Dieselbe Aktie kostet in derselben Sekunde an zwei deutschen Handelsplätzen verschiedenes Geld. Der Unterschied steckt in zwei Posten: im Spread, also der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, und im Handelsplatzentgelt, das dein Broker je Order aufschlägt. Bei einer kleinen Order kann das mehr ausmachen als die Ordergebühr selbst.
In Deutschland stehen dir mehr als ein Dutzend Handelsplätze offen, und sie unterscheiden sich in vier Punkten: Handelszeit, Liquidität, Kosten und Aufsicht. Dieser Artikel ordnet sie ein und beantwortet die Frage, die dahintersteht: welchen du für welche Order nimmst. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Handelsplatz: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Handelsplatz ist ein Rechtsbegriff. Nach § 2 Absatz 22 WpHG zählen dazu nur der organisierte Markt, das multilaterale Handelssystem und das organisierte Handelssystem. Der außerbörsliche Direkthandel gehört ausdrücklich nicht dazu.
- Xetra ist der Maßstab. Über den elektronischen Handelsplatz der Frankfurter Wertpapierbörse laufen weit über 90 Prozent des Aktienhandels an deutschen Börsen. Die dort gestellten Kurse sind der Referenzpreis für DAX-Werte.
- Tradegate BSX ist die Nummer zwei und heißt seit dem 1. Januar 2026 so. An diesem Tag verschmolz die Tradegate Exchange mit der Börse Berlin. Im August 2026 setzte sie 27,9 Milliarden Euro in Aktien um, seit Jahresbeginn 257,6 Milliarden Euro.
- Die längsten Handelszeiten haben gettex, LS Exchange und Quotrix. Dort läuft der Handel bis 23:00 Uhr, an der Börse Hamburg bis 22:00 Uhr, während Xetra um 22:00 Uhr schließt und der Kernhandel schon um 17:30 Uhr endet.
- Die Kosten trägst du zweimal. Einmal über den Spread, einmal über das Handelsplatzentgelt deines Brokers. Beides steht in keiner Börsenordnung, sondern in deinem Preisverzeichnis.
- Liquidität schlägt Handelszeit. Ein enger Spread zur Hauptzeit spart bei einer normalen Order mehr Geld, als eine späte Ausführung an einem dünnen Markt je einbringt.
- 2026 hat sich strukturell etwas verändert. Das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow gilt seit dem 1. Juli 2026, und am 24. Juli 2026 wurde mit XONTRO das alte Handelssystem der Regionalbörsen abgeschaltet.
Was ist ein Handelsplatz?
Ein Handelsplatz ist ein organisierter Markt, ein multilaterales Handelssystem oder ein organisiertes Handelssystem, an dem Kauf- und Verkaufsinteressen für Finanzinstrumente nach festen Regeln zusammengeführt werden.
Das ist keine Umgangssprache, sondern eine Legaldefinition. Sie steht in § 2 Absatz 22 des Wertpapierhandelsgesetzes und setzt die europäische Finanzmarktrichtlinie MiFID II um. Wer den Begriff für einen Marktplatz oder eine Messe verwendet, meint etwas anderes als das Gesetz. Für dich als Anleger ist die juristische Fassung die nützlichere, denn an ihr hängen Aufsicht, Transparenzpflichten und Anlegerschutz.
Die drei Formen im Einzelnen
Der organisierte Markt ist die klassische Börse. Er braucht eine staatliche Erlaubnis, wird von einer Börsenaufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes überwacht und hat eine eigene Handelsüberwachungsstelle. Xetra, die Börse Stuttgart und die Tradegate BSX fallen in diese Kategorie.
Ein multilaterales Handelssystem, kurz MTF, bringt ebenfalls viele Teilnehmer zusammen, betreibt aber keine Börse. Es wird von einem Wertpapierhaus geführt und unterliegt schwächeren Zulassungsregeln für die gehandelten Papiere. In Deutschland arbeiten mehrere Nebenhandelsplätze in dieser Form.
Das organisierte Handelssystem, kurz OTF, gibt es erst seit MiFID II. Es ist Anleihen, strukturierten Finanzprodukten, Emissionszertifikaten und Derivaten vorbehalten. Aktien dürfen dort nicht gehandelt werden. Anders als an einer Börse darf der Betreiber hier nach Ermessen entscheiden, ob er zwei Orders zusammenführt. Für Futures und Optionen gibt es eigene Handelsplätze: die Terminbörsen.
Warum der Direkthandel kein Handelsplatz ist
Alle drei Formen haben eines gemeinsam: sie sind multilateral. Viele Teilnehmer treffen aufeinander, und der Preis entsteht aus deren Orders. Der außerbörsliche Direkthandel funktioniert anders. Dort stellt ein Market Maker den Preis und tritt selbst als Gegenpartei auf. Dieses Modell heißt systematischer Internalisierer und ist im Gesetz ausdrücklich vom Handelsplatz abgegrenzt.
Der Unterschied ist für dich nicht akademisch. An einer Börse gibt es eine Handelsüberwachung und eine Mistrade-Regel, also festgelegte Bedingungen, unter denen ein zu weit vom Markt entfernter Abschluss aufgehoben wird. Im Direkthandel regelt das der Vertrag mit dem Market Maker. Wie sich das praktisch auswirkt, steht weiter unten im Abschnitt zum Direkthandel.
Handelsplatz oder Börsenplatz: wo der Unterschied liegt
Börsenplatz ist der engere Begriff. Er meint eine Börse im Rechtssinne, also einen organisierten Markt mit staatlicher Erlaubnis. Handelsplatz ist der Oberbegriff und schließt MTF und OTF mit ein. Jeder Börsenplatz ist damit ein Handelsplatz, aber nicht umgekehrt.
In der Praxis benutzen Broker beide Wörter für dasselbe Auswahlfeld in der Ordermaske. Dort stehen dann Xetra, Tradegate, gettex und darunter oft ein Eintrag wie „außerbörslich” oder der Name eines Market Makers. Genau an dieser Stelle verschwimmt die Grenze, denn der letzte Eintrag ist rechtlich kein Handelsplatz.
Ein dritter Begriff steht daneben und meint wieder etwas anderes: der Börsenplatz als Ort. Frankfurt, Stuttgart und München sind Städte mit einer Börse. Die Börse Frankfurt betreibt mit dem Parketthandel und mit Xetra zwei verschiedene Handelsplätze unter einem Dach. Wer nur die Stadt nennt, hat die Order also noch nicht eindeutig zugeordnet.
Die deutschen Handelsplätze im Überblick
Deutschland hat sieben Wertpapierbörsen und daneben eine Reihe elektronischer Handelsplätze, die von diesen Börsen betrieben werden. Die folgende Übersicht nennt die Plätze, die in der Ordermaske eines Privatanlegerdepots tatsächlich auftauchen, mit ihrer Handelszeit und dem, wofür sie stehen.
| Platz | Zeit | Stärke |
|---|---|---|
| Xetra | 8:00–22:00 | höchste Liquidität |
| Tradegate BSX | 7:30–22:00 | für Privatanleger |
| gettex | 7:30–23:00 | keine Courtage |
| LS Exchange | 7:30–23:00 | Handel am Abend |
| Quotrix | 7:30–23:00 | Market Maker, börslich |
| Börse Stuttgart | 7:30–22:00 | Anleihen, Derivate |
| Frankfurt, Parkett | 8:00–22:00 | enge Werte |
| Börse Düsseldorf | 8:00–22:00 | Nebenwerte |
Xetra: der Maßstab für deutsche Aktien
Über Xetra laufen weit über 90 Prozent des Aktienhandels an deutschen Börsen. Das hat eine Folge, die im Alltag mehr zählt als jede Gebührentabelle: Der Spread ist dort bei Standardwerten am engsten, weil die meisten Orders in einem gemeinsamen Orderbuch stehen. Die Kurse, die du in Nachrichten und im Depotauszug siehst, stammen fast immer von dort. Wie das Orderbuch arbeitet und wann der Handel unterbrochen wird, steht ausführlich in unserem Beitrag zum Xetra Handel und seinen Zeiten.
Tradegate BSX: der Platz für Privatanleger
Seit dem 1. Januar 2026 firmiert die Tradegate Exchange als Tradegate Berlin Stock Exchange. An diesem Tag verschmolz sie mit der Börse Berlin, deren Handel über das alte System zum Jahresende eingestellt wurde. Das paneuropäische System Equiduct läuft weiter. Für dich als Anleger heißt das: Der Berliner Börsenplatz trägt heute einen anderen Namen, die Order landet aber an derselben Adresse.
Die Größenordnung zeigt die Umsatzstatistik des Handelsplatzes. Im August 2026 wurden dort 27,9 Milliarden Euro in Aktien und 11,2 Milliarden Euro in börsengehandelten Produkten umgesetzt. Seit Jahresbeginn summiert sich das auf 257,6 Milliarden Euro in Aktien. Auffällig ist die Verschiebung: Das ETP-Volumen liegt 48 Prozent über dem Vorjahr, während Aktien um knapp 6 Prozent zulegten. Privatanleger kaufen zunehmend Fonds statt Einzelwerte. Was der Handel dort kostet, steht in unserer Aufstellung der Tradegate Gebühren, die genauen Zeiten in der Übersicht der Tradegate Handelszeiten.
gettex, LS Exchange und Quotrix: die langen Zeiten
Diese drei Plätze schließen erst um 23:00 Uhr und decken damit die komplette US-Sitzung ab. gettex gehört zur Börse München und verzichtet auf Maklercourtage und Börsenentgelte. LS Exchange und Quotrix gehören zur BÖAG Börsen AG, dem Träger der Börsen Hamburg, Hannover und Düsseldorf. Wie lange dort was gehandelt wird, steht im Detail in unserer Übersicht der Quotrix Handelszeiten.
Der lange Handelstag hat einen Preis, und er steht in keiner Gebührentabelle. Nach 17:30 Uhr ist das Xetra-Orderbuch als Referenz weitgehend verschwunden. Der Market Maker orientiert sich dann an ausländischen Kursen und weitet den Spread. Wer abends um 22 Uhr eine deutsche Nebenaktie kauft, zahlt diese Spanne. Wie sich der Anbieter hinter LS Exchange aufgestellt hat, steht in unserem Bericht zu Lang & Schwarz.
Die Spezialisten: Stuttgart, Frankfurt und die Terminbörse
Die Börse Stuttgart ist der größte deutsche Platz für verbriefte Derivate und Anleihen. Ihr Segment EUWAX ist kein eigener Handelsplatz, sondern der Marktbereich für Hebelprodukte und Zertifikate. Wer Unternehmensanleihen sucht, findet dort das breiteste Angebot, nachzusehen im Anleihen-Finder der Börse.
Der Frankfurter Parketthandel existiert weiter, auch wenn niemand mehr Zettel in die Luft hält. Er läuft heute elektronisch, aber mit einem Spezialisten, der bei engen Werten Kurse stellt und Orders zusammenführt. Genau dort liegt sein Nutzen: bei Aktien, für die auf Xetra kaum Orders im Buch stehen. Die Gesellschaft dahinter ist die Deutsche Börse AG, die auch den DAX berechnet.
Die Eurex ist ein Sonderfall und gehört in keine Aktientabelle. Sie ist eine Terminbörse für Futures und Optionen, hat eigene Handelszeiten und eine eigene Clearingstelle. Wer dort handelt, braucht ein Depot mit Terminhandelsberechtigung. Wie sie funktioniert, steht in unserem Beitrag zur Eurex.

Welchen Handelsplatz solltest du wählen?
Es gibt keinen Handelsplatz, der für jede Order der beste ist. Die Antwort hängt an drei Größen, und du kannst sie vor jeder Order in wenigen Sekunden durchgehen: an der Wertpapierart, an der Uhrzeit und an der Ordergröße. Alles andere ist nachgeordnet.
| Order | Platz | Warum |
|---|---|---|
| DAX-Aktie, ETF, tagsüber | Xetra | engster Spread |
| Standard | Tradegate BSX | laufend Kurse |
| Zertifikat, Hebel | gettex, Stuttgart | Emittent stellt |
| Anleihe | Stuttgart | größtes Angebot |
| Nebenwert | Parkett | Spezialist im Buch |
| US-Aktie abends | gettex, LS-X | bis 23:00 Uhr |
| unter 1.000 Euro | ohne Entgelt | Festkosten zählen |
Welche Wertpapierart handelst du?
Bei Aktien und ETFs entscheidet die Liquidität, und die liegt tagsüber auf Xetra. Bei Zertifikaten und Optionsscheinen ist es umgekehrt: Dort stellt der Emittent selbst den Preis, und ob das über gettex oder über Stuttgart läuft, ändert am Kurs wenig. Bei Anleihen führt an Stuttgart kaum ein Weg vorbei, weil dort die meisten Stücke tatsächlich im Buch liegen.
Zu welcher Uhrzeit handelst du?
Zwischen 9:00 und 17:30 Uhr ist die Frage fast immer schon beantwortet. In diesem Fenster läuft der Kernhandel auf Xetra, und der Spread ist bei liquiden Werten kaum zu unterbieten. Besonders eng wird er ab 15:30 Uhr, wenn die US-Börsen öffnen und beide Märkte gleichzeitig Kurse stellen. Eine Übersicht aller Zeiten steht in unseren Börsenzeiten.
Außerhalb dieses Fensters kehrt sich die Logik um. Vor 9:00 Uhr und nach 17:30 Uhr stehen im Xetra-Buch deutlich weniger Orders. Dann sind Tradegate BSX, gettex und LS Exchange oft die bessere Wahl, weil dort ein Market Maker durchgehend Kurse stellt. Der Preis dafür ist ein weiterer Spread, und je dünner der Wert, desto weiter.
Wie groß ist deine Order?
Bei kleinen Orders schlagen die festen Kosten den Spread, bei großen ist es umgekehrt. Ein pauschales Handelsplatzentgelt von wenigen Euro fällt bei 500 Euro Ordervolumen stark ins Gewicht und bei 20.000 Euro kaum. Umgekehrt kostet ein um zwei Zehntel weiterer Spread bei einer großen Order mehr als jede Gebühr. Rechne beides zusammen, nicht nacheinander.
Eine große Order gehört zusätzlich in ein tiefes Orderbuch. Wer 50.000 Euro in einen Nebenwert legt, bewegt an einem dünnen Platz den Kurs gegen sich. Das nennt sich Market Impact und taucht in keiner Abrechnung auf, weil er im Ausführungskurs steckt. Ein Limit ist hier kein Komfort, sondern Pflicht.

Direkthandel oder Börse: was der Unterschied für dich bedeutet
Im Direkthandel schließt du das Geschäft nicht mit einem anderen Anleger, sondern mit einem Händler. Dein Broker holt einen Kurs bei einem Market Maker ein, zeigt ihn dir für wenige Sekunden an, und du nimmst ihn an oder nicht. Diese Sekunden sind der eigentliche Unterschied: Du siehst den Ausführungskurs vorher. An der Börse siehst du ihn erst danach.
Rechtlich ist das kein Handelsplatz, sondern ein bilaterales Geschäft. Damit entfallen die Handelsüberwachungsstelle und die Börsenregeln zur Preisfeststellung. An ihre Stelle treten die Geschäftsbedingungen des Market Makers. Das ist weder verboten noch unseriös, es ist nur ein anderes Regelwerk, und du solltest wissen, in welchem du gerade handelst.
Wofür der Direkthandel gut ist
- Du kennst den Preis vorher. Der Kurs steht fest, bevor du zusagst. Bei einer knapp kalkulierten Position ist das ein echter Vorteil.
- Es gibt keine Teilausführung. Der Market Maker führt die Order in einem Stück aus. An der Börse kann eine Order in mehreren Teilen laufen, und jeder Teil kann Gebühren auslösen.
- Die Zeiten sind länger. Handel um 7:30 Uhr oder um 22:00 Uhr ist an vielen Börsenplätzen gar nicht möglich, im Direkthandel oft schon.
- Häufig fällt kein Fremdentgelt an. Viele Broker verzichten beim Direkthandel mit Partnerbanken auf den Aufschlag, den sie für Börsenplätze berechnen.
Was dagegen spricht
- Der Preis stammt aus einer Hand. Es gibt kein Orderbuch, gegen das du ihn prüfen kannst. Der Vergleich mit dem Xetra-Kurs ist deshalb der einzige verlässliche Test.
- Außerhalb der Börsenzeiten wird der Spread weiter. Genau dann, wenn der Direkthandel seinen Vorteil ausspielt, ist er am teuersten.
- Keine Handelsüberwachung. Ob ein offensichtlich falscher Kurs aufgehoben wird, entscheidet der Vertrag und nicht eine Mistrade-Regel der Börse.
- Bei markanten Nachrichten wird der Handel ausgesetzt. Der Market Maker stellt dann keine Kurse mehr. An der Börse läuft der Handel nach einer Volatilitätsunterbrechung weiter.
Seit dem 1. Juli 2026 gilt zusätzlich das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow. Damit darf ein Broker sich das Weiterleiten deiner Order an einen bestimmten Market Maker nicht mehr bezahlen lassen. Für dich heißt das: Der Anreiz, dich in einen bestimmten Direkthandel zu lenken, ist weg. Wie sich das bei einem der größten Anbieter ausgewirkt hat, steht in unserem Bericht zu Kosten und Handelsplätzen beim ETF-Kauf.
Was die Wahl des Handelsplatzes kostet
Die Kosten eines Handelsplatzes bestehen aus zwei Teilen, und nur einer davon steht in deiner Abrechnung. Sichtbar ist das Handelsplatzentgelt, das dein Broker neben Grundpreis und Provision berechnet. Unsichtbar ist der Spread, denn er steckt im Ausführungskurs. Wer nur die Abrechnung liest, sieht die kleinere Hälfte.
Die Börse selbst nimmt von dir kein Geld. Tradegate BSX und gettex verzichten für Privatanleger ganz auf Transaktionsentgelte. Was du zahlst, setzt dein Broker fest, und die Spanne ist groß: Bei der Consorsbank reicht sie vom außerbörslichen Handel ohne Aufschlag über 0,95 Euro für Tradegate bis zu zweistelligen Beträgen an ausländischen Börsen. Eine Einordnung aller Posten steht in unserer Übersicht der Tradingkosten.
Rechne den Spread in Euro um, bevor du Plätze vergleichst. Ein Unterschied von zwei Cent bei einer 50-Euro-Aktie klingt nach nichts. Bei 100 Stück sind es zwei Euro, und damit teurer als jedes Handelsplatzentgelt im deutschen Markt. Der Test dauert zehn Sekunden: den Geldkurs und den Briefkurs beider Plätze nebeneinanderlegen und die Differenz mit der Stückzahl multiplizieren.
Beruflich handeln darf an diesen Plätzen nur, wer zugelassen ist. Jede Börse nimmt dafür eine eigene Prüfung ab, und die Anforderungen stehen im Börsengesetz. Wie die Zulassung als Börsenhändler abläuft und was sie kostet, haben wir in unserem Beitrag zur Prüfung an der Börse aufgeschrieben.
Was sich 2026 an den deutschen Handelsplätzen geändert hat
Das Jahr 2026 hat die deutsche Handelsplatzlandschaft stärker verändert als das ganze Jahrzehnt davor. Vier Ereignisse betreffen dich direkt, und in vielen Ratgebern im Netz stehen sie bis heute nicht.
Xetra handelt bis 22:00 Uhr
Seit dem 1. Dezember 2025 können Privatanleger über Xetra von 8:00 bis 22:00 Uhr handeln. Der Kernhandel liegt weiterhin zwischen 9:00 und 17:30 Uhr, davor und danach läuft ein erweiterter Service für Privatkunden. Damit deckt der regulierte Handel erstmals die komplette US-Sitzung ab. Ob dein Broker die Zeiten anbietet, entscheidet er selbst.
Aus Börse Berlin und Tradegate wird Tradegate BSX
Zum 1. Januar 2026 verschmolzen die Börse Berlin und die Tradegate Exchange zur Tradegate Berlin Stock Exchange. Der Handel der alten Börse Berlin über das System XONTRO endete zum Jahresende. Das paneuropäische System Equiduct wird weiterbetrieben. Wenn in einem Ratgeber noch beide Namen als getrennte Handelsplätze stehen, ist er älter als dieses Datum.
XONTRO ist abgeschaltet
Am 24. Juli 2026 ging mit XONTRO das jahrzehntealte Handelssystem der deutschen Regionalbörsen vom Netz. Die Börsen Düsseldorf, Hamburg und Hannover handeln seit dem 27. Juli 2026 über T7, dieselbe Technik, auf der auch Xetra und die Eurex laufen. Der Betreiber ist die BÖAG Börsen AG, die neben den drei Börsen auch Quotrix, LS Exchange und die Fondsbörse Deutschland führt.
Payment for Order Flow ist verboten
Seit dem 1. Juli 2026 darf ein Broker in der EU keine Zahlung mehr dafür annehmen, dass er Kundenorders an einen bestimmten Handelspartner weiterleitet. Das Modell hieß Payment for Order Flow und war die Grundlage vieler Gratis-Depots. Für dich verschiebt sich damit die Frage: Nicht mehr, wohin dein Broker deine Order aus eigenem Interesse schickt, sondern welchen Platz du selbst wählst.
Mein Fazit zum Handelsplatz
Die Wahl des Handelsplatzes ist kein Detail für Feinmechaniker, sie kostet oder spart bei jeder einzelnen Order Geld. Für den größten Teil dessen, was Privatanleger handeln, lautet die Antwort tagsüber Xetra: dort liegen die meisten Orders im Buch, und dort ist der Spread am engsten. Alles andere sind begründete Ausnahmen.
Diese Ausnahmen sind es aber wert, dass du sie kennst. Wer früh oder spät handelt, wer Zertifikate kauft, wer Anleihen sucht oder einen engen Nebenwert im Blick hat, fährt an einem anderen Platz besser. Die drei Fragen aus dem Auswahlteil, was, wann und wie groß, beantworten das in wenigen Sekunden.
Was ich mir für die eigene Praxis angewöhnt habe, ist ein Blick auf zwei Kurse statt auf einen. Vor einer größeren Order lege ich den Kurs meines Wunschplatzes neben den Xetra-Kurs. Weichen sie deutlich voneinander ab, warte ich auf die Kernhandelszeit. Das ist unspektakulär, kostet keine Minute, und es hat mir über die Jahre mehr gebracht als jeder Gebührenvergleich.
Häufige Fragen zum Handelsplatz
Welcher Handelsplatz ist der günstigste?
Günstig ist der Platz, an dem Spread und Handelsplatzentgelt zusammen am niedrigsten sind. Bei liquiden Aktien und ETFs ist das tagsüber meist Xetra, weil der Spread dort am engsten ist. Bei kleinen Orders kann ein Platz ohne Fremdentgelt günstiger sein, selbst wenn der Spread etwas weiter ist. Welche Entgelte anfallen, legt dein Broker fest, nicht die Börse.
Ist es egal, an welchem Handelsplatz ich eine Aktie kaufe?
Nein, denn Kurs und Kosten unterscheiden sich zur selben Sekunde. Der Unterschied entsteht durch verschiedene Orderbücher und verschiedene Entgelte. Bei einer kleinen Order in einem liquiden Wert bleibt er meist im Cent-Bereich. Bei Nebenwerten, großen Stückzahlen oder Handel am Abend kann er deutlich werden.
Was ist der Unterschied zwischen Xetra und Tradegate?
Xetra führt Orders vieler Teilnehmer in einem gemeinsamen Orderbuch zusammen, Tradegate BSX arbeitet mit durchgehend gestellten Kursen. Xetra hat dadurch tagsüber die höhere Liquidität und die engeren Spreads, Tradegate die längeren Zeiten von 7:30 bis 22:00 Uhr. Beide sind Wertpapierbörsen mit staatlicher Aufsicht.
Wann ist der Direkthandel die bessere Wahl?
Wenn du den Ausführungskurs vorher kennen willst oder außerhalb der Börsenzeiten handelst. Der Market Maker nennt dir den Preis, bevor du zusagst, und führt in einem Stück aus. Dagegen steht ein Preis aus einer Hand ohne Orderbuch zum Vergleich. Ein Blick auf den Xetra-Kurs vor der Zusage ist deshalb Pflicht.
Wie viele Börsen gibt es in Deutschland?
Sieben Wertpapierbörsen sind zugelassen, dazu kommt die Terminbörse Eurex. Die Wertpapierbörsen sitzen in Frankfurt, Stuttgart, München, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Berlin, wobei der Berliner Handel seit Anfang 2026 unter dem Namen Tradegate BSX läuft. Daneben betreiben mehrere dieser Börsen elektronische Handelsplätze wie gettex, Quotrix oder LS Exchange.
Kann ich den Handelsplatz nach der Order noch wechseln?
Nein, der Platz gehört zur Order und wird mit ihr aufgegeben. Eine noch nicht ausgeführte Limit-Order kannst du allerdings streichen und an einem anderen Platz neu aufgeben. Bei unlimitierten Orders bleibt dafür in der Regel keine Zeit.
Warum wird dieselbe Aktie an mehreren Börsen gehandelt?
Weil ein Emittent die Zulassung an mehreren Handelsplätzen beantragen kann und die Plätze um Orders konkurrieren. Für dich ist das ein Vorteil: Der Wettbewerb hält die Spreads eng und die Entgelte niedrig. Der Preis dafür ist, dass die Liquidität sich verteilt und du vor jeder Order kurz überlegen musst, wohin sie geht.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1978. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.
Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Die Ausführungsqualität gehört für ihn zum Handwerk und nicht zur Nebensache. Bei einem Handel, der auf exakten Marken beruht, entscheidet der gewählte Handelsplatz mit darüber, zu welchem Kurs ein Stop oder ein Einstieg tatsächlich läuft. Die Einordnung in diesem Artikel folgt dieser Praxis, nicht der Broschüre eines Anbieters. Mehr über ihn steht auf seiner Autorenseite.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.












