MACD-Indikator: Grundlegende Trading Konzepte (mit sechs Beispielen)

Der MACD (Moving Average Convergene Divergence) von Gerald Appel ist ein Standardindikator, der in jedem Programm der technischen Analyse enthalten ist. Wenngleich es einige komplexe und anspruchsvolle MACD-Handelsstrategien gibt, ist es am besten, mit einem einfachen Ansatz zu beginnen.

In diesem Tutorial werden Sie lernen, die Funktionsweise des MACD zu verstehen. Wir werden eine grundlegende Trading Strategie mit dem MACD vorstellen, die Gerald Appel in seinem Buch „Technical Analysis: Power Tools for Active Investors“ erläutert hat.

Aber zuvor werden wir uns einer kurzen Einführung für den MACD zuwenden.

Worum handelt es sich beim MACD-Indikator?

Um zu erfahren, was der MACD ist, sollten Sie zunächst verstehen, wie Gleitende Durchschnitte funktionieren.

Das Hauptproblem bei Gleitenden Durchschnitten ist, dass sie der Price Action hinterherhinken. Und je größer der Beobachtungszeitraum ist, desto größer ist die Verzögerung. (So hinkt beispielsweise der 200-Perioden einfache Gleitende Durchschnitt der Kursbewegung mehr hinterher als der 50-Perioden Gleitende Durchschnitt.)

Der MACD ist eine geniale Erfindung, weil er diesen Nachteil der Gleitenden Durchschnitte in eine praktische Tradingtaktik umwandelt.

Wenn sich ein Trend verstärkt, wird ein empfindlicherer Gleitender Durchschnitt mit einem geringeren Beobachtungszeitraum die Price Action exakter nachvollziehen. Ein Gleitender Durchschnitt mit einem längeren Beobachtungszeitraum hingegen hinkt der im Trend verlaufenden Price Action stärker hinterher.

Das Ergebnis ist die Divergenz bzw. auseinander driften dieser beiden Gleitenden Durchschnitte.

Wenn sich jedoch im umgekehrten Fall der Trend abschwächt, werden sich natürlich die beiden Gleitenden Durchschnitte einander annähern (Konvergenz).

Den MACD Indikator verstehen - Beispiel MCD Aktie
Den MACD-Indikator verstehen: 1. Der Kurs bewegt sich seitwärts; die Gleitenden Durchschnitte konvergieren mit wenig dazwischen liegenden Raum. 2. Als sich der Trend verstärkt, wird die Lücke zwischen den Gleitenden Durchschnitten größer.

Was messen Sie also, wenn Sie die Dynamik bzw. das Momentum eines Trends verfolgen wollen?

Jawohl, Sie erfassen die Differenz zwischen den beiden Gleitenden Durchschnitten. Genau das tut der MACD-Indikator.

Zuerst stellt die MACD-Linie diese Differenz dar. Dann wird eine Signallinie hinzugefügt, die einen Gleitenden Durchschnitt der MACD-Linie darstellt.

Indem Sie sich auf den Abstand zwischen zwei Gleitenden Durchschnitten konzentrieren, erhalten Sie Trendwendesignale eher, als es bei Überschneidungen von Gleitenden Durchschnitten der Fall ist.

Aufgrund von Standardeinstellungen des MACD können Sie die MACD-Linie und die Signallinie erstellen.

  • MACD-Linie = 12-Tage Einfacher Gleitender Durchschnitt (EMA) – 26-Tage Einfacher Gleitender Durchschnitt (EMA)
  • Signallinie = 9 Tage Einfacher Gleitender Durchschnitt (EMA) der MACD-Linie

Natürlich erledigt das Ihre Chartplattform für Sie.

Sobald Sie die Bedeutung hinter dem MACD-Indikator erfassen, sind Sie startklar.

Tradingregeln für das einfache MACD-Setup

Im oben genannten Buch von Gerald Appel erklärt er zusätzliche Regeln für eher konservativere Setups. Diese Regeln wurden für diesen Lehrartikel übernommen.

Einstellungen für den MACD

Verwenden Sie folgende MACD-Standardeinstellungen:

  • Schnell:12
  • Langsam: 26
  • Geglättet: 9 (Signallinie)

Long Trade Setup

  1. Der MACD kreuzt unterhalb der Signallinie (Zusatzregel)
  2. Der MACD kreuzt unterhalb der Nulllinie (Zusatzregel)
  3. Kaufen Sie, wenn der MACD über seine Signallinie kreuzt.

Short Trade Setup

  1. Der MACD kreuzt oberhalb der Signallinie (Zusatzregel)
  2. Der MACD kreuzt oberhalb der Nulllinie (Zusatzregel)
  3. Verkaufen Sie, wenn der MACD unter seine Signallinie kreuzt.

Beispiele für einfache Trading Setups mit dem MACD

Der beste Weg, um zu lernen, wie man ein Tradinginstrument anwendet, besteht in der Analyse von Beispielen.

Daher zeigen Ihnen die Beispiele in diesem Abschnitt nicht nur Einstiegspunkte mit dem MACD. Sie werden Ihnen auch umfassendere Einsichten vermitteln, die Ihnen bei der Anwendung des MACD Indikators behilflich sein werden.

1. Beispiel: Tiefer Pullback

Dies ist ein Musterbeispiel für einen einfachen MACD-Ansatz. Es zeigt seine Stärke in einem tendierenden Markt.

Long MACD Grundlegendes Setup - Tiefer Pullback Trade
Long MACD Grundlegendes Setup – Tiefer Pullback Trade: 1. Die MACD Linie hielt sich für geraume Zeit über der Nulllinie. 2. Der MACD kreuzte unter seine Signallinie, bevor er durch die Nulllinie kreuzte. 3. MACD Grundlegendes Setup Kaufsignal
  1. Beachten Sie, dass die MACD-Linie über einen längeren Zeitraum über Null blieb. Der Markt befand sich in einem soliden Aufwärtstrend.
  2. Der MACD hat zunächst seine Signallinie unterschritten, bevor er unter Null fiel. Diese beiden Punkte erfüllten die Zusatzregeln des einfachen MACD-Setups und wiesen auf die Entwicklung eines tiefergehenden Rücksetzers oder eine mögliche Trendwende hin.
  3. Die MACD-Linie stieg über deren Signallinie und löste ein Kaufsignal aus.

Ein häufiges Problem bei MACD-Handelssignalen ist ihre zeitliche Verzögerung, insbesondere bei Kursspitzen.

Im vorliegenden Fall bewegte sich der Markt etwa eine Woche lang seitwärts, bevor er den Trend wieder aufnahm. Wenn sich der Markt so verhält, kann der MACD-Indikator den Rückstand wieder aufholen. Somit fiel die zeitliche Verzögerung hier nur minimal aus.

Wie bei jeder Handelsstrategie können Sie perfekte Beispiele aus den historischen Charts beziehen.

Beispiele wie dieses, das wir gerade erörtert haben, sind großartig für Schulungszwecke geeignet. Erwarten Sie jedoch nicht, dass alle realen Setups so aussehen.

2. Beispiel: Trade einer Keilformation

Dies ist ein Tageschart des an der Aktienbörse von Toronto notierten Unternehmens Suncor Energy Inc.

MACD fällt unter Signallinie – MACD kreuzt unter Nullinie – MACD kreuzt über Signallinie – Kauf zum Ende des Tages
  1. Wir beobachteten ein Verkaufssignal, das den MACD-Schnittpunkt unterhalb der Signallinie darstellte. Der MACD bewegte sich weiterhin unter der Nulllinie, was darauf hindeutete, dass die Aktie überverkauft war.
  2. Daher haben wir gekauft, sobald der MACD seine Signallinie überschritten hatte. Im Laufe des nächsten Monats stiegen die Kurse noch weiter um fast 12 %. (Der MACD lieferte auch hier das erwünschte Ausstiegssignal. Eine Möglichkeit besteht darin, nach einem MACD-Signal einen Trailingstopp unter jedem Tagestief zu platzieren.)

Dieses Trade-Signal sah aus zwei Gründen gut aus:

  • Aufwärts gerichteter Outside-Reversal-Kursstab genau vor dem Einstiegskursstab
  • Keilformation

Die Keilformation vollzog einen Ausbruch nach oben. Aber noch entscheidender ist, dass es zu einem Rücksetzer (Pullback) kam, der mit diesem bullischen Outside-Kursstab (Outside Bar) endete.

In diesem Beispiel bot der Ausbruch aus der Keilformation ein früheres Signal als der MACD.

3. Beispiel: MACD mit Unterstützung der Kurslücke

Wie es für die meisten Tradingindikatoren gilt, sollte auch der MACD nicht alleine verwendet werden. Ein kluger Ansatz besteht in der Kombination von Signalen des MACD mit Taktiken der Price Action.

In diesem Beispiel sehen Sie, wie das Tradingsignal des MACD Unterstützung durch eine vorherige Kurslücke erfährt.

Long MACD Basic Setup mit Gap Unterstützung
Long MACD Basic Setup mit Gap Unterstützung: 1. MACD Linie kreuzte unter seine Signallinie, bevor er unter die Nulllinie kreuzte. 2. Stützung durch Gap (Kurslücke) 3. MACD Basic Setup Kaufsignal
  1. Hier wurden die Zusatzkriterien erfüllt. Die Unterschreitung der Nulllinie bestätigte, dass sich der Markt in einer technisch überverkauften Situation befand.
  2. Der Markt neigt dazu, Kurslücken zu schließen, bevor er einen Trend wieder aufnimmt. Kurslücken sind daher potenzielle Unterstützungsbereiche. Kurz bevor der MACD ein Kaufsignal ausgab, konnten wir hier eine deutliche Unterstützung durch die geschlossene Kurslücke sehen. (Dieser Test der Unterstützung mithilfe der Kurslücke bildete auch eine Anti-Klimax-Formation.)
  3. Der bullische Kreuzungspunkt des MACD löste ein Kaufsignal aus. Es diente als bullische Bestätigung für den früheren Abprall am Unterstützungsbereich der Kurslücke.

Aus diesem Beispiel ergeben sich zwei wichtige Erkenntnisse:

Erstens können Sie das Handelssignal des MACD verwenden, um eine Formation der Price Action zu bestätigen. (In diesem Fall der Abprall am Unterstütungsbereich der Kurslücke) und umgekehrt.

Zweitens können Sie versuchen, frühzeitigere Einstiege mit der Price Action Analyse zu finden, sobald der MACD die Nulllinie überquert. In erster Linie verlassen Sie sich auf den MACD, um überverkaufte Märkte ausfindig zu machen, aber nicht als Signalauslöser für einen Trade. Für einen Trader der Price Action kann dieser geschicktere Ansatz zu einem besseren Einstiegspunkt führen.

4. Beispiel: Konservative und aggressive Trades

Was macht den Unterschied der Zusatzregeln aus?

Dieses Beispiel beantwortet diese Frage, aber kurz gesagt: Wenn man die Zusatzregeln ausklammert, geht man aggressivere Tradinggeschäfte ein.

MACD Basic Setup Zusatz Regeln
MACD Basic Setup Zusatzregeln: 1. Ohne die Zusatzregeln erhalten Sie die vier ersten Long Signale. 2. Die Zusatzregeln helfen Ihnen dabei, sich mehr an die konservativen Setups zu halten.
  1. Die ersten vier Signale sind wirksam, wenn Sie die Zusatzregeln ignorieren. Dies sind Einstiegssignale, die auf geringe Rücksetzer (Pullbacks) in einem starken Trend folgen.
  2. Wenn Sie jedoch die Zusatzregeln einhalten, dann sind nur diese beiden MACD-Kaufsignale gültig. Es handelt sich dabei um Signale für Longpositionen, die sich an tiefe mehrbeinige Pullbacks anschließen.

Die Zusatzregeln sind Ihnen dabei behilflich, konservativere Einstiegspunkte zu erkennen, die in geringer Häufigkeit auftreten.

Wann halten Sie nach aggressiven Einstiegen Ausschau?

Wann suchen Sie nach konservativen Setups? Ist es immer besser, konservativ zu bleiben?

Wenden Sie die folgenden Faustregeln an:

  • Bei großem Vertrauen in die Marktrichtung suchen Sie nach aggressiven Einstiegen.
  • Bei Unsicherheit über die Marktstruktur suchen Sie nach konservativen Einstiegen.

5. Beispiel: Position-Trading (Wochencharts)

Der MACD-Indikator ist ein nützliches Werkzeug für das Position-Trading.

Wenn Sie zu einem Wochenchart wechseln, können Sie diesen schnell an langfristiges Trading und an die zeitliche Abstimmung Ihrer Anlagen anpassen.

MACD Indikator und Position Trading
MACD Basic Setup Position Trading: 1. Der Markt korrigierte nach diesem MACD KaufsignaL; aber es gibt keine Bedenken für den langfristigen Position Trader. 2. Ein weiteres MACD Signal.

Der obige Chart zeigt zwei MACD-Kaufsignale.

Das erste Signal brachte den Trader in eine Position, die von der Erholung nach dem Börsencrash 2008 profitierte. Das Signal reichte zwar nicht zu den Tiefstkursen des damaligen Börsenkrachs, aber das ist in Ordnung. Die Erwartung, den absoluten Tiefpunkt eines Absturzes zu erreichen, ist einfach unrealistisch.

Für jeden Trader, der der Meinung war, dass das Schlimmste vorüber sei, generierte der MACD ein klares Signal, das zur Eröffnung einer Longposition aufforderte.

Obwohl sich die Kurse nach dem ersten Signal im Rückgang befanden, war das für Position-Trader kein Problem. Diese langfristig orientierten Trader waren über lange Sicht auf einen Bullenmarkt ausgerichtet. Aus diesem Grund können Sie dem Markt mehr im Zick-Zack verlaufende Kursbewegungen zugestehen und dennoch ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis erreichen.

6. Beispiel: Verlusttrade

Im realen Handel werden Sie Verlusttrades haben. Deshalb sollten wir diese in unserem Lernprozess nicht ignorieren.

Der folgende Chart zeigt einen Verlusttrade im Währungspaar EUR/USD.

MACD Indikator EUR-USD Tageschart mit Verlust Trade
MACD kreuzt untere Signallinie – MACD kreuzt unter Nulllinie – MACD kreuzt über Signallinie – Zum Handelsschluss des Tages long gehen
  1. Der MACD schneidet seine Signallinie, bevor er unter die Nulllinie fällt. Die Zusatzregeln wurden eingehalten.
  2. Sobald wir also einen positiven Kreuzungspunkt des MACD erhalten haben, stellt dieser ein technisches Signal dar, eine Longposition zu eröffnen. Die Kursentwicklung richtete sich jedoch fast unmittelbar danach gegen unsere Position.

Was lief bei diesem Trade schief?

Hier gab es einen Kursausbruch über die abwärts gerichtete Trendlinie (orange). Diese Entwicklung schuf den Rahmen für eine bullische Trendwende.

Die markierte Keilformation korrigierte jedoch fast 80% der bullischen Aufwärtsbewegung ab der braunen Trendlinie wieder. Diese ausgedehnte Kurskorrektur war ein Anzeichen dafür, dass keine nachhaltige Trendwende bevorstand. Obwohl es also zu diesem Zeitpunkt noch keinen Hinweis auf eine Trendumkehr gab, war es ratsam, eine weitere Bestätigung abzuwarten, bevor man eine Longposition eingeht.

Schlussbetrachtung zum einfachen MACD-Setup

Gerald Appel entwarf das einfache MACD-Setup als Verbesserung gegenüber den herkömmlichen Überschneidungen des Gleitenden Durchschnitts.

Die Zusatzregeln spielen die Rolle eines Oszillators. Im Wesentlichen sorgen diese dafür, dass der Markt in ausreichendem Maße vor dem Kauf überverkauft und vor dem Verkauf überkauft ist.

Mit Hilfe dieser Zusatzregeln können Sie komplexe Pullbacks wie die Keilformation, die zuvor erörtert wurde, erkennen. Allerdings können Sie oft bessere Einstiegssignale aufgrund der Price Action ausfindig machen, anstatt das MACD-Kaufsignal abzuwarten.

Kurz gesagt: Der MACD kombiniert einen Trendindikator mit einem Oszillator. Auf diese Weise bietet der MACD eine ganzheitliche Sicht auf den Markt.

Während der MACD jedoch einen Vorteil in Bezug auf die Verdeutlichung der Price Action bietet, stellen seine zeitlich verzögerten Signale einen Nachteil dar. Denken Sie also daran, bei den Einstiegssignalen auf die Kursmuster der Price Action zu achten, wenn Sie den MACD zum Verständnis des Kontextes nutzen.

Falls Sie das nicht tun, sollten Sie den MACD im Rahmen des Position-Trading einsetzen.

In diesem Bereich hat der MACD trotz seiner verzögerten Signale die Chance, tatsächlich zu glänzen. Position-Trader verfolgen die Absicht, von einem großen Teil des Trends profitieren. Da das auf einen längeren Zeitraum ausgerichtete Position-Trading ein erhebliches Gewinnpotential bietet, kann man die verzögerten Signale als eher geringes Problem tolerieren.

Aufgrund der ausführlichen und vielseitigen Beispiele sind Sie nun in der Lage, mit den Vor- und Nachteile des MACD-Indikators umzugehen. Sie haben auch gesehen, wie sich dieser gebräuchliche Indikator bei unterschiedlicher Price Action verhält.

Mit diesem soliden Fundament ausgerüstet, verfügen Sie nun über die Voraussetzungen, um sich mit komplexeren MACD-Strategien zu beschäftigen:

Und vergessen Sie nicht, sich das Buch von Gerald Appel vorzunehmen, um noch mehr Einsichten zu gewinnen.

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: MACD Basic Trading Setup (with 6 Detailed Examples)

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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