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Was sind Fair Value Gaps (FVG)? Definition, Erklärung und Beispiele (2026)

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2026

|

8 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

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Der Kurs schießt in drei Kerzen durch eine Zone, und danach liegt dort ein Bereich, in dem praktisch niemand gehandelt hat. Genau das ist ein Fair Value Gap. Der Begriff klingt nach moderner Smart-Money-Theorie, beschreibt aber etwas sehr Altes: ein Ungleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern, das der Markt sichtbar im Chart hinterlässt.

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Rund um dieses Muster ist viel Halbwissen unterwegs. Die meisten Erklärungen zeigen dir, wie ein FVG aussieht, und hören genau dort auf, wo es interessant wird: bei der Frage, welches Gap überhaupt handelbar ist. Dieser Artikel liefert beides. Du bekommst die präzise Definition über das Drei-Kerzen-Muster, klare Qualitätskriterien für die Auswahl, ein durchgerechnetes Strategiebeispiel und eine ehrliche Einordnung, wo die Methode an ihre Grenzen stößt.

Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

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Fair Value Gap: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Ein Fair Value Gap ist eine übersprungene Preiszone, in der nach einer impulsiven Bewegung kaum Handel stattfand.
  • Erkennungsregel: bullisch, wenn das Tief der dritten Kerze über dem Hoch der ersten liegt, bärisch im Spiegelfall.
  • Nicht jedes Gap ist handelbar. Entscheidend sind Trendrichtung, Handelszeit und die Konfluenz mit einer bekannten Zone.
  • Ein FVG ist ein Baustein, keine Strategie. Ohne Stop-Loss und feste Einstiegsregel bleibt es eine reine Beobachtung.

Fair Value Gap: Definition und Ursprung

Ein Fair Value Gap ist eine Preiszone in einem Chart, die von einer impulsiven Bewegung übersprungen wurde und in der deshalb kaum Handel stattgefunden hat.

Der Markt hinterlässt damit eine sichtbare Spur seines eigenen Ungleichgewichts. Wo Angebot und Nachfrage sich normalerweise über viele Transaktionen aneinander abarbeiten, ist der Kurs hier einfach durchgelaufen. Genau deshalb gelten solche Zonen als potenzielle Umkehrbereiche: Der Markt neigt dazu, unfertige Preisfindung später nachzuholen.

Video: Was ist ein Fair Value Gap?

Bekannt gemacht hat das Konzept Michael Huddleston, besser bekannt als ICT (Inner Circle Trader). Er hat den Begriff geprägt und in seinem Lehrsystem verankert. Die Beobachtung dahinter ist allerdings deutlich älter als das Label: Dass ein Markt nach einer überschießenden Bewegung in die übersprungene Zone zurückkehrt, gehört seit Jahrzehnten zum Handwerkszeug klassischer Price-Action-Trader. Neu ist die Systematisierung, nicht das Phänomen.

Ein Hinweis zur Sprache, weil beide Varianten im Umlauf sind: Du liest sowohl das Fair Value Gap als auch die Fair Value Gap. In diesem Artikel verwenden wir durchgängig die sächliche Form, also ein Fair Value Gap. Gemeint ist in beiden Fällen dasselbe Chartmuster.

Bei der Verwendung der Fair Value Gap als Handelsstrategie ist jedoch Vorsicht geboten. Die FVG allein ist keine Garantie für Profitabilität. Ähnlich wie bei Angebots- und Nachfragezonen im Markt kann nicht jede FVG profitabel gehandelt werden. Es bedarf einer sorgfältigen Analyse und eines tiefen Verständnisses der Marktdynamik, um effektiv entscheiden zu können, welche FVG handelbar sind und welche nicht. Dies unterstreicht die Bedeutung einer umfassenden Marktanalyse und Risikomanagementstrategie im Trading und verdeutlicht, dass FVGs Teil einer integrierten Handelsstrategie sein sollten.

Besonders aussagekräftig sind Fair Value Gaps, die während der regulären Handelszeiten (RTH) entstehen — FVGs aus der Vorbörse oder der Asia-Session werden häufig neutralisiert, wie im Überblick zu RTH und ETH im Trading erklärt wird.

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Wie man eine Fair Value Gap identifiziert

Ein Fair Value Gap erkennst du an einem festen Drei-Kerzen-Muster. Entscheidend ist nicht die Optik der mittleren Kerze, sondern das Verhältnis der äußeren beiden Kerzen zueinander. Die mittlere Kerze ist der Impuls, der das Gap aufreißt, die erste und die dritte Kerze definieren seine Grenzen.

Ein bullischer Fair Value Gap entsteht, wenn das Tief der dritten Kerze über dem Hoch der ersten Kerze liegt.

Ein bärischer Fair Value Gap entsteht, wenn das Hoch der dritten Kerze unter dem Tief der ersten Kerze liegt.

Der Raum zwischen diesen beiden Extremen ist das eigentliche Gap. Diese Definition ist der Grund, warum du ein FVG eindeutig einzeichnen kannst: Ober- und Untergrenze sind zwei konkrete Kursniveaus, keine Schätzung. Wer stattdessen nur nach einer großen Kerze sucht, markiert am Ende beliebige Zonen.

Die impulsive mittlere Kerze wird oft als Displacement bezeichnet. Sie ist das Signal, dass hier tatsächlich aggressiv gekauft oder verkauft wurde und nicht nur zufällig wenig Umsatz stattfand.

Als Displacement bezeichnet man die impulsive Kerze, die den Fair Value Gap überhaupt erst aufreißt.

Wer ein Gap zuverlässig erkennen will, muss zuerst einzelne Kerzen sicher lesen können. Welche Signale Körper und Dochte geben und wo die typischen Fehldeutungen liegen, zeigt der Guide zu den Kerzenformationen.

Das Bild zeigt, wie man eine bullische und bärische Fair Value Gap erkennt.
Bullische und Bärische Fair Value Gap

Bullischer Fair Value Gap

Ein bullischer Fair Value Gap entsteht durch einen schnellen Preisanstieg, der ein Ungleichgewicht zugunsten der Käufer anzeigt. Die Nachfrage treibt den Kurs so zügig nach oben, dass die dazwischenliegenden Kursniveaus übersprungen werden. Für dich ist das ein möglicher Bereich für eine Long-Position, sobald der Kurs dorthin zurückkehrt.

Bärischer Fair Value Gap

Ein bärischer Fair Value Gap entsteht, wenn der Kurs schnell fällt, was auf ein Überangebot und ein Ungleichgewicht zugunsten der Verkäufer hindeutet. Das ist der spiegelbildliche Fall und kann als Bereich für eine Short-Position dienen. Der entscheidende Faktor bleibt derselbe: Die beiden äußeren Kerzen dürfen sich in ihren Spannen nicht berühren, sonst ist kein Gap vorhanden.

Welche Fair Value Gaps wirklich handelbar sind

Die Aussage nicht jedes Gap funktioniert hilft dir wenig, solange niemand sagt, woran du die guten erkennst. Die folgenden fünf Filter trennen brauchbare Zonen von Chart-Rauschen. Je mehr davon zutreffen, desto belastbarer ist das Setup.

  • Richtung zum übergeordneten Trend: Ein Gap in Richtung des Trends im höheren Zeitrahmen ist deutlich verlässlicher als eines dagegen. Gegen den Trend handelst du gegen den Strom der größeren Marktteilnehmer.
  • Entstehung in der aktiven Handelszeit: Gaps aus der London- oder New-York-Session haben echtes Volumen hinter sich. Zonen aus dünnen Phasen werden oft schon in der nächsten Stunde neutralisiert.
  • Konfluenz mit einer bekannten Zone: Fällt das Gap mit einer bereits etablierten Unterstützung oder einem Widerstand zusammen, reagieren dort zwei Gründe gleichzeitig.
  • Vorausgegangener Strukturbruch: Ein Gap direkt nach einem Market Structure Shift markiert häufig den Bereich, aus dem die neue Bewegung gestartet ist.
  • Saubere, unangetastete Zone: Je öfter der Kurs bereits in das Gap zurücklief, desto weniger Nachfrage liegt dort noch. Ein zur Hälfte gefülltes Gap ist ein schwächeres Signal als ein frisches.

Ein Punkt, der oft untergeht: Die Größe des Gaps ist kein Qualitätsmerkmal. Ein sehr großes Gap entsteht typischerweise bei Nachrichten und ist oft eher eine Panikreaktion als eine institutionelle Positionierung. Solche Zonen werden häufig gar nicht oder erst nach Wochen angelaufen.

Ebenso wichtig ist der Zeitrahmen. Auf dem 1-Minuten-Chart findest du dutzende Gaps pro Tag, von denen die meisten reines Rauschen sind. Belastbare Zonen entstehen eher im Stundenchart aufwärts, weil dort mehr Kapital hinter der Bewegung steht. Häufig geht einem starken Gap ein Liquidity Sweep voraus, der die Stop-Orders einsammelt und den Impuls liefert. Welche Zeiteinheit zu welchem Handelsstil passt, steht im Guide zu den Trading-Zeiteinheiten.

Fair Value Gap und klassische Kurslücke: der Unterschied

Beide Begriffe enthalten das Wort Lücke, meinen aber zwei verschiedene Dinge. Wer sie verwechselt, sucht im Forex-Chart nach etwas, das dort praktisch nicht vorkommt.

Eine klassische Kurslücke entsteht zwischen Handelsschluss und Handelseröffnung, ein Fair Value Gap dagegen innerhalb einer laufenden Handelssitzung.

Die klassische Kurslücke ist eine echte Lücke im Kursverlauf: Der Handel ruht, über Nacht treffen Nachrichten ein, und am nächsten Morgen eröffnet der Markt sichtbar über oder unter dem Vortagesschluss. Bei Aktien und Indizes ist das Alltag, weil die Börsen feste Handelszeiten haben. Die Handelszeiten der Deutschen Börse zeigen, wo diese Unterbrechungen liegen. Wie sich solche Lücken handeln lassen, behandelt der Guide zum Gap Trading.

Ein Fair Value Gap braucht dagegen keine Handelspause. Es entsteht mitten im laufenden Handel, wenn eine einzelne Kerze so weit läuft, dass die Nachbarkerzen ihre Spanne nicht mehr abdecken. Deshalb findest du FVGs auch im Forex-Markt, der rund um die Uhr handelt und klassische Kurslücken fast nur zum Wochenstart kennt.

Fair Value Gap – Indikatoren

Die Vereinfachung des Handelsprozesses durch den Einsatz von Indikatoren kann insbesondere für Einsteiger von großem Nutzen sein. Anbieter wie Lux Algo haben dazu viele Indikatoren entwickelt, aber auch in der TradingView Community wurden dazu viele kostenlose Indikatoren entwickelt.

Lux Algo

Lux Algo ist bekannt für seine umfangreiche Bibliothek an Handelsindikatoren. Für den Handel mit FVGs stellt Lux Algo mehrere Varianten zur Verfügung, teils kostenlos, teils kostenpflichtig. Ein besonders empfehlenswerter Indikator ist der “Smart Money Concept” Indikator, der FVGs beinhaltet und zusätzliche Funktionen bietet, die über die reine FVG-Analyse hinausgehen.

TradingView-Bibliothek:
Zusätzlich zu den spezialisierten Angeboten von Lux Algo bietet TradingView eine Vielzahl von kostenlosen FVG-Indikatoren, die von der Community entwickelt wurden. Diese Indikatoren unterscheiden sich hauptsächlich in Design und Funktionalität, weshalb es sich lohnt, verschiedene Indikatoren auszuprobieren, um denjenigen zu finden, der am besten zu den persönlichen Trading-Präferenzen passt.

Trotz der Nützlichkeit von Indikatoren ist es vor allem für Anfänger ratsam, sich auf die manuelle Analyse zu konzentrieren und das Auge zu schulen. Durch das manuelle Identifizieren von FVGs in Charts entwickeln Trader ein tieferes Verständnis für Marktstrukturen und -dynamiken. Langfristig kann dies zu einer größeren Unabhängigkeit von Indikatoren führen.

Wer Fair Value Gaps nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit harmonischen Mustern wie dem ABCD-Pattern nutzen will, findet im Alphamonics Scanner ein Tool, das FVGs automatisch in ein Gesamt-Scoring einbezieht.

Lesetipp: Was sind Orderblocks?

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Beispiel einer FVG-Trading-Strategie

Fair Value Gaps (FVGs) allein stellen noch keine Handelsstrategie dar. Daher soll im Folgenden eine einsteigerfreundliche Strategie vorgestellt werden, die FVGs beinhaltet. Diese Strategie kann als Basis dienen und durch weitere Konzepte aus der Welt von ICT (Inner Circle Trader) und Smart Money Concepts ergänzt werden. Es ist ratsam, sich mit diesen Konzepten vertraut zu machen, um die Strategie zu erweitern und das Verständnis zu vertiefen.

Das Bild zeigt ein Trading Beispiel der Fair Value Gap Strategie.
4-Stunden Chart von EUR/USD auf TradingView

Trendanalyse: Der erste Schritt besteht darin, den Markt auf einen Aufwärts- oder Abwärtstrend hin zu überprüfen. Dies geschieht durch die Analyse von “Higher Highs” und “Higher Lows” für Aufwärtstrends oder “Lower Highs” und “Lower Lows” für Abwärtstrends. Diese Schritte sind entscheidend für die Bestimmung der allgemeinen Marktrichtung.

Zeichnen Sie die Marktstruktur ein: Verwenden Sie BOS (Break of Structure) und CHOCH (Change of Character) in Ihrem Chart, um die aktuelle Marktstruktur zu visualisieren. Sie können dies auch automatisch von einem Indikator (Smart Money Concepts – Indikator) erledigen lassen.

Identifiziere Fair Value Gaps: Konzentriere dich darauf, alle FVGs zu markieren, die der Trendrichtung entsprechen. Besonderes Augenmerk sollte auf FVGs gelegt werden, die von Support- und Resistance-Levels unterstützt werden, da diese eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit für Trades bieten.

Einstieg: Abwarten, bis der Kurs die FVG erreicht hat. Für den Einstieg gibt es verschiedene Möglichkeiten: Eine Limit-Order direkt an der FVG mit einem entsprechend platzierten Stop Loss unter/über der FVG oder das Warten auf eine klare Reaktion der Zone, bevor der Trade eröffnet wird. Für Anfänger empfiehlt sich die erste Methode, da sie einfacher zu handhaben ist. Erfahrene Trader können durch ausgiebiges Backtesting zu einer Methode gelangen, die ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis verspricht. Ideal sind Trades mit einem CRV von mindestens 1:2, besser 1:3.

Take Profit: Setze dein erstes Gewinnziel auf das vorherige Swing-Hoch bei Longs oder Swing-Tief bei Shorts. Danach kannst du den Trade “trailen”, um den maximalen Gewinn zu sichern.

Diese simple Strategie bietet eine solide Grundlage für den Handel mit Fair Value Gaps und kann durch verschiedene Methoden erweitert werden, um die Handelseffektivität weiter zu verbessern. Die Einbeziehung von Multi-Time-Frame-Analysen ermöglicht es, ein besseres Verständnis für Marktbewegungen zu entwickeln und das Chance-Risiko-Verhältnis zu optimieren. Darüber hinaus kann die Einbeziehung weiterer Konzepte aus der Welt des Inner Circle Traders (ICT) und Smart Money Concepts zu einer gezielteren Auswahl von Handels-Setups führen, die potenziell eine höhere Qualität und bessere Erfolgschancen bieten.

Inversion Fair Value Gap (IFVG)

Nicht jedes Gap hält. Wenn der Kurs eine Zone vollständig durchbricht, statt dort zu drehen, verschwindet sie nicht einfach. Sie wechselt die Rolle. Genau das beschreibt der Inversion Fair Value Gap.

Ein Inversion Fair Value Gap ist ein Fair Value Gap, den der Kurs durchbrochen hat und der danach in die entgegengesetzte Rolle wechselt.

Konkret heißt das: Ein bullisches Gap, durch das der Kurs nach unten durchgefallen ist, wirkt anschließend als Widerstand. Ein bärisches Gap, das nach oben durchbrochen wurde, wirkt danach als Unterstützung. Es ist dasselbe Prinzip, das du von gebrochenen Unterstützungslinien kennst, angewendet auf Gap-Zonen.

Für dich ist das vor allem ein Warnsignal für zu frühe Einstiege. Wenn eine Zone bricht, war die ursprüngliche Annahme falsch, und ein Nachkaufen an derselben Stelle verschlimmert den Fehler nur. Umgekehrt liefert der erste Rücklauf an das invertierte Gap ein sauberes Setup in die neue Richtung, besonders wenn zugleich ein Change of Character im Chart sichtbar wird.

Vor- und Nachteile von Fair Value Gaps

Ob sich der Aufwand lohnt, hängt stark davon ab, wie diszipliniert du die Auswahlkriterien anwendest. Diese Stärken und Schwächen solltest du kennen, bevor du echtes Geld darauf setzt.

Das spricht für den Handel mit Fair Value Gaps:

  • Klar definierbare Zonen: Ober- und Untergrenze ergeben sich aus zwei konkreten Kursniveaus. Damit sind Einstieg und Stop objektiv festlegbar.
  • Nachvollziehbare Anziehungskraft: Der Markt läuft überdurchschnittlich oft in übersprungene Zonen zurück, bevor er die Bewegung fortsetzt. Das liefert dir einen Anlaufpunkt.
  • Breite Anwendbarkeit: Das Muster funktioniert über Forex, Futures, Aktien und Krypto hinweg und in nahezu jedem Zeitrahmen.

Das spricht dagegen:

  • Keine Füllgarantie: Ob und wann eine Zone angelaufen wird, ist offen. Manche Gaps bleiben monatelang unberührt und binden Kapital in wartenden Orders.
  • Hohe Trefferzahl, niedrige Qualität: Auf kleinen Zeitrahmen entstehen so viele Gaps, dass die Auswahl zum eigentlichen Problem wird. Ohne strenge Filter handelst du Rauschen.
  • Widersprüchliche Signale: Ein bullisches Gap im Stundenchart kann einem bärischen im Tageschart gegenüberstehen. Ohne Multi-Timeframe-Analyse ziehst du falsche Schlüsse.
  • Erfordert Marktverständnis: Das Muster mechanisch abzuarbeiten reicht nicht. Ohne Gefühl für Marktstruktur und Trendkontext bleibt die Trefferquote niedrig.
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Fazit: Lohnt es sich, Fair Value Gaps zu traden?

Der Handel mit Fair Value Gaps (FVGs) kann profitabel sein, aber es ist wichtig zu verstehen, dass FVGs allein nicht als vollständige Handelsstrategie betrachtet werden sollten. Der Markt bietet eine Vielzahl von FVGs über verschiedene Zeiträume und Instrumente, und es ist nicht immer vorhersehbar, welche FVGs geschlossen werden und welche nicht. Darüber hinaus können FVGs in verschiedenen Zeiträumen sogar widersprüchliche Signale liefern.

Ein kluger Ansatz für den Handel mit FVGs beinhaltet die Entwicklung einer umfassenden Strategie, die klare Regeln und ein durchdachtes Risikomanagement beinhaltet. Kombiniere FVGs mit anderen Konzepten wie Orderblöcken, Break of Market Structure und weiteren Smart Money Concepts, um effektivere Handelsentscheidungen zu treffen.

Für ein tieferes Verständnis dieser Konzepte empfehlen wir die Lektüre unserer Artikel zu ICT und Smart Money Concepts. Diese bieten einen umfassenderen Überblick und können dir helfen, deine Handelsstrategie sinnvoll zu erweitern und anzupassen.

Häufige Fragen zum Fair Value Gap

Was ist ein Fair Value Gap (FVG)?

Ein Fair Value Gap ist eine übersprungene Preiszone im Chart, die entsteht, wenn eine impulsive Bewegung den Kurs so schnell durch einen Bereich schiebt, dass dort kaum Handel stattfindet. Erkennbar ist es an einem Drei-Kerzen-Muster, bei dem sich die Spannen der ersten und dritten Kerze nicht berühren.

Wie erkenne ich ein Fair Value Gap im Chart?

Du vergleichst die erste und die dritte Kerze eines Drei-Kerzen-Musters. Liegt das Tief der dritten Kerze über dem Hoch der ersten, hast du ein bullisches Gap. Liegt das Hoch der dritten unter dem Tief der ersten, ist es bärisch. Der Bereich dazwischen ist das Gap.

Werden Fair Value Gaps immer geschlossen?

Nein. Die Tendenz zur Rückkehr ist keine Regel, sondern eine Neigung. Viele Gaps werden angelaufen, weil der Markt unfertige Preisfindung nachholt. Nachrichten, ein Stimmungsumschwung oder ein starker Trend können eine Zone jedoch monatelang oder dauerhaft unberührt lassen.

Welche Fair Value Gaps sind handelbar?

Handelbar sind vor allem Gaps, die in Richtung des übergeordneten Trends zeigen, während der aktiven Handelszeit entstanden sind und mit einer bekannten Unterstützung oder einem Widerstand zusammenfallen. Ein bereits zur Hälfte gefülltes Gap ist deutlich schwächer als ein frisches.

Was ist der Unterschied zwischen einem FVG und einer klassischen Kurslücke?

Eine klassische Kurslücke entsteht in der Handelspause zwischen Schluss und Eröffnung und ist als echter Sprung sichtbar. Ein Fair Value Gap entsteht mitten im laufenden Handel und ergibt sich erst aus dem Vergleich zweier Kerzen. Deshalb gibt es FVGs auch im durchgehend gehandelten Forex-Markt.

Wie können Fair Value Gaps im Trading genutzt werden?

FVGs dienen als Anlaufpunkte für Ein- und Ausstiege. Ein Teil der Trader positioniert sich, wenn der Kurs in die Zone zurückkehrt, und setzt auf die Fortsetzung der Bewegung. Andere warten das Schließen der Lücke ab und handeln erst danach in Trendrichtung.

In welchen Märkten gibt es Fair Value Gaps?

In allen, für die es Kerzencharts gibt: Aktien, Forex, Futures, Rohstoffe und Kryptowährungen. Da das Muster ausschließlich auf Kursdaten beruht, ist es weder an ein Instrument noch an einen Zeitrahmen gebunden.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1978. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.

Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Das Ungleichgewicht, das ein Fair Value Gap beschreibt, liest Karsten seit fast fünf Jahrzehnten direkt am Kursverlauf ab, lange bevor der Begriff geprägt wurde. Er handelt nicht nach dem ICT-Regelwerk, sondern nach klassischer Price Action. Aus dieser Distanz heraus ordnet er ein, was an dem Konzept tragfähig ist und wo die Vermarktung über die tatsächliche Aussagekraft hinausgeht.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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