Footprint Charts (2020) – Der Fußabdruck des Marktes

Der Zweck der Footprint Charts besteht darin, die riesigen Datenmengen, die von Börsen produziert werden, profitabel im Trading zu nutzen. Die Händler erhalten durch die Footprint Charts  eine visuelle Möglichkeit, in Echtzeit mehr Einblick und Transparenz in das Handelsgeschehen zu erhalten. Dies erhöht wesentlich den Informationsgehalt, welcher für Trader entscheidend ist. Denn man erhält zusätzlich zum Preis auch das Volumen und den Orderflow angezeigt.

Historie

Die sogenannten Footprint Charts wurden im Jahr 2002 an der CME entwickelt und sind seit 2003 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Footprint Charts sind also im Vergleich zu anderen Charts ein noch recht „junger“ Charttyp. Footprint Charts sind der einzige Charttyp, der erst nach der Einführung des elektronischen Handels entstanden ist. Das Trading wechselte vom Floor zum Bildschirm.

Dies ermöglichte erstmals, die ganzen Daten zu bündeln und anschließend zu visualisieren.

Wie die Einführung des DOM für viele Trader eine wesentliche Beschleunigung der Ordereingabe mit sich brachte, so ermöglichten die Footprint Charts den gleichen Mehrwert bezogen auf das Charting.

Was sind Footprints?

Es handelt sich hierbei um einen Charttyp, mit dessen Hilfe ein Blick in den Chart möglich ist. Schauen Sie sich dazu bitte das folgende Video an:

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Man erhält eine dreifache Sichtbarkeit an einem Datenpunkt:

  • Preis (Jede Zelle in einem Footprint stellt einen Preis oder eine Serie von Preisen da)
  • Volumen (Wird als Zahlen in den Zellen dargestellt)
  • Orderflow (Durch Farben markiert – abhängig vom Footprint Typ)

Diese Daten werden logisch zusammengefasst, so dass man dadurch wirklich einen Blick in den Chart erhält.

Footprint Charts und Candlestick Charts im Vergleich
Vergleich von Candlestick zu Footprint

In der Abbildung sehen Sie die Darstellung eines Candlestick und eines Footprint Bars. Auf der linken Seite des Footprint sieht man die Bid und auf der rechten Seite die Ask des Volumens.

Während ein normaler Chart nur den Preis darstellt, erhält man hier noch zusätzlich das Volumen und den Orderflow angezeigt.

Die Nutzung der Footprints bietet also viele Vorteile:

  • Man ist noch näher am Geschehen und erhält einen Einblick in den Chart
  • Man sieht die „Emotionen“ vom Markt
  • Mehr Selbstbewusstsein beim Trading, da man den Markt besser versteht
  • Echtzeit, nicht verzerrt
  • Gibt einen Einblick in die „Energie“, die aufgebracht werden musste, um den Preis zu bewegen
  • Man sieht, wie das Volumen sich vertikal entwickelt und nicht nur horizontal
    (Nicht Bar für Bar, sondern Preis für Preis)
  • Entdeckung von Preis- und Volumenmuster, die man mit einem normalen Chart nicht sehen kann
  • Man sieht, wie die Kauf- und Verkauforders sich auf den Preis auswirken
  • Bessere Einschätzung , ob der Markt seine Tendenz fortsetzen wird
  • Informationsvorteil gegenüber den meisten Tradern die nur auf Open, High, Low und Close schauen

Die gängigsten Footprint Typen

  1. Volume Footprint
  2. Bid x Ask Footprint
  3. Delta Footprint
  4. Profile Footprint
  5. Imbalance Footprint
Footprint Charts im Überblick - Volume, Bid x Ask, Delta, Profile, Imbalance
Die fünf verschiedenen Footprint Typen im Überblick

1. Volume Footprint

Bei dem Volumen Footprint wird nur das gesamte Volumen angezeigt, das an  jedem Preis gehandelt wurde. Dies geschieht unabhängig davon, ob das jeweilige Volumen am Bid oder Ask gehandelt wurde. Dies ist nützlich, um große Volumen während dem Trading zu erkennen.

Die Formel ist wie folgt:

Bid traded volume + ask traded volume = Volume Footprint.

Wenn man sich den Bid/Ask Footprint anschaut sieht der Beispielsweise so aus:

(700 + 350): Ergibt ein Volumen von 1050.

Man erhält hierbei also nie eine negative Zahl, da es sich hierbei um die Summe des gehandelten Volumen an jedem Preis handelt. Je dunkler die Farbe desto größer das Volumen.

2. Bid x Ask Footprint

Bei diesem Footprint Typ wird die Anzahl an Aktien/Kontrakte angezeigt, die an einem bestimmten Preis jeweils am Bid und jeweils am Ask gehandelt wurde.

Die Anzeige ist also wie folgt:

Bid traded volume x ask traded Volume, wie zum Beispiel (700 x 350).

Das x ist hierbei nicht mit dem mathematischen Operator zu erwechseln, sondern dient lediglich als Abstandhalter.

Der Bid x Ask Footprint verschafft einen Überblick darüber, wie das Volumen an einem bestimmten Preis gehandelt wird, und ob es mehr durch Käufer oder Verkäufer zustande gekommen ist. Man kann mit Hilfe des Bid x Ask Footprint sehr gut einen Wechsel im Momentum oder Orderflow erkennen. Ist die Farbe grün, so gab es mehr aggressive Käufe. Ist die Farbe dagegen rot, so gab es mehr aggressive Verkäufe. Je dunkler die Farbe, desto größer die Aggressivität der jeweiligen Parteien.

3. Delta Footprint

Delta Footprints werden in positiven oder negativen Zahlen abgebildet.

Ein negatives Delta zeigt wie viele Aktien/Kontrakte an dem Bid aufgrund aggressiver Verkäufer verkauft wurden. Ist das Delta dagegen positiv, repräsentiert das ein aggressiveres Verhalten der Käufer und der Bedienung des Ask.

Das Delta errechnet sich folgendermaßen:

ask traded volume – bid traded volume, zum Beispiel

350 – 750 = -350

Der Delta Footprint beträgt also -350. Dies zeigt, dass der Verkaufsdruck an diesem Preis größer war. Oder anders ausgedrückt. Es wurden 350 mehr Kontrakte gehandelt, wenn der Preis der Bid war, als wenn der Preis der Ask war.

Man erhält hierdurch also eine Möglichkeit zur Messung des Kauf- und Verkaufsdruck an jedem Preis. Es hilft zudem zu bestimmen, wer mehr aggressiv ist, Käufer oder Verkäufer. Je dunkler die Farbe, desto aggressiver die Käufer bzw. Verkäufer.

4. Profile Footprint

Dieser Footprint Typ ähnelt etwas dem Market Profile.

Es zeigt ein Profil oder Histogramm vom Volumen an. Die Farbe der jeweiligen Profile innerhalb eines Footprint beruhen auf dem Delta. Grün steht wieder für ein positives Delta (Kaufdruck) und rot für ein negatives Delta (Verkaufsdruck). Je dunkler die Farbe desto höher ist das Delta.

Zusätzlich zur normalen Volumenverteilung erhält man hier noch das Delta als zusätzliche Information. Man sieht somit, wie viel Volumen gehandelt wurde und wie dieses Volumen entstanden ist.

5. Imbalance Footprint

Den Imbalance Footprint gibt es erst seit 2013.

Bei bisher vorgestellten vier  anderen Footprint Typen bestimmt das Delta oder das Volumen zu einem bestimmten Preis die Farbe des Footprints. Zum Beispiel wird an jedem Preis das am Bid gehandelte Volumen von dem am Ask gehandelten Volumen abgezogen, um das Delta des Preises zu bestimmen. Damit erhält man eine Indikation für den Orderflow zu einem bestimmten Preis.

Der Imbalance Footprint unterscheidet sich dadurch, indem hier das am Bid gehandelte Volumen an einem Preis mit dem am Ask gehandelten Volumen einen Preis höher verglichen wird. Ein Algorithmus zeigt dann das Volumenverhältnis der beiden Preise.

Das Ziel dieses Footprint Typs ist eine automatische Markierung von Ungleichheiten, in dem es immer den Bid Preis mit dem des einen höheren Ask Preis vergleicht. Die automatische Markierung ist natürlich auch wie allen Farben bei den Footprints konfigurierbar. Sie wird ermittelt durch einen Prozentsatz des Volumens, um welches der Wert größer sein muss mit dem verglichenen Wert.

Die üblicherweise voreingestellte Konfiguration beträgt 140%. In dem unten aufgeführten Beispiel ist die 398 grün markiert. Die 398 ist deshalb grün (starkes Ask Volumen) markiert, weil 251 x 140% = 351. Und der Wert 398 ist größer als 351 und wird daher als ein signifikantes Ungleichgewicht gesehen und somit grün markiert. Bei einer roten (starkes Bid Volumen) Markierung ist es genau andersrum.

Darstellung des Imbalance Footprint
Ein Beispiel für die Darstellung und Berechnung der Imbalance

Anbieter für Footprint Charts

Die bekanntesten Anbieter sind:

Anwendung der Footprint Charts

Aufgrund der Vielzahl der Anwendungsmöglichkeiten und der verschiedenen Footprint Typen gibt es eine Vielzahl an Strategien.

Footprint Charts können in sämtlichen Märkten und Timeframes (Zeitrahmen) angewendet werden. Scalper wählen entsprechend kleinere Timeframes und längerfristig orientierte Trader entsprechend größere Timeframes.

Trendphasen mit dunkelfarbigen Footprints

Wenn der Markt einen Abwärts- oder Aufwärtstrend aufweist, sollte man in der Regel auch dunkelgrüne bzw. dunkelrote Footprints sehen. Die dunklen Footprints sollten den Großteil des Bars umfassen. Ein gutes Indiz für einen starken Trend ist, wenn der obere bzw. untere Preis jedes Bars eine dunkle Farbe hat (grün bei einem Aufwärts- und rot bei einem Abwärtstrend). Je früher, das zu erkennen ist, desto besser. Auch ist es ein Indiz, dass ein Trend erst einmal endet, wenn die Dunkelheit der Farben abnimmt und die Farben heller werden. Dies ist ein Zeichen für abnehmendes Momentum. Sollten sich zudem noch die Farben ändern und die Gegenfarbe des Trends erscheinen, so ist dies ein noch stärkeres Anzeichen für eine mindestens vorübergehende Beendigung des Trends.

Rangephasen

In Rangephasen (Konsolidierung/Seitwärtsbewegung) sollten sich die Farben abwechseln. Idealerweise ist das Verhältnis 50% rot und 50% grün. Auf jeden Fall sollten die Bars nicht alle eine Farbe aufweisen. Dieses Verhalten lässt sich in der Regel besonders zur Mittagszeit oder in Value Areas beobachten. Oft zeigt es sogar dunkelgrüne Bars am Hoch und dunkelrote Bars am Tief an. Dies lässt wahrscheinlich vermuten, dass einige Trader auf einen Breakout spekulieren und dabei falsch liegen. Es kann auch gegebenenfalls zu einem Fake-Breakout kommen. Dann ist es aber in der Regel besser, auf einen Rückgang von den Extrempunkten der Range zu setzen. Ein weiteres hilfreiches Tool sind die Delta Footprints und die Beobachtung des Delta am Hoch und Tief jedes Bar. Häufig nimmt auch das Volumen an diesen Extrempunkten ab. In der Regel erfolgen keine Breakouts unter geringem Volumen, was somit ein weiteres Indiz für eine Ablehnung des Ausbruchs ist. Man erhält somit gute Anzeichen für ein Reversal innerhalb der Range.

Bar Delta

Das Bar Delta ist die Summe aller Footprint Deltas in einem bestimmten Bar. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie diese genutzt werden können. Eine Strategie ist die Bestätigung des Preisbewegung. Wenn der Preis sich nach oben bewegt, sollte das Delta des bar positiv sein. Damit wird in der Regel bestätigt, dass aggressive Käufer den Preis stützen und der Trend sich fortsetzt. Beim Abwärtstrend  trifft genau das Gegenteil zu. Aggressive Verkäufer drücken sich durch ein negatives Delta aus, was weiter fallende Preise mit sich bringen sollte. In Rangephasen dagegen sollte sich das positive und negative Delta abwechseln. Sollte in einer Rangephase das Delta der Bars überwiegend grün sein, so kann dies ein Indiz sein, dass die Range nach oben verlassen wird und andersrum.

Basisregeln zur Interpretation von Preis & Volumen & Delta

Das Volumen sollte in Richtung des Trends zunehmen. In Richtung des Trends sollte das Volumen ansteigen und gegen Trendrichtung abnehmen.

Das Delta, welches das Net Buying oder Selling an jedem Preis darstellt, wird farblich dargestellt. Das Delta sollte ebenfalls zunehmend und positiv sein in einem Aufwärtstrend und zunehmend und negativ sein in einem Abwärtstrend.

PreisVolumenDelta Markt
SteigendZunehmendSteigend positivStark aufwärts
SteigendAbnehmendAbnehmend positiv oder wird negativSchwach
FallendZunehmendeSteigend negativSchwach abwärts
FallendAbnehmendAbnehmend negativ oder wird positivStark

Praktische Beispiele

Beispiel im S&P E-Mini Future

Es werden starke und konsistente Käufe mit einem Delta angezeigt. Anschließend folgt eine Candle mit einem negativen Delta und einem deutlich größeren Volumen als die Candle davor. Die Candle schließt zudem fast am Tief und auch das höchste Delta wurde in der Nähe des Tiefs erreicht. Ein Indiz dafür, dass der Kaufdruck erst einmal zu Ende ist.

500 Delta Chart - Footprint Chart des ES-Future
Ein Beispiel für die Anwendung der Footprint Charts mit Hilfe der Platform ATAS im S&P E-Mini Future

Beispiel im Forexhandel

Prinzipiell lassen sich die Footprint Charts auf allen an Börsen gehandelten Märkten nutzen. Die größte Anwendung finden diese bei den Futures Märkten.

Doch sogar im Forex Markt lassen sich diese Charttypen nutzen, obwohl es dort kein Volumen gibt. Denn der Forex Markt ist ein außerbörslicher Markt. Somit lässt sich dort das Volumen nicht mit den üblichen Tools messen.

Erwirbt jemand im Futuremarkt fünf Kontrakte, so entspricht dies im Orderbuch der jeweiligen Börse ebenfalls einem Volumen von Fünf. Beim Forex Markt dagegen kann das Volumen nicht anhand der Anzahl der erworbenen Kontrakte gemessen werden. Es erfolgt durch die Summierung aller während eines festgelegten Zeitraumes festgestellten Preisänderungen. In einem Forexpaar muss für eine Preisänderung eine bestimmte Anzahl an abgeschlossenen Transaktionen festgestellt werden.

Footprint Charts im Forex Markt Beispiel EUR/USD 5 Minuten
Ein Beispiel für die Anwendung von Footprint Charts im Forex Markt

Bei der obigen Abbildung handelt es sich um den Footprint Typ Imbalance. Es ist gelegentlich ein gutes Indiz, wenn am Hoch oder Tief drei oder mehr Imbalances auftreten. Dies kann ein Indiz für eine kurzfristige Erschöpfung signalisieren und einen Pullback zur Folge haben. Man kann diese Informationen nutzen, um den Ausstieg oder Einstieg in einen Trade vorzunehmen.

Es ist wie gesagt nur ein Indiz, aber mit anderen zusätzlichen Techniken der Technischen Analyse ist es eine Möglichkeit, potentielle Entrys und Exits zu identifizieren.

Fazit

Die Footprints Charts haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber den klassischen Charts. Neben dem Preis sieht man auch das Volumen und den Orderflow.

Zudem sind die ganzen Daten gut strukturiert und logisch aufgebaut, so dass man die Informationen bzgl. Volumen und Orderflow auch anwenden kann, ohne das Orderbuch lesen müssen zu können.

Die verschiedenen Footprint Typen geben auch die Möglichkeit, die Footprint Charts den persönlichen Vorlieben und Tradingansatz anzupassen.

Trotz alledem ist der Einsatz von Footprint Charts, wie bei jedem anderen Tool auch, begrenzt und natürlich nicht der heilige Gral. Genauso wie auch das reine Orderbuch Trading oder die reine Charttechnik das nicht sind. Nur alleine durch den Einsatz von Footprint Charts wird man keinen statistischen Vorteil erlangen. Doch richtig angewendet lässt sich hiermit Geld verdienen.

Meiner Meinung kommt man speziell beim Daytrading nicht am Volumen und Orderflow vorbei und dafür sind die Footprints nach wie vor ein gutes Tool.

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