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Time & Sales verstehen: was ist Tape Reading? (2026)

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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16 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Time and Sales ist die Liste aller Trades, die in einem Markt tatsächlich zustande gekommen sind. Der Chart zeigt dir, wo der Kurs war. Das Tape zeigt dir, wer dort zu welchem Preis gehandelt hat und mit welcher Stückzahl. Das ist ein Unterschied, der im Nachhinein oft egal ist und im Moment der Entscheidung manchmal alles ändert.

Ich nutze die Anzeige nicht täglich, aber immer dann, wenn eine Ausführung merkwürdig aussieht. Dieser Artikel zeigt dir, welche Spalten das Tape hat, warum Grün und Rot je nach Software etwas anderes bedeuten, wo der Unterschied zum Orderbuch liegt und was Echtzeit-Daten wirklich kosten. Die Screenshots stammen aus meiner eigenen Trader Workstation. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Time and Sales: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Ausgeführte Trades, keine Absichten: Das Tape listet nur abgeschlossene Geschäfte mit Zeit, Kurs und Stückzahl. Offene Orders stehen dagegen im Orderbuch.
  • Vier Spalten reichen: Uhrzeit, Kurs, Volumen und bei Aktien der Handelsplatz. Mehr braucht die Anzeige nicht.
  • Grün und Rot heißen nicht überall dasselbe: Manche Software markiert den Uptick, andere die Ausführung am Briefkurs. Das sind zwei verschiedene Regeln.
  • Forex-Spot hat kein echtes Volumen: Der Devisenhandel läuft außerbörslich. Eine Stückzahl im Tape zeigt dort nur den Fluss eines einzelnen Anbieters.
  • Futures liefern das vollständige Bild: An Eurex und CME laufen alle Kontrakte über eine Börse, das Volumen ist damit vollständig.
  • Echtzeit kostet extra: Bei Interactive Brokers sind es 8,75 Euro im Monat für Eurex Level 1 und 16,25 Euro für Frankfurt und Xetra. Gratis gibt es die Daten nur verzögert.
  • Verzögert heißt 10 bis 15 Minuten: Zum Nachvollziehen alter Ausführungen reicht das, zum Mitlesen im laufenden Markt nicht.
  • Kein Prognosewerkzeug: Das Tape sagt dir, was gerade passiert ist. Es sagt dir nicht, was als Nächstes kommt.

Was ist Time and Sales (Tape Reading)?

Time and Sales ist eine fortlaufende Liste aller Transaktionen, die in einem Markt tatsächlich ausgeführt wurden, jeweils mit Uhrzeit, Ausführungskurs und gehandelter Stückzahl.

Der englische Name beschreibt genau die zwei Kernspalten: Time steht für die Uhrzeit der Ausführung, Sales für die Umsätze, also Kurs und Menge. In deutscher Software findest du die Anzeige gelegentlich als „Umsatzliste” oder „Ticker”. Gemeint ist immer dasselbe Fenster. Eine aufbereitete Variante dieser Liste bietet Jigsaws Depth-und-Sales-Fenster.

Der entscheidende Punkt ist das Wort „ausgeführt”. Im Tape steht nichts, was jemand nur vorhat. Eine Order, die im Markt liegt und auf einen Käufer wartet, taucht dort nicht auf. Erst wenn Käufer und Verkäufer sich getroffen haben, entsteht eine Zeile. Deshalb ist das Tape die einzige Anzeige im Handelsterminal, in der nichts zurückgenommen werden kann.

Genau daraus entsteht der praktische Nutzen. Wenn eine deiner eigenen Ausführungen seltsam aussieht, etwa weil du einen Kurs bekommen hast, den du im Chart nicht wiederfindest, dann zeigt dir das Tape, welche Umsätze in dieser Sekunde rund um deinen Trade liefen. Bei meinem Broker Interactive Brokers lässt sich das direkt aus dem Chart heraus öffnen.

Woher der Begriff Tape Reading kommt

Tape Reading ist rund 140 Jahre älter als der Bildschirm, auf dem du es heute liest. Im späten 19. Jahrhundert liefen Kurse über Börsentelegrafen auf schmale Papierstreifen, die sogenannten Ticker Tapes. Wer im Handelsraum saß, las diesen Streifen laufend mit und schloss aus Tempo und Größe der Umsätze auf die Stimmung im Markt.

Zwei Namen stehen bis heute für diese Arbeitsweise. Jesse Livermore begann seine Laufbahn damit, Kurse von genau solchen Streifen abzuschreiben. Richard Wyckoff baute daraus eine systematische Methode, die in der Wyckoff-Methode bis heute weiterlebt. Das Papier ist verschwunden, die Datenspalten sind dieselben geblieben.

Welche Spalten das Tape zeigt und wie du sie liest

Ein Time-and-Sales-Fenster kommt mit erstaunlich wenig Spalten aus. Der folgende Screenshot stammt aus meiner Trader Workstation und zeigt die Adidas-Aktie. Vier Angaben pro Zeile, mehr ist es nicht.

Time and Sales Adidas Aktie mit Uhrzeit, Kurs, Stückzahl und Handelsplatz
Time and Sales der Adidas-Aktie in der Trader Workstation, aufgenommen am 9. April 2021. Rechts neben jeder Stückzahl steht der Handelsplatz: IBIS für Xetra, TGHEDE für Tradegate, GETTEX für die Münchner Plattform. Der Hinweis „Verzögert” oben zeigt, dass hier kein Echtzeit-Abo lief.

Die Uhrzeit ist präziser, als sie aussieht. In der Aufnahme stehen mehrere Trades auf derselben Sekunde, etwa zehn Zeilen um 17:29:11 Uhr. Terminals für Futures gehen bis auf die Millisekunde herunter. Was dir das sagt: In einer einzigen Sekunde können Dutzende Abschlüsse liegen, und die Reihenfolge innerhalb dieser Sekunde ist eine echte Information.

Der Kurs ist der Preis, zu dem tatsächlich abgerechnet wurde. Er kann von dem Kurs abweichen, den du im Chart siehst, denn der Chart verdichtet alle Abschlüsse einer Minute zu einer Kerze. Im Bild oben bewegt sich der Kurs zwischen 279,00 und 279,15 Euro, und diese Spanne verschwindet in jedem Minutenchart.

Das Volumen sagt dir, wie schwer eine Bewegung wiegt. Ein Kurs, der auf einer Aktie entsteht, ist etwas anderes als derselbe Kurs auf 103 Stück. Beides steht im Bild untereinander. Große Einzelposten sind das Signal, auf das erfahrene Tape-Leser warten, weil dahinter selten ein Privatanleger steckt.

Die vierte Spalte gibt es nur bei Aktien, und sie wird meistens übersehen. Dort steht der Handelsplatz. Im Screenshot laufen dieselben Adidas-Umsätze über Xetra (IBIS), über Tradegate (TGHEDE) und über Gettex. Eine deutsche Aktie hat also keinen einzelnen Kurs, sondern an jedem Platz einen eigenen. Wer nur einen Platz abonniert hat, sieht einen Ausschnitt und hält ihn für das Ganze.

Was Grün und Rot bedeuten: zwei Regeln, die oft verwechselt werden

An dieser Stelle widersprechen sich die Erklärungen im Netz, und beide Seiten haben recht. Es gibt nämlich zwei verschiedene Regeln, nach denen eine Software eine Zeile einfärbt, und welche gilt, hängt vom Programm ab.

Die erste Regel ist die Tick-Regel. Grün heißt: Dieser Abschluss lag höher als der vorherige, also ein Uptick. Rot heißt Downtick. Genau so arbeitet die Trader Workstation in meinen Screenshots. Diese Regel braucht keine Kenntnis von Geld- und Briefkurs und funktioniert deshalb überall.

Die zweite Regel ist die Bid-Ask-Regel, und sie ist die aussagekräftigere. Hier heißt Grün: Der Trade wurde am Briefkurs ausgeführt, jemand hat also aktiv gekauft. Rot heißt Ausführung am Geldkurs, also aktiver Verkauf. Orderflow-Programme wie ATAS oder Bookmap färben nach dieser Regel. Warum diese Zuordnung so wichtig ist, erklären die Orderflow Trading Grundlagen.

Der Unterschied ist nicht akademisch. Nach der Tick-Regel kann eine Zeile grün sein, obwohl ein Verkäufer sie ausgelöst hat. Bevor du aus Farben auf Kaufdruck schließt, sieh im Handbuch deiner Software nach, welche der beiden Regeln sie verwendet. Das ist eine Minute Arbeit und verhindert eine falsche Grundannahme.

Time and Sales oder Orderbuch: der Unterschied

Das Orderbuch zeigt offene Kauf- und Verkaufsaufträge, die noch auf Ausführung warten. Time and Sales zeigt ausschließlich Geschäfte, die bereits abgeschlossen sind.

Die beiden Fenster stehen in fast jedem Terminal nebeneinander und beantworten trotzdem verschiedene Fragen. Das Orderbuch, je nach Software auch Level 2 oder DOM genannt, ist eine Absichtserklärung: Diese Mengen liegen zu diesen Preisen bereit. Absichten kann man zurückziehen, und genau das passiert laufend.

Das Tape dagegen ist die Quittung. Was dort steht, ist bezahlt worden. Deshalb gilt unter Orderflow-Tradern die Faustregel, dem Orderbuch mit Vorsicht und dem Tape mit Vertrauen zu begegnen. Wer die Mechanik hinter Level 2 im Detail nachlesen will, findet sie in unserem Artikel zum Orderbuch-Trading mit DOM und Level 2.

Was das Tape in Aktien, Futures und Forex zeigt

Das Time-and-Sales-Fenster sieht in jedem Markt gleich aus und bedeutet nicht überall dasselbe. Der Unterschied liegt nicht an der Software, sondern daran, wie der Markt organisiert ist.

Time & Sales im Aktienhandel

Bei Aktien bekommst du alle vier Spalten, aber nur für den Handelsplatz, den du abonniert hast. Das Adidas-Beispiel weiter oben zeigt das Problem: Derselbe Titel läuft gleichzeitig über Xetra, Tradegate und Gettex. Willst du den gesamten deutschen Umsatz sehen, brauchst du die Daten aller relevanten Plätze. Filtern lässt sich anschließend nach Uhrzeit, nach Kurs oder nach Blocktrades, also nach ungewöhnlich großen Einzelposten.

Time & Sales im Futureshandel

Im Futureshandel bekommst du das vollständigste Bild, das es gibt. Ein Kontrakt wird an genau einer Börse gehandelt, der DAX-Future an der Eurex, der Euro-Future an der CME. Damit läuft jeder einzelne Umsatz über dieselbe Stelle, und die Volumenspalte ist vollständig. Das ist der Grund, warum Orderflow-Trading fast ausschließlich in Futures stattfindet.

DAX-Future Time and Sales mit Kurs und Kontraktzahl in der Trader Workstation
Time and Sales des DAX-Futures, Juni-Kontrakt 2021, aufgenommen am 9. April 2021 bei einem Stand von 15.272 Punkten. Die rechte Spalte zählt Kontrakte, nicht Stück. Auffällig sind die vielen Zeilen auf derselben Sekunde um 21:50:00 Uhr.

In der Aufnahme siehst du ein typisches Muster. Um 21:50:00 Uhr stehen über zwanzig Abschlüsse in einer einzigen Sekunde, die meisten über einen Kontrakt. Dazwischen wechselt der Kurs mehrfach zwischen 15.266 und 15.268 Punkten hin und her. Solche Serien aus Kleinstposten stammen überwiegend von Algorithmen, nicht von Menschen mit einer Meinung.

Time & Sales im Forexhandel

Im Devisenhandel fehlt die Grundlage für eine ehrliche Volumenangabe. Forex-Spot läuft außerbörslich, es gibt keine zentrale Stelle, an der alle Umsätze zusammenlaufen. Wenn deine Plattform im Devisenhandel trotzdem eine Stückzahl anzeigt, ist das der Fluss deines eigenen Anbieters und seiner Liquiditätsgeber, nicht der des Marktes.

Genau hier lohnt ein zweiter Blick auf den nächsten Screenshot. Er zeigt eine gefüllte Volumenspalte, und trotzdem widerspricht er dem Absatz darüber nicht. Der Grund steht in der Kopfzeile.

Time and Sales des Euro-FX-Futures an der CME Globex mit Volumenspalte
Time and Sales des Euro-FX-Futures, Juni-Kontrakt 2021 an der CME Globex, aufgenommen am 9. April 2021. Die Kopfzeile nennt den Handelsplatz GLOBEX. Weil es ein börsengehandelter Future ist und kein Devisen-Kassageschäft, steht rechts ein vollständiges Volumen.

Das Fenster zeigt den Euro-FX-Future an der CME Globex, nicht den Kassamarkt. Deshalb steht rechts eine belastbare Kontraktzahl, im Bild zwischen 1 und 21. Die grünen und roten Punkte markieren Up- und Downticks bei einem Kurs, der über weite Strecken auf 1,19195 klebt.

Daraus folgt eine praktische Empfehlung. Wer im Devisenbereich ernsthaft mit Volumen arbeiten will, nimmt den Future auf die Währung statt das Kassageschäft. Die Kurse laufen nahezu deckungsgleich, aber nur der Future liefert eine Zahl, auf die man eine Volumenanalyse stellen kann.

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Was du im Tape erkennst und was nicht

Tape Reading hat einen guten Ruf und wird gleichzeitig überschätzt. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, wofür die Anzeige taugt und wo sie dir nicht weiterhilft.

Stärken von Time and Sales

  • Nichts lässt sich zurücknehmen: Jede Zeile ist ein bezahltes Geschäft. Anders als im Orderbuch kann hier niemand eine Order stellen und wieder zurückziehen.
  • Große Posten werden sichtbar: Ein einzelner Abschluss über hunderte Stück fällt sofort auf und verrät die Handschrift eines institutionellen Teilnehmers.
  • Der Chart verschweigt die Details: Eine Minutenkerze verdichtet Dutzende Abschlüsse zu vier Werten. Das Tape zeigt die Reihenfolge, in der sie entstanden sind.
  • Ausführungen werden nachvollziehbar: Bei einem ungewöhnlichen Fill siehst du das gesamte Marktumfeld deiner Order Sekunde für Sekunde.
  • Tempo ist eine eigene Information: Ob in einer Sekunde zwei oder vierzig Abschlüsse laufen, sagt etwas über die Beteiligung im Markt aus.

Grenzen von Time and Sales

  • Keine Prognose: Das Tape berichtet ausschließlich über die Vergangenheit, auch wenn diese Vergangenheit nur eine Sekunde zurückliegt.
  • Der Großteil ist Rauschen: In liquiden Futures laufen Sekunden mit zwanzig Abschlüssen über je einen Kontrakt. Diese Algorithmus-Serien tragen keine Aussage.
  • Nur auf sehr kurzer Frist nutzbar: Für Swing-Trades über mehrere Tage ist die Anzeige praktisch wertlos.
  • Im Forex-Kassamarkt ohne echtes Volumen: Die Zahl stammt dort von einem einzelnen Anbieter und ist nicht repräsentativ.
  • Große Adressen verstecken sich: Wer eine Position aufbauen will, stückelt sie. Aus vielen kleinen Prints wird die wahre Ordergröße nicht ablesbar.
  • Laufende Kosten: Echtzeit-Daten sind ein Abo, und bei mehreren Handelsplätzen summiert sich das Monat für Monat.

Welche Software Time and Sales anzeigt

Ein Time-and-Sales-Fenster gehört zur Grundausstattung jeder ernsthaften Handelsplattform. Unterschiede gibt es weniger darin, ob es die Anzeige gibt, sondern was sie mit den Daten anstellt.

Bei Broker-Plattformen ist die Anzeige im Paket enthalten. In der Trader Workstation von Interactive Brokers, aus der die Screenshots in diesem Artikel stammen, öffnest du sie direkt aus dem Chart. Das Fenster kann nach Uhrzeit, Kurs und Blocktrades filtern. Bezahlen musst du nicht die Anzeige, sondern die Daten dahinter.

Spezialisierte Orderflow-Software geht deutlich weiter. Programme wie ATAS, Bookmap, Sierra Chart und NinjaTrader setzen gestückelte Orders wieder zusammen, markieren große Abschlüsse farblich und bauen aus dem Tape einen Footprint-Chart. Bei Sierra Chart kostet das Basispaket 26 US-Dollar im Monat, die Stufe mit Market by Order, bei der du einzelne Orders statt nur Summen siehst, liegt bei 56 US-Dollar.

Eine verbreitete Annahme stimmt nicht. TradingView hat kein eigenes Time-and-Sales-Fenster. Was in der Suche als Tape auftaucht, sind Community-Indikatoren in Pine Script, die einen solchen Bereich auf dem Chart nachbauen. Für einen ersten Eindruck reicht das, an ein echtes Orderflow-Terminal kommt es nicht heran.

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Was Echtzeit-Daten für das Tape kosten

Der Punkt, an dem die meisten überrascht werden, ist nicht die Software, sondern der Datenfeed. Ein Blick auf meine Screenshots zeigt es: Über jeder Aufnahme steht „Verzögert”. Ohne bezahltes Abo liefert auch ein Profi-Terminal nur verzögerte Kurse.

Die Verzögerung ist erheblich. Interactive Brokers nennt für die CME zehn Minuten, für die Eurex 15 Minuten und für Frankfurt und Xetra ebenfalls 15 Minuten. Um eine Ausführung von gestern nachzuvollziehen, reicht das völlig. Um im laufenden Markt mitzulesen, ist es wertlos.

Die folgenden Beträge gelten für Privatkunden bei Interactive Brokers, Stand August 2026. Level 1 liefert den letzten Kurs samt Umsatz und damit alles, was das Tape braucht. Level 2 kommt erst dazu, wenn du zusätzlich das Orderbuch sehen willst.

DatenpaketBörseMonat
Level 1Eurex8,75 EUR
Level 2Eurex13,00 EUR
Level 1Xetra16,25 EUR
Level 2Xetra21,75 EUR
Level 1CME1,55 USD
Level 2CME12,10 USD
Monatsgebühren für Echtzeit-Marktdaten bei Interactive Brokers, Tarif für nicht professionelle Kunden, Stand August 2026. Xetra steht hier für das Paket „Spotmarkt Deutschland (Frankfurt/Xetra)”. Als gewerblicher Nutzer eingestuft, zahlst du ein Vielfaches: bei Xetra Level 1 etwa 78,50 Euro statt 16,25 Euro.

Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens sind Futures-Daten deutlich billiger als Aktiendaten, in diesem Fall um mehr als den Faktor zehn. Zweitens summiert sich das, sobald du mehrere Märkte beobachtest. Wer deutsche Aktien und den DAX-Future gleichzeitig live sehen will, liegt bei rund 25 Euro im Monat, bevor die erste Order läuft.

Mein Rat für den Einstieg ist deshalb unspektakulär. Fang mit einem Markt an, den du ohnehin handelst, und abonniere die Daten nur dafür. Das Tape lesen lernst du an einem Instrument besser als an fünf.

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Fazit zu Time & Sales im Trading

Time and Sales ist kein Indikator und kein Signalgeber, sondern eine Belegliste. Diese Liste beantwortet eine einzige Frage sauber: Was ist in diesem Markt tatsächlich gehandelt worden? Für alles Weitere, also Richtung, Timing und Einstieg, brauchst du andere Werkzeuge.

In meinem eigenen Handel ist die Anzeige ein Prüfwerkzeug, kein Dauerbegleiter. Ich brauche sie nicht jeden Tag. Wenn aber eine Ausführung nicht zum Chart passt oder ein Ausbruch verdächtig ruhig wirkt, ist das Tape die Stelle, an der ich nachsehe. In diesen Momenten ersetzt es jede Vermutung durch eine nachprüfbare Zeile.

Wenn du damit anfangen willst, sind drei Dinge vorher zu klären. Prüfe, welche Färberegel deine Software benutzt, damit du Grün und Rot richtig deutest. Rechne die Datenkosten für deinen Markt durch. Und halte im Kopf, dass eine Volumenspalte im Intraday-Handel nur dann etwas wert ist, wenn sie von einer Börse kommt.

Häufige Fragen zu Time and Sales und Tape Reading

Was ist Time and Sales im Trading?

Time and Sales ist eine fortlaufende Liste aller tatsächlich ausgeführten Geschäfte in einem Markt, jeweils mit Uhrzeit, Ausführungskurs und gehandelter Stückzahl. Bei Aktien kommt der Handelsplatz dazu. Offene Orders stehen nicht darin, die findest du im Orderbuch.

Was bedeutet Tape Reading?

Tape Reading bezeichnet das laufende Mitlesen dieser Liste. Der Name stammt aus dem 19. Jahrhundert, als Kurse über Börsentelegrafen auf schmale Papierstreifen liefen, die Ticker Tapes. Jesse Livermore begann seine Laufbahn damit, Richard Wyckoff machte eine Methode daraus.

Was ist der Unterschied zwischen Time and Sales und Level 2?

Level 2 zeigt Absichten, Time and Sales zeigt Ergebnisse. Im Orderbuch stehen Kauf- und Verkaufsaufträge, die noch auf Ausführung warten und jederzeit zurückgezogen werden können. Im Tape steht nur, was bereits bezahlt wurde.

Warum zeigt Time and Sales im Forex kein verlässliches Volumen?

Weil der Devisenhandel außerbörslich läuft. Es gibt keine zentrale Stelle, an der alle Umsätze zusammenlaufen. Was deine Plattform anzeigt, ist der Fluss deines eigenen Anbieters. Wer im Währungsbereich mit Volumen arbeiten will, nimmt den Future statt das Kassageschäft.

Was bedeuten die grünen und roten Markierungen?

Das hängt von der Software ab, und es gibt zwei verschiedene Regeln. Nach der Tick-Regel ist ein Trade grün, wenn er höher lag als der vorherige. Nach der Bid-Ask-Regel ist er grün, wenn er am Briefkurs ausgeführt wurde, also aktiv gekauft. Sieh im Handbuch nach, welche Regel gilt.

Was kosten Echtzeit-Daten für Time and Sales?

Bei Interactive Brokers zahlen Privatkunden im August 2026 8,75 Euro monatlich für Eurex Level 1 und 16,25 Euro für Frankfurt und Xetra. CME-Daten kosten 1,55 US-Dollar. Ohne Abo bekommst du die Daten nur verzögert, bei der Eurex um 15 Minuten.

Lohnt sich Tape Reading auch für Swing-Trader?

Kaum. Die Anzeige arbeitet im Sekundenbereich und ist damit ein Werkzeug für Daytrader und Scalper. Wer Positionen über mehrere Tage hält, trifft seine Entscheidungen auf Zeitebenen, auf denen einzelne Abschlüsse keine Rolle mehr spielen.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er ist seit 1980 aktiver Trader an den Finanzmärkten und zählt damit zu den erfahrensten deutschsprachigen Marktteilnehmern in den Bereichen Forex, Indizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.

In den späten 1980er Jahren übersetzte Kagels die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter für den deutschsprachigen Raum. Anschließend war er über 17 Jahre lang deutscher Repräsentant des US-amerikanischen Traders Joe Ross und übersetzte sowie verlegte insgesamt zehn seiner Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Kagels handelt als diskretionärer Price-Action-Trader, nicht mit automatisierten Systemen. Er ist seit 1996 Kunde bei Interactive Brokers und handelt dort Indizes, Forex und Futures. Die Screenshots in diesem Artikel stammen aus seiner eigenen Trader Workstation; die Datenpreise wurden für diesen Beitrag direkt bei Interactive Brokers geprüft. → Alle Artikel von Karsten Kagels

„Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.”

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