Trading-Fortsetzung mit Ausreißer-Kurslücken (Runaway Gap)

Kurslücken (Gaps) stellen Kurse dar, die nicht im Markt gehandelt wurden. Sie entsprechen Vakuumnestern. Aus diesem Grund sind Trader von Kurslücken fasziniert. Deshalb überrascht es auch nicht, dass es viele Kurslücken-Tradingstrategien gibt. Die Tradingstrategie ist von der Art der Kurslücke abhängig. (Beispielsweise Erschöpfungskurslücken und Ausreißer-Kurslücken.)

Ausreißer-Kurslücken (Runaway Gaps) treten in der Mitte eines Trends auf. Diese Kurslücke zeigt die Eile des Marktes an, dem sich schnell bewegenden Trend nachzukommen. Ausreißer-Kurslücken treiben den Markt an. Daher bieten sie günstige Gelegenheiten, sich dem Trend anzuschließen, während er weiterläuft.

Eine weitere nützliche Besonderheit einer Ausreißer-Kurslücke besteht darin, dass sie sich normalerweise in der Mitte eines Trends bildet. Das bedeutet, dass Sie die Kursbewegung nutzen können, bevor die Kursziele durch die Lücke erreicht werden. Deswegen nennt man die Ausreißer-Kurslücke auch „messende Lücke“ (measuring gap).

Tradingregeln für Runaway Gaps

Bullische Ausreißer-Kurslücke:

  1. Stark ansteigende Price Action in einem Aufwärtstrend gefolgt von einer Kurslücke.
  2. Mangelnde Trade-Gelegenheiten aufgrund von Kursrücksetzern (Pullbacks) zeigen Offensivdruck.
  3. Durchschnittliches oder leicht steigendes Volumen bei einer Kurslücke. (Hohes Volumen könnte auf eine Erschöpfungskurslücke = Exhaustion Gap hinweisen.)
  4. Kauf zum Schlusskurs des Kurslücken-Tages.

Bärische Ausreißer-Kurslücke:

  1. Stark fallende Price Action in einem Abwärtstrend gefolgt von einer Kurslücke.
  2. Mangelnde Trade-Gelegenheiten aufgrund von Kursrücksetzern (Pullbacks) zeigen Offensivdruck.
  3. Durchschnittliches oder leicht steigendes Volumen bei der Kurslücke. (Hohes Volumen könnte auf eine Erschöpfungskurslücke = Exhaustion Gap hinweisen.)
  4. Verkauf zum Schlusskurs des Kurslücken-Tages.

Tradingbeispiele für Runaway Gaps

In den folgenden Charts gibt es einige nützliche Indikatoren/Markierungen:

  • 20-Perioden Exponential Moving Average (EMA), um starke Kursbewegungen aufzuzeigen.
  • Blaues Rechteck zur Kennzeichnung von Kurslücken und Fenstern (Candlestick-Ausdruck)
  • Volumen-Grafik mit oberem Bollinger Band (braune Linie), um extremes Volumen zu meiden.

Gewinntrade – Tageschart von JPM

Ausreisser Kurslücke und Gewinntrade (runaway gap)
1. Der Markt stieg mit kleinen Rücksetzern, bliebt aber insgesamt über dem EMA. 2. Runaway Gap 3. Volume war nicht extrem. 4. Projiziertes Kursziel.
  1. Der Markt war nach oben ausgerichtet, wobei es nur unbedeutende Kursrücksetzer (Pullbacks) gab. Nachdem der EMA überschritten worden war, sind die Kurse tatsächlich über diesem geblieben.
  2. Diese Kurslücke war keine sehr große. Da sie jedoch direkt nach einer starken bullischen Kursbewegung erschien, könnte es sich um eine Ausreißer-Kurslücke handeln.
  3. Das Volumen während der Kurslücke war nicht hoch. (Weit unter der Linie des oberen Bollinger Bandes.)
  4. Die Geduld lohnte sich, denn der Trade nahm seinen Lauf und erreichte das Gewinnziel.

Verlusttrade – Tageschart von AXP

Ausreißer Kurslücke Verlusttrade (runaway gap)
1. Der Markt stieg mit wenig Pullbacks. In dem anfänglichen Aufwärtsschub gab es jedoch mehrere Gaps. 2. Runaway Gap 3. Das Volume war nicht extrem. 4. Die Kurslücke wurde acht Handelssitzungen später geschlossen.
  1. Die Kurse der Aktie AXP stiegen rasant über den EMA und hielten sich weiter dort auf.
  2. Nach dieser bullischen Price Action entstand eine Kurslücke.
  3. Das Volumen bei der Kurslücke stieg ein wenig, war aber nicht hoch.
  4. Der Markt hat das geplante Kursziel nicht erreicht. Stattdessen wurde die Kurslücke innerhalb von acht Handelssitzungen ausgeglichen.

Der Offensivdruck der Bullen ist im Beispiel der Aktie JPM eindeutig, wobei die Kurse ohne wesentliche Seitwärtsbewegung stiegen. Im Gegensatz dazu vollzog sich bei der Aktie AXP eine Seitwärtsbewegung, die etwa zwei Wochen dauerte, bevor sie ihren Weg nach oben fortsetzte. Bei Ausreißer-Kurslücken ist der Offensivdruck (von Bullen oder Bären) ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg.

Abschließende Bemerkung zu Runaway-Kurslücken

Swingtrader können nicht vermeiden, es mit Kurslücken zu tun zu haben. Kurslücken stellen zwar Risiken dar, mit denen man umgehen können muss, aber sie sind auch günstige Gelegenheiten, die man nutzen kann.

Aus folgenden Gründen sind Ausreißer-Kurslücken für Gap-Trader optimal.

Der Definition nach sind diese Kurslücken auf der Seite des Markttrends. Erschöpfungskurslücken (Exhaustion gaps) sind jedoch gegen den Trend gerichtet. Runaway-Kurslücken (Ausreißer-Lücken) gehen also mit dem Trend.

Runaway-Lücken bieten auch Kursziele für die logische Gewinnmitnahme. Aber verwenden Sie die projizierten Kursziele nicht ohne die Beobachtung der Marktstruktur. Wichtige Widerstände und Unterstützungen können den Markt dazu veranlassen, zum Stillstand zu kommen, bevor das Gewinnziel erreicht wurde. In diesem Fall sollten Sie beim Planen des Gewinnziels Vorsicht walten lassen.

Die Runaway-Lücke wird nur selten geschlossen, bevor ihr Kursziel erreicht worden ist. Nutzen Sie dieses Wissen für die Platzierung Ihres Verluststopps. Bei einer bullischen Ausreißer-Kurslücke sollten Sie Ihren Verluststopp direkt unter der Kurslücke platzieren. Bei einer bärischen Runaway-Kurslücke sollten Sie Ihren Verluststopp genau über der Lücke platzieren.

Die Einteilung von Kurslücken in normale Lücke, Ausreißer-, Ausbruchs- und Erschöpfungslücke ist ein entscheidender Schritt. Allerdings kann kein Trader Kurslücken fehlerfrei einordnen. Daher sollten Sie die Lückentypologie zur größeren Effizienz mit anderen Instrumenten verbinden.

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: Trading Continuation with Runaway Gaps

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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