Wer eine Aktie verkauft, bekommt nie den Kurs, der im Chart steht. Er bekommt den Geldkurs, also das höchste Gebot, das gerade im Orderbuch liegt. Der Chart zeigt dagegen den letzten abgeschlossenen Handel, und der kann Sekunden alt sein oder aus einer ganz anderen Marktlage stammen.
Der Begriff verwirrt selbst erfahrene Anleger, und daran ist die Sprache schuld. Manche Quellen nennen den Geldkurs den Verkaufspreis, andere das Kaufgebot. Beides stimmt, es kommt nur darauf an, wer gerade spricht. Dieser Artikel löst das auf, erklärt den Kurszusatz „G“ und zeigt, was der Geldkurs bei Devisen und Sorten bedeutet. Alle Angaben wurden am 10. September 2026 an den Originalquellen geprüft. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Geldkurs: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Definition: Der Geldkurs (Bid) ist das höchste Gebot, das ein Käufer gerade abgibt. Wer sofort verkauft, erhält genau diesen Preis.
- Perspektive: Für den Markt ist er ein Kaufgebot, für den Anleger, der abgibt, der Erlös. Beide Beschreibungen meinen dieselbe Zahl.
- Merksatz: Verkaufen heißt Geldkurs bekommen, kaufen heißt Briefkurs zahlen. Der Geldkurs liegt deshalb fast immer unter dem Briefkurs.
- Beispiel: Bei Rheinmetall auf Xetra standen Geld bei 1.942,50 € und Brief bei 1.943,00 €. Die Spanne von 0,50 € entspricht 0,026 Prozent.
- Kurszusatz: Im klassischen Kursblatt meldet „G“ Nachfrage ohne Angebot. Zu diesem Kurs kam kein Umsatz zustande.
- Devisen: Bei Fremdwährung ist der Geldkurs der Kurs, zu dem die Bank ankauft. Wer Reisegeld zurücktauscht, bekommt ihn.
Was ist der Geldkurs?
Der Geldkurs, englisch Bid, ist der höchste Preis, den ein Käufer in diesem Moment für ein Wertpapier, eine Währung oder ein anderes Handelsobjekt bietet.
Er markiert die Nachfrageseite des Marktes. Alle Kaufgebote liegen im Orderbuch nach Preis sortiert. Das höchste davon ist der Geldkurs. Wer sofort verkaufen will, trifft auf genau dieses Gebot.
Hier liegt der häufigste Missverständnis-Punkt, und er steckt in der Formulierung. Nachschlagewerke beschreiben den Geldkurs mal als Preis, den ein Käufer bietet, mal als Verkaufspreis eines Wertpapiers. Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht: Gemeint ist dieselbe Zahl aus zwei Blickrichtungen. Aus Sicht des Marktes ist sie ein Gebot, aus Sicht des Anlegers, der abgibt, sein Erlös.
Die Bezeichnung stammt aus der Zeit der Papierurkunden. Wer kaufen wollte, hielt das Geld bereit; wer verkaufen wollte, hielt den Brief, also die Urkunde. Das Gegenstück ist deshalb der Briefkurs (Ask). Die Grafik zeigt, wer in welcher Situation welchen der beiden Kurse bekommt.
Geldkurs im Börsenhandel
Sobald eine Verkaufsorder ohne Limit in den Markt geht, entscheidet der Geldkurs über den Erlös. Eine solche Market-Order fragt nicht nach dem Preis, sondern nach sofortiger Ausführung. Sie nimmt das beste Gebot, das da ist. Welche Orderarten es sonst gibt, entscheidet darüber, ob das ein Vorteil oder ein Risiko ist.
Neben jedem Geldkurs steht eine Stückzahl, und die wird regelmäßig übersehen. Stehen auf der ersten Preisstufe 200 Stück und die Verkaufsorder lautet auf 500, werden 200 zum Geldkurs ausgeführt. Die restlichen 300 fallen auf die nächsttiefere Preisstufe.
Der Durchschnittserlös liegt dann unter dem Geldkurs, den der Verkäufer gesehen hat. Das ist Slippage, und sie trifft in dünnen Märkten besonders hart. Bei Pennystocks kann eine mittelgroße Order das Gebot mehrere Stufen tief abräumen.
Wie stark das ins Gewicht fällt, hängt am Handelsstil. Ein Daytrader zahlt die Spanne mehrmals täglich, ein Scalper bei jedem einzelnen Trade. Für einen langfristigen Anleger ist sie dagegen eine Randnotiz.
Beispiel aus der Praxis
Der folgende Screenshot zeigt Rheinmetall im 15-Minuten-Chart auf Xetra. Rechts am Kursband stehen drei Werte übereinander: Ask 1.943,00 €, der letzte bezahlte Kurs mit Zeitstempel 11:16 Uhr und darunter Bid 1.942,50 €.
Wer in diesem Moment verkauft, bekommt 1.942,50 € je Aktie. Der Chart zeigt 1.943,00 €, und genau diese 50 Cent Differenz überraschen Einsteiger regelmäßig beim Blick in die Abrechnung. Ein Fehler des Brokers ist es nicht.
Gemessen am Kursniveau sind 0,50 € ganze 0,026 Prozent. Bei einem DAX-Wert fällt das kaum auf. Wer sofort kauft und sofort wieder verkauft, verliert genau diesen Betrag, und zwar unabhängig von den Ordergebühren.
Bei einem Nebenwert kippt diese Rechnung. Kostet eine Aktie 7,00 € und liegen zwischen Geld und Brief 20 bis 30 Cent, sind das 2,9 bis 4,3 Prozent. Der Verkäufer bekommt dann spürbar weniger, als der Chart verspricht.
Unterschied zwischen Geldkurs und Briefkurs
Beide Kurse beschreiben denselben Markt aus entgegengesetzter Richtung. Der Geldkurs steht für die Nachfrage, der Briefkurs für das Angebot. Ein Handel entsteht erst, wenn eine der beiden Seiten nachgibt.
| Merkmal | Geldkurs (Bid) | Briefkurs (Ask) |
|---|---|---|
| Seite | Nachfrage | Angebot |
| Stellt ihn | Käufer | Verkäufer |
| Erhält ihn | Verkäufer | Käufer |
| Höhe | niedriger | höher |
| Kurszusatz | G | B |
| Bank, Devisen | kauft an | verkauft |
Daraus folgt eine Regel, die in jedem Markt gilt. Der Verkäufer bekommt immer den niedrigeren der beiden Kurse, der Käufer zahlt immer den höheren. Das ist kein Nachteil, sondern der Preis für die Gewissheit, sofort handeln zu können.
Wer diese Gewissheit nicht braucht, muss sie auch nicht bezahlen. Eine Limit-Order stellt sich selbst als Gebot ins Orderbuch, statt das bestehende anzunehmen. Sie wird dann nicht sofort ausgeführt, dafür zum eigenen Preis. Das ist der praktische Kern des ganzen Themas.
Die Geld-Brief-Spanne (Spread)
Die Geld-Brief-Spanne ist die Differenz zwischen Briefkurs und Geldkurs. Sie ist der Preis, den ein Marktteilnehmer für sofortige Ausführung bezahlt.
Spread und Liquidität
Je mehr Käufer um dasselbe Papier konkurrieren, desto näher rückt der Geldkurs an den Briefkurs. In DAX-Werten und bei den Hauptwährungspaaren liegen beide oft nur Cent oder Pips auseinander. In Nebenwerten und bei Futures auf enge Märkte kann die Spanne mehrere Prozent betragen.
Spread als Kostenfaktor
Der Spread taucht auf keiner Abrechnung auf. Ordergebühren stehen auf der Wertpapierabrechnung, die Spanne nicht. Sie steckt bereits im Kurs und wird zweimal bezahlt: beim Einstieg und beim Ausstieg. Wie sich das berechnen lässt, steht ausführlich im Beitrag zur Geld-Brief-Spanne. Gute Optionsschein-Suchtools weisen sie als eigene Spalte aus.
Der Kurszusatz „G“: Nachfrage ohne Umsatz
Im klassischen Kursblatt bedeutet der Kurszusatz „G“ für Geld, dass zu diesem Kurs zwar Nachfrage vorhanden war, aber kein passendes Angebot. Ein Umsatz kam nicht zustande.
Diese zweite Bedeutung erklärt eine Definition, die sonst widersprüchlich wirkt. Nachschlagewerke beschreiben den Geldkurs als Kurs, dem kein Angebot gegenübersteht. Gemeint ist dort nicht das Gebot im laufenden Handel, sondern eine Notiz im amtlichen Kursblatt. Wer beide Bedeutungen nicht trennt, hält die Lexikondefinition für falsch.
Die Zusätze stammen aus dem Parketthandel und wurden vom Skontroführer gepflegt. Neben „G“ gab es bG für bezahlt Geld, wenn Umsätze zustande kamen, aber weiterhin mehr Nachfrage als Angebot bestand, und ebG für etwas bezahlt Geld bei deutlichem Nachfrageüberhang. Auf der Angebotsseite entsprach dem der Zusatz B für Brief.
In den vollelektronischen Handelssystemen gibt es diese Zusätze nicht mehr. Wer heute auf Xetra handelt, sieht Geld und Brief als laufend gestellte Preise mit Volumen. Die Kursblatt-Notiz ist Geschichte, steht aber weiter in den Lexika. Nachlesbar bei Wikipedia.
Geldkurs bei Devisen und Sorten
Bei Devisen und Sorten ist der Geldkurs der Kurs, zu dem ein Kreditinstitut die Fremdwährung ankauft. Der Kunde bekommt ihn beim Rücktausch und zahlt beim Kauf den höheren Briefkurs.
Diese beiden Kurse gehören zum Kassahandel. Wie der Kassakurs bei Devisen entsteht und wo er sich vom Terminkurs unterscheidet, zeigt unser Beitrag zum Kassamarkt.
Devisen und Sorten sind dabei zwei verschiedene Dinge. Devisen sind Buchguthaben in fremder Währung, Sorten sind Bargeld. Beide haben eigene Geld- und Briefkurse, und bei Sorten ist die Spanne deutlich weiter, weil Scheine gelagert, versichert und transportiert werden müssen.
Daraus folgt die Regel für jede Umrechnung in einer Fremdwährung. Wer eine Forderung vereinnahmt, verkauft Währung und rechnet mit dem Geldkurs. Wer eine Verbindlichkeit bezahlt, kauft Währung und rechnet mit dem Briefkurs. Die Richtung entscheidet, nicht die Währung.
Der bekannteste veröffentlichte Wechselkurs ist keiner von beiden. Der Euro-Referenzkurs der EZB wird werktags gegen 16:00 Uhr MEZ auf Basis eines Abstimmungsverfahrens der Notenbanken um 14:10 Uhr veröffentlicht. Die EZB rät ausdrücklich davon ab, ihn für Transaktionen zu verwenden. Er ist ein Mittelwert, zu dem niemand handelt. Die Kurse stehen bei der Deutschen Bundesbank.
Deshalb wirkt der eigene Bankbeleg oft falsch. Wer Reisegeld zurücktauscht, vergleicht seinen Erlös mit dem Referenzkurs und findet ihn zu niedrig. Tatsächlich hat er den Geldkurs bekommen, und der liegt unter dem Mittelwert. Auch der Kurs von EUR/USD im Chart ist ein Mittelkurs, kein handelbares Gebot.
Was den Geldkurs bewegt
Der Geldkurs ist kein fester Wert, sondern das Ergebnis laufend wechselnder Kaufgebote. Vier Größen bestimmen, wie weit er sich vom Briefkurs entfernt.
Liquidität
Je mehr Käufer bieten, desto höher steht der Geldkurs. In Standardwerten konkurrieren viele Gebote miteinander. In dünnen Märkten setzt ein einzelner Käufer sein Limit so tief, wie er es für durchsetzbar hält.
Volatilität
Unsicherheit drückt den Geldkurs nach unten. Wer nicht weiß, was ein Papier in fünf Minuten wert ist, bietet vorsichtiger. Die Spanne weitet sich, oft für wenige Sekunden.
Nachrichtenlage
Vor angekündigten Terminen ziehen Käufer ihre Gebote zurück. Das gilt für Quartalszahlen genauso wie für Zinsentscheide. In den Minuten davor ist das Orderbuch auf der Kaufseite regelmäßig dünn.
Handelszeit
Vor und nach der Kernhandelszeit ist die Nachfrageseite dünner. Wer außerhalb der Haupthandelszeit verkauft, bekommt regelmäßig einen spürbar niedrigeren Geldkurs. Das gilt besonders am frühen Morgen und für Werte, deren Heimatbörse geschlossen hat.
Fazit: Der Geldkurs ist der Preis, den du wirklich bekommst
Der Kurs im Chart ist eine Information über die Vergangenheit, der Geldkurs eine über die Gegenwart. Wer sofort verkaufen will, bekommt den Geldkurs, und zwar so weit, wie das Volumen auf dieser Preisstufe reicht.
Die scheinbar widersprüchlichen Definitionen lösen sich über die Perspektive auf. Für den Markt ist der Geldkurs ein Gebot, für den Anleger, der abgibt, sein Erlös, und im alten Kursblatt war „G“ die Meldung, dass niemand zu diesem Preis verkaufen wollte.
Praktisch folgt daraus eine einzige Gewohnheit. Vor jeder Order lohnt der Blick auf Geldkurs, Briefkurs und das Volumen daneben. Ist die Spanne weit oder das Volumen dünn, gehört die Order limitiert statt bestens in den Markt gegeben.
Häufige Fragen zum Geldkurs
Was versteht man unter dem Geldkurs?
Der Geldkurs (Bid) ist das höchste Gebot, das ein Käufer gerade abgibt. Er zeigt die Nachfrageseite des Marktes und ist der Preis, den ein Verkäufer bei sofortiger Ausführung erhält.
Ist der Geldkurs der Kaufpreis oder der Verkaufspreis?
Beides, je nach Blickrichtung. Für den Markt ist er ein Kaufgebot, für den Anleger, der sein Papier abgibt, der Erlös. Gemeint ist dieselbe Zahl. Wer kauft, zahlt dagegen den höheren Briefkurs.
Warum liegt der Geldkurs unter dem Briefkurs?
Käufer wollen günstig einsteigen, Verkäufer teuer abgeben. Zwischen dem höchsten Gebot und dem niedrigsten Angebot bleibt deshalb eine Lücke, der Spread. Ein Handel kommt erst zustande, wenn eine Seite nachgibt.
Was bedeutet der Kurszusatz G an der Börse?
Der Zusatz „G“ steht für Geld und meldet, dass zu diesem Kurs Nachfrage vorhanden war, aber kein passendes Angebot. Ein Umsatz kam nicht zustande. Die Zusätze stammen aus dem Parketthandel und finden sich in elektronischen Orderbüchern nicht mehr.
Welchen Kurs bekomme ich beim Rücktausch von Reisegeld?
Den Geldkurs der Bank für die jeweilige Sorte. Er liegt unter dem Referenzkurs, den Nachrichtenportale zeigen. Die Differenz ist die Spanne des Instituts und bei Bargeld deutlich weiter als bei Buchgeld.
Ist der Euro-Referenzkurs der EZB ein Geldkurs?
Nein. Der Referenzkurs ist ein Mittelwert, der werktags gegen 16:00 Uhr veröffentlicht wird. Die EZB rät ausdrücklich davon ab, ihn für Transaktionen zu verwenden. Handelbar sind nur Geld- und Briefkurs des Instituts.
Welche Faktoren beeinflussen den Geldkurs?
Vor allem Liquidität, Volatilität, die Nachrichtenlage und die Handelszeit. In dünnen Märkten und außerhalb der Kernhandelszeit liegt der Geldkurs deutlich weiter vom Briefkurs entfernt.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Ein Systemtrader ist er bewusst nicht, was ihm bei der Bewertung fremder Ansätze einen kritischen Blick von außen erlaubt.
Seine Erfahrung reicht weit in die Geschichte der technischen Analyse. Kagels übersetzte Ende der 1980er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und vertrat den US-Trader Joe Ross über 17 Jahre in Deutschland, wo er alle zehn Ross-Bücher übersetzte und verlegte. Bis heute gibt er eigene Seminare und private Einzelschulungen.
Die Verwechslung von Gebot und Erlös gehört zu den ersten Stolperstellen im Handel. Kagels bildet seit 1998 Trader aus. Die Schwerpunkte dieses Artikels, also die Perspektivfrage, das Volumen neben dem Kurs und die Devisenseite, spiegeln die Fragen wider, die in diesen Schulungen regelmäßig zuerst kommen.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.











