Commodity Channel Index und Forex Daytrading (2022)

Donald Lambert führte den Commodity Channel Index (CCI) bereits im Jahr 1980 in der Zeitschrift „Stock & Commodities Magazine“ ein. Mittlerweile ist der CCI als Standardindikator in den meisten Chart-Paketen enthalten. Offensichtlich hat dieser Indikator die Zeiten überdauert.

In diesem Artikel werden wir Lamberts Originalartikel zum Commodity Channel Index als Grundlage verwenden. Indem wir seine Trading-Tipps berücksichtigen, werden wir eine Daytrading-Strategie entwickeln und diese auf die Devisenmärkte anwenden. Konkret werden wir dies im Rahmen des Intraday-Forexhandels untersuchen.

Was ist der Commodity Channel Index?

Wir werden uns hier nicht mit der mathematischen Berechnung des Indikators beschäftigen. TradingView hat eine hervorragende Erklärung mit einer ausführlichen Tabelle erarbeitet, mit der Sie sich auseinandersetzen können. Hier werde ich Ihnen sozusagen die Idee hinter diesem eleganten Indikator verdeutlichen.

Stellen Sie sich einen Kanal vor, der die Price Action umgibt. 

In der Untersuchung von TradingView geht es darum, die Kurse im Verhältnis zum Trendkanal zu bewerten. Also stellen wir folgende Fragen:

  • Vollzieht sich die Price Action unweit der oberen Channel-Linie? 
  • Befinden sich die Kurse außerhalb des Kanals?
  • Oder befindet sich die Price Action an der Unterseite des Kanals?

Trader der Price Action würden diese Fragen beantworten, indem Sie einen Kanal zeichnen und die Price Action entsprechend beobachten. 

Der Commodity Channel Index (CCI) beim SPY Tageschart
1. Nahe am Hoch des Kanals. | 2. Hohe CCI-Werte | 3. Nahe am Tief des Kanals; niedrige CCI-Werte | 4. Die Kurse bewegen sich in der oberen Hälfte des Kanals; CCI-Werte hielten sich über Null

Doch der Commodity Channel Index bietet eine konkret messbare Antwort auf diese Fragen:

  • Hohe Werte des CCI: Die Price Action ist nahe der oberen Kanallinie. 
  • Niedrige Werte des CCI: Die Price Action ist nahe der unteren Kanallinie. 
  • Lambert hat den CCI-Indikator so konzipiert, dass dessen Werte zumeist zwischen -100 und +100 liegen. 

Trading-Indikatoren sind kein Hexenwerk. Die Zahlen sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern sie sind so konzipiert, dass sie ein spezifisches Verhalten der Price Action erfassen und hervorheben.

Daher möchte ich Sie ermutigen, bei jedem Indikator das Prinzip der Price Action in der Praxis zu verstehen. Überlegen Sie, auf welches Muster oder auf welches Verhalten der Price Action der Indikator ausgerichtet ist.

Die Formulierung unserer Daytrading-Strategie mit dem Commodity Channel Index

Trading-Signale des CCI 

Der Commodity Channel Index gehört zur gleichen Rubrik wie die Oszillatoren der Stochastik von Lane oder des RSI von Wilder. Der typische Ansatz, Handelssignale mit Oszillatoren ausfindig zu machen, besteht darin, sich auf überverkaufte und überkaufte Werte zu konzentrieren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass einige Trader bei diesem Ansatz den CCI-Indikator verwenden: 

  • Kaufen, wenn der CCI unter -100 fällt (überverkauft) und
  • Verkaufen, wenn der CCI über +100 steigt (überkauft). 

Wenn man sich jedoch auf Donald Lamberts Originalartikel bezieht, hat dieser genau das Gegenteil getan:

Wenn der CCI über die Linie von +100 steigt, ist das ein Signal, um eine Long-Position zu beziehen. Wenn der CCI unter die Linie von +100 fällt, wird die Long-Position geschlossen. Die gleiche Technik wird bei der Short-Position über bzw. unter der Linie von -100 angewendet.

Aufgrund des Hinweises von Donald Lambert orientieren wir uns folgendermaßen:

  • Wir halten nach Long-Setups Ausschau, wenn der CCI über +100 steigt.
  • Wir halten nach Short-Setups Ausschau, wenn der CCI unter -100 fällt. 

Die Zeitperiode des CCI

Wenn Sie ein Instrument einsetzen, müssen Sie immer Entscheidungen bezüglich der entsprechenden Indikator-Einstellungen treffen. Hier ist vor allem der Beobachtungszeitraum der historischen Daten von entscheidender Bedeutung.

Bezüglich der Zeitperiode äußert sich Lambert so:

… die Datenbasis (Beobachtungszeitraum anhand historischer Daten) sollte weniger als ein Drittel der Zykluslänge betragen, um die theoretische Effizienz zu gewährleisten.

Anstatt eine komplexe Zyklusanalyse durchzuführen, gehen wir davon aus, dass es an den Forex-Märkten Tageszyklen gibt. Daher beträgt die Zykluslänge 24 Stunden

  • In diesem Fall arbeiten wir mit 30-Minuten-Charts
  • An einem Tag (oder in 24 Stunden) ergeben sich 48 Kursstäbe
  • Ein Drittel dieses Gesamtzeitraums beträgt 16 Kursstäbe

Daher halten wir die Dinge einfach und bleiben bei der Standardeinstellung des Indikators von 14 Zeitperioden

Nachteile des Commodity Channel Index

Donald Lambert mahnte aus folgendem Grund zur Vorsicht: 

Eine zu geringe Datenbasis wird Zickzack-Kursbewegungen erzeugen, da der Index die täglichen Kursschwankungen so interpretiert, als handle es sich um zyklische Hochs oder Tiefs.

Um diesen Nachteil zu mildern, müssen wir einen Weg finden, um Zickzack-Bewegungen zu vermeiden. Dabei stützen wir uns auf die Analyse der Price Action. Unsere Richtlinien lauten: 

  1. Steigen Sie nicht unmittelbar nach dem Commodity Channel Index-Signal ein. 
  2. Warten Sie auf ein Retracement (Korrektur). 
  3. Verwenden Sie einen Trend-Kursstab in Richtung Ihres geplanten Setups als Setup-Kursstab. 

Um Zickzack-Bewegungen zu reduzieren, sollten Sie eine genaue Analyse der Price Action während des Retracements durchführen

In den folgenden Beispielen werden Sie erkennen, dass die besten Setups zuverlässige Kursmuster und Unterstützung/Widerstand-Bereiche umfassen.

Trading-Regeln für Daytrading mit dem Commodity Channel Index

Auf Grundlage der bisherigen Erläuterungen kommen wir nun zu den Trading-Regeln für das Daytrading mit dem Commodity Channel Index.

Long-Trading-Setup

  1. Ein 14-Zeitperioden CCI steigt über +100.
  2. Mindestens ein Kursstab schließt tief (Retracement).
  3. Platzieren Sie eine Kaufstopp-Order einen Tick über dem nächsten bullisch orientierten Trend-Kursstab. 

Das Trading-Setup ist ungültig, wenn der CCI jedoch zu irgendeinem Zeitpunkt unter -100 fällt. Dann sollten Sie alle Orders löschen und auf eine weitere Gelegenheit warten. 

Short-Trading-Setup

  1. Ein 14-Zeitperioden CCI bewegt sich unter -100.
  2. Mindestens ein Kursstab schließt oben (Retracement).
  3. Platzieren Sie eine Verkaufsstopp-Order einen Tick unter dem nächsten bärisch orientierten Trend-Kursstab.

Das Trading-Setup wird ungültig, wenn der Commodity Channel Index an einem beliebigen Zeitpunkt über +100 steigt. Stornieren Sie Ihre Sell Stop-Order und warten Sie auf das nächste Setup.

Trading-Beispiele mit dem CCI

In den nächsten beiden Beispielen habe ich den Indikator „Schiebezone“ aus meinem Trading-Kurs verwendet, um mögliche Unterstützungsbereiche aufzuzeigen.

Beispiel 1: Bullisches Setup

Dieser 30-Minuten-Chart zeigt das Währungspaar EUR/USD

Der Commodity Channel Index und Price Action gezeigt anhand des 30 Minuten EURUSD Charts
1. Anhaltende Ausbrüche über +100 bestätigten den bullischen Trend | 2. Zwei aufeinander folgende kräftige bärische Kerzen brachten den CCI nicht unter -100 | 3. Exzellentes 2-Kerzen-Reversal mit Unterstützung von der bullischen Trendlinie und den Konsolidierungszonen. | 4. Diese Außenkerze mit großer Kursspanne war ein wichtiges Ereignis. Sein Hoch war ein potenzieller Widerstandsbereich, wo man Gewinne nehmen konnte.
  1. Betrachten Sie diese beiden Beispiele des CCI-Ausbruchs über den Bereich von +100. Diese nachhaltigen Kursschübe deuteten auf einen bevorstehenden Aufwärtstrend hin.
  2. Zudem führte der stärkste Pullback zu diesem Zeitpunkt nicht dazu, dass der CCI unter -100 fiel. Das war ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Bullen durchsetzten.
  3. Dieser bullische Trend-Kursstab war unser Setup-Kursstab. Das war hervorragend, da er mit der bullischen Trendlinie und einer Konsolidierungszone einherging. Das Zusammenspiel mit der Unterstützung war an dieser Stelle fantastisch. 
  4. Dieser Outside-Kursstab mit großer Kursspanne war ein entscheidendes Merkmal, das einen bullischen Höhepunkt signalisierte. Sie könnten sich zu einer Gewinnmitnahme an diesem höchsten Punkt entschließen. 

Beispiel 2: Bärisches Setup

Dieser 30-Minuten-Chart zeigt den 6E Futures-Markt. Es handelt sich dabei um den Basiswert des Währungspaares EUR/USD.

30 Minuten Chart des 6E Futures mit CCI und Beispiel für Gewinn Trade
1. CCI fällt unter -100 | 2. Zeichen für Retracement | 3. Erste Signalkerze, wurde aber nicht getriggert.
  1. Der CCI fiel unter die Linie von -100 und schuf damit die Voraussetzungen für Short-Positionen
  2. Dieser Kursstab schloss oben und war das erste Anzeichen für ein Retracement (Korrektur). Zu diesem Zeitpunkt begannen wir, nach einem bärischen Trend-Kursstab als Auslöser für einen Short-Trade Ausschau zu halten. Aber die Kurse unterschritten diesen Kursstab nicht, um eine Verkaufsstopp-Order auszulösen. 
  3. Dieser kleine bärische Kursstab war der mögliche Auslöser für einen Trade. Die Kurse unterschritten diesen Kursstab jedoch nicht, um unsere Verkaufsstopp-Order auszulösen. Stattdessen bezogen wir eine Short-Position am bärischen Inside-Kursstab (roter Pfeil).

Der Inside-Kursstab und der vorherige Kursstab bildeten eine aus zwei Kursstäben bestehende ausgeprägte Umkehrformation. Kurswendemuster funktionieren am besten, wenn sie aus der vorausgehenden Price Action herausstechen, was hier der Fall war. 

Beispiel 3: Der Commodity Channel Index zur Gewinnmitnahme

Dieses Beispiel zeigt das Währungspaar GBP/USD

Screenshot zeigt CCI Divergenz für Gewinnmitnahme anhand von 30 Minuten Chart GBPUSD
1. CCI über +100 | 2. Dieser Test der Konsolidierungszone wurde von bullischen Druck begleitet (lange untere Lunte oder Schatten).
  1. Der CCI stieg zu diesem Zeitpunkt über +100 und stieg dann weiter über das Kursniveau von +200. Mit einem so ausgeprägten Momentum aus der seitwärts gerichteten Konsolidierung herauszustoßen, war ein bullisches Signal. 
  2. Dieser Rücksetzer nach unten zum Konsolidierungsbereich endete mit Kaufdruck. Achten Sie auf die langen unteren Schatten der Candlesticks.
  3. Nach unseren Regeln stiegen wir einen Tick über diesem bullischen Trend-Kursstab ein. Aber auch der vorhergehende Pin-Kursstab (Pin Bar) bot einen sinnvollen Einstieg. 
  4. Es bildete sich eine bärische CCI-Divergenz, als sich der Markt zu neuen Höhen aufschwang. Als die Kurse höher stiegen, verzeichnete der CCI ein niedrigeres Hoch, anstatt ein höheres Hoch. Diese Abweichung bot ein Fenster für Gewinnmitnahmen. 

Tatsächlich mündete der Markt nach der CCI-Divergenz in eine Konsolidierung ein. Wie Sie den Charts entnehmen können, stiegen die Kurse weiter an, nachdem sie sich für einige Zeit seitwärts bewegt hatten. Dennoch war die Divergenz des CCI ein nützliches Signal für einen Stillstand des Momentums.

Beispiel 4: Verlust-Trade

Unser letztes Beispiel zeigt eine Zickzack-Kursbewegung, die zu einem Verlust-Trade geführt hätte. Je nach Ihrer Stop-Loss-Platzierung kann dieser Trade funktionieren. Mit einem gängigen Verluststopp unter dem Setup-Kursstab wären wir jedoch aus unserer Position vertrieben worden.

Screenshot des 6EFutures mit Commodity Channel Index (CC) und Beispiel für Verlusttrade
1. CCI stieg über +100 | 2. Zeichen für Retracement | 3. Trading-Setups unter dem Hoch der CCI Ausbruchskerze sind besser.
  1. Der CCI-Indikator stieg über +100. Er änderte jedoch die Richtung und fiel für einen Kursstab unter das Niveau von +100. Dann sprang er wieder nach über +100.
  2. Für zwei Kursstäbe kam es zu einer Korrektur nach unten, bevor sich ein bullischer Trend-Kursstab als Einstieg entwickelte. Aber kurz nachdem wir eine Long-Position eröffnet hatten, wurden wir aufgrund eines Outside-Kursstabes um einen Tick ausgestoppt. Wir hatten unseren Stop-Loss lediglich einen Tick unter dem Tief der Setup-Kerze gesetzt.
  3. Trade-Setups für Long-Positionen, die uns ermöglichen, unter dem Hoch des CCI-Ausbruchkursstabes einzusteigen, bieten uns in der Regel ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis. Daher war dieses Setup nicht so optimal.

Der CCI warnte uns jedoch vor dem Beginn eines bullischen Schubes. 

Werfen Sie einen Blick auf die Indikator-Abbildung des Commodity Channel Index. Kurz vor diesem Setup erreichte der CCI zweimal extreme Werte. Das erste Mal bis über den Wert von +100 und das zweite Mal bis unter den Wert von -100.

Jedes Mal gab es einen ausgeprägten Richtungswechsel des CCI, der sich mühelos vollzog. So war es nicht verwunderlich, dass diese Ausbrüche nicht zu dem jeweils vorherrschenden Trend führten. Vergleichen Sie diese beiden Fälle mit unseren Beobachtungen in Punkt 1.

Schlussbetrachtung – Der Commodity Channel Index als Wegweiser

Der CCI-Indikator weist uns auf einen Ausbruch in Form eines Kursschubs hin. Er zeigt die Marktdynamik an, die voraussichtlich weiterhin anhalten wird. Von da aus können wir einen Rücksetzer (Retracement) abwarten und eine Analyse der Price Action durchführen, um unseren Einstieg zu optimieren.

Sie werden eine zentrale Funktion des CCI erkennen, wenn Sie die ersten drei Beispiele noch einmal durchgehen. Er hilft uns nämlich, Ausbrüche aus einer seitwärts verlaufenden Kursspanne zu analysieren. Er gibt uns zusätzliche Informationen, um zu entscheiden, ob der Kursschub fehlschlägt oder ob er zu einem neuen Trend führt.

Ein echter Ausbruch aus einer Handelsspanne erfordert Dynamik (Momentum) und das ist es, was der CCI-Indikator anzeigt.

Kurz gesagt: Diese einfache Handelsstrategie nutzt den Commodity Channel Index für eine erste Bewertung der Markttendenz. Dann warten wir auf ein Retracement (Rücksetzer), bevor wir in einen Trade einsteigen und reduzieren so die Zickzack-Kursbewegungen.

Ergänzen Sie Ihre eigenen Regeln für das Trade-Management, um Trailingstops (nachgezogene Stopps) und Gewinnziele festzulegen, sodass Sie über einen soliden Handelsansatz verfügen, mit dem Sie arbeiten können. Denken Sie daran, dass die Beobachtung der Price Action nach dem Ausbruch der entscheidende Faktor ist, um qualitativ hochwertige Trades ausfindig zu machen.

Weitere Ideen zur Anwendung von Trading-Oszillatoren auf den Intraday-Handel finden Sie hier: 

Quelle: Donald Lamberts Originalartikel in Stocks & Commodities (120 – 122): Commodity Channel Index: Tool für Trading Cyclic Trends“

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: Day Trading Forex with CCI Indicator

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

Weiterführender Link:

Wikipedia über Commodity Channel Index

5 Gedanken zu „Commodity Channel Index und Forex Daytrading (2022)“

  1. Für mich ist nur Orderflow wichtig. Ich nutze keine Indikatoren

    Grüße
    Martin

  2. Hallo Forexgump, ja, neue Strategien immer erst mal im Demo Account testen. Ich wünsche dir viel Erfolg. Es freut mich sehr, dass dir unsere Informationen gefallen. LG Karsten

  3. Ich finde die beschriebene Strategie interessant. Danke für die wertvollen Anregungen, ich werde diesen Ansatz zunächst auf einem Demo-Account verinnerlichen. Daumen hoch!

  4. Hallo Siegmund,

    der Outside Bar ist die Kerze nach der Signalkerze (mit grünen Pfeil markiert). Dieser Outside Bar (Aussenkerze) geht kurz über das Hoch der Signalkerze und fällt dann knapp unter das Tief der Signalkerze, wodurch der Trade ausgestoppt wird.

    Ja, Stopsetzung ist natürlich das schwierigste am Trading, und da gibt es viele Möglichkeiten.

    Gruss
    Karsten

  5. Über die stopsetzung sollte man nochmals drüber nachdenken. Auch erklärt sich mir nicht der Outside Bar bei der Longposition.

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