischen Belastungen um?

Der wichtigste Grundsatz lautet:

Der Drawdown gehört zum Trading
Der Drawdown gehört zum Trading

Halte dir diesen Satz vor Augen: Ein Drawdown gehört zum Trading dazu. Du kannst nicht immer nur gewinnen, in keinem Lebensbereich. Und wie ich eingangs sagte: Nicht der Verlust entscheidet, sondern wie du damit umgehst.

Weder kannst du „den Markt” pauschal für deinen Verlust verantwortlich machen (die irrige Meinung, „der Markt hätte es auf dich abgesehen” ist genauso Humbug wie der Versuch, „den Markt zu schlagen“). Du solltest dich aber auch nicht als Person schuldig sprechen.

Analysiere konkret, was passiert ist. Liegt der Fehler bei deinem Handelssystem? Dann überarbeite es. Sieh dir dabei auch die Ergebnisse der Vergangenheit an. Vielleicht liegt ja eine außergewöhnliche Situation vor, die niemand vorhersehen konnte?

Oder hast du den Fehler gemacht? Dann analysiere ihn und lerne daraus. Wir alle machen Fehler, ich eingeschlossen. Merk dir dazu einen Satz:

Intelligente Menschen machen immer wieder neue Fehler. Dumme Menschen immer wieder dieselben.

Sich in Selbstmitleid oder Selbstzweifeln hinzugeben ist keine Option! Nimm eine Auszeit vom Markt, nutze die Zeit für die Analyse und komm gefestigt zurück.

Fassen wir das Ganze in 8 Punkten zusammen:

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Welche mentalen Verhaltensweisen helfen dir, einen Drawdown zu verarbeiten?

Um einen Drawdown erfolgreich zu verarbeiten, kannst du auf verschiedene mentale Verhaltensweisen zurückgreifen:

  1. Akzeptanz und Realismus: Verluste gehören zum Trading. Ein realistischer Blick auf Drawdowns senkt die emotionale Belastung. Mach weder dich noch den Markt für den Verlust verantwortlich. Es handelt sich um eine normale Phase im Handelsgeschäft.
  2. Geduld und Disziplin: Bleib geduldig und halte an deiner Strategie fest. Disziplin verhindert impulsive Reaktionen, die den Drawdown vertiefen. Versuch nicht, Verluste sofort aufzuholen. Setz dir klare Ziele und handle geduldig.
  3. Emotionale Kontrolle: Trainiere die Beherrschung deiner Emotionen. Lern, auch in schwierigen Lagen sachlich zu entscheiden. Emotionales Handeln vertieft den Drawdown. Meide unkontrollierte Reaktionen aus Frust oder Angst. Ein klarer Kopf ist von wesentlicher Bedeutung.
  4. Selbstreflexion, Lernen und Verbesserung: Nutze den Drawdown als Gelegenheit zur Weiterentwicklung. Analysiere deine Trades, benenne die Fehler und verbessere deine Strategie. Prüf dabei auch, wie du deine Entscheidungen triffst.
  5. Positive Einstellung und Selbstvertrauen: Bleib dir selbst gegenüber fair und vertrau deinen Fähigkeiten. Gesundes Selbstvertrauen hilft dir, gestärkt aus dem Drawdown zu kommen.
  6. Vertrauen in die Strategie: Vertrau deiner erprobten Handelsstrategie. Ein Drawdown bedeutet nicht zwangsläufig, dass deine Strategie versagt hat. Bleib bei deiner Strategie, solange sie nachweislich erfolgreich ist.
  7. Langfristige Perspektive: Denk langfristig. Ein Drawdown ist oft nur eine vorübergehende Phase. Halte an deiner langfristigen Strategie fest.
  8. Austausch und Unterstützung: Suche den Kontakt zu anderen Tradern oder Fachleuten, um Erfahrungen auszutauschen und Unterstützung zu erhalten. Dies kann bei der Bewältigung des Drawdowns behilflich sein. Auch ein Coach oder Psychologe kann dir dabei unterstützend zur Seite stehen, deine mentalen Herausforderungen zu meistern.

Wie kannst du den Drawdown verhindern?

Slogan2 - du kannst den Drawdown nicht verhindern
Du kannst den Drawdown nicht verhindern

Besserer Frageansatz:

Wie kannst du das Risiko eines Drawdowns minimieren?

Du kannst einen Drawdown nicht verhindern. Punkt.

Wer systematisch handelt, kennt seinen schlimmsten Fall vorher. Ein Backtest weist den maximalen Rückgang der Kapitalkurve aus, bevor echtes Geld im Markt liegt. Das verhindert keinen Drawdown, macht seine Größenordnung aber planbar. Wie diese Prüfung abläuft, zeigt der Guide zum Quant Trading.

Aber Du kannst das Risiko und die Auswirkungen begrenzen. Du kannst verhindern, dass ein einzelner Verlust oder eine Serie von Verlusten dein Handelskonto und deine Psyche ruiniert.

Hierfür einige strategische Tipps:

  1. Diversifikation: Der „Kampf dem Drawdown” beginnt bei der Handelsplanung. Eine breite Diversifikation über verschiedene Märkte und Anlageklassen kann helfen, das Risiko zu streuen und damit den potenziellen Drawdown zu verringern. Auch eine Diversifikation der Strategie ist denkbar: Sichere kurzfristige Trade mit mittelfristigen Investitionen z.B. über ETFs ab. ETFs selbst stellen zumeist ein breit diversifiziertes Instrument dar.
  2. Risiko- und Kapitalmanagement: Klare Regeln helfen, Verluste zu begrenzen und unerwartete Drawdowns zu minimieren. Leg dein maximales Risiko deines Gesamt-Portfolios und das Risiko pro Trade fest. Errechne daraus die Positionsgrößen und sichere jede Position mit einem Stopp ab. Zieh den Stopp nach, wenn die Position läuft, und sichere so erzielte Gewinne.
  3. Stopp die Verlustserie: Wirf bei einer Reihe von Verlusten den Anker, nicht das Handtuch. Mach eine Pause, zieh dich zurück und prüf deine Strategie. Geh nicht in Panik und entscheide nichts aus dem Impuls heraus. Vor allem: Bekämpf den Drang, den Verlust sofort aufzuholen.
  4. Ständige Überwachung und Anpassung: Regelmäßige Überwachung deines Portfolios und deiner Performance kann es dir ermöglichen, frühzeitig auf negative Entwicklungen zu reagieren und Anpassungen vorzunehmen. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die Analyse und Evaluation deiner Trades. Führ deshalb genau Buch über alles, was du am Markt tust. Ein Tradingtagebuch gehört zwingend dazu. Notiere darin nicht nur deine Aktionen, sondern auch deine Überlegungen und deine Verfassung.
  5. Backtesting: Teste deine Handelsstrategien gründlich an historischen Daten, um Leistung und Drawdown-Risiko zu beurteilen. Nimm dabei bewusst die kritischen, volatilen Phasen dazu und vergleiche sie mit der aktuellen Marktlage. Pass deine Strategien entsprechend an.
  6. Psychologisches Training: Arbeite an deiner mentalen Kraft und deiner Selbstkontrolle. Emotionale Entscheidungen führen fast immer zu unvernünftigen Trades und Drawdowns. Ein kühler Kopf ist entscheidend.
  7. Bleib am Ball: Verfolg das Wirtschaftsgeschehen. Welche Wirkung haben fiskalische, politische und ökonomische Entscheidungen auf die Märkte? Der Zoll-Schock im April 2025 hat gezeigt, wie schnell eine einzelne politische Ankündigung die Kurse bewegt. Verlass dich auf deinen Verstand und lauf nicht in die kognitiven Fallen von oben.
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Wie lang eine Erholung dauern kann, zeigt ein Beispiel mit offenen Zahlen. Der Rückschlag von Toby Crabels Programm im April 2013 betrug nur 14,25 %, bis zum neuen Höchststand vergingen danach aber 29 Monate. Die komplette Reihe steht im Artikel zu Crabels Handelsbilanz seit 1998.

Wie sich Drawdown-Asymmetrie, Varianz und Verlustserien statistisch zusammenfügen, zeigt der Beitrag zur Mathematik hinter dem Trading anhand einer Monte-Carlo-Simulation mit echten Journal-Zahlen.

Viele Drawdowns entstehen nicht aus der Marktlage, sondern aus wiederholten Ausführungsfehlern. Welche Trading-Fehler dabei am häufigsten im Spiel sind, zeigt die Übersicht der dreizehn teuersten Muster.

Fazit zum Thema Drawdown und Ausblick

Ein Drawdown ist keine Ausnahmesituation, die dich in Panik versetzen muss. Wenn du das mitnimmst, hat dieser Artikel sein Ziel erreicht.

Du hast gesehen, dass Drawdowns in der Geschichte der Finanzmärkte nichts Außergewöhnliches sind. Und so verheerend ihre unmittelbaren Auswirkungen auch sein mögen, man kann sich dagegen wappnen.

Wenn du die Ursachen kennst, die Anzeichen erkennst und vor allem dein eigenes Verhalten im Griff hast, lassen sich Drawdowns überstehen. Trading ist zuerst Psychologie und danach überlegtes Handeln.

Der Schlüssel liegt im Risiko- und Kapitalmanagement, in deiner Portfolioplanung und in deiner Psyche. Wer seine Emotionen im Griff hat und Ungeduld ausschaltet, übersteht auch tiefe Drawdowns.

Häufige Fragen zum Drawdown

Was ist ein Drawdown im Trading?

Ein Drawdown im Trading bezeichnet den Rückgang des Wertes eines Handelskontos oder Portfolios von einem Höchststand bis zu einem Tiefpunkt. Er wird in Prozent gemessen und zeigt den maximalen Verlust an, den ein Trader oder Investor über einen bestimmten Zeitraum hinnehmen musste.

Warum ist der Drawdown eine wichtige Kennzahl?

Der Drawdown ist wichtig, weil er das Risiko und die Volatilität einer Handelsstrategie oder eines Investments widerspiegelt. Er hilft Tradern und Investoren zu verstehen, wie viel ihres Kapitals sie potenziell verlieren könnten und ist entscheidend für das Risikomanagement.

Wie berechnet man den Drawdown?

Der Drawdown wird berechnet, indem der prozentuale Unterschied zwischen dem Höchststand des Kontowertes und dem darauf folgenden Tiefpunkt ermittelt wird. Zum Beispiel, wenn ein Konto von 10.000 Euro auf 7.000 Euro fällt, beträgt der Drawdown 30%.

Was bedeutet der maximale Drawdown?

Der maximale Drawdown (Max Drawdown) ist der größte Drawdown, der während eines bestimmten Zeitraums aufgetreten ist. Er ist ein kritischer Indikator für das maximale Verlustrisiko einer Handelsstrategie oder eines Investments.

Kann man einen Drawdown vermeiden?

Ein Drawdown ist in der Regel nicht vollständig vermeidbar, da Marktschwankungen und Verluste Teil des Tradings sind. Jedoch können durch effektives Risikomanagement und eine durchdachte Handelsstrategie die Auswirkungen von Drawdowns minimiert werden.

Wie beeinflusst ein Drawdown die Trading-Entscheidungen?

Ein hoher Drawdown kann psychologisch belastend sein und Trader dazu veranlassen, vorschnelle Entscheidungen zu treffen, wie z.B. das Schließen von Positionen zu ungünstigen Zeiten. Ein gutes Verständnis des eigenen Risikotoleranzniveaus und eine klare Strategie sind daher wichtig.

Wie lange dauert es, sich von einem Drawdown zu erholen?

Die Erholungszeit von einem Drawdown hängt von der Größe des Drawdowns und der Performance der nachfolgenden Trades ab. Ein tiefer Drawdown erfordert oft eine deutlich höhere Performance, um das verlorene Kapital zurückzugewinnen.

Sollte man während eines Drawdowns die Handelsstrategie ändern?

Obwohl es verlockend sein kann, ist es oft nicht ratsam, die Handelsstrategie mitten in einem Drawdown grundlegend zu ändern. Stattdessen sollte man die Strategie regelmäßig überprüfen und anpassen, um sicherzustellen, dass sie weiterhin den eigenen Zielen und Marktbedingungen entspricht.

Wie kann man das Risiko eines Drawdowns minimieren?

Risikomanagement-Techniken wie die Festlegung von Stop-Loss-Orders, Diversifikation des Portfolios und die Begrenzung der Größe von Handelspositionen können dazu beitragen, das Risiko eines Drawdowns zu minimieren.

Sind Drawdowns nur für Daytrader relevant?

Nein, Drawdowns sind für alle Arten von Tradern und Investoren relevant, unabhängig davon, ob sie kurzfristig (Daytrading), mittelfristig oder langfristig handeln. Sie sind ein universelles Maß für das Risiko und die Performance von Handelsstrategien.

Was heißt Drawdown auf Deutsch?

Drawdown heißt übersetzt Wertverlust, der Maximum Drawdown entsprechend maximaler Wertverlust. Gemeint ist immer der Rückgang vom letzten Höchststand bis zum folgenden Tiefpunkt, angegeben in Prozent. Außerhalb der Börse hat das Wort andere Bedeutungen, etwa den Abruf eines Kredits oder das Absinken des Grundwasserspiegels.

Wie hoch ist der maximale Drawdown des DAX?

Gemessen an Tagesschlusskursen seit 1988 beträgt der maximale Drawdown des DAX 72,7 Prozent. Er entstand zwischen dem 7. März 2000 und dem 12. März 2003 beim Platzen der Dotcom-Blase. Bis der Index seinen alten Höchststand wieder überschritt, vergingen danach 7,3 Jahre.

Wie oft kommt ein Drawdown vor?

Im DAX gab es seit 1988 zwölf Phasen mit einem Rückgang von mindestens 15 Prozent, im Schnitt also alle gut drei Jahre eine. Kleinere Rückgänge sind der Normalfall: An 94 Prozent aller Handelstage notierte der Index unter einem früheren Höchststand.

Leseempfehlungen und Quellen

Thema „Börsencrashs”

Ursachen und Abhilfe von Drawdowns

Screener und Assetvergleiche (Beispiele)

Literaturempfehlungen

  • Alexander Elder (2014): The New Trading for a Living, New Jersey, dt: Alles, was Sie über Trading wissen müssen, BörsenbuchVerlag Kulmbach 2021
  • M. Baehr/A.Aziz: Introduction to Trading Psychology,  Independently published (August 2022)
  • Robert Koppel: Investing and the Irrational Mind, McGraw-Hill Education Ltd (2011)

Charts und Grafiken

  • Historische Kurscharts erstellt mit barchart.com, Charts Abb. 6 und 8 erstellt mit TradingView
  • Eigene Auswertung der Drawdown-Episoden: Tagesschlusskurse von DAX, S&P 500 und NASDAQ Composite, Datenquelle Yahoo Finance, Stand 25.08.2026
  • Cartoons: BING Image Creator/DALL-E Bing Image Creator
  • Zeichnungen: Excalidraw (Excalidraw) / GIMP
  • eigene Screenshots

Über den Autor: Karl-Heinz Ramer

Karl-Heinz Ramer arbeitete mehr als 20 Jahre in der IT als Dozent, Programmierer und Systemadministrator. Zum Trading kam er über einen Freund, der ihn in den Futures-Handel und den COT-Report einführte.

Für dieses Thema qualifiziert ihn seine Herkunft aus dem Futures-Handel. Dort ist der Drawdown keine Kennzahl aus dem Lehrbuch, sondern die Größe, die über die Nachschusspflicht entscheidet. Wer gehebelt handelt, merkt einen Rückgang von 20 Prozent nicht am Jahresende, sondern am selben Abend.

Die Auswertung der 9.774 DAX- und 11.756 S&P-500-Schlusskurse sowie der Abschnitt zum Zoll-Schock 2025 sind redaktionelle Ergänzungen der Kagels-Trading-Redaktion. Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.

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