Die meisten Trader zeichnen zu viele Linien in den Chart. Nach zehn Minuten sieht die Kursgrafik aus wie ein Gitternetz aus Möglichkeiten, und genau deshalb hilft sie nicht mehr bei der Entscheidung. Ich handle seit 1978 überwiegend an Unterstützungen und Widerständen. Der wichtigste Fortschritt war nicht eine neue Methode, sondern das konsequente Weglassen unwichtiger Marken.
Unterstützung und Widerstand beschreiben Kursbereiche, an denen Angebot und Nachfrage die Richtung wechseln. Das Konzept ist alt, es ist simpel, und es ist trotzdem das einzige Werkzeug, das in jedem Markt und in jedem Zeitrahmen funktioniert. Es sagt dir nicht, wann du kaufen sollst. Es sagt dir, wo es sich lohnt hinzuschauen.
Dieser Artikel zeigt dir, aus welchen Quellen belastbare Zonen entstehen, wie du sie sauber einzeichnest und wie du sie in Einstieg, Stop und Kursziel übersetzt. Du bekommst dazu meine eigene Level-Karte und die Regel, die bei mir den größten Unterschied gemacht hat. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Unterstützung und Widerstand: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Unterstützung ist ein Kursbereich unter dem Markt, in dem die Käufer bisher stark genug waren, um einen Rückgang zu stoppen. Widerstand ist das Gegenstück darüber.
- Zonen schlagen Linien. Der Markt dreht selten auf den Cent genau. Zeichne einen Bereich vom Kerzenkörper bis zum Docht, keine haarfeine Linie.
- Vier Price-Action-Quellen liefern die tragfähigen Marken: Swing-Hochs und Swing-Tiefs, Konsolidierungszonen, Kurslücken und runde Zahlen.
- Runde Zahlen sind messbar dominant. In einer Untersuchung der Federal Reserve Bank of New York endeten 70,1 % aller veröffentlichten Marken auf 0 und 95,5 % auf 0 oder 5. Zufällig wären 10 % und 20 % zu erwarten.
- Ein Level allein ist kein Einstieg. Erst ein Trigger an der Zone macht daraus einen Trade, und der Stop gehört hinter die Zone, nicht davor.
Was sind Unterstützung und Widerstand im Chart?
Hinter jeder Marke steht kein Zauber, sondern eine Ungleichgewichtslage zwischen Käufern und Verkäufern. Der Kurs steigt, solange die Nachfrage größer ist als das Angebot. Er fällt, sobald sich das Verhältnis dreht. Unterstützung und Widerstand markieren die Kursbereiche, in denen dieser Wechsel in der Vergangenheit stattgefunden hat.
Unterstützung ist ein Kursbereich unterhalb des aktuellen Marktes, in dem die Nachfrage bisher stark genug war, um einen Kursrückgang zu stoppen oder umzukehren.
Widerstand ist ein Kursbereich oberhalb des aktuellen Marktes, in dem das Angebot bisher stark genug war, um einen Kursanstieg zu bremsen oder umzukehren.
Im Englischen heißen die beiden Begriffe Support und Resistance, und du findest sie in jeder Chart-Software unter diesen Namen. Inhaltlich beschreiben sie dasselbe. Wer mit internationalen Plattformen arbeitet, sollte beide Bezeichnungen kennen.
Angebot und Nachfrage stecken hinter jeder Marke
Der Grund für die Wirkung ist Erinnerung, nicht Technik. An einem Kursbereich, an dem der Markt schon einmal gedreht hat, sitzen Marktteilnehmer mit offenen Rechnungen. Die einen wollen dort nachkaufen, die anderen wollen an dieser Stelle endlich aus einer Verlustposition heraus. Beide Gruppen erzeugen Orders, und Orders erzeugen die Reaktion.
Genau deshalb funktioniert das Konzept unabhängig vom Instrument. Ob DAX, Gold oder ein Währungspaar spielt keine Rolle, solange genug Teilnehmer denselben Chart sehen. In dünn gehandelten Nebenwerten wird die Wirkung dagegen unzuverlässig, weil schlicht zu wenige Orders zusammenkommen.
Wie stark ein Bereich wirkt, hat also mit Beteiligung zu tun. Das ist der Grund, warum ich Volumen später als eigenen Filter einsetze und nicht nur die Kursform betrachte. Die Price Action zeigt dir den Ort, das Volumen zeigt dir das Interesse.
Warum Zonen besser funktionieren als Linien
Viele Chartprogramme verführen zur Präzision, die es im Markt nicht gibt. Ein Kurs prallt nicht bei 24.000,0 Punkten ab, sondern irgendwo in diesem Bereich. Wer die Linie exakt auf ein Extrem legt, produziert ständig knappe Fehlsignale und Stop-outs, obwohl die Analyse im Kern richtig war.
Eine Unterstützungszone ist der Kursbereich zwischen dem Schlusskurs und dem tiefsten Docht der Kerzen, die an dieser Stelle gedreht haben.
In der Praxis ziehe ich die Zone vom Kerzenkörper bis zum Extrem. Der Körper zeigt, wo tatsächlich gehandelt wurde. Der Docht zeigt, wie weit der Markt kurz getestet hat, bevor er zurückkam. Beides zusammen ist die Zone, und ihre Breite sagt dir gleich mit, wie viel Spielraum dein Stop braucht.
Der Rollenwechsel: aus Widerstand wird Unterstützung

Der Rollenwechsel ist das nützlichste Einzelphänomen an diesem Konzept. Bricht der Kurs durch eine Unterstützung, wechselt die Kontrolle von den Käufern zu den Verkäufern. Dieselbe Marke wird danach oft von oben verteidigt und wirkt als Widerstand.
Ein Rollenwechsel liegt vor, wenn eine gebrochene Unterstützung anschließend als Widerstand wirkt oder ein gebrochener Widerstand als Unterstützung.
Für die Praxis ist das wertvoll, weil es dir einen zweiten Anlauf verschafft. Du musst den Ausbruch nicht jagen. Du wartest, bis der Kurs an die gebrochene Marke zurückkommt, und prüfst dort, ob sie tatsächlich hält. Das ist der Unterschied zwischen einem gehetzten und einem geplanten Einstieg.
Unterstützung und Widerstand einzeichnen: vier Quellen aus der Price Action
Wenn du nur vier Quellen für deine Marken zulässt, bleibt der Chart lesbar. Ich arbeite mit Swing-Punkten, Konsolidierungen, Kurslücken und runden Zahlen. Alles andere ist bei mir Ergänzung, nicht Grundlage. Wichtig ist die Reihenfolge: erst der große Zeitrahmen, dann der kleine.
Swing-Hochs und Swing-Tiefs

Ein Swing-Hoch ist eine Kerze, deren Hoch über den Hochs der Kerzen links und rechts davon liegt. Ein Swing-Tief ist das Gegenstück nach unten.
Swing-Punkte sind die naheliegendste Quelle, weil sie exakt die Stellen markieren, an denen der Markt zuletzt gedreht hat. Das Problem ist die Subjektivität. Im historischen Chart findest du immer die Swings, die gut funktioniert haben, im laufenden Handel dagegen selten.
Dagegen hilft eine feste Regel statt eines Bauchgefühls. Ich nehme nur Swings mit, die auf dem übergeordneten Zeitrahmen sichtbar sind. Ein Wendepunkt im Wochenchart zählt, ein Zucken im Fünf-Minuten-Chart nicht.
Konsolidierungszonen

Eine Konsolidierung ist eine Phase, in der der Markt längere Zeit seitwärts läuft. Dort haben viele Teilnehmer über Tage oder Wochen Positionen aufgebaut. Diese Bindung verschwindet nicht, wenn der Kurs weiterzieht.
Konsolidierungszonen sind meine bevorzugte Quelle, weil sie das Zonen-Prinzip von selbst mitbringen. Du musst nicht entscheiden, ob du den Docht oder den Körper nimmst. Die ganze Seitwärtsspanne ist die Zone.
Besonders belastbar wird es, wenn sich mehrere Konsolidierungen in derselben Spanne stapeln. Dann hat der Markt diesen Bereich mehrfach als fairen Preis behandelt. Ein einzelner Ausbruch kippt so eine Zone selten dauerhaft.
Das deckt sich mit einer eigenen Auswertung. Von 1.472 Ausbrüchen aus einer Seitwärtsspanne in DAX, Nasdaq 100 und S&P 500 fielen 68,4 % binnen zehn Handelstagen wieder in die Zone zurück.
Kurslücken
Eine Kurslücke entsteht, wenn der Markt über einen Kursbereich springt, ohne dort zu handeln. Das passiert typischerweise über Nacht oder nach einer Nachricht. Der entscheidende Punkt ist das, was nicht passiert ist: In der Lücke gibt es kein Volumen.
Genau daraus entsteht die Wirkung. Alle, die in diesem Bereich kaufen oder verkaufen wollten, kamen nicht zum Zug. Kommt der Kurs zurück, holen sie ihre Order nach, und die Lücke wird zur Unterstützung oder zum Widerstand. Wie du solche Bereiche systematisch handelst, zeigt der Leitfaden zum Gap Trading.
Runde Zahlen und psychologische Marken
Runde Marken wirken, weil Menschen in runden Zahlen denken. Das ist keine Behauptung, sondern messbar. Carol Osler hat für die Federal Reserve Bank of New York untersucht, welche Unterstützungs- und Widerstandsmarken sechs Handelshäuser zwischen Januar 1996 und März 1998 an ihre Kunden meldeten.
Nach der Studie „Support for Resistance“ der Federal Reserve Bank of New York endeten 70,1 Prozent aller veröffentlichten Unterstützungs- und Widerstandsmarken auf der Ziffer 0 und 95,5 Prozent auf 0 oder 5.
Bei zufälliger Wahl wären 10 und 20 Prozent zu erwarten gewesen. Die Häufung ist damit kein Zufall, sondern ein Verhaltensmuster der Marktteilnehmer. Für dich heißt das: Trage die runden Marken rund um den aktuellen Kurs ein, auch wenn dort noch kein Wendepunkt liegt. Die vollständige Untersuchung von Carol Osler ist bei der New Yorker Notenbank frei abrufbar.
Alle vier Quellen liefern waagerechte Marken. Die schräge Variante ist die Trendlinie: Sie läuft mit dem Kurs mit und wird an denselben Wendepunkten getestet. Wie du sie ziehst und einen echten Bruch von einem Fehlausbruch unterscheidest, steht im Guide zu schrägen Trendlinien im Chart.
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Volumen als Filter: welche Zone wirklich trägt
Die vier Quellen oben liefern dir schnell mehr Zonen, als ein Chart verträgt. Die Frage ist deshalb nicht, wo überall eine Marke liegt, sondern welche davon den Markt tatsächlich interessiert. Diese Frage beantwortet das Volumen besser als jede Kursform.
Eine volumenbasierte Unterstützungszone ist die Kursspanne zwischen Hoch und Tief einer Kerze mit außergewöhnlich hohem Handelsvolumen.
Der Richtwert: Bollinger-Band auf das Volumen

„Hohes Volumen“ ist ohne Maßstab nutzlos. Ich brauche eine objektive Schwelle, sonst finde ich im Nachhinein immer die passende Kerze. Bewährt hat sich das obere Bollinger Band, angewendet auf das Volumen statt auf den Kurs.
Die Einstellung dafür lautet 233 Perioden und drei Standardabweichungen. Übersteigt das Volumen einer Kerze dieses Band, ist der Umsatz statistisch außergewöhnlich. Nur diese Kerzen bekommen bei mir eine eigene Zone.
Danach ist die Arbeit simpel. Du markierst Hoch und Tief der Kerze, und die Spanne dazwischen ist deine Kandidatenzone. Wo Zone und Swing-Punkt zusammenfallen, hast du die stärkste Konfluenz, die dieses Konzept anbietet.
Der Lehrbuchfall: eine Zone hält sofort

Im Tageschart des SPY stechen zwei Kerzen mit hohem Umsatz heraus. Aus ihrem gemeinsamen Hoch und Tief entsteht eine schmale Zone. Als der Markt später steigt, liegt diese Spanne unter dem Kurs und wird damit zur potenziellen Unterstützung.
Der erste ausgedehnte Rücksetzer endet genau dort. Der Kurs taucht in die Zone ein, dreht und läuft weiter. Solche Verläufe sind der Grund, warum das Konzept so überzeugend wirkt, und genau deshalb zeige ich dir gleich den unbequemen Gegenfall.
Der Realfall: fünf Tests und viel Nervenverlust

Bei Lennar entsteht die Zone aus einer einzigen umsatzstarken Kerze. Danach wird sie fünfmal getestet, bevor sich der Markt endgültig nach oben löst. Der vierte Test greift am tiefsten und schüttelt die meisten Käufer ab.
Diese Verlaufsform ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Wer beim ersten Berühren blind kauft, sitzt vier weitere Anläufe aus. Deshalb ist eine Zone bei mir nie ein Kaufsignal, sondern ein Beobachtungsauftrag. Was daraus einen Trade macht, steht weiter unten.
Zum Feinschliff im Intraday-Handel lohnt ein Blick auf zeitlose Charts. Auf Range- und Volumencharts liegen die Zonen oft sauberer, weil jede Kerze dieselbe Bewegung statt derselben Zeit abbildet.
In dieselbe Familie gehört die Point-and-Figure-Darstellung. Sie geht noch einen Schritt weiter und lässt die Zeitachse ganz weg. Seitwärtsphasen schrumpfen dadurch zusammen, und die tragenden Niveaus treten als waagrechte Linien deutlich hervor. Das Volumen lässt sich dort zusätzlich waagerecht auf den einzelnen Preisniveaus auftragen.
Unterstützung und Widerstand berechnen statt einzeichnen
Neben den gezeichneten Marken gibt es berechnete Marken. Sie entstehen aus einer Formel und liegen deshalb für alle Marktteilnehmer an derselben Stelle. Das ist ihr Vorteil gegenüber selbst gezogenen Linien und zugleich ihre Grenze, denn eine Formel kennt den Marktkontext nicht.
Gleitende Durchschnitte

Der gleitende Durchschnitt ist eine mitwandernde Marke. In sauberen Trends kommt der Kurs regelmäßig an ihn heran und dreht dort. In Seitwärtsphasen ist er dagegen wertlos, weil er mitten durch die Kursspanne läuft.
Das erklärt auch, warum die 200-Tage-Linie so oft in den Medien auftaucht. Sie ist keine magische Grenze, sondern schlicht die Marke, auf die besonders viele Marktteilnehmer gleichzeitig schauen. Ihre Wirkung entsteht aus der Beachtung, nicht aus der Rechnung.
Am häufigsten kommen dafür der GD 50 und der GD 200 zum Einsatz. Beide wirken als mitlaufende Zone, nicht als exakte Linie. Wie sich die 50-Tage-Linie im Chart als dynamische Unterstützung verhält, ist im Artikel zur 50-Tage-Linie mit Chartbeispielen beschrieben.
Fibonacci-Retracements

Beim Fibonacci-Retracement legst du ein Raster über eine abgeschlossene Bewegung. Die interessanten Werte sind 38,2 Prozent, 50 Prozent und 61,8 Prozent. Ein Rücklauf von 100 Prozent ist nichts anderes als der Ausgangspunkt der Bewegung und damit ein normaler Swing-Punkt.
Der Nutzen liegt in der Konfluenz. Fällt eine Fibonacci-Marke mit einer Konsolidierungszone zusammen, wird die Stelle deutlich interessanter. Fibonacci allein reicht mir dagegen nie für einen Trade.
Pivot Points
Die Pivot Points berechnen aus Hoch, Tief und Schluss des Vortags einen Mittelpunkt und mehrere Marken darüber und darunter. Sie sind vollständig objektiv und ändern sich nur einmal pro Handelstag.
Für Daytrader ist das ihr größter Vorteil. Du diskutierst nicht mehr, wo die Linie liegt, weil sie sich rechnerisch ergibt. Der Preis dafür ist fehlende Auswahl: Die Formel liefert dir auch dann sieben Marken, wenn nur zwei davon im aktuellen Kontext eine Rolle spielen.
Meine Level-Karte: so baue ich den Chart auf
Bis hierhin ging es um einzelne Quellen. In der Praxis brauchst du eine Reihenfolge, sonst überfrachtest du den Chart genau so, wie ich es eingangs beschrieben habe. Ich arbeite deshalb immer von der großen Zeitebene zur kleinen, nie umgekehrt.
Die Leiter lautet Jahr, Halbjahr, Quartal, Monat, Woche, Vortag. Auf jeder Ebene notiere ich Hoch, Tief und Schluss der abgeschlossenen Periode sowie den Eröffnungskurs der laufenden. Das ergibt eine überschaubare Zahl an Marken, und jede einzelne hat einen klaren Ursprung.
Die Eröffnungskurse sind dabei mein Bias-Kompass. Notiert der Markt über dem Wochen-Open und dem Monats-Open, ist die übergeordnete Lage freundlich. Rutscht er darunter, dreht sich das Bild, ohne dass ein einziger Indikator nötig wäre.
Konfluenz nicht zusammenfassen

Ein häufiger Fehler ist das Verschmelzen naher Marken zu einer breiten Zone. Wenn Quartals-Tief, Vormonats-Tief und eine runde Marke dicht beieinander liegen, sieht das nach einer einzigen Zone aus. Tatsächlich sind es drei Gründe, warum der Markt dort reagieren könnte.
Ich zeichne solche Marken deshalb einzeln und beschrifte sie mit ihrer Herkunft. Der Nutzen zeigt sich beim Bruch: Fällt der Kurs durch die erste Marke, weiß ich sofort, welche darunter noch trägt. Eine verschmolzene Zone beantwortet diese Frage nicht.
Nur bei exakt identischen Werten fasse ich zusammen. Wenn Monats-Open und Quartals-Open auf demselben Kurs liegen, wäre eine zweite Linie reine Dopplung.
Liquidität liegt hinter dem Level, nicht davor
Unter jedem sauberen Tief und über jedem sauberen Hoch liegen Stop-Orders. Das ist kein Verdacht, sondern eine Folge davon, wie die meisten Trader ihre Absicherung platzieren. Genau dorthin läuft der Markt gern, bevor er dreht.
Ein Liquidity Sweep beschreibt genau diese Bewegung: kurzer Stich unter die Marke, Auslösen der Stops, sofortige Rückkehr. Wer die Marke als Linie gezeichnet und seinen Stop direkt darunter gelegt hat, ist dann raus, obwohl seine Analyse richtig war.
Für die Level-Karte heißt das, ich markiere die Zone und getrennt davon den Bereich dahinter. Der zweite Bereich ist kein Einstiegsziel, sondern die Zone, die mein Stop überleben muss. Diese Unterscheidung ist bei mir die Grundlage der Stop-Platzierung weiter unten.
Unterstützung und Widerstand in die Trading-Strategie einbauen
Eine fertige Level-Karte ist noch keine Strategie. Sie sagt dir, wo etwas passieren kann, aber nicht wann du handelst. Diese Übersetzung findet in vier Schritten statt.
Richtung bestimmen
Der erste Nutzen ist die Trendbestimmung ohne Indikator. Halten die Unterstützungen und werden die Widerstände nacheinander gebrochen, liegt ein Aufwärtstrend vor. Kippt das Bild, kippt auch deine Richtung.
Daraus folgt eine einfache Filterregel. Solange das übergeordnete Bild aufwärts zeigt, suche ich ausschließlich Käufe an Unterstützungen. Gegen die Richtung zu handeln kostet mich in der Regel mehr Nerven als es einbringt.
Schlechte Trades aussortieren
Der zweite Nutzen ist der Verzicht. Wenn dein Setup einen Kauf liefert, der Kurs aber knapp unter einem großen Widerstand steht, ist das Chance-Risiko-Verhältnis schlecht, bevor du eingestiegen bist.
Diesen Filter halte ich für den unterschätztesten Teil des Konzepts. Er erzeugt keine neuen Gewinne, er verhindert vermeidbare Verluste. Wie du das Verhältnis konkret rechnest, steht im Beitrag zum Chance-Risiko-Verhältnis.
Einstieg: erst der Trigger, dann die Order

Die Zone ist der Ort, der Trigger ist die Erlaubnis. Für mich zählen zwei Signaturen: der Stich unter die Zone mit sofortiger Rückkehr und der Bruch einer kleinen Struktur mit anschließendem Retest. Beides ist beobachtbar und lässt sich im Nachhinein prüfen.
Was ausdrücklich kein Trigger ist, ist die bloße Nähe zur Zone. Ich habe lange genug vorweggenommen, dass eine Marke halten wird, und dabei nichts gewonnen. Ein Einstieg ohne Bestätigung ist eine Vermutung mit Geld dahinter.
Vorsicht ist beim ersten Bruch geboten. Nicht jeder Durchbruch ist echt, und ein Fehlausbruch kostet doppelt: einmal den Stop und einmal die verpasste Gegenbewegung.
Stop: erst der Ort, dann die Größe
Das ist die Regel, die bei mir den größten Unterschied gemacht hat. Als ich meine eigenen Trades an Leveln nachgerechnet habe, war nicht das Setup der trennende Faktor, sondern der Ort des Stops.
Die übliche Reihenfolge ist verkehrt herum. Die meisten Trader legen zuerst ihr Risiko fest und quetschen den Stop dann so nah heran, dass die Rechnung aufgeht. Der Stop landet dadurch mitten in der Zone, in der die Stops abgeholt werden.
Ich drehe die Reihenfolge um. Zuerst suche ich den Ort hinter dem Docht, der die Zone gerissen hat, plus einen kleinen Puffer. Danach wähle ich die Positionsgröße so, dass dieser Abstand genau meinem geplanten Risiko entspricht.
Der Drei-Sekunden-Check dazu lautet: Liegt kurz hinter meinem Stop noch ein stärkeres Level? Wenn ja, gehört der Stop dahinter und die Position wird kleiner. Die Mechanik der Orderarten steht im Leitfaden zur Stop-Loss-Order.
Ausstieg und Kursziel
Für den Ausstieg gilt die Logik gespiegelt. Ein Kaufziel liegt unter dem nächsten Widerstand, ein Verkaufsziel über der nächsten Unterstützung. Du willst dort raus sein, wo die Gegenpartei aktiv wird, nicht erst danach.
Für Daytrader sind Vortageshoch und Vortagestief die wichtigsten Tagesziele. Sie sind jedem Marktteilnehmer bekannt, sie ändern sich nur einmal täglich, und sie liegen meist in erreichbarer Entfernung. Alles Weitere gehört in einen schriftlichen Trading-Plan.
Stärken und Grenzen von Unterstützung und Widerstand
Kein Konzept verdient blindes Vertrauen, und dieses hier ist keine Ausnahme. Die folgenden Punkte fassen zusammen, was Unterstützung und Widerstand realistisch leisten und wo ihre Grenzen liegen.
Gleitende Durchschnitte wirken oft wie Zonen, sind aber reine Rechenlinien. Warum das beim Golden Cross besonders ins Gewicht fällt, zeigt unsere Auswertung von 33 Signalen seit 1971.
Vorteile von Unterstützung und Widerstand
- Marktübergreifend anwendbar: Das Prinzip funktioniert in Aktien, Futures, Forex und Krypto gleichermaßen, weil überall Angebot auf Nachfrage trifft.
- Keine Indikator-Verzögerung: Die Zonen entstehen direkt aus dem Kursverlauf und hinken der Bewegung nicht hinterher.
- Empirisch überprüft: Die Untersuchung der Federal Reserve Bank of New York zeigt, dass Intraday-Trends an veröffentlichten Marken deutlich häufiger stoppten als bei zufällig gewählten Kursniveaus.
- Liefert Stop und Ziel gleich mit: Aus derselben Analyse ergeben sich Einstieg, Absicherung und Kursziel, ohne dass du ein zweites Werkzeug brauchst.
Nachteile von Unterstützung und Widerstand
- Subjektiv beim Einzeichnen: Zwei Trader zeichnen denselben Chart unterschiedlich, solange sie keine feste Regel für die Auswahl ihrer Swings haben.
- Kein Einstiegssignal: Eine Zone sagt nichts über den Zeitpunkt. Ohne Trigger entsteht daraus schnell ein vorweggenommener Trade.
- Stärke lässt sich nicht vorhersagen: In derselben Studie waren die von den Handelshäusern mitgelieferten Stärke-Einstufungen ohne Aussagekraft.
- Jede Zone bricht irgendwann: Ein Rollenwechsel ist die Regel, nicht die Ausnahme. Wer eine Marke verteidigt, statt seinen Stop zu akzeptieren, zahlt dafür.
Aus dem Abstand zwischen Einstieg und dem Stopp unter der Unterstützung ergibt sich unmittelbar die Stückzahl. Wie das gerechnet wird, steht bei Money Management und Positionsgröße.
Fazit: eine Landkarte, kein Signalgeber
Unterstützung und Widerstand sind für mich das Fundament der Chartanalyse, und zwar nicht wegen ihrer Trefferquote, sondern wegen ihrer Struktur. Sie geben dir eine Landkarte des Marktes, bevor du eine Position eingehst. Alles Weitere ist Handwerk.
Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese: Der Ort deines Stops ist wichtiger als die Frage, ob die Zone hält. Eine gute Zone mit einem Stop in der Liquiditätszone verliert. Dieselbe Zone mit einem Stop dahinter überlebt den Test und lässt dich am Trade.
Und die ehrliche Grenze zum Schluss: Es gibt keine Garantie, dass eine Marke hält. Du kannst sicher sein, dass jede von ihnen früher oder später bricht. Deshalb gehört zu jedem Trade ein definierter Verlust, und deshalb sind Hebelprodukte mit dem entsprechenden Risiko für Anfänger der falsche Startpunkt.
Die Chartbeispiele in diesem Artikel stammen aus dem Archiv von Galen Woods, dessen Price-Action-Material seit Jahren auf Kagels Trading erscheint.
Häufige Fragen zu Unterstützung und Widerstand
Was sind Unterstützung und Widerstand im Trading?
Unterstützung ist ein Kursbereich unterhalb des Marktes, in dem die Nachfrage bisher stark genug war, um einen Rückgang zu stoppen. Widerstand ist der Bereich darüber, in dem das Angebot überwiegt. Beide gehören zur technischen Analyse und entstehen aus Kursbereichen, an denen der Markt in der Vergangenheit gedreht hat.
Wie zeichnet man Unterstützung und Widerstand richtig ein?
Beginne im Wochen- oder Tageschart und markiere nur Wendepunkte, die dort sichtbar sind. Zeichne eine Zone vom Kerzenkörper bis zum Docht statt einer haarfeinen Linie. Danach ergänzt du die runden Marken rund um den aktuellen Kurs.
Wie viele Berührungen braucht eine gültige Zone?
Zwei Berührungen machen eine Marke sichtbar, ab drei wird sie belastbar. Wichtiger als die Zahl ist die Reaktion: Ein scharfes Abprallen sagt mehr aus als mehrfaches, kraftloses Anlaufen.
Was ist ein Rollenwechsel bei Unterstützung und Widerstand?
Ein Rollenwechsel liegt vor, wenn eine gebrochene Unterstützung anschließend als Widerstand wirkt. Der Grund ist der Kontrollwechsel zwischen Käufern und Verkäufern. Für die Praxis bietet der Rücklauf an die gebrochene Marke einen zweiten Einstiegsversuch.
Warum wird mein Stop an der Unterstützung so oft ausgelöst?
Weil er meistens in der Zone liegt, in der die Stops abgeholt werden. Unter jedem sauberen Tief sammeln sich Stop-Orders, und der Markt läuft gern dorthin, bevor er dreht. Setze den Stop hinter den Docht und passe stattdessen die Positionsgröße an.
Funktionieren Unterstützung und Widerstand auch bei Kryptowährungen?
Ja, das Prinzip ist instrumentunabhängig, solange genug Marktteilnehmer denselben Chart sehen. Bei großen Coins funktioniert es zuverlässig. In dünn gehandelten Nebenwerten wird die Reaktion beliebig.
Sind Indikatoren für Unterstützung und Widerstand nötig?
Nein, die tragenden Marken entstehen aus der Price Action. Berechnete Marken wie gleitende Durchschnitte, Fibonacci-Retracements oder Pivot Points sind eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen aber keine eingezeichnete Zone.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading. Er handelt seit 1978 diskretionär nach Price Action und bewegt sich vor allem in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.
In den späten 1980er-Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er der deutsche Repräsentant von Joe Ross und übersetzte und verlegte alle zehn Ross-Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für dieses Thema ist er der naheliegende Autor, weil Unterstützung und Widerstand seit Jahrzehnten der Kern seiner eigenen Handelsentscheidungen sind. Die hier beschriebene Level-Karte und die Stop-Regel stammen aus seiner täglichen Vorbereitung, nicht aus einem Lehrbuch.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.












