Trading-Tagebuch führen als diskretionärer Price Action Trader

Die meisten Trader stimmen damit überein, dass ein Trading-Tagebuch sehr wichtig für die Verbesserung der Trading-Performance ist. Allerdings wird es ziemlich verworren, wenn es um die Aufnahme spezifischer Trading-Informationen in das Trading-Tagebuch geht.

Einige Trader halten die Handelsprotokolle ihrer Broker für ausreichend. Andere wiederum protokollieren die Gründe für jeden Trade. Andere Trader führen ein Trading-Tagebuch über Ihre Emotionen. Manche Trader verfolgen sogar ihre physiologischen Reaktionen wie die Herzfrequenz und die Körpertemperatur.

Um die richtige Antwort zu erhalten, müssen wir das Ziel betrachten, auf das die Tradingprotokolle ausgerichtet sind.

Unsere Zielsetzung besteht darin, unsere Tradingergebnisse zu verbessern. Und das können wir bewerkstelligen, indem wir die Quelle unseres Tradingvorteils verfeinern, der durch unseren Tradingstil bestimmt wird.

Hier möchte ich mich darauf konzentrieren, was ein Price Action Trader protokollieren sollte und wie er das tun sollte. Die meisten Price Action Trader handeln nach eigenem Ermessen (diskretionär). Das ist auch meine Art zu traden.

Dieser Tradingstil hat zwei Hauptbestandteile: Price Action und Diskretion.

Tradingjournal für Price Action Trader

Trading-Tagebuch: Das Dokumentieren der Price Action

Als Price Action Trader beziehen wir unseren Tradingvorteil aus der Kursbewegung. Deshalb müssen wir die Price Action zum Grundpfeiler unser Tradingaufzeichnungen machen, um unsere Tradingergebnisse zu verbessern.

Gehen Sie über das Protokollieren der grundlegenden Informationen wie Gewinn/Verlust und Zeitpunkt des Einstiegs/Ausstiegs hinaus. Beginnen Sie damit, Ihre Price Action Analyse zu erfassen.

Ich beziehe mich nicht auf die Gründe, die der Price Action zugrunde liegen. (Zum Beispiel: Ich machte diesen Trade aufgrund einer Pin Bar.)

Ich spreche von einer ständigen Analyse der Price Action des Marktes, und zwar unabhängig davon, ob Sie einen Trade in Betracht ziehen oder nicht. Es ist fast so, als kommentieren Sie den Markt gegenüber sich selbst.

Ein einfaches Beispiel dafür könnte etwas so aussehen:

Der Handelstag beginnt mit einer Kurslücke nach unten (gap down). Der Markt versucht einen bullischen Vorstoß, wird aber durch das Tief der letzten Handelssitzung zurückgewiesen. Es entwickelt sich eine bärische Pin Bar, aber der obere Docht des Candlesticks ist recht kurz. Ich erwarte, dass die Kurse fallen. Tatsächlich fallen die Kurse. Es bildet sich ein neues Tief. Es ist mit einer baldigen Reaktion zu rechnen.

Es handelt sich um eine fortlaufende Analyse, die Kursstruktur, Chartmuster und Geschwindigkeit umfasst. Sie beinhaltet Ihre Beschreibung der Price Action sowie Ihre Erwartungen in Bezug auf die Price Action.

Es gibt zwei Hauptvorteile, wenn Sie Ihre Analyse des Marktes in Echtzeit dokumentieren.

Im Laufe der Zeit werden diese Tradingprotokolle zur Grundlage Ihrer Tradingregeln. So zeigen Ihre Aufzeichnungen beispielsweise, dass es nach mehreren Doji-Bars besser ist, sich des Trading zu enthalten. Das ist eine wertvolle Schlussfolgerung, die Sie nutzen können, um Ihre Tradingregeln zu veredeln.

Ihre Analyse in Echtzeit zu dokumentieren wird Ihnen auch behilflich sein, Fehler bei der historischen Betrachtung zu vermeiden. Diese sogenannten Rückschaufehler verleiten Trader auch dazu, ihre Tradingfähigkeiten zu überschätzen. Mithilfe der Echtzeit-Dokumentation wird es Ihnen leichter fallen, mit Ihrer Fähigkeit zur Interpretation der Price Action klar zu kommen. Wenn Sie historische Charts betrachten, werden Sie dann auch nicht mehr in die Falle tappen, zu denken, dass Sie wissen, wie man jederzeit den perfekten Trade ausfindig macht. (Das kann jeder.)

Wenn Sie die Fähigkeit, die Price Action zu analysieren, wirklich beherrschen, wird diese Echtzeit-Analyse der Beweis dafür sein. Damit werden Sie das Selbstvertrauen erwerben, um in Echtzeit zu traden.
Eigene Tradingentscheidungen dokumentieren

Diskretion im Trading dokumentieren

Was heißt es, ein diskretionärer Trader zu sein?

Es bedeutet, dass Sie nicht mit vollautomatisierten Handelssystemen arbeiten. Es bedeutet auch, dass Ihre Tradingregeln nicht starr sind. Sie wandeln Ihre Regeln entsprechend Ihrer bislang entwickelten Intuition ab.

Die grundlegende Überzeugung dabei ist, dass es in Ihrem Verstand etwas Wertvolles gibt, das Sie nicht quantitativ bestimmen oder auf starre Regeln reduzieren können. Dieses Etwas wird häufig die Intuition oder das Gespür des Traders genannt.

Die nebulöse Vorstellung des diskretionären Trading beinhaltet ein unübersehbares Problem.

Verlassen Sie sich auf Ihre Intuition, wenn Sie „nach eigenem Ermessen vorgehen“? Oder verwenden Sie Diskretion lediglich als Entschuldigung für Ihren Mangel an Disziplin?

Ein einfacher Schritt bei Ihrem Dokumentationsprozess wird diese Frage beantworten.

Dokumentieren Sie für jeden Trade, ob dies einer ist, der vollkommen mit Ihren Tradingregeln übereinstimmt oder einer, der eine Abwandlung der Regeln erfordert. Im ersten Fall handelt es sich um einen mechanischen Trade und im zweiten Fall um einen Trade nach eigenem Ermessen.

Kennzeichnen Sie jeden Trade als mechanischen oder diskretionär erfolgten, bevor der Trade beendet wird, also bevor Sie wissen, ob es sich um einen Gewinn- oder einen Verlusttrade handelt.

Nachdem Sie eine gewisse Anzahl von Trades gesammelt haben (die Sie als mechanische oder diskretionär durchgeführte Trades bezeichneten), vergleichen Sie deren Ergebnisse. Ist es eine Aufwertung, wenn Sie starre Regeln mit eigenen Entscheidungen kombinieren? Schneiden die diskretionären Trades besser ab als die mechanischen Trades?

Wenn Sie so Ihren Tradingvorteil erhöhen können, besitzen Sie gut entwickelte Tradingfähigkeiten. Wenn dies nicht der Fall ist, sollten Sie sich wahrscheinlich an Ihre Regeln halten und zunächst an Ihrer Tradingdisziplin arbeiten.

Der entscheidende Unterschied: Trading-Tagebuch vorab oder nachträglich

Wenn Sie ein Trading-Tagebuch führen, müssen Sie zwischen vorhergehenden (ex ante) und nachträglichen (ex post) Aufzeichnungen unterscheiden. In unserer obigen Erörterung haben wir dieses Prinzip hervorgehoben. Als Menschen sind wir äußerst anfällig für sogenannte Rückschaufehler. Der Begriff stammt aus der Kognitionspsychologie und bezeichnet die kognitive Verzerrung, die eintritt, weil man sich auf systematische Weise falsch an frühere Vorhersagen erinnert, nachdem man die Ereignisse tatsächlich erfahren hat.

Es gibt keine Möglichkeit, diese Rückschaufehler zu vermeiden, wenn wir historische Charts betrachten. Erlernen Sie die technische Analyse für einen Tag, so dass Sie das beste Trading Setup einer Dekade aufgrund des historischen Charts heraussuchen können. Es erscheint so einfach.

Wenn Sie sich an dieses einfache Prinzip halten, werden Ihre Trading-Tagebücher korrekt, stimmig und brauchbar sein.

Wir wollen sehen, warum das so ist:

  • Ex-ante-Protokolle (vorher): Nach diesem bullischen Umkehr-Chartmuster werden die Kurse steigen.
  • Ex-post-Protokolle (nachträglich): Die Kurse sind nicht gestiegen.

Dies ist ein unbestreitbarer Beweis dafür, dass unsere Erwartung falsch war.

Alles nachträglich (ex post) zu dokumentieren, wird zu Rückschaufehlern führen.

  • Wenn die Kurse des Marktes nicht gestiegen sind, möchten wir gerne den Umstand vergessen, dass wir den Anstieg der Kurse erwartet hatten.
  • Wenn die Kurse des Marktes gestiegen sind, würden wir uns selbst dafür gratulieren, dass wir ein so guter Price Action Trader sind.

Es liegt in der Natur des Menschen, sich ein gutes Gefühl verschaffen und die schlechten Erfahrungen vergessen zu wollen. Unser Verstand verzerrt leicht die Wahrheit. Deshalb müssen wir die Realität dokumentieren, bevor durch unseren Kopf der Impuls zur Verzerrung erfolgt.

Aus diesem Grund erleben diskretionär handelnde Trader Schwierigkeiten, wenn Sie in Echtzeit traden. Sie sind entweder zu zuversichtlich oder übertrieben kritisch in Bezug auf ihr Können, den Markt interpretieren zu können. In beiden Fällen sind sie dem Untergang geweiht und werden scheitern.

Für diese Trader ist es die beste Lösung, wenn sie gute Tradingprotokolle über ihre Price Action Analyse in Echtzeit anfertigen.

(Mechanische Trader können ihre Tradingsysteme anhand historischer Daten backtesten. Bei ihrem Tradingstil spielen auch Echtzeit-Entscheidungen keine Rolle.)

Wenn Sie ein in Eigenregie handelnder Price Action Trader sind und noch keine ordentlichen Tradingaufzeichnungen anfertigen, dann ist es Zeit, damit anzufangen.

 

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Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: How to keep Trading Records as a discretionary Price Action Trader

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

 

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