Pennystocks – investieren wie der Wolf of Wallstreet? (2020)

Screenshot Wolf of Wallstreet

Wer den Wolf of Wallstreet und Leonardo DiCaprio gesehen hat oder sonst den ein oder anderen Blockbuster mit dem Thema Börse kennt, der hat schon einmal den Begriff Pennystocks oder auch den Begriff Pink Sheets gehört. Aber die wenigsten können damit etwas anfangen, da die Begriffe eine große Masse abdecken. Je nach Definition können hier auch Unterschiede bestehen, da ein Pennystock in Deutschland nicht unbedingt mit einem Pennystock aus den USA gleichzusetzen ist. Deshalb wollen wir uns mit diesem Artikel der Welt und dem Wissen rund um Pennystocks nähern

Was sind Pennystocks?

Der Name Pennystocks setzt sich aus den beiden Worten „Penny“ und „Stock“ zusammen, also einem geringen Betrag im Centbereich und dem Wort Aktie. Damit kann man auch schon leicht erklären, was ein Pennystock ist. Im Grunde genommen nichts anderes als eine Aktie, die, je nach Handelsplatz, für wenige Cent oder Penny gehandelt werden kann.

Im Regelfall handelt es sich dabei um Unternehmen, die kurz davor sind in die Insolvenz zu gehen oder die bereits pleite sind. Die Aktien eines solchen Unternehmens sind dann nicht mehr allzu viel wert und dabei handelt es sich häufig um einen Pennystock. Je nach dem sind dieser Pleitewelle gewisse Signale vorausgegangen, die für Leerverkäufer eine gute Investitionsgelegenheit geboten haben.

Eine Pennystock Aktie ist in Deutschland jede Aktie, die weniger als einen Euro wert ist. Deshalb handelt es sich eben eher um schlecht laufende Unternehmen. Andere fangen aufgrund ihres Volumens und den Fremdwährungsbedingungen eventuell als Pennystock an. So wie die berüchtigte Nel Asa Aktie in jüngster Vergangenheit oder aber Aston Martin. Diese war bzw. ist der Definition nach ein Pennystock, bei Nel Asa hat der jüngste Aufwind zu deutlich höheren Kursen fernab der 1 Euro Marke geführt, bei Aston Martin kann man noch vom Pennystock sprechen.

Screenshot OnVista Aston Martin Aktie als Pennystock
Aston Martin Pennystock Aktie

Trading mit Pennystocks

Pennystocks können bei den meisten Brokern wie Comdirect, OnVista, Flatex usw. gehandelt werden. Besondere Spezifika gibt es dabei nicht, da es für den Broker keinen Unterschied macht, ob es eine Amazon-Aktie zu 2.500 Euro pro Aktie ist oder ein Pennystock zu 0,50 Euro pro Aktie. Deshalb sind auch die Ordergebühren und alle weiteren Gebühren die gleichen. Pennystocks sind also keine eigene Anlageklasse, sondern definieren sich rein über den enorm geringen Wert je Aktie.

Wer mit einem bereits angeschlagenen Unternehmen traden will, der sollte aber wissen, dass es sich hierbei um ein Trading mit hohen Risiko handelt. Das Handeln mit Pennystocks kann zum Totalverlust führen, da es nicht selten ist, dass ein ohnehin insolventes Unternehmen das letzte bisschen Geld verliert und entweder delisted wird oder einen Börsenwert von 0 Euro erlangt. Dies sollte man sich immer bewusst machen.

Wer Interesse daran hat mit Pennystocks zu handeln, sollte deshalb nur in einem geringeren Finanzrahmen investieren. Manche betrachten das dann als Spielgeld wie im Casino. Also Geld, auf das man im Notfall verzichten kann. Umso geringer die eingesetzten Beträge, umso geringer auch der möglicherweise eintretende Verlust. Allerdings auch umso geringer der potentielle Gewinn. Dabei sollte man auch auf die jeweiligen Ordergebühren des Brokers achten. Wer pro Order 10 Euro zahlt, kann es sich nicht leisten nur mit 300 Euro zu investieren, da die Transaktionskosten viel zu hoch ausfallen. Hier empfiehlt sich ein günstiger Broker wie zum Beispiel Trade Republic.

Den einen Pennystock finden, der sich dann am besten aus dem Bereich der Pennystocks verabschiedet und ordentliche Gewinne abwirft, ist ein schwieriges Unterfangen. Es kann gelingen, doch ist die Wahrscheinlichkeit für einen langfristigen Erfolg ist relativ gering.

Wer kann Pennystocks handeln?

Es gibt keinerlei Einschränkungen im Handel mit Pennystocks. Wer also ein Depot besitzt und durch seinen Broker Zugang zu Pennystocks hat, der kann auch damit handeln. Spezielles Wissen wird hier nicht vorausgesetzt.

Allerdings ist es wie bei allen Trades – man sollte ein gewisses Grundverständnis von Börse und deren Bewegungen mitbringen. Ansonsten könnte der Handel mit Pennystocks schnell zu Verlusten führen.

Wo kann man Pennystocks handeln?

Um mit Pennystocks handeln zu können, gibt es keinen bestimmten Anbieter unter den Brokern. Dies funktioniert wie gesagt mit allen gängigen Brokern. Diese müssen die gewünschten Pennystocks nur in ihrem Angebot haben. Die Broker selbst unterscheiden sich aber teilweise stark innerhalb ihrer Gebührenstrukturen, weswegen hier ein Broker mit geringen Gebühren von Vorteil ist. Neben dem bereits erwähnten Trade Republic könnte man den LYNX-Broker oder Interactive Brokers in Erwägung ziehen, wenn man gerade Pennystocks aus den USA handeln will. Diese sind bei den meisten deutschen Brokern nämlich nicht handelbar. LYNX hingegen ist auf solche US-Pennystocks spezialisiert und bietet auch vernünftige Ordergebühren an. Selbstverständlich sind dort auch andere Aktien handelbar, die Auswahl an Pennystocks ist aber vermutlich die größte unter allen Mitbewerbern.

Auslandsaktien und die deutschen Pennystocks werden im Freiverkehr (dem sogenannten Open Market Segment) gehandelt. Dort sind die Aktienwerte untergebracht, die die Zulassungsvoraussetzungen am regulierten Markt nicht erfüllen. Dadurch unterliegen die Aktien des Open Market Segment weniger rigiden Anforderungen wie der Pflicht auf Quartalsberichte, Bilanzierungen oder Veröffentlichungspflichten.

Wie kann man Pennystocks handeln?

Beim Handel mit Pennystocks muss man nicht anders vorgehen wie mit allen anderen Aktien. Man sucht sich den entsprechenden Pennystock mit Potenzial heraus, legt ein Volumen fest und gibt die Order beim Broker im Orderbuch ein. Wenn diese ausgeführt wird, werden die Aktien in gewünschter Stückzahl ins Depot gebucht.

Um einen Pennystock mit Potenzial zu finden, muss man sich natürlich wie immer Gedanken über verschiedene Szenarien machen und sich fragen, wie und ob sich der Pennystock in die gewünschte Richtung bewegen kann. Dazu sollte man sich mit Unternehmenskennzahlen und Berichten auseinandersetzen. Gängige Aktienscreener wie der Aktienfinder oder der AlleAktien-Qualitätsscore sind hier weniger ratsam, da diese im Regelfall keine Pennystocks beleuchten.

Potenzial von Pennystocks

Wer sich mit Pennystocks beschäftigt, überschätzt häufig das Potenzial einer Aktie. Derzeit ist Aston Martin in aller Munde und einige sehen hierin einen geeigneten Pennystock, um langfristig gutes Geld zu verdienen. Schließlich kommen die meisten Pennystocks und so auch Aston Martin von einem viel höheren Niveau und sind davor jahrelang nicht im Bereich der Pennystocks zu finden gewesen. Das lockt bei einigen den Gedanken des schnellen Geldes hervor. Allerdings muss man sich hier auch fragen, warum sich die Aktien so weit von ihrem All Time High entfernt haben und ob sie dorthin auch nur ansatzweise je zurückkehren können.

Einige Anleger verfallen deswegen dem mathematischen Irrglauben, dass es ja viel einfacher sein muss den Aktienkurs zu verdoppeln, wenn dieser bei 10 Cent je Aktie liegt. Schließlich ist der Sprung zu 20 Cent so gering und kaum entfernt. Andere Papiere schwanken ja auch in Sekunden um solche Beträge. Um aber aus 10 Cent das Doppelte zu machen ist eine relative Kurssteigerung von 100 Prozent notwendig. Soll eine Aktie von 50 Euro auf 100 Euro klettern, dann wirkt das für einige deutlich unrealistischer. Die 100 Prozent Kurssteigerung sind aber in beiden Fällen notwendig. Das sollte man nicht vergessen.

Wenn eine Aktie tief gefallen ist, stellt dies umgekehrt auch noch keine Garantie für schneller steigende Kurse dar. Untersuchungen verschiedener Studien haben sogar nahegelegt, dass sich schwache Aktien eher unterdurchschnittlich entwickeln und deshalb kein gutes Investitionsprodukt sind.

Entscheidend für den Kursverlauf ist auch das Handelsvolumen einer Aktie. Bei einem Pennystock ist dieses Volumen sehr gering und es gibt oft einen großen Unterschied zwischen dem Geldkurs (Bid) und dem Briefkurs (Ask).

Auf der anderen Seite darf man aber nicht außer Acht lassen, dass einige Pennystocks tatsächlich häufig von extremen Kursschwankungen betroffen sind und sich hier mit klugen Trades einiges an Geld verdienen lässt.

Unterschiede zwischen Pennystocks

Wie oben gezeigt, ist die Faustformel zur Ermittlung eines Pennystocks ganz einfach. Jede Aktie, die unter einem Euro dotiert, ist ein Pennystock. Das ist allerdings nicht immer verlässlich und eine einheitliche Pennystock Definition wird sich nur schwer formulieren lassen. Ein Pennystock suggeriert nämlich oftmals ein praktisch wertloses Unternehmen. Manche Länder bilden aber den Beweis dafür, dass ein Pennystock nicht gleich ein Pennystock sein muss.

Betrachtet man das Niveau der Vodafone Aktie, dann könnte man schnell den Eindruck eines nahenden Pennystocks gewinnen. Zeitweise rangierten diese Aktie sehr nah an der magischen Ein-Euro-Grenze. Das Unternehmen an sich ist aber solide aufgestellt und steht nicht mit einem Bein in der Pleite. Der Kurs ist aber deshalb so niedrig, weil es eine hohe Anzahl an Vodafone-Aktien auf dem Markt gibt. Dadurch wird der Kurs entsprechend kleiner, das Unternehmen an sich ist aber dennoch sehr wertvoll und fernab vom eigentlichen Pennystock.

Auch an den Börsen in Australien oder Hong Kong lassen sich solche Unternehmen finden, die auf den ersten Blick wie ein nahender Pennystock wirken, aber eigentlich kaum als Pennystock mit all seinen Facetten bezeichnet werden können. Der weltweit führende Produzent von Bauxit und Aluminium aus Australien Alumina befindet sich derzeit auf Pennystock-Niveau, eine Schieflage des Unternehmens lässt sich in diesem Fall aber noch nicht ableiten.

Pennystocks in den USA

Eine ganz andere Ausnahmesituation bilden die USA ab. Denn dort erfüllen Pennystocks andere Voraussetzungen. Während bei uns in Deutschland die Ein-Euro-Grenze darüber bestimmt, sind in den USA alle Aktien mit einem Kurswert unter 5 US-Dollar als Pennystocks betitelt. Dies liegt weniger an einer magischen oder ausgedachten Grenze als an der Tatsache, dass man für den US-Markt einen Mindestkurs von 5 Dollar je Aktie benötigt. Ansonsten kann das Unternehmen nicht an den wichtigsten Börsen NYSE oder Nasdaq gelistet werden.

Aus diesem Grund sind solche Unternehmen mit weniger als 5 US-Dollar je Aktie ähnlich wie im Freiverkehr als sogenannte Over-the-Counter (OTC) Handel zu finden – also über die Theke. Diese sind dann als sogenannte Pink Sheets gelistet und handelbar.

Pink Sheets

Screenshot Pink Sheets

Diese Pink Sheets (der Wortbedeutung nach sind die notwendigen Informationen zu den Aktien und deren Transaktionen auf pinke Papierbögen gedruckt worden, wonach sich der Name ableitet) sind eine außerbörsliche Handelsplattform der Privatbank Pink Sheets LLC und so nur in den USA zu finden. Um bei den Pink Sheets gehandelt zu werden, müssen keine tiefergehenden Auflagen erfüllt werden. Dadurch unterliegen sie ähnlich dem Freiverkehr keinen gesetzlichen Anforderungen und eine Registrierung bei der amerikanischen Wertpapierbehörde SEC entfällt ebenso.

Dies stellt für Anleger eine besondere Herausforderung dar, da man nur schwer an verlässliche Informationen herankommt, weil keine Veröffentlichungspflichten bestehen. Somit sind die meisten Informationen über die Pink Sheets eher ungeprüft und mit großer Vorsicht zu genießen. Die Kursfestsetzung dieser Pink Sheets unterliegt ebenfalls keiner wirklichen Regel, weswegen es sich hier um echte Zockerpapiere handelt. Diese Zockereien sind auch oft genug Grundlage für Betrug gewesen, was im eingangs erwähnten Wolf of Wall Street filmisch aufbereitet wurde. Der Börsenmakler Jordan Belfort, dessen Leben und Wirken an der Börse im Film von Leonardo DiCaprio dargestellt wurde, konnte jahrelang mit diesen betrügerischen Geschäften durch Pennystocks und Pink Sheets in Reichtum leben. Dieser Betrug war aber strafbar und so erhielt Belfort dann auch die strafrechtliche Quittung. Heute ist er deshalb nicht mehr an der Börse, sondern als Motivationstrainer tätig.

Kurs und Aktienvolumen

Der Kurs von Aktien bestimmt sich oftmals auch über das Aktienvolumen. In einigen der bereits erwähnten Länder wie England oder Australien hängt dies mit einer anderen Aktienkultur und auch einem ganz anderen Börsenrecht als in Deutschland zusammen. Die vorhin angeführte Alumina hat ebenso wie Vodafone ein immens hohes Aktienvolumen, wodurch der geringe Kurs zustande kommt.

Das liegt daran, dass in diesen Ländern eine Kapitalerhöhung meistens zu Kursen von wenigen Cent durchgeführt werden können. Dies führt natürlich zu einer gewissen Verfälschung des Aktienkapitals. In Deutschland wäre bei einem solchen Vorgang beispielsweise ein Mindestkurs von 1 Euro vorgeschrieben. Aus diesem Grund sind deutsche Pennystocks auch wirklich nur Aktien, die ohne eine Zusammenlegung von Aktien, dem sogenannten Reverse Split, gar nicht mehr die Möglichkeit haben durch eine Kapitalerhöhung eine Refinanzierung zu erreichen. Deutsche Pennystocks sind deshalb nochmals mit größerer Vorsicht zu genießen, da es sich hier wirklich um echte Pleitegeier handelt. Von echten deutschen Pennystocks sollte deshalb Abstand genommen werden, weil es hier eher dem Ramsch auf dem Wühltisch oder dem Schrottplatz gleichkommt. Eine wirkliche Kurserholung ist bei diesen eher ausgeschlossen.

Chance oder Pleiterisiko?

Grundsätzlich bieten Pennystocks hohe Chancen für risikomutige Anleger. Wer hier einen guten Trade landet, kann in der Tat mit einigen hundert Prozent Gewinn rechnen. Wenn man sich beispielsweise nochmals Aston Martin betrachtet, waren vom Tiefpunkt bis zum letzten Hochpunkt als Pennystock rund 300 Prozent Kurssteigerung möglich. Dazu muss man dann aber irgendwann auch Gewinne realisieren. Denn Stand jetzt sind es schon „nur“ noch 7o Prozent. Einige hoffen bei dieser speziellen Aktie durch den Formel 1 Einstieg, ein neues Management, ein neues Auto etc. auf frühere Kurse von 2 bis 4 Euro. Das wäre sehr wünschenswert, aber ist vermutlich reines Wunschdenken.

Aston Martin ist hier nur Sinnbild für viele andere Unternehmen und Hoffnungen der Pennystocks. Eine Chance besteht, aber man muss dazu dennoch Unternehmen analysieren und auswählen, die nicht nur ein gewünschtes Potenzial aufweisen.

Das Pleiterisiko ist hingegen bedeutend höher. Allein schon, weil einige Pennystocks reine Börsenmäntel, also der gelistete Rest von insolventen Unternehmen, sind. Diese haben nie die Chance einen Turnaround zu erfahren oder wieder Gewinne auszuschütten. Gerade im Freiverkehr wird der Börsenhandel auch Jahre nach einer Insolvenz weitergeführt. Aussichten auf Erfolg gibt es hier nicht. Einziger Vorteil für die Anleger, man kann Verluste realisieren, um diese steuerlich geltend zu machen. Vorteil für die Banken, sie verdienen durch Ordergebühren weiterhin durch mögliche Transaktionen. Andere Vorteile lassen sich kaum finden.

Dead Cat Bounce

Der sogenannte Dead Cat Bounce ist eine Metapher, die auf einige Börsenverläufe angewandt werden kann. Bei Pennystocks findet sich das makabre Bild der toten Katze verstärkt wieder. Im englischen Original lautet der Ausspruch “Even a dead cat will bounce if it is dropped from high enough!” und bedeutet so viel, wie eine Katze, die von sehr hoch fällt, schlägt auf und springt nochmals ein bisschen nach oben. Das bedeutet, dass einige Pennystocks starke Kursausschläge zeigen, weil Trader massenhaft in die Aktie einsteigen. In Zeiten von Social Media und Social Trading hat sich das noch deutlich verstärkt. So posten die Börsen-Influencer ihren Kauf und einige ziehen mit. Auch ein Anstieg des Handelsvolumens reicht aus, um eine große Nachfrage für eigentlich tote Aktienpapiere zu entfesseln. Dieser Dead Cat Bounce ist aber nicht von Nachhaltigkeit geprägt. Ein erfahrener Trader kann auf die Art sicherlich Geld verdienen, die unerfahrenen laufen dem kurzfristigen Trend allerdings hinterher und tendieren eher zu Verlusten.

Wie gut sind Pennystock Empfehlungen?

Die Börse handelt die Zukunft und ist der realen Wirtschaft immer ein Stückchen voraus. Soweit eine weitere Börsenweisheit, die gewiss ihre Berechtigungen hat. Die Erfahrung zeigt aber auch, umso eher sich der Markt in einem massiven Aufschwung präsentiert, umso eher boomen auch die Pennystock Aktien. Nicht weil sie der Wirtschaft und dem Leben voraus sind, sondern weil es eher zu leicht irrationalen Handlungen kommt. Statt nach einer fundierten Unternehmensanalyse gesunde Unternehmen zu kaufen, investieren viele in den neuesten Trend. Diese werden dann in genügend Internetforen aufgetan und sehr häufig sind gerade die Sektoren, in die man unbedingt investieren soll, bereits deutlich überhitzt und zumindest ein kurzfristiger Bärenmarkt könnte vor der Tür stehen.

Solche Aktienhypes haben wir beipielsweise bei Marihuana Aktien verfolgen können. Stellt sich dann aber heraus, dass an dem aufkommenden Pennystock Boom wenig bis keine Substanz zu finden ist, so fallen diese so schnell wie sie gestiegen sind. Wer hier kein gutes Timing beweist, wird keinen Erfolg haben können. Deshalb sind Pennystock Empfehlungen in Börsenforen oder Facebookgruppen keine gute und verlässliche Quelle. Die eine Aktie kann zwar dabei sein, aber diese aus all den schlechten herauszufiltern bedarf auch ein wenig Können.

Mantelspekulation

Wie oben beschrieben, werden einige Pleiteunternehmen als Börsenmantel benutzt. Auf diese Art können andere Unternehmen einen Börsengang wagen ohne einen IPO (Initial Public Offering) vollziehen zu müssen. Dadurch erspart man sich Zeit und Geld für den Börsengang. Dieser Prozess wird auch Back Door Listing, also ein Listing an den Börsenmärkten durch die Hintertür, genannt. Dazu muss man allerdings die Mehrheit der bestehenden Aktien am insolventen Unternehmen besitzen. Verschiedene Maßnahmen führen dann durchaus zu einer Wiederauferstehung der Aktiengesellschaft.

Aus solchen Methoden entwickeln sich oftmals dann Mantelspekulationen. Anleger gehen also davon aus, dass die Wiederbelebung des Unternehmens zu steigenden Kursen führen wird. Wer risikobereit ist, kann mit einem solchen Pennystock mit guten Chancen traden. Die eigentliche Aktiengesellschaft ist aber dennoch wertlos und deshalb kann auch hier ein Risiko auf Verluste bestehen. Wer sich auf solche Trades versteht, wird im Bereich Pennystocks aber keine bessere Gewinnmöglichkeit finden.

Wenn die Pennystock-Blase platzt

Man sieht also, dass sich die Pennystocks nur schwer fundiert betrachten lassen, da man an einige Informationen kaum gelangt und andere Informationen mit Vorsicht zu genießen sind. Der Trend oder regelrechte Booms bestimmen oftmals eher das Kursverhalten eines Pennystocks als ernsthafte Analysen. Deshalb ist das Aufblähen solcher Pennystock-Blasen keine Seltenheit. Wie immer platzt diese Blase irgendwann und wer dann nicht bereits Gewinne mitgenommen oder Verluste begrenzt hat, der verliert unter Umständen alles.

Betrug mit Pennystocks

Der Wolf of Wall Street ist ein prominentes Beispiel zum Betrug mit Pennystocks. Auch wegen illegaler Handlungen kann die Pennystock-Blase platzen und den normalen Privatanleger mit in die Verlustzone ziehen. Deshalb werden häufig gezielt falsche Informationen über einzelne Unternehmen verbreitet, um dann mit den Kursanstiegen der Pennystocks jede Menge Gewinn einzufahren. Ganze Netzwerke verfolgen dann das Ziel den nächsten Boom auszulösen und möglichst viele Anleger von den Gewinnchancen zu überzeugen.

Diese Betrügereien verlaufen aber ohne Substanz und füllen am Ende nur das Konto des Betrügernetzwerkes. Gefälschte Internetseiten mit Fachartikeln und Kaufempfehlungen, News in allen Internetforen etc. gehören dabei zur Strategie von den Betrügern. So werden den weniger erfahrenen Tradern Pennystocks untergeschoben, die keinerlei Substanz haben. Ein solches betrügerisches Netzwerk konnte 2013 in den USA aufgedeckt werden. Diese hatten bis dato mit ihren Methoden rund 140 Millionen US-Dollar verdient. Die Privatanleger aber jede Menge Geld verloren.

Alternativen zu Pennystocks

Pennystocks sind risikoreiche Anlagemöglichkeiten, die für die meisten Anleger eher nicht in Frage kommen oder kommen sollten. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist mitunter deutlich zu groß. Stattdessen gibt es Alternativen zu den Pennystocks, die mit besseren Chancen aufwarten können.

Small Cap Aktien

Screenshot Onvista betathome
Bet-at-Home Aktie

Eine Alternative sind die Small Cap Aktien. Diese weisen wie die Pennystocks eine geringe Marktkapitalisierung auf und der Gesamtwert der Aktien ist ebenfalls eher niedrig. Anders als bei den meisten Pennystocks gibt es bei den Small Cap Aktien aber noch ein operatives Geschäft. Es handelt sich hier also nicht um insolvente Unternehmen ohne wirkliche Geschäftstätigkeit, sondern um noch funktionierende Firmen.

Wer hier niedrig einsteigt, kann schnell mit großen Kursgewinnen rechnen. Ein Beispiel könnte die Geschichte von Cancom sein. Über viele Jahre hinweg war dieses Cloud Computing Unternehmen eher Pennystock als ernstzunehmende Aktie. Mit dem Ausbau der Cloud Computing Sparte und dem großen Bedarf an dieser Technologie und dem Service konnte die Cancom Aktie von 0,62 Euro im Jahr 2008 heute auf fast 50 Euro klettern. Das ist eine Erfolgsgeschichte, die alle Anleger gern miterlebt hätten.

Gerade im Bereich von IT-Firmen oder Biotechunternehmen sind solche Small Caps zu finden. Deshalb sind diese meist sinnvoller als die Pennystocks. Ebenso sind die Small Caps nicht im Freiverkehr, sondern im regulierten Börsenmarkt zu finden.

Turonaround Aktien

Screenshot OnVista Carnival Pennystock
Carnival Aktie

Die zweite Alternative sind die Turnaround Aktien. Das sind Aktien, bei denen man aufgrund der positiven Erwartungen rund um das Unternehmen auf einen neuen Schub und eine Umkehr setzt. Beispielsweise könnte der Aktienkurs über längere Zeit gefallen sein, weil die Geschäftszahlen nicht mehr überzeugen konnten. Gibt es dann die ersten positiven Signale auf Verbesserungen könnte man hier eine gute Einstiegsgelegenheit finden. Prominente Beispiele lassen sich zuhauf finden, Apple oder Puma gehören beispielsweise dazu.

Natürlich kann man auch bei Turnaround Aktien daneben liegen, allerdings handelt es sich auch hier um Unternehmen, die noch ein operatives Geschäft besitzen und Aussichten auf Verbesserungen liefern. Damit ist das Verlustrisiko im Vergleich zu Pennystocks minimiert.

Risiken bei Pennystocks

Wie wir nun sehen, sind die Risiken beim Trading mit Pennystocks relativ hoch. Deshalb muss man sich selbst fragen, wie risikobereit man ist und ob eine Investition in einen Pennystock eine gute Investmentidee darstellt. Wer bereit ist ein Risiko einzugehen, der kann mit Pennystocks einen Gewinn erzielen. Zu beachten ist aber das Chance-Risiko-Verhältnis und die Bereitschaft einen Totalverlust in Kauf zu nehmen.

Deshalb empfiehlt es sich, eher mit Spielgeld als mit den höchsten Summen in solche Pennystocks zu investieren.

Risiken minimieren

Man kann die Risiken beim Trading mit Pennystocks aber auch minimieren. Dazu sollte man auch bei einem Pennystock so viele Informationen rund um das Unternehmen sammeln und auswerten wie möglich und eine fundierte Analyse durchführen. Ebenso sollte man nicht jedem Trend eines Börsenforums hinterherlaufen oder jeden Tag einen anderen Boom ausmachen. Es empfiehlt sich auch ab und an Gewinne mitzunehmen und nicht ewig weiterlaufen zu lassen. Nach unten hin sollte man mit einem Stop Loss arbeiten, um die Verluste zu begrenzen. Allerdings sind Pennystocks starken Schwankungen unterworfen, weswegen man hier auch schnell nach oben oder unten ausgestoppt werden kann.

Fazit zu Pennystocks

Pennystocks sind sicherlich eine Möglichkeit interessante Chancen zu traden. Allerdings ist diese Anlageklasse eher erfahrenen Tradern und Leerverkäufern anzuraten und nichts für Privatanleger. Die Ersteren können mit ihrer Erfahrung besser auf die Chancen und Risiken reagieren, die Letzteren sollten eher andere Anlagemöglichkeiten in Betracht ziehen. Small Cap und Turnaround Aktien könnten da die bessere Alternative sein.

Wer allerdings ein bisschen Spielgeld übrig hat und mit einem Totalverlust leben kann, kann auch einfach mal in einen vielversprechenden Pennystock investieren und sehen, was dabei rauskommt. Das ist aber wirklich nur mit einem Spielgeld in einer Höhe, die verschmerzbar ist, zu empfehlen.

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