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Robinhood in Deutschland: Was mit der App 2026 geht und was nicht

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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18 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Jahrelang lautete die Antwort auf die Frage nach Robinhood in Deutschland schlicht „geht nicht“. Das stimmt so nicht mehr. Seit Dezember 2023 steht eine europäische Version der App im deutschen App Store, seit Juni 2025 handelst du darüber auch US-Aktien. Nur eben nicht als Aktien.

Genau an dieser Stelle wird es für deutsche Anleger interessant und gleichzeitig heikel. Was Robinhood in der EU anbietet, sieht im Depot aus wie eine Apple-Position, ist rechtlich aber ein Derivat gegen das Unternehmen selbst. Das ändert die Risikolage grundlegend, und kaum eine deutsche Quelle schreibt es deutlich hin.

Ich habe mir angesehen, was Robinhood Europe heute tatsächlich liefert: Produkte, Gebühren, Aufsicht und die Punkte, die im Kleingedruckten stehen. Alle Zahlen stammen aus den Primärquellen des Anbieters, nicht aus Vergleichsportalen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Robinhood in Deutschland: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Robinhood ist in Deutschland nutzbar, allerdings nur über Robinhood Europe mit Sitz in Litauen. Das klassische US-Depot bleibt US-Bürgern und US-Ansässigen vorbehalten.
  • Echte Aktien gibt es nicht. Statt Apple-Aktien kaufst du Classic Stock Tokens, also Derivatkontrakte, die den Kurs abbilden. Kein Stimmrecht, kein Eigentum am Papier.
  • Die Gebühren sind niedrig: 0,10 % Währungsumrechnung je Order auf Stock Tokens, 0,50 % auf Krypto, Einstieg ab 1 Euro.
  • Die beworbenen 5 % auf Euro setzen sich aus 1,98 % Fondsrendite und 3,02 % Aufschlag von Robinhood zusammen. Den Aufschlag kann der Anbieter jederzeit streichen.
  • Die Absicherung ist dünner als bei einer deutschen Bank: Anlegerentschädigung bis 22.000 Euro statt 100.000 Euro Einlagensicherung.
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Ist Robinhood in Deutschland verfügbar?

Ja, mit einer wichtigen Einschränkung. Wer heute robinhood.com von einer deutschen Leitung aus aufruft, landet automatisch auf der deutschsprachigen EU-Seite. Im deutschen App Store liegt die App seit dem 6. Dezember 2023 unter dem Namen „Robinhood: Krypto; 5% Euro“, zuletzt aktualisiert am 11. August 2026.

Robinhood ist in Deutschland über die EU-Tochter Robinhood Europe UAB verfügbar, die Kryptowährungen, tokenisierte US-Aktien und Perpetual Futures anbietet, aber keine echten Aktien und keine Wertpapierdepots deutscher Prägung.

Robinhood Deutschland: deutschsprachige Startseite von Robinhood EU mit Classic Stock Tokens und Krypto
Robinhood begrüßt deutsche Besucher auf Deutsch. Angeboten werden Classic Stock Tokens und Krypto. Echte Aktien sucht man vergeblich. (Screenshot: robinhood.com/eu/de, 19.08.2026)

Der Name der App verrät die Ausrichtung schon selbst. Sie heißt nicht „Robinhood Invest“, sondern nennt Krypto und die Euro-Rendite im Titel. Das ist kein Marketing-Zufall, sondern beschreibt exakt, was das Produkt in Europa ist: eine Krypto-App mit angebauter Aktien-Nachbildung.

Wer dagegen das kennt, was Robinhood in den USA berühmt gemacht hat, wird enttäuscht. Für ein US-Konto brauchst du eine Social Security Number, eine US-Wohnadresse in einem der 50 Bundesstaaten sowie US-Staatsbürgerschaft, Green Card oder ein gültiges US-Visum. Ein deutscher Wohnsitz allein schließt dich aus, daran hat sich seit 2020 nichts geändert.

Was Briten bekommen und Deutsche nicht

Der Vergleich mit Großbritannien macht die Lücke sichtbar. Auf der britischen Seite bietet Robinhood über 6.000 echte US-Aktien an, dazu Bruchstücke ab 1 Dollar, Optionen auf US-Aktien und Indizes sowie die Desktop-Plattform Legend mit über 80 Indikatoren.

In der EU fehlt all das. Kein echtes Wertpapier, keine Optionen, keine Desktop-Plattform. Der Unterschied liegt nicht am Interesse des Anbieters, sondern an zwei verschiedenen Lizenzen und zwei verschiedenen Regulierungsräumen. Für dich als deutschen Anleger zählt nur das Ergebnis: Du bekommst die kleinere Ausbaustufe.

Was ist Robinhood?

Robinhood startete 2013 in Kalifornien mit einem Versprechen, das die Branche umgekrempelt hat: Aktienhandel ohne Ordergebühr. Das Modell zwang praktisch jeden US-Broker zum Nachziehen und war die Blaupause für die deutschen Neobroker, von Trade Republic bis Scalable Capital.

Robinhood Markets ist ein börsennotierter US-Finanzdienstleister, der über Tochtergesellschaften provisionsfreien Wertpapier- und Kryptohandel per App anbietet und seine Erlöse überwiegend nicht aus Ordergebühren erzielt, sondern aus Zinserträgen, Abonnements und der Weiterleitung von Kundenorders.

Für den europäischen Markt hat der Konzern eine eigene Gesellschaft aufgesetzt. Die ist rechtlich von der US-Seite getrennt, hat eine eigene Zulassung und ein eigenes Produktangebot. Wer in Deutschland ein Konto eröffnet, wird Kunde dieser Gesellschaft, nicht des amerikanischen Brokers.

Vertragspartner in der EURobinhood Europe, UAB
Unternehmensnummer306377915
SitzVilniaus g. 33-201, LT-01402 Vilnius, Litauen
AufsichtBank von Litauen
Zugelassen alsFinanzmaklerunternehmen, Krypto-Asset-Dienstleister, Zahlungsinstitut
MuttergesellschaftRobinhood Markets, Inc., Menlo Park, Kalifornien
Produkte in der EUClassic Stock Tokens, Krypto, Perpetual Futures, Staking, Wallet
Nicht in der EUechte Aktien, ETFs, Optionen, Sparpläne, Desktop-Plattform
Mindestanlage1 Euro
EinzahlungSEPA-Überweisung und SEPA-Echtzeitüberweisung
App im deutschen Store seit6. Dezember 2023

Auffällig ist die Rollenvielfalt. Robinhood Europe ist zugleich Broker, Krypto-Dienstleister und Zahlungsinstitut und tritt bei den Stock Tokens zusätzlich als Gegenpartei deines Geschäfts auf. Bei einem deutschen Broker sind das getrennte Parteien.

Classic Stock Tokens: Kursgewinn ohne Aktienbesitz

Das ist der Kern des Angebots und der Punkt, an dem die meisten Beschreibungen zu ungenau werden. Robinhood bietet in Europa über 2.000 sogenannte Classic Stock Tokens an, unter anderem auf NVIDIA, Apple, Alphabet und den Vanguard S&P 500 ETF.

Ein Classic Stock Token ist ein auf einer Blockchain verbuchter Derivatkontrakt zwischen dem Anleger und Robinhood Europe, dessen Preis dem Kurs einer US-Aktie oder eines ETFs folgt, ohne dem Anleger Rechte an diesem Wertpapier zu verschaffen.

Robinhood formuliert das in den eigenen Hilfeseiten unmissverständlich: Beim Kauf erwirbst du nicht die Aktie, sondern einen tokenisierten Kontrakt, der ihrem Preis folgt. Die zugrunde liegenden Papiere liegen bei einer US-lizenzierten Institution in einem Konto von Robinhood Europe. Angeboten werden die Tokens als Derivate nach MiFID II.

Praktisch heißt das drei Dinge, die du vor der ersten Order kennen solltest.

  • Kein Stimmrecht und kein Aktionärsstatus. Die üblichen Rechte eines Aktionärs entfallen, weil du kein Aktionär bist. Dividenden schreibt Robinhood laut eigener Angabe gut, wo die Voraussetzungen erfüllt sind.
  • Kein Transfer nach außen. Die Tokens lassen sich derzeit nicht an andere Wallets oder Plattformen senden. Was auf dem Konto liegt, bleibt dort, bis du es verkaufst.
  • Emittentenrisiko obendrauf. Robinhood weist selbst darauf hin, dass Anleger bei einer Insolvenz des Unternehmens ihr gesamtes eingesetztes Kapital verlieren können. Bei einer echten Aktie im Depot einer deutschen Bank wäre das anders, weil das Papier dir gehört.

Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird in den meisten deutschen Beschreibungen unterschlagen. Bei einem Derivat trägst du immer zwei Risiken gleichzeitig: das des Basiswerts und das des Emittenten. Wer das nicht will, ist mit einem klassischen Depot besser bedient.

Handelszeiten und Abwicklung

Die Tokens laufen von Montag 02:00 Uhr bis Samstag 02:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, also rund um die Uhr an fünf Tagen. Das ist deutlich mehr, als eine deutsche Börse bietet, und der stärkste praktische Vorteil des Formats.

Beim Verkauf gilt eine Einschränkung, die in den Ordertypen klassischer Broker so nicht vorkommt. Der Erlös steht sofort wieder zum Handeln bereit, auszahlen kannst du ihn aber erst am nächsten Bankarbeitstag. Robinhood begründet das mit der Abwicklung des Währungstauschs.

Robinhood Gebühren und Kosten in Deutschland

Die Preisliste von Robinhood Europe ist kurz und im Vergleich günstig. Sie steht als eigenes Dokument öffentlich auf der Website, ohne Konto und ohne Registrierung, was nicht bei jedem Anbieter selbstverständlich ist.

LeistungGebühr
Classic Stock Tokens0,10 % Währungsumrechnung je Order
Krypto Kauf und Verkauf0,50 % vom Euro-Wert, mindestens 0,01 Euro
EURC Kauf und Verkaufkeine Gebühr
Krypto-Transferkeine Gebühr, Netzwerkgebühr fällt an
Staking15 % Kommission auf die Rewards
Perpetual Futures Robinhood0,02 % Maker, 0,02 % Taker
Perpetual Futures Venue0,00 % Maker, 0,02 % Taker
Liquidation0,05 % des liquidierten Nominalwerts

Bei den Stock Tokens ist die Rechnung ehrlich schlank. Es gibt keine Ordergebühr und keine Depotgebühr, nur die 0,10 % für den Tausch von Euro in Dollar und beim Verkauf wieder zurück. Auf eine Position von 1.000 Euro sind das 1 Euro beim Kauf und noch einmal rund 1 Euro beim Verkauf.

Beim Krypto-Handel liegt Robinhood mit 0,50 % im Mittelfeld. Spezialisierte Kryptobörsen sind bei größeren Volumina günstiger, dafür bekommst du hier alles in einer App. Die 15 % Kommission auf Staking-Rewards sind dagegen sportlich und schmälern den Ertrag spürbar.

Was in der Tabelle fehlt, ist genauso aufschlussreich: kein Abo, keine Inaktivitätsgebühr, keine Mindesteinlage. Robinhood verdient in Europa an der Spanne und am Zinsdifferenzgeschäft, nicht an Gebühren des Anlegers.

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Fünf Prozent auf Euro: So kommt die Rendite zustande

Die 5 % stehen im App-Namen und sind das stärkste Werbeversprechen des Anbieters. Sie sind real, aber sie sind nicht das, wonach sie klingen. Es handelt sich nicht um ein verzinstes Guthaben, sondern um einen Geldmarktfonds.

Die Euro-Rendite bei Robinhood entsteht durch die automatische Anlage nicht investierter Guthaben in den EUR Liquidity LVNAV Geldmarktfonds von J.P. Morgan, dessen Ausschüttung Robinhood mit einem eigenen Aufschlag auf die beworbene Gesamtrendite anhebt.

Robinhood legt die Zusammensetzung in der App-Store-Beschreibung selbst offen: 1,98 % kommen vom Fonds, 3,02 % legt Robinhood obendrauf. Das ist bemerkenswert transparent und zugleich der entscheidende Hinweis. Der Aufschlag ist eine Marketingleistung, kein Zinsanspruch, und der Anbieter behält sich ausdrücklich vor, ihn jederzeit zu beenden.

Für die Praxis heißt das:

  • Die Rendite fällt täglich an, ausgezahlt wird sie monatlich in den ersten drei Bankarbeitstagen. Einen Zinseszinseffekt gibt es nicht, gerechnet wird auf den Stand zum täglichen Stichzeitpunkt.
  • Das Geld bleibt verfügbar. Fondsguthaben und Kaufkraft behandelt Robinhood als einen Saldo, du kannst jederzeit handeln oder abheben.
  • Der Schutz ist ein anderer als bei einer Bank. Es greift die Anlegerentschädigung bis 22.000 Euro, nicht die deutsche Einlagensicherung.

Diesen letzten Punkt solltest du nicht überlesen, denn er trennt die Werbezahl von der tatsächlichen Sicherheit. Der Abstand zur Einlagensicherung einer deutschen Bank ist erheblich.

Bei einer deutschen Bank sind 100.000 Euro je Kunde über die Einlagensicherung geschützt. Bei Robinhood Europe greift stattdessen eine Anlegerentschädigung bis 22.000 Euro, und sie deckt Fehlverhalten der Firma ab, nicht Kursverluste.

Wer größere Beträge parken will, verteilt sie sinnvollerweise auf mehrere Anbieter oder nutzt ein Tagesgeldkonto mit voller Sicherung.

Krypto, Staking und Perpetual Futures

Der Kryptobereich ist das eigentliche Kerngeschäft der EU-App. Die Support-Seite listet aktuell 97 handelbare Kryptowerte von Bitcoin und Ethereum bis zu kleineren Projekten. Die Werbeseiten sprechen von über 90, die App-Beschreibung von über 65. Solche Abweichungen sind bei Robinhood Alltag, verlässlich ist die Support-Liste.

Laut Anbieter werden Kundenbestände nicht verliehen und nicht für Hebelgeschäfte genutzt, der Großteil liegt in Cold Storage. Das ist eine Selbstauskunft, keine geprüfte Tatsache, aber es ist die Aussage, an der sich das Unternehmen messen lassen muss. Wie sich das gegen spezialisierte Anbieter schlägt, zeigt unser Überblick zu Kryptowährungen.

Für aktive Trader ist ein anderes Produkt interessanter, und es ist zugleich das riskanteste im ganzen Angebot. Robinhood führt in Europa Perpetual Futures, unter Tradern kurz Perps genannt.

Ein Perpetual Future ist ein Terminkontrakt ohne Verfallstag, dessen Preis über regelmäßige Ausgleichszahlungen zwischen Käufern und Verkäufern an den Kurs des Basiswerts gekoppelt bleibt.

Robinhood bietet diese Kontrakte in der EU auf Krypto, ETFs, Rohstoffe und Währungen an, mit bis zu zehnfachem Hebel.

Hier ist eine klare Ansage angebracht. Hebelprodukte mit zehnfachem Hebel und einer Liquidationsgebühr von 0,05 % sind kein Einsteigerprodukt, und eine App, die daneben eine 5-Prozent-Sparanlage bewirbt, spricht zwei völlig verschiedene Zielgruppen an. Wer ohne belastbares Risikomanagement in dieses Produkt geht, verliert sein Kapital schneller, als er die Mechanik versteht.

Wer Staking nutzt, gibt 15 % der Rewards an Robinhood ab. Das ist der Preis dafür, dass du dich um nichts kümmern musst, und im Vergleich zum Direkt-Staking ein spürbarer Abschlag.

Ist Robinhood seriös? Aufsicht und Sanktionshistorie

Die Frage taucht in den Suchdaten regelmäßig auf, und sie verdient eine differenzierte Antwort statt eines Etiketts. Robinhood ist ein börsennotiertes Unternehmen unter staatlicher Aufsicht. Es hat gleichzeitig eine Sanktionshistorie, die man kennen sollte.

Die Aufsicht in Europa liegt bei der Bank von Litauen. Robinhood Europe ist dort als Finanzmaklerunternehmen, Krypto-Asset-Dienstleister und Zahlungsinstitut zugelassen. In seinen Rechtsangaben nennt das Unternehmen ausschließlich diese Aufsichtsbehörde. Eine eigene BaFin-Erlaubnis gibt es nicht, das Geschäft in Deutschland läuft über den EU-Pass, mit dem eine in einem EU-Land zugelassene Firma europaweit tätig sein darf.

Bei den Sanktionen sind zwei Vorgänge belegt und einer offen.

  • Der SEC-Vergleich von 2020. Am 17. Dezember 2020 zahlte Robinhood Financial 65 Millionen Dollar. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe zwischen 2015 und Ende 2018 verschwiegen, dass es seine größte Erlösquelle aus der Weiterleitung von Kundenorders an Handelshäuser zieht. Nach Feststellung der SEC führte das zu schlechteren Ausführungspreisen, die Kunden in Summe 34,1 Millionen Dollar kosteten, selbst nach Abzug der gesparten Provision.
  • Die FINRA-Strafe von 2021. Nach Berichten von CNBC und Forbes verhängte die US-Aufsicht FINRA am 30. Juni 2021 rund 70 Millionen Dollar gegen Robinhood, aufgeteilt in Strafe und Wiedergutmachung. Anlass waren Systemausfälle im März 2020 und irreführende Angaben gegenüber Kunden.
  • Die laufende Prüfung in Litauen. Seit Juli 2025 verlangt die Bank von Litauen Auskunft zur Struktur der Stock Tokens auf OpenAI und SpaceX und prüft, ob Ausgestaltung und Aufklärung den EU-Regeln entsprechen. Ein Ergebnis liegt bislang nicht vor.

Der SEC-Fall ist deshalb mehr als eine Fußnote, weil er das Geschäftsmodell im Kern betrifft. Dahinter steht ein Mechanismus, den praktisch jeder provisionsfreie Broker nutzt, auch die deutschen Neobroker.

Payment for Order Flow bezeichnet die Praxis, dass ein Broker Kundenorders gegen Bezahlung an bestimmte Handelshäuser weiterleitet, statt sie an der für den Kunden günstigsten Stelle auszuführen.

Genau daran verdient ein provisionsfreier Broker sein Geld. Kostenlos ist der Handel nie, die Kosten wandern nur an eine Stelle, die der Kunde nicht sieht.

Mein Fazit dazu ist nüchtern: Robinhood ist kein unseriöser Anbieter. Es ist ein Unternehmen, das mehrfach für mangelnde Transparenz belangt wurde und in Europa gerade ein Produkt fährt, dessen aufsichtsrechtliche Einordnung noch geprüft wird. Beides gehört in die Abwägung.

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Steuern bei Robinhood in Deutschland

Hier liegt der Punkt, der in der Praxis die meiste Arbeit macht. Ein deutscher Broker führt die Abgeltungssteuer automatisch an das Finanzamt ab. Robinhood Europe tut das nicht.

Robinhood Europe führt für deutsche Kunden keine Abgeltungssteuer ab, weil das Unternehmen kein inländisches Kreditinstitut ist. Anleger müssen ihre Gewinne selbst in der Einkommensteuererklärung angeben.

Praktisch bedeutet das dreierlei. Du bekommst keine Jahressteuerbescheinigung deutscher Prägung, sondern kannst in der App einen CSV-Export deiner Transaktionen ziehen. Ein Freistellungsauftrag greift nicht. Und die Verrechnung von Verlusten musst du selbst im Blick behalten.

Dazu kommt die Produktfrage. Robinhood ordnet die Stock Tokens steuerlich als Derivate ein, nicht als Aktien. Für die deutsche Behandlung heißt das unter anderem, dass die Teilfreistellung für Fonds nicht greift und für Derivate eigene Regeln gelten.

Ich gebe hier bewusst keine Steuerberatung, das darf und will ich nicht. Aber die Richtung ist klar: Wer bei Robinhood handelt, holt sich zusätzlichen Aufwand ins Haus. Bei kleinen Beträgen ist das verschmerzbar, bei ernsthaften Positionen gehört ein Steuerberater dazu.

Vorteile und Nachteile von Robinhood in Deutschland

Nach der Durchsicht aller Produktseiten, der Gebührenordnung und der Rechtsdokumente ergibt sich ein klares Bild mit starken Ausschlägen in beide Richtungen.

Vorteile von Robinhood in Deutschland

  • Sehr niedrige Handelskosten: 0,10 % auf Stock Tokens sind günstiger als fast jeder deutsche Auslandshandel, es fallen keine Order- und Depotgebühren an.
  • Handel rund um die Uhr an fünf Tagen: Die Tokens laufen von Montag 02:00 Uhr bis Samstag 02:00 Uhr, deutsche Börsen bieten das nicht.
  • Attraktive Verzinsung des Cash-Bestands: 5 % auf ungenutzte Euro liegen über dem, was die meisten Tagesgeldkonten zahlen, bei täglicher Verfügbarkeit.
  • Sehr niedrige Einstiegshürde: Ab 1 Euro pro Position, keine Mindesteinlage, Einzahlung per SEPA-Echtzeitüberweisung.
  • Offene Preisliste: Die vollständige Gebührenordnung steht als Dokument öffentlich auf der Website, ohne Konto und ohne Registrierung.

Nachteile von Robinhood in Deutschland

  • Keine echten Aktien: Du kaufst Derivatkontrakte gegen Robinhood, ohne Eigentum am Wertpapier und ohne Stimmrecht.
  • Emittentenrisiko: Bei einer Insolvenz von Robinhood kann laut Anbieter das gesamte eingesetzte Kapital verloren gehen, unabhängig vom Kurs.
  • Deutlich schwächere Absicherung: Anlegerentschädigung bis 22.000 Euro statt 100.000 Euro Einlagensicherung.
  • Kein Steuerabzug an der Quelle: Keine Abgeltungssteuer, keine deutsche Jahressteuerbescheinigung, kein Freistellungsauftrag.
  • Kein ETF-Sparplan und keine Altersvorsorge: Für den langfristigen Vermögensaufbau fehlen die entscheidenden Bausteine.
  • Werte lassen sich nicht übertragen: Weder Stock Tokens noch das Konto lassen sich zu einem anderen Anbieter mitnehmen, du bist auf den Verkauf festgelegt.

Die Liste zeigt ein Muster. Robinhood ist beim Handeln stark und beim Besitzen schwach. Für kurzfristige Positionen und für Krypto ist das Angebot ernst zu nehmen, für den Aufbau eines Depots über Jahre fehlt zu viel.

Robinhood Alternativen in Deutschland

Wer echte Aktien in einem regulierten deutschen Rahmen will, findet das bei den heimischen Trading-Apps. Der Vergleich fällt eindeutiger aus, als es der Kostenvorteil von Robinhood vermuten lässt.

AnbieterWas du bekommstAufsicht
Robinhood EuropeTokens auf US-Aktien, Krypto, PerpetualsBank von Litauen
Trade Republicechte Aktien, ETFs, Sparpläne, KryptoBaFin, deutsche Vollbank
Scalable Capitalechte Aktien, ETFs, Sparpläne, DerivateBaFin

Der entscheidende Unterschied steht in der mittleren Spalte, nicht im Preis. Bei Trade Republic und Scalable Capital liegt das Wertpapier in deinem Depot und gehört dir. Beide führen die Steuer ab und bieten Sparpläne, die bei Robinhood komplett fehlen. Dafür zahlst du pro Order etwas mehr und handelst nicht nachts.

Für den Kryptoteil sieht die Rechnung anders aus. Dort ist Robinhood mit 0,50 % konkurrenzfähig, und die Auswahl von 97 Werten übertrifft das, was deutsche Neobroker im Angebot haben. Wer ohnehin Krypto und US-Aktienexposure in einer App bündeln will, findet hier eine schlüssige Lösung.

Einen breiteren Überblick über Konditionen und Handelsplätze der einzelnen Anbieter liefert unser Online-Broker-Vergleich.

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Fazit: Für wen sich Robinhood in Deutschland lohnt

Die Antwort auf die Ausgangsfrage lautet heute „ja, aber“. Robinhood ist in Deutschland angekommen, allerdings in einer abgespeckten Version, die mit dem US-Original wenig zu tun hat. Was in den Vereinigten Staaten ein vollwertiger Broker ist, ist hier eine Krypto-App mit tokenisiertem Aktien-Anhang.

Sinnvoll finde ich das Angebot für zwei Gruppen. Für Krypto-Anleger, die niedrige Kosten und eine große Auswahl in einer aufgeräumten App suchen. Und für aktive Trader, die gezielt kurzfristige Positionen in US-Werten außerhalb der deutschen Handelszeiten aufbauen wollen und mit dem Derivatecharakter bewusst umgehen.

Für alle anderen überwiegen die Nachteile. Wer ein Depot für zehn Jahre baut, wer Sparpläne nutzt, wer seine Steuer nicht selbst erklären will oder wem Eigentum am Wertpapier wichtig ist, fährt mit einem deutschen Anbieter schlicht besser. Das ist keine Kritik an Robinhood, sondern eine Frage des passenden Werkzeugs.

Was ich uneingeschränkt empfehle: Lies das Basisinformationsblatt zu den Stock Tokens, bevor du die erste Order gibst. Dort steht in wenigen Absätzen, was du wirklich kaufst. Wer diesen Schritt überspringt und die Tokens für Aktien hält, trifft eine Entscheidung auf falscher Grundlage, und das rächt sich erfahrungsgemäß im ungünstigsten Moment. Wie du solche Produkte systematisch einordnest, zeigen wir dir beim Traden lernen.

Häufige Fragen zu Robinhood in Deutschland

Kann man Robinhood in Deutschland nutzen?

Ja. Seit Dezember 2023 steht die App von Robinhood Europe im deutschen App Store zur Verfügung. Du handelst darüber Kryptowährungen, tokenisierte US-Aktien und Perpetual Futures. Das klassische US-Depot mit echten Aktien bleibt Personen mit US-Wohnsitz vorbehalten.

Gibt es bei Robinhood in Deutschland echte Aktien?

Nein. In Europa bietet Robinhood Classic Stock Tokens an, also Derivatkontrakte, die dem Kurs einer Aktie folgen. Du wirst kein Aktionär, hast kein Stimmrecht und trägst zusätzlich das Risiko, dass Robinhood selbst zahlungsunfähig wird.

Was kostet Robinhood in Deutschland?

Für Classic Stock Tokens fallen 0,10 % Währungsumrechnung je Order an, sonst nichts. Krypto kostet 0,50 % vom Euro-Wert, mindestens 0,01 Euro. Beim Staking behält Robinhood 15 % der Rewards ein. Depot- oder Abogebühren gibt es nicht.

Sind die 5 Prozent Zinsen bei Robinhood echt?

Die Rendite ist real, aber sie ist keine garantierte Verzinsung. Sie besteht aus 1,98 % Ausschüttung eines Geldmarktfonds von J.P. Morgan und einem Aufschlag von 3,02 % durch Robinhood. Diesen Aufschlag kann der Anbieter jederzeit beenden.

Ist Robinhood seriös?

Robinhood Europe ist von der Bank von Litauen zugelassen und beaufsichtigt. Der Konzern hat allerdings eine belegte Sanktionshistorie: 65 Millionen Dollar Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC im Dezember 2020 wegen verschwiegener Erlösquellen, dazu rund 70 Millionen Dollar der FINRA im Juni 2021. Seit Juli 2025 prüft die Bank von Litauen zusätzlich die Struktur einzelner Stock Tokens.

Muss ich Gewinne bei Robinhood selbst versteuern?

Ja. Robinhood Europe ist kein deutsches Kreditinstitut und führt keine Abgeltungssteuer ab. Du gibst deine Gewinne selbst in der Einkommensteuererklärung an und ziehst dir dafür einen CSV-Export deiner Transaktionen aus der App.

Was ist der Unterschied zwischen Robinhood und der Robinhood Aktie?

Robinhood ist der Broker, die Robinhood-Aktie ist ein Anteil am Unternehmen Robinhood Markets, das unter dem Kürzel HOOD an der Nasdaq notiert. Du kannst das eine besitzen, ohne das andere zu nutzen. Beides zu verwechseln, ist einer der häufigsten Irrtümer bei diesem Namen.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels handelt seit 1980 an den internationalen Märkten und ist Gründer von Kagels Trading. Sein Schwerpunkt liegt auf diskretionärem Price-Action-Trading nach der Methodik von Joe Ross, überwiegend in Futures und Forex. Seine Übersetzung des Elliott-Wellen-Standardwerks erschien 1989.

Broker und Handelsplattformen bewertet er aus der Perspektive des aktiven Traders. Entscheidend sind für ihn Ausführungsqualität, Kostentransparenz und die Frage, wem das gehandelte Produkt rechtlich gehört. Marketingversprechen zählen dabei nichts, geprüfte Primärquellen alles.

Für diesen Artikel hat er die Produktseiten, die Gebührenordnung, die Hilfeseiten und die Rechtsdokumente von Robinhood Europe ausgewertet, dazu die App-Store-Listung im deutschen Store und die Pressemitteilung der US-Börsenaufsicht SEC. Robinhood ist kein Werbepartner von Kagels Trading, es besteht keine Provisionsbeziehung.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer fachlich geprüft und von Karsten Kagels final geprüft.

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