Manche Kursstäbe fallen auf: breite Spanne, Kurslücke, auffällig hohes Volumen. Genau an solchen Stäben hat sich viel Geld positioniert, und genau dorthin kehrt der Markt später zurück. Das ist die Idee hinter den Ankerzonen von L. A. Little.
Statt eine einzelne Linie zu ziehen, markierst du die Begrenzungen des auffälligen Kursstabs als Zone. Dieser Artikel zeigt, wie du Anker-Kursstäbe findest, welche Regeln für Long und Short gelten und wo die Methode an ihre Grenze stößt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Ankerzonen: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Ankerzonen basieren auf Kursstäben mit extremer Kursaktivität (breite Kursspannen, Kurslücken, hohes Volumen).
- Diese Kursstäbe definieren Ankerzonen, die als Unterstützung oder Widerstand fungieren.
- Setzen von Long-Positionen bei bullischen Umkehr-Kursstäben an Unterstützungszonen. Setzen von Short-Positionen bei bärischen Umkehr-Kursstäben an Widerstandszonen. Nutzung dieser Zonen, um Kursbewegungen zu begrenzen.
Was sind Ankerzonen?
L. A. Little schrieb zwei hervorragende Bücher über Trend-Trading. In diesen Büchern erklärte er ein wichtiges Prinzip zur zeitlichen Abstimmung (Timing), das Ankerzonen genannt wird, und das ein sehr nützliches Instrument für Trader der Price Action darstellt.
In diesem Artikel geht es um die Ankerzonen im Rahmen einer entsprechenden Tradingstrategie. Denk aber daran, dass Ankerzonen nur ein Teil des Tradingkonzepts von L. A. Little sind. Um die Ankerzonen auf der Grundlage seines Trendsystems anzuwenden, musst du dich an seine Bücher halten:
Um Ankerzonen zu bestimmen, müssen wir zuerst Anker-Kursstäbe ausfindig machen. Anker-Kursstäbe weisen ein oder mehrere der folgenden Anzeichen extremer Kursaktivität auf:
- Breite Kursspanne
- Kurslücken (Gaps)
- Hohes Volumen
Sobald du die Anker-Kursstäbe gefunden hast, kannst du Ankerzonen in den Chart eintragen, indem du die Begrenzungen der Kursstäbe kennzeichnest. Der folgende Chart veranschaulicht, wie man das macht.
Die einzelnen Schritte sind einfach.
- Mach Kursstäbe mit extremem Volumen, Kursspanne oder Kurslücken ausfindig.
- Das sind die Anker-Kursstäbe.
- Zeichne Zonen ein an den Begrenzungen der Kursstäbe, und geh davon aus, dass die Kurse innerhalb dieser Zone verbleiben.
In den folgenden Beispielen haben wir die Ankerzonen unter Verwendung der gleichen Methode gekennzeichnet.
Tradingregeln für Ankerzonen
Tradingsetup für Long-Positionen
1. Ein bullischer Umkehr-Kursstab, der die Ankerzone der Unterstützung testet.
2. Kauf-Position beim Ausbruch durch das Hoch des Umkehr-Kursstabes.
Tradingsetup für Short-Positionen
1. Ein bärischer Umkehr-Kursstab, der die Ankerzone des Widerstandes testet.
2. Verkauf-Position beim Ausbruch durch das Tief des Umkehr-Kursstabes.
Tradingbeispiele für Ankerzonen
Gewinntrade, bullischer Trade (Kaufposition)

Die Beispiele in den Büchern von L. A. Little beziehen sich hauptsächlich auf die Aktienmärkte auf der Grundlage von Tagescharts. In diesem Trade haben wir jedoch die Ankerzonen-Methode im 20-Minunten-Chart des 6J-Futures der CME (Japanese Yen Future) eingesetzt.
- Die extreme Kursspanne und das Volumen kennzeichneten die Anker-Kursstäbe (oder Kerzen), die uns ermöglichten, die Unterstützungs- und Widerstandszonen festzulegen.
- Der bullische Umkehr-Kursstab (oder Kerze), der leicht unter dem als Anker fungierenden Unterstützungsbereich herausragte, stellt unser Tradingsignal dar. Wir platzierten eine Kaufstop-Order an dessen Hoch. Die Kurse stiegen, wobei dieser Kursanstieg erst kurz vor der Widerstandszone endete, so dass uns noch genügend Raum zur Gewinnmitnahme blieb.
- Diese Ankerzone war sehr erfolgreich, was die Eingrenzung der Kursbewegung anbelangte. Die rote und grüne Einkreisung bezeichnet andere mögliche Anker-Trades.
Verlusttrade, bullischer Trade (Kaufposition)

Dies ist ein Tageschart von EBAY. Er zeigt Ankerzonen, die Unterstützung und Widerstand boten, aber nicht zu einem gewinnbringenden Trade führten.
- Volumen und Kursspanne stellten wieder die Auswahlkriterien für die Ankerzonen dar.
- Die Kurse fielen rasch bis zur Unterstützungszone. Auf den bullischen Outside-Bar und Inside Bar folgte kein bullisches Chartmuster.
- Schließlich entwickelte sich ein bullischer Umkehr-Kursstab an der Unterstützungszone, und darum bezogen wir beim Ausbruch aus dieser Unterstützung eine Kaufposition. Aber der Trade scheiterte rasch, als die Kurse unter die Ankerzone sanken, um ein vorheriges Swing-Tief zu testen.
Abschließende Bemerkungen zur Ankerzone als Tradingstrategie
Die Kurse erschöpfen sich häufig aufgrund heftiger Kursbewegungen (Climatic Moves). Anker-Kursstäbe (oder Kerzen) beinhalten Kurslücken, breite Kursspannen und hohes Volumen. Dies sind Anzeichen für heftige Kursbewegungen (Climatic Moves). Daher sind Anker-Kursstäbe erschöpfende Kursbewegungen.
Mit Anker-Kursstäben Unterstützung und Widerstand zu bestimmen, stellt eine großartige Methode dar. Diese Methode kombiniert Kurs und Volumen, um eine Schlüssel-Kursspanne ausfindig zu machen, durch welche die Kurse eingegrenzt werden.
Dieses Konzept der Kurseingrenzung mit erschöpfenden Kursbewegungen funktioniert auch beim Daytrading. Das Hoch und/oder Tief jeder Handelssitzung entwickelt sich häufig innerhalb der ersten Handelsstunde. Die erste Handelsstunde weist normalerweise breite Kursspannen und hohes Volumen auf. Daher dient diese erste Stunde als Anker für den Rest der Handelssitzung. Umkehr-Trades am Morgen und Trades der Eröffnungskursspanne (opening range) oder Ausbruch-Trades funktionieren nach dem gleichen Prinzip.
Das Konzept der Ankerzone in der ersten Handelsstunde der Session deckt sich mit dem, was im ICT-Trading als Killzone bezeichnet wird, einem Kernbegriff aus dem ICT Trading nach Michael Huddleston, das Zeitfenster, in dem institutionelle Trader den Docht der Tageskerze bilden.
Unsere Tradingregeln sind der Einfachheit halber auf Umkehr-Kursstäbe (oder Kerzen) als Einstiegssignale ausgerichtet. Tatsächlich kannst du nach Candlestick-Chartmustern suchen, um einen Trade zeitlich abzustimmen (zu timen).
Erfahrene Trader können sogar mit Limitorders etwas außerhalb der Ankerzonen einsteigen. Die Verwendung von Limitorders hat zur Folge, dass bei erfolgreichen Trades nur geringe der Trade-Position entgegengesetzte Kursbewegungen eintreten. Der Verluststopp (Stop-loss) ist also eng und das Ertrag-Risiko-Verhältnis hervorragend. Dazu benötigst du allerdings eiserne Disziplin, um den Trade ohne Zögern glattzustellen.
Lesetipp: Trading mit Gimmee Bars
Wenn du dieses Ankerzonen-Konzept effektiv findest, dann solltest du sehen, wie es in L. A. Little’s Trading-Gerüst funktioniert, beschrieben in seinen hoch bewerteten Büchern.
Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: Anchor Zones Trading Strategy
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
FAQ zu Ankerzonen
Was sind Ankerzonen?
Ankerzonen sind Kursbereiche, die durch Kursstäbe mit extremer Aktivität definiert werden und als Unterstützung oder Widerstand fungieren.
Wie werden Ankerzonen identifiziert?
Sie basieren auf Kursstäben mit breiten Kursspannen, Kurslücken und hohem Volumen.
Wie nutzt man Ankerzonen im Trading?
Trader setzen Long-Positionen bei bullischen Umkehr-Kursstäben an Unterstützungszonen und Short-Positionen bei bärischen Umkehr-Kursstäben an Widerstandszonen.
Warum sind Ankerzonen wichtig?
Sie helfen, wichtige Kursniveaus zu identifizieren und unterstützen die Bestimmung von Ein- und Ausstiegspunkten.
Für welche Zeitrahmen sind Ankerzonen geeignet?
Sie können in verschiedenen Zeitrahmen verwendet werden, von intraday bis langfristig.
Über den Autor: Galen Woods
Galen Woods ist Price-Action-Daytrader und Betreiber von Trading Setups Review. Sein Schwerpunkt liegt auf Kursstab-Analyse und dem Handel ohne Indikatoren, sein Wissen gibt er im Kurs „Day Trading With Price Action” weiter.
Auf kagels-trading.de erscheinen seit Jahren über 100 seiner Beiträge in deutscher Übersetzung. Sie decken Setups, Chartformationen und Handelstechniken ab, die er an eigenen Marktbeispielen entwickelt hat.
Für dieses Thema ist er einschlägig, weil eine Ankerzone nichts anderes ist als ein markanter Kursstab, dessen Ränder zur Marke werden. Woods arbeitet nach derselben Logik: erst der auffällige Stab, dann die Zone, dann das Einstiegssignal.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.












