Leerverkäufe – an fallenden Kursen Geld verdienen (2020)

Der Fall Wirecard hat es in den letzten Tagen gezeigt, andere prominente Beispiele lassen sich schnell finden und sind nicht längst nicht mehr an zehn Fingern abzuzählen. Eines ist diesen Fällen immer gleich – die Leerverkäufer werden als die Bösen dargestellt. Das kann in Deutschland soweit gehen, dass diesen ein Verbot auferlegt wird. Im Falle Wirecards waren es mehrere Wochen, in denen der Leerverkauf von Wirecard Aktien untersagt war. Dabei ist es gar nicht unmoralisch und schon gar nicht illegal mit fallenden Kursen Geld zu verdienen und damit vom Misserfolg mancher zu profitieren. In der FAZ werden die Leerverkäufer in der Causa Wirecard gerade für ihr Engagement gelobt, denn sie haben schon vorher vermutet, dass hier nicht alles mit legalen Mitteln zugeht.

Wirecard Screenshot SZ

In diesem Artikel wollen wir zeigen, was eigentlich ein sogenannter Leerverkauf ist und wie man damit an der Börse erfolgreich investieren kann.

Was sind Leerverkäufe?

Wer an der Börse tätig wird, hofft eigentlich mit seinen Käufen von steigenden Kursen zu profitieren. Man kauft eine Aktie und will sehen wie sie steigt und steigt. Dabei ist die Farbe Rot für jeden Anleger keine gern gesehene. Man kann aber auch davon profitieren, wenn die Kurse fallen. Dann spricht man von einem Leerverkauf.

Jedem Leerverkauf geht ein Wunsch nach einem Trade voraus. Egal, was man dabei nun genau handelt, man muss also auch beim Leerverkauf eine Order in Auftrag geben. Die Börse funktioniert dann nicht anders wie ein Wochenmarkt. Jedem Käufer muss auch ein Verkäufer gegenüberstehen und umgekehrt, sonst gibt es nichts, das gehandelt werden kann. Man ist dann dazu bereit das Handelsgeschäft zu einem bestimmten Kurs abzuschließen. Anders als beim Wochenmarkt verständigt man sich aber nicht direkt mit dem Käufer oder Verkäufer, diese Arbeit übernimmt der Broker.

Der Käufer zahlt dann den ausgerufenen Preis und bekommt entsprechend seiner Order eine bestimmte Anzahl der gewünschten Aktien in sein Depot gebucht. Was genau der Verkäufer macht, ist dabei noch nicht ersichtlich. Dieser hat entweder Aktien verkauft, um Gewinne mitzunehmen oder Risiken zu minimieren oder aber einen Leerverkauf getätigt. Er erwartet also fallende Kurse und so hat der Verkäufer eine Handelssituation entwickelt, in der er von diesem Ereignis profitieren wird.

Wie funktionieren Leerverkäufe?

Bei einem Leerverkauf setzt man auf fallende Kurse. Doch woher soll man nun wissen, ob die Kurse künftig fallen oder nicht? Das ist kaum zu beantworten und deshalb muss man sich hierfür immer wieder gut informieren. Wenn Vorboten mancher Geschäftsberichte aber vermuten lassen, dass ein Unternehmen derzeit nicht so erfolgreich wirtschaftet, könnte das eine gute Gelegenheit für einen Trade sein. Denn sinkt der Kurs eines eigentlich vielversprechenden Unternehmens, dann findet man einen guten Einstiegszeitpunkt für einen Trade. Dann muss man allerdings warten bis sich der Aktienkurs wieder erholt hat und das kann dauern.

Die Alternative ist der Leerverkauf. Hier setzt man auf den sinkenden Kurs und kann sofort vom Verfall des Aktienkurses profitieren.

Machen wir es beispielhaft:

Sie lesen in der Zeitung, dass ein neuer Dieselskandal aufzieht und daraus lassen sich bereits erste Gewinnwarnungen der Autobauer ableiten. Sie gehen deshalb davon aus, dass der Kurs von BMW, Volkswagen und Co. in naher Zukunft sinken wird. Weil sie bei BMW massive Einbußen erwarten, wollen Sie auf fallende Kurse der BMW Aktie setzen. Leider haben Sie überhaupt keine BMW Aktien, wie also etwas verkaufen, dass Ihnen gar nicht gehört?

Hier kommt der Leerverkauf ins Spiel. Ihr Broker räumt Ihnen die Möglichkeit ein, Aktien zu verkaufen, die Sie überhaupt nicht besitzen. Er leiht Ihnen also die gewünschte Anzahl an Aktien. Durch diesen Prozess profitieren Sie ab sofort davon, wenn die Aktie sinkt und immer weiter sinkt. Allerdings entstehen bei jedem Geschäft auch Pflichten. So will der Broker, dass Sie die negative Position zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausgleichen, denn auch er will ja schließlich etwas verdienen. Deshalb muss zu einem späteren Zeitpunkt die leerverkaufte Anzahl an Aktien wirklich gekauft werden. Dieser Ausgleich des Geschäfts ist dann der zweite Schritt des Leerverkaufs.

Kurzum:

  1. Schritt: Verkauf von Aktien, die der Broker einem Anleger leiht.
  2. Schritt: Ausgleich des „Kontos“ durch den Kauf der negativen Position.
Screenshot Leerverkauf im Detail dargestellt
Original beim Kontenvergleich von Testsieger-Konto

Unterschied zwischen Leerverkauf und Short Selling

Beschäftigt man sich mit der Handelsoption des Leerverkaufs, dann fällt auch immer wieder der Begriff des Short Sellings. Dieser ist als englischer Begriff internationaler und wird deshalb gerade in Fachzeitschriften lieber benutzt. Einen Unterschied zwischen dem Short Selling und dem Leerverkauf gibt es aber nicht. Die beiden Begriffe bedeuten das Gleiche und das Prozedere ist ebenso das Gleiche. Es handelt sich also lediglich um eine jeweilige Übersetzung der Begriffe.


Wie verdient man mit Leerverkäufen Geld?

Um zu verstehen, wie und warum man mit Leerverkäufen Geld verdienen kann, muss man sich die mathematische Grundidee dahinter genauer ansehen. Jeder gewöhnliche Onlinebroker wie Comdirect, OnVista etc. zeigen auf ihren Handelsplattformen Nettogewinne und Nettoverluste an. Für einen Leerverkauf dreht man deshalb das normalerweise gewünschte Verhältnis von Kaufwert zu Wiederverkaufswert um. Will man für gewöhnlich einen deutlich höheren Verkaufswert als Kaufwert erreichen, ist das Short Selling darauf aus, dass der Wiederkaufswert deutlich geringer ist als der Verkaufswert. Umso niedriger die Aktie also ist, umso besser für das Investment, da die Gewinne dann umso höher ausfallen.

Mathematisch kann man dazu folgende Formel zu Rate ziehen:

(Verkaufskurs – Kaufkurs) x Aktienvolumen – Transaktionskosten / Handelskosten = Profit des Investments

Die einzelnen Faktoren muss man hierbei noch näher betrachten.

VerkaufskursDer Aktienkurs, zu dem der Trader die Aktie verkauft
KaufkursDer Aktienkurs, zu dem der Trader die Aktien zurückkauft
AktienvolumenDie Anzahl der Aktien, die der Trader verkauft
Transaktionskosen / HandelskostenKosten und Gebühren, die man als Trader an den Broker zahlen muss, wie zum Beispiel Ordergebühren, Depotgebühren etc.

Der Leerverkauf kann dann ein positives oder aber auch ein negatives Ende nehmen. Setzt man alle seine Kennzahlen in die obere Gleichung ein und erhält eine positive Zahl, dann hat man als Trader einen Gewinn erzielt. Ist das Vorzeichen stattdessen negativ hat man einen Verlust gemacht und der Leerverkauf war unerfolgreich. Beides, egal ob Gewinn oder Verlust, kann noch Auswirkungen auf die jeweilige Steuerlast haben, weswegen ein Gewinn von 5.000 Euro zum Beispiel erstmal nur einen Nettogewinn darstellt und hier noch Steuerabzüge berücksichtigt werden müssen. Ein Verlustgeschäft kann zum Verrechnen mit Gewinnen aus der gleichen Handelskategorie genutzt werden.

Leerverkauf an einem Beispiel

Während man beim „normalen“ Aktienhandel recht unkompliziert starten kann und viele einfach mal loslegen, muss man sich beim Leerverkauf also deutlich stärker in die Materie hineinversetzen. Deshalb wollen wir anhand eines Beispiels noch deutlicher machen, was die oben genannten Bedingungen in der Praxis bedeuten.

Unser Beispielunternehmen ist die 123 Trading AG, von der wir wissen, dass es eine Gewinnwarnung gab und man davon ausgehen kann, dass der Kurs sinken wird. Deshalb wollen wir hier nun einen Leerverkauf im Volumen von 500 Aktien zu einem Wert von 50 Euro je Aktie tätigen.

Die Gewinnwarnungen bestätigen sich und es steht nicht gut um die 123 Trading AG. Deshalb sinkt der Aktienkurs von 50 Euro auf 30 Euro. Für den Leerverkäufer also ein sehr gutes Geschäft, da er in den Bereich des Profits gelangt. Wie hoch wäre aber nun der Profit?

(50 Euro – 30 Euro) x 500 = 10.000 Euro

Von unserem vermeintlichen Gewinn von 10.000 Euro müssen dann natürlich noch Transaktionskosten abgezogen werden. Dennoch lässt sich dieser Trade schon sehen und beschert dem Leerverkäufer einen guten Gewinn.

Was passiert aber, wenn sich die Gewinnwarnung gar nicht bestätigt und die 123 Trading AG einen sehr guten Geschäftsbericht abliefert? In diesem Beispiel würde der Aktienkurs kräftig steigen und statt 50 Euro zur Zeit des Leerverkaufs nun 60 Euro betragen.

(50 Euro – 60 Euro) x 500 = – 5.000 Euro

Der Verlust wäre also immens groß und leider will der Broker auch bei Verlustgeschäften seine Gebühren haben. Deshalb werden auch hier noch zusätzliche Transaktionskosten fällig.

Betrachtet man also den negativen Fall, dann sollte man eher Abstand von Leerverkäufen nehmen. Diese können an sich auch unbegrenzt ins Minus laufen und so könnte man zumindest auf der Theorieebene unendlich viel Geld verlieren. In der Praxis schützen die meisten Broker aber vor solchen Risiken und auch der Gesetzgeber ist hier immer wieder aktiv.

Da es sich beim Leerverkauf auch um eine Handelsstrategie handelt, die man als Anfänger erst einmal austesten sollte, geben viele Broker auch die Möglichkeit auf ein Demokonto, in dem man genau solche Fälle erst üben und verstehen lernen kann. Das minimiert das Risiko später echtes Geld zu verzocken.

Leerverkäufe sind also durchaus verlockend und können hohe Gewinne mit sich bringen. Ein Risiko auf hohe Verluste ist aber ebenso gegeben und sollte nicht vernachlässigt werden.

Warum kann man leerverkaufen?

Eigentlich würde man davon ausgehen, dass ein Leerverkauf überhaupt kein entsprechendes Handelsmuster ist. Viele Jahre war das auch eher Randnotiz im Börsenhandel. In den letzten Jahren mit der zunehmenden Anzahl an Online Brokern und deren vielfältigen Angeboten rückt der Leerverkauf aber immer stärker in den Fokus einiger Trader.

Und jeder Trader bildet für sich Handelsszenarien, innerhalb derer er tätig sein will. Kauft man eine Aktie zu einem vermeintlich „günstigen“ Kurs ein und geht sozusagen long, dann erwartet man steigende Kurse. Bei diesen steigenden Kursen geht man aber dennoch davon aus, dass man später einmal einen Händler finden wird, der bereit ist die Aktien auch zu einem sehr hohen Kurs abzukaufen. Auf einem Wochenmarkt würde dies schwer gehen, auf dem Aktienmarkt finden sich aber immer wieder viele Käufer und Verkäufer zusammen.

Ein Leerverkäufer dreht einfach nur die Handelsstrategie um. Beim Leerverkauf geht man immer davon aus, dass es bei fallenden Kursen zu einem späteren Zeitpunkt immer jemanden geben wird, der die gesunkenen Aktien zu dem dann niedrigeren Kurs an uns verkaufen will.

Letztlich ist es also auch hier eine Frage der Handelsstrategie. Weil die Leerverkäufe als Strategie Gewinne versprechen und sich einige Trader als Anhänger dieser Strategie gefunden haben, stellt sich die Frage nach dem Warum eigentlich nicht mehr. Denn Leerverkäufe und Short Selling sind ein fester Bestandteil des Aktienhandels geworden.

Was sind ungedeckte Leerverkäufe?

Wie oben beschrieben, muss man bei einem Leerverkauf in der Theorie Aktien vom Broker leihen und verpflichtet sich diese aufgemachte Handelsposition später auch durch einen Kauf zu schließen. Es muss aber nicht immer so sein, dass der Broker einem die Aktien wirklich leiht.

Leiht der Broker beim Leerverkauf die Aktien, so spricht man von einem gedeckten Leerverkauf. Der Broker hat die entsprechenden Aktien also in ausreichender Form in seinem Bestand und kann darüber verfügen. Beim gedeckten Leerverkauf muss man als Trader die Aktien des Brokers zu einem späteren Zeitpunkt auf jeden Fall zurückkaufen, man kann sich aber darauf verlassen, dass der Broker einem diese Aktien in der gewünschten Höhe anbieten kann.

Bei einem ungedeckten Leerverkauf verläuft das nicht so reibungslos. Eröffnet man als Trader eine ungedeckte Short-Position, muss man die Lücke später durch den Kauf über die Börse oder gar über den außerbörslichen Kauf füllen. Dadurch entstehen hohe Risiken. Man hat nämlich nicht nur das allgemeine Risiko des Aktienkurses zu tragen, sondern muss auch das Risiko eingehen, dass es vielleicht gar keine Verkäufer der Aktie zum späteren Zeitpunkt gibt. Wenn niemand dann die Aktie verkauft oder diese wegen etwaiger Probleme vom Handel ausgeschlossen wurde, kann die Position nicht geschlossen werden und der Verlust ist immens.

In Deutschland ist dieser ungedeckte Leerverkauf aus diesem Grund verboten.

Regulierung von Leerverkäufen in Deutschland

Short Selling und Leerverkauf geht in Deutschland im normalen Sprachgebrauch eigentlich mit dem Handel von Aktien einher und nicht mit gesamten Indizes, Rohstoffen oder Ähnlichem. Theoretisch könnte man in der Tat jede einzelne gehandelte Aktie shorten. Um aber sowohl Broker als auch Trader zu schützen, gibt es eindeutige Regulierungen durch den Staat.

Oberste Regulierungsbehörde in Deutschland ist die BaFin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Diese können den Markt regulieren, falls durch Short Selling erhebliche Marktstörungen drohen. Allerdings funktioniert das nur für inländische Aktien, da die BaFin keine Kontrolle über ausländische Unternehmen hat. Im berühmten Falle Wirecards gab es 2019 über mehrere Wochen ein Short-Verbot, Leerverkäufe des Unternehmens waren also untersagt.

Allgemein sehen Regulierungen in Deutschland wie folgt aus:

  • wenn ein Unternehmen oder auch eine Einzelperson mehr Short- als Long-Positonen hält, spricht man von einer Netto-Leerverkaufsposition
  • falls diese Netto-Leerverkaufsposition den Anteil von 0,2% des ausgegebenen Aktienkapitals eines Unternehmens erreicht oder übersteigt, dann muss dies der zuständigen Behörde bis zum nächsten Handelstag unaufgefordert mitgeteilt werden
  • übersteigt diese Netto-Leerverkaufsposition sogar 0,5% des ausgegebenen Aktienkapitals ist eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger notwendig

Die Regulierungen in den USA sind übrigens noch ein bisschen spezifischer:

  • Aktien dürfen nur leerverkauf werden, wenn diese bei Long-Positionen auch unter der Nutzung einer Margin gekauft werden können
  • wenn die Aktie über einem Kurs von 5 Dollar steht und das Unternehmen seit mehr als 30 Tagen an der Börse gelistet ist

Welche Aktien sind zum Leerverkauf freigegeben?

Um herauszufinden, welche Aktien zum Leerverkauf freigegeben sind, kann man sich an seinen Broker wenden. Hier erfährt man auch eventuelle Voraussetzungen für einen Leerverkauf über den Broker. Andernfalls kann man sich auch über verschiedene Handelsplattformen wie den MetaTrader über das ob und wie informieren.

Einfluss von Leerverkäufen auf den Börsenmarkt

Bleiben wir beim Beispiel Wirecard. Hier haben die letzten Monate und vor allem die Zeitspanne Anfang 2019 klar gezeigt, dass Leerverkäufer einen großen Einfluss auf den Börsenmarkt nehmen können. Natürlich vorwiegend auf einzelne Unternehmen. Werden hier aber mehrere Unternehmen ins Auge der Short Seller gefasst, kann das natürlich auch zu Auswirkungen auf gesamte Indizes führen. Zeiten von fallenden Kursen sind deshalb prädestiniert für die Leerverkäufer, da sich hier lukrative Chancen ergeben.

Durch das grundsätzlich gestiegene Handelsvolumen an den internationalen Börsen hat auch das Volumen der leerverkaufsfähigen Aktien zugenommen, woraus sich auch immer mehr Leerverkäufe ergeben.

Der Vorwurf, dass Leerverkäufer nahezu manipulatorisch in Kurse und Unternehmen eingreifen, taucht immer wieder auf. Pauschal bejahen lässt sich dies aber nicht. Short Selling kann einen Einfluss auf Kursbewegungen haben und beispielsweise Abwärtstrends deutlich beschleunigen oder in der Breite ausweiten, doch kann man in diesem nicht die Ursache finden. Die Kurse fallen im Regelfall durch andere interne oder externe Ereignisse wie schlechte Zahlen oder eine allgemeine Wirtschaftsstagnation. Anzeichen und Beweise dafür, dass Leerverkäufer einen Kurs erst zum Fallen bringen, sind nicht zu finden.

Wie bereits erwähnt, lobt die FAZ die Short Seller in der Causa Wirecard, da diese den Boden der Tatsachen eröffnet haben und sich deren Skepsis bewahrheitet hat. Ebenso zeigen sie damit teils skandalöse Zustände bei den Bilanzen mancher Unternehmen und auch bei der Finanzaufsicht in Form der BaFin auf. Denn in den meisten Situationen sind schlechte Nachrichten rund um das jeweilige Unternehmen der Auslöser für sinkende Kurse. Short Seller verstärken diesen Effekt und verschaffen somit die ein oder andere reinigende Wirkung hinsichtlich der Unternehmensbewertungen. Diese werden durch die Leerverkäufer schneller wieder auf normalere Ebenen zurückgestuft.

Positive Wirkungen von Leerverkäufen

Es wird also klar, dass Short Selling auch positive Auswirkungen auf Märkte haben kann, die meist vergessen werden, aber nicht unerwähnt bleiben sollten. Vergessen werden die positiven Aspekte, weil Short Selling als etwas Böses und Unmoralisches gilt. Dabei ist es einfach nur eine von vielen Möglichkeiten, wie man an den Aktienmärkten Geld verdienen kann.

Wenn Kurse flächendeckend sinken, dann geht dem eine Verkaufswelle durch die Anleger voraus. Dabei wird Liquidität aus dem Markt abgezogen, weil die Anleger das Risiko als zu hoch einstufen. Fehlende Liquidität ist für einen funktionieren Markt aber gefährlich. Short Seller schaffen durch ihre Handelsstrategie neue Liquidität und sichern so den Geldfluss der Handelsplätze.

Ebenso sind Leerverkäufer auch für manchen Kursausbruch und in jüngster Zeit sogar für manche Kursexplosionen verantwortlich. Der Robin Hood Trader aus den USA hat es auf diese Weise in den vergangenen Wochen mehrfach geschafft per se kaputte Unternehmen zu neuen Höhen anzutreiben. Wenn sich nämlich die Leerverkäufer mit Short-Positionen eines Unternehmens eindecken, kann dies zu einem massiven Anstieg der Nachfrage nach einem Unternehmen führen und der sogenannte Short Squeeze tritt ein. Für den Leerverkäufer ist dies allerdings nicht profitabel.

Leerverkäufer können also für einen schnellen Abschwung von Kursen sorgen, weil sie deren ohnehin vorhandene Abwärtsbewegungen beschleunigen. Sie helfen aber auch dem Markt und ein Aufschwung durch die Shorties ist auch denkbar.

Der Short Squeeze

Der Begriff Short Squeeze fällt immer wieder und ist für manche nur schwer nachvollziehbar. Dies liegt daran, dass man hier bereits über die Besonderheiten von Leerverkäufen Bescheid wissen muss, um zu verstehen, was der Squeeze eigentlich ist. Dabei handelt es sich um die Angebotsknappheit einer Aktie, die zuvor mit einem hohen Volumen geshortet wurde. Nach den Leerverkäufen müssen diese offenen Positionen früher oder später wieder geschlossen werden. Wenn nun der Kurs einer Aktie entgegen den Erwartungen der Short Seller steigt, müssen diese zur Verlustbegrenzung möglichst schnell die Wertpapiere zurückkaufen. So entsteht eine erhöhte Nachfrage, die den Aktienkurs weiter voran treibt und ihn manchmal in kürzester Zeit in ungeahnte Höhen heben kann. Für den Leerverkäufer bietet dieser Fall aber keine positiven Auswirkungen. Stattdessen kommt der zweite Rechenfall zustande und der Short Seller fährt massive Verluste ein.

Dividenden für Leerverkäufer

Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn man als Leerverkäufer von den ausgeschütteten Dividenden der geshorteten Aktien profitieren würde. Das ist aber nicht der Fall, da ein Leerverkäufer nicht der Besitzer der Aktien ist. Das System des Leerverkaufs sieht nun mal nur die Leihe der Aktien vor. Deshalb erhält man als Leerverkäufer keinerlei Dividenden auf geshortete Aktien.

Dividenden bilden grundsätzlich auch eine andere Strategie ab und sind für viele im passiveren Investieren Kaufgrund für verschiedene Aktien. Die Aktienscreener von Aktienfinder oder auch AlleAktien legen hierauf großen Wert. Falls das Short Selling für Sie also keine geeignete Strategie darstellt, werden Sie vielleicht anderweitig fündig.


Einstiegschance für Leerverkäufer

Gerade Börsenneulinge wollen oft wissen, wohin sich denn der Kurs von dieser und jener Aktie bewegt. Einiges dabei wäre aber Glaskugel-Leserei, da niemand in die Zukunft sehen kann. Charttechnik hilft dabei geeignete Chancen auszumachen, kann aber auch nicht in die Zukunft sehen. Leerverkäufer können sich aber auf verschiedene Szenarien einstellen und innerhalb dieser mit guten Chancen profitabel traden.

Ereignis 1: Verfehlte Unternehmensziele

Ein Unternehmen steckt sich immer wieder Ziele und manchmal werden diese nicht erreicht. Aktiengesellschaften sind dazu verpflichtet ihre Unternehmensziele und alle relevanten Fakten in Quartalsberichten zu veröffentlichen, weswegen man leicht herausfinden kann, ob die Ziele erreicht wurden oder nicht. Analysten schätzen vorher anhand wichtiger Kennzahlen wie Betriebseinnahmen und Gewinn je Aktie ab, wo das Unternehmen steht und wo es landen kann.

Sind die Kennzahlen aus dem Quartalsbericht nun schlechter als von Analysten erwartet, enttäuscht das die Anleger und einige stoßen ihre Unternehmensanteile ab. Manche eröffnen dann eine Short-Position. Häufen sich dann die schlechten Berichte und die Verkäufe der Anleger, ist ein Abwärtstrend in Sicht und es bietet sich eine gute Gelegenheit für Leerverkäufer.

Deshalb muss man hier immer wieder fleißig Erwartungen und deren Erfüllung bzw. Nicht-Erfüllung betrachten und manchen Abwärtstrend im Auge behalten.

Ereignis 2: Finanzmarktcrash und Wirtschaftskrise

Finanzcrash als Einstiegsmöglichkeit für Leerverkäufe im Chart dargestellt

Konjunktur bewegt sich immer in Wellen und manchmal schlagen diese Wellen stark nach oben und auch stark nach unten aus. In der jüngeren Vergangenheit kam es immer wieder zu größeren Crashes und damit starken Einbrüchen an den Börsen, da sich die finanzielle und wirtschaftliche Lage der Weltwirtschaft stark verschlechtert hatte. Im Jahr 2000 platzte die Dotcom-Blase, 2008/2009 sorgten die Lehman Brothers und Co für das Platzen einer Immobilienblase, was dann zur Finanz- und Wirtschaftskrise führte. 2020 führt mit der Corona-Pandemie ein externer Effekt zum Abschwung der Märkte.

All diese Abstürze sind perfekte Gelegenheiten für Leerverkäufer, da sich in diesen Zeiten viel Geld verdienen lässt. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass sich die Märkte auch wieder erholen und entsprechend Aktienkurse wieder steigen können. Dann lohnt sich der Leerverkauf nicht mehr und die Positionen sollten geschlossen sein.

Ereignis 3: Unternehmensskandal

Im dritten Fall wären wir wieder bei Wirecard und den Unternehmensskandalen. In den vergangenen Monaten gab es da aber nicht nur Wirecard, sondern Luckin Coffee (so eine Art chinesisches Starbucks) oder Steinhoff. Diese alle wegen Bilanzfälschungen oder dem Vorwurf dazu. Der Dieselskandal bei VW und anderen Autobauern gehört aber ebenso dazu.

Ein Unternehmensskandal kann ebenso gut für jeden Leerverkäufer sein, da die Kurse hier rasant und teils planbarer fallen. Umso größer der Skandal, umso schlimmer die Auswirkungen von diesem und umso stärker fällt der Aktienkurs. Also eine gute Möglichkeit für den Einstieg über das Short Selling. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Der Skandal kann schneller rum sein als gedacht und die gute Möglichkeit wird zum Verlustrisiko.

Risiken der Leerverkäufe

Wo große Chancen sind, verbirgt sich meist auch ein großes Risiko. Wie bereits beschrieben bieten Leerverkäufe gute Möglichkeiten hohe und schnelle Renditen zu erreichen. Allerdings kann eben auch ein Verlust zu Buche stehen. Einfache Mathematik hat das oben ja bereits bewiesen.

Der Unterschied zum normalen Handel mit Aktien liegt darin, dass man mit einer sogenannten Long-Position nicht mehr verlieren kann, als man darin investiert hat. Geht ein Unternehmen pleite und man ist nicht rechtzeitig ausgestiegen oder hatte einen Stop Loss gesetzt, dann ist das investierte Kapitel weg. Beim Leerverkauf kann neben dem investierten Kapitel aber noch deutlich mehr Geld verloren sein, da die Kurse steigen können und somit das Verlustrisiko erhöht wird.

Ein anderes Risiko ist das sogenannte Lieferrisiko. Ein Leerverkauf ist ein Leihgeschäft, aus dem die Pflicht entsteht irgendwann alle geliehenen Aktien zurückzukaufen. Kann man das nicht, kann hier auch ein großer Verlust folgen, der weit über das eingesetzte Kapital hinausgeht.

Leerverkauf durch CFDs?

Wer ein Lieferrisiko vermeiden will, hat auch die Möglichkeit über CFDs zum Leerverkauf zu gelangen. Denn auch hier sind die Marktmittel und die Rechnungen die gleichen. Da man bei einem CFD nur an der Kursdifferenz beteiligt wird, besteht keine Lieferpflicht wie bei den Aktien und somit kann dieses Risiko ausgeschlossen werden. Geht man beim Trade von fallenden Kursen aus, kann man dies über den Verkauf der Aktie oder aber die Short-Position durch einen CFD abdecken.

Das Verlustrisiko ist bei beiden Arten des Leerverkaufs vorhanden, die Gewinnchance aber ebenso. Wer allerdings über einen CFD den Leerverkauf realisiert, findet oftmals Broker, die im Handel das Risiko beschränken und die möglichen Verluste auf das eingesetzte Kapital begrenzt halten. Admiral Markets bietet hier beispielsweise ein solches Sicherheitsnetz an.

Fazit zu Leerverkäufen

Leerverkäufe sind allgemein eher ein Mittel oder eine gesamte Handelsstrategie für erfahrene Trader, die wissen, was sie tun und die bereits gewisse Markterfahrungen mitbringen. Allerdings kann sich auch für Neulinge die ein oder andere Chance bieten von fallenden Kursen zu profitieren.

Für manche erscheint der Leerverkauf immer noch als ein unmoralisches Konstrukt, wobei man sich an den Verlusten anderer bereichert. Selbstverständlich kann ein massiver Kursrückgang eines Unternehmens eine sehr gute Renditechance für den Leerverkäufer sein, während beispielsweise Arbeitsplätze verloren gehen. Moralvorstellungen an der Börse sollte aber grundsätzlich jeder Trader mit sich selbst aushandeln, um festzustellen, was für einen selbst in Ordnung ist und was nicht.

Beim Short Selling sollte man auf jeden Fall auch die hohen Risiken des Verlusts und auch der Lieferpflicht bedenken, da sonst schnell ein schlechtes Investment daraus werden kann. Allgemein bietet der Leerverkauf aber auch attraktive Chancen, weswegen sich Chance und Risiko zum Großteil die Waage halten.

Wer selbst einmal Leerverkäufe tätigen will, sollte sich aber auf jeden Fall mit einem Demokonto eines Brokers an die Thematik herantasten und langsam ein Gefühl dafür bekommen.

Weiterlesen:

Scroll to Top