Ein Trade, der aufgeht, ist noch kein verdientes Geld. Zwischen Einstieg und Kontoauszug liegen Spread, Ordergebühr, Handelsplatzentgelt und Steuer. Bei kleinen Positionen fressen diese Posten zusammen schnell mehr, als die Kursbewegung überhaupt hergegeben hat. Wer 20 Trades im Monat macht, zahlt sie zwanzigmal – unabhängig davon, ob er im Plus oder im Minus schließt.
Dieser Artikel geht jede Kostenart einzeln durch: was sie ist, wo sie anfällt, was sie bei aktuellen Anbietern konkret kostet und an welcher Stelle du sie drücken kannst. Alle Gebühren stammen aus den Preisverzeichnissen der Anbieter und sind zur Quelle verlinkt, alle Steuersätze aus dem Einkommensteuergesetz. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Tradingkosten: das Wichtigste in 30 Sekunden

- Sechs Kostenblöcke bestimmen dein Ergebnis: Spread, Ordergebühr, Handelsplatzentgelt, Haltekosten, Marktdaten und Steuer. Nur die wenigsten davon stehen im Werbeprospekt eines Brokers.
- Ordergebühr ist nicht gleich Orderkosten: Bei der ING kostet eine Order 4,90 Euro plus 0,25 Prozent vom Kurswert, dazu kommt je nach Börse ein Handelsplatzentgelt von 1,90 bis 14,90 Euro.
- Neobroker sind günstiger, aber nicht kostenlos: Trade Republic nimmt 1 Euro für die Bestpreis-Order und 2 Euro, wenn du den Handelsplatz selbst wählst. Scalable Capital liegt im Free-Modell bei 0,99 Euro je Trade.
- Echtzeitkurse sind der unterschätzte Posten: Das Xetra-Paket kostet bei Interactive Brokers 16,25 Euro im Monat – wirst du als Professional eingestuft, sind es 78,50 Euro.
- Steuer fällt erst über dem Sparer-Pauschbetrag an von 1.000 Euro für Ledige und 2.000 Euro für zusammen veranlagte Ehepaare. Darüber sind es 26,375 Prozent, mit Kirchensteuer bis zu 27,99 Prozent.
- Die Faustformel lautet ein Prozent: Kosten dich Ein- und Ausstieg zusammen mehr als ein Prozent der Positionsgröße, ist die Position zu klein für diesen Broker.
Welche Tradingkosten fallen beim Handel an?
Tradingkosten sind alle Beträge, die zwischen deiner Orderaufgabe und der Gutschrift auf dem Konto abgezogen werden: Spread, Ordergebühr, Handelsplatzentgelt, Haltekosten, Marktdatengebühren und die Steuer auf den Gewinn.
Diese Posten verhalten sich sehr unterschiedlich. Manche fallen bei jedem einzelnen Trade an, andere einmal im Monat, wieder andere nur einmal im Jahr. Genau daran entscheidet sich, welcher Broker für deinen Handelsstil der richtige ist. Ein Daytrader mit 200 Trades im Monat und ein Positionstrader mit vier Trades im Jahr zahlen bei demselben Anbieter völlig verschiedene Summen.
Zwei Kostenarten werden dabei regelmäßig übersehen. Die erste ist das Handelsplatzentgelt, das viele Broker getrennt von der Ordergebühr ausweisen. Die zweite sind die Marktdatengebühren für Echtzeitkurse. Beide tauchen in den Werbeaussagen praktisch nie auf, stehen aber in jedem Preisverzeichnis.
Diese Übersicht zeigt alle sechs auf einen Blick, sortiert danach, wie oft sie zuschlagen – denn genau das und nicht die Höhe des Einzelbetrags entscheidet, was am Jahresende von deinem Ergebnis übrig bleibt:

Spread – die Gebühr, die kein Broker Gebühr nennt
Der Spread ist die Differenz zwischen Geldkurs (Bid, der Preis, zu dem du verkaufst) und Briefkurs (Ask, der Preis, zu dem du kaufst). Er fällt bei jedem Trade an und wird nirgends als Gebühr abgerechnet – du zahlst ihn, indem deine Position direkt nach dem Kauf im Minus startet.
Das macht den Spread zur unsichtbarsten aller Tradingkosten. Ein Broker kann mit null Euro Ordergebühr werben und trotzdem teurer sein als ein Anbieter mit fünf Euro pro Order, wenn sein Spread breiter ist. Bei liquiden Werten wie dem DAX fällt das kaum ins Gewicht, bei Nebenwerten oder außerhalb der Haupthandelszeit sehr wohl.
Spreads sind entweder fix oder variabel. Variable Spreads weiten sich genau dann, wenn du sie am wenigsten gebrauchen kannst: bei Nachrichten, zur Eröffnung und in schnellen Bewegungen. Ein fixer Spread ist teurer im ruhigen Markt und billiger im bewegten.
Ordergebühr und Orderprovision
Die Ordergebühr ist der Betrag, den dein Broker für die Ausführung berechnet. Sie fällt zweimal pro Position an, beim Kauf und beim Verkauf. Wer 1.000 Stück in zehn Tranchen kauft und wieder verkauft, zahlt sie zwanzigmal.
Es gibt zwei Modelle. Feste Ordergebühren kosten unabhängig vom Volumen denselben Betrag – das ist das Modell der Neobroker. Variable Ordergebühren bestehen aus einem Grundbetrag plus einem Prozentsatz vom Kurswert, meist mit einem Mindest- und einem Höchstbetrag. Das ist das klassische Modell der Direktbanken.
| Anbieter | Ordergebühr | Depot |
|---|---|---|
| Trade Republic | 1 Euro (Bestpreis), 2 Euro (Handelsplatz frei wählbar) | 0 Euro |
| Scalable Capital Free | 0,99 Euro je Trade | 0 Euro |
| Scalable Capital PRIME+ | 0 Euro ab 250 Euro Ordervolumen, 4,99 Euro im Monat | 0 Euro |
| ING Direkt-Depot | 4,90 Euro + 0,25 Prozent, maximal 69,90 Euro | 0 Euro |
Die Tabelle zeigt den eigentlichen Grund, warum ein Kostenvergleich so oft danebengeht: Die Zahl in der mittleren Spalte ist nicht der Betrag, der abgebucht wird. Bei der ING kommt das Handelsplatzentgelt dazu, bei Trade Republic und Scalable Capital nicht. Erst beide Zahlen zusammen ergeben die Orderkosten.
Handelsplatzentgelt und Fremdkostenpauschale
Das Handelsplatzentgelt ist der Betrag, den die Börse selbst für die Ausführung nimmt. Dein Broker reicht ihn eins zu eins an dich weiter, oft unter dem Namen Fremdkostenpauschale. Er hängt nicht davon ab, wie viel du handelst, sondern wo du handelst.
Wie stark dieser Posten ausfällt, entscheidet allein die Börse, an der du handelst. Bei der ING sieht die Staffel nach ihrem eigenen Konditionenverzeichnis so aus:
| Handelsplatz | Entgelt je Order |
|---|---|
| Direkthandel über die ING | 0 Euro |
| München, Stuttgart, Euwax, Frankfurt Zertifikate | 1,90 Euro |
| Xetra, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Hannover | 2,90 Euro |
| USA und Kanada | 14,90 Euro |
Der Unterschied ist größer, als er aussieht. Eine Order über Xetra kostet dich bei der ING 2,90 Euro mehr als dieselbe Order im Direkthandel – bei einer 1.000-Euro-Position sind das 0,29 Prozent allein für die Wahl des Handelsplatzes. Wer US-Werte handelt, zahlt 14,90 Euro je Seite, also 29,80 Euro für einen kompletten Trade.
Es gibt Handelsplätze, die gar kein eigenes Entgelt erheben. Die Tradegate Exchange verzichtet gegenüber Privatanlegern auf Börsenentgelt und Maklercourtage. Die Orderprovision deines Brokers bleibt davon unberührt – du sparst nur den Teil, den sonst die Börse nimmt.
Depot- und Kontoführungsgebühren
Depotgebühren fallen unabhängig davon an, ob du handelst. Sie sind bei Online-Brokern inzwischen die Ausnahme: Trade Republic, Scalable Capital und die ING führen das Depot kostenlos. Wo noch Gebühren erhoben werden, sind sie oft an Bedingungen geknüpft, etwa an eine Mindestzahl von Trades pro Quartal oder ein Girokonto beim selben Haus.
Für dich als Trader ist dieser Posten meist der unwichtigste. Wer 20 Trades im Monat macht, zahlt an Ordergebühren ein Vielfaches dessen, was ein Depot im Jahr kostet. Umgekehrt gilt: Wer nur zweimal im Jahr kauft, sollte genau hier hinsehen und nicht auf die Ordergebühr starren.
Inaktivitäts- und Auszahlungsgebühren
Eine Inaktivitätsgebühr greift, wenn du über einen längeren Zeitraum keinen Trade ausführst, bei vielen Anbietern nach zwölf Monaten. Aktive Trader trifft sie praktisch nie. Relevant wird sie für Zweitkonten, die du für einen bestimmten Markt eröffnet und dann liegen gelassen hast.
Auszahlungsgebühren fallen an, wenn du Geld vom Handelskonto auf dein Bankkonto holst. Üblich sind Pauschalen oder eine bestimmte Zahl freier Auszahlungen pro Monat. Der Posten ist klein, wird aber teuer, wenn du dir angewöhnst, Gewinne wöchentlich abzuziehen.
Slippage: die Kosten, die auf keiner Abrechnung stehen
Slippage ist die Differenz zwischen dem Kurs, zu dem du eine Order aufgibst, und dem Kurs, zu dem sie tatsächlich ausgeführt wird.
Sie taucht in keiner Gebührentabelle auf und wird trotzdem von deinem Konto bezahlt. Slippage entsteht immer dann, wenn sich der Markt zwischen Orderaufgabe und Ausführung bewegt – also bei Nachrichten, zur Börseneröffnung, in dünnen Märkten und bei großen Ordern in kleinen Werten.
Sie kann in beide Richtungen wirken. Ob sie dir nützt oder schadet, hängt davon ab, ob du long oder short stehst und ob du eröffnest oder schließt. In der Praxis ist die Bilanz für Privattrader meist negativ, weil der Markt gerade dann schnell läuft, wenn viele gleichzeitig aussteigen wollen.
Slippage begrenzen: was funktioniert
Vollständig vermeiden lässt sich Slippage nicht, aber du kannst sie eingrenzen. Der wirksamste Hebel ist die Orderart: Eine Limit-Order wird nur zum gewünschten Preis oder besser ausgeführt. Sie kostet dich nichts extra – du riskierst nur, dass sie gar nicht ausgeführt wird.
Bei Stop-Orders ist es anders herum. Wird der Stop ausgelöst, geht die Order als Market-Order in den Markt und nimmt den nächsten verfügbaren Kurs. Genau hier entsteht die Slippage, die im Risikomanagement am meisten weh tut, weil sie den kalkulierten Verlust vergrößert.
Manche Broker bieten garantierte Stops an, die exakt zum gesetzten Kurs ausgeführt werden. Dafür zahlst du eine Prämie, meist nur dann, wenn der Stop wirklich auslöst. Das ist keine Vermeidung von Kosten, sondern ihr Tausch gegen Planbarkeit. Welche Ordertypen es gibt und wann welcher passt, steht in unserem Beitrag zu den Orderarten und Ordertypen.
Marktdaten und Software: die Kosten neben dem Broker
Bis hierher ging es um Gebühren, die dein Broker berechnet. Der zweite Kostenblock hat mit dem Broker nichts zu tun: Du zahlst ihn an die Börsen für Kursdaten und an Softwareanbieter für Charting und Analyse. Bei einem Daytrader ist das oft der größere Posten von beiden.
Was Echtzeitkurse wirklich kosten
Marktdatengebühren sind monatliche Lizenzentgelte, die eine Börse für Kurse in Echtzeit verlangt.
Ohne Lizenz bekommst du die Kurse 15 Minuten verzögert. Für einen langfristigen Anleger reicht das. Für jeden, der intraday arbeitet, ist es unbrauchbar – eine Viertelstunde alte Kurse sind im Daytrading keine Information, sondern Geschichte.
Wie hoch die Lizenz ausfällt, hängt an einer Einstufung, die viele Trader übersehen: dem Status als Non-Professional oder Professional. Wer als Professional gilt – etwa weil er die Daten geschäftlich nutzt oder eine einschlägige Zulassung hat – zahlt bei denselben Börsen ein Vielfaches. So sieht die Preisliste von Interactive Brokers aus:
| Datenpaket | Non-Professional | Professional |
|---|---|---|
| Spot Market Germany (Frankfurt/Xetra) Level 1 | 16,25 Euro | 78,50 Euro |
| Spot Market Germany Level 2 | 21,75 Euro | 98,00 Euro |
| Eurex Core Level 1 | kostenfrei | – |
| Eurex Core Level 2 | 13,00 Euro | 67,50 Euro |
| Börse Stuttgart inklusive Euwax Level 1 | 6,50 Euro | 11,00 Euro |
Die Zahlen stammen aus der Marktdaten-Preisliste von Interactive Brokers und gelten je Monat. Ein deutscher Aktien-Daytrader mit Xetra Level 2 und Eurex Level 2 liegt damit bei 34,75 Euro im Monat, also 417 Euro im Jahr – bevor er einen einzigen Trade gemacht hat. Als Professional eingestuft wären es 165,50 Euro im Monat.
Im US-Futures-Handel liegt die Größenordnung noch höher. In unserer Kostenanalyse zu Stage 5 Trading summierte sich der vom Broker empfohlene Datenfeed auf rund 212 Dollar im Monat. Marktdaten sind damit der einzige Kostenblock, der auch dann läuft, wenn du gar nicht handelst.
Trading Software und Zusatzwerkzeuge
Die Plattform deines Brokers ist im Preis enthalten. Wer mehr braucht, zahlt extra: eine Trading Software mit erweitertem Charting, Screenern und Backtesting kostet je nach Anbieter zwischen einem einstelligen und einem dreistelligen Monatsbetrag. Bei TradingView gibt es eine kostenlose Basisversion, die für viele Swingtrader ausreicht.
Bevor du hier Geld ausgibst, lohnt eine nüchterne Frage: Verdienst du mit dem Werkzeug mehr, als es kostet? Bei 200 Trades im Monat amortisiert sich ein Abo von 50 Euro über einen halben Tick pro Trade. Bei vier Trades im Jahr tut es das nie.
Haltekosten: was eine Position über Nacht kostet
Haltekosten sind Zinsbeträge, die anfallen, wenn du eine gehebelte Position über den Handelstag hinaus hältst. Im Forex- und CFD-Handel heißen sie Rollover-Gebühr oder Swap.
Sie werden punktgenau zum Tageswechsel abgerechnet und beruhen auf der Zinsdifferenz der beteiligten Währungen oder auf dem Interbanken-Zinssatz des Basiswerts. Wie hoch sie ausfallen, hängt am Instrument und an der Richtung deiner Position.
Das führt zu einem Effekt, den viele übersehen: Bei einer Kaufposition kann der Swap auch als Gutschrift ausfallen, wenn die Zinsdifferenz zu deinen Gunsten läuft. Bei der Gegenrichtung zahlst du dann entsprechend. Bei Forex und CFDs gehört der Swap-Satz deshalb in jede Vorab-Rechnung.
Praktisch heißt das: Rechne die Haltekosten für deine geplante Haltedauer gegen dein Kursziel, bevor du einsteigst. Bei einem Swingtrade über zehn Handelstage fällt der Satz zehnmal an. Liegt das Kursziel nur knapp über den summierten Haltekosten, ist der Trade rechnerisch nicht attraktiv – unabhängig davon, wie gut das Chartbild aussieht.
Steuern: der größte Einzelposten auf jeden Gewinn
Gewinne aus Aktien, Zertifikaten, Forex, CFDs und Rohstoffen zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Darauf fällt Abgeltungsteuer an, und zwar bevor du das Geld je in der Hand hattest – deine Bank führt sie direkt ab.
Der Sparer-Pauschbetrag beträgt nach § 20 Absatz 9 EStG 1.000 Euro im Jahr für Ledige und 2.000 Euro für zusammen veranlagte Ehepaare. Erst auf jeden Euro darüber greift die Steuer.
Der Satz selbst steht in § 32d Absatz 1 EStG und beträgt 25 Prozent. Dazu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Steuer, was zusammen 26,375 Prozent ergibt. Der Soli wurde 2021 nur für die Einkommensteuer weitgehend abgeschafft, auf Kapitalerträge läuft er unverändert weiter.
Bist du kirchensteuerpflichtig, wird es nicht einfach teurer: Die Kirchensteuer erhöht die Belastung, senkt aber gleichzeitig die Abgeltungsteuer selbst. Unter dem Strich landest du bei 27,82 Prozent in Bayern und Baden-Württemberg und bei 27,99 Prozent in den übrigen 14 Bundesländern.
| Situation | Effektive Belastung |
|---|---|
| Ohne Kirchensteuer | 26,375 Prozent |
| Kirchensteuer 8 Prozent (BY, BW) | 27,82 Prozent |
| Kirchensteuer 9 Prozent (übrige Länder) | 27,99 Prozent |
Eine gute Nachricht gibt es für alle, die mit Termingeschäften arbeiten. Bis 2024 durften Verluste aus Optionen und Futures nur bis 20.000 Euro im Jahr verrechnet werden – eine Regel, die aktive Trader in Extremfällen auf Steuern sitzen ließ, die sie nie verdient hatten. Diese Beschränkung ist gestrichen, in § 20 Absatz 6 EStG steht sie nicht mehr.
Wie du die Steuer im Einzelfall berechnest, welche Verlusttöpfe es gibt und was der Freistellungsauftrag bringt, steht ausführlich in unserem Ratgeber zur Abgeltungssteuer. Die Besonderheiten für aktive Trader behandeln wir getrennt unter Trading Steuern und Daytrading Steuern. Dieser Text ersetzt keine Steuerberatung.
Welche Kosten bei welchem Produkt anfallen
Nicht jede Kostenart trifft jedes Produkt. Wer Futures handelt, zahlt keine Haltekosten, aber hohe Marktdatengebühren; wer CFDs handelt, zahlt kaum Marktdaten, dafür jede Nacht Finanzierung. Diese Übersicht zeigt, worauf du je nach Instrument achten musst.
| Produkt | Hauptkostenblock | Wird oft übersehen |
|---|---|---|
| Aktien und ETFs | Ordergebühr | Handelsplatzentgelt je Seite |
| CFDs | Spread | Finanzierung über Nacht |
| Forex | Spread | Swap-Satz je Richtung |
| Futures | Kommission je Kontrakt | Börsengebühr und Marktdaten |
| Optionen | Kommission je Kontrakt | Ausübungs- und Zuteilungsgebühr |
Der praktische Schluss daraus ist unbequem: Es gibt keinen Broker, der für alle Produkte der günstigste ist. Ein Anbieter mit erstklassigen Futures-Kommissionen kann bei deutschen Aktien teuer sein. Rechne die Kosten deshalb für das eine Instrument, das du wirklich handelst – nicht für das Gesamtangebot.
Was Tradingkosten im Jahr wirklich ausmachen
Einzelbeträge sagen wenig. Erst hochgerechnet auf ein Handelsjahr wird sichtbar, welcher Posten dein Ergebnis bestimmt. Die folgenden drei Profile rechnen mit den Konditionen aus diesem Artikel: 1 Euro je Order bei einem Neobroker, 4,90 Euro plus 0,25 Prozent plus 2,90 Euro Handelsplatzentgelt bei einer Direktbank.
| Profil | Neobroker | Direktbank |
|---|---|---|
| Daytrader, 40 Trades im Monat, 2.000 Euro je Position | 960 Euro | 12.288 Euro |
| Swingtrader, 5 Trades im Monat, 5.000 Euro je Position | 120 Euro | 2.436 Euro |
| Positionstrader, 12 Trades im Jahr, 10.000 Euro je Position | 24 Euro | 787 Euro |
Ein Trade besteht aus zwei Orders, Kauf und Verkauf. Beim Daytrader sind das 960 Orders im Jahr zu je 12,80 Euro bei der Direktbank. Der Unterschied zwischen beiden Spalten ist keine Feinheit, sondern beim aktiven Handel ein fünfstelliger Betrag im Jahr – und er entsteht allein aus der Wahl des Brokers, nicht aus einer einzigen Handelsentscheidung. Der Spread ist in dieser Rechnung noch nicht enthalten.
Die Marktdaten kommen bei allen drei Profilen obendrauf. Für den Daytrader mit Xetra und Eurex Level 2 sind das weitere 417 Euro im Jahr, für den Positionstrader null, weil ihm verzögerte Kurse genügen. Steuern bleiben hier bewusst außen vor, weil sie nur auf Gewinne anfallen – die Gebühren oben zahlst du auch in einem Verlustjahr.
Daytrading: Ordergebühr und Spread schlagen alles
Beim Daytrading wird jede Position am selben Tag geschlossen. Haltekosten entfallen damit vollständig, dafür vervielfachen sich Ordergebühr und Spread. Wer 40 Trades im Monat macht, zahlt den Spread 80-mal – er ist bei diesem Stil oft teurer als die gesamte Ordergebühr.
Entsprechend sind hier Depot- und Kontoführungsgebühren zweitrangig. Worauf es ankommt: niedrige Kommission, enge Spreads und ein Handelsplatz ohne eigenes Entgelt. Dazu kommen die Marktdaten, die im Daytrading nicht optional sind.
Swingtrading: der Swap wird zum Faktor
Beim Swingtrading hältst du Positionen mehrere Tage bis Wochen. Die Zahl der Orders sinkt, dafür kommt ein Posten dazu, den der Daytrader nicht kennt: die Rollover-Gebühr für jede Nacht, in der die Position offen bleibt.
Bei einer Haltedauer von zehn Handelstagen fällt der Swap zehnmal an. Ob das viel ist, hängt an Instrument und Richtung – bei einer Kaufposition kann es sogar zu einer Gutschrift kommen. Rechne den Swap deshalb vor dem Einstieg gegen dein Kursziel, nicht danach.
Positionstrading: die Ordergröße entscheidet
Wer nur wenige Positionen im Jahr eingeht, hat die niedrigsten Gebühren in absoluten Zahlen. Relativ betrachtet kann es trotzdem teuer werden, wenn die Positionen klein sind: Eine 500-Euro-Position mit 10 Euro Orderkosten je Seite kostet dich vier Prozent, bevor sich der Kurs bewegt hat.
Dafür lohnt hier der Blick auf Posten, die aktive Trader ignorieren können: Depotgebühren und Inaktivitätsregeln. Auf Echtzeitkurse und teure Software kannst du dagegen meist verzichten.
Quer über alle drei Stile gilt eine Regel, die sich in der Praxis bewährt hat: Deine Ein- und Ausstiegskosten zusammen sollten ein Prozent der Positionsgröße nicht überschreiten. Liegst du darüber, ist entweder die Position zu klein oder der Broker der falsche. Wie sich solche Reibungsverluste auf die Erwartung einer Strategie auswirken, zeigt unser Beitrag zur Trading-Mathematik.
Wo kann ich am günstigsten traden?
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was du handelst und wie oft. Ein Neobroker ist für Aktien und ETFs kaum zu schlagen. Für Futures, Optionen oder den US-Handel ist er dagegen oft gar nicht die richtige Adresse.
Wichtiger als die Frage nach dem billigsten Anbieter ist eine andere: Woran verdient dieser Broker, wenn er keine Ordergebühr nimmt? Ein Unternehmen, das seine Kosten deckt, holt sich das Geld an anderer Stelle – über den Spread, über Rückvergütungen des Handelsplatzes oder über Zinsen auf dein Guthaben.
Neobroker: was du bekommst und was fehlt
Für die meisten Aktien- und ETF-Trader sind Neobroker die richtige Wahl. Wer aber Werkzeuge, Handelsplätze oder Ordertypen braucht, die dort fehlen, bezahlt die Ersparnis an anderer Stelle. Diese Gegenüberstellung fasst zusammen, was der niedrige Preis bedeutet:
- Ordergebühren von 0 bis 2 Euro statt zweistelliger Beträge bei Filialbanken
- Keine Depotführungsgebühr und keine Mindestzahl an Trades
- Kein Handelsplatzentgelt, weil über wenige Partnerplätze abgerechnet wird
- Sparpläne in der Regel vollständig kostenfrei
- Deutlich weniger Handelsplätze, was in engen Märkten den Ausführungskurs verschlechtert
- Breitere Spreads außerhalb der Börsenzeiten, wenn nur ein Market Maker stellt
- Eingeschränkte Ordertypen – Trailing Stops und garantierte Stops fehlen häufig
- Keine Futures und keine Optionen, damit für Terminmarkt-Trader ungeeignet
Die Gegenüberstellung zeigt den eigentlichen Tausch: Du bezahlst die niedrige Gebühr mit Auswahl. Solange du liquide Standardwerte zu den Haupthandelszeiten handelst, kostet dich das nichts. Bei Nebenwerten, abends oder in schnellen Bewegungen kann ein fehlender Handelsplatz teurer sein als jede Ordergebühr.
Deshalb der praktische Rat: Vergleiche Broker nicht über die Gebührentabelle, sondern über eine Beispielorder in deinem Instrument. Rechne Ordergebühr, Handelsplatzentgelt und den tatsächlichen Spread zusammen. Ein direkter Vergleich zweier verbreiteter Anbieter steht in unserem Beitrag Scalable Capital gegen Trade Republic.
Wie du deine Tradingkosten senkst
Nicht jede Kostenart lässt sich gleich gut beeinflussen. Die größten Hebel liegen dort, wo du eine einmalige Entscheidung triffst, die dann bei jedem Trade wirkt – also bei der Wahl von Broker, Handelsplatz und Positionsgröße.
- Positionsgröße an die Gebühren anpassen. Bleib unter der Ein-Prozent-Marke für Ein- und Ausstieg zusammen. Wer das nicht schafft, handelt zu klein.
- Handelsplatz bewusst wählen. Der Wechsel von Xetra in den Direkthandel spart bei der ING 2,90 Euro je Order. Plätze wie Tradegate erheben gar kein eigenes Entgelt.
- Nicht in den Spread hineinkaufen. Market-Orders zur Eröffnung und bei Nachrichten zahlen den breitesten Spread. Eine Limit-Order kostet dich nichts und verhindert Slippage nach unten.
- Marktdaten auf das Nötige begrenzen. Level 2 kostet bei Interactive Brokers 5,50 Euro mehr im Monat als Level 1. Wer die Tiefe nicht liest, braucht sie nicht.
- Den Non-Professional-Status prüfen. Eine falsche Einstufung verfünffacht deine Datengebühren – bei Xetra Level 1 von 16,25 auf 78,50 Euro im Monat.
- Haltedauer gegen den Swap rechnen. Bei CFDs und Forex frisst eine lange Haltedauer die Bewegung auf, wenn der Swap gegen dich läuft.
- Den Sparer-Pauschbetrag ausnutzen. 1.000 Euro im Jahr bleiben steuerfrei, aber nur mit erteiltem Freistellungsauftrag.
Was du dagegen nicht tun solltest: den Broker allein nach der Ordergebühr aussuchen. Ein Anbieter ohne den Handelsplatz, den du brauchst, kostet dich über schlechtere Ausführungskurse mehr, als er an Gebühren spart – und diese Kosten stehen auf keiner Abrechnung.
Fazit: Tradingkosten sind der Teil des Ergebnisses, den du planen kannst
Ich handle seit 1978, und eine Sache hat sich in all den Jahren nicht geändert: Kosten sind der einzige Posten in der Rechnung, den du vorher kennst. Ob ein Trade aufgeht, weißt du nicht. Was er dich kostet, kannst du auf den Cent ausrechnen, bevor du die Order aufgibst. Genau deshalb ist es so ärgerlich, dass so viele Trader diesen Teil dem Zufall überlassen.
Der größte Fehler, den ich sehe, ist nicht ein teurer Broker. Es ist die zu kleine Position bei zu hoher Ordergebühr. Wer mit 500 Euro einsteigt und je Seite 10 Euro zahlt, muss vier Prozent aufholen, nur um bei null zu stehen. Das ist keine Gebührenfrage mehr, das ist ein Strategieproblem.
Wenn du an einer einzigen Stellschraube drehen willst, dann an dieser: Rechne einmal eine typische Order deines Instruments komplett durch – Ordergebühr, Handelsplatzentgelt und Spread zusammen, mal zwei für Ein- und Ausstieg. Setz das ins Verhältnis zur Positionsgröße. Liegt der Wert über einem Prozent, hast du ein Ergebnis, an dem du sofort arbeiten kannst.
Und der zweite Rat, den ich mir selbst gern früher gegeben hätte: Der günstigste Broker ist selten der beste. Ein fehlender Handelsplatz oder ein fehlender Ordertyp kostet in einer einzigen schlechten Ausführung mehr, als ein Jahr Gebührendifferenz ausmacht. Entscheide nach dem, was du wirklich handelst – nicht nach der Zahl auf der Startseite.
Häufige Fragen zu Tradingkosten
Welche Gebühren fallen beim Trading an?
Beim Trading fallen sechs Kostenarten an: der Spread, die Ordergebühr, das Handelsplatzentgelt, Haltekosten für Positionen über Nacht, Marktdatengebühren für Echtzeitkurse und die Steuer auf realisierte Gewinne. Spread und Ordergebühr fallen bei jedem einzelnen Trade an, die übrigen je nach Anbieter und Handelsstil.
Wie hoch sind die Trading Gebühren?
Die Spanne ist groß: Neobroker wie Trade Republic verlangen 1 bis 2 Euro je Order, Direktbanken wie die ING 4,90 Euro plus 0,25 Prozent vom Kurswert und zusätzlich 1,90 bis 14,90 Euro Handelsplatzentgelt. Für einen aktiven Trader summiert sich dieser Unterschied auf einen vierstelligen Betrag im Jahr.
Kann ich ohne Gebühren traden?
Vollständig gebührenfrei ist Trading nicht. Selbst bei null Euro Ordergebühr zahlst du den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Kostenlose Angebote finanzieren sich über breitere Spreads, Rückvergütungen des Handelsplatzes oder Zinsen auf dein Guthaben.
Was sind Handelsplatzgebühren?
Das Handelsplatzentgelt ist der Betrag, den die Börse selbst für die Ausführung nimmt, oft auch Fremdkostenpauschale genannt. Dein Broker reicht ihn eins zu eins weiter. Bei der ING kostet der Direkthandel 0 Euro, Xetra 2,90 Euro und der US-Handel 14,90 Euro je Order.
Was kostet eine Order bei Trade Republic?
Die Bestpreis-Order kostet 1 Euro Abwicklungspauschale, dabei sucht ein Algorithmus den Ausführungsort. Wählst du den Handelsplatz selbst, ist es eine Direktpreis-Order für 2 Euro, unabhängig von der Ordergröße. Depotführung und Sparplanausführung sind kostenlos.
Was kosten Echtzeitkurse beim Trading?
Bei Interactive Brokers kostet das Paket für Frankfurt und Xetra in Level 1 16,25 Euro im Monat für Privatkunden. Wer als Professional eingestuft wird, zahlt 78,50 Euro für dieselben Daten. Ohne Lizenz bekommst du die Kurse 15 Minuten verzögert.
Ab wann muss ich Tradinggewinne versteuern?
Erst oberhalb des Sparer-Pauschbetrags von 1.000 Euro im Jahr, bei zusammen veranlagten Ehepaaren 2.000 Euro. Darüber fallen 26,375 Prozent an, mit Kirchensteuer bis zu 27,99 Prozent. Der Freibetrag wirkt nur, wenn du einen Freistellungsauftrag erteilt hast.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading und handelt seit 1978 an den Märkten. Er ist diskretionärer Price-Action-Trader und arbeitet in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.
Ende der 1980er übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte alle zehn Ross-Bücher.
Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen. Seine Erfahrung mit Kostenstrukturen stammt aus der eigenen Handelspraxis – vom Parketthandel über Telefonorder bis zum heutigen elektronischen Handel.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer geprüft.









