Einführung in das Price Action Trading

1. Definition des Price Action Trading

Unter Price Action Trading verstehen wir den Prozess der Marktbeobachtung, um so die zukünftige Kursbewegung zu antizipieren. Die Zielsetzung besteht darin, mit unseren Aktionen im Markt Gewinne zu erzielen.

Da hierbei die vergangene und aktuelle Price Action (Kursbewegung) benutzt wird, um die Bewegung des Marktes vorherzusagen, handelt es sich um ein Teilgebiet der technischen Analyse. Die traditionelle technische Analyse ist auf Chartmuster ausgerichtet wie das Doppeltop/Doppeltief, Head and Shoulders (Kopf und Schulter Formation) und Flags (Flaggen).

Die Bezeichnung Price Action Trading wird jedoch zunehmend als Oberbegriff verwendet, der die Analyse von Chartmustern, Mustern von Kursstäben und Candlestick-Muster einbezieht.

Nach heutigem Verständnis richtet sich Price Action mehr auf kurzfristige Chartmuster von Kursstäben (Bars) und von Candlesticks. Einige Beispiele beinhalten die Pin Bar, Inside Bar, den Engulfing-Candlestick und Harami-Candlestick.

Price Action Trading steht häufig im Gegensatz zum Trading mit Indikatoren, wobei bei letzterem mathematisch abgeleitete Formeln benutzt werden, die Tradingsignale erzeugen.

Puristen des Price Action Trading verweigern den Gebrauch von allen Trading-Indikatoren. Aber die Price Action Analyse und Trading-Indikatoren schließen sich nicht gegenseitig aus. Tatsächlich enthalten viele Price Action Tradingstrategien Indikatoren als Ergänzung.

2. Ursprung des Price Action Trading

2.1 Theorie von Dow

Price Action Trading hat die gleichen Wurzeln wie die technische Analyse, die beide von der Dow-Theorie stammen.

Dow Theorie
Charles Dow – Vater der technischen Analyse

Die Dow Theorie ermöglicht die Erklärung des Marktverhaltens und stellt Markttrends in den Mittelpunkt. Ein Grundsatz der Dow Theorie besagt, dass der Marktkurs alles einkalkuliert. Der Kurs ist das Gesamtergebnis aller Marktinformationen. Deshalb verwenden technische Analysten bei Ihrer Marktanalyse Kurscharts und Chartmuster.

Erfahren Sie mehr über die technische Analyse von Trends und Chartmuster durch folgende Bücher:

Technical Analysis of Stock Trends (Tenth Edition)  von Robert D. Edwards, John Magee und W.H.C. Bassetti (Deutsche Übersetzung)

Encyclopedia of Chart Patterns (Willey Trading) von Thomas Bulkowski (Deutsche Übersetzung)

2.2. Bar- und Candlestick-Chartmuster

Zusammen mit der Kursanalyse traten kurzfristige Bar-Chartmuster wie die Inside Bar, NR7 und wichtige Umkehrformationen in den Vordergrund.

Nachdem Steve Nison der westlichen Welt die Japanischen Candlestick-Muster vorgestellt hatte, erfuhren solche kurzfristigen Kursmuster ihre Wiedergeburt. Seither gehören die Candlesticks zu den beliebtesten Chartarten für die Analyse der Price Action.

Price Action Candlestick
Oberer Schatten – Kerzenkörper – Unterer Schatten

Die oberen und unteren Schatten (oder Docht) eines Candlestick zeigen Verkaufs- bzw. Kaufdruck.

Der Kerzenkörper stellt die hierdurch entstandene Marktstimmung dar. Wenn sich der Schlusskurs eines Kursstabes über der Eröffnung befindet, ist das bullisch zu werten; liegt der Schlusskurs unter der Eröffnung, ist dies ein bärisches Zeichen. Sind aber Eröffnung und Schlusskurs nur wenig voneinander entfernt, ist die Stimmung unklar. Einen solchen Candlestick nennt man Doji.

Die gesamte Kursspanne (die Entfernung zwischen Hoch und Tief) läßt die Volatilität erkennen.

Lernen: Wie man die Price Action Bar für Bar liest

Um das Thema Bar-Chartmuster und Candlestick-Chartmuster zu vertiefen, sind folgende Bücher zu empfehlen:

Japanese Candlestick Charting Techniques, Second Edition von Steve Nison (Deutsche Übersetzung)

Pring on Price Pattern : The Definitive Guide to Price Pattern Analysis and Interpretation von Martin Pring

2.3 Analyse Bar für Bar

Später haben Trader damit begonnen, das Dow-Prinzip, wonach „der Kurs alle Informationen enthält“, zum Äußersten zu treiben, indem sie mit der Analyse Bar für Bar anfingen. Die Beobachtungen von Lochstreifenlesern (Tape Reader) und Parketthändlern hinsichtlich der Marktbewegungen trugen auch zu den heutigen Techniken des Price Action Trading bei.

Die Gesamtheit der Chartmuster, Bar- und Candlestickmuster sowie anderer Marktpreistendenzen führten dann zum Price Action Trading als eigenständige Thematik.

Während Price Action Trading im Rahmen von Online-Tradingforen und Tradingkursen ausgiebig behandelt wurde, gibt es nur wenige Veröffentlichungen, die sich bemüht haben, eine Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse zu vermitteln. Die dreibändige Buchreihe von Al Brooks hat dies bewerkstelligt.

3. Märkte zum Price Action Trading

Die Price Action Analyse funktioniert in den meisten gehandelten Märkten, sofern zuverlässige Kurse zur Verfügung stehen.

Allgemein bevorzugen Price Action Trader die Forex-, Futures- und Aktienmärkte. Ein gewichtiger Anteil der Price Action Trader sind in den Forexmärkten aktiv.

4. Maßgebliche Tradingkonzepte der Price Action

4.1 Preis- oder Kursmuster

Inside Bar

Es gibt viele Bar- und Candlestick-Chartmuster. Unter der Voraussetzung des richtigen Marktumfeldes bieten die Chartmuster Trading-Gelegenheiten, die als Trading Setups bekannt sind.

Dies sind einige bekannte Price Action Muster:

4.2 Markt-Swings

Die Märkte bewegen sich in Swings. Price Action Trading interpretiert höhere Hochs und höhere Tiefs als Aufwärtstrend und tiefere Hochs und tiefere Tiefs als Abwärtstrend.

Markt-Swing: Aufwärtstrend
Höheres Hoch – Höheres Tief – Aufwärtstrend

Eine bemerkenswerte Theorie zum Verhalten der Markt-Swings ist die Elliott Wave Theorie (Wellentheorie von Elliott). Elliott geht von insgesamt acht Wellen aus, die er als Fraktale der Marktbewegung versteht.

Das Buch von Frost und Pretcher Elliott Wave Principle: Key To Market Behavior  (Deutsche Übersetzung) bietet tiefschürfende Informationen über diese Theorie.

Eine Price Action Trading Strategie, die zeigt, wie man ein Engulfing Candlestick Muster mit der Unterstützung von Swinghochs und Swingtiefs handelt, können Sie hier lesen.

4.3 Unterstützung und Widerstand

Price Action Trader arbeiten auch mit Unterstützungs- und Widerstandsbereichen, indem sie Swing-Pivot-Punkte verwenden.

Unterstützungsbereiche weisen wahrscheinlich Aufwärtsbewegungen zurück, und Widerstandsbereiche dürften verhindern, dass der Markt diese durchbricht.

Unterstützung und Widerstand sind entscheidende Tradingkonzepte der Price Action. Der Schlüssel zum erfolgreichen Price Action Trading besteht darin, effiziente Unterstützungs- und Widerstandsbereiche ausfindig zu machen.

Lernen: Das Trading verbessern mit Unterstützung und Widerstand

4.4 Trendlinien und Channels

Trendlinien verbinden Swing-Pivots, um so den Trend zu visualisieren, und sie dienen als Unterstützung und Widerstand.

In einem Aufwärtstrend werden die Trendlinien durch Verbinden der Pivot-Tiefs gezeichnet. In einem Abwärtstrend entstehen die Trendlinien, indem die Pivot-Hochs miteinander verbunden werden.

Indem man eine parallele Linie zur Trendlinie zeichnet, entsteht ein Trading-Channel, was nützlich ist, um im Voraus Unterstützungs- und Widerstandsbereiche zu entwerfen.

Lernen: Vier Wege, um einen Trendkanal zu traden

Trading-Channel
Trendkanal

5. Tradingmethoden für Price Action

Die meisten Tradingstrategien für Price Action wenden Kursmuster zusammen mit Unterstützungs- und Widerstandsbereichen an.

Der übliche Ansatz besteht darin, nach bullischen Kursmustern im Unterstützungsbereich zu suchen, wenn es um eine Long-Position geht. Auf eine Short-Position bezogen, wird nach bärischen Kursmustern im Widerstandsbereich gesucht.

5.1 Reine Price Action

Keine Indikatoren Price Action

Manche Trader verwenden ausschließlich die Price Action Analyse. Sie wenden den minimalistischen Ansatz an und platzieren keinen Indikator auf ihren Charts.

Diese Trader sind sehr versiert darin, Kursmuster sowie Unterstützungs- und Widerstandsbereiche zu erkennen.

5.2 Price Action und Volumen

Ein weiterer Grundsatz der Dow-Theorie besagt, dass das Volumen in der Richtung des Trends zunehmen sollte und abnehmen, wenn der Markt sich gegen den Trend bewegt.

Daher verwundert es nicht, dass die Volumenanalyse eine häufige Ergänzung zum Price Action Trading darstellt. Die klassische Volumenanalyse verbindet Volumenmuster mit Chartmustern, um Trading-Gelegenheiten abzuschätzen.

Die Verbindung von Volumen mit Price Action führte auch zur Entwicklung der Volumen-Price-Analyse, die auf der Arbeit von Richard Wyckoff zum Verhältnis zwischen Volumen und dem Kursspanne eines Kursstabes (Bar) gründet.

5.3 Price Action und Indikatoren

Trotz der Betonung auf der Kursanalyse finden viele Price Action Trader die Indikatoren dennoch nützlich.

Der beliebteste Tradingindikator unter Price Action Tradern ist der gleitende Durchschnitt. Er dient als Trend-Indikator und gleichzeitig als dynamische(r) Unterstützung/Widerstand.

Ein Beispiel dafür ist der Tradingansatz von Al Brooks, der einen 20-Perioden exponentiellen gleitenden Durchschnitt verwendet.

Steve Nison hat in seinem Buch über Candlesticks auch ein Kapitel über die Analyse von Candlestick-Mustern mit Hilfe von Tradingindikatoren verfasst.

6. Jenseits der Grundlagen

Wenn Sie noch mehr über Price Action Trading erfahren wollen, können Sie sich unseren weiteren Informationsquellen zum Price Action Trading zuwenden, wo Sie Strategien und Tipps finden.

Nehmen Sie sich Ihre Charts vor und fangen Sie an, dem Kurs (Preis) als wichtigster Faktor mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: Price Action Trading Primer

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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