Warentermingeschäfte sind der älteste Weg, um an den Rohstoffmärkten zu spekulieren. Lange bevor es Aktienindex-Futures oder den Devisenhandel gab, handelten Trader Weizen, Kaffee und Rohöl auf Termin. Bis heute laufen diese Geschäfte über standardisierte Kontrakte an spezialisierten Börsen. Für dich als Trader sind die Warenmärkte ein eigener Bereich mit eigenen Regeln und einem eigenen Risikoprofil.
In diesem Artikel liest du, wie Warentermingeschäfte funktionieren und wie du sie als Trader nutzt. Du erfährst, welche Waren handelbar sind, wie Absicherung und Spekulation zusammenhängen und worauf du bei Margin, Liquidität und Risiko achten musst. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Warentermingeschäfte erklärt
in 30 Sekunden
- Definition: Ein Warentermingeschäft ist ein Vertrag über den Kauf oder Verkauf eines Rohstoffs zu einem heute fixierten Preis und einem späteren Liefertermin.
- Zwei Motive: Produzenten sichern sich gegen Preisschwankungen ab (Hedging), Trader spekulieren auf steigende oder fallende Kurse.
- Handelsplatz: Gehandelt wird an Warenterminbörsen wie der CME, in standardisierten Kontrakten mit fester Menge, Qualität und Laufzeit.
- Zugang: Privatpersonen handeln nicht direkt an der Börse, sondern über einen Broker, meist per Future, CFD oder Zertifikat.
- Margin: Für einen Kontrakt hinterlegst du nur eine Sicherheitsleistung, die Margin. Das schafft Hebel, vergrößert aber auch das Risiko.
- Besonderheit: Viele Warenmärkte reagieren stark auf Wetter und haben teils geringe Liquidität. Das bedeutet zusätzliches Risiko.
Was ist ein Warentermingeschäft?
Ein Warentermingeschäft ist ein börslich gehandelter Vertrag, bei dem sich Käufer und Verkäufer verpflichten, eine festgelegte Menge eines Rohstoffs zu einem heute vereinbarten Preis an einem späteren Termin zu liefern und zu bezahlen.
Warentermingeschäfte sind die Rohstoff-Variante der börsengehandelten Termingeschäfte (Futures). Während ein Future allgemein jeden Basiswert abbilden kann, bezieht sich ein Warentermingeschäft immer auf eine physische Ware: Getreide, Metalle, Energie oder Weichwaren wie Kaffee und Kakao.
Ein Future ist ein standardisierter, verbindlicher Terminkontrakt, der Menge, Qualität und Liefertermin der Ware exakt festlegt.
Am Liefertermin gibt es zwei Wege der Abwicklung. Bei der physischen Lieferung wird die Ware tatsächlich übergeben, was vor allem die Industrie nutzt. Bei der Barabwicklung (Cash Settlement) fließt nur die Differenz zwischen vereinbartem und aktuellem Marktpreis. Für Trader ist die Barabwicklung der Normalfall, denn kaum jemand will am Ende echten Weizen im Lager haben.
Warentermingeschäfte: Der Ursprung kommt aus der Landwirtschaft
Die Geschichte der Warentermingeschäfte beginnt auf dem Acker, nicht an der Börse. Die Kontrakte entstanden aus einem Versicherungsgedanken: Farmer und Landwirte wollten schon vor der Ernte einen garantierten Abnahmepreis für ihre Produkte sichern. So konnten sie unabhängig von Wetter und Marktlage kalkulieren. Die ersten Warenterminkontrakte liefen deshalb auf Baumwolle und Weizen.
Schon im 18. Jahrhundert wurden in Amsterdam erste Termingeschäfte getätigt. Ihre Blütezeit erlebten die Warentermingeschäfte aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem im Jahr 1848 das Chicago Board of Trade gegründet wurde. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Produkte dazu, sofern sie genug Handelsumsatz brachten.
Eine Warenterminbörse ist ein regulierter Marktplatz, an dem standardisierte Terminkontrakte auf Rohstoffe wie Getreide, Metalle oder Energie gehandelt werden.
Die wichtigsten Warenterminbörsen liegen heute in London, Chicago und New York. Bevor es Aktienindex-Futures oder den Devisenhandel an der Forex gab, konntest du als Trader fast nur auf die Warentermingeschäfte zurückgreifen. Der Handel läuft inzwischen fast vollständig elektronisch.
Lesetipp: Mehr über Terminbörsen erfahren
Sonntag · 26. Juli 2026 · 11:00 Uhr · Kostenlos
KI für Trader:
Die größte Chance seit dem Internet
Kostenloses Live-Webinar mit
Karsten Kagels & Bjarne Claussen
Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Warentermingeschäfte und die Produkte
Warentermingeschäfte sind die Rohstoff-Variante der börsengehandelten Termingeschäfte (Futures).
Das Spektrum der handelbaren Waren reicht vom Frühstückskaffee bis zum Industriemetall. Grob lassen sich die Märkte in fünf Gruppen einteilen: Getreide und Ölsaaten, Weichwaren wie Kaffee und Zucker, Fleisch, Energie sowie Metalle. Ein bekanntes Beispiel aus dem Metallbereich ist der Gold Future.
| Warengruppe | Handelbare Beispiele |
|---|---|
| Getreide & Ölsaaten | Weizen, Mais, Sojabohnen, Hafer, Reis |
| Weichwaren (Softs) | Kaffee, Kakao, Zucker, Baumwolle, Orangensaft |
| Fleisch | Lebendrinder, Lebendschweine, Schweinebäuche |
| Energie | Rohöl, Heizöl, Erdgas, bleifreies Benzin |
| Metalle | Gold, Silber, Platin, Palladium, Kupfer |
13 Trading-Indikatoren, die du kennen musst

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Das sind die wichtigsten Indikatoren für erfolgreiche Trader!
Hole dir jetzt das kostenlose E-Book und lerne, worauf es wirklich ankommt.

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Wie du Warentermingeschäfte als Trader nutzt
An einem Warentermingeschäft nehmen zwei Lager mit gegensätzlichen Zielen teil. Die einen wollen sich absichern, die anderen wollen spekulieren. Genau dieser Gegensatz hält den Markt liquide.
Für Erdgas führen wir eine laufend aktualisierte NG-Future-Prognose mit Kurszielen.
Hedging bezeichnet die Absicherung gegen Preisrisiken, indem ein Marktteilnehmer mit einem Terminkontrakt eine gegenläufige Position zu seinem physischen Geschäft aufbaut.
Als spekulativer Trader stellst du dich auf die andere Seite dieser Absicherung. Du lieferst keine Ware, sondern setzt auf die Kursrichtung. Mehr zur Absicherungsseite liest du im Beitrag zum Hedging im Trading.
Direkt an die Börse kommst du als Privatperson nicht. Du brauchst einen Broker, der dir den Zugang verschafft. Drei Wege sind üblich: der Future selbst über einen Terminbroker, ein CFD auf den Rohstoff oder ein Zertifikat. Wie der direkte Hebelhandel funktioniert, zeigt der Guide zum CFD-Handel.
Die Margin ist die Sicherheitsleistung, die ein Trader bei seinem Broker hinterlegen muss, um einen Futures-Kontrakt zu eröffnen und zu halten.
Die Margin ist der Grund, warum Warentermingeschäfte so kapitaleffizient und zugleich so gefährlich sind. Du bewegst mit wenig Kapital einen großen Kontraktwert. Läuft der Kurs gegen dich, kann der Verlust die hinterlegte Margin übersteigen. Details dazu findest du im Guide zum Margin-Trading.
Ein Detail unterscheidet Rohstoffe von Aktien: die Terminkurve. Liegen spätere Kontrakte teurer als der aktuelle, spricht man von Contango. Sind sie billiger, herrscht Backwardation. Diese Struktur entscheidet mit darüber, ob sich ein längerfristiges Engagement lohnt.
Bei aller Chance gehört die ehrliche Einordnung dazu. Die Warenmärkte sind ein Terrain für Profis und Spezialisten. Du handelst gegen Produzenten, Händler und Fonds, die den jeweiligen Markt seit Jahren kennen. Die BaFin weist ausdrücklich auf das Risiko hin, dass bei Termingeschäften Verluste das eingesetzte Kapital übersteigen können. Für Einsteiger ohne Rohstoff-Erfahrung ist dieser Markt deshalb nicht der richtige Startpunkt.
Warenterminkontrakte sind oft Wettermärkte
Bei Warentermingeschäften handelst du am Ende immer auch das Wetter mit. Eine Frostperiode kann die Preise für Kaffee oder Orangensaft in kurzer Zeit nach oben treiben. Eine längere Trockenheit führt zu Ernteausfällen beim Getreide. Wer diese Märkte handelt, verfolgt die Wetterlage in den Anbauregionen so genau wie die Charts.
Eine Limit-Bewegung ist die von der Börse festgelegte maximale Tagesspanne, um die der Preis eines Warenterminkontrakts steigen oder fallen darf, bevor der Handel ausgesetzt wird.
Limit-Bewegungen sind eine echte Besonderheit der Warenmärkte. Der Preis bleibt dann an der Grenze stehen, ohne dass zu diesem Kurs noch gehandelt wird. Solche Phasen können sich über mehrere Tage hinziehen. Für dich heißt das: Du kommst unter Umständen nicht aus einer Position heraus, obwohl der Markt klar gegen dich läuft.
Jeder Rohstoffmarkt hat sein eigenes Gesicht. Die Warentermingeschäfte sind eine gute Ergänzung zu Aktien, Devisen oder Finanzterminkontrakten. Manche Märkte wie Orangensaft oder Hafer haben aber nur geringe tägliche Umsätze. Diese dünne Liquidität kann das Risiko zusätzlich erhöhen.
Das sind die wichtigsten Daytrading Regeln!
Hole dir jetzt das kostenlose E-Book und lerne, worauf es wirklich ankommt.

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Das sind die wichtigsten Daytrading Regeln!

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Fazit: Ein Profimarkt mit langer Tradition
Warentermingeschäfte gehören zu den ältesten und ehrlichsten Märkten, die ich kenne. Hier trifft echtes Angebot auf echte Nachfrage, von der Ernte bis zur Raffinerie. Das macht die Rohstoffmärkte für mich bis heute faszinierend. Gleichzeitig sind sie unbarmherzig, weil du gegen Marktteilnehmer antrittst, die ihr Geschäft genau verstehen.
Mein Rat nach über vier Jahrzehnten an den Märkten: Fang klein an und respektiere die Besonderheiten. Achte auf Liquidität, kalkuliere die Margin konservativ und unterschätze nie den Einfluss von Wetter und Limit-Bewegungen. Wer das beherzigt, findet in den Warentermingeschäften einen spannenden eigenen Baustein für sein Trading.
FAQ über Warentermingeschäfte
Was ist ein Warentermingeschäft?
Ein Warentermingeschäft ist ein Vertrag über den Kauf oder Verkauf einer bestimmten Menge eines Rohstoffs zu einem heute festgelegten Preis und einem späteren Liefertermin. Gehandelt wird es als standardisierter Kontrakt an einer Warenterminbörse.
Wie funktioniert ein Warentermingeschäft? Ein Beispiel
Ein Landwirt verkauft seine Ernte heute schon auf Termin. Er vereinbart im Frühjahr einen festen Weizenpreis für die Lieferung im Herbst. Fällt der Preis bis dahin, ist er abgesichert. Ein Trader auf der Gegenseite übernimmt dieses Risiko und spekuliert auf eine andere Preisentwicklung.
Wie handelst du Warentermingeschäfte als Privatanleger?
Als Privatanleger brauchst du einen Broker, denn direkten Zugang zur Börse haben nur Mitglieder. Üblich sind drei Wege: der Future über einen Terminbroker, ein CFD oder ein Zertifikat auf den jeweiligen Rohstoff.
Was ist eine Margin bei Warentermingeschäften?
Die Margin ist ein Sicherheitsbetrag, den du bei deinem Broker hinterlegst, um einen Futures-Kontrakt zu eröffnen. Sie ist nur ein Bruchteil des Kontraktwerts und erzeugt dadurch einen Hebel in beide Richtungen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Future und einer Option?
Ein Future ist verbindlich, eine Option nicht. Beim Future müssen beide Seiten zum Termin erfüllen. Eine Option gibt dem Käufer nur das Recht, aber nicht die Pflicht, zu kaufen oder zu verkaufen.
Was bedeutet Clearing und Kontrahentenrisiko?
Das Clearing macht den Börsenhandel sicher. Eine Clearingstelle tritt als zentraler Kontrahent zwischen beide Parteien. Damit sinkt das Kontrahentenrisiko, also die Gefahr, dass eine Seite ihre Verpflichtung nicht erfüllt.
Was sind die Vorteile und Risiken von Warentermingeschäften?
Warentermingeschäfte bieten Absicherung und Spekulationschancen, verlangen aber Erfahrung. Vorteile sind Preisabsicherung, hohe Liquidität in den großen Märkten und Kapitaleffizienz. Risiken sind der Hebel, mögliche Limit-Bewegungen und dünne Umsätze in kleinen Märkten.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader aktiv. Seine Heimatmärkte sind Forex, Aktienindizes, Zinsmärkte und vor allem die Rohstoffe, zu denen auch die Warentermingeschäfte zählen.
Über Jahrzehnte hat er die Trading-Literatur im deutschsprachigen Raum mitgeprägt. Er übersetzte die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und war über 17 Jahre Repräsentant von Joe Ross in Deutschland, dessen zehn Bücher er übersetzte und verlegte. Seit 1998 ist er in der Trading-Ausbildung tätig, bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für die Warentermingeschäfte bringt Karsten genau die Praxis mit, um die es hier geht. Er hat die Rohstoffmärkte über viele Marktzyklen gehandelt und kennt ihre Eigenheiten von Limit-Bewegungen bis zur dünnen Liquidität kleiner Kontrakte aus erster Hand. Sein Anspruch ist eine ehrliche Einordnung statt schneller Versprechen.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.



