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Der Gleitende Durchschnitt – umfangreiche Trading-Anleitung

Welches ist der häufigste technische Indikator? (Hinweis: Selbst Fundamentalanalysten verwenden diesen Indikator.)

Der Gleitende Durchschnitt ist der am meisten verbreitete technische Indikator. Warum?

Er ist unkompliziert. Er ist vielfältig. Er wertet die technische Analyse auf, wenn man seine Anwendungsgrenzen kennt.

In dieser Anleitung werden Sie lernen, wie man diesen einfachen Indikator einsetzt, um die Gewinne zu erhöhen.

Verschiedene Arten von Gleitenden Durchschnitten

Obgleich es Dutzende von unterschiedlichen Varianten des Gleitenden Durchschnitts gibt, sind es genau drei grundlegende Arten, die man unterscheidet:

  1. Einfacher Gleitender Durchschnitt = Simple Moving Average (SMA).
    Einfacher Gleitender Durchschnitt der letzten N Kurse (N = Zeiteinheit). Fügen Sie die Kurse hinzu und dividieren diese durch N.
  2. Exponentieller Gleitender Durchschnitt = Exponential Moving Average (EMA)
    Durchschnitt der bisherigen N Kurse , wobei sich die größere Gewichtung auf die neueren Kurse bezieht. Die Gewichtung ist exponentiell.
  3. Gewichteter Gleitender Durchschnitt = Weighted Moving Average (WMA).
    Die neueren Kurse werden höher gewichtet als die weiter zurückliegenden. Am gebräuchlichsten ist der linear gewichtete Gleitende Durchschnitt. Der Durchschnitt wird für den entsprechenden Zeitraum (N) berechnet und linear gewichtet, d.h. der aktuellste Kurs erhält die höchste Gewichtung, wobei dann absteigend bis zu dem am weitesten zurückliegenden Kurs mit der geringsten Gewichtung verfahren wird.

Gleitender Durchschnitt und Price Action

Der erste Schritt bei der Betrachtung eines technischen Indikators besteht darin, zu erfassen, wie sich dieser gegenüber den Kursen verhält.

Um es einfach zu halten, habe ich hier einen 20-Perioden Gleitenden Durchschnitt verwendet. Das gleiche Prinzip können Sie auch auf andere Arten von Gleitenden Durchschnitten anwenden.

1. Richtung

Die grundlegende Funktion eines Gleitenden Durchschnitts besteht darin, Trends zu glätten. Zur raschen Trendbeurteilung schauen Sie einfach auf seine Richtung.

  • Aufwärts gerichtete Linie – Aufwärtstrend
  • Abwärts gerichtete Linie – Abwärtstrend

Aber so einfach ist es nicht immer. Um sich zu vergewissern, dass Sie nicht ans Ende eines Trends geraten, müssen Sie auch die Price Action berücksichtigen.

Wenn die Kursrichtung mit der Linie des Gleitenden Durchschnitts übereinstimmt, haben wir es mit einem tendierenden Markt zu tun. Wenn der Kursverlauf und die Linie des Gleitenden Durchschnitts in entgegengesetzte Richtung verlaufen, verlangsamt sich der Markt und könnte eine Trendumkehr bzw. ein Retracement einleiten.

Richtung des Gleitenden Durchschnitts und Kursverlauf
Kurse und Gleitender Durchschnitt steigen – bestätigter Aufwärtstrend. | Kurse fallen, wärhrend der Gleitende Durchschnitt steigt; potentieller Retracement Trade. | Kurse und Gleitender Durchschnitt fallen; möglicher Abwärtstrend.

2. Neigungsgrad

Eine flache Linie des Gleitenden Durchschnitts weist auf eine Seitwärtsbewegung hin.

Eine steile Linie ergibt sich aufgrund von Bewegung auf einer Seite des Gleitenden Durchschnitts. Es wird Stärke des Marktes angezeigt oder bisweilen eine Erschöpfung der Kurse.

Steigung des Gleitenden Durchschnitts
Der steilste Teil des Gleitenden Durchschnitts fällt mit einer erschöpften bärischen Bewegung zusammen. | Flacher Gleitender Durchschnitt und seitwärts driftende Price Action.

3. Entfernung

Hier geht es um die Entfernung zwischen dem Gleitenden Durchschnitt und den Kursen.

In einem seitwärts verlaufenden Markt kommen die Kurse und der Gleitende Durchschnitt ganz nah zusammen, so dass es kaum oder gar keinen Abstand zwischen Kursen und Gleitendem Durchschnitt gibt.

Bei einem gesunden Aufwärtstrend halten sich die Kurse in angemessener Entfernung über dem Gleitenden Durchschnitt auf. (Beim Abwärtstrend halten sie sich unter dem Gleitenden Durchschnitt auf.)

In einem überzogenen Trend findet man einen ungewöhnlichen Abstand zwischen Kursen und Gleitendem Durchschnitt.

Die Entfernung vom Gleitenden Durchschnitt
In einem gesunden Bullentrend bewegen sich die Kurse in einer angemessenen Entfernung über dem Gleitenden Durchschnitt. | Wenn sich der Markt seitwärts bewegt, werden die Kurse niemals zu weit vom Gleitenden Durchschnitt entfernt sein. | Wenn der Markt sich zu weit vom Gleitenden Durchschnitt entfernt hat, kann eine Rückkehr zum Mittelwert bevorstehen.

4. Unterstützung und Widerstand

Ein Gleitender Durchschnitt fungiert als Unterstützung und Widerstand.

Achten Sie auf Kursstäbe, die sich mit diesen überschneiden. Achten Sie darauf, wie die Kurse mit diesen in Interaktion treten. Wenn es zu einer Abschwächung der Kursbewegung und einem Test des Gleitenden Durchschnitts kommt, ist es wahrscheinlich, dass der Gleitende Durchschnitt eine Unterstützung oder einen Widerstand bietet.

Gleitender Durchschnitt - Unterstützung und Widerstand
Der Gleitende Durchschnitt bot den Kursen Unterstützung in einem Aufwärtstrend. | Die Kurse fallen unter den Gleitenden Durchschnitt. Die Unterstützung durch den Gleitenden Durchschnitt könnte nicht mehr länger vorliegen.

Sie können den oben beschriebenen Preisverlauf verwenden, um den Trend des Marktes ausfindig zu machen oder um die zeitliche Abstimmung (Timing) vorzunehmen. Üben Sie mit unterschiedlichen Zeitperioden in der Vergangenheit. Die größeren Zeitperioden des Gleitenden Durchschnitts funktionieren gut bei der Feststellung von Trends, während sich die kleineren Zeitperioden gut für das Timing eignen.

Beachten Sie, dass ein Gleitender Durchschnitt sozusagen nachhinkt und auf die Price Action reagiert. Deshalb müssen Sie den Gleitenden Durchschnitt zusammen mit der Price Action analysieren. Das ist der beste Weg, um bei Ihrer Analyse den Kontext zu berücksichtigen.

Nach dem Üben werden Sie herausfinden, dass Trading mit nur einem Gleitenden Durchschnitt durchführbar und tragfähig ist.

Der Gleitende Durchschnitt und andere technische Indikatoren

1. Signallinie (Verschachtelung)

Der Gleitende Durchschnitt ist Teil vieler technischer Indikatoren. Oszillatoren wie der RSI, der MACD und die Stochastik beinhalten Signallinien. Diese Signallinien sind in Wirklichkeit Gleitende Durchschnitte der jeweiligen Indikatorwerte.

Gleitender Durchschnitt - Indikator Signallinie
Grüne Linie ist der RSI. | Orange Linie ist ein 3-Perioden Gleitender Durchschnitt des RSI.

Signallinien entstehen aufgrund der sogenannten Verschachtelung von Indikatoren, also deren Kombination. Verschachtelung bedeutet, dass das Ergebnis (Output) des einen Indikators als Vorgabe (Input) für einen weiteren Indikator benutzt wird. Dieses Prinzip habe ich in der OBV Tradingstrategie (On-Balance Volume Indikator von Joseph Granville) verwendet, indem ich einen Gleitenden Durchschnitt der OBV-Werte genutzt habe.

2. Mehrere Gleitende Durchschnitte

Auf der Suche nach Bestätigung verwenden Trader mehrere Gleitende Durchschnitte.

Wenn sich mehrere Gleitende Durchschnitte in die gleiche Richtung bewegen, wird ein Trend bestätigt. Wenn einer einen anderen Gleitenden Durchschnitt überkreuzt, zeigt dies einen eventuellen Trade-Einstieg an.

Das folgende Beispiel zeigt ein Tradingsystem mit drei Gleitenden Durchschnitten: Zeitperioden 20, 50, 200.

Gleitender Durchschnitte - Mehrere Linien
200 Perioden SMA liefert Unterstützung und zeigt den größeren Trend an. | 20 SMA kreutzt über den 50 SMA ergibt Kaufsignal. | Verkaufssignal

3. Preisbänder und Umschläge (oder Hüllen = Envelopes)

Wie bereits erwähnt, zeigt die Entfernung zwischen dem Preis (Kurs) und dem Gleitenden Durchschnitt das Momentum des Marktes.

Preis-Envelopes sind nützlich, um den Abstand zwischen dem Preis und dem Gleitenden Durchschnitt genau zu bestimmen. Diese sogenannten Umschläge bezeichnen die obere und untere Begrenzung eines Preisbands, wobei sich Kaufsignale ergeben, wenn die obere Seite des Umschlags durchbrochen wird und Verkaufssignale angezeigt werden, wenn die untere Seite des Umschlags durchbrochen wird. Die Preis-Umschläge zeigen besonders gute Ergebnisse in seitwärts verlaufenden Märkten, weil sie zuverlässige Unterstützung und Widerstand bieten.

Das bekannteste Beispiel sind die Bollinger Bänder. Sie bestehen aus zwei Linien aufgrund von zwei Standardabweichungen, die eine Linie des Gleitenden Durchschnitts in der Mitte einschließen bzw. erfassen.

Gleitender Durchschnitt - Bollinger Bänder
Kurse außerhalb der Standardabweichungsbänder könnten eine überzogene Bewegung signalisieren. | Obere Bänder agieren als Widerstand. | Untere Bänder agieren als Stützung.

4. Exotische Gleitende Durchschnitte

Die Verzögerung ist das Hauptproblem des Gleitenden Durchschnitt. Da inzwischen mehr Ingenieure Trader geworden sind, gibt es mehr Möglichkeiten, um diese Verzögerung zu reduzieren.

Dafür gibt es folgende Bespiele:

Suchen Sie sich einen aus, der Ihnen am besten gefällt.

Zu den exotischen Gleitenden Durchschnitten kann ergänzt werden, dass keiner davon den Heiligen Gral darstellt. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Verwenden Sie diese nicht, ohne zu verstehen, wie sie sich jeweils vom Einfachen Gleitenden Durchschnitt unterscheiden.

Lassen Sie sich von Gleitenden Durchschnitt leiten

Der Gleitende Durchschnitt ist besonders für diejenigen Trader nützlich, die Anfänger beim Analysieren der Price Action sind.

Aber die Gleitenden Durchschnitte anzuwenden, ohne das Gesamtbild zu sehen, ist nicht lukrativ. Ein Gleitender Durchschnitt veranschaulicht zwar die Price Action, aber er kann sie nicht ersetzen.

Ein letzter Warnhinweis: Lassen Sie sich vom Gleitenden Durchschnitt leiten, aber lassen Sie sich nicht durch ihn beherrschen.

 

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Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: The ultimate Moving Average Trading Guide

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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