Ichimoku Kinko hyo – mehr als nur ein Indikator?

Ichimoku Kinko-hyo: Würde man danach fragen, welche Indikatoren beim CFD-Trading oder beim Handel allgemein am häufigsten angewendet werden, wäre die Antwort wahrscheinlich deutlich. Stochastik, MACD, RSI, ATR oder vielleicht noch die Bollinger Bänder und Fibonacci Retracements stünden wohl ganz oben.

Aber nur wenige nutzen den Ichimoku beim Trading. Das mag nicht nur allein an seiner grafisch aufwendigen Darstellung im Chart liegen, sondern auch an seiner asiatischen Herkunft. Was macht den Ichimoku dennoch so wertvoll? Wie funktionieren eigentlich die ganzen Linien? Und wie wendet man ihn gewinnbringend an? Diesen Fragen und mehr soll hier nachgegangen werden.

Herkunft und Geschichte des Ichimoku

Wie der Name schon leicht verrät, stammt der Ichimoku aus Asien, genauer gesagt aus Japan. Das mag für manchen etwas exotisch klingen und Vorbehalte erzeugen. Man sollte sich allerdings bewusst werden, dass ein Fundament der heutigen technischen Analyse ebenfalls aus Japan stammt und nicht mehr weg zu denken ist: die Candlesticks, hierzulande schlicht Kerzen genannt. Diese existieren schon seit weit über hundert Jahren und wurden erst Anfang der 1990er Jahre im Westen bekannt durch das Buch von Steve Nison über die „Technische Analyse mit Candlesticks„.

Heute nutzt der Großteil aller Trader in der Hauptsache Candlesticks, vom Retailer (privaten Trader) bis zum Hedgefonds. Sie sind quasi für den analytischen Handel unverzichtbar und zum Standard geworden. Diese Stellung wird der Ichimoku zwar eher nicht einnehmen. Es soll aber verdeutlichen, dass die Finanzkultur des asiatischen Raumes durchaus immer wieder Methoden hervor bringt, die anderen voraus sein können. Deswegen macht es auch Sinn, sich mit der Logik dieser technischen Analysemethode auseinander zu setzen.

Entwickelt wurde der Ichimoku schon zu Zeiten des zweiten Weltkrieges vom japanischen Journalisten Goichi Hosada. Zusammen mit einigen Studenten arbeitete er rund dreißig Jahre an der Entwicklung, bevor er die Indikatortechnik 1968 der Öffentlichkeit vorstellte. So heißt der Ichimoku im Ganzen eigentlich auch Ichimoku Kinko-hyo, das übersetzt „Alles auf einen Blick“ bedeutet. In Japan gelangte der Ichimoku Kinko-hyo sehr schnell zu großer Popularität und verbreitete sich auch im Westen der Finanzmarktwelt. Angewendet wird er mittlerweile sowohl im CFD-Trading und dem Aktienhandel, wie auch im Rohstoff-, Edelmetall-, Anleihen-, Future- und Devisenmarkt.

Die Technik des Ichimoku Kinko Hyo

In Anlehnung an die Geschichte des Ichimoku Kinko-hyo sollte man wissen, dass sich diese Analysemethode auf eine Zeit bezieht, in der die Handelswoche mit dem Samstag noch sechs Tage hatte. Dementsprechend beziehen sich die konfigurierbaren Werte der jeweiligen Linien darauf. Da die Handelswoche heute nur fünf Tage beträgt, gehen viele davon aus, dass die Werte diesem Umstand angepasst werden müssten.

Die immer noch gültigen Standard-Einstellungen der Linien des ursprünglichen Ichimoku Kinko-hyo betragen zusammengefasst ein Triple aus 9 (Tenkan-sen), 26 (Kijun-sen) und 52 (Senkou Span B). Verfechter der 5-Tage-Werte modifizieren diese Einstellungen aber in 7, 22 und 44. Es gibt bislang jedoch keinen empirischen Beleg dafür, dass sich die Performance dadurch wesentlich verbessert. Auch dann nicht, wenn man berücksichtigt, dass zum Beispiel einige Future-Märkte oder der Devisenhandel nahezu 24 Stunden laufen, während andere wie der Aktien- oder Kassa-Handel lange pausieren.

Nach meiner Erfahrung reagiert der Ichimoku Kinko-hyo mit den Einstellungen zur 5-Tage-Woche zwar geringfügig schneller, liefert dafür aber auch mehr Fehlsignale. Für Experimentierfreudige bietet der Indikator allerdings schier unendliche Möglichkeiten, an den Einstellungen rum zu schrauben, um vielleicht in unterschiedlichen Märkten, die charakteristisch eigene Bewegungsmuster aufweisen, zu den besten Ergebnissen zu kommen.

Ähnliches gilt auch für verschiedene Zeiteinheiten, in denen man handeln will. Hierzu findet man im Netz etliche Angaben, die von 6 – 12- 24 für den Stundenchart bis hin zu 72 – 144 – 288 für 5-Minuten-Charts reichen. Inwiefern solche Anwendungen wirklich Sinn machen, bespreche ich weiter unten. Wer solche Einstellungen verwenden will, sollte immer bedenken, dass Backtests hier natürlich ein absolutes Muss sind.

Die Linien des Ichimoku Kinko-hyo

Was den Ichimoku Kinko-hyo von allen anderen Indikatoren unterscheidet, sind seine insgesamt fünf Linien. Jede dieser Linien hat aufgrund ihrer Berechnung ihre eigene Bedeutung und generiert im Zusammenspiel mit den anderen Linien eine Wechselwirkung, aus der sich Signale mit verschiedenen Wertigkeiten ergeben.

Die Linien des Ichimoku Kinko-hyo
Die Linien des Ichimoku Kinko-hyo

Wie oben schon erwähnt mag die Anzahl der Linien und ihre Darstellung innerhalb eines Charts beim Anfänger Verwirrung auslösen. Deshalb sollte man für ein besseres Verständnis des Ichimoku Kinko-hyo die Linien in drei Arten unterteilen:

a) die beiden Linien des gleitenden Durchschnitts, die sich im Prinzip auch separat als Signalgeber nutzen lassen;

b) die Rand-Linien der so genannten Wolke, die „Kumo“ genannt wird;

c) der Chikou Span, dem besondere und für einige mehr, für andere weniger Bedeutung zukommt.

Grundlagen des Tenkan Sen und des Kijun Sen

Die Linien des Tenkan Sen und des Kijun Sen sind nichts anderes als gleitende Durchschnitte und bilden eine Grundlage des Ichimoku Kinko-hyo. Der Tenkan Sen stellt dabei den schnelleren Durchschnitt dar. Er errechnet sich aus den höchsten Hochs und tiefsten Tiefs der letzten neun Perioden (aus dem Candlestick-Chart), die durch zwei geteilt werden:

Höchstes Hoch + Tiefstes Tief / 2 – aus den vergangenen 9 Perioden

Der Kijun Sen ist der langsamere gleitende Durchschnitt und gilt als eine „Bestätigungslinie“, die auch als Unterstützungs- bzw. Widerstandslinie benutzt werden kann. Damit ist die Kijun Sen immer auch eine Linie für die Stop-Setzung. Sie errechnet sich wie der Tenkan Sen, allerdings aufgrund der vergangenen 26 Perioden:

Höchstes Hoch + Tiefstes Tief / 2 – aus den vergangenen 26 Perioden

Anwendung des „Tenkan Sen“ und des „Kijun Sen“

Auf den ersten Blick scheinen die beiden Durchschnitte vom Prinzip her simpel zu sein. Darüber hinaus liefern sie aber wertvolle Informationen und erfüllen wichtige Funktionen. Ist daher der Tenkan Sen aufwärts gerichtet, liegt ein entsprechender Aufwärtstrend vor. Umgekehrt herrscht ein Abwärtstrend, wenn der Tenkan Sen nach unten gerichtet ist. Ebenso lässt sich die Trendstärke an der Lage der Durchschnitts-Linie bemessen. Denn je weiter sie von der „Kumo„-Wolke entfernt liegt, desto stärker ist der Trend.

Darüber hinaus fungiert die Linie als kleine fortlaufende Unterstützung im Auf- bzw. als Widerstand im Abwärtstrend. Dies lässt sich leicht im Chart erkennen und kann beispielsweise beim kurzfristigen Trading oftmals gewinnbringend eingesetzt werden.

Die wichtigste Funktion des Tenkan Sen ergibt sich allerdings im Zusammenspiel mit der Linie des langsamen Durchschnitts, dem Kijun Sen. Allgemein gilt für diesen zunächst, dass bei Kursen oberhalb der Linie nur Long-Trades vorgenommen werden sollten, und unterhalb entsprechend nur Short-Trades. Des Weiteren ist die Kijun Sen-Linie ein deutlicher Indikator für Widerstände und Unterstützungen. Sie kann somit – unter Berücksichtigung des Marktrauschens – gut als realistischer Level für die Setzung eines Stopp-Loss herangezogen werden.

Das Zusammenspiel der beiden Ichimoku Kinko-hyo-Linien

Elementar wird es jedoch, wenn sich die beiden Linien kreuzen. In der Regel macht dies der schnellere Tenkan. Kreuzt er den Kijun von unten nach oben, ergibt sich hieraus zunächst ein Kaufsignal. Umgekehrt ergibt sich ein Verkaufssignal, wenn Tenkan die Kijun-Linie von oben nach unten kreuzt. Die Kreuzung der beiden Linien deutet im Übrigen auf die Bestätigung eines neuen Trends hin. Liegen Tenkan und Kijun aufeinander, sollte man vom Handel absehen, da die Lage unklar ist.

Nun stellt allerdings nicht gleich jede Kreuzung direkt ein Kauf- oder Verkaufssignal dar. Entscheidend für die Wertigkeit des Signals ist die Dynamik der Kreuzung. Denn je flacher sie ist, desto weniger ist das Signal nachhaltig, während eine steile Kreuzung ein umso stärkeres Signal darstellt. Die schnelle Tenkan-Linie sollte daher die langsamere Kijun-Linie in einer möglichst vertikalen Richtung schneiden. Dreht sie anschließend wieder in Richtung des langsameren Durchschnitts, kann daraus eine erneute Umkehr des Trends angenommen werden.

Kaufsignal bei Kreuzung von Tenkan und Kijun
Bei einander liegende Linien & Kaufsignal bei Kreuzung von Tenkan und Kijun

Als solches lassen sich also Tenkan Sen und Kijun Sen zur Generierung von Signalen theoretisch durchaus eigenständig nutzen. In der Praxis tut man jedoch gut daran, eine Kreuzung als erstes Signal zu sehen, welches einer Bestätigung bedarf. Hier zeigt der Ichimoku Kinko-hyo dann auch seine Stärken im Vergleich zu anderen Indikatoren. Denn neben den beiden Durchschnitts-Linien ist die „Kumo“-Wolke das oft so benannte „Herz“ dieses Indikators.

Die Wolke des Ichimoku Kinko-hyo, genannt „Kumo“

Viele nehmen die Kumo-Wolke des „Ichimoku Kinko-hyo“ zunächst nur als reine grafische Fläche im Chartbild wahr. Doch auch sie besteht im Wesentlichen aus zwei Linien, deren Innenraum in zwei verschiedenen Farben ausgefüllt wird. Dabei gibt es grundsätzlich keine obere oder unter Linie, sondern nur die so genannte Senkou Span A und die Senkou Span B. Allein der Wert der Letzteren lässt sich in den Einstellungen zum Ichimoku Kinko-hyo konfigurieren.

Das Besondere an diesen beiden Linien ist, dass sie nochmals die Werte der oben dargestellten Durchschnittslinien in unterschiedlichen Perioden zusammenfassen bzw. ihre isolierte Entwicklung in die Zukunft projizieren. So erfasst der Senkou Span A speziell die Werte des Tenkan und des Kijun und projiziert sie für 26 Perioden im Voraus:

Tenkan + Kijun / 2 – bildet eine begrenzende Kante der Kumo-Wolke;

Der Senkou Span B dagegen ist eine Erweiterung der Durchschnitts-Linien auf 52 Perioden und projiziert diese für 26 Perioden im Voraus:

Höchstes Hoch + Tiefstes Tief / 2 – aus den vergangenen 52 Perioden, bildet die begrenzende Gegenkante der Kumo-Wolke.

Die Senkou Span A + B-Linien der Kumo-Wolke
Die Senkou Span A + B-Linien der Kumo-Wolke

Da sich die beiden Linien immer wieder überschneiden, wird der Raum zwischen ihnen als Wolke oder eben „Kumo“ bezeichnet. Liegt nun die A-Linie über der B-Linie, attestiert der Ichimoku Kinko-hyo einen steigenden Markt und weist der Wolke eine entsprechende Farbe zu. Befindet sich die B-Linie über der A-Linie, lässt sich ein fallender Markt annehmen. Auch hier weist der Ichimoku Kinko-hyo der Wolke eine entsprechende Farbe zu. Diese Farben lassen sich im Übrigen genau wie die der Linien in den Konfigurations-Einstellungen des Indikators individuell anpassen.

Die Anwendung der Kumo-Wolke des Ichimoku Kinko-hyo

Wie schon bei den Durchschnitts-Linien hat auch die Wolke mehrere Funktionen. Die auffälligste dürfte sicherlich die Projektion in die Zukunft sein, weil sie dem Trader anzeigt, wie es um den Trend bestellt ist. Normalerweise laufen die A- und B-Linien während eines intakten Trends relativ parallel. Deutet sich jedoch ein Trendwechsel an, nähern sich die Linien einander und kreuzen sich schließlich. Diese Kreuzung bedeutet zunächst mindestens eine Abschwächung des Trends, während eine folgende Ausweitung der Linien den Trendbruch visualisiert.

Viele Anwender nennen diese Kreuzung auch Golden Cross und nutzen es als Einstiegssignal für einen Trade. Ich halte das jedoch für zu aggressiv, zudem der Ichimoku Kinko-hyo genügend weitere Hinweise liefert, um das Risiko eines Trades abschätzen zu können. Diese liefern die Tenkan- und Kijun-Linie. Denn solange die beiden Durchschnitte im Aufwärtstrend über und im Abwärtstrend unter der Kumo-Wolke liegen, kann der vorliegende Trend noch als intakt angesehen werden. Die Kreuzung allein liefert nur einen Hinweis auf einen möglicherweise bevorstehenden Trendwechsel.

Der Raum der Kumo-Wolke als Warnsignal

Der Raum der Kumo-Wolke ist von großer Bedeutung, denn sie stellt einen Unterstützungs- und Widerstandsbereich dar. Die sie begrenzenden Linien Senkou Span A und -B bilden dabei die unmittelbaren Kursmarken für einen Widerstand oder eine Unterstützung. Es lässt sich immer wieder beobachten, dass Kurse an der ersten Senkou Span-Linie der Kumo-Wolke abprallen. Fällt der Kurs jedoch in die Wolke hinein, ist das ein weiterer Hinweis auf einen Trendwechsel, während nun die zweite Senkou Span-Linie als letzter Widerstand oder als letzte Unterstützung gilt.

Durchbricht der Kurs per Schlusskurs der Periode auch diese und tritt damit aus der Kumo-Wolke aus, gilt der Trend nicht nur als umgekehrt, sondern liefert ebenso ein Einstiegssignal. Dieses erneute Einstiegssignal sollte bestenfalls durch eine dynamische Kreuzung der Tenkan-Linie durch die Kijun-Linie bestätigt worden sein. Verweilt der Kurs aber für längere Zeit im Raum der Kumo-Wolke, befindet sich der Markt wahrscheinlich in einer Seitwärts-Phase und sollte nicht gehandelt werden.

Kumo-Wolke mit vielen Signalen beim Ichimoku Indikator
Treppenbildung der Kumo-Wolke, Einstiegs-Signal sowie die Senkou Span A und B-Linie als Widerstände

Zu beachten ist ebenfalls immer die Form der Kumo-Wolke. Ist sie sehr voluminös, ist der Trend sehr stark und umgekehrt. Gleichzeitig gibt der Verlauf der begrenzenden Senkou Span B-Linie Hinweise auf den Trendzustand. So sollte im Aufwärtstrend die untere B-Linie immer wieder gerade Ebenen ausbilden, die sich treppenartig aufsteigend fortbilden, während sich die Ebenen im Abwärtstrend treppenartig absteigend fortbilden.

Hört die Treppenbildung auf, ist das ein Hinweis auf einen sich abschwächenden Trend, an dessen Ende ein Golden Cross stehen und eine Kreuzung der beiden Senkou Span-Linien erfolgen könnte.

Das letzte Element Chinkou Span – der schwierige Sonderfall

Die Chinkou Span-Linie ist teilweise etwas umstritten. Manche nutzen sie vehement und betrachten sie als die Seele des Ichimoku Kinko-hyo, während sie von anderen für überflüssig gehalten und ignoriert wird. Ihre Aufgabe ist einfach. Sie projiziert im Grunde nur den aktuellen Kurs um 26 Perioden zurück versetzt.

Der Sinn dahinter liegt in einer zusätzlichen Bestätigung eines Auf- oder Abwärtstrends für den Fall, dass der Trader aufgrund eines Signals eine Position eröffnen möchte. Dabei kommt es darauf an, dass das Ende der Chinkou-Span-Linie, die ja den aktuellen Kurs widerspiegelt, bei einem Long-Signal oberhalb des Kurses liegt, der 26 Perioden zuvor gegeben war. Umgekehrt sollte das Ende der Linie bei einem Short-Signal unterhalb des 26 Perioden zuvor gegebenen Kurses liegen. Ist dies nicht der Fall, warten auf größtmögliche Risikominimierung bedachte Trader weitere Signale ab, bevor sie einen Trade eröffnen.

Trendwechsel und Einstiegs-Signale des Ichimoku Kinko-hyo
Trendwechsel und Einstiegs-Signale des Ichimoku Kinko-hyo mit zusätzlicher Bestätigung durch die Chenkou Span-Linie

Trading-Strategien mit dem Ichimoku Kinko-hyo

Der Ichimoku Kinko-hyo zählt zu den komplexesten Indikatoren. Aufgrund seiner vielen Elemente lässt er sich daher auch vielfältig einsetzen. Nimmt man die Elemente für sich, können daraus ebenso verschiedene Trading-Strategien gebildet werden, die unterschiedliche Trading-Ansätze ermöglichen. Diese lassen sich in drei Kategorien unterteilen. Die einfachste und mit angepassten Einstellungen nahezu in jeder Zeiteinheit einsetzbare Strategie dürfte die Tenkan-Kijun-Strategie sein.

Die Tenkan-Kijun-Strategie im Ichimoku Kinko-hyo

Wie wir oben bereits gesehen haben, errechnen sich die beiden Linien aus Durchschnitten vorgegebener Perioden. Der Tenkan-Sen ist ein schneller Durchschnitt, während der Kijun-Sen den langsameren darstellt. Kaufsignale ergeben sich, wenn die Tenkan-Linie von unten nach oben die Kijun-Linie kreuzt. Für ein Verkaufssignal muss die Tenkan-Linie die Kijun-Linie entsprechend nach unten durchkreuzen. Diese Kreuzung sollte stets dynamisch erfolgen. In der Folge liefert die Kijun-Linie eine realistische Stop-Loss-Marke.

Diese Strategie blendet sowohl die Kumo-Wolke wie auch die Chinkou-Span-Linie vollständig aus. Sie ist demnach grundsätzlich als aggressiv anzusehen und liefert für sich alleine genommen in den höheren Zeiteinheiten oftmals Fehlsignale, wenn die Kijun-Linie als ultimativer Stopp-Loss genutzt wird. Zwar treten diese Fehlsignale auch in den niedrigeren Zeiteinheiten wie zum Beispiel im 5-Minuten-Chart auf. Jedoch lässt sich in so kurzen Zeiteinheiten auch schneller auf den Kursverlauf reagieren, zudem Positionsgröße und Risikomanagement an solche Trades angepasst sind bzw. sein sollten.

Experimentierfreudige können hier ausgiebig die Einstellungen der beiden Durchschnitte testen. In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass die Standard-Einstellungen 9 und 26 auch in den kurzfristigen Zeiteinheiten am besten funktionieren. Empirische Belege für andere dauerhaft erfolgreiche Einstellungen gibt es bislang nicht.

Die Kumo-Strategie im Ichimoku Kinko-hyo

Die Kumo-Strategie bezieht sich auf den so genannten Kumo-Breakout und zählt bis heute zu den bekanntesten Strategien. Wie der Name schon sagt, kommt es bei dieser darauf an, dass der Kurs eine Wolke zunächst durchläuft, um schließlich außerhalb der Wolke und per Schlusskurs einer Periode auszubrechen. Dies stellt oberhalb der Kumo-Wolke ein Kauf- und unterhalb der Kumo-Wolke ein Verkaufssignal dar.

In beiden Fällen kann jeweils die Senkou-Span B-Linie den Stopp-Loss markieren. Allerdings spielt hier die Form der Kumo-Wolke eine große Rolle. Sie sollte möglichst ausgeprägt und breit sein, womit sie in erster Linie einen starken Trend, darüber hinaus aber auch einen breiten Unterstützungs- oder Widerstandsbereich anzeigt. Ist sie flach oder dünn, gilt der Trend als eher schwach und anfällig für einen Rücklauf. In diesem Fall sollte man auf eine Positionseröffnung besser verzichten.

Die Kumo-Breakout-Strategie lässt sich gut in allen Zeiteinheiten nutzen, wenn man sich bestimmter Charakteristika bewusst ist. In Bezug auf die Signalgebung ist sie etwas stärker als die Tenkan-Kijun-Strategie, funktioniert jedoch nur solange, wie ein deutlicher Trend vorliegt. In Seitwärts-Phasen ist sie in Zeiteinheiten unterhalb des 4-Stunden-Charts kaum zu gebrauchen, da die Gefahr von Fehlsignalen signifikant steigt.

Die gute Nachricht ist allerdings, dass Ausbrüche in den unteren Zeiteinheiten, insbesondere im 5-Minuten-Chart sehr deutlich angezeigt und dann auch gehandelt werden können.

Die Gesamtheit der Ichimoku Kinko-hyo-Strategie

Während die beiden oben genannten Strategien durchaus für sich alleine angewendet werden können, sollte man bedenken, dass sie nur Teile eines Gesamtsystems sind. Daher ist der Ichimoku Kinko-hyo im Ganzen ebenfalls als Strategie anzusehen. Seine Bedeutung geht damit über die eines bloßen Indikators weit hinaus.

Denn die Signale der einen Strategie stehen in aussagekräftiger Wechselwirkung zur anderen. Dies ist so zu verstehen, dass ein Signal durch ein anderes nochmals bestätigt wird. Kreuzt also zum Beispiel der Tenkan die Kijun-Linie dynamisch von unten nach oben, muss dieses erste Kaufsignal dadurch bestätigt werden, dass der Kurs die über ihm liegende Wolke per Schlusskurs durchbricht. Ist dies der Fall, kann die Position eröffnet werden.

Trading-Strategien mit dem Ichimoku Kinko hyo
Trading-Strategien mit dem Ichimoku Kinko hyo, Analyse, Einstiege und Stopp-Setzung

Im weiteren Verlauf sollte die Position entweder mit Hilfe der Kijun-Linie durch einen Stopp-Loss abgesichert werden, oder anhand der Senkou Span A oder B-Linie, sofern die in diesem Fall unten liegende Wolke einen intakten Trend anzeigt. Die Wolke selbst definiert zudem den Unterstützungsbereich. Das gleiche gilt umgekehrt für Verkaufssignale. Zu beachten ist hier natürlich immer die in die Zukunft projizierte Kumo-Wolke, die Aufschluss über die mögliche Entwicklung des vorliegenden Trends gibt.

Auf maximal mögliche Sicherheit bedachte Trader schauen sich an dieser Stelle außerdem noch die Chinkou Span-Linie an. Deren Ende sollte sich bei einem Kaufsignal über dem Schlusskurs der 26 Perioden älteren Kerze und bei einem Verkaufssignal entsprechend darunter befinden. Wenn dem so ist, kann die Chinkou Span den vorliegenden Auf- bzw. Abwärtstrend einmal mehr bestätigen und damit das Signal verstärken.

Fazit zum Ichimoku Kinko-hyo

Der Ichimoku Kinko-hyo ist zweifellos ein komplexes System, in das man sich einarbeiten muss, um es zu verstehen und richtig anzuwenden. Damit unterscheidet er sich von nahezu allen anderen Indikatoren. Was ihn ausmacht ist das Zusammenspiel mehrerer Elemente und die geordnete Darstellung derselben im Chart, selbst wenn sie dem Einsteiger zunächst verwirrend erscheinen. Damit liegen die Vorteile klar auf der Hand.

Signale, die durch die Beachtung der gleitenden Durchschnitte auftreten, können sich auch schnell wieder umkehren. Erst durch die Möglichkeit, sie anhand der Kumo-Wolke zu bestätigen, tritt die Stärke des Ichimoku Kinko-hyo hervor. Darüber hinaus ist die Kumo-Wolke selbst schon ein Element zur Trenderkennung.

Insofern muss man den Ichimoku Kinko-hyo nicht nur als einen Indikator, sondern vielmehr als ein wirksames Trendfolgesystem ansehen, das mit seiner Signalgebung zum komplexen Handelssystem wird.

Nachteile des Ichimoku Kinko-hyo

Der oft diskutierte Nachteil des Ichimoku Kinko-hyo ist neben der aufwendigen grafischen Darstellung eine vermeintliche Langsamkeit. Hierbei kommt es jedoch auf die Perspektive an.

Natürlich lassen sich allein mit den gleitenden Durchschnitten höhere Gewinne erzielen, wenn deren Signale genutzt werden, ohne eine Bestätigung mittels der Kumo-Wolke abzuwarten. Aber dadurch erhöht sich zweifelsohne auch das Risiko, dass die Position zu früh und schlimmstenfalls im Verlust ausgestoppt wird. Wer die Bestätigung des Signals abwartet, muss unter Umständen zwar geringere Gewinne hinnehmen, handelt dafür aber wahrscheinlich nachhaltiger.

Zu guter Letzt sollte sich der Anwender die Frage stellen, in welcher Zeiteinheit er den Ichimoku Kinko-hyo nutzen möchte. In der Praxis zeigt sich das Trendfolgesystem im 4-Stunden-Chart und darüber relativ stabil. Hier ist jedoch mit Blick auf den Stopp-Loss ein gesundes Risikomanagement gefragt. Viele nutzen ihn noch erfolgreich im 1-Stunden-Chart.

In kleineren Zeiteinheiten ist die Gefahr von zu spät erkannten Seitwärts-Phasen oder Fehlsignalen sehr hoch. Zwar lässt sich der Ichimoku Kinko-hyo auch im 5-Minuten-Chart anwenden, das Management einer offenen Position sollte sich aber je nach Risikoaffinität am Verlauf der Senkou Span B-Linie ausrichten. Im Zweifel ist es sicher auch nicht falsch, Ausstiege diskretionär oder nach anderen Gesichtspunkten zu gestalten.

Auf den umfangreichen Test in einem Demo-Account sollte jedenfalls nicht verzichtet werden, bevor man sich mit dem Ichimoku Kinko-hyo seine Stücke aus dem Börsenkuchen heraus schneidet.

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