Technische Analyse lernen, verstehen, erfolgreich einsetzen (Kritik inklusive)

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Wie du Analyse Tools der Charttechnik richtig anwendest

Du kennst sämtliche Methoden und Tools der Technischen Analyse. Wieso sehen deine Profite dann weiterhin aus, als wäre ein Tornado durch deine Tradestatistik gepflügt?

Wie funktioniert Technische Analyse bei Aktien & Co wirklich?

Wäre es nicht super, endlich den echten Heiligen Gral des Tradings zu besitzen, damit dein Konto so richtig durch die Decke schiebt?

Ich habe viele Trading Strategien entwickelt und ausprobiert, bin selbst seit knapp 15 Jahren mit dem aktiven Trading beschäftigt.

In meinen Augen wird die technische Chartanalyse grandios fehlgedeutet – dadurch falsch zur Anwendung gebracht. Wie du sie effektiv einsetzt und wo die richtig hinterhältigen Tretminen in der Praxis versteckt sind, erfährst du jetzt.

Was ist die technische Analyse, warum funktioniert sie und welche Chartanalyse Tools sind die besten?

Diesen Wissensschatz übergebe ich dir im ersten Teil des Artikels. Danach werde ich deine kleine feine Welt zu diesem Thema aus den Angeln heben.

Geben wir Gas und ab geht die Luzi…

Dieser Inhalt wartet auf dich

Teil 1:

 Teil 2:

Technische Analyse: Der Kerngedanke

Ob Aktienanalyse, eine aktuelle Dax Chartanalyse, Prognose oder auch Trend Trading im Forexmarkt: Aller Anfang der Technischen Analyse war, ist, und bleibt die sogenannte Dow Theorie.

Über die Jahre wurde sie verfeinert, erweitert, ausgeschmückt, verkompliziert und manchmal vielleicht sogar tatsächlich verbessert.

Sinn der technischen Chart-Analyse:

Aus vergangenen Kursbewegungen sollen künftige Preisveränderungen vorhergesagt werden.

Zu diesem Zweck werden die verschiedensten Preismuster gedeutet. Direkt im Chart oder indirekt über Indikatoren.

Das Warum interessiert keinen

Im Kern dreht es sich bei der Technischen Analyse darum, Trends zu erkennen aber auch Trendwechsel.

Warum etwas tendiert oder der Trend dreht, interessiert die technische Chartanalyse in keinster Weise.

Die Technische Anlayse fragt also nicht: Was hat genau zu dieser Preisbewegung geführt.

Ein entscheidender Vorteil für Trader, welcher sich daraus ergibt:

Einfachheit, und damit einhergehend Geschwindigkeit, bei der eigenen Entscheidungsfindung. Gerade für das schnelle Day Trading bieten sich deshalb einige Technische Analyse Tools geradezu an.

Video-Tutorial (Trendlinien profitabel traden)

Hinter dem Schützengraben (lauern die Fundis)

Das Gegenteil der Technischen Analyse ist die Fundamentalanalyse.

Bei dieser Art Anlageentscheidungen zu treffen, spielt der Kurschart nur eine untergeordnete Rolle.

Von Wichtigkeit sind dagegen grundlegende Zahlen zu Unternehmen oder Volkswirtschaften, welche analysiert und für Kaufentscheidungen herangezogen werden.

Nachteil: Langsamkeit, umfangreicheres Wissen ist gefragt und die Fundamentalanlyse ist für die aktive Risikosteuerung unbrauchbar.

Die Extrawurst: Saisonalitäten

Bei dieser Form von Entscheidungsfindung, für oder gegen einen Trade, werden jahreszeitliche Trends der zugrundeliegenden Wertpapiere oder Kontrakte ausgewertet.

Drei grundlegende Analysemethoden beim Traden - Technische Analyse, Fundis und Seasonals

In fast allen Anlageklassen kommen sie statistisch belegt vor.

Besonders ausgeprägt sind sie in den Rohstoffmärkten zu finden.

Wer gewinnt die Schlacht?

Und jetzt die Frage aller Fragen: Welche Methode ist die beste?

Ich glaube, wer schon viele Dinge ausprobiert hat, kann die Universalantwort – zu dieser eigentlich behämmerten Frage – direkt auf den Tisch knallen.

In Prosa gegossen, schreibt sie sich wie folgt:

„Es kommt darauf an“

Und zwar auf deine jeweilige Ausgangssituation, deine Person und deine konkreten Zielsetzungen.

Eine Mischung von Analysemethoden in einer Trading Strategie kann daher durchaus sinnvoll sein.

Technische Chartanalyse (die wichtigsten Tools)

Bevor ich dir das Geheimnis hinter meiner ominösen Headline verraten werde, muss ich dir die populärsten Tools der heute verbreiteten Technischen Analyse vorstellen.

Du kannst sonst die immense Bedeutung hinter dieser Überschrift nicht einordnen.

Trendlinien

Mittels Trendlinien werden Hoch und Tiefpunkte miteinander verbunden. Sie dienen damit der Visualisierung von Preistrends im Chart. Moderne Chartsoftware formt daraus automatisch einen Trendkanal.

Meine Meinung dazu:

Gespalten. Trendlinien können bei eindeutiger Identifikation schon mal hilfreich sein. Problem: Die eindeutige Identifikation.

In der Praxis wirst du schnell merken:

Fast jeder Trader zeichnet seine Lieblingslinie in den Chart. So, wie sie für ihn am besten rüberkommt. Dann passt er sie meist ständig an unwichtige Extrempunkte an und die Linie verläuft immer anders.

Der Nutzen daraus? Kaum vorhanden, außer für reine Zwecke der Chartanalyse.

Wieso?

Weil du als Trader Chartmarken ausfindig machst, die sonst kaum einer wichtig findet.

Unterstützungs- und Widerstandslinien

Bei diesen Linien handelt es sich um horizontale Malkunst. Trendlinien laufen dagegen diagonal.

Du verbindest also lokale Tief- oder Hochpunkte, welche sich auf fast identischem Preisniveau befinden.

Meine Meinung dazu:

Joah, schon besser.

Wieso?

Weil diese Chartlevel eindeutiger festgenagelt werden können und sich somit mehr Marktteilnehmer auf die gleichen Zonen konzentrieren, um ihre Entscheidungen zu treffen.

Vorteil:

An diesen Punkten im Chartverlauf liegen meistens vermehrt Stoporders im Markt.

Dies kannst du nutzen.

Entweder, indem du darauf hoffst, das der Kurs von wichtigen Marktspielern über oder unter diesen Levels gehalten wird. Oder, für schnelle Gewinne in die Richtung der ausgelösten Stoporders, wenn die Kurse das Niveau brechen.

Chartmuster

An diesem Punkt wird’s kontrovers.

Fakt ist nämlich:

Jeder Finanzmarkt bildet wirklich immer ähnliche Chartformationen aus. Aber! Ich betone das Adjektiv ähnlich. Es bedeutet nicht gleich.

Daraus speist sich der größte Nachteil von Chartmustern: Es ist – wie so oft – die Subjektivität des Betrachters.

Es gibt einige wenige, relativ eindeutige Kursgebilde.

Meistens werden diese Muster im Chart jedoch so weit hergeholt, dass der Betrachter nicht genau weiss, wie er eine Situation am Chart zu interpretieren hat.

Die noch am klarsten zu interpretierenden Formationen sind:

Doppelboden traden ist Teil der technischen Chartanlyse - mit Einstiegssignal

Ein Doppelboden mit Long-Einstieg

 

Bild: Dieser Chart zeigt einen klassischen Doppelboden (zwei Kreise). Wenn ich diese Chartformation trade, erhoffe ich mir keine erhöhte Trefferquote. Ich nutze Doppelböden oder Tops, um mit einem kleinen sinnvollen anfänglichen Stop Loss (unterhalb des lokalen Kurstiefs beim Boden) in den Markt zu kommen und so ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis herzustellen. Idealerweise trade ich dabei mit übergeordneten Trends. Dadurch erhöht sich das CRV weiter, solange der Trend nicht weit fortgeschritten ist. Den Trendfortschritt gut einschätzen zu können, ist eine wertvolle Fähigkeit als Trader.

Meine Meinung zu Chartmustern:

Ja, als diskretionärer Trader fließen sie hin und wieder in meine Entscheidungsfindung ein. Für Autotrader sind sie jedoch kaum produktiv verwertbar.

Elliott-Wellen

Nun steigert sich die Kontroversität in Bezug auf die Tauglichkeit der Technischen Analyse in atemberaubende Fallhöhen.

Die sogenannten Elliott Wellen sind eine direkte Weiterentwicklung der Dow Theorie.

Tut mir leid:

Aber wer sich diese Story ausgedacht hat, der muss ein echtes Marketinggenie gewesen sein, oder zu viel Zeit gehabt haben.

Trading mit Elliott Wellen kurz zusammengefasst

Du zählst und zählst und zählst, guckst doof aus deinem Floortrader Jacket und zählst weiter. Überarbeitest dann deine Zählungen von vorne und plötzlich stimmt irgendwie nichts mehr.

Was machst du dann?

Du fängst wieder an die Wellen auszuzählen. Bis du merkst, du hast dich wohl erneut verzählt.

Zum Glück findet das heutzutage nicht mehr auf ausgedruckten Papiercharts statt. Allein der Bedarf an Radiergummis… egal.

Wie auch immer:

Elliott Wellen sind die umständlichste, subjektivste und mit am schwierigsten zu erlernende Form der Technischen Analyse. Und kein Mensch kann dir sicher sagen, ob damit getroffene Prognosen langfristig auch nur 1% über dem Zufall liegen.

Meine Meinung dazu:

Mehr Arbeit für fragwürdigen und unsicheren Gegenwert, kannst du dir als Trader kaum machen. Und für schnellen Intradayhandel sind sie für mein Empfinden eher ein Ärgernis.

Charttypen

Eine weitere Möglichkeit der Technischen Analyse ergibt sich aus den verschiedenen Darstellungen der Preisbewegungen im Chart.

Vom einfachen Linienchart, über Renko– bis hin zu Kerzencharts spannt sich das Analyseuniversum des Traders.

Die wohl am meisten verwendete Variante sind Kerzencharts.

Viele behaupten: Aus diesen kannst du als Trader am einfachsten tolle Muster ableiten.

Hier muss ich einwerfen:

Diese Behauptung ist zwar nicht ganz falsch, doch Kerzencharts liefern tatsächlich mehr als das.

Candlesticks vermitteln uns Tradern wohl die meisten Informationen über das tatsächliche Kursgeschehen an der Börse, in einer kompakten und schnell erschließbaren Essenz.

Selbst benutze ich auch diese nützliche Darreichungsform von Kursen.

Dennoch beachte ich nur ganz wenige Kerzenchartformationen, welche aus dem fernöstlichen Japan stammen.

Meine Meinung hierzu:

Kerzencharts bieten sich durchaus an. Für handfeste Kursprognosen taugen sie hingegen ebenfalls nicht viel.

Technische Indikatoren

Kommen wir zum populärsten technischen Chartanalyse Tool der Neuzeit. Es sind die sogenannten technischen Indikatoren.

Der Heilige Gral fast aller Tradinganfänger.

Warum sind sie überhaupt so beliebt?

Ich weiss es nicht wirklich. Bisher habe ich keine Umfrage dazu gemacht. Aber ich kann es mir halbwegs zusammenreimen.

  1. Indikatoren sind ideal zum Backtesten
  2. Sie sind technisch und zahlenlastig (viele Leute erhoffen sich dadurch mehr Vertrauen und Sicherheit in ihrem Trading)
  3. Und Indikatoren werden auf eine Weise vermarktet, die Börsenneulingen voll in die Karten spielt: Mit wenig Aufwand, eine hohe Treffsicherheit und damit Gewinne erzielen.

Was willst du mehr?

Grundlegend gibt es zwei Kategorien bei technischen Indikatoren:

  • Oszillatoren
  • Trendfolger

Oszillatoren werden in Seitwärtsmärkten beachtet, um Wendepunkte im Kurs anhand von überverkauften oder überkauften Werten zu signallisieren.

Trendfolger sollen dagegen vorherrschende Kurstrends bestätigen, oder neue Trends definieren.

Fakt bei diesem Hokuspokusspiel ist:

Fast alle diese Indikatoren sind vom reinen Kurschart abgeleitet und werden aufgrund von Daten der Vergangenheit berechnet.

Diese vermeintlichen Wunderkinder der technischen Analyse, liefern dir mitnichten zusätzliche Informationen über den Zustand des Marktes.

Technische Indikatoren sind schick aufbereitete Zusammenrechnungen des Preisverlaufs.

Meine Meinung über dieses technische Analysetool

Die Vorhersagekraft einzelner Indikatoren ist gleich Null! Es wird lediglich eine Sicherheit beim Trader vorgegaukelt, die so nicht existiert.

Damit sind sie für mich schlicht und einfach überflüssig in Bezug auf Tradingerfolg.

Und mal ehrlich: Brauchst du wirklich einen berechneten Indikator, um den Trend richtig einschätzen zu können?

Totaler Blödsinn.

Wenn du mit Indikatoren zur Entscheidungsfindung arbeiten möchtest, solltest du tatsächlich relevante verwenden. Sie müssen unabhängig voneinander berechnet werden und bitte vertraue nicht nur auf einen einzigen davon.

Solche Indis können sein:

  • Gleitende Durchschnitte
  • Average True Range (ATR)
  • Volumen
  • Trin oder Tick
  • Relative Stärke eines Wertes (aber direkt aus dem Kursverlauf herausgelesen)
  • Diverse Fundamentaldaten
  • Möglicherweise Sentiment Indikatoren

Technischen Analyse – Eine kleine Abrechnung (äh Resümee)

Ein Großteil der Technischen Analyse Methoden sind wertlos, wenn du sie nur für sich betrachtest, daraus Kursprognosen ableitest und dein Trading auf das Eintreffen dieser Kursverhersagen ausrichtest.

Doch genau diese Prognosepower wird den Technischen Analyse Tools nachgesagt. Und sie ist der Grund, weshalb sich die meisten Trader auf sie stürzen.

Und wieso das?

Wir Menschen hassen Unsicherheit über zukünftige Ereignisse.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Definition von Prognose.

Für mich ist eine echte Kursprognose:

Wenn in mehr als 50% der Fälle eine Mindestkursbewegung in eine anvisierte Richtung vorausgesagt werden kann, ohne das vorher der Stop Loss ausgelöst wird.

Der Stop darf nach dem Eröffnen eines Trades nicht verändert werden und nicht größer sein, als das Kursziel.

Und jetzt?

Werde ich dir die Augen öffnen.

Das Coin Flip Experiment

Du fragst dich in diesem Moment sicherlich: Wieso lehnt der sich soweit aus dem Fenster?

Aufgepasst, Trader! Hier möchte sich keiner wichtig machen.

Ich habe – neben der fragwürdigen Tauglichkeit der Technischen Analyse zu Prognosezwecken – tatsächlich einen noch wichtigeren Grund mich weit über die Brüstung meines Traderfensters zu hängen. Und ich möchte, dass du davon erfährst.

Vor einiger Zeit habe ich ein bisher einmaliges Langzeit-Live-Experiment gestartet.

Die zu entkräftende These lautete:

Die Richtung eines Trades ist derart unwichtig, dass auch ein Münzwurf für die Festlegung auf long oder short ausreicht um signifikante Gewinne einzufahren.

Und für was brauchst du Kursprognosen, sollte die These tatsächlich standhalten?

Du kannst dir wahrscheinlich denken was kommt…

Das Unglaubliche wird zur Gewissheit (ein irres Ergebnis)

Diese These konnte ich tatsächlich nicht entkräften.

Nach einem Jahr Laufzeit, und genau 250 Trades, standen rund +81% Rendite zu Buche. Dabei hatte ich bei keinem einzigen Trade Einfluss auf dessen Richtung!

In meinem Trading Blog findest du den Track Record dazu.

Das Ergebnis ist nicht wissenschaftlich fundiert, aber eine echte Ansage.

Was sagst du jetzt?

Wäre es für deinen Tradingerfolg wirklich so wichtig, die Kurse vor dem Markteinstieg richtig vorhersagen zu können, dürfte so etwas nicht möglich sein.

Ich hoffe, du stimmst mir hier zu?

Wieso solltest du als Trader dann deine Energie dafür verschwenden, nach Setups der Technischen Analyse mit echtem Prognosevorteil zu suchen? Es sind für mich falsch eingesetzte Ressourcen.

Wie du die Technische Analyse dennoch produktiv einsetzen kannst, erfährst du im nächsten Absatz.

Bei technischen Chartanalysen Tools geht es meist um korrekte Kursprognosen

Kursprognose – Risikosteuerung – Entry – Profitfaktor

Bild:

Der Markteinstieg wirkt sich sowohl durch die Trefferquote, aber auch durch seine Funktion zur Beeinflussung der jeweiligen Stop Loss Größe eines Trades auf den Profitfaktor des Tradingansatzes aus. Je nach dem, wie aggressiv eine Tradingidee gespielt wird, erhöht oder verkleinert sich der anfängliche Stop Loss und das CRV verändert sich (vorausgesetzt der Stop Loss wird nicht willkürlich gesetzt).

Die Stoßwellen des Experiments (und ihr Effekt auf mein Trading)

Der Ausgang des Experiments hat meine grundlegende Sichtweise als privater Trader umgekrempelt.

Früher war meine Überzeugung:

Ich muss unbedingt Tradingsetups mit einer hohen Trefferquote finden.

Heute weiss ich:

Top Renditen gibt es nur, wenn ich bei gut laufenden Trades viel Gewinne und schlecht laufende Trades extrem günstig halten kann.

Außerdem glaube ich mittlerweile:

Du musst nicht viel mehr beherrschen als die Basis-Bewegungsmuster im Preischart, die auch Charles Dow vor hundert Jahren schon beschrieben hat. Die reine Price Action der Kurse reicht aus.

Die Markttechnik hat diese verfeinert und lehrt sie heute in einem durchaus sehr praxisorientierten Zusammenhang.

Auch ein Orderbuch musst du nicht interpretieren können, wenn du nicht Market Making betreiben willst.

Das ist mein Statement! Und ich wette gerne gegen jeden, der etwas anderes behauptet.

Setze die Technische Analyse weise ein

Wenn du mit der Technischen Analyse arbeiten möchtest, solltest du einige, gut ausgesuchte Tools gezielt mit anderen – untereinander unabhängigen Entscheidungskriterien – kombinieren und unbedingt in Zusammenhang mit dem übergeordneten Preisverlauf (Trend, Trendfortschritt, Korrektur, Rangemarkt) bringen.

Achte darauf, dass möglichst viele Marktteilnehmer zu ähnlichen Interpretationen kommen und sich zumindest eine Art ‚Selbsterfüllende Prophezeiung’ einstellen könnte.

Und: Nutze vornehmlich solche Tools der technischen Analyse, die dir dabei helfen können wichtige Stopmarken im Chart herauszufiltern.

Damit kannst du dein CRV sehr gut steuern und nur Trades mit möglichst kleinem ISL (Anfängliches Stop Loss) eingehen.

Wie konnte das Münzwurf-Setup so gut performen?

Dies ist eine sehr sehr gute Frage.

Wie du gesehen hast: Nicht durch gute Kursprognosen vor dem Markteinstieg.

Eine Antwort könnte lauten:

Durch cleveres Risikomanagement auf allen Ebenen (Entry, Exit, Positionsgröße s. Traders‘ Artikel Ausgabe Nr.5 2016 S.66)

Kein Prognosevorteil =  Kein Vorteil (als Trader)

Falsch!

Durch einen zeitlich wohl überlegten Einstiegszeitpunkt (nicht Richtung), eine durchdachte und strikt eingehaltene Risikobegrenzung sowie ein flexibles Trademanagement, konnte sehr wohl ein Vorteil herausgearbeitet werden.

Alle Trades wurden kurz nach Markteröffnung eingegangen. Hier ist das CRV beständig sehr gut, da die Hauptbewegung des Handelstages noch bevorsteht. Ein gutes CRV senkt dein Risiko beim Traden langfristig, da es die durchschnittlichen Gewinne erhöht.

Das Trademanagement war darauf ausgerichtet sofort Risiko von der Position zu nehmen, sobald sich die Kurse nicht so bewegten wie erwartet werden konnte. Dadurch schaffte ich es, die durchschnittlichen Verluste auf circa 0,7 R zu drücken.

Alle Aktionen basierten auf neuen, ganz simplen Informationen des Kurscharts nach dem Einstieg (z.B. gebrochene wichtige horizontale Preiszonen, Schlusskurse von Kerzen wichtiger Zeitrahmen, Kursbeschleunigung, Zeitkomponente ect.).

Es geht dabei um ein beständig neues Erahnen von Wahrscheinlichkeitsverschiebungen. Mit einer echten, festgenagelten Kursprognose hat das nichts zu tun.

Das Fusionskraftwerk für Gewinne beim Traden

Das Powerhouse für deinen langfristigen Erfolg beim Traden stellt das Verhältnis zwischen Gewinnen und Verlusten dar.

Bei allen gesunden Trading Strategien die Richtungswetten (Spekulation auf eine Preisbewegung in eine bestimmte Richtung) umsetzen, ist mir immer eine Sache aufgefallen:

Die durchschnittlichen Gewinne überstiegen die durchschnittlichen Verluste.

Bei meinem CoinFlip Experiment waren sie genau 1,97 mal so hoch.

Gewinne groß – Verluste klein = Dauerhafte Profite

Sei dir über Folgendes im Klaren:

Spielst du ein ‚Entweder- oder Szenario‘ (Anfängliches Stop Loss oder Take Profit wird ausgelöst) mit einem CRV von 1:1, benötigst du einen echten Prognosevorteil mit deinem Entry, um profitabel zu sein.

Spekulierst du auf ein 3:1 CRV brauchst du einen umso größeren Prognosevorteil und keinen kleineren. Deshalb sind Trades mit weiteren Zielzonen nicht zwangsläufig die bessere Wahl und ein aktiv betriebenes Trademanagment kann Vorteile bringen.

Du musst, im Rahmen der Möglichkeiten, für jeden Trade dennoch immer maximal viel Gewinn herausholen und die Verluste so niedrig wie irgend möglich machen.

Auf dieses Ziel sollte deine komplette Trading Strategie zugeschnitten sein.

Die Gewinnhäufigkeit wird total überschätzt

Die Trefferquote – populär definiert – spielt für den Erfolg deines Tradings dagegen so gut wie keine Rolle. Du kannst sie fast ignorieren!

Wieso?

Sie ist in der allgemein gültigen Version, durch den Exit aus einem Trade, leicht manipulierbar und verliert ihre Aussagekraft bezüglich der Qualität eines Einstiegssetups.

Sehr viele profitable Trading Strategien produzieren hier langfristig einen Wert um die 50 Prozent (ich betone langfristig: kurzfristig kann es durchaus zu Serien von Verlusten und Gewinnen kommen).

Ich schließe nicht aus, dass sehr erfahrene diskretionäre Trader den Kursverlauf tatsächlich besser als Zufall vorhersagen können.

Doch glaube mir:

Kein einziger davon wird es nur mit Hilfe eines technischen Analysetools biegen.

Du brauchst als Trader das Feeling für das Big Picture (grundlegende Sentiment, übergeordnete Marktphase). Nur so kannst du wissen, wann du mit welchen Strategien arbeiten musst. Und dieses Big Picture des Marktes vermittelt dir die Technische Analyse nun mal nicht klar und deutlich.

Das 2,6,2 Muster

Schaust du genauer hin, fällt dir meistens ein besonderes Muster bei der Gewinn- und Verlustverteilung von robusten Retail-Trading Strategien auf.

Von zehn Trades landen zwei bis drei im ISL (Initial Stop Loss). Vier bis sechs liefern kleinere Verluste oder Gewinne und wiederum zwei bis drei Trades pushen dein Konto mit dicken Gewinnen.

Die ‚Solala Trades‘ matchen sich gegenseitig zu einer schwarzen Null. Dein Erfolg als Trader wird demnach entscheidend davon abhängen, um wieviel höher du die restlichen dicken Gewinntrades im Gegensatz zu den ISL Verlusten pushen kannst.

Um hierbei zu punkten gibt es Exitstrategien, wie der Scaleout im Verlust, das Pyramidisieren im Gewinnfall und natürlich clever nachgezogene Trailingstops.

Ich würde behaupten: 80 Prozent trägt der Exit zum Erwartungswert einer Trading Strategie bei. Die restlichen 20 Prozent liefert ein gut überlegter Einstieg in eine Position.

Die absolute Rendite wird hingegen erheblich durch die Anzahl guter Tradingchancen aber auch das Risiko pro Trade (Positionsgröße) beeinflusst.

Ob oder welches Technische Analyse Tool du für dein Trading verwendest, ist zweitrangig.

Was du aus dem Experiment mitnehmen solltest (Takeaways)

  • Die Traderichtung ist irrelevant für deine Profitabilität.
  • Betreibe aktives Trademanagement und stimme so dein jeweiliges Traderisiko mit neuen Informationen aus dem Preisverlauf ab (über die Positionsgröße respektive Exit).
  • Setze nur Tradingideen um, bei denen du einen möglichst kleinen, aber sinnvollen anfänglichen Stop Loss bestimmen kannst (der wahre Vorteil eines guten Entry).
  • Warte nicht auf zuviel Bestätigung des Kursverhaltens, wenn du eine Position eröffnest. In vielen Situationen verschlechtert sich das CRV dadurch deutlich. Die Prognoseleistung für einen Trade erfährt dagegen kaum Verbesserung.

Schlussglocke

Mit diesem Artikel möchte ich helfen, dir eine neue Denkweise auf das Traden zu ermöglichen. Und zwar weg vom perfekten Einstieg, um gute Kursprognosen zu erhalten – hin zum perfekten Einstieg, um frühzeitig und mit kleinem Stop in den Markt zu kommen. Sei vorsichtig, wenn dir jemand vermitteln möchte, dass du Kurse exakt vorhersagen musst, um als Trader erfolgreich zu sein. Mein Experiment legt eindrucksvoll das Gegenteil nahe. Dauerhafte Gewinne entstehen durch gute Skills im Risikomanagement.

Cheers,

Ingmar Folk

Jetzt bist du dran!

Welche gerade gezeigten technischen Analyse-Tools benutzt du beim Traden: Chartmuster, Indikatoren oder Widerstandslinien? Ab damit ins Kommentarfeld!

Über den Autor:

Meinen Trading Blog findest du hier

Ingmar Folk Trader und Blogger

Mein Name ist Ingmar Folk. Ich beschäftige mich seit fast 15 Jahren mit dem aktiven Futures Day Trading. Mittlerweile trade ich auch CFDs auf dem Dailychart. Dank eines ungewöhnlichen Langzeit-Experiments zum Traden mit einem Zufallseinstieg-Setup, konnte ich einige populäre Mythen aus dem Bereich Börse aus den Angeln heben. Das macht mir Spaß und dieses Wissen möchte ich gerne mit anderen interessierten Tradern teilen.

 

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Ungureanu - 08/05/2018

Danke, dem stimme ich voll zu. Ich sagte schon immer: der Markt richtet sich nicht nach der technischen Analye.

Antworten
    Ingmar Folk - 10/05/2018

    Hi,
    gerne und danke für dein Feedback!

    Wundert mich nicht, dass du zustimmst. Ich habe einige (testbare) vermeintliche und bekannte ‚Killersetups‘ für den Markteinstieg/Kurszielprognose unter die Lupe genommen. Keines davon konnte echte Signifikanz aufweisen.

    Immer, wenn es es 1:1 nach Lehrbuch durchgehandelt wurde, bin ich unter dem Strich mindestens auf meinen Kosten sitzen geblieben. Natürlich alles nicht wissenschaftlich stichfest, aber die Tendenz hat mir gereicht.

    Darf ich fragen, ob du aktiv tradest oder hast du es deshalb aufgegeben bzw wegen dieser Überzeugung niemals angefangen?

    Beste Grüße
    Ingmar

    Antworten

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