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Profitfaktor im Trading: was die Kennzahl verrät und wo sie täuscht

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2026

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14 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Ein Trader zeigt dir einen Profitfaktor von 3,4. Klingt nach einem System, das man sofort kaufen sollte. Die entscheidende Frage stellt kaum jemand: über wie viele Trades? Bei zwölf abgeschlossenen Positionen ist die Zahl ein Zufallsprodukt. Bei dreihundert wird sie interessant.

Der Profitfaktor gehört zu den meistzitierten Kennzahlen im Trading und zu den am häufigsten falsch berechneten. Selbst auf Seiten, die bei Google weit oben stehen, kursiert eine Formel, die etwas völlig anderes misst. Wer sie benutzt, vergleicht Systeme, die gar nicht vergleichbar sind.

Ich rechne dir hier beides vor: die richtige Formel und die Zahlen, die dabei herauskommen. Einmal aus meinem eigenen Journal mit 61 Trades, einmal aus einem Signalsystem mit über 350 Trades. Die beiden Werte liegen weit auseinander, und genau daran lässt sich zeigen, wann die Kennzahl trägt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Profitfaktor im Trading: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Formel: Profitfaktor = Summe aller Gewinne geteilt durch die Summe aller Verluste. Nicht die Durchschnitte, sondern die Summen.
  • Grenze bei 1,0: Darüber verdient das System Geld, darunter verliert es. Ein Wert von 2,0 heißt: zwei Euro Gewinn je Euro Verlust.
  • Zwei echte Werte: Mein Journal liefert 2,22 aus 61 Trades. Unser CFD-Swingtrading-System steht bei 1,28 aus über 350 Trades. Die kleinere Stichprobe zeigt den höheren Wert.
  • Die Hauptfalle: Ein Profitfaktor ohne Trade-Anzahl und Zeitraum ist keine Kennzahl, sondern eine Behauptung.
  • Was er nicht kann: Er sagt nichts über den Drawdown und nichts über die Reihenfolge der Verluste. Ein System kann bei Profitfaktor 1,5 unterwegs die Hälfte des Kontos kosten.

Was ist der Profitfaktor im Trading?

Der Profitfaktor ist das Verhältnis aus der Summe aller Gewinn-Trades zur Summe aller Verlust-Trades eines Handelssystems.

Die Kennzahl beantwortet eine einzige Frage: Wie viel Euro Gewinn stehen jedem Euro Verlust gegenüber? Ein Profitfaktor von 1,5 bedeutet, dass ein System für jeden verlorenen Euro 1,50 Euro eingespielt hat. Unter 1,0 kippt das Verhältnis, das System zahlt drauf.

Im englischen Sprachraum heißt sie Profit Factor, im Deutschen findest du auch Profit-Faktor und seltener Gewinnfaktor. Gemeint ist immer dasselbe. Sie taucht in jedem Backtest-Report auf, also in der Auswertung, die eine Software über eine getestete Handelsstrategie ausgibt.

Der Reiz der Zahl liegt in ihrer Dimensionslosigkeit. Sie kürzt die Währung weg. Damit kannst du ein Forex-System mit 10-Euro-Positionen gegen ein Aktiensystem mit 10.000-Euro-Positionen halten. Genau diese Bequemlichkeit macht sie aber auch anfällig für Fehlschlüsse, wie du gleich sehen wirst.

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Profitfaktor berechnen: Formel und Rechenbeispiel

Die Rechnung braucht zwei Zahlen aus deinem Journal: den Bruttogewinn und den Bruttoverlust. Der Bruttogewinn ist die Summe aller Trades, die im Plus geschlossen haben. Der Bruttoverlust ist die Summe aller Trades im Minus, als positiver Betrag gerechnet.

Profitfaktor = Bruttogewinn ÷ Bruttoverlust.

Ein Beispiel mit runden Zahlen. Du schließt in einem Quartal 40 Trades ab. Die Gewinner bringen zusammen 12.000 Euro, die Verlierer kosten zusammen 7.500 Euro. Dein Profitfaktor liegt bei 12.000 ÷ 7.500 = 1,6. Je 1 Euro Verlust hast du 1,60 Euro verdient. Netto bleiben 4.500 Euro.

Wichtig ist, was du in die Summen packst. Rechne Kommissionen, Spreads und bei Übernachtpositionen die Finanzierungskosten mit ein. Sonst misst du ein System, das es so nicht gibt. Der Unterschied ist bei kurzen Haltedauern erheblich: Wer viel handelt, verschiebt seinen Profitfaktor allein über die Kosten spürbar nach unten.

Eine zweite Rechenweise führt zum selben Ergebnis und erklärt mehr. Sie zerlegt den Profitfaktor in seine zwei Treiber: Profitfaktor = Payoff-Ratio × (Trefferquote ÷ Verlustquote). Die Payoff-Ratio ist der durchschnittliche Gewinn geteilt durch den durchschnittlichen Verlust.

Daraus folgt etwas Praktisches. Es gibt keinen einzelnen Weg zu einem guten Profitfaktor. Du kommst über eine hohe Trefferquote dorthin, über große Gewinner, oder über eine Mischung. Die folgende Grafik zeigt, welche Kombinationen welchen Wert ergeben.

Profitfaktor Trading berechnen: Trefferquote und Payoff-Ratio im Zusammenhang
Jede Linie steht für einen festen Profitfaktor. Die beiden Punkte sind belegte Systeme.
Quelle: eigene Berechnung

Ablesen lässt sich daraus zum Beispiel: Bei einer Trefferquote von 40 Prozent brauchst du eine Payoff-Ratio von 3,0, um auf einen Profitfaktor von 2,0 zu kommen. Bei 60 Prozent genügen dafür 1,33. Das ist der rechnerische Grund, warum Trendfolger mit niedrigen Trefferquoten überleben können.

Profitfaktor-Rechner: deine eigenen Zahlen einsetzen

Trag deine Werte aus dem Journal ein. Der Rechner gibt neben dem Profitfaktor auch Trefferquote, Payoff-Ratio und Erwartungswert aus, damit du auf einen Blick siehst, welche der Kennzahlen du gerade vor dir hast. Voreingestellt sind die 61 Trades aus meinem eigenen Journal.

Beide Beträge in derselben Einheit eingeben, also beide in Euro, beide in Prozent oder beide in R. Verluste als positive Zahl. Die Voreinstellung zeigt die 61 Trades aus meinem eigenen Journal. Rechne mit Werten nach Kommissionen, Spreads und Finanzierungskosten, sonst misst du ein System, das es so nicht gibt.

Zwei Dinge fallen beim Ausprobieren schnell auf. Der Profitfaktor verschiebt sich erheblich, wenn du nur die Trefferquote um zwei, drei Punkte änderst und die Durchschnitte gleich lässt. Genau diesen Teil unterschlägt die verbreitete Fehlformel. Umgekehrt ändert sich am Wert gar nichts, wenn du alle vier Zahlen verdoppelst: Der Profitfaktor kennt weder Kontogröße noch Zeitraum.

Was ist ein guter Profitfaktor?

Eine feste Norm gibt es nicht, und wer dir eine verkauft, blendet die Haltedauer und die Handelsfrequenz aus. Ein Scalping-System mit hundert Trades pro Woche steht bei anderen Werten als ein Positionstrading-Ansatz mit zwölf Trades im Jahr. Die folgende Einordnung stammt aus meiner eigenen Praxis mit Kundensystemen und eigenen Auswertungen, sie ist kein Branchenstandard.

ProfitfaktorEinordnung
unter 1,0Das System verliert Geld. Kosten und Verluste übersteigen die Gewinne.
1,0 bis 1,2Rechnerisch positiv, praktisch fragil. Eine Kostenerhöhung oder eine schlechte Phase kippt es.
1,3 bis 1,6Solide und realistisch. In diesem Bereich liegen die meisten dauerhaft laufenden Systeme.
1,7 bis 2,5Sehr gut, sofern über mehrere hundert Trades und mehrere Marktphasen belegt.
über 3,0Erklärungsbedürftig. Meist zu kleine Stichprobe, überoptimierter Backtest oder ein einzelner Ausreißer.

Der letzte Punkt ist ernst gemeint. Ich habe noch kein dauerhaft laufendes Handelssystem gesehen, das über Jahre und über tausend Trades hinweg einen Profitfaktor über 3,0 gehalten hat. Solche Werte entstehen fast immer in kurzen Fenstern. Sie schrumpfen, sobald die Stichprobe wächst.

Die Zahl allein trägt ohnehin keine Entscheidung. Ein Profitfaktor gehört immer mit drei Angaben zusammen genannt: Anzahl der Trades, Zeitraum und maximaler Drawdown. Fehlt eine davon, ist die Zahl Marketing.

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Profitfaktor, Payoff-Ratio und Erwartungswert richtig auseinanderhalten

Hier liegt der häufigste Fehler, und er steht sogar auf gut rankenden Seiten. Dort wird der Profitfaktor als durchschnittlicher Gewinn geteilt durch durchschnittlichen Verlust definiert. Das ist die Payoff-Ratio, eine andere Kennzahl. Der Unterschied ist nicht akademisch: Die Formel unterschlägt, wie viele Gewinner und Verlierer es gab.

Rechne es an einem echten Fall nach. Unser CFD-Swingtrading-System wies zum Stand 2024 eine Trefferquote von 50,84 Prozent aus, einen durchschnittlichen Gewinn von 32 Prozent und einen durchschnittlichen Verlust von 24 Prozent. Die falsche Formel liefert 32 ÷ 24 = 1,33. Der Report weist aber 1,37 aus, und das ist der Wert, den die richtige Rechnung ergibt.

Profitfaktor im Kennzahlen-Report eines Trading-Systems
Kennzahlen-Report mit ausgewiesenem Profit Faktor 1,37, Stand Mai 2024.
Quelle: CFD Swingtrading Signale von Trader Mark

Die Lücke entsteht durch die Trefferquote. Weil es etwas mehr Gewinner als Verlierer gab, wiegt die Gewinnseite schwerer, als der reine Durchschnittsvergleich zeigt. Bei einem System mit 35 Prozent Trefferquote läuft der Fehler in die andere Richtung und wird deutlich größer. Die falsche Formel überschätzt schwache Systeme systematisch.

KennzahlFormelBeantwortet
ProfitfaktorSumme Gewinne ÷ Summe VerlusteWie viel Gewinn steht je Euro Verlust?
Payoff-RatioØ-Gewinn ÷ Ø-VerlustWie groß ist ein Gewinner gegenüber einem Verlierer?
ErwartungswertTrefferquote × Ø-Gewinn − Verlustquote × Ø-VerlustWas bringt ein einzelner Trade im Schnitt?

Die drei Zahlen ergänzen sich. Der Erwartungswert sagt dir, was ein Trade im Mittel einbringt, und ist damit die Basis jeder belastbaren Trading Edge. Der Profitfaktor sagt dir, wie effizient dein Kapital dabei arbeitet. Erst zusammen ergeben sie ein Bild, und der maximale Drawdown gehört als dritte Größe dazu.

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Was mein eigenes Journal über den Profitfaktor verrät

Für die Auswertung meiner Trading-Mathematik habe ich 61 geschlossene Trades aus vier Wochen offengelegt, netto nach Gebühren. Die Kennzahlen daraus: 54,1 Prozent Trefferquote, ein durchschnittlicher Gewinn von 1,81R und ein durchschnittlicher Verlust von 0,96R. R steht dabei für das je Trade eingesetzte Risiko, die Rechnung ist also unabhängig von der Kontogröße.

Daraus ergibt sich ein Profitfaktor von 2,22. Gerechnet über die Summen: 33 Gewinner zu je 1,81R stehen 28 Verlierern zu je 0,96R gegenüber, also 59,73R gegen 26,88R. Nach der Tabelle oben wäre das ein sehr guter Wert.

Nur hält er nicht. Nach den ersten 29 Trades lag mein Erwartungswert bei +0,73R pro Trade, über alle 61 Trades nur noch bei +0,54R. Kein Einbruch, kein Fehler im System, sondern Regression zur Mitte: Die Anfangsserie enthielt Glücksanteile, die sich mit wachsender Stichprobe herausrechnen. Genau dieselbe Bewegung macht der Profitfaktor mit.

Deshalb halte ich 2,22 für keine belastbare Aussage über mein System. 61 Trades sind zu wenig. Der Vergleich mit dem Signalsystem macht es deutlich: Dort ist der ausgewiesene Profitfaktor von 1,37 im Jahr 2024 auf 1,28 gesunken, während die Trade-Zahl weiter gewachsen ist. Die größere Stichprobe liefert den kleineren, aber ehrlicheren Wert.

Equity-Kurve eines Trading-Systems mit Profitfaktor 1,28
Equity-Kurve desselben Systems seit September 2022. Ein Profitfaktor von 1,28 sieht real so aus, mit Rücksetzern über Monate.
Quelle: Kagels Trading

Die Kurve zeigt, was die Kennzahl verschweigt. Zwischen September 2024 und Mai 2025 lief das Konto seitwärts bis abwärts, obwohl der Profitfaktor über den Gesamtzeitraum klar über 1,0 lag. Der Profitfaktor kennt keine Reihenfolge. Ob deine Verluste gleichmäßig verteilt kommen oder gebündelt in acht Monaten, ändert an der Zahl nichts. An deinem Konto ändert es alles.

Ohne sauberes Trading-Tagebuch kannst du diese Rechnung gar nicht erst aufmachen. Du brauchst je Trade den realisierten Betrag nach Kosten. Schätzungen aus dem Gedächtnis fallen immer zugunsten der Gewinner aus, das ist ein bekannter Effekt und verzerrt den Profitfaktor zuverlässig nach oben.

Wo der Profitfaktor stark ist und wo er täuscht

Die Kennzahl hat ihren Platz, aber einen engen. Sie eignet sich zum schnellen Aussortieren und nicht zur Auswahl. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, wofür du sie benutzen kannst und wofür nicht.

Stärken des Profitfaktors

  • Währungsunabhängig: Die Zahl kürzt Euro, Dollar und Kontogröße heraus. Zwei völlig verschiedene Systeme werden vergleichbar.
  • Sofort interpretierbar: Die Grenze bei 1,0 braucht keine Erklärung. Darunter ist ein System raus, ohne weitere Analyse.
  • In jedem Report enthalten: Backtest-Software weist ihn standardmäßig aus. Du musst nichts selbst rechnen, wenn du die Rohdaten hast.
  • Reagiert auf beide Stellschrauben: Er verbessert sich über eine höhere Trefferquote und über größere Gewinner. Das zeigt dir, wo du ansetzen kannst.

Schwächen des Profitfaktors

  • Blind für den Drawdown: Er sagt nichts über die Reihenfolge der Ergebnisse. Ein System mit Profitfaktor 1,5 kann zwischendurch die Hälfte des Kontos kosten.
  • Anfällig für Ausreißer: Ein einziger sehr großer Gewinner hebt den Wert deutlich. Ohne den Trade fällt das System oft unter 1,0.
  • Wertlos bei kleiner Stichprobe: Unter etwa 100 Trades misst du überwiegend Zufall. Genau dort werden die höchsten Werte beworben.
  • Leicht zu schönen: Wer Verlierer laufen lässt und nachkauft, verschiebt Verluste in die Zukunft. Der Profitfaktor sieht solange gut aus, bis die Position geschlossen wird.
  • Ignoriert die Zeit: Ein Profitfaktor von 1,8 über zehn Jahre und einer über zehn Wochen sind dieselbe Zahl, aber nicht dasselbe Ergebnis.

Der vierte Punkt der rechten Spalte ist der gefährlichste, weil er wie Können aussieht. Martingale-Ansätze, also Strategien, die nach einem Verlust die Position vergrößern, erzeugen über lange Strecken hervorragende Profitfaktoren. Sie brechen dann in einem einzigen Trade zusammen. Ein sauberes Money Management ist deshalb keine Ergänzung zur Kennzahl, sondern ihre Voraussetzung.

Das Zeitproblem sieht man in Backtests ständig. Wer eine Strategie so lange an historischen Daten anpasst, bis der Profitfaktor stimmt, misst am Ende nur noch die Vergangenheit. Dieser Fehler gehört zu den teuersten Trading-Fehlern überhaupt, weil er Sicherheit vortäuscht, wo keine ist.

Ein Praxisbeispiel liefert Finanzradar: Das öffentlich einsehbare Live-Trading der Plattform kommt auf einen Profitfaktor von 1,32 bei einer Trefferquote von 49,6 Prozent. Das ist tragfähig, aber weit entfernt von den Werten, mit denen in der Werbung gearbeitet wird.

Wo du den Profitfaktor abliest

Du musst die Zahl selten selbst rechnen. Jede ernsthafte Backtest-Umgebung weist sie aus, und die großen Anbieter rechnen sie identisch. Das ist wichtig, weil du damit Reports verschiedener Plattformen nebeneinanderlegen kannst.

Auch die Python-Frameworks geben den Wert aus. Wer seine Tests nicht in einer Handelsplattform, sondern im Code fährt, findet den Profitfaktor in jedem gängigen Backtest-Bericht wieder. Wie so ein Aufbau aussieht und welche Werkzeuge dafür heute noch gepflegt werden, steht im Guide zum quantitativen Trading.

  • MetaTrader 5: Der Strategy-Tester-Report definiert den Profit Factor als Ratio of the gross profit to the gross loss. Gross Profit ist dort die Summe aller profitablen Trades, Gross Loss die Summe aller Verlust-Trades (MetaTrader-5-Dokumentation).
  • TradingView: Der Strategy Tester teilt den Absolutwert aller Gewinner durch den Absolutwert aller Verlierer und rechnet ausdrücklich nur mit realisierten Positionen. Offene Trades bleiben außen vor (TradingView-Hilfe).
  • Journal-Dienste: Anbieter wie Myfxbook lesen dein Konto direkt aus und liefern den Profitfaktor laufend mit, zusammen mit Trefferquote und Erwartungswert.

Ein Detail lohnt den Blick in die Einstellungen: Ob Kommissionen und Swaps im Report enthalten sind, hängt davon ab, wie du den Test konfiguriert hast. Ein Backtest ohne Kosten liefert einen Profitfaktor, den dein Livekonto nie erreichen wird. Wie du einen Test sauber aufsetzt, zeigt die Anleitung zum Backtesting mit TradingView.

Beim Vergleich fremder Systeme kommt eine zweite Frage dazu. Verlangt der Anbieter einen Nachweis, oder steht die Zahl nur auf einer Verkaufsseite? Ein Report aus einer verbundenen Trading-Plattform mit Trade-Historie ist etwas anderes als eine gerundete Zahl in einer Grafik.

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Fazit: eine gute Filterzahl, aber kein Beweis

Der Profitfaktor ist die schnellste Art, ein System auszusortieren. Liegt er unter 1,0, brauchst du nicht weiterzulesen. Liegt er über 3,0, brauchst du eine Erklärung. Dazwischen fängt die eigentliche Arbeit erst an.

Meine Empfehlung nach über vierzig Jahren an den Märkten: Nutze ihn als Eingangsfilter und entscheide nie mit ihm allein. Verlange zu jeder genannten Zahl die Trade-Anzahl, den Zeitraum und den maximalen Drawdown. Wer diese drei Angaben nicht liefert, hat sie meist nicht.

Für das eigene Handeln ist die Zahl vor allem ein Verlaufsmaß. Rechne sie quartalsweise neu und schau dir an, wohin sie sich bewegt. Ein Profitfaktor, der über die Quartale hinweg von 2,2 auf 1,3 sinkt, sagt dir mehr über dein System als jeder Einzelwert. Bei mir hat genau diese Entwicklung gezeigt, wo Glück war und wo Methode.

Häufige Fragen zum Profitfaktor im Trading

Was ist der Profitfaktor im Trading?

Der Profitfaktor ist die Summe aller Gewinn-Trades geteilt durch die Summe aller Verlust-Trades. Er gibt an, wie viel Gewinn ein System je Euro Verlust erwirtschaftet hat. Werte über 1,0 stehen für ein profitables System, Werte darunter für ein verlustbringendes.

Wie berechnet man den Profitfaktor?

Du addierst alle Gewinne und teilst sie durch die Summe aller Verluste, jeweils nach Kosten. Bei 12.000 Euro Gewinn und 7.500 Euro Verlust ergibt das einen Profitfaktor von 1,6. Alternativ rechnest du Payoff-Ratio × (Trefferquote ÷ Verlustquote), das Ergebnis ist identisch.

Was ist ein guter Profitfaktor?

Dauerhaft laufende Systeme liegen meist zwischen 1,3 und 1,6. Werte zwischen 1,7 und 2,5 sind sehr gut, sofern sie über mehrere hundert Trades belegt sind. Über 3,0 ist ein Warnsignal und deutet auf eine zu kleine Stichprobe oder einen überoptimierten Backtest hin.

Worin unterscheiden sich Profitfaktor und Payoff-Ratio?

Die Payoff-Ratio vergleicht Durchschnitte, der Profitfaktor vergleicht Summen. Die Payoff-Ratio setzt den durchschnittlichen Gewinn ins Verhältnis zum durchschnittlichen Verlust und ignoriert dabei die Trefferquote. Wer beide verwechselt, überschätzt Systeme mit niedriger Trefferquote deutlich.

Wie viele Trades braucht ein aussagekräftiger Profitfaktor?

Unter etwa 100 Trades misst die Kennzahl überwiegend Zufall. Belastbar wird sie ab mehreren hundert Trades und über verschiedene Marktphasen hinweg. In meinem eigenen Journal fiel der Erwartungswert von +0,73R nach 29 Trades auf +0,54R nach 61 Trades, allein durch die wachsende Stichprobe.

Welche Nachteile hat der Profitfaktor?

Er berücksichtigt weder die Reihenfolge der Ergebnisse noch den maximalen Drawdown. Ein einzelner großer Gewinner kann ihn stark heben. Strategien mit Nachkauf im Verlust sehen besonders gut aus, solange die Positionen offen bleiben.

Wie kann ich meinen Profitfaktor verbessern?

Es gibt zwei Hebel: eine höhere Trefferquote oder größere Gewinner im Verhältnis zu den Verlusten. Praktisch wirkt meist der zweite stärker, über konsequentes Setzen von Stop-Loss und geplante Gewinnmitnahmen. Auch das Senken der Handelskosten zählt unmittelbar.

Welche Software berechnet den Profitfaktor?

Der Strategy Tester in MetaTrader, TradingView und NinjaTrader weisen ihn automatisch aus. Achte auf die Kosteneinstellung: Ohne Kommissionen und Swaps fällt der Wert im Backtest zu hoch aus.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1978. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.

Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Die Kennzahlen in diesem Artikel stammen aus seinem eigenen, fortlaufend geführten Trading-Journal und aus dem Report eines seit 2022 laufenden Signalsystems. Beide Datensätze sind vollständig ausgewertet, einschließlich der Phasen, in denen der Profitfaktor gesunken ist.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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