Wenn ich mittags die Auszüge meines Brokerkontos durchgehe, tauchen sie jeden Tag auf: die Swap-Gebühren. Viele Trader kennen diese Positionen, andere können mit den kleinen Belastungen und Gutschriften auf dem Konto zunächst nichts anfangen.
Wer Positionen über Nacht hält, kommt an diesem Thema nicht vorbei. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie Rollover-Kosten entstehen, wie du sie mit aktuellen Zinssätzen selbst berechnest und in welchen Fällen du sogar eine Gutschrift erhältst. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Swap-Gebühren: das Wichtigste in
30 Sekunden
- Swap-Gebühren (auch Rollover-Gebühren) sind die Zinsen, die du für das Halten einer Forex-Position über Nacht zahlst oder erhältst.
- Die Zinsdifferenz der beiden Währungen entscheidet: Hältst du die höher verzinste Währung long, ist eine Gutschrift möglich. Der Broker-Aufschlag drückt das Ergebnis allerdings in Richtung Kosten.
- Gebucht wird täglich um 23:00 Uhr deutscher Zeit (17:00 Uhr New York). Mittwochs fällt der dreifache Swap an, weil das Wochenende mitfinanziert wird.
- Größenordnung: Eine Long-Position von 2 Lot im EUR/USD kostet Stand Juli 2026 bei Interactive Brokers rund 18 Euro pro Nacht.
Was sind Swaps im Forexhandel?
Im klassischen Finanzwesen bezeichnet ein Swap den Tausch von zukünftigen Zahlungsströmen, etwa bei Zins- oder Währungsswaps zwischen Banken. Im Trading-Alltag meint der Begriff etwas anderes: die Übernacht-Finanzierungskosten deiner Positionen im Forexhandel und im CFD-Handel.
Eine Swap-Gebühr (auch Rollover-Gebühr) ist der Zins, den ein Trader für das Halten einer Forex- oder CFD-Position über Nacht zahlt oder erhält. Sie entsteht aus der Zinsdifferenz der beiden beteiligten Währungen plus einem Aufschlag des Brokers.
Der Grund für diese Gebühr liegt in der Mechanik des Hebelhandels: Du bewegst mit wenig Kapital eine große Position. Den Rest leiht dir faktisch der Broker, und für geliehenes Geld fallen Zinsen an. Gleichzeitig hältst du ein Guthaben in der gekauften Währung, das theoretisch Zinsen abwirft.
Der Rollover ist die tägliche Verlängerung einer offenen Devisenposition auf den nächsten Valutatag. Er findet um 17:00 Uhr New Yorker Zeit statt, also um 23:00 Uhr deutscher Zeit.
Viele MetaTrader-Broker zeigen den Rollover als „Mitternacht Serverzeit” an. Gemeint ist derselbe Moment: Die Serverzeit dieser Broker läuft auf GMT+2 oder GMT+3 und ist an den New Yorker Handelsschluss gekoppelt. Jede Position, die zu diesem Zeitpunkt offen ist, wird gerollt. Ob du sie eine Minute vorher oder fünf Stunden vorher eröffnet hast, spielt keine Rolle.
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Wie entstehen Swap-Kosten? Die Zinsdifferenz erklärt
Bei jedem Devisengeschäft handelst du zwei Währungen gleichzeitig. Kaufst du EUR/USD, gehst du im Euro eine Longposition ein und im US-Dollar eine Shortposition. Für das Guthaben in der Long-Währung erhältst du Zinsen. Für die geliehene Short-Währung zahlst du Zinsen.
Die Basis dafür sind die Leitzinsen der jeweiligen Notenbanken. Stand Juli 2026 liegt der Einlagensatz der EZB bei 2,25 %, nachdem die Notenbank im Juni 2026 erstmals seit drei Jahren wieder angehoben hat. Die US-Notenbank Fed hält ihren Leitzins aktuell in der Spanne von 3,50–3,75 %. Die aktuellen Sätze veröffentlicht die EZB auf ihrer Website; dort lohnt vor längeren Haltedauern ein kurzer Kontrollblick.
Für den EUR/USD bedeutet das eine Zinsdifferenz von rund 1,4 Prozentpunkten zugunsten des Dollars. Wer den EUR/USD long hält, erhält den niedrigen Euro-Zins und zahlt den höheren Dollar-Zins: Die Position kostet jede Nacht Geld. Wer short ist, dreht das Verhältnis um. Dann bleibt nach Abzug des Broker-Aufschlags in der Praxis oft eine kleine Gutschrift oder ein Ergebnis nahe null.
Der Broker-Aufschlag ist der zweite Kostenblock. Kein Broker reicht die Zinsdifferenz eins zu eins weiter: Auf beide Seiten des Geschäfts kommt ein Spread von typisch 0,5 bis 2,5 Prozentpunkten. Deshalb können auch Positionen mit theoretisch positiver Zinsdifferenz auf beiden Seiten Geld kosten.
Swap-Gebühren berechnen: Formel und Beispiel
Die meisten Retail-Broker geben ihre Swaps nicht als Zinssatz an, sondern in Punkten.
Swap-Punkte sind der in Punkten (meist Zehntel-Pips) angegebene Betrag, den ein Broker pro gehaltener Nacht für eine Long- oder Short-Position berechnet oder gutschreibt.
Daraus ergibt sich die gängige Berechnungsformel:
Swap = (Pip-Wert × Swap-Punkte × Anzahl der Nächte) / 10
Die Division durch 10 kommt daher, dass die Swap-Punkte in Zehntel-Pips notiert sind. Den Pip-Wert deiner Position brauchst du für die Rechnung: Bei einem Standard-Lot (100.000 Einheiten der Basiswährung) im EUR/USD sind das 10 US-Dollar pro Pip, beim Mini-Lot (10.000 Einheiten) ein Zehntel davon.
Ein Rechenbeispiel mit typischen Werten: Du hältst 1 Lot EUR/USD long, dein Broker stellt einen Long-Swap von −6,5 Punkten. Dann gilt: (10 × −6,5 × 1) / 10 = −6,50 US-Dollar pro Nacht. Über zehn Handelsnächte summiert sich das auf 65 US-Dollar, die dein Trade erst einmal verdienen muss.
Zwei Dinge solltest du dabei wissen. Erstens: Die Swap-Punkte ändern sich laufend, oft täglich. Zweitens: Jeder seriöse Broker veröffentlicht die aktuellen Sätze in seinen Kontraktspezifikationen oder stellt einen Swap-Rechner bereit. Rechne dort vor jedem Swing-Trade nach, statt mit veralteten Werten zu planen.
Swap-Zinsen bei Interactive Brokers: ein reales Beispiel
Interactive Brokers arbeitet nicht mit Punkten, sondern transparent mit Benchmark-Zinssätzen plus Aufschlag. Für Guthaben zahlt der Broker den Referenzzins minus 0,5 Prozentpunkte, für geliehene Beträge berechnet er den Referenzzins plus 1,5 Prozentpunkte (ab 100.000 Einheiten sinkt der Aufschlag auf 1 Prozentpunkt). Die aktuellen Sätze aller Währungen listet Interactive Brokers öffentlich.
Stand Juli 2026 heißt das gerundet: Euro-Benchmark 2,20 %, Dollar-Benchmark 3,62 %. Rechnen wir das Beispiel durch. Du kaufst 2 Lot EUR/USD zum Kurs von 1,14. Du bist also 200.000 Euro long und 228.000 US-Dollar short. Dank Hebel musst du dafür nur einen Bruchteil als Margin hinterlegen, die Zinsen fallen aber auf die volle Positionsgröße an.
- Euro-Seite (Gutschrift): Auf die ersten 10.000 Euro zahlt Interactive Brokers nichts. Die restlichen 190.000 Euro verzinsen sich mit 1,70 % (2,20 % minus 0,5). Das sind 3.230 Euro im Jahr oder rund 9 Euro pro Nacht.
- Dollar-Seite (Belastung): Die ersten 100.000 Dollar kosten 5,12 % (3,62 % plus 1,5), die weiteren 128.000 Dollar 4,62 %. Zusammen gut 11.000 Dollar im Jahr oder rund 31 Dollar pro Nacht, umgerechnet etwa 27 Euro.
- Netto: Die Position kostet dich rund 18 Euro pro Nacht. Über einen Monat gehalten sind das mehr als 500 Euro Finanzierungskosten für einen einzigen 2-Lot-Trade.
Zur Ehrlichkeit gehört: Die Rechnung ist vereinfacht. Interactive Brokers zahlt den vollen Guthabenzins erst ab einem Kontowert von 100.000 US-Dollar, darunter anteilig. Die Sätze ändern sich mit jeder Notenbank-Entscheidung, und andere Broker rechnen mit eigenen Aufschlägen. Die Größenordnung zeigt aber, warum du Übernacht-Kosten nie ignorieren solltest: Bei einem Hebel von 1:100 oder gar 1:500 fressen die Zinskosten eine mittelfristige Strategie schlicht auf.
Triple-Swap-Mittwoch und Valuta: Warum mittwochs das Dreifache anfällt
Devisengeschäfte werden zwei Werktage nach dem Abschluss abgerechnet. Diese Valuta von T+2 ist der Grund für eine Besonderheit, die viele Trader auf dem Kontoauszug überrascht.
Der Triple-Swap-Mittwoch bezeichnet den Handelstag, an dem Forex-Broker die dreifache Swap-Gebühr berechnen. Grund ist die zweitägige Valuta im Devisenhandel: Eine am Mittwoch über Nacht gehaltene Position wird über das Wochenende finanziert.
Die Logik dahinter: Eine Position, die du am Mittwoch nach 23:00 Uhr noch hältst, hat als neuen Abrechnungstag den Montag. Freitag, Samstag und Sonntag werden mitfinanziert, also fallen drei Tage Zinsen auf einmal an. Das gilt selbst dann, wenn du die Position um 22:59 Uhr eröffnest und um 23:01 Uhr wieder schließt: Für zwei Minuten Haltezeit zahlst oder erhältst du den dreifachen Swap.
Auch Feiertage verlängern den Finanzierungszeitraum. Fällt ein Bankfeiertag in die Abwicklung, verschiebt sich die Valuta auf den nächsten Werktag, und die Zinstage wandern mit. Wer Swing-Positionen plant, sollte den Mittwoch deshalb bewusst im Trade-Management berücksichtigen.
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Carry-Trade: an Zinsdifferenzen verdienen
Die Zinsmechanik hat auch eine attraktive Seite: Du kannst im Forexhandel nicht nur an Wechselkursen verdienen, sondern gezielt an Zinsdifferenzen partizipieren.
Ein Carry-Trade ist eine Strategie, bei der ein Trader eine niedrig verzinste Währung verkauft und eine höher verzinste Währung kauft, um die Zinsdifferenz als laufende Gutschrift zu vereinnahmen.
Ein Klassiker ist das Paar AUD/JPY. Stand Juli 2026 liegt der australische Referenzzins bei gut 4,2 %, der japanische bei rund 0,8 %. Wer 2 Lot AUD/JPY long hält, bekommt bei Interactive Brokers nach Abzug der Aufschläge derzeit eine Nettogutschrift von rund 5 Euro pro Nacht: Die Zinsen auf das australische Guthaben übersteigen die Kosten der geliehenen Yen. Beim Carry-Trade im Euro-Yen bestimmt dieselbe Zinslücke die Rollover-Kosten.
Ein „Free Lunch” ist das trotzdem nicht. Das Wechselkursrisiko bleibt vollständig bestehen: Wertet die gekaufte Währung nur wenige Prozent ab, ist der Zinsvorteil von Monaten ausgelöscht. Carry-Trades funktionieren in ruhigen Marktphasen und werden in Stressphasen regelmäßig schlagartig aufgelöst, was die Bewegung gegen dich noch beschleunigt.
Swap-Kosten vermeiden oder senken: 5 Hebel
Ganz abschalten lassen sich Swap-Gebühren im klassischen CFD- und Forexhandel nicht. Du hast aber mehrere Stellschrauben, um sie zu steuern:
- Intraday handeln: Wer Positionen vor 23:00 Uhr schließt, zahlt gar keinen Swap. Daytrader und Scalper umgehen das Thema vollständig.
- Haltedauer verkürzen: Jede vermiedene Nacht spart die volle Gebühr. Bei Swing-Trades lohnt der Blick, ob ein Teilverkauf vor dem Wochenende die Finanzierungskosten spürbar drückt.
- Triple-Swap umgehen: Den Mittwochabend im Kalender markieren. Wer eine ohnehin wackelige Position hält, kann sie vor dem dreifachen Rollover überdenken.
- Richtung und Paar prüfen: Vor dem Trade in die Kontraktspezifikationen schauen. Manche Paare kosten long viel und bringen short fast nichts, bei anderen lohnt die Swap-Seite sogar.
- Instrument wechseln: Futures haben keine tägliche Swap-Buchung, die Finanzierung steckt bereits im Kurs des Kontrakts. Für größere Konten sind sie die transparentere Alternative zum CFD-Handel.
Für Trader, die aus religiösen Gründen keine Zinsen zahlen oder empfangen dürfen, gibt es eine Sonderform:
Ein Swap-free-Konto (islamisches Konto) ist ein Handelskonto ohne Übernacht-Zinsen. Broker ersetzen die Swap-Gebühr dort meist durch eine feste Verwaltungsgebühr pro gehaltener Nacht.
Rechne bei solchen Konten genau nach: Die Verwaltungsgebühr liegt häufig über dem regulären Swap, vor allem bei Paaren mit kleiner Zinsdifferenz. Kostenlos ist das Halten über Nacht auch hier nicht.
Fazit zu Swaps und Rollover-Kosten
Swap-Gebühren sind kein Kleingedrucktes, sondern ein realer Kostenfaktor, der sich mit jeder gehaltenen Nacht summiert. Unser Beispiel zeigt die Dimension: Rund 18 Euro pro Nacht für 2 Lot EUR/USD long ergeben über ein Jahr gerechnet mehr als 6.000 Euro, die deine Trades erst verdienen müssen.
Die gute Nachricht: Die Kosten sind planbar. Wer die Swap-Punkte vor dem Trade prüft, den Triple-Swap-Mittwoch kennt und die Zinsdifferenz der Währungen im Blick behält, erlebt auf dem Kontoauszug keine Überraschungen. In Einzelfällen, etwa beim Carry-Trade in Hochzinswährungen, wird aus dem Kostenfaktor sogar eine tägliche Gutschrift.
Mein Rat aus der Praxis: Schau dir deine Kontoauszüge regelmäßig an. Die Swap-Positionen dort sagen dir mehr über deine tatsächlichen Handelskosten als jede Werbeseite deines Brokers.
Häufige Fragen zu Swap-Gebühren
Was ist eine Swap-Gebühr im Forex-Handel?
Eine Swap-Gebühr (Rollover-Gebühr) ist der Zins, den du für das Halten einer Position über Nacht zahlst oder erhältst. Sie entsteht aus der Zinsdifferenz der beiden gehandelten Währungen plus einem Aufschlag des Brokers und wird täglich um 23:00 Uhr deutscher Zeit gebucht.
Wie berechnet man die Swap-Gebühr?
Bei den meisten Brokern gilt die Formel Swap = (Pip-Wert × Swap-Punkte × Anzahl der Nächte) / 10. Die aktuellen Swap-Punkte deines Währungspaares findest du in den Kontraktspezifikationen deines Brokers. Sie ändern sich laufend, oft täglich.
Warum berechnen Broker Swap-Gebühren?
Beim Hebelhandel bewegst du mehr Kapital, als du einsetzt: Den Rest finanziert der Broker. Für die geliehene Währung fallen Sollzinsen an, für dein Guthaben in der gekauften Währung gibt es Habenzinsen. Die Differenz plus Broker-Aufschlag ergibt den Swap.
Kann die Swap-Gebühr auch positiv sein?
Ja. Hältst du die höher verzinste Währung eines Paares und ist die Zinsdifferenz größer als der Broker-Aufschlag, erhältst du eine Gutschrift statt einer Belastung. Genau darauf setzen Carry-Trader, etwa im AUD/JPY.
Was ist der Triple-Swap-Mittwoch?
Am Mittwoch berechnen Forex-Broker den dreifachen Swap. Wegen der zweitägigen Valuta (T+2) wird eine am Mittwochabend gehaltene Position über das Wochenende finanziert: Freitag, Samstag und Sonntag fallen als drei Zinstage auf einmal an.
Wie kann ich Swap-Gebühren vermeiden?
Vollständig vermeidest du Swaps nur, wenn du Positionen vor 23:00 Uhr schließt. Ansonsten helfen kürzere Haltedauern, die Wahl swap-günstiger Paare und Richtungen oder der Wechsel auf Futures. Swap-free-Konten ersetzen den Zins durch eine Verwaltungsgebühr und sind selten günstiger.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.
In den späten 1980er-Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und brachte dessen zehn Bücher ins Deutsche. Zwischen 2000 und 2010 gab er Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Swap-Gebühren begegnen Karsten seit Jahrzehnten täglich auf den eigenen Kontoauszügen: Er handelt Forex-Positionen über Interactive Brokers und prüft die Finanzierungskosten seiner Übernacht-Trades als festen Teil seiner Trading-Routine. Aus dieser Praxis heraus ordnet er ein, wann Rollover-Kosten eine Strategie belasten und wann sich eine Zinsgutschrift gezielt nutzen lässt.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.




