Eine Handelssoftware für $495 klingt nach einer einmaligen Ausgabe. Beim Trade Navigator ist sie der kleinere Teil der Rechnung. Ohne ein Marktdaten-Abo läuft das Programm nicht, und dieses Abo zahlst du jeden Monat weiter. Der Hersteller schreibt das offen auf seine Vergleichsseite. In den meisten Testberichten steht es nicht.
Für diese Überarbeitung habe ich jede Zahl an der Quelle geprüft statt die Werbetexte zu übernehmen. Dabei ist mir aufgefallen, dass unser eigener Artikel die Dauer der Testphase falsch angegeben und die kostenlose Einstiegsversion gar nicht erwähnt hatte. Beides steht weiter unten richtig. Außerdem zeige ich, was der Zustand der Herstellerseite über die Pflege der Plattform verrät. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
- Was es ist: Eine Windows-Software für Chartanalyse, Backtesting und automatisierten Handel, entwickelt von Genesis Financial Technologies in den USA.
- Was die Lizenz kostet: Die Standard-Version ist kostenlos, Gold kostet einmalig $495, Platinum $1.495.
- Was zusätzlich anfällt: Die Software braucht zwingend ein Marktdaten-Abo. Es beginnt bei $58 im Monat und reicht bis $138 im Monat zuzüglich Börsengebühren.
- Testphase: 15 Tage, dazu eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie. Unsere frühere Angabe „30 Tage kostenlose Testversion” war falsch und ist korrigiert.
- Nur Windows: Windows 8 bis 11 in 64 Bit, ausdrücklich kein ARM und damit kein Mac mit Apple-Silicon-Chip.
- Wer damit arbeitet: Der Hersteller führt unter anderem John Bollinger, Bob Prechter, Peter Brandt und den vierfachen Trading-Weltmeister Andrea Unger als Referenzen.
- Broker: 19 namentlich genannte Broker plus die CQG-Bridge, darunter Interactive Brokers, AMP Futures und Optimus Futures.
- Der Haken: Der Hersteller veröffentlicht keine Versionsnummer und keinen Changelog. Von außen ist nicht erkennbar, wie oft die Software Updates bekommt.
Der Preis besteht aus zwei Teilen, und der zweite ist auf Dauer der größere. Die Lizenz zahlst du einmal, das Marktdaten-Abo läuft monatlich. Auf seiner Vergleichsseite schreibt der Anbieter wörtlich, die Software benötige ein Marktdaten-Abonnement, um zu funktionieren. Wer nur den Lizenzpreis rechnet, unterschätzt die Kosten um ein Vielfaches.
Die Lizenz: drei Versionen, eine davon kostenlos
Die Einstiegsversion kostet nichts, und diese Information fehlte in unserem Artikel bisher vollständig. Sie heißt Standard und ist in der Preistabelle des Herstellers mit „FREE” ausgewiesen. Der Unterschied zu den bezahlten Versionen liegt vor allem in der Tiefe der historischen Daten.
| Version | Lizenzpreis | Kurshistorie | Tick-Daten | Broker |
|---|---|---|---|---|
| Standard | kostenlos | 5 Jahre | 1 Monat | 1 |
| Gold | $495 einmalig | über 100 Jahre | 1 Jahr | 2 |
| Platinum | $1.495 einmalig | über 100 Jahre | über 10 Jahre | unbegrenzt |

Die Tagesdaten reichen schon bei Gold über hundert Jahre zurück. Der Unterschied zu Platinum liegt woanders: bei der Tiefe der Tick-Daten und beim Algo-Trading. Nur Platinum enthält die Entwicklung automatisierter Strategien, das Backtesting und die Optimierung. Wer Strategien bauen und testen will, kommt an dieser Stufe nicht vorbei.
Die kostenlose Version ist stärker, als ihr Preis vermuten lässt. Sie liefert fünf Jahre Tagesdaten, einen Monat Tick-Daten und die Anbindung an einen Broker. Für Chartarbeit auf Tagesbasis ist das eine vollwertige Ausstattung. Was fehlt, sind die erweiterten Zeichenwerkzeuge, die Alarme auf Indikatoren und alles rund um Strategien.
Das Marktdaten-Abo: hier liegt der eigentliche Preis
Ohne Daten ist die Software ein leeres Fenster. Der Anbieter trennt zwischen Tagesschlusskursen und Echtzeitdaten. Bei den Echtzeitpaketen kommen die Börsengebühren obendrauf, die der Anbieter nicht beziffert, weil jede Börse sie selbst festlegt.
| Datenpaket | pro Monat | pro Jahr |
|---|---|---|
| Tagesschlusskurse „The Basics” | $58 | $626 |
| Tagesschlusskurse, alle Märkte | $93 | $1.004 |
| Echtzeit Forex | $58 | $626 zzgl. Börsengebühren |
| Echtzeit Aktien oder Futures | $104 | $1.123 zzgl. Börsengebühren |
| Echtzeit alles zusammen | $138 | $1.490 zzgl. Börsengebühren |
Bei Echtzeitkursen kommt eine dritte Position hinzu, und die wird oft übersehen. Jede Börse verlangt eine eigene Gebühr. Der Anbieter listet sie offen auf und unterscheidet dabei zwischen privaten und professionellen Tradern. Für Privatanleger sind die Beträge klein, für Profis vervielfachen sie sich.
| Börse | Privatanleger | Professionell |
|---|---|---|
| US-Aktien (NYSE, AMEX, Nasdaq) | $6 im Monat | $128 im Monat |
| Futures CME, CBOT, COMEX, NYMEX | $7 im Monat für alle vier | $119 je Börse |
| S&P-Indizes | $12 im Monat | $12 im Monat |
| Nasdaq-Indizes | $11 im Monat | $11 im Monat |
| CBOE-Indizes, darunter der VIX | $11 im Monat | $11 im Monat |

Für private Futures-Händler ist das die günstigste Stelle der ganzen Rechnung. Sieben Dollar im Monat für alle vier CME-Börsen zusammen ist ein sehr guter Wert. Professionelle Trader zahlen dieselben Börsen einzeln mit je $119, bei allen vier also $476 im Monat. Wer gewerblich handelt, sollte diese Zahl vor dem Kauf gegen andere Anbieter halten.
Was das im ersten Jahr wirklich bedeutet
Erst die Summe aus beidem ergibt den Preis. Ich habe die drei realistischen Kombinationen durchgerechnet, jeweils mit Jahreszahlung bei den Daten. Die Börsengebühren für Echtzeitkurse sind darin noch nicht enthalten.
| Einsatzzweck | Lizenz | Daten und Gebühren | Erstes Jahr |
|---|---|---|---|
| Charts auf Tagesbasis ansehen | Standard, $0 | $626 | $626 |
| Futures in Echtzeit beobachten | Standard, $0 | $1.123 plus $84 Börse | $1.207 |
| Chartanalyse mit voller Historie | Gold, $495 | $626 | $1.121 |
| Strategien entwickeln und automatisieren | Platinum, $1.495 | $1.490 plus $84 Börse | $3.069 |
Ab dem zweiten Jahr fällt die Lizenz weg, das Datenabo bleibt. Wer die Software dauerhaft nutzt, zahlt also $626 bis $1.490 pro Jahr, unabhängig davon, welche Lizenz er gekauft hat. Das ist der Punkt, an dem sich der Vergleich mit Abo-Plattformen entscheidet, und nicht der Lizenzpreis.
Testphase und Geld-zurück-Garantie
Hier stand in unserem Artikel bisher eine falsche Zahl. Wir nannten eine 30-tägige kostenlose Testversion. Der Hersteller bietet auf seiner Startseite eine Testphase von 15 Tagen an. Die 30 Tage gibt es auch, sie stehen aber für etwas anderes: eine Geld-zurück-Garantie auf gekaufte Lizenzen. Wer sich auf 30 Tage Ausprobieren verlässt, steht nach der Hälfte der Zeit vor einer Kaufentscheidung.
Chartanalyse mit über 100 Indikatoren und Studies
Der Funktionsumfang bei der Analyse ist die Stärke der Software. Der Hersteller nennt über 100 eingebaute technische Indikatoren, darunter MACD, Stochastik und Momentum-Oszillator, und dazu sogenannte Studies. Das sind vorkonfigurierte Auswertungen und Handelsansätze bekannter Trader, die du nicht selbst nachbauen musst.
Dazu kommt ein Scanner über den gesamten Datenbestand. Der Hersteller nennt über 50.000 Symbole, die sich nach eigenen Kriterien durchsuchen lassen. Aus einem Treffer wird auf Wunsch ein Alarm, sodass du nicht dauerhaft vor dem Bildschirm sitzen musst.
Zwei Auswertungen fallen aus dem üblichen Rahmen. Der Anbieter liefert eine eigene Commitment-of-Traders-Analyse und eine Sentiment-Auswertung als Bestandteil der Datenpakete. Beides sind Werkzeuge aus der Terminmarktanalyse, die viele Chartprogramme gar nicht führen.
TradeSense: eigene Strategien ohne Programmierer
Die hauseigene Programmiersprache ist das Kernargument der Plattform. Sie heißt TradeSense und richtet sich an Trader, die eine Idee prüfen wollen, ohne dafür entwickeln zu lernen. Du beschreibst Ein- und Ausstiegsregeln, die Software testet sie gegen die Historie.
Denselben Ansatz verfolgen andere Plattformen ebenfalls. Bei TradeStation heißt die Sprache EasyLanguage und ist dort um Walk-Forward-Tests ergänzt. Wer sich einmal für eine dieser Sprachen entschieden hat, bleibt in der Regel dabei, weil sich Strategien zwischen den Systemen nicht übertragen lassen.
Aus dem Backtest wird auf Wunsch ein automatischer Handel. Die Software kann Gewinnziele und Stopps als verknüpfte Order setzen: Wird eine Seite ausgelöst, verfällt die andere. Diese Funktion bleibt allerdings der Platinum-Version vorbehalten. Wie du eine Idee überhaupt zu einem prüfbaren Regelwerk machst, habe ich im Beitrag zum Entwickeln einer Tradingstrategie beschrieben.
Systemvoraussetzungen: Windows ist Pflicht
Für einen Teil der Leser entscheidet sich hier alles. Der Trade Navigator läuft ausschließlich unter Windows 8, 8.1, 10 oder 11 in der 64-Bit-Fassung. Der Hersteller schließt ARM-Prozessoren ausdrücklich aus. Damit fällt jeder Mac mit Apple-Silicon-Chip heraus, und auch Windows-Notebooks mit ARM-Chip funktionieren nicht.
Die Anforderungen steigen mit dem Einsatzzweck deutlich an. Für Tagesschlusskurse genügt ein einfacher Rechner. Wer Echtzeitdaten streamt, braucht mehr, und für das Algo-Trading mit Platinum verlangt der Hersteller einen Arbeitsspeicher, den viele Bürorechner nicht haben.
| Anforderung | Tagesschlusskurse | Echtzeitdaten | Algo-Trading (Platinum) |
|---|---|---|---|
| Prozessor | 2,0 GHz Dual-Core | 2,5 GHz Quad-Core | 3,5 GHz Quad-Core |
| Arbeitsspeicher | 4 GB | 8 GB | 16 GB |
| Festplatte | 250 GB | 250 GB | 500 GB |
| Grafik | 256 MB DirectX 9.0c | 1 GB DirectX 9.0c | 2 GB DirectX 11 |
Es gibt einen Ausweg, und der kostet extra. Der Anbieter vermietet virtuelle Server, auf denen die Software läuft. Das ist der übliche Weg für automatisierte Strategien, die auch dann handeln sollen, wenn der eigene Rechner aus ist. Für Mac-Nutzer ist es zugleich die einzige Möglichkeit, den Trade Navigator ohne eigenen Windows-Rechner zu betreiben.
Welche Trader mit dem Trade Navigator arbeiten
An dieser Stelle stand in unserem Artikel jahrelang ein Satz, der so nicht haltbar war. Er nannte Perry Kaufman, Larry Williams und Steve Nison als Nutzer der Software. Auf der Referenzenseite des Herstellers steht keiner dieser drei Namen, und einen anderen Beleg dafür habe ich nicht gefunden. Der Satz ist deshalb ersetzt.
Die tatsächliche Liste ist prominenter als die alte. Der Hersteller führt John Bollinger, den Erfinder der nach ihm benannten Bänder, und Bob Prechter von Elliott Wave International. Dazu kommen Peter Brandt, Joe Ross und Robert Miner. Das sind allesamt Namen, die in der Terminmarktanalyse Gewicht haben.
Zwei Referenzen sind für den deutschsprachigen Raum interessant. Jens Rabe und Markus Heitkoetter stehen ebenfalls auf der Liste. Der vierfache Trading-Weltmeister Andrea Unger schreibt dort, er habe die Platinum-Version unmittelbar nach der ersten Demo gekauft.
Diese Angaben sind Werbetexte des Anbieters und keine unabhängigen Belege. Sie sagen aus, dass die genannten Personen die Software zu irgendeinem Zeitpunkt genutzt und dem Abdruck zugestimmt haben. Sie sagen nichts darüber, ob das heute noch gilt, denn ein Datum trägt keines der Zitate. Wie sehr sich Werkzeuge und Personen im Trading verändern, zeigt unser Porträt zu Larry Williams.
Der Hersteller widerspricht sich dabei selbst. Auf der Referenzenseite heißt es, der Trade Navigator sei „seit 15 Jahren” die Wahl von Profis und Weltmeistern. In der Google-Vorschau derselben Website steht an gleicher Stelle „seit 4 Jahren“. Beide Fassungen stehen gleichzeitig online.
Eine Fülle an Libraries und Plugins für Analysen und Strategien
Fertige Programmbibliotheken ersparen dir den Nachbau bekannter Ansätze. Sie enthalten unter anderem Strategien zu Volatilitätsausbrüchen, Fibonacci-Korrekturen, Ichimoku-Signalen und Candlestick-Mustern.
Dazu kommen die Handelskonzepte bekannter Trader als fertige Module. Verfügbar sind unter anderem die Ansätze von Alexander Elder, Nicolas Darvas, Jesse Livermore, das Street-Smarts-Konzept und die Regeln der Turtle Trader.
Andere Plattformen lösen dasselbe über kostenpflichtige Zusatzmodule. Beim AgenaTrader im Test gibt es rund zwei Dutzend Add-ons, die überwiegend im Monatsabo laufen statt als Einmalkauf. Beim Trade Navigator gehört ein Teil der Bibliotheken zum Lieferumfang, ein anderer wird separat verkauft.
Broker-Anbindung: mit wem die Software zusammenarbeitet
Für den automatisierten Handel muss die Software an einen Broker angebunden sein. Der Hersteller nennt 19 Broker namentlich und stellt Interactive Brokers an die erste Stelle, begründet mit der Ausführungsgeschwindigkeit. Die Angabe aus unserem alten Artikel hat sich damit bestätigt.
Der Rest der Liste ist stark auf den Terminmarkt ausgerichtet. Dazu gehören Optimus Futures, AMP Futures, Cannon Trading, RJO Futures, Phillip Capital und Striker Securities. Ein deutscher Broker steht nicht darauf, was für den Handel über ein hiesiges Depot ein Ausschlusskriterium sein kann.
Zusätzlich gibt es den Weg über eine Bridge. Die Software unterstützt CQG, das nach Angaben des Herstellers von über 75 Clearing-Häusern und allen großen Börsen genutzt wird. Wer seinen Broker nicht in der Liste findet, sollte dort nachfragen, welche Bridge er anbietet. Welche Rolle solche Infrastrukturanbieter spielen, zeigt unser Beitrag zum Datenfeed Rithmic.
Bei einer Software in dieser Preisklasse ist das die wichtigste Frage, und sie lässt sich von außen nur eingeschränkt beantworten. Ich habe die Website des Herstellers auf jeden Kanal abgesucht, über den ein Softwareanbieter normalerweise über Neuerungen informiert. Das Ergebnis ist mager.
Es gibt keine Versionsnummer, keinen Changelog und keine Release Notes. Weder die Navigation noch die Support-Bereiche führen eine Seite, auf der stünde, welche Programmfassung aktuell ist oder was sich zuletzt geändert hat. Bei den meisten Konkurrenten ist genau das öffentlich einsehbar. Wer wissen will, wann die Software das letzte Mal ein Update bekam, findet es auf der Herstellerseite nicht.
Zwei Signale sprechen dennoch klar für einen laufenden Betrieb. Die Systemvoraussetzungen nennen Windows 11, das erst im Oktober 2021 erschien. Die Seite wurde also danach überarbeitet. Und die angebundenen Broker führen die Plattform aktiv: AMP Futures, Cannon Trading und Optimus Futures bewerben sie auf gepflegten Produktseiten, Optimus betreibt sogar einen eigenen Forenbereich dazu.
Im Quelltext der Startseite liegen allerdings zwei Altlasten. Dort steckt ein Hinweisfenster mit dem Text, das Büro bleibe am 20. Juni 2022 wegen des Juneteenth-Feiertags geschlossen, dazu ein Black-Friday-Banner. Beide sind abgeschaltet und werden dem Besucher nicht angezeigt. Über gespeicherte Fassungen im Internet-Archiv lässt sich zeigen, dass sie seit 2022 unverändert dort liegen.
Das ist kein Beweis für Stillstand, aber es ist ein Hinweis auf die Sorgfalt. Die Jahreszahl im Fußbereich zählt korrekt auf 1983 bis 2026 weiter, jemand fasst die Seite also an. Vier Jahre alte Bausteine im Quelltext bleiben trotzdem liegen, und eine öffentliche Versionsangabe existiert nicht.
Für die Kaufentscheidung heißt das zweierlei. Die Analysefunktionen und die Datenhistorie sind unabhängig davon so gut, wie sie sind. Aber du kannst vorher nicht prüfen, wie oft die Software Updates bekommt. Nutze deshalb die Testphase ernsthaft und frage den Support direkt nach der aktuellen Programmversion, bevor du eine Lizenz kaufst.
Die Software und der Support sind ausschließlich englisch. Es gibt keine deutsche Oberfläche, keine deutschen Handbücher und keinen deutschsprachigen Kundendienst. Wer mit englischen Fachbegriffen fremdelt, hat es bei der Einarbeitung schwer.
Eine deutschsprachige Anlaufstelle existiert trotzdem, sie stammt aber nicht vom Hersteller. Unter tradenavigator.ch betreibt ein langjähriger Anwender eine Seite mit Anleitungen zu Installation, Kursdaten, Charting und Programmierung, dazu ein Forum und eine Videosammlung.
Beim Alter dieser Sammlung ist allerdings Vorsicht geboten. Der Blog dieser Seite endet im Jahr 2015. Die Grundlagen zur Bedienung dürften weiter stimmen, alles zu Preisen, Datenpaketen und Systemanforderungen ist dort veraltet. Als Einstieg in die Programmierung mit TradeSense bleibt die Seite dennoch die beste deutschsprachige Quelle, die ich gefunden habe.
Die Stärken liegen in der Analyse, die Schwächen im Drumherum. Ich habe beide Seiten aus den geprüften Angaben zusammengestellt. Die Kostenstruktur taucht dabei auf beiden Seiten auf, weil sie je nach Nutzungsdauer unterschiedlich wirkt.
Die Entscheidung hängt weniger am Funktionsumfang als am Abrechnungsmodell. Der Trade Navigator verkauft eine einmalige Lizenz und ein laufendes Datenabo. Die meisten Wettbewerber rechnen alles im Monatsabo ab.
| Plattform | Modell | Wofür sie sich anbietet |
|---|---|---|
| Trade Navigator | Lizenz einmalig plus Datenabo | Backtests über sehr lange Zeiträume, Terminmarkt |
| TradeStation | Konto beim eigenen Broker | Wer Plattform und Broker aus einer Hand will |
| AgenaTrader | Lizenz plus Add-ons im Abo | Deutschsprachige Oberfläche und Support |
| TradingView | reines Monatsabo | Charts im Browser, ohne Windows-Bindung |
Für den deutschsprachigen Raum ist die Sprachfrage oft der Ausschlag. Wer Handbücher und Support auf Deutsch braucht, ist beim AgenaTrader besser aufgehoben. Wer plattformunabhängig arbeiten will, kommt an einer Browser-Lösung nicht vorbei. Einen breiteren Überblick gebe ich im Vergleich der besten Trading-Software.
Der Trade Navigator ist ein Werkzeug für Terminmarkthändler mit langem Zeithorizont. Seine Datenhistorie von über hundert Jahren und die Kombination aus Backtest und automatischem Handel sind ein ernsthaftes Argument, wenn du Strategien über mehrere Marktzyklen prüfen willst. In dieser Disziplin gehört die Software zu den stärksten Angeboten überhaupt.
Der Preis entscheidet sich nicht an der Lizenz, sondern an den Daten. Wer nur den Lizenzpreis vergleicht, rechnet falsch. Je nach Ausbaustufe bewegt sich das erste Jahr im mittleren dreistelligen bis knapp vierstelligen Dollarbereich, und ab dem zweiten Jahr läuft das Datenabo unverändert weiter. Die genauen Beträge stehen im Kosten-Abschnitt. Gegen ein Monatsabo gerechnet lohnt sich das Modell erst bei mehrjähriger Nutzung.
Für zwei Gruppen scheidet die Software praktisch aus. Das sind Mac-Nutzer mit Apple-Silicon-Chip, denen nur der Umweg über einen gemieteten Windows-Server bleibt, und alle, die deutschsprachige Unterstützung brauchen. Beides ist keine Kleinigkeit, sondern betrifft die tägliche Arbeit.
Meine Empfehlung lautet, klein anzufangen. Die Standard-Version kostet nichts, und mit dem kleinsten Datenpaket auf Tagesbasis siehst du für einen zweistelligen Monatsbetrag, ob dir die Bedienung liegt. Erst danach würde ich über eine Lizenz nachdenken. Die 15 Tage Testphase sind für eine Software dieses Umfangs zu kurz, um das seriös zu beurteilen.
Eine Sache würde ich vor dem Kauf klären. Der Hersteller nennt öffentlich keine Versionsnummer und führt keinen Changelog, deshalb lässt sich der Update-Stand von außen nicht beurteilen. Bei einer Anschaffung in dieser Größenordnung würde ich beim Support direkt nachfragen und mir die Antwort schriftlich geben lassen.
Häufige Fragen zum Trade Navigator
Die Lizenz kostet einmalig $495 für die Gold-Version und $1.495 für Platinum. Die Standard-Version ist kostenlos. Dazu kommt ein zwingend nötiges Marktdaten-Abo ab $58 im Monat, bei Echtzeitkursen bis $138 im Monat zuzüglich Börsengebühren. Im ersten Jahr liegst du damit zwischen $626 und rund $3.100. Stand: 6. September 2026.
Ja, die Standard-Version wird ohne Lizenzkosten abgegeben. Kostenlos nutzbar ist sie damit trotzdem nicht: Ohne Marktdaten-Abo startet die Software nicht, und das günstigste Paket kostet $58 im Monat.
Der Hersteller bietet eine Testphase von 15 Tagen an. Daneben gibt es eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie auf gekaufte Lizenzen. Beides wird häufig verwechselt, auch in unserem eigenen Artikel stand früher fälschlich eine 30-tägige Testversion.
Nein. Die Software setzt Windows 8 bis 11 in 64 Bit voraus und unterstützt ausdrücklich keine ARM-Prozessoren. Macs mit Apple-Silicon-Chip sind damit ausgeschlossen. Der einzige Weg führt über einen gemieteten Windows-Server, den der Anbieter selbst vermietet.
Nein. Oberfläche, Handbücher und Support sind ausschließlich englisch. Eine deutschsprachige Anlaufstelle betreibt ein Anwender privat unter tradenavigator.ch mit Anleitungen und einem Forum. Deren Blog endet allerdings 2015, Angaben zu Preisen und Systemanforderungen sind dort veraltet.
Der Hersteller nennt 19 Broker namentlich, darunter Interactive Brokers, AMP Futures, Optimus Futures, Cannon Trading und RJO Futures. Zusätzlich wird die CQG-Bridge unterstützt. Ein deutscher Broker steht nicht auf der Liste.
Entwickelt wird die Software von Genesis Financial Technologies. Glen Larson begann 1983 nebenberuflich mit dem Verkauf von Gann-Charts und machte das Geschäft im Dezember 1986 zum Hauptberuf. Daher kursieren beide Jahreszahlen. Im Fußbereich der Website steht heute eine Adresse in Heath, Texas.
Der Anbieter verkauft weiterhin Lizenzen, und Broker wie AMP Futures, Cannon Trading und Optimus Futures bewerben die Plattform auf aktuellen Seiten. Die Systemvoraussetzungen nennen Windows 11 und wurden damit nach Oktober 2021 überarbeitet. Eine Versionsnummer, einen Changelog oder Release Notes veröffentlicht der Hersteller allerdings nicht, sodass sich der Update-Stand von außen nicht prüfen lässt.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels handelt seit 1980 an den Terminmärkten und ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er handelt diskretionär nach Price Action, vor allem Devisen und Index-Futures. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Handelssoftware beurteilt er aus der Sicht des diskretionären Traders. Sein Maßstab ist, ob ein Programm die Kursentwicklung sauber abbildet und ob die laufenden Kosten in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen. Automatisierte Systeme bewertet er dabei kritisch von außen, weil er selbst nicht systematisch handelt.
Für diese Überarbeitung hat er jede Angabe gegen eine Primärquelle gehalten: die Vergleichsseite mit den drei Lizenzstufen, die Marktdatenseite mit allen Paketpreisen, die Systemvoraussetzungen, die Broker-Liste und die Referenzenseite des Herstellers, alle Werte vom 6. September 2026. Der Zustand der Startseite ist über gespeicherte Fassungen im Internet-Archiv aus den Jahren 2022 bis 2026 belegt. Zwei Angaben aus der früheren Fassung wurden dabei korrigiert: die Dauer der Testphase und die Liste der Trader, die mit der Software arbeiten. Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.











