Optionsscheine – Verstehen und Handeln (2020)

Was ist ein Optionsschein?

Optionsscheine gehören zur Gruppe der Hebelprodukte und sind somit ebenfalls börsengehandelte Papiere. Die Papiere sind eine an der Börse handelbare Form eines Rechts. Somit handelt es sich hier um verbriefte Optionen, welche auch als Warrants bezeichnet werden.

Der Anleger erhält das Recht, den Basiswert an oder während eines bestimmten Zeitraums zu einem vorher vereinbarten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).

Im Detail verbriefen Optionsscheine folgendes Recht:

  • einen bestimmten Basiswert, welcher auch als Underlying bezeichnet wird (Aktien, Anleihen, Währungen oder einen Index)
  • nach einem bestimmten Bezugsverhältnis
  • zu einem vorher festgelegten Ausübungspreis
  • innerhalb einer festgelegten Bezugsfrist (sofern es sich um amerikanische Optionen handelt) oder zum Ende einer Bezugsfrist (bei europäischen Optionen der Fall)
  • zu kaufen (Kaufoption) oder zu verkaufen (Verkaufsoption)

Der Basiswert ist das Finanzinstrument, das einem Optionsschein zugrunde liegt.

Das Bezugsverhältnis gibt an, wie viele Stück eines Basiswertes durch einen Optionsschein gekauft oder verkauft werden können.

Der Ausübungspreis wird auch als strike price bezeichnet. Dieser gibt an zu welchem Preis der Inhaber der Option sein Optionsrecht ausüben kann.

Ein Put Optionsschein auf den DAX, mit dem auf fallende Kurse spekuliert werden kann.
Ein Beispiel für einen Optionsschein.

Was ist ein Call Optionsschein?

Ein Call Optionsschein ermöglicht auf steigende Kurse zu setzen. Hierbei erhält der Anleger das Recht, eine bestimmt Anzahl vom Basiswert von einem Vertragspartner zu erhalten. Die Auslieferung des Basiswertes ist nicht immer vorgesehen und so erfolgt oftmals auch ein Barausgleich, welcher sich aus dem aktuellen Kurs und dem Basispreis ergibt.

Der Kurs eines Call Optionsscheines steigt in der Regel auch, wenn der Basiswert steigt. Allerdings sind hier noch weitere Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

Was ist ein Put Optionsschein?

Ein Put Optionsschein ermöglicht auf fallende Kurse zu setzen. Hierbei erhält der Anleger das Recht eine bestimmte Anzahl vom Basiswert seinem Vertragspartner zu liefern. Die Auslieferung des Basiswertes ist nicht immer vorgesehen und so erfolgt oftmals auch ein Barausgleich, welcher sich aus dem Basispreis und dem aktuellen Kurs ergibt.

Der Kurs eines Put Optionsscheines steigt in Regel, wenn der Basiswert fällt. Allerdings sind auch hier noch weitere Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

Was ist der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen?

Optionen können von jedem Marktteilnehmer „geschrieben“ werden. Bei Optionsscheinen erfolgt dies nur durch die Banken, welche somit auch die Emittenten der Optionsscheine sind. Bei Optionsscheinen gibt es somit auch das Emittentenrisiko, welches es bei Optionen nicht gibt. Hier ist man durch die Margin abgesichert.

Auch sind Optionsscheine im Gegensatz zu Optionen nicht standardisiert. Hier können die Emittenten frei entscheiden. Aktienoptionen beziehen sich beispielsweise dagegen immer auf 100 Stück eines Basiswertes.

Zudem können bei Optionsscheinen nicht die Short-Position eingenommen werden. Diese wird vom Emittenten eingenommen. Das Optionen schreiben und vereinnahmen von Optionsprämien ist bei Optionsscheinen daher nicht möglich.

Optionen werden an der Terminbörse gehandelt. Optionsscheine werden an der Börse Stuttgart oder Frankfurt gehandelt. Der Counterpart ist dabei aber immer der Emittent und nicht wie bei Optionen ein „normaler“ Marktteilnehmer“.

Wo kann man Optionsscheine suchen?

Es gibt verschiedene Optionsschein Finder, welche bei der Suche des „richtigen“ Optionsscheins helfen können.

Die gängigsten Optionsschein Finder sind aktuell Folgende:

Mit Hilfe der Optionsschein Finder kann so gezielt nach Optionsscheinen gesucht werden, welche zu dem eigenen Anlagehorizont und Risikobereitschaft passen.

Der Optionsschein Finder der comdirect.
Der Optionsschein Finder der comdirect

Wo finde ich einen Optionsschein Rechner?

Die Preisbildung von Optionsscheinen ist von verschiedenen Einflussfaktoren abhängig. Um die Auswirkungen der Einflussgrößen zu berechnen und das Verhalten des Optionsscheins bei verschiedenen Szenarien besser nachvollziehen zu können, helfen Optionsschein Rechner für ein besseres Verständnis.

Zum Beispiel kann man sich anzeigen lassen was passiert, wenn der Basispreis um 5% innerhalb von 3 Monaten steigt oder fällt? Mit Hilfe des Optionsrechner wird die Funktionsweise bzw. die Wertentwicklung des Optionsschein simuliert und führt so zu einem besseren Verständnis.

Es gibt folgende Optionsschein Rechner:

Der Optionsschein-Rechner von Onvista.
Der Optionsschein-Rechner von Onvista.

Wann verfallen Optionsscheine?

Optionsscheine verfallen, wenn der Optionsschein am Ende der Laufzeit keinen inneren Wert mehr besitzt.

Dies ist dann der Fall, wenn sich der Basiswert anders entwickelt als im Voraus erwartet.

Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass den hohen Gewinnen auch ein hohes Risiko gegenübersteht. Das Chance/Risiko Profil ist abhängig von verschiedenen Parametern, wie zum Beispiel dem Hebel und der Laufzeit. Liegt der Anleger falsch, so können diese Parameter für einen hohen Verlust und sogar zu einem Totalverlust führen. Oftmals beträgt der Auszahlungsbetrag dann nur noch 0,001€.

Wie hoch ist das Risiko bei Optionsscheinen?

Das Risiko bei Optionsscheinen ist sehr hoch und kann bis zum Totalverlust des eingesetzten Investments führen. Denn besitzt der Optionsschein am Ende der Laufzeit keinen inneren Wert mehr, so verfällt dieser wertlos.

Durch den oftmals sehr hohen Hebel wirkt sich dieser auch in die entgegengesetzte Richtung aus. Das bedeutet, dass den überproportionalen Gewinnen auch überproportionale Verluste gegenüberstehen. Läut der Markt in die entgegengesetzte Richtung, so kann dies einen hohen Verlust bedeuten. Doch auch andere Faktoren, wie die Laufzeit und die Volatilität spielen eine große Rolle. Wenn sich der Basiswert nur seitwärts bewegt, aber die Volatilität abnimmt, so verliert der Optionsschein an Wert. Somit können Trader auch dann Geld verlieren, wenn sich der Basiswert in die richtige Richtung entwickelt. Der Einfluss der Volatilität ist daher nicht zu unterschätzen und stellt ein weiteres Risiko da. Dazu kommt noch die Laufzeit, welche dafür sorgt, dass der Optionsschein kontinuierlich an Wert verliert.

Daher ist das Risiko bei Optionsscheinen nicht zu unterschätzen und man sollte sich dessen immer bewusst sein, das auch ein Totalverlust möglich ist. Zudem muss man sich auch über die anderen Faktoren im Klaren sein und wissen, dass der Preis des Optionsscheines nicht allein von der Entwicklung des Basiswertes abhängt.

Dazu kommt noch das Emittentenrisiko.

Was ist der Hebel?

Der Hebel ist eine wichtige Kennzahl beim Handel mit Optionsscheinen. Dieser gibt an, um wie viel stärker der Optionsschein steigt oder fällt im Vergleich zum Basiswert. Ein Hebel von Zehn würde bedeuten, dass wenn der Basiswert um ein Prozent steigen würde, der Call Optionsschein um zehn Prozent steigt. Ein Put Optionsschein würde entsprechend um zehn Prozent fallen.

Bei einem Call Optionsschein kann der Hebel somit wie folgt berechnet werden:

Hebel = Kurs des Basiswert / Optionsscheinpreis

Dadurch, das mit einem geringen Kapitaleinsatz das Vielfache erzielt werden kann, sind Optionsscheine sehr beliebt. Der hohe Hebel wirkt oft sehr verlockend, doch muss einem immer bewusst werden, dass dieser sich in beide Richtungen auswirkt.

Der Anleger sollte sich daher immer im Voraus im Klaren sein, wie hoch der Hebel des gehandeltes Scheines ist und wie sich das Ganze aus sein eingesetztes Investment auswirken kann.

Was ist der innere Wert?

Der innere Wert eines Optionsschein ist der Wert, welcher bei der Ausübung des Optionsrechtes realisiert werden kann. Man kann auch sagen, dass der innere Wert den wahren Wert eines Optionsscheines ausdrückt.

Der Preis eines Optionsscheines setzt sich neben dem inneren Wert, auch aus dem Zeitwert zusammen.

Be einem Call errechnet sich der innere Wert wie folgt:

Innerer Wert (Call) = Bezugsmenge * (Kurs des Basiswerts – Basiskurs)

Bei einem Put dagegen ist die Berechnung wie folgt:

Innerer Wert (Put) = Bezugsmenge * (Basiskurs – Kurs des Basiswerts)

Liegt der aktuelle Kurs des Basiswerts über dem Ausübungspreis, so bezeichnet man diesen auch als im Geld oder in the money (bei einem Call).

Am Geld oder at the money ist dann der Fall, wenn der Basispreis und der aktuelle Börsenkurs des Basiswertes identisch sind. Hier hat der Optionsschein somit keinen inneren Wert.

Doch auch wenn der Schein aus dem Geld oder out of the money liegt, so weißt der Schein keinen inneren Wert auf. Dies ist dann der Fall, wenn bei einem Call der aktuelle Börsenkurs des Basiswertes unter dem Basispreis liegt.

Der Preis eines Call Optionsscheines, welcher sich aus dem inneren Wert und Zeitwert ergibt.
Der innere Wert eines Optionsschein

Was ist der Zeitwert?

Neben dem inneren Wert spielt auch der Zeitwert für die Preisbildung des Optionsscheine eine Rolle.

Der Zeitwert errechnet sich wie folgt:

Zeitwert = Optionsscheinpreis – Innerer Wert

Dieser wird von folgenden Faktoren bestimmt:

  • Restlaufzeit
  • Zinssatz
  • aktuellen Kurs des Basiswertes
  • Volatilität des Basiswertes
  • Höhe der Dividende

Der Zeitwert nimmt zu Laufzeitende ab und unterliegt somit einem konstanten Wertverfall. Je mehr sich der Schein dem Laufzeitende nähert, desto stärker nimmt der Zeitwert ab. Auch nimmt die Wahrscheinlichkeit für eine positive Entwicklung des Basiswertes mit der Annährung des Laufzeitende ab. Dies spiegelt sich auch unmittelbar auf den Preis des Optionsscheines nieder. Optionsscheine mit einer geringeren Laufzeit bei gleichem Basiswert haben einen geringeren Zeitwert als solche mit längerer Laufzeit.

Am Ende der Laufzeit besitzt der Optionsschein keinen Zeitwert mehr und der Preis besteht somit nur noch aus dem inneren Wert .

Daher ist es in den meisten Fällen sinnvoll den Optionsschein vor Laufzeitende zu verkaufen, da durch die Ausübung der positive Zeitwert verloren geht.

Welche Strategien gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Strategien beim Handel mit Optionsscheinen.

Die vier bekanntesten sind folgende:

  • Call/Put naked
  • Straddle
  • Strangle
  • Bottom-Fishing

Eine der einfachsten Strategien ist es einfach nur einen Call oder Put zu kaufen, welcher „nahe am Geld“ liegt.

Möchte man von steigenden Kursen profitieren, so erwirbt man einen Call mit einem Ausübungspreis, welcher leicht über dem aktuellen Basispreis liegt.

Bei der Erwartung fallender Kurse, so kommt ein Put zum Einsatz, welcher einen Ausübungspreis aufweist. der leicht unter dem aktuellen Basispreis liegt.

Mit einem Straddle setzt man auf starke Kursschwankungen. Hierbei wird gleichzeitig ein Call und ein Put auf den gleichen Basiswert mit dem gleichen Strike erworben.

Steht der Index zum Beispiel bei 10.000 Punkten, so kauft der Anleger einen Call und Put mir einem Strike von 10.000. Sollte sich der Basiswert hier stark bewegen, so kann dieser von der Schwankung profitieren. Die Richtung ist hierbei egal. Sollte die erwartete Kursschwankung ausbleiben, so verlieren die Positionen an Wert.

Notiert der Basiswert am Verfallstag bei 10.000 Punkte, so sind sowohl der Call, wie auch der Put wertlos.

Bei einem Strangle kauft der Trader auch einen Call und Put auf den gleichen Basiswert. Ist die Erwartung, dass die Kurse eher steigen, so wird der Put hierbei unter dem Ausührungspreis des Call angesetzt.

Bei einem Indexstand von 10.000 Punkten kauft der Händler einen Call mit einem Strike von 10.000 Punkten und einen Put mit einem Strike von 9.500 Punkten.

Aufgrund des geringen Puffers in einer Richtung sind im Vergleich zum Straddle die Chancen auf Kursgewinne etwas höher. Doch auch hier fällt die doppelte Optionsprämie an.

Den Handel einer möglichen Trendumkehr wird mit dem Bottom-Fishing versucht. Dies kann dann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Basiswert lange Zeit gefallen ist und sich nun Anzeichen für eine Tremdumkehr ergeben. So kauft man hier einen Call, welche nahe „am Geld“ liegt. Man handelt hier also gegen den vorliegenden Trend. Dies ist zwar risikoreicher als mit dem Trend zu handeln, aber dafür sind auch die Kursgewinne aufgrund des hohen Hebels sehr hoch, sofern man das richtige Timing erwischt hat.

Prinzipiell handelt es sich hier aber auch um einen Call oder Put naked, da man hier nur auf eine Richtung spekuliert.

Welche Vorteile und Chancen bringen Optionsscheine?

Optionsscheine haben viele Vorteile.

Zum Einen eignen sich diese Papiere auch für Anleger, welche über weniger Kapital verfügen. Denn durch den hohen Hebel benötigt man deutlich weniger Kapital als bei einem Direktinvestment in den Basiswert.

Des Weiteren ermöglicht der hohe Hebel auch enorme Gewinnmöglichkeiten. Daher sind diese Papiere besonders bei spekulativen Anlegern so beliebt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man mit Optionsscheinen auch auf fallende Kurse setzen bzw. von diesen profitieren kann. Daher hat man hier wesentlich mehr Möglichkeiten und ist sehr flexibel.

Aufgrund der hohen Anzahl von Emittenten und dem großen Wettbewerb gibt es auch mittlerweile Optionsscheine auf sämtliche Märkte, so dass so gut wie jede Handelsidee auch mit einem Optionsschein umgesetzt werden kann.

Optionsscheine sind nicht nur über die Emittenten, sondern auch über die Börse Frankfurt und Stuttgart handelbar. Somit ist auch das Angebot an Handelsplätzen groß genug.

Wo kann man Optionsscheine kaufen?

Optionsscheine können an den Börsen oder außerbörslich beim Emittenten gehandelt werden. Beim Handel über die Börse fallen je nach Broker Gebühren und Courtage an. Handelt man direkt über den Emittenten, so entfällt die Courtage.

Was ist das Aufgeld beim Optionsschein?

Das Aufgeld ist nicht, wie vielleicht vermutet, eine Gebühr beim Optionsschein, sondern es ist ein Begriff für die „Gewinnschwelle“. Diese Kennzahl gibt somit an, um wie viel Prozent der Basiswert des Optionsscheines sich verändern muss, um einen Gewinn zu erzielen.

Was ist das Delta bei einem Optionsschein?

Das Delta bei einem Optionsschein ist eine der wichtigsten Kennzahlen und misst die Veränderung des Preises des Optionsscheines in Bezug auf den Kurs des Basiswertes um eine Geldeinheit. Die Kennzahl misst damit die Sensitivität zwischen dem Optionsschein und dem Basiswert.

Bei einem Call Optionsschein gibt das Delta somit an, um wie viel der Optionsschein an Wert zulegt, wenn der Basiswert um zum Beispiel einen Euro steigt. Beträgt das Delta 1, so steigt der Optionsschein um einen Euro, wenn auch die Aktie um einen Euro zulegt.

Das Bezugsverhältnis muss allerdings auch noch beachtet werden. Liegt dieses zum Beispiel bei 0,1, so würde der Optionsschein bei einem Delta von eins um 0,10 Euro steigen.

Was sind die „Griechen“?

Bei den „Griechen“ handelt es sich um Kennzahlen zur Preisbildung von Optionen.

Neben dem Delta gibt es noch das Gamma, Vega und Theta.

Das Gamma wird auch als das Delta des Deltas bezeichnet. Diese Kennzahl gibt die Veränderung des Deltas an, wenn sich der Basiswert um eine Einheit ändert.

Das Vega misst die Sensitivität zwischen der Preisveränderung des Optionsscheines und der Volatilität. Es gibt somit an, wie sich der Preis des Scheines verändert, wenn sich die Volatilität verändert.

Mit zunehmender Schwankungsbreite nimmt auch der Preis des Optionsscheines zu. Auch spielt die Laufzeit eine Rolle. Je kürzer die Laufzeit desto weniger reagiert der Optionsschein auf eine Veränderung der Volatilität.

Der Zeitwert wird mit Hilfe des Theta ausgedrückt. Das Theta gibt an, wie viel ein Optionsschein pro Tag verliert. Bei einem Theta von -0,2 würde der Optionsschein am nächsten Tag 0,20 Euro an Wert verlieren, auch wenn die anderen Parameter unverändert blieben. Der Zeitwert ist somit am Höchsten, wenn sich der Kurs des Basiswertes in der Nähe des Ausübungspreises befindet.

Je kürzer die Laufzeit desto schneller ist hier der Zeitwertverlust.

Bei zwei Optionsscheinen mit dem gleichen Ausübungspreis, aber verschiedenen Laufzeiten, ist der tägliche Wertverlust bei dem kürzer laufendem Optionsschein somit höher.

Das Rho gibt an, um wie viel sich der Preis des Optionsscheines verändert, wenn sich der Zinssatz um einen Prozent ändert. Somit wird hier die Sensitivität gegenüber einer Änderung des Zinsniveaus dargestellt.

Die Kennzahlen sind somit extrem wichtig zu verstehen, um die Preisbildung des Optionsscheines nachvollziehen zu können. Somit ist der Preis eines Optionsscheines nicht alleine nur von dem Preis des Basiswertes abhängig, was auch dazu führen kann, dass ein Call Optionsschein nicht an Wert zulegt, obwohl der Basiswert steigt.

Daher ist vor dem Handel mit Optionsscheinen eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Funktionsweise der Scheine unabdingbar.

Wie kann man Optionsscheine zur Depotabsicherung nutzen?

Mit Hilfe von Optionsscheinen kann man sein Depot absichern. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Mit Put Optionsscheinen kann man sich vor fallenden Kursen schützen, da der Wert des Optionsscheines bei fallenden Kursen steigt und so den Verlust des Depots reduzieren oder sogar kompensieren kann. Die Absicherung des Depots mit Put-Optionsscheinen wird „Hedging“ genannt und ist besonders bei professionellen Händlern sehr beliebt.

Erwartet man einen fallenden Markt, so kann man trotzdem investiert bleiben und sichert sein Depot einfach mit Puts ab. Man kann die Puts auch theoretisch höher gewichten und so sogar noch trotz des fallenden Marktes einen Gewinn erzielen. Bei wenigen Positionen können einfach Puts auf die bereits vorhanden Positionen gekauft werden. Sollte das Depot größer sein, so kann man auch Puts auf einen speziellen Index etc kaufen. Zum Beispiel könnte man sein Depot an DAX Aktien mit einem Put auf den Dax absichern.

Um das richtige Verhältnis zu berechnen, gibt es eine Formel. Diese gilt zwar nur zur Orientierung, da sich die Einflussfaktoren auf den Preis stetig ändern, aber sollte eine gute Grundlage bilden.

[(Abzusichernder Depotwert ./. Indexstand) x 100] ./. Delta

Bei einem Depotwert von 100.000 und einem Indexstand von 10.000, sowie einem Delta von 0,6 wären 1.666 Puts zur Depotabsicherung notwendig.

Fallen bei Optionsscheine Steuern an?

Laufende Erträge, sowie Veräußerungsgewinne, werden seit der Einführung der Abgeltungssteuer in 2009 mit dem Abgeltungssteuersatz von 25 % besteuert. Zu dem Abgeltungssteuersatz kommen noch Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer dazu.

Realisierte Verluste können mit allen anderen Gewinnen aus Kapitalvermögen, wie zum Beispiel Fondserträge, Zinsen, Dividenden, Kursgewinne usw., komplett und unbefristet verrechnet werden.

Der Abgeltungssteuersatz gilt somit für alle Hebelprodukte.

Was ist ein Emittent?

Der Emittent ist der Herausgeber des jeweiligen Wertpapieres. Im Fall von Optionsscheinen sind das die Banken. Die Emittenten bringen die Optionsscheine somit in die Öffentlichkeit.

Welche Emittenten gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Emittenten auf dem deutschen Markt.

Die fünf größten Emittenten sind folgende:

  • Deka Bank
  • DZ Bank
  • LBBW
  • HypoVereinsbank
  • Deutsche Bank

Besteht bei Optionsscheinen auch das Emittentenrisiko?

Da Optionsscheine auch zu den Hebelprodukten zählen, unterliegen diese auch dem Emittentenrisiko.

Der Anleger trägt das Risiko, dass die Emittentin möglicherweise nicht in der Lage ist, ihre Verpflichtungen in Bezug auf das Produkt zu erfüllen – z.B. im Fall einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen.

Im Falle einer Krise der Emittentin kann eine solche Anordnung einer Abwicklungsbehörde auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens erteilt werden. Dabei stehen der Abwicklungsbehörde weitreichende Eingriffsbefugnisse zu. Unter anderem kann sie Rechte der Investoren auf Null herabsetzen, das Produkt beenden oder in Aktien der Emittentin umwandeln und Rechte der Anleger aussetzen.

Hinsichtlich der grundsätzlichen Rangfolge von Verpflichtungen der Emittentin im Fall von Maßnahmen der Abwicklungsbehörde, wird der Anleger auf www.bafin.de verwiesen und aufgefordert, nach dem Stichwort „Haftungskaskade“ zu suchen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals des Anlegers ist möglich.

Optionsscheine sind eine Schuldverschreibung und unterliegen als solche keinem Einlagensicherungssystem.

Was ist das Produktinformationsblatt?

Das Produktinformationsblatt oder auch Basisinformationsblatt stellt alle wesentlichen Informationen zu dem jeweiligen Produkt zur Verfügung. In dem Fall von Optionsscheinen also alle wichtigen Details zu dem Optionsschein. Auf wenigen Seiten, in der Regel 2-3 Seiten, sind hier alle Informationen enthalten.

Hierbei handelt es sich aber nicht um Werbematerial. Vielmehr sind diese Informationsblätter gesetzlich vorgeschrieben, um den Anlegern dabei zu helfen, die Art, das Risiko, die Kosten, sowie die möglichen Gewinne und Verluste dieses Produktes zu verstehen. Dadurch wird es auch für den Anleger besser möglich, die Knock-Outs mit anderen Produkten zu vergleichen.

Sofern man sich für die Funktionsweise eines Produktes im Detail interessiert oder es erstmals handeln möchte, sollte man sich unbedingt das Produktinformationsblatt durchlesen.

Wichtig hierbei sind auch die Details bzgl. des Basiswert, Laufzeit, Verfall usw. Nur wenn man die ganzen Details des Produktes kennt, ist ein Handel erst realistisch. Viele Anleger übersehen oft die kleinen Details, welche später für einen Gewinn oder Verlust entscheidend sein können.

Was ist der Unterschied zwischen Optionsscheinen und Knock-out Zertifikaten?

Der größte Unterschied zwischen Optionsscheinen und Knock-Out Zertifikaten ist sicherlich, dass bei den Knock-Outs der Einfluss der implizierten Volatilität gar nicht oder nur gering ausfällt.

Der Kurs bewegt sich somit relativ mit dem Basiswert. Dies ermöglicht eine einfache und transparente Preisbildung. Auch die ganzen Kennzahlen, wie man sie von Optionsscheinen kennt, fallen weg.

Somit bleibt der Fokus hier auf dem größeren Hebel, welcher durch den geringeren Kapitaleinsatz entsteht. Auch bleibt der Hebel nach dem Einstieg nahezu vollständig konstant.

Zudem verliert der Anleger bei Seitwärtsbewegungen „nur“ die Finanzierungskosten. Der hohe Zeitwertverlust, wie dieser bei Optionsscheinen häufig auftritt, fällt ebenfalls weg.

Doch sollte man bei den ganzen Vorteilen, auch den Nachteil nicht vergessen, der im Verlustrisiko zu finden ist, welches bei Knock-Outs wesentlich größer ist, da während der gesamten Laufzeit die Barriere nicht verletzt werden darf.

Wird diese Barriere jedoch erreicht, so verfällt das Knock-Out Produkt wertlos. Optionsscheine können zwar auch wertlos verfallen, aber es bleibt die Möglichkeit erhalten, dass sie bei einer späteren entgegengesetzten Kursbewegung des Basiswertes bis zum Ende der Laufzeit wieder an „Wert“ gewinnen.

Ein Beispiel für einen Optionsschein

Ein Beispiel für einen Call-Optionsschein, welcher folgende Merkmale aufweisst:

  • Call-Optionsschein
  • Aktie X als Basiswert
  • 100€ als Basiswert
  • Ein Bezugsverhältnis von 1:1
  • Bezugsfrist: 30. Mai 2020
  • Eine Prämie von 10 €

Mit dem Kauf des Optionsschein erhält der Käufer somit das Recht die Aktie X am 30. Mai 2020 zu einem Preis von 100€ zu erwerben. Dieses Recht kostet eine Prämie, welche 10 € beträgt.

Sollte die Aktie nun am 30. Mai 2020 über dem Preis von 100 € notieren, so kann der Käufer seine Option einlösen und die Aktie zu einem Preis von 100 € erwerben. Der Käufer könnte nun theoretisch die Aktie wieder zum aktuellen Preis verkaufen und so einen Gewinn realisieren. In der Regel erfolgt hier aber ein Barausgleich, so dass der Kauf der Aktie X nicht tatsächlich erfolgen muss.

Die gezahlte Prämie von 10 € behält der Emittent. Das bedeutet, dass die Aktie um den Preis der Prämie erst einmal steigen muss, bis der Käufer des Optionsschein einen Gewinn nach Abzug der Prämie realisieren kann. Somit erzielt der Inhaber des Optionsschein erst einen Gewinn, wenn die Aktie den Preis von 110 € überschreitet.

Die Prämie ermöglicht aber auch das Recht, die Aktie am Ende der Laufzeit nicht zu erwerben und somit nur seine Prämie in Höhe von 10 € zu verlieren.

Welche Arten von Optionsscheinen gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Arten von Optionsscheinen und jeder Emittent hat hier oftmals seine eigene Bezeichnung.

Normale Optionsscheine bezeichnet man auch als Plain Vanilla Optionsscheine.

Doch neben den Standard Optionsscheinen gibt es noch eine Vielzahl an weiteren Arten.

Zum Beispiel kann man mit Range Optionsscheinen gezielt auf Seitwärtsbewegungen setzen und so auch Geld verdienen, wenn der Markt sich in einer Range bewegt. Für jeden Tag, in dem sich der Basiswert in der festgelegten Handelszone bewegt, erhält der Anleger einen festgelegten Geldbetrag.

Hierbei gibt es auch wiederum verschiedene Arten. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass es zu einer täglichen Gutschrift kommt, sofern sich der Basiswert in der festgelegten Zone bewegt. An den Tagen an denen der Basiswert ober- oder unterhalb der Zone bewegt, erhält der Anleger dagegen nichts.

Barrier-Optionsscheine, welche oft auch als Turbo-Optionsscheine bezeichnet werden, haben eine festgelegte Barriere. Hierbei kann bei Erreichen der Barriere das Optionsrecht entweder aktiviert werden (auch als Knock-In-Option bezeichnet) oder verfallen (Knock-out-Option). Auch hierbei gibt es wieder verschiedene Varianten. Bei manchen erleidet der Anleger einen Totalverlust. Andere dagegen sehen eine Rückzahlung vor.

Quanto Optionsscheine sind dann interessant, wenn der Basiswert in einer anderen Währung als der Basiswert notiert. Mit einem Quanto Optionsschein wird der Währungseinfluss eliminiert. Die Preise von Quantos sind aufgrund der Währungsabsicherung höher als bei Standard-Optionsscheine.

Hit-Optionsscheine/Digital-Optionsscheine sind eine Variante der so genannten Digital-Optionsscheinen. Diese haben nur zwei Auszahlungsmöglichkeiten. Entweder Null oder einen Festbetrag. Bei einem Call mit dem europäischen Optionsrecht wird ein Festbetrag ausgezahlt, wenn der Basiswert am Ausübungstag den Basiskurs überschreitet. Bei einem Schein nach dem amerikanischen Optionsrecht kommt es zur Auszahlung, sofern zu irgendeinem Zeitpunkt während der Laufzeit der Basiskurs erreicht wird.

Power-Optionsscheine werden nicht mehr so oft angeboten. Hierbei wird am Ausübungstag die quadrierte positive Differenz zwischen dem Basiskurs und dem aktuellen Kurs des Basiswertes ausgezahlt. Die Produkte sind mit einem Höchstbetrag versehen, so dass die Gewinne hier begrenzt sind. Notiert bei einem Call der Basiswert am Ausübungstag unter dem Basiskurs, so verfällt der Schein wertlos. Power-Optionsscheine werden vorwiegend auf Indizes und Währungen emittiert.

Ladder-Optionsscheine ermöglichen einmal erzielte Gewinne behalten zu dürfen. Erreicht der Optionsschein eine vorher definierte Kursgrenze, so wird der bis dahin erzielte innere Wert fixiert. Der Basiskurs wird beim Erreichen der Kursgrenze angepasst. Die jeweiligen Kursgrenzen sind wie eine Art Leiter und so kann der Anleger sich von Kursgrenze zu Kursgrenze „hangeln“. Der Vorteil ist, dass der Anleger vor plötzlichen Kurseinbrüchen geschützt ist. Auch hier wird der Gewinn in der Regel begrenzt (Cap).

Fazit dieses Artikels zu Optionsscheinen

Optionsscheine sind interessante Produkte und bieten enorme Chancen.

Auch gibt es hier eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten, welche den Anlegern so gut wie jede Idee mit Hilfe von Optionsscheinen umsetzen lassen.

Allerdings sind dies komplexe Produkte. Vor dem Handel mit diesen sollte man sich tiefgehend mit der Funktionsweise von Optionsscheinen auseinandersetzen.

Auch sollte jedem Trader klar sein, dass den enormen Chancen auch erhebliche Risiken gegenüberstehen. Für spekulative Anleger sind Optionsscheine aber hervorragende Instrumente um die Möglichkeit auf einen sehr hohen Gewinn zu erhalten. Auch längerfristig orientierte Anleger sollten sich mit Optionsscheinen auseinandersetzen, da diese auch zur Depotabsicherung eingesetzt werden können.

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