Ein Futures-Trade beginnt nicht im Chart, sondern bei den Daten dahinter: Kontraktgröße, Verfallstermin und die Frage, wie die großen Adressen im Markt positioniert sind. Bei den meisten Anbietern liegt jedes dieser Werkzeuge woanders. barchart.com legt sie auf eine einzige Seite, und ein großer Teil davon funktioniert ohne Bezahlabo und sogar ohne Anmeldung.
Das Portal ist amerikanisch, und das merkst du an jeder Ecke. Bei US-Aktien, Futures und Optionen ist die Datentiefe stark. Bei deutschen Werten wird es dünner, und die Oberfläche bleibt durchgehend englisch. Wer das einkalkuliert, holt trotzdem viel heraus: Screener, Positionsdaten und Chartwerkzeuge gibt es hier in einem Umfang, für den andere Anbieter Geld verlangen.
Dieser Artikel zeigt dir, was die drei Tarife wirklich unterscheiden, welche Märkte Barchart für europäische Trader abdeckt und an welchen Stellen die Plattform an ihre Grenzen kommt. Alle Angaben zu Funktionen und Preisen habe ich am 20. August 2026 direkt auf barchart.com geprüft. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
barchart.com: das Wichtigste
in 30 Sekunden
- Finanzportal aus Chicago, seit 1995 online: Barchart liefert Kurse, Nachrichten und Analysewerkzeuge für Aktien, Futures, Optionen, ETFs und Devisen. Der Schwerpunkt liegt klar auf dem US-Markt.
- Drei Tarife: Free kostet nichts, ist aber auf 20 Seitenaufrufe pro Tag und je eine Watchlist, ein Portfolio und einen gespeicherten Screener begrenzt. Plus kostet 9,99 Dollar im Monat, Premier 29,95 Dollar. Im Jahresabo sinkt Premier auf 19,95 Dollar pro Monat.
- Stärken liegen in der Recherche: Screener mit über hundert Filterkriterien, COT-Positionsdaten, Unusual Options Activity und fertige Kursmarken-Übersichten für jeden Kontrakt gehören zum Besten, was ein Portal dieser Preisklasse bietet.
- Grenzen für deutsche Trader: Die Oberfläche gibt es nur auf Englisch. Aktienkurse laufen 15 Minuten verzögert, deutsche Werte kommen über die paneuropäische Cboe-Notierung statt über Xetra.
- Handeln geht nur mit Zusatzprogramm: Auf der Website selbst kannst du keine Order aufgeben. Der kostenlose Desktop-Client Barchart Trader verbindet sich über das CQG-Gateway mit Partnerbrokern und erlaubt dann Futures-Orders direkt aus dem Chart.
Was ist barchart.com?
barchart.com ist ein US-amerikanisches Finanzportal aus Chicago, das seit 1995 Kursdaten, Nachrichten und Analysewerkzeuge für Aktien, Futures, Optionen, ETFs und Devisen bündelt.
Hinter der Seite steht ein Marktdaten-Unternehmen, kein Broker. Barchart verkauft Kursdaten und Software an Banken, Rohstoffhändler und Medienhäuser. Das Portal für Privatanleger ist gewissermaßen das Schaufenster dieses Geschäfts. Den professionellen Zweig findest du unter barchart.com/solutions, dort läuft unter anderem die Rohstoffplattform cmdtyView.
Für dich als Trader ist vor allem eines interessant: Weil Barchart die Daten selbst einkauft und aufbereitet, ist die Abdeckung bei Futures und Optionen ungewöhnlich vollständig. Du findest nicht nur den Frontmonat, sondern die komplette Kontraktreihe, dazu COT-Daten, saisonale Auswertungen und Open Interest.
Die Seite lässt sich auf fünf Marktregionen umstellen: US, Kanada, Großbritannien, Australien und Europa. Der Umschalter sitzt oben rechts hinter dem Flaggensymbol. Er ändert die Startseite, die Suchergebnisse und die vorgeschlagenen Listen, nicht aber die Sprache.
Was kostet barchart.com? Free, Plus und Premier im Vergleich
Barchart verkauft drei Mitgliedschaften. Der Unterschied liegt weniger in den Funktionen als in den Mengenbegrenzungen. Fast alles ist auch im Gratistarif sichtbar, du darfst es nur selten und selten gleichzeitig nutzen. Wer täglich mit der Seite arbeitet, stößt im Free-Tarif schnell an die 20 Seitenaufrufe pro Tag.
| Tarif | Monatlich | Jahresabo |
|---|---|---|
| Free | 0 Dollar | entfällt |
| Plus | 9,99 Dollar | 99,00 Dollar (8,25 Dollar pro Monat) |
| Premier | 29,95 Dollar | 239,95 Dollar (19,95 Dollar pro Monat) |
Für Plus und Premier sind die ersten 30 Tage kostenlos, danach wird monatlich abgebucht. Beide Tarife gibt es zusätzlich als Zweijahresabo: Plus liegt dann bei 179,00 Dollar (7,46 Dollar pro Monat), Premier bei 419,95 Dollar (17,49 Dollar pro Monat). Alle Preise verstehen sich in US-Dollar, dein Kartenanbieter rechnet also um.
Was die Tarife praktisch trennen, sind drei Dinge. Free erlaubt je eine Watchlist, ein Portfolio und einen gespeicherten Screener, zeigt Werbung und deckelt die Seitenaufrufe. Plus hebt das auf zehn Stück je Kategorie, entfernt die Werbung und schaltet die COT-Berichte sowie den Futures Trading Guide frei. Premier hebt alle Mengengrenzen auf und bringt die Werkzeuge, wegen derer die meisten wechseln: Echtzeit-Alarme per SMS, die Options-Screener samt Unusual Options Activity und bis zu 250 Daten-Downloads pro Tag.
Ehrlich gesagt lohnt sich Plus nur selten. Entweder reicht dir der Gratiszugang für den gelegentlichen Blick auf einen Kontrakt, oder du brauchst die Options- und Alarmfunktionen und landest damit ohnehin bei Premier. Der mittlere Tarif ist vor allem ein Werbefrei-Abo mit etwas mehr Speicherplätzen.
Zwei kostenpflichtige Zusatzprodukte
Neben den Mitgliedschaften verkauft Barchart ein Excel-Add-in. Barchart for Excel zieht Kurse über eine Formelfunktion direkt in die Tabelle und kostet 89,95 Dollar im Monat. Der Test läuft bis zum ersten Werktag des Folgemonats. Für private Trading-Software-Setups ist das ein stolzer Preis, für ein Research-Team mit Excel-Modellen kann es sich rechnen. Details stehen auf barchart.com/barchart-for-excel.
Der Desktop-Client Barchart Trader ist dagegen gratis herunterzuladen. Bezahlt wird dort nicht die Software, sondern die Echtzeit-Börsengebühr je Börse und optionale Nachrichtenfeeds von Dow Jones, die zwischen 80 und 165 Dollar pro Monat liegen. Mehr dazu weiter unten im Abschnitt zum Handel.
Welche Märkte deckt Barchart ab, und was bekommen deutsche Trader?
Barchart ist zuerst eine US-Plattform. Aktien von NYSE und Nasdaq, Futures von CME, CBOT und ICE, dazu Optionen, ETFs und die großen Devisenpaare: In diesem Bereich findest du praktisch alles, inklusive Vor- und Nachbörse. Die Rubrik Pre-Market Movers ist für den vorbörslichen Handel brauchbar aufbereitet.
Europäische Werte laufen über eine andere Notierung, und das ist der Punkt, an dem viele deutsche Nutzer stolpern. Deutsche Aktien kommen nicht von Xetra, sondern über die paneuropäische Cboe Europe mit dem Kürzel DXE. SAP findest du dort als Symbol SAP.D.DX, nicht als SAP.DE. Der DAX selbst ist als Index unter $DAX hinterlegt.
Für den deutschen Aktienhandel ist Barchart deshalb kein Ersatz für ein Depot-Frontend oder ein deutsches Kursportal, weil Volumen und Kurse von einer Nebenbörse stammen und nicht vom Heimatmarkt.
Bei den Rohstoff- und Terminmärkten dreht sich das Bild. Hier arbeitet Barchart mit Daten, die es sonst nur in teuren Terminals gibt. Über die Suche kommst du auch an europäische Kontrakte, etwa an den Weizen-Future der Euronext in Paris. Wer Futures handelt, bekommt hier deutlich mehr geboten als bei einem klassischen Aktienportal.

Ein Wort zur Aktualität der Kurse, weil das regelmäßig für Missverständnisse sorgt. Aktien laufen bei Barchart standardmäßig 15 Minuten verzögert, lediglich die Cboe-BZX-Kurse kommen in Echtzeit. Futures und Devisen hinken 10 bis 15 Minuten hinterher. Für Analyse und Vorbereitung reicht das. Für einen Einstieg am laufenden Markt reicht es nicht.
Verzögerte Kurse sind Kursdaten, die eine Börse erst nach einer festgelegten Wartezeit freigibt, meist 15 Minuten, weil Echtzeitdaten kostenpflichtig lizenziert werden müssen.
Die wichtigsten Werkzeuge von barchart.com
Die Menüzeile teilt das Angebot nach Anlageklassen: Stocks, Options, ETFs, Futures, Currencies, dazu Investing, News, Tools und Learn. Jeder Eintrag öffnet ein umfangreiches Untermenü. Der Einstieg wirkt erschlagend, weil Barchart auf jede Vorauswahl verzichtet und dir alles gleichzeitig anbietet.

Screener: der stärkste Teil der Plattform
Ein Screener ist ein Filterwerkzeug, das aus tausenden Wertpapieren nur jene heraussucht, die zuvor festgelegte Bedingungen erfüllen, etwa ein bestimmtes Handelsvolumen oder einen Indikatorwert.
Barcharts Stock Screener arbeitet mit mehr als hundert Filterkriterien, von der Fundamentalkennzahl bis zum technischen Indikator. Du baust dir die Bedingungen zusammen und speicherst sie. Im Free-Tarif darfst du genau einen Screener sichern, was für ein einzelnes Setup reicht, aber nicht für eine Strategiesammlung. Wer mehrere Marktphasen abbilden will, landet bei den Bezahltarifen. Im Vergleich mit anderen Aktienscreenern liegt Barchart bei der Filtertiefe weit vorn.

Listen, Custom Views und Marktübersichten
Neben dem Screener liefert Barchart fertige Ranglisten: die größten Tagesgewinner, die aktivsten Kontrakte, neue Jahreshochs, Kurslücken. Praktisch daran ist die Custom View: Du legst selbst fest, welche Spalten eine Liste zeigt, und speicherst diese Ansicht. Wer regelmäßig auf Volumen und Vortagsschluss schaut, spart sich damit jeden Tag ein paar Klicks.
Charts und Indikatoren
Die interaktiven Charts decken alles ab, was für die technische Analyse nötig ist: Zeichenwerkzeuge, Fibonacci-Raster, Kurslineale und rund hundert Indikatoren. Vertraute Klassiker wie gleitende Durchschnitte oder Bollinger-Bänder sind ebenso vorhanden wie exotischere Studien. Bedienung und Optik wirken allerdings altbacken, wenn du moderne Charting-Oberflächen gewohnt bist.

Die Indikatoren teilt Barchart in Overlay und Standalone. Overlays legen sich über den Kurs, Standalone-Studien laufen in einem eigenen Fenster darunter. Wie die Werkzeuge im Detail arbeiten, beschreibt Barchart in seiner Dokumentation zu den interaktiven Charts. Wenn dir die Grundlagen dazu fehlen, hilft unser Beitrag Was sind Trading Charts? beim Einstieg.
COT-Daten und Optionsauswertungen
Zwei Auswertungen heben Barchart von den meisten Gratisportalen ab. Die COT-Daten der US-Terminaufsicht zeigen dir wöchentlich, wie kommerzielle Händler, große Spekulanten und Kleinanleger in einem Rohstoff positioniert sind. Barchart bereitet sie als Chart unter dem Kurs auf, inklusive COT-Index. Das spart die Handarbeit mit den Rohdaten der CFTC.
Die zweite Auswertung ist Unusual Options Activity, sichtbar nur im Premier-Tarif. Sie listet Optionskontrakte, deren Umsatz das übliche Maß deutlich übersteigt. Für Options-Trader ist das ein Ausgangspunkt für die Recherche, kein Signal. Wer Stimmungsdaten sucht, findet auf derselben Seite auch das Put-Call-Ratio.
Unusual Options Activity bezeichnet Optionskontrakte, deren Tagesumsatz das offene Interesse oder den historischen Durchschnitt ungewöhnlich stark übersteigt.

Genau so bereite ich einen Trade vor: Erst die Positionierung prüfen, dann im Chart die Marken abtragen. Der Stop-Loss liegt hinter der letzten markanten Umkehr, das Ziel an der nächsten Widerstandszone, und aus beidem ergibt sich das Chance-Risiko-Verhältnis. Für den WTI-Kurs liefert Barchart dafür alle nötigen Bausteine auf einer Seite. Ausgeführt wird die Order aber woanders.
Über Barchart Trader handeln: was geht und was nicht
Auf barchart.com selbst kannst du keine Order aufgeben. Die Website ist ein Analyse- und Nachrichtenportal, kein Broker-Frontend. Wer im Netz liest, Barchart erlaube generell keinen Handel aus dem Chart, hat allerdings nur die halbe Antwort.
Barchart stellt nämlich ein zweites Programm bereit: Barchart Trader, einen Desktop-Client für Windows und macOS. Der Download ist kostenlos, ein Konto genügt. Über das Gateway von CQG verbindet sich das Programm mit einem Partnerbroker. Ist die Verbindung aktiv, erscheint im Programm ein Trading-Reiter, und du kannst Futures-Orders aus dem Chart oder aus dem DOM Trader heraus schicken.
Barchart Trader ist ein kostenloser Desktop-Client, der über das CQG-Gateway an einen angebundenen Broker koppelt und dann den Handel von Futures direkt aus dem Chart erlaubt.
Die Einschränkungen solltest du kennen, bevor du dir davon zu viel versprichst. Der integrierte Handel gilt für Futures, nicht für Aktien oder Optionen im deutschen Depot. Dein Broker muss CQG unterstützen, und die Liste besteht überwiegend aus US-Futures-Brokern. Kostenlos ist außerdem nur die Software: Für Echtzeitkurse zahlst du die Börsengebühren der jeweiligen Börse. Für reine Aktienauswahl mit europäischen Börsenplätzen ist ChartMill die naheliegende Ergänzung.
Der Test läuft 14 Tage und deckt die Echtzeitdaten von CME Group, EUREX und Forex ab. Für Trader aus dem deutschsprachigen Raum ist die EUREX-Abdeckung der relevante Punkt, weil dort Bund-Future und DAX-Kontrakte liegen. Eine gültige Kreditkarte ist für den Test Pflicht, und ohne rechtzeitige Kündigung geht die Abbuchung am ersten Werktag des Folgemonats los. Alle Angaben stehen auf barchart.com/trader.
Unterwegs deckt die Barchart-App für Android und iPhone die Kernfunktionen ab: Watchlists, Charts, Alarme, Nachrichten. Sie ersetzt keinen Arbeitsplatz, taugt aber zum Nachschauen. Den Überblick dazu findest du unter barchart.com/app.
Barchart als Nachrichten- und Lernportal
Unter News laufen Meldungen von Barcharts eigener Redaktion, dazu Zulieferungen von Agenturen. Der Schwerpunkt liegt auf US-Aktien, Quartalszahlen und Rohstoffen. Deutschsprachige Nachrichten gibt es nicht, auch nicht in der Europa-Ansicht.
Das Menü Learn sammelt Erklärstücke, Webinare und Aufzeichnungen. Inhaltlich bewegt sich das zwischen Grundlagenwissen und Produktvorstellungen: Ein Teil erklärt Marktmechanik, ein anderer Teil bewirbt die eigenen Premier-Funktionen. Wer das trennt, findet brauchbares Material vor allem zu Terminmärkten.
Außerhalb der Seite betreibt Barchart einen YouTube-Kanal und ein Forum auf Reddit. Auf YouTube laufen tägliche Marktrückblicke und Werkzeug-Tutorials, im Subreddit r/barchart beantwortet das Team Nutzerfragen. Beides ist englischsprachig, aber näher an der Praxis als das offizielle Lernmenü.
Vorteile und Nachteile von barchart.com
Barchart ist kein Allrounder, sondern ein Spezialist für Datenrecherche. Entsprechend klar fällt die Bilanz aus: stark überall dort, wo es um Terminmärkte und Filterarbeit geht, schwach bei Bedienkomfort und europäischer Abdeckung.
Vorteile von barchart.com
- Viel Substanz im Gratistarif: Charts, Basis-Screener, Kurslisten und Nachrichten sind ohne Anmeldung nutzbar. Andere Portale verstecken das hinter einer Registrierung.
- Außergewöhnliche Tiefe bei Futures und Optionen: komplette Kontraktreihen, COT-Auswertungen, saisonale Statistiken und Optionsketten in einer Qualität, die sonst Geld kostet.
- Screener mit über hundert Filterkriterien: fundamentale, technische und volumenbasierte Bedingungen lassen sich frei kombinieren und als Vorlage speichern.
- Fertige Kursmarken je Kontrakt: Barchart rechnet Widerstände, Unterstützungen und Pivot-Marken vor. Das ersetzt keine eigene Analyse, spart aber Zeit bei der Vorauswahl.
- Daten kommen aus erster Hand: Barchart ist selbst Marktdatenanbieter und beliefert Banken und Medienhäuser. Fehlende Kontrakte oder Lücken sind selten.
Nachteile von barchart.com
- Nur auf Englisch: weder Oberfläche noch Nachrichten gibt es auf Deutsch, auch nicht in der Europa-Ansicht. Ohne solides Börsenenglisch wird es zäh.
- Kurse laufen verzögert: Aktien 15 Minuten, Futures und Devisen 10 bis 15 Minuten. Für die Ausführung am laufenden Markt ist das unbrauchbar.
- Deutsche Aktien nur über die Cboe-Notierung: Xetra-Kurse und Xetra-Volumen fehlen, die Symbolik weicht von der gewohnten ab.
- Harte Mengengrenzen im Gratistarif: 20 Seitenaufrufe pro Tag sind schnell aufgebraucht, und mehr als eine gespeicherte Watchlist ist nicht drin.
- Überladene Oberfläche: Barchart legt sämtliche Unterseiten gleichzeitig offen und verzichtet auf einen geführten Einstieg. Die ersten Stunden kosten Nerven.
Barchart oder TradingView? Und welche Alternativen sonst infrage kommen
Die Frage taucht ständig auf, führt aber in die Irre. Die beiden Plattformen lösen unterschiedliche Aufgaben. TradingView ist ein Charting-Werkzeug mit angeschlossener Community und eigener Skriptsprache. Barchart ist ein Datenportal mit angeschlossenem Chart.
Beim Chart gewinnt TradingView deutlich: flüssigere Bedienung, bessere Zeichenwerkzeuge, Broker-Anbindung und mit dem Pine Editor die Möglichkeit, eigene Indikatoren zu programmieren. Bei der Datenrecherche dreht sich das Bild. COT-Auswertungen, Optionsstatistiken und Kontraktdetails liefert Barchart vollständiger und im Gratistarif großzügiger. Wer Alternativen zum Charting sucht, findet sie in unserem Überblick zu TradingView-Alternativen.
| Kriterium | barchart.com | TradingView |
|---|---|---|
| Schwerpunkt | Datenrecherche, Terminmärkte | Charting und Community |
| Gratistarif | sehr umfangreich, aber gedeckelt | Chart voll nutzbar, wenige Indikatoren |
| Echtzeitkurse | nur im Bezahltarif und je Börse | je Börsenpaket zubuchbar |
| Deutsche Aktien | über Cboe Europe | über Xetra und Tradegate |
| Eigene Skripte | nein | ja, über Pine Script |
Sinnvoll ist die Kombination: Recherche bei Barchart, Ausführung und Chartarbeit anderswo. Genau so nutze ich die Seite. Sie steht bei mir für den Blick auf Positionierung und Kontraktdaten offen, gehandelt wird in der Plattform des Brokers.
Drei weitere Anbieter lohnen den Vergleich, je nach Schwerpunkt. Finviz ist beim Screening von US-Aktien schneller und übersichtlicher, deckt Terminmärkte aber kaum ab. StockCharts punktet bei der klassischen Chartanalyse mit sauberen Vorlagen. Investing.com bringt deutschsprachige Nachrichten und einen brauchbaren Wirtschaftskalender, bleibt bei den Daten aber flacher. Ganz oben in der Preisklasse steht das Bloomberg Terminal, das für Privatanleger allerdings außer Reichweite liegt. Einen Gesamtüberblick gibt unsere Übersicht der Börsen- und Finanzportale.
Wie seriös ist barchart.com?
Barchart ist seit 1995 am Markt, sitzt in Chicago und beliefert institutionelle Kunden mit Kursdaten. Das Unternehmen verdient sein Geld also nicht mit Privatanlegern allein. Ein Signaldienst oder ein Renditeversprechen findet sich auf der Seite nicht, und darauf kommt es bei der Seriositätsfrage zuerst an.
Bei Trustpilot steht barchart.com am 20. August 2026 bei 3,8 von 5 Punkten aus 41 Bewertungen. Das Profil ist seit Juni 2026 vom Unternehmen beansprucht. Die Verteilung ist auffällig zweigeteilt: 49 Prozent vergeben fünf Sterne, 39 Prozent nur einen. Ein Mittelfeld gibt es fast nicht.
Liest man die Texte, erklärt sich das Muster. Die guten Bewertungen loben Datentiefe und Webinare. Ein Nutzer schreibt am 8. August 2026, die Plattform sei „extremely valuable to investors/traders who’re willing to dig into a huge vault of high-quality stock, etf, futures and options data“. Die schlechten Bewertungen drehen sich fast ausnahmslos um Abrechnung und Kundendienst. Ein britischer Nutzer urteilt am 3. August 2026 unter der Überschrift „Extremely poor sevice“: „I would give customer service zero stars if I could.“
Daraus folgt eine praktische Regel: Behalte die Testphase im Blick. Sowohl bei den Mitgliedschaften als auch beim Excel-Add-in beginnt die Abbuchung automatisch, wenn du nicht rechtzeitig kündigst. Genau daran entzünden sich die meisten Beschwerden. Für den Test wird außerdem eine Kreditkarte verlangt.
Beim Datenschutz gilt der übliche Vorbehalt bei US-Anbietern. Barchart bindet zahlreiche Werbepartner ein, der Dialog nennt über tausend davon. Wer das nicht möchte, lehnt im Einwilligungsdialog alles außer den notwendigen Diensten ab. Wie wir selbst mit Daten umgehen, steht in unserer Datenschutzerklärung.
Für wen lohnt sich barchart.com?
Am meisten holen Futures- und Rohstoffhändler heraus. Wer wissen will, wie die kommerziellen Adressen im Weizen positioniert sind, welcher Kontraktmonat das Volumen trägt und wo die saisonalen Muster liegen, findet das hier gebündelt und zum großen Teil kostenlos.
Für Options-Trader lohnt vor allem der Premier-Tarif, weil dort die Auswertungen zu ungewöhnlicher Optionsaktivität liegen. Auch Swing-Trader auf US-Aktien profitieren, wenn sie den Screener ernsthaft nutzen und nicht nur gelegentlich einen Kurs nachschlagen.
Weniger geeignet ist Barchart für drei Gruppen. Wer ausschließlich deutsche Aktien handelt, bekommt Kurse von einer Nebenbörse und keinen Xetra-Bezug. Wer kein Englisch lesen mag, kämpft mit jeder Seite. Und wer schnelle Ausführung braucht, ist mit einer Daytrading-Plattform besser bedient, weil die Kurse hier verzögert laufen.
Fazit: starkes Rechercheportal mit klaren Grenzen
barchart.com gehört zu den Seiten, die ich seit Jahren offen habe, ohne je etwas dafür bezahlt zu haben. Für die Vorbereitung eines Termingeschäfts liefert der Gratistarif mehr, als viele Bezahlangebote bieten: Kontraktdaten, Positionierung der Marktteilnehmer, saisonale Muster und einen ordentlichen Chart. Das ist eine ehrliche Leistung für null Dollar.
Die Grenzen sind genauso deutlich. Handeln kannst du auf der Website nicht, die Kurse laufen verzögert, und deutsche Aktien kommen über eine Nebenbörse statt über Xetra. Wer nur DAX-Werte kauft und kein Englisch mag, ist hier falsch. Das ist kein Mangel der Seite, sondern eine Frage des Zuschnitts: Barchart ist für den US-Terminmarkt gebaut.
Ob sich ein Abo lohnt, hängt an einer einzigen Frage: Brauchst du die Optionsauswertungen und die Echtzeit-Alarme? Wenn ja, führt am Premier-Tarif kaum ein Weg vorbei. Wenn nein, bleib beim Gratiszugang und lebe mit den 20 Seitenaufrufen am Tag. Den mittleren Tarif würde ich in den meisten Fällen überspringen.
Mein Rat aus der Praxis: Nutze Barchart als Rechercheseite, nicht als Arbeitsplatz. Die Analyse entsteht hier, der Trade entsteht in der Plattform deines Brokers. Und wenn du die Testphase startest, trag dir das Kündigungsdatum direkt in den Kalender ein.
Häufige Fragen zu barchart.com
Ist barchart.com kostenlos?
Ja, der Free-Tarif kostet nichts und ist ohne Anmeldung nutzbar. Er ist allerdings begrenzt auf 20 Seitenaufrufe pro Tag sowie je eine Watchlist, ein Portfolio und einen gespeicherten Screener. Charts, Kurslisten und Nachrichten stehen vollständig zur Verfügung, dafür zeigt Barchart Werbung.
Was kostet Barchart Premier?
Barchart Premier kostet 29,95 Dollar im Monat. Im Jahresabo sind es 239,95 Dollar, was 19,95 Dollar pro Monat entspricht. Die ersten 30 Tage sind kostenlos, danach wird automatisch abgebucht. Premier enthält Echtzeit-Alarme, die Options-Screener und unbegrenzte Watchlists.
Gibt es barchart.com auf Deutsch?
Nein. Weder die Oberfläche noch die Nachrichten gibt es auf Deutsch, auch nicht in der Europa-Ansicht. Der Regionsumschalter ändert nur die angezeigten Märkte, nicht die Sprache. Solide Englischkenntnisse sind für die Nutzung deshalb Voraussetzung.
Sind die Kurse bei Barchart in Echtzeit?
Im Standard nicht. Aktienkurse laufen 15 Minuten verzögert, Futures und Devisen 10 bis 15 Minuten. Nur die Kurse der Cboe BZX kommen in Echtzeit. Echtzeitdaten kosten extra und werden je Börse abgerechnet.
Kann man über barchart.com direkt handeln?
Über die Website nicht. Der kostenlose Desktop-Client Barchart Trader koppelt sich jedoch über das CQG-Gateway an einen Partnerbroker, und dann sind Futures-Orders direkt aus dem Chart oder aus dem DOM Trader möglich. Aktien und Optionen im deutschen Depot bleiben außen vor.
Findet Barchart auch deutsche Aktien?
Ja, aber über die paneuropäische Cboe-Notierung mit dem Kürzel DXE. SAP läuft dort als SAP.D.DX, der DAX als $DAX. Xetra-Kurse und Xetra-Volumen fehlen, weshalb Barchart für den reinen Handel deutscher Aktien kein Ersatz für ein deutsches Kursportal ist.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading. Er handelt seit 1978 an den Finanzmärkten, und zwar diskretionär nach Price Action, nicht nach einem automatisierten System. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.
Ende der 1980er-Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für die Beurteilung eines Datenportals wie Barchart bringt er die Perspektive des Terminmarkthändlers mit: Wer seit Jahrzehnten Futures-Kontrakte vorbereitet, weiß, welche Angaben in der Recherche wirklich zählen und welche Funktionen im Alltag ungenutzt bleiben. Mehr über ihn steht auf seiner Autorenseite.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.
















