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Orderbuch Trading: DOM, Level 2 und Time & Sales verstehen

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2026

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21 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

KI für Trader Hauptkurs
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Die meisten Trader sehen vom Markt nur den Chart. Der Chart zeigt, was bereits passiert ist. Das Orderbuch zeigt dagegen, welche Kauf- und Verkaufsaufträge gerade jetzt im Markt liegen und zu welchen Kursen die Marktteilnehmer bereit sind zu handeln. Das ist ein anderer Blickwinkel auf denselben Markt. Wie ein Anbieter das Lesen des Orderbuchs unterrichtet und was das kostet, steht in unserem IB-Trader Test. Wie eine spezialisierte Software das Orderbuch aufbereitet, zeigt der Testbericht zu Jigsaw Depth und Sales.

Ich handle seit 1978 und arbeite im Daytrading mit dem Orderbuch und der Time-and-Sales-Liste. In diesem Beitrag zeige ich Dir, wie ein Orderbuch aufgebaut ist, wo Du es kostenlos einsehen kannst, was Level-2-Daten wirklich kosten und welche Aufträge das Buch bewusst nicht anzeigt. Am Ende weißt Du, welche Fragen Du an ein Orderbuch stellen kannst und wo seine Grenzen liegen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Orderbuch Trading: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Was ein Orderbuch ist: eine nach Preis und Eingangszeit sortierte Liste aller limitierten Kauf- und Verkaufsaufträge für ein Wertpapier. Market-Orders stehen nicht darin, weil sie sofort ausgeführt werden.
  • Wo Du es kostenlos siehst: Das offene Xetra-Orderbuch der Deutschen Börse zeigt die zehn besten Kauf- und Verkaufslimite mit kumulierten Stückzahlen und der Anzahl der Aufträge je Limit.
  • Level 1 gegen Level 2: Level 1 liefert nur die beste Geld- und Briefseite, also den Spread. Level 2 öffnet die Markttiefe darunter. Für den Futures-Handel kostet die Orderbuchtiefe bei der Consorsbank 29,00 Euro im Monat für Privatkunden.
  • Time and Sales ergänzt das Buch: Die Liste zeigt jeden ausgeführten Trade mit Zeit, Preis und Volumen. Das Orderbuch zeigt die Absicht, Time and Sales zeigt die Ausführung.
  • Die wichtigste Einschränkung: Xetra kennt Iceberg Orders, deren Gesamtvolumen verborgen bleibt. Laut Marktmodell der Deutschen Börse sind sie im Orderbuch nicht gesondert gekennzeichnet. Das Buch zeigt also nie den kompletten Markt.

Was ist ein Orderbuch?

Ein Orderbuch ist eine nach Preis und Eingangszeitpunkt sortierte Liste aller limitierten Kauf- und Verkaufsaufträge, die für ein Wertpapier an einem Handelsplatz vorliegen.

Jede Börse führt für jedes handelbare Papier ein solches Buch. Die Aufträge werden nach der Preis-Zeit-Priorität einsortiert. Wer das bessere Limit bietet, steht weiter vorne. Bei gleichem Limit entscheidet, wer zuerst da war. Passen ein Kauf- und ein Verkaufsauftrag zusammen, kommt es zur Ausführung, und der Geldkurs sowie der nächstbeste Auftrag rücken nach.

Wichtig für das Verständnis: Im Orderbuch stehen nur Limit-Orders. Eine Market-Order hat kein Limit und wird sofort zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt. Sie verbleibt deshalb nicht im Buch. Das gilt an jeder Computerbörse und ist der Grund, warum Du im Orderbuch die Absicht siehst, aber nicht die Market-Order, die den Kurs tatsächlich bewegt.

Geldseite, Briefseite und Spread

Ein Orderbuch hat zwei Seiten. Auf der Geldseite (Bid) stehen die Kaufaufträge, sortiert nach dem höchsten gebotenen Preis. Auf der Briefseite (Ask) stehen die Verkaufsaufträge, sortiert nach dem niedrigsten verlangten Preis. Der Briefkurs ganz oben ist also das günstigste Verkaufsangebot, das gerade im Markt liegt.

Zwischen der besten Geld- und der besten Briefseite liegt der Spread. Er ist die Differenz zwischen dem höchsten Kauflimit und dem niedrigsten Verkaufslimit. Ein enger Spread ist ein Zeichen für Liquidität, ein weiter Spread für einen dünnen Markt. Wie sich das auf Deine Handelskosten auswirkt, steht im Beitrag zum Bid-Ask-Spread.

Neben Limit und Seite zeigt ein vollständiges Orderbuch zwei weitere Angaben je Preisstufe: das kumulierte Volumen und die Anzahl der Aufträge, aus denen sich dieses Volumen zusammensetzt. Diese zweite Zahl wird oft übersehen. Sie macht aber einen Unterschied, ob hinter 5.000 Stück ein einzelner Marktteilnehmer steht oder fünfzig.

Lesetipp: Orderbuch und Orderflow stehen im Zentrum mancher Coaching-Angebote. Was eines davon kostet und leistet, zeigt unser Devisenrausch Erfahrungsbericht.

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Wo kann ich das Orderbuch einsehen?

Das ist die Frage, die im Zusammenhang mit dem Orderbuch am häufigsten gestellt wird. Die Antwort hängt davon ab, welchen Markt Du handelst. Für deutsche Aktien gibt es einen kostenlosen Zugang, für Futures brauchst Du ein kostenpflichtiges Datenpaket über Deinen Broker.

Der einfachste Einstieg ist das offene Xetra-Orderbuch der Deutschen Börse. Es ist auf live.deutsche-boerse.com frei einsehbar und zeigt nach Angaben der Börse die zehn besten Kauf- und Verkaufslimite mit kumulierten Stückzahlen und der Anzahl der Aufträge bei diesem Limit. Für durchgängige Realtime-Kurse ist eine kostenlose Registrierung nötig.

HandelsplatzWas Du siehstKosten
Xetrazehn Limite je Seitekostenlos
Tradegateeigenes Orderbuchkostenlos
gettexeigenes Orderbuchkostenlos
Eurex (Futures)Markttiefe im BrokerAbo nötig
Zugang zum Orderbuch nach Handelsplatz. Die Angaben zu Xetra stammen von der Deutschen Börse, Stand 26.08.2026. Die Tiefe bei Tradegate und gettex hängt von der Darstellung des jeweiligen Portals ab.

Die drei deutschen Handelsplätze unterscheiden sich in der Art, wie sie ihr Buch führen. Xetra ist das Referenzsystem für den Aktienhandel und stellt die meiste Tiefe bereit. Tradegate und gettex arbeiten mit Market Makern und sind vor allem außerhalb der Xetra-Zeiten relevant. Wer eine Aktie ernsthaft im Buch beobachten will, schaut auf Xetra, weil dort das meiste Volumen liegt.

Bei Futures sieht es anders aus. Dort liefert kein öffentliches Portal die Markttiefe. Du brauchst eine Handelsplattform mit einem DOM-Fenster und ein freigeschaltetes Marktdatenpaket Deines Brokers. Auch reine Datenterminals liefern die Tiefe, etwa die TeleTrader WorkStation mit Markttiefe und Time & Sales im Abo. Welche Kontrakte an der Eurex laufen und wie der Handel dort organisiert ist, steht in unserem Überblick zum Handelsplatz.

Ein Orderbuch lesen: Schritt für Schritt

Ein Orderbuch zu lesen heißt nicht, auf die größte Zahl zu zeigen. Es heißt, vier Dinge nacheinander abzufragen. Ich gehe sie in dieser Reihenfolge durch, jedes Mal gleich.

  • Erstens der Spread: Wie weit liegen beste Geld- und beste Briefseite auseinander? Ein enger Spread heißt, dass Du günstig ein- und aussteigen kannst.
  • Zweitens die Verteilung: Liegt auf einer Seite deutlich mehr Volumen als auf der anderen? Ein Übergewicht auf der Geldseite kann den Kurs nach unten abfedern.
  • Drittens die Auftragsanzahl: Kommt das Volumen von vielen kleinen oder von einem großen Auftrag? Ein einzelner großer Auftrag kann jederzeit gestrichen werden.
  • Viertens die Bewegung: Wie schnell verändern sich die Stufen? Ein Buch, das sich kaum bewegt, sagt etwas völlig anderes als eines, das im Sekundentakt umspringt.

Die Deutsche Börse erklärt den Aufbau an einem Beispiel mit der adidas-Aktie. Dort stehen an erster Stelle der Geldseite vier Kauforders über zusammen 493 Aktien, dahinter zwei Kauforders über 911 Aktien eine Stufe tiefer. Auf der Briefseite liegen zwei Verkaufsangebote über zusammen 286 Aktien, gefolgt von einem Auftrag über 200 Aktien. Du siehst also nicht nur, wie viel angeboten wird, sondern auch, von wie vielen Marktteilnehmern.

Orderbuch Aufbau mit Geldseite, Briefseite, Spread und Volumen je Preisstufe
Aufbau eines Orderbuchs am Beispiel des offenen Xetra-Orderbuchs. Die Geldseite steht unten, die Briefseite oben, dazwischen der Spread. Die Angabe zu den Iceberg Orders stammt aus dem T7-Marktmodell der Deutschen Börse für den Handelsplatz Xetra.

Im Futures-Handel sieht dasselbe Prinzip so aus:

Orderbuch des DAX-Future mit den zehn besten Geldkursen (Bid) und Briefkursen (Ask)
Das Orderbuch des DAX-Future mit den jeweils zehn besten Geld- und Briefseiten. Der Screenshot stammt aus dem Jahr 2018, der FDAX notierte damals 12.704 zu 12.705 und der Spread lag bei einem Punkt.

An diesem Beispiel siehst Du den Aufbau unabhängig vom Kursniveau. 12.704 ist die beste Geldseite, also das höchste Kauflimit. 12.705 ist die beste Briefseite, also das niedrigste Verkaufslimit. Der Abstand von einem Punkt ist der Spread. Alles darunter und darüber ist die Markttiefe, die Du nur mit Level-2-Daten siehst.

Aus der Verteilung im Buch lassen sich drei Grundbilder ableiten. Mehr und größere Aufträge auf der Käuferseite sprechen für einen Boden unter dem Kurs. Ein Übergewicht auf der Verkaufsseite ist eine Hürde nach oben. Ausgeglichene Seiten deuten auf eine Seitwärtsphase hin. Diese Bilder sind Anhaltspunkte, keine Signale. Warum das so ist, steht weiter unten im Abschnitt über die Grenzen des Orderbuchs.

Die wichtigsten Orderarten im Orderbuch

Bevor Du die Preisbildung im Buch verstehst, solltest Du die gängigen Orderarten kennen. Sie entscheiden darüber, ob ein Auftrag im Orderbuch sichtbar wird oder ob er sofort ausgeführt wird und damit gar nicht erst im Buch erscheint. Einen vollständigen Überblick findest Du bei den Ordertypen und Orderarten.

OrderartWas sie bewirktIm Buch
Billigst/Bestenssofort am Marktnein
Kauf-LimitHöchstpreisja
Verkaufs-LimitMindestpreisja
Stop-Buyüber dem Markt auslösennein
Stop-Lossunter dem Markt auslösennein
Iceberg Ordernur Spitze zeigenteils
Orderarten und ihre Sichtbarkeit im Orderbuch. Stop-Orders liegen beim Handelsplatz und werden erst nach Erreichen des Stop-Limits in das Buch gestellt. Grundlage sind die Ordertypen des Xetra-Marktmodells der Deutschen Börse.

Eine Billigst-Order ist eine unlimitierte Kauforder. Du erklärst Dich bereit, jeden Preis zu zahlen. Die Bestens-Order ist das Gegenstück auf der Verkaufsseite. Beide werden sofort ausgeführt und tauchen im Buch nicht auf. Bei einer limitierten Order gibst Du dagegen einen Preis vor und wartest, bis jemand darauf zugreift.

Stop-Orders sind ein Sonderfall, den viele falsch einordnen. Eine Stop-Loss-Order ist ein Verkaufsauftrag, der bei Erreichen oder Unterschreiten eines festgelegten Limits ausgelöst wird. Erst ab diesem Moment geht sie als Market- oder Limit-Order in das Orderbuch. Vorher liegt sie beim Handelsplatz und ist für niemanden sichtbar.

Limit-Orders und Market-Orders

Wenn Du die Orderarten zusammenfasst, bleiben im Kern vier Kräfte übrig. Alles andere sind Varianten davon.

  • Kauf-Limit (Buy Limit): liegt unter dem Markt und wartet auf fallende Kurse.
  • Verkaufs-Limit (Sell Limit): liegt über dem Markt und wartet auf steigende Kurse.
  • Kauf-Market (Buy Market): greift auf die Briefseite zu und bewegt den Kurs nach oben.
  • Verkauf-Market (Sell Market): greift auf die Geldseite zu und bewegt den Kurs nach unten.

Daraus folgt eine Regel, die für das Orderbuch-Trading entscheidend ist. Eine Limit-Order allein bewegt gar nichts. Sie braucht einen zweiten Marktteilnehmer, der mit einer Market-Order zugreift. Es sind also die Market-Orders, die den Kurs treiben, und genau diese siehst Du im Orderbuch nicht. Du siehst nur ihre Wirkung, wenn Stufen verschwinden.

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Orderbuch und Level 2 erklärt

Das Orderbuch wird in Handelsplattformen meist als DOM bezeichnet, kurz für Depth of Market, also Markttiefe. Gemeint ist dasselbe: die Auflistung der Kauf- und Verkaufslimite mit ihren Volumina. Welche Anbieter solche Daten liefern, zeigt unser dxFeed Erfahrungsbericht.

Was ist Level 2?

Level-2-Daten sind Marktdaten, die neben der besten Geld- und Briefseite auch die dahinterliegenden Preisstufen des Orderbuchs mit ihren Volumina enthalten.

Der Unterschied zu Level 1 ist schnell erklärt. Level 1 zeigt Dir nur die erste Linie, also den besten Geldkurs, den besten Briefkurs und den zuletzt gehandelten Preis mit Volumen. Anders gesagt: Du siehst den Spread und sonst nichts. Für die reine Chartanalyse reicht das vollkommen aus, und deshalb arbeiten die meisten Privatanleger nie mit etwas anderem.

Level 2 öffnet die Stufen darunter. Wie viele es sind, hängt vom Handelsplatz und vom Datenpaket ab. Xetra stellt im offenen Orderbuch zehn Stufen je Seite bereit. Andere Börsen und Datenfeeds gehen tiefer oder liefern sogar jede einzelne Order statt der aufsummierten Stufe. Zehn Stufen sind ein verbreiteter Wert, keine feste Größe.

Wie sich diese Tiefe als farbige Heatmap über die Zeit darstellen lässt, zeigt der Beitrag zu den Bookmap Erfahrungen. Eine solche Darstellung macht sichtbar, wie lange ein Auftrag wirklich lag, bevor er ausgeführt oder gestrichen wurde. Das ist eine Information, die das reine Zahlenfenster nicht hergibt.

Was kosten Level-2-Daten?

Für deutsche Aktien kostet der Blick ins Buch nichts. Das offene Xetra-Orderbuch ist frei zugänglich. Bei Futures und Optionen sieht es anders aus, weil dort die Terminbörse ihre Marktdaten lizenziert und der Broker sie weiterberechnet.

Ein konkretes Beispiel aus der Preisliste der Consorsbank: Realtime-Kurse für Eurex-Optionen und -Futures ohne Orderbuchtiefe kosten 15,00 Euro im Monat. Die Variante inklusive Orderbuchtiefe Level 2 kostet 29,00 Euro im Monat für Privatkunden und 55,00 Euro für professionelle Nutzer. Die Unterscheidung zwischen privat und professionell nehmen alle Börsen vor, die Preisdifferenz ist der Normalfall.

Das ist der Punkt, an dem ich dem verbreiteten Argument widerspreche, Orderbuchdaten seien ein Werkzeug für Profis mit großem Budget. Rund 30 Euro im Monat liegen unter dem, was viele Trader für Indikatorenpakete oder Signaldienste ausgeben. Teuer ist nicht das Datenpaket, teuer ist die Zeit, die Du brauchst, um damit umgehen zu lernen.

Was das Orderbuch nicht zeigt

Hier liegt der wichtigste Teil dieses Beitrags, und er wird in den meisten Darstellungen übergangen. Ein Orderbuch zeigt nie den kompletten Markt. Es zeigt den Teil, den die Marktteilnehmer zeigen wollen. Wer das nicht berücksichtigt, liest aus dem Buch Signale heraus, die keine sind. Wie sich diese Informationen zu einem Handelsansatz zusammensetzen, zeigt unser Artikel zum Orderflow Trading.

Der bekannteste Fall ist die Iceberg Order, auf Deutsch Eisbergorder. Sie erlaubt es, einen großen Auftrag in das Buch zu legen, ohne das Gesamtvolumen preiszugeben. Sichtbar ist nur die sogenannte Spitze, das Peak-Volumen. Wird diese Spitze ausgeführt und liegt noch verdecktes Volumen dahinter, stellt das System automatisch eine neue Spitze ein.

Entscheidend ist ein Satz aus dem Marktmodell der Deutschen Börse für den Handelsplatz Xetra: Iceberg Orders sind im Orderbuch nicht gesondert gekennzeichnet. Du kannst also an keiner Stelle erkennen, ob hinter einer Preisstufe noch etwas liegt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Peak-Volumen beim Wiederauffüllen zufällig aus einem festgelegten Bereich gezogen werden kann. Wer 100 als Mindest- und 500 als Höchstwert einstellt, erzeugt eine Folge wie 151, 436 oder 356.

Xetra kennt darüber hinaus die Volume Discovery Order. Sie baut auf der Iceberg Order auf und stellt den verdeckten Teil parallel zur Ausführung zum Mittelwert des Spreads bereit. Dieser verdeckte Teil wird ausschließlich gegen die verdeckten Teile gegenläufiger Orders derselben Art ausgeführt, nicht gegen die übrigen Aufträge im Buch. Für Dich als Beobachter heißt das: Es kann Umsatz zustande kommen, den Du im sichtbaren Buch nie gesehen hast.

Dazu kommt ein Verhalten, das nichts mit der Technik der Börse zu tun hat. Aufträge können jederzeit gestrichen werden. Ein großer Block auf der Geldseite ist kein Versprechen, sondern eine Absichtserklärung, die in derselben Sekunde verschwinden kann, in der der Kurs sie erreicht. Im Hochfrequenzhandel ist das Einstellen und sofortige Streichen von Aufträgen ein bekanntes Muster, das gezielt Reaktionen anderer Marktteilnehmer auslösen soll.

Meine Konsequenz daraus ist nüchtern. Ich lese das Orderbuch als Verhalten, nicht als Bestand. Interessant ist nicht, dass 5.000 Kontrakte auf einer Stufe liegen. Interessant ist, was passiert, wenn der Kurs sie erreicht. Bleiben sie liegen und werden abgearbeitet, ist das eine Information. Verschwinden sie vorher, ist das eine andere. Beides siehst Du erst im Verlauf, nicht im Standbild.

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Time & Sales und Orderbuch

Time and Sales ist eine fortlaufende Liste aller tatsächlich ausgeführten Trades eines Wertpapiers mit Zeitpunkt, Preis und Volumen.

Die Liste ist das Gegenstück zum Orderbuch. Im Buch stehen die Aufträge, die noch warten. In der Time-and-Sales-Liste steht, was davon zustande gekommen ist, in der Reihenfolge der Ausführung.

Das Orderbuch zeigt die Absicht, Time and Sales zeigt die Ausführung. Erst beide zusammen ergeben ein Bild. Allein genommen ist die Liste schwer zu nutzen, weil ihr der Bezug zu den Limits fehlt. Wie Du sie im Detail auswertest, steht im Beitrag Time and Sales im Trading nutzen.

Time and Sales Liste für den DAX-Future mit Zeit, Preis und Volumen je Ausführung
Die Time-and-Sales-Liste zeigt jeden ausgeführten Trade einzeln. Screenshot aus dem Jahr 2018.

Nicht jede Handelsplattform bringt ein DOM-Fenster von Haus aus mit. Beim AgenaTrader gehört die Orderbuchtiefe zum Standardumfang, die Level-2-Daten muss aber weiterhin Dein Broker freischalten. Plattformen mit einem eigenen DOM zeigen Markttiefe und Time and Sales nebeneinander und lassen Dich direkt aus dem Buch handeln. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt unser Test von Sierra Chart.

Für mich gibt es im Trading zwei Wahrheiten: den Preis und das Volumen. Der Chart zeigt beides aggregiert über eine Zeiteinheit. Das Orderbuch und Time and Sales zeigen es ungefiltert. Diese Daten liefert nicht die Börse direkt an Dich, sondern ein Datenanbieter, etwa der CQG Datenfeed, und Dein Broker muss sie freischalten.

Was ist Orderbuch Trading?

Orderbuch Trading ist eine Handelsweise, bei der die Entscheidung aus der Markttiefe und der Liste der ausgeführten Trades abgeleitet wird und nicht aus dem Chart.

Kombinierst Du beide Fenster, siehst Du drei Dinge gleichzeitig: das angebotene Volumen, die ausgeführten Trades und die Aufträge, die über und unter dem Markt in der Warteschlange liegen. Du siehst außerdem, wie viele Kontrakte es braucht, um den Preis um eine bestimmte Spanne zu bewegen.

Markttiefe und Time and Sales kombiniert im DOM-Fenster für den DAX-Future
Markttiefe und Time-and-Sales-Liste nebeneinander im selben Fenster. Screenshot aus dem Jahr 2018.

Wichtig ist die Reihenfolge beim Lernen. Erst jedes Instrument einzeln, dann die Kombination. Wer beide Fenster gleichzeitig zu deuten versucht, ohne den Aufbau eines Orderbuchs verstanden zu haben, sieht nur Zahlen springen. Dazu gehört auch zu wissen, welche Orderarten es gibt und wie sie auf den Markt wirken. Das ist die Grundlage jedes Daytradings in kleinen Zeiteinheiten.

Aus der Geschwindigkeit der Ausführungen und dem Rhythmus, in dem Aufträge abgearbeitet werden, lässt sich ablesen, ob der Markt ruhig oder hektisch ist. Vergleichst Du die Time-and-Sales-Liste mit dem Buch, siehst Du außerdem, wie sich Geld- und Briefseite verändern und welche Seite gerade die stärkere ist. Genau das ist die Art von Trading Edge, die sich aus einem Chart allein nicht gewinnen lässt.

Fragen, die sich ein Orderbuch Trader stellt

Die folgenden Fragen sind kein Regelwerk, sondern ein Raster. Ich gehe sie im laufenden Handel ab, ohne sie jedes Mal bewusst zu formulieren.

  • Angezeigt gegen gehandelt: Wie hoch ist das angezeigte Volumen zu einem Preis und wie viele Kontrakte werden tatsächlich zu diesem Preis gehandelt?
  • Geschwindigkeit: Wie schnell werden die Geld- und Briefseiten bedient?
  • Spread-Verhalten: Wie ändert sich der Spread mit den Ausführungen und der Geschwindigkeit?
  • Seite der Ausführung: Auf welcher Seite des Spreads werden die Orders ausgeführt? Bedienen die Orders bei einer Long-Position die Briefseite, spricht das für anhaltende Stärke.
  • Tageszeit: Wie sind Volumen und Rhythmus zu dieser Uhrzeit gewöhnlich und wann ändert sich das?
  • Algorithmen: Welche Handelssysteme laufen zu dieser Zeit und welches Verhalten ist von ihnen zu erwarten?

Orderbuch Trading heißt nicht, in das Buch zu schauen und zu sehen, wo etwas passiert ist. Es heißt zu verstehen, wie und warum es passiert ist, und daraus abzuleiten, was als Nächstes passieren könnte. Das ist im Chart nicht sichtbar, weil der Chart das Detail wegrechnet. Eine spezialisierte Plattform für diese Auswertung ist Deepcharts mit dem DeepDom-Modul, das historische Orderbuch-Liquidität als Heatmap darstellt.

Wenn Du keinen Orderbuchzugang hast, bleibt die Rückrechnung aus dem Chart. Das Orderblock-Trading versucht genau das und markiert Zonen, in denen große Aufträge gelegen haben könnten. Dasselbe Ziel verfolgen Market Profile und Footprint Charts sowie die Volumen-Spread-Analyse. Alle drei arbeiten mit abgeleiteten Daten. Sie sind nützlich, ersetzen aber nicht den Blick in das Buch selbst.

Vorteile und Nachteile des Orderbuch Tradings

Orderbuch Trading ist kein Werkzeug für jeden. Bevor Du Zeit und Geld investierst, solltest Du wissen, was Du dafür bekommst und was es Dich kostet. Beides steht hier nebeneinander.

Vorteile des Orderbuch Tradings

  • Näher am Marktgeschehen: Du siehst die aktuelle Auftragslage statt einer Zusammenfassung vergangener Kerzen.
  • Einstieg wird planbarer: Du erkennst, wo Liquidität liegt, und kannst Dein Limit entsprechend platzieren statt blind zum Markt zu kaufen.
  • Frühe Warnsignale: Ein Wechsel im Rhythmus der Ausführungen fällt im Buch auf, bevor er im Chart als Kerze sichtbar wird.
  • Überschaubare Datenkosten: Für deutsche Aktien ist der Zugang kostenlos, bei Futures liegen die Marktdaten im niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat.
  • Wenig Konkurrenz im Privatbereich: Die Mehrheit der Privatanleger arbeitet ausschließlich mit Level-1-Daten und Charts.

Nachteile des Orderbuch Tradings

  • Das Buch ist unvollständig: Iceberg Orders und verdeckte Volumina sind im Orderbuch nicht gekennzeichnet, ein Teil des Marktes bleibt also unsichtbar.
  • Aufträge sind unverbindlich: Jede Limit-Order kann gestrichen werden, bevor der Kurs sie erreicht.
  • Hoher Aufmerksamkeitsbedarf: Das Buch muss fortlaufend beobachtet werden. Nebenbei funktioniert es nicht.
  • Lange Lernkurve: Der Aufbau ist in einer Stunde verstanden, das Deuten braucht Monate an Marktbeobachtung.
  • Nicht für jedes Instrument: Im CFD-Handel bekommst Du in der Regel keine Level-2-Daten, weil der Broker den Kurs stellt und kein zentrales Orderbuch existiert.

Der letzte Punkt ist der häufigste Grund, warum Orderbuch Trading für viele ausscheidet. Wer über den CFD-Handel arbeitet, handelt gegen den Broker und nicht an einer Börse. Ein zentrales Orderbuch gibt es dort nicht, und damit fehlt die Grundlage für diese Handelsweise. Wer die Markttiefe nutzen will, braucht Zugang zu einem echten Handelsplatz.

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Fazit: Das Orderbuch zeigt Absichten, keine Gewissheiten

In ein Orderbuch hineinzuschauen ist einfach. Es zu deuten ist es nicht. Der Aufbau mit Geldseite, Briefseite, Spread und kumuliertem Volumen ist an einem Nachmittag verstanden. Was Du daraus ableiten kannst, lernst Du nur durch Beobachtung über Monate und immer nur für den Markt, den Du handelst.

Ich halte das Orderbuch für das ehrlichste Werkzeug im Daytrading, weil es keine Berechnung dazwischenschaltet. Gleichzeitig ist es das am leichtesten überschätzte. Ein großer Block auf einer Preisstufe ist eine Absicht, kein Versprechen. Er kann verschwinden, er kann eine Spitze über einem viel größeren verdeckten Auftrag sein, und er kann dort liegen, um genau die Reaktion auszulösen, die Du gerade zeigst.

Deshalb liegt der Wert nicht im Standbild, sondern im Verlauf. Wer sieht, wie eine Stufe abgearbeitet wird, wie schnell neue Aufträge nachrücken und ob der Spread dabei enger oder weiter wird, hat eine Information, die im Chart nicht vorkommt. Verluste verhindert auch das nicht. Sie gehören zum Handel nach DOM und Time and Sales genauso dazu wie zu jeder anderen Herangehensweise, und profitabel zu traden bleibt eine Frage der Konsequenz, nicht des Werkzeugs.

Wenn Du einsteigen willst, fang beim kostenlosen Xetra-Orderbuch an. Beobachte eine liquide Aktie über mehrere Tage zur selben Uhrzeit. Erst wenn Du dort Muster wiedererkennst, lohnt sich der Schritt zu bezahlten Level-2-Daten im Futures-Handel. Wer sehen möchte, wie das im laufenden Handel aussieht, findet das in unseren Live Trading Signalen.

Häufige Fragen zu Orderbuch und Level 2

Was zeigt ein Orderbuch genau an?

Ein Orderbuch zeigt alle limitierten Kauf- und Verkaufsaufträge für ein Wertpapier, sortiert nach Preis und Eingangszeitpunkt. Je Preisstufe siehst Du das kumulierte Volumen und die Anzahl der Aufträge. Market-Orders erscheinen nicht im Buch, weil sie sofort ausgeführt werden.

Wo kann ich das Orderbuch kostenlos einsehen?

Für deutsche Aktien und ETFs stellt die Deutsche Börse das offene Xetra-Orderbuch frei zur Verfügung. Es zeigt die zehn besten Kauf- und Verkaufslimite. Für durchgängige Realtime-Kurse ist eine kostenlose Registrierung nötig. Für Futures brauchst Du dagegen ein kostenpflichtiges Marktdatenpaket über Deinen Broker.

Was kosten Level-2-Daten für Futures?

Das hängt vom Broker ab. Bei der Consorsbank kosten Realtime-Kurse für Eurex-Produkte inklusive Orderbuchtiefe Level 2 aktuell 29,00 Euro im Monat für Privatkunden und 55,00 Euro für professionelle Nutzer. Ohne Orderbuchtiefe sind es 15,00 Euro im Monat.

Zeigt das Orderbuch wirklich alle Aufträge?

Nein. Xetra erlaubt Iceberg Orders, bei denen nur eine Spitze sichtbar ist und das Gesamtvolumen verborgen bleibt. Laut Marktmodell der Deutschen Börse sind diese Aufträge im Orderbuch nicht gesondert gekennzeichnet. Du kannst also nicht erkennen, ob hinter einer Preisstufe noch Volumen liegt.

Was ist der Unterschied zwischen Orderbuch und Time and Sales?

Das Orderbuch zeigt die Absicht, also welche Aufträge im Markt liegen und noch nicht ausgeführt sind. Time and Sales zeigt die Ausführung, also jeden tatsächlich zustande gekommenen Trade mit Zeit, Preis und Volumen. Beide Fenster ergänzen sich und werden im Handel nebeneinander gelesen.

Welche Handelsplattformen zeigen ein echtes Orderbuch?

Plattformen mit einem eigenen DOM-Fenster wie Sierra Chart, AgenaTrader oder Bookmap stellen die Markttiefe dar und erlauben den Handel direkt aus dem Buch. Entscheidend ist aber nicht die Software allein: Dein Broker muss die Level-2-Daten freischalten, sonst bleibt das Fenster leer.

Ist Orderbuch Trading für Anfänger geeignet?

Der Aufbau eines Orderbuchs lässt sich schnell verstehen und gehört zum Grundwissen jedes Traders. Das Deuten der Bewegungen im Buch setzt dagegen Erfahrung mit dem jeweiligen Markt voraus. Als Einstieg eignet sich die Beobachtung einer liquiden Aktie im kostenlosen Xetra-Orderbuch, bevor Geld für Datenpakete ausgegeben wird.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Ein Systemtrader ist er bewusst nicht, was ihm bei der Bewertung fremder Ansätze einen kritischen Blick von außen erlaubt.

Seine Erfahrung reicht weit in die Geschichte der technischen Analyse. Kagels übersetzte Ende der 1980er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und vertrat den US-Trader Joe Ross über 17 Jahre in Deutschland, wo er alle zehn Ross-Bücher übersetzte und verlegte. Bis heute gibt er eigene Seminare und private Einzelschulungen.

Orderbuch und Time and Sales sind Werkzeuge, die Kagels aus dem Futures-Handel kennt. Er ordnet sie in diesem Beitrag bewusst nüchtern ein: Die Tiefe zeigt Absichten, die sich jederzeit zurückziehen können. Wer daraus ein Signal machen will, braucht den Kontext der übergeordneten Marken, und genau darauf zielt dieser Beitrag.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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