Orderbuch Trading – DOM, Level 2 und Time & Sales

Orderbuch Trading – DOM, Level 2 und Time & Sales
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In diesem Artikel möchte ich einmal näher auf die Begriffe DOM, Level 2 und Time & Sales eingehen. Zudem möchte ich Euch auch einen Einblick in das Orderbuch Trading geben.

Die gängigsten Orderarten

In dem Orderbuch werden alle Kauf- und Verkaufsaufträge gesammelt. Dadurch wird dann der Gleichgewichtspreis festgelegt.

Orderbücher gibt es für alle börsengehandelten Wertpapiere.

Doch bevor man sich mit der Preisbildung und der Entstehung des Gleichgewichtspreis vertraut macht, sollte man erst einmal die gängigen Orderarten kennen.

Billigst-Order (unlimitierte Kauforder, auch als Buy Market bezeichnet):

Der Anleger erklärt sich bereit, jeden Preis für den Kauf der Wertpapiere zu akzeptieren.

Bestens-Order (unlimitierte Verkaufsorder, auch als Sell Market bezeichnet):

Der Anleger erklärt sich bereit, jeden Preis für den Verkauf der Wertpapiere zu akzeptieren.

Limitierte Kauforder:

Der Anleger gibt einen Preis vor, bis zu welchem er maximal die Aktien kaufen möchte.

Limitierte Verkaufsorder:

Der Anleger gibt einen Preis vor, welchen er mindestens beim Verkauf erzielen möchte.

Stop-Loss-Order:

Eine Stop-Loss-Order ist ein Verkaufsauftrag, der bei Erreichen oder Unterschreiten eines vom Anleger festgesetzten Limits zum nächsten Preis bestens ausgeführt wird.

Stop-Buy-Order:

Eine Stop-Buy-Order ist ein Kaufauftrag, der bei Erreichen oder Überschreiten eines vom Anleger festgesetzten Limits zum nächsten Preis billigst ausgeführt wird.

Stop-Sell-Order:

Eine Stop-Sell-Order ist ein Verkaufsauftrag, der bei Erreichen oder Unterschreiten eines vom Anleger festgesetzten Limits zum nächsten Preis bestens ausgeführt wird.

Limit-Orders und Market-Orders

Wenn man sich die Orderarten anschaut, gibt es aber im Prinzip nur vier Kräfte.

  • Kauf Limit (Buy Limit)
  • Verkaufs Limit (Sell Limit)
  • Kauf Market (Buy Market)
  • Verkauf Market (Sell Market)

Auch Stopp-Loss-Orders sind Market Orders. Denn wenn ein bestimmter Preis (Stopp-Loss) erreicht wird, wird diese Order zum nächsten Kurs (Market) ausgeführt.

Diese Stopp-Loss-Orders sieht man aber nicht im Orderbuch. Im Orderbuch sind nur die Limit-Orders ersichtlich.

Eine Limit Order alleine kann aber noch keine Ausführung erhalten. Es bedarf dazu einen weiteren Marktteilnehmer, der eine Market Order für den Ein- oder Ausstieg nutzt und damit die im Markt stehende Limit-Order ausführt.  Es sind also die Market Orders, welche die treibende Kraft im Markt sind.

Das Orderbuch erklärt

Das Orderbuch wird auch als DOM (Depth of market) bezeichnet. In der folgenden Abbildung sehen wir das Orderbuch  für den DAX-Future mit den zehn jeweils besten Geldkursen (Bid) und Briefkursen (Ask).

Auszug aus dem Orderbuch des DAX-Future mit den besten Geldkursen (Bid) und Briefkursen (Ask)

Das Orderbuch mit den jeweils zehn besten Geld- und Briefseiten

Was ist Level 2?

Es gibt Level 1 und Level 2 Daten. Diese geben einen Einblick in die Markttiefe.

Bei Level 1 Daten sieht man im Orderbuch sozusagen nur die 1. Linie der Markttiefe. Man erhält hier nur Einblick in die jeweils beste Geldseite und Briefseite. Oder anders ausgedrückt, man sieht hier sozusagen nur den Spread. Der Spread ist die Differenz zwischen der besten Geld- und Briefseite.

  • Die beste Geldseite ist somit das höchste Kauflimit.
  • Die beste Briefseite dagegen ist somit das niedrigste Verkaufslimit.

Bei dem oben abgebildeten Orderbuch liegt der Spread bei 1 Punkt.

Der FDAX notiert also 12.704 zu 12.705.

  • 12.704 ist hierbei die beste Geldseite bzw. das höchste Kauflimit.
  • 12.705 ist dagegen die beste Briefseite bzw. das niedrigste Verkaufslimit.

Level 1 Daten enthalten also folgende Daten:

  • Besten Geld- und Briefkurs mit dem jeweiligen Volumen
  • Den letzten Preis mit dem jeweiligen Volumen

Für das reine Charting sind somit die Level 1 Daten vollkommen ausreichend.

Daher werden viele Retail Trader auch nie Level 2 Daten wirklich genutzt oder vielleicht sogar etwas davon gehört haben. Das ist schon ziemlich abgefahren, wenn man sich vorstellt, dass die meisten Leute mit nur einem Bruchteil der möglichen Informationen agieren und denken, Sie könnten (speziell im Daytrading) profitabel handeln.

Bei den Level 2 Daten erhält man dagegen einen Einblick in die komplette Markttiefe. Man erhält sozusagen einen Einblick in den wirklichen Markt.

Die Markttiefe ist von Markt zu Markt verschieden, aber bei den meisten Märkten entspricht die komplette Markttiefe zehn Stellen bzw. zehn Linien im Orderbuch.

Das heißt man erhält Einsicht in die zehn besten Geld- und Briefseiten.

Die Level 2 Daten sind daher auch teurer als die reinen Level 1 Daten.

Doch um eine komplette Einsicht in das Orderbuch zu erhalten, benötigt man Level 2 Daten.

Level 2 Daten und somit das Orderbuch ist ein oft unterschätztes Tool.

Trading Industrie möchte Informationen zurückhalten

Die Trading Industrie, vertreten durch die Broker, hat kein kein Interesse daran, dass die Leute wirklich nachhaltig profitabel agieren. Viele CFD Broker profitieren sogar davon, wenn die Kunden Geld verlieren.

Doch als CFD Trader erhält man in der Regel keine Level 2 Daten. Daher wurde viel daran gearbeitet, dass die Mehrheit der Leute denken, sie könnten erfolgreich im Daytrading agieren und das nur mit Charts.

Als die Industrie erkannt hat, dass die Leute nicht mehr so dumm wie früher waren und das Volumen ein wichtige Information für das Trading darstellt, wurden Market Profile und Footprints Charts immer mehr auch an die breite Masse der Daytrader  vermarktet. Denn damit kann wieder zusätzliches Geld von der Trading-Industrie wie Broker und Softwareanbieter verdient werden.

Das Orderbuch lesen können

Doch es ändert immer noch nichts, dass die meisten Trader, die mit Market Profile oder Footprints Charts arbeiten, immer noch nicht das Orderbuch „lesen“ können.

Meiner Meinung nach ist es eine Illusion zu wissen, was in dem Markt wirklich los ist, wenn man nicht direkt mit dem Orderbuch inklusive der Level 2 Daten und der Time & Sales Liste arbeitet.

Zudem ist das Ganze sehr kostengünstig, aber gleichzeitig mindestens genauso effektiv wie all die anderen am Markt angeboten Tools. Ich behaupte sogar noch besser.

Warum?

Weil man sich wirklich mit dem Markt beschäftigen muss.

Natürlich ist das extrem anstrengend, aber das ist Trading.

Wer denkt, er kann einfach einen Chart anschauen, einen Indikator reinlegen und nachhaltig sehr profitabel agieren, irrt sich. Klar gibt es Ausnahmen, aber in der Regel wird das nicht der Fall sein.

Chartanalyse kann jeder, aber das hat nichts mit dem aktuellen Marktgeschehen zu tun.

Speziell im Daytrading und in den kleineren Zeitebenen hat man nur mit Charts meiner Meinung nach keinen Vorteil.

Time & Sales

Die Time & Sales Liste ist zusammen mit dem Orderbuch das beste Tool für das Daytrading. Man sieht hier den Orderflow des jeweiligen Wertpapiers.

Das Time & Sales zeigt jeden einzelnen Trade, der in dem jeweiligen Wertpapier durchgeführt worden ist.

Neben dem Zeitpunkt des Trades, sieht man auch den Preis und das Volumen.

Mit der Time & Sales Liste allein wird es recht schwer, sich einen Vorteil zu erarbeiten.

Aber zusammen mit dem Orderbuch sieht das Ganze anders aus.

Screenshot der Time & Sales Liste für den DAX-Future

Eine Liste der ausgeführten Trades

Meiner Meinung gibt es im Trading zwei Wahrheiten: Zum einen der Preis und zum anderen das Volumen.

Wenn man in der Lage ist, das Orderbuch zu lesen, erhöht das die Wahrscheinlichkeit im Trading essentiell.

Orderbuch Trading

Kombiniert man nun das Orderbuch und die Time & Sales Liste, kann man damit Orderbuch Trading betreiben.

Wichtig ist aber, dass man erst einmal mit beiden Instrumenten für sich vertraut ist, bevor man beide kombiniert.

Zudem sollte man auch wissen, wie der Markt wirklich funktioniert, also welche Orderarten es gibt und wie diese sich auf den Markt auswirken.

Screenshot der Markttiefe und Time & Sales kombiniert für DAX-Future

DOM und Time & Sales Liste kombiniert

Bei dieser Kombination von DOM und Time & Sales erhält man einen guten Einblick in den Markt.

Zum einen sieht man das Ordervolumen, die ausgeführten Trades und die Trades in der „Warteschlange“ (die über und unter dem Markt liegenden Limit-Orders).

Man sieht, wie viel Kontrakte es braucht, um den Preis x Punkte nach oben oder nach unten zu bewegen.

Durch die Schnelligkeit des Time & Sales und des Rhythmus, mit dem Aufträge ausgeführt werden, kann man erkennen, ob der Markt hektisch oder nervös wird.

Vergleicht man die Time & Sales mit dem Orderbuch sieht man, wie sich die Geld- und Briefseiten ändern. Gibt es ein „Ungleichgewicht“? Welche Seite ist zur Zeit die „Stärkere“?

Zudem sieht man, ob neues Volumen reinkommt bzw. wie dieses sich ändert.

Fragen, die sich ein Orderbuch Trader stellen kann

  • Wie hoch ist das angezeigte Volumen zu einem Preis und wie wie viele Kontrakte werden dann tatsächlich zu diesem Preis gehandelt?
  • Mit welcher Geschwindigkeit werden die jeweiligen Geld- und Briefseiten bedient?
  • Was macht der Spread? Wie ändert sich der Spread mit den Ausführungen und der Geschwindigkeit?
  • Auf welcher Seite des Spreads werden die Orders ausgeführt?

Wenn man Long ist und die Orders die Briefseiten bedienen, ist das ein gutes Indiz für anhaltende Stärke und vice versa.

Zudem sollte man auch wissen, zu welcher Uhrzeit in der Regel welche Marktteilnehmer am Markt sind und wie diese agieren.

  • Wie ist das Volumen und der Rhythmus gewöhnlich zu welcher Zeit am Markt?
  • Wann ändert sich der Rhythmus und/oder das Volumen?
  • Welche Handelssysteme (Algos) laufen bzw. könnten laufen und was könnten diese machen?

Es gibt viele Aspekte, die im Orderbuch Trading mit einbezogen werden müssen.

Doch ist man dazu einmal in der Lage und ist bereit, diese Anstrengung auf sich zu nehmen, kann man dadurch einen nachhaltigen Vorteil im Markt (Trading Edge) erzielen.

Denn es ist ganz einfach so, dass der Großteil der Trader dazu einfach nicht in der Lage ist, und die dazu in der Lage wären, sind einfach zu „faul“.

Orderbuch Trading heißt nicht nur, einfach in das Orderbuch zu schauen und zu sehen, wo was passiert ist. Sondern auch und vor allem zu verstehen, wie, wo und was passiert ist, und zu erahnen wie, wo und was passieren könnte.

Und das sieht man im Chart nicht. Man sieht dort nicht, wie etwas wo im Detail passiert ist.

Doch das ist das Detail, was einem den nötigen Tradingvorteil im Daytrading bringen kann.

  • Welchen Rückschluss kann der Daytrader ziehen, wenn die nächste Order die Geldseite bedient?
  • Was bedeutet es, wenn die Briefseite ausgeführt wird.
  • Was bedeutet es, wenn das Volumen sich ändert?
  • Was bedeutet es, wenn sich der Rhythmus des Orderflows ändert?

Man muss zum einen in der Lage sein, die vergangene und die jetzige Situation zu erfassen. Aber natürlich muss man auch ableiten können, wie die zukünftige Situation sein wird, um auf alle Szenarien vorbereitet zu sein.

Das ist dann das, was das Trading so anspruchsvoll und komplex macht.

Abschließendes Fazit zum Thema Orderbuch Trading, Dom und Time & Sales

Einen Chart zu lesen oder einfach in das Orderbuch reinzuschauen, ist nicht komplex.

Das bedeutet aber nicht, dass man im Orderbuch Trading unfehlbar sein kann und keine Verluste erzielt.

Natürlich sind Verluste auch Teil des Tradings nach DOM und Time & Sales.

Auch beim Orderbuch Trading wird man falsch liegen oder gewisse Dingen übersehen.

Es gibt auch Situationen, in denen das Orderbuch vielleicht sogar keinen Vorteil bringt oder einen die Algos verarschen :).

Aber man kann meiner Meinung nach einen nachhaltigen Vorteil erlangen, welcher sich in einer nachhaltig guten Performance ausdrückt, wenn man es versteht, die in diesem Artikel vorgestellten Tools zu nutzen.

Zudem ist es die reinste Form des Daytradings. Näher am Markt kann man nicht sein und das ist es, was für mich Trading ausmacht.

 

Wer live mit erleben will, wie Orderbuch Handel funktioniert und welche Performance damit erreicht werden kann, testet unseren Dax Live Trading Room.

 

>>zurück zum Anfang des Artikels Orderbuch Trading – DOM, Level 2 und Time & Sales

 

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Josef - 26/02/2018

Wie bekomme ich die <Daten aus dem Orderbuch ???
mfg. Josef Lehner

Antworten
    Michael Herz - 26/02/2018

    Guten Abend Herr Lehner,

    diese erhalten Sie über Ihren Broker, sofern dieser Futures anbietet.

    Ansonsten können Sie die Daten auch bsp. über ProRealTime kostenlos für zwei Wochen beziehen.

    Bitte geben Sie dafür EUREX Level 1 und 2 an.

    https://www.prorealtime.com/de/partner_redirect.phtml?pr_page=index&pr_from=473965

    Zusätzlich zu den Level 1 und 2 Daten erhalten Sie mit ProRealTime auch eine Plattform für das Charting, das Orderbuch/DOM und vielen weitere Funktionen.

    Bei Fragen melden Sich bitte.

    LG Michael Herz

    Antworten

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