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Sierra Chart Erfahrungen 2026: Kosten, Pakete und für wen sich die Software wirklich lohnt

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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16 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

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Sierra Chart gilt unter Futures-Tradern als die Plattform, die alles kann und nichts erklärt. Die Oberfläche sieht aus wie aus den frühen Zweitausendern, die Einarbeitung frisst Wochen, und trotzdem läuft die Software auf den Rechnern vieler Orderflow-Trader. Der Grund ist banal: Sie ist schnell, sie ist stabil, und sie kostet einen Bruchteil dessen, was vergleichbare Charting-Software aufruft. Wer eine Plattform sucht, die den Einstieg erklärt statt ihn vorauszusetzen, findet in Jigsaw Trading die Gegenposition.

Dieser Test beantwortet die drei Fragen, an denen die Kaufentscheidung wirklich hängt: Welches der fünf Service-Pakete Du tatsächlich brauchst, welche Broker und Datenfeeds sich anbinden lassen, und wo die Software an ihre Grenzen stößt. Grundlage sind ausschließlich die Herstellerangaben von sierrachart.com, geprüft im August 2026. Ein Punkt vorweg, weil ihn fast jeder Vergleich unterschlägt: Die beiden günstigsten Pakete verbinden sich zu keinem einzigen externen Broker. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Sierra Chart: das Wichtigste
in 30 Sekunden

  • Fünf Service-Pakete statt zwei: Der Einstieg liegt bei 26 US-Dollar im Monat, das Paket mit Footprint-Charts und externer Broker-Anbindung bei 46 US-Dollar.
  • Die beiden Base-Pakete koppeln an keinen externen Broker. Wer Interactive Brokers, CQG oder Rithmic anbinden will, braucht mindestens das Integrated-Paket ab 36 US-Dollar.
  • Bei zwölf Monaten Laufzeit sinkt der Preis um 35 Prozent. Eine Lifetime-Lizenz gibt es nicht und wird es laut Hersteller auch nie geben.
  • Sierra Chart läuft ausschließlich unter Windows. Auf dem Mac funktioniert nur der Umweg über Wine oder Crossover, eine Handy-App existiert nicht.
  • Die Software ist kein Broker: Sie liefert Charts, Daten und Orderrouting, das Handelskonto selbst führst Du woanders.

Was ist Sierra Chart?

Sierra Chart ist eine Windows-Charting- und Handelsplattform für Futures-, Forex- und Aktienmärkte, die Kursdaten, Orderrouting und technische Auswertung in einem Programm bündelt und über monatliche Service-Pakete abgerechnet wird.

Der Hersteller sitzt in den USA und entwickelt die Software seit über zwanzig Jahren. Anders als bei den meisten Broker-Plattformen zahlst Du hier direkt für das Programm, nicht über den Spread oder die Kommission. Die aktuelle Version trägt die Nummer 2939 und stammt vom 12. August 2026, Updates kommen im Wochenrhythmus.

Sierra Chart ist ausdrücklich kein Broker. Du eröffnest kein Handelskonto bei Sierra Chart und zahlst dort auch kein Geld ein. Die Software verbindet sich mit dem Konto Deines Brokers und schickt Orders dorthin weiter. Das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen: Ohne Broker im Hintergrund ist Sierra Chart ein reines Analyseprogramm.

Die Features der Sierra Chart Software

Sierra Chart deckt die gesamte Kette vom Chart bis zur Order ab. Die Software zeigt Realtime-Kurse, rechnet historische Daten aus und schickt Orders an den Broker weiter, ohne dass Du das Programm wechseln musst. Sierra Chart richtet sich dabei klar an Trader, die Futures und Orderflow handeln, nicht an Gelegenheitsanleger.

  • Vollwertiges Charting mit allen gängigen Darstellungsformen und technischen Analysefunktionen.
  • Ausgebaute Handelsoberfläche mit Orderbuch, Ordertickets und Positionsanzeige direkt im Chart.
  • Über 70 Indikatoren plus eine große Auswahl an Zeichenwerkzeugen.
  • Eigene Chartbooks: Du legst Chartseiten für einzelne Börsenplätze an und schaltest per Tastendruck zwischen ihnen um.
  • Spreadsheet-Modul mit Excel-kompatiblen Formeln und direktem Datenexport.
  • Realtime-Scanning über ganze Symbollisten, gekoppelt an eine Alarmfunktion.
  • Anbindung an externe Broker und Datenfeeds, allerdings erst ab dem Integrated-Paket.

Charting & Technische Analyse

Beim Charting lässt Sierra Chart praktisch nichts aus. Du bekommst Charts für Aktien, Indizes, Futures und Währungen, die Zeitfenster sind ab einer Minute frei wählbar. Neben Candlestick Charts stehen Linien- und OHLC-Charts sowie Point & Figure zur Verfügung.

Für Volumen-Trader sind zwei Darstellungen entscheidend: Footprint Charts, die das gehandelte Volumen je Preisstufe innerhalb einer Kerze aufschlüsseln, und das Market Profile. Beide heißen bei Sierra Chart Numbers Bars beziehungsweise TPO Chart Study und stecken nur in den Advanced-Paketen.

Charts und Vorlagen speicherst Du beliebig ab. Ober- und Untergrenzen lassen sich fest definieren, ein Chartraster zuschalten. Zusätzlich zum Handelsvolumen kannst Du Dir das Open Interest und die Anzahl der Trades pro Tick im Chart anzeigen lassen.

An Zeichenwerkzeugen fehlt nichts, von Fibonacci bis zu Trendlinien. Dazu kommen mehr als 70 Indikatoren, darunter:

Pro Chart kannst Du beliebig viele technische Indikatoren stapeln und jede Einstellung als Vorlage sichern. Wer mit einem festen Setup arbeitet, baut es einmal und ruft es danach mit einem Klick auf.

Sierra Chart: S&P 500 Future im Candlestick Chart mit Indikatoren und Fibonacci
Der S&P-500-Future im Candlestick Chart, ergänzt um Indikatoren und ein Fibonacci-Retracement. Herstellerabbildung, gezeigt wird eine ältere Programmversion.

Spreadsheets & Scanning

Das Spreadsheet-Modul ist eine Excel-Tabelle direkt in der Software. Es versteht dieselben Formeln wie Excel, greift live auf die Kursdaten zu und lässt sich nach Excel exportieren. Damit baust Du Dir eigene Auswertungen, ohne eine Zeile Code zu schreiben.

Darauf setzt das Realtime-Scanning auf: Sierra Chart prüft ganze Symbollisten gegen selbst definierte Bedingungen und meldet sich, sobald ein Wert die Vorgabe erfüllt. Die Alarmfunktion lässt sich mit einer Order verknüpfen, sodass aus dem Signal direkt ein Auftrag wird.

Sierra Chart Spreadsheet mit Kursdaten und Excel-Formeln
Das Spreadsheet zeigt Daten mehrerer Märkte und rechnet mit denselben Formeln wie Excel. Herstellerabbildung, gezeigt wird eine ältere Programmversion.

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Trading mit Sierra Chart

Du handelst direkt aus der Software heraus, entweder über den Chart oder über das Orderbuch, das bei Sierra Chart DOM heißt. Orders lassen sich zusätzlich über Listen und Ordertickets aufgeben, die Schaltflächen dafür stecken in fast jedem Fenster.

Ändern, schließen und löschen geht jeweils mit einem Klick. Target und Stop-Order platzierst Du als Linien im Chart und ziehst sie mit der Maus auf ein neues Niveau. Offene Positionen und die Trade-Historie blendet die Software direkt über dem Kursverlauf ein.

Praktisch sind die frei konfigurierbaren Ordervorlagen. Du hinterlegst pro Markt oder pro Handelsstrategie eine eigene Vorlage mit Positionsgröße, Stop-Abstand und Ziel. Alarme lassen sich mit Orderaufträgen koppeln, was technisch nichts anderes ist als eine Limit-Stop-Order.

Alle Aufträge laufen in der Orderliste zusammen, deren Spalten Du selbst zusammenstellst. Die Entwicklung der offenen Positionen zeigt die Software im Portfolio-Fenster.

Sierra Chart DOM: Orderbuch-Trading im Emini S&P 500 Future
Orderplatzierung direkt aus dem DOM, hier am Emini-S&P-500-Future. Herstellerabbildung, gezeigt wird eine ältere Programmversion.

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Broker & Daten

Sierra Chart liefert einen Teil der Daten selbst und bindet für den Rest externe Anbieter an. Diese Trennung ist wichtig für die Paketwahl: Die eigenen Dienste laufen in jedem Paket, die externen Anbindungen erst ab dem Integrated-Paket.

Besonders günstig wird die Kombination bei Stage 5 mit Teton-Anbindung: Dort kostet die Verbindung weder eine Monatsgebühr noch eine Transaktionsgebühr, und der eigene Datenfeed macht einen separaten Anbieter überflüssig.

Auch über Optimus Futures ist Sierra Chart anbindbar, dort mit 26 US-Dollar im Monat und dem Teton-Datenfeed.

Zu den Clearing-Häusern mit Sierra-Chart-Anbindung gehört auch das Chicagoer Clearing-Haus Dorman, das die Plattform in seiner Übersicht von 25 Programmen führt.

Was Sierra Chart selbst liefert

Der Denali Exchange Data Feed ist für deutsche Futures-Trader der interessanteste Punkt. Er liefert Realtime- und historische Daten inklusive vollem Market Depth für CME, CBOT, NYMEX, COMEX, CFE und ausdrücklich auch für die EUREX, also für FDAX und Bund-Future. Die Börsengebühren kommen obendrauf und gehen nicht an Sierra Chart.

  • Teton Futures Order Routing: hauseigenes Orderrouting zur CME Group über angeschlossene Broker und Clearingfirmen.
  • Delayed Exchange Data Feed: verzögerte Daten mit Markttiefe, ohne Börsengebühren. Für Backtests und zum Üben ausreichend.
  • Simulated Trading Service: unbegrenztes Sim-Trading auf dem Server des Anbieters, wahlweise mit Echtzeit- oder verzögerten Daten. Ergebnisse und Statistiken bleiben gespeichert.
  • Historical Data Service und Forex/CFD-Daten: historische Tages- und Intraday-Kurse sowie Realtime-Forex, in jedem Paket enthalten.
  • Krypto-Daten von Binance, BitMEX, Bitfinex und Deribit, ebenfalls ohne Aufpreis.

Bei Krypto gibt es eine harte Grenze, die kaum ein Vergleich nennt: Live-Handel ist nicht möglich. Sierra Chart liefert Kurse, Markttiefe und historische Daten für die Krypto-Börsen, den Handel selbst unterstützt die Software dort nur im Simulationsmodus. Wer Bitcoin und Ethereum wirklich handeln will, braucht eine andere Plattform.

Welche externen Broker und Datenanbieter sich anbinden lassen

Die Auswahl ist über die Jahre deutlich geschrumpft. CTS T4, TransAct, GAIN Capital, TD Ameritrade, TeleTrader, FXCM und BitMEX-Trading stehen nicht mehr zur Verfügung. Übrig geblieben sind sechs Dienste:

Der Klassiker unter diesen Anbindungen ist Interactive Brokers. Wer die Trader Workstation kennt, weiß, wie sperrig deren Bedienung ist. Sierra Chart löst genau dieses Problem: Du behältst das IB-Konto und bekommst eine schnellere Oberfläche davor. Vorausgesetzt, Du buchst ein Integrated-Paket.

Auch über den Broker führt ein Weg zur Software. Bei AMP Global Clearing etwa sind einige Plattformen für Kunden kostenlos, sodass sich die Lizenzkosten je nach Kontoverbindung reduzieren. Nachfragen lohnt sich, bevor Du selbst ein Abo abschließt.

Was kostet Sierra Chart?

Sierra Chart rechnet monatlich ab und bietet fünf Service-Pakete an, nicht zwei, wie es viele ältere Vergleiche schreiben. Die Preisübersicht des Herstellers trennt dabei zwischen Base und Integrated, und genau an dieser Trennung entscheidet sich, ob Du mit dem günstigsten Paket überhaupt arbeiten kannst.

Die beiden Base-Pakete verbinden sich zu keinem externen Broker. Weder Interactive Brokers noch CQG oder Rithmic lassen sich dort anbinden, und auch der Denali-Feed bleibt gesperrt. Wer eine dieser Anbindungen braucht, landet zwangsläufig bei Paket 10, 11 oder 12.

Service-PaketWas es kannPreis pro Monat
Paket 3, Base StandardAlle Grundfunktionen, aber nur Sierra-Chart-eigene Daten26 $
Paket 5, Base AdvancedZusätzlich Numbers Bars und TPO, weiterhin ohne externe Anbindung36 $
Paket 10, Integrated StandardGrundfunktionen plus externe Broker und Denali-Feed36 $
Paket 11, Integrated AdvancedNumbers Bars und TPO plus externe Anbindung46 $
Paket 12, Integrated Advanced MBOZusätzlich Market by Order, also Einzelorder-Auflösung56 $

Für die meisten deutschen Futures-Trader ist Paket 11 die realistische Größe. Es enthält die Footprint-Charts, also die Numbers Bars, und erlaubt gleichzeitig die Anbindung an den eigenen Broker. Paket 12 mit Market by Order lohnt sich nur, wenn Du wirklich jede einzelne Order im Buch verfolgen willst. Wer dagegen nur die ausgeführten Trades mitlesen will, kommt mit einem gewöhnlichen Time & Sales-Fenster aus.

Ein Feature ist inzwischen aus der Advanced-Stufe herausgewandert: Das Volume Profile Drawing Tool steckt seit Version 2778 in allen Paketen. Wer es nur deswegen aufrüsten wollte, spart sich den Schritt.

Rabatt bei längerer Laufzeit

Wer im Voraus zahlt, senkt den Monatspreis deutlich. Der Rabatt gilt für alle fünf Pakete gleichermaßen und erreicht bei zwölf Monaten 35 Prozent. Das Beispiel zeigt Paket 11:

LaufzeitRabattPaket 11 pro Monat
1 Monat0 %46,00 $
3 Monate15 %39,10 $
6 Monate25 %34,50 $
12 Monate35 %29,90 $

Eine Lifetime-Lizenz gibt es nicht, und der Hersteller schließt sie ausdrücklich für die Zukunft aus. Die Begründung ist nachvollziehbar: Sierra Chart verkauft nicht nur ein Programm, sondern Marktdaten, Orderrouting und laufende Anpassungen an die Schnittstellen der Broker. Das lässt sich mit einer Einmalzahlung nicht abbilden.

Testen kannst Du vorher: Ein neues Konto startet mit einem 21-tägigen Testzeitraum. Zusätzlich lässt sich jederzeit das jeweils höchste verfügbare Paket ausprobieren, wenn Du es noch nicht gebucht hast. Ein Wechsel zwischen den Paketen ist jederzeit möglich.

Nicht vergessen: Die Börsengebühren sind nicht enthalten. Für Realtime-Futuresdaten zahlst Du zusätzlich an die jeweilige Börse, egal ob Du sie über Denali, über den Broker oder über einen externen Datenanbieter beziehst. Bei den Base-Paketen bleiben nur die verzögerten Daten kostenfrei.

Support und Handbuch

Der Support läuft in erster Linie schriftlich über das Support Board, wo die Entwickler selbst antworten. Dazu kommt ein sehr umfangreiches Handbuch, das jede Funktion dokumentiert. Eine öffentliche Telefonnummer gibt es nicht, Sierra Chart ruft bei Bedarf von sich aus an.

Telefon- und Fernwartungshilfe kosten nichts, solange sie ein normales Bedienproblem betreffen. Erst wenn Du persönliche Einzelbetreuung auf Deinem Rechner anforderst, die über den Leistungsumfang der Service-Pakete hinausgeht, berechnet der Anbieter 0,80 US-Dollar pro Minute, umgerechnet 48 US-Dollar je Stunde.

Deutschsprachigen Support gibt es nicht. Support Board, Handbuch und sämtliche Dokumentation sind ausschließlich auf Englisch. Übersetzen lässt sich nur die Menüführung: Unter Global Settings und Customize Menu Items liegen vorkonfigurierte Sprachpakete, die die Menüpunkte eindeutschen. Der Inhalt der Hilfeseiten bleibt englisch, und ohne solide Englischkenntnisse wird die Einarbeitung deutlich zäher.

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Sierra Chart auf Mac, Linux und Smartphone

Sierra Chart ist eine reine Windows-Anwendung, und zwar ausschließlich in der 64-Bit-Fassung. Ein Mac- oder Linux-Programm gibt es nicht. Der Hersteller arbeitet seit Jahren daran, den Code portierbar zu machen, und nennt Linux als geplante zweite Plattform. Einen Termin dafür gibt es nicht.

Beim Betriebssystem steht der Wettbewerb nicht besser da. Auch der AgenaTrader Erfahrungen läuft nur unter Windows und auf dem Mac ausschließlich in einer virtuellen Maschine.

Auf dem Mac bleibt Dir der Umweg über Wine oder Crossover, also über eine Kompatibilitätsschicht, die Windows-Programme unter macOS ausführt. Das funktioniert, ist aber kein Selbstläufer: Der Hersteller schreibt eine eigene Anleitung zur Behebung schwacher Netzwerk-Performance unter Linux und Wine vor, ohne die es zu Datenaussetzern kommt.

Für Macs mit M-Chip liegt eine eigene Programmdatei bei. Im Installationsordner findest Du neben SierraChart_64.exe auch SierraChart_ARM64.exe. Auf Apples M-Serie musst Du die ARM-Variante starten, sonst kommt es zu Fehlfunktionen durch CPU-Ausnahmen. Die Einstellungen bleiben dabei erhalten.

Eine Handy-App existiert nicht, weder für Android noch für iOS. Wer unterwegs auf seine Charts schauen will, muss Sierra Chart auf einem Windows-Rechner oder einem Server laufen lassen und sich per Fernwartungssoftware daraufschalten. Für aktives Handeln vom Smartphone aus ist das keine ernsthafte Lösung.

Ein Detail erleichtert den Umzug auf einen neuen Rechner: Sierra Chart schreibt nichts in die Windows-Registry und lässt sich nicht in den Programme-Ordner installieren. Programm, Einstellungen und Daten liegen zusammen in einem einzigen Verzeichnis. Du kopierst den Ordner, und die Installation läuft auf dem neuen System weiter.

Vor- und Nachteile von Sierra Chart

Sierra Chart polarisiert stärker als die meisten Plattformen. Wer die Einarbeitung durchhält, bekommt sehr viel Funktion für wenig Geld. Wer eine aufgeräumte Oberfläche erwartet, wird in den ersten Tagen unglücklich. Diese Gegenüberstellung fasst zusammen, was für und was gegen die Software spricht.

Vorteile von Sierra Chart

  • Preis-Leistung: Selbst das Paket mit Footprint-Charts und Broker-Anbindung kostet bei Jahreslaufzeit unter 30 US-Dollar im Monat.
  • Geschwindigkeit und Stabilität: Die Software ist auf schnelle Darstellung großer Datenmengen ausgelegt und läuft auch mit vielen offenen Charts flüssig.
  • Orderflow ohne Zusatzprogramm: Numbers Bars, Market Profile und Markttiefe stecken in der Plattform, nicht in einem kostenpflichtigen Aufsatz.
  • EUREX-Daten aus einer Hand: Der Denali-Feed liefert FDAX und Bund-Future in Echtzeit, ohne separaten Datenanbieter.
  • Unbegrenztes Sim-Trading: Der Simulationsmodus läuft serverseitig und speichert Historie und Statistiken dauerhaft.
  • Portabel installiert: Alles liegt in einem Ordner, ein Rechnerwechsel ist damit eine reine Kopieraktion.

Nachteile von Sierra Chart

  • Steile Lernkurve: Die Oberfläche ist funktional statt schön, und viele Einstellungen verstecken sich in tiefen Menüebenen.
  • Nur Windows: Kein Mac- oder Linux-Programm, keine App. Auf dem Mac läuft es nur über Wine oder Crossover.
  • Paketfalle: Die beiden günstigsten Pakete verbinden sich zu keinem externen Broker. Das steht in kaum einem Vergleich.
  • Alles auf Englisch: Handbuch und Support Board gibt es nicht auf Deutsch, übersetzen lässt sich nur die Menüführung.
  • Kein Krypto-Livehandel: Bitcoin und Co. gibt es nur als Daten und im Simulationsmodus.
  • Geschrumpfte Broker-Auswahl: Von einst über einem Dutzend Anbindungen sind sechs übrig.

Für wen sich Sierra Chart eignet

Die Software passt zu Tradern, die kurzfristig und datengetrieben arbeiten. Wer Futures im Minuten- oder Tickbereich handelt und dabei auf Volumen und Markttiefe schaut, findet hier ein Werkzeug, das in dieser Preisklasse kaum Konkurrenz hat. Auch für Daytrader, die feste Setups über viele Märkte hinweg abarbeiten, spielt sie ihre Stärken aus.

Für Einsteiger ist sie die falsche erste Plattform. Die Software erklärt nichts von selbst, das Handbuch ist englisch, und wer noch mit den Grundlagen der technischen Analyse kämpft, verliert Zeit an Konfiguration statt an Marktbeobachtung. Wer eine Trading-Plattform mit flacherer Lernkurve sucht, ist mit dem ATAS Erfahrungsbericht besser bedient, der einen vergleichbaren Volumen-Fokus hat. Wer dagegen vor allem Strategien programmieren und backtesten will, ist mit MultiCharts besser aufgehoben: Beides sind Windows-Plattformen für den kurzfristigen Handel, aber Sierra Chart setzt auf Geschwindigkeit und Datentiefe, MultiCharts auf Systementwicklung.

Ebenfalls nicht geeignet ist sie für Buy-and-hold-Anleger und für alle, die vom Handy aus handeln. Ohne Windows-Rechner läuft nichts, und für ein Depot, das dreimal im Jahr angefasst wird, sind monatliche Lizenzkosten nicht zu rechtfertigen. Einen breiteren Überblick über die Alternativen findest Du in unserem Vergleich der Trading-Software.

Fazit und Erfahrungen zur Sierra Chart Trading Software

Sierra Chart bietet für den aufgerufenen Preis mehr Funktion als jede andere Charting-Software, die ich kenne. Wer Orderflow und Markttiefe braucht, zahlt bei anderen Anbietern schnell das Doppelte oder Dreifache für einen vergleichbaren Umfang. Dass das Programm dabei stabil und schnell läuft, ist der eigentliche Grund für seine Verbreitung unter aktiven Futures-Tradern.

Die Bedienung bleibt aber gewöhnungsbedürftig, und das ist keine Kleinigkeit. Rechne mit einigen Wochen, bis Dein Setup wirklich sitzt, und mit englischsprachiger Recherche im Support Board. Wer diese Investition nicht leisten will oder kann, ist mit einer aufgeräumteren Plattform besser bedient, auch wenn sie mehr kostet.

Vor dem Abschluss würde ich vor allem eine Frage klären: Welches Paket brauchst Du wirklich? Wer seinen bestehenden Broker anbinden will, darf nicht bei den Base-Paketen landen, sonst zahlt er für eine Anbindung, die es dort nicht gibt. Der 21-Tage-Test ist dafür da, genau das vorher auszuprobieren.

Häufige Fragen zu Sierra Chart

Gibt es Sierra Chart auf Deutsch?

Nur die Menüführung lässt sich übersetzen. Unter Global Settings und Customize Menu Items liegen vorkonfigurierte Sprachpakete, die die Menüpunkte eindeutschen. Handbuch, Support Board und die übrige Dokumentation bleiben englisch.

Gibt es eine Lifetime-Lizenz für Sierra Chart?

Nein, und der Hersteller schließt sie ausdrücklich für die Zukunft aus. Begründet wird das damit, dass Sierra Chart nicht nur ein Programm verkauft, sondern laufend Marktdaten, Orderrouting und Anpassungen an die Broker-Schnittstellen bereitstellt.

Ist Sierra Chart ein Broker?

Nein, Sierra Chart ist ausschließlich Software. Du führst kein Konto beim Anbieter und zahlst dort kein Handelskapital ein. Die Plattform verbindet sich mit dem Konto Deines Brokers und leitet Orders dorthin weiter.

Ist Sierra Chart kostenlos?

Kostenlos ist nur der 21-tägige Testzeitraum, den ein neues Konto automatisch bekommt. Danach ist ein kostenpflichtiges Service-Paket erforderlich. Eine dauerhaft freie Version und auch keine Lifetime-Lizenz bietet der Hersteller an.

Läuft Sierra Chart auf dem Mac?

Nicht als eigenes Mac-Programm. Sierra Chart ist eine reine Windows-Anwendung und läuft auf dem Mac nur über eine Kompatibilitätsschicht wie Wine oder Crossover. Auf Rechnern mit Apple M-Chip musst Du dabei die mitgelieferte ARM-Programmdatei starten.

Kann man mit Sierra Chart Kryptowährungen handeln?

Handeln nur im Simulationsmodus, nicht live. Die Software liefert Kurse, Markttiefe und historische Daten von Börsen wie Binance, BitMEX, Bitfinex und Deribit, unterstützt dort aber keinen echten Orderversand.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels handelt seit 1980 an den Finanzmärkten und führt als Gründer die Kagels Trading GmbH. Er arbeitet diskretionär nach Price Action und war Ende der 1980er Jahre der Erstübersetzer der Elliott-Wellen-Literatur von Robert Prechter ins Deutsche.

Über 17 Jahre lang war er der deutsche Repräsentant von Joe Ross und hat dessen zehn Bücher übersetzt und verlegt. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für diesen Test hat er ausschließlich Primärquellen ausgewertet: die Paket- und Preisübersicht von sierrachart.com, die Liste der unterstützten Daten- und Handelsdienste, die Installationsdokumentation sowie die Support-Richtlinien des Herstellers. Die Programmabbildungen stammen aus der Dokumentation des Herstellers und zeigen eine ältere Programmversion. Es besteht keine Werbepartnerschaft mit Sierra Chart.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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