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MultiCharts im Test: Was die Plattform 2026 kostet und was du gratis bekommst

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2026

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17 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

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MultiCharts ist eine Handelsplattform für Chartanalyse, Backtesting und automatisierten Handel. Sie richtet sich an Trader, die eigene Handelssysteme programmieren, testen und danach automatisch laufen lassen wollen. Die Software läuft auf dem eigenen Rechner und verbindet sich mit einem Broker und einem Datenanbieter deiner Wahl.

Seit 2025 hat sich beim Preis das Wichtigste geändert. MultiCharts hat sein Lizenzmodell umgestellt und bietet inzwischen eine kostenlose Version an. Gleichzeitig ist der Funktionsumfang in drei Stufen aufgeteilt, und einige der bekanntesten Werkzeuge stecken nur noch in der teuersten davon. Dieser Test zeigt, was die Plattform heute kostet, was du gratis bekommst und für wen sie sich rechnet. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

MultiCharts erklärt in 30 Sekunden

  • MultiCharts kostet in der Standard-Edition 99 US-Dollar pro Monat oder 79 US-Dollar monatlich bei Zahlung für ein ganzes Jahr. Die Lifetime-Lizenz liegt bei 1.499 US-Dollar.
  • Es gibt eine kostenlose Version. Sie enthält Charting, Strategieentwicklung, Backtesting und Optimierung, aber keine Echtzeitdaten und keinen Live-Handel. Wer nur Strategien entwickeln und testen will, zahlt nichts.
  • Die teure Advanced-Edition ist kein Luxus-Aufschlag. Portfolio Trader, Volume Profile und die Walk-Forward-Optimierung stecken ausschließlich dort und kosten 1.999 US-Dollar als Lifetime-Lizenz.
  • MultiCharts läuft nur unter Windows. Es gibt keine Mac-Version, keine Weboberfläche und keine App. Das ist die härteste Einschränkung der Plattform.
  • Aktuell unterstützt MultiCharts 26 Broker, 11 Datenquellen und 8 Krypto-Börsen. Der Schwerpunkt liegt klar auf Futures, angebunden über die Gateways CQG, Rithmic und Trading Technologies.

Was ist MultiCharts?

MultiCharts ist eine Windows-Handelsplattform für Chartanalyse, Strategie-Backtesting und automatisierten Handel, die sich mit einem Broker und einem separaten Datenanbieter verbindet und Strategien in der Sprache PowerLanguage ausführt. Nach demselben Prinzip arbeitet die Investox Software, die im deutschsprachigen Raum verbreitet ist.

Der Unterschied zu einer Broker-Plattform liegt in der Trennung von Daten und Ausführung. Bei den meisten Brokern bekommst du Chart und Order aus einer Hand. Bei MultiCharts wählst du beides getrennt: Der Chart kann seine Kurse von einem spezialisierten Datenanbieter beziehen, während die Order über deinen Broker läuft. Das kostet mehr Aufwand bei der Einrichtung und bringt dafür bessere Daten.

MultiCharts Datenfluss: Datenanbieter liefert Kurse, MultiCharts verarbeitet, Broker führt die Order aus
Kursversorgung und Orderausführung wählst du bei MultiCharts getrennt

Hinter der Software steht die MCT Limited mit Sitz in Gibraltar. Die Entwicklung begann 2005. Die Plattform steht laut Wikipedia-Eintrag zu MultiCharts heute bei Version 15 und wird laufend aktualisiert.

Wie MultiCharts und TradingView zusammenhängen

Zwischen MultiCharts und TradingView gibt es eine Verbindung, die oft falsch wiedergegeben wird. TradingView ist keine Webversion von MultiCharts. Es ist ein eigenes Unternehmen, das 2011 gegründet wurde, und zwar von denselben Leuten: Denis Globa, Stan Bokov und Constantin Ivanov hatten zuvor MultiCharts aufgebaut.

Der Zweck war ein anderer. TradingView sollte im Browser laufen und eine niedrigere Einstiegshürde haben. MultiCharts blieb die Desktop-Software für Backtesting und Automatisierung. Wer beides kennt, merkt die gemeinsame Herkunft an der Bedienlogik der Charts. Mehr zur Weboberfläche steht in unserem Beitrag zu TradingView. In derselben Nische bewegt sich AmiBroker im Test, dessen Stärke ebenfalls im schnellen Backtesting über ganze Wertpapierkörbe liegt.

MultiCharts, MultiCharts .NET und Python

Es gibt die Plattform in zwei Ausführungen, und der Unterschied ist allein die Programmiersprache. Die Funktionen, die Charts und die Preise sind identisch.

  • MultiCharts nutzt PowerLanguage, eine Weiterentwicklung von EasyLanguage. Der Vorteil: Ein großer Teil der frei verfügbaren EasyLanguage-Skripte aus der TradeStation-Welt läuft ohne Umbau.
  • MultiCharts .NET nutzt C# und VB.NET. Das richtet sich an Trader, die ohnehin programmieren und mit Visual Studio arbeiten wollen.
MultiCharts PowerLanguage Editor mit dem Quelltext einer Handelsstrategie
Der PowerLanguage Editor von MultiCharts

Seit Kurzem kommt Python dazu. MultiCharts hat eine Python-Anbindung als Beta veröffentlicht, die über die .NET-Edition läuft. Wer heute mit Python plant, sollte den Beta-Status ernst nehmen und nicht davon ausgehen, dass alles stabil läuft.

Der Wechsel zwischen beiden Ausführungen ist möglich, aber kostenpflichtig. Die Umwandlung einer bestehenden Lizenz kostet einmalig 200 US-Dollar. Dabei wird die alte Lizenz deaktiviert und eine neue ausgestellt. Wer später zurückwechselt, zahlt erneut.

Gibt es MultiCharts auf Deutsch?

Nein. Weder die Software noch die Website noch der Support sind auf Deutsch verfügbar. Alles läuft auf Englisch. Bei den Menüs ist das verkraftbar, bei den Fehlermeldungen der Strategie-Engine und im Supportfall wird es unangenehm, wenn du dich im Englischen nicht sicher fühlst.

Was kostet MultiCharts?

MultiCharts hat sein Preismodell umgestellt. Früher gab es Pakete nach Laufzeit, also drei Monate, sechs Monate, ein Jahr oder Lifetime. Heute entscheidest du zuerst über die Ausstattung und danach über die Laufzeit. Die früher üblichen Drei- und Sechsmonats-Pakete gibt es nicht mehr. Alle Zahlen in diesem Abschnitt stammen von der Preisseite des Anbieters, abgerufen am 25. August 2026.

EditionMonatlichLifetime
Free0 $0 $
Standard99 $1.499 $
Advanced149 $1.999 $
MultiCharts Editionen im Vergleich: Free, Standard und Advanced mit Lifetime-Preisen und Funktionsumfang
Welche Funktion in welcher MultiCharts-Edition steckt

Die Jahreszahlung senkt den Monatspreis spürbar. Bei Standard zahlst du 948 US-Dollar für zwölf Monate, das entspricht 79 US-Dollar im Monat statt 99 US-Dollar. Das sind 240 US-Dollar Ersparnis im Jahr. Bei Advanced sinkt der Monatspreis von 149 auf 119 US-Dollar, also 1.428 statt 1.788 US-Dollar und 360 US-Dollar weniger.

Die Lifetime-Lizenz rechnet sich rechnerisch nach knapp zwei Jahren. 1.499 US-Dollar entsprechen etwa 19 Monaten der Jahresrate. Wer sicher weiß, dass er dauerhaft bei der Plattform bleibt, fährt damit günstiger. Wer es nicht weiß, sollte die Monatszahlung nehmen, denn eine Rückerstattung gibt es nicht. Denselben Rechenweg gehen wir für MotiveWave und dessen Lifetime-Lizenzen durch, wo die jährliche Update-Gebühr die Rechnung deutlich verändert.

Für die Preise von MultiCharts .NET gilt dieselbe Tabelle. Beide Ausführungen kosten identisch, unabhängig davon, ob du mit PowerLanguage oder mit C# arbeitest.

Zwei Zusatzpakete außerhalb der Tabelle

Neben den drei Editionen gibt es zwei Sonderfälle. Beide stehen nicht in der normalen Preisübersicht und laufen über den Support.

  • Die Backtesting Edition ist eine Zweitlizenz. Sie erlaubt es, auf einem zweiten Rechner Strategien zu entwickeln, zu backtesten und zu optimieren, während die Hauptlizenz auf dem Handels-PC den Livebetrieb übernimmt. Das ist gedacht für Trader, die nicht mitten im laufenden Handel eine Optimierung starten wollen.
  • MultiCharts PRO ist die einzige Variante mit Bloomberg. Wer den Bloomberg-Datenfeed braucht, kommt an diesem Paket nicht vorbei. Es enthält alle Advanced-Funktionen plus eine bevorzugte Supportlinie.

Was du beim Kauf beachten solltest

Es gibt keine Rückerstattung. MultiCharts formuliert das eindeutig: Alle Verkäufe sind endgültig. Als Ausgleich bietet die Firma die kostenlose Version und die 30-tägige Testphase an.

Für die Testphase brauchst du eine Kreditkarte. Der Test wird über die Bezahlseite gestartet und verlangt Zahlungsdaten, bevor er beginnt. Wer das nicht möchte, nutzt stattdessen die kostenlose Version, für die keine Karte nötig ist.

Ein Rabatt ist möglich, wenn du von einem Konkurrenzprodukt wechselst. MultiCharts gewährt auf die Lifetime-Lizenz einen Nachlass, wenn du eine bestehende Lizenz eines anderen Anbieters nachweisen kannst. Die Höhe legt der Support im Einzelfall fest.

Was kann die kostenlose Version?

Die kostenlose Version ist der wichtigste Punkt, den die meisten Beschreibungen im Netz noch nicht kennen. Du registrierst dich auf der Website, lädst die Software herunter und arbeitest ohne Zeitlimit weiter. Eine Kreditkarte ist dafür nicht nötig.

Die kostenlose Version von MultiCharts enthält Charting, Strategieentwicklung, Backtesting und Optimierung mit Beispiel-Kursdaten, aber keinen Zugang zu Echtzeitdaten und keinen Handel mit echtem Geld.

MultiCharts Download-Seite für die kostenlose Version und die 30-tägige Testphase
Die kostenlose Version und der Test werden über die Anbieterseite gestartet

Was drin ist: Der Handelssimulator, kostenlose Beispiel-Historiendaten für gängige Futures, Kryptowährungen, Aktien, Indizes und Devisen, die Chart- und Analysewerkzeuge, die vollständige Strategieentwicklung sowie Backtesting und die genetische Optimierung. Auch PowerLanguage und EasyLanguage funktionieren.

Was fehlt: Der Zugang zu Echtzeitdaten, die Verbindung zu Brokern und Datenanbietern, der manuelle und automatische Handel mit echtem Geld sowie der Market Scanner und die Markttiefe im Echtbetrieb. Diese Funktionen laufen in der Gratis-Version ausschließlich als Simulation.

Für wen das reicht: Wenn du eine Strategie programmieren und über historische Daten laufen lassen willst, brauchst du keine Lizenz. Das ist ein ernstzunehmendes Angebot und in dieser Form bei vergleichbaren Plattformen selten. Sobald du live handeln willst oder eigene Kursdaten einspeisen möchtest, wird die Standard-Edition fällig.

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Welche Broker und Datenfeeds unterstützt MultiCharts?

MultiCharts trennt Handelsanbindung und Datenversorgung, deshalb gibt es zwei getrennte Listen. Ein Teil der Anbieter taucht in beiden auf. Die Zahlen unten stammen aus der Anbieterübersicht des Herstellers, Stand August 2026.

Die Broker

Aktuell sind 26 Broker angebunden. Auffällig ist, wie stark der Fokus auf Futures liegt. Die meisten Verbindungen laufen nicht direkt, sondern über eines von drei Gateways: CQG, Rithmic oder Trading Technologies.

BrokerAnbindung
Interactive BrokersEigene Schnittstelle
TradeStationEigene Schnittstelle
Saxo BankEigene Schnittstelle
DukascopyEigene Schnittstelle
AMPRithmic, CQG
Stage 5 TradingTT, Rithmic, CQG
Optimus FuturesRithmic
Ironbeam, StoneX, Tickmill, ZytradeCQG oder Rithmic

Weitere angebundene Häuser sind Cannon Trading, MetroTrade, Lincoln Park Financial, High Ridge Futures, Trade Futures 4 Less, Trade Pro Futures, ApexFutures, DiscountTrading, Advantage Futures, EdgeClear, GFF Brokers, Lucid Trading Group und Zaner.

Bei der Abwicklung steht häufig ein US-Clearinghaus dahinter. Dorman Trading aus Chicago etwa führt MultiCharts in seiner Plattformübersicht und verwahrt die Kundengelder selbst.

Wichtig für den Bestandsvergleich: Mehrere früher gelistete Broker stehen heute nicht mehr in der Übersicht, darunter Oanda, GAIN Capital, LMAX, MB Trading und Patsystems. Wer eine ältere Anbieterliste liest, sollte sie gegen die aktuelle Seite des Herstellers prüfen.

Die Datenquellen

Für die Kursversorgung stehen 11 Anbieter bereit. Das ist deutlich weniger, als ältere Übersichten nennen, dafür sind es die relevanten.

  • dxFeed und DTN IQFeed für professionelle Echtzeitdaten über viele Anlageklassen
  • Rithmic und CQG für Futures, meist zusammen mit der Handelsanbindung
  • Barchart, MetaStock, CSI und Tickdatamarket für historische Daten
  • Bloomberg, allerdings nur in der PRO-Variante
  • Bitfinex und Poloniex für Kryptowährungen

Die Krypto-Börsen

Acht Börsen lassen sich direkt anbinden. Das ist eine Neuerung, die in älteren Beschreibungen der Plattform fehlt: Binance, Binance US, Coinbase, OKX, Kraken, Bybit, BitMEX und Deribit.

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Welche Funktionen bietet MultiCharts?

Der Funktionsumfang ist groß, aber er ist nicht in jeder Edition gleich. Die folgende Übersicht nennt jeweils dazu, ab welcher Stufe eine Funktion verfügbar ist. Genau daran scheitern viele Kaufentscheidungen.

Chartanalyse und Charttypen

Bei den Charttypen deckt MultiCharts deutlich mehr ab als der Durchschnitt. Neben Candlesticks und OHLC sind unter anderem Point and Figure, Renko, FlexRenko, Kagi, Three Line Break, Heikin-Ashi und Reversal Bars verfügbar.

Volume Profile in MultiCharts mit Volumenverteilung neben dem Kursverlauf
Das Volume Profile in MultiCharts

Für die Volumenanalyse gibt es TPO, Volume Delta, Cumulative Delta und Imbalance Delta. Hier lohnt ein genauer Blick auf die Edition: Das Zeichnen des Volume Profile ist eine Advanced-Funktion. Wer die Standard-Edition kauft und mit dem Volumenprofil arbeiten will, kauft an seinem Bedarf vorbei.

Bei den Zeichenwerkzeugen ist alles Übliche vorhanden. Trendlinien, Fibonacci-Werkzeuge, Gann-Fächer, Andrews’ Pitchfork, Regressionskanäle in vier Varianten und Pivots. Dazu kommen über 200 vorgefertigte Indikatoren, darunter MACD, ADX, ATR, CCI, Keltner Channel, Bollinger Bänder und Parabolic SAR. Alle lassen sich im Quelltext anpassen.

Backtesting und Optimierung

Das Backtesting ist der Kern der Plattform. Getestet wird Tick für Tick, und die Rechnung berücksichtigt Geld-Brief-Spanne, Slippage, Kommissionen, Startkapital und Positionsgröße. Das Ergebnis kommt als ausführlicher Bericht mit Trade-für-Trade-Auflistung und über 28 Auswertungsgrafiken. Zusätzlich lässt sich die Strategie im Chart anzeigen: Ein- und Ausstiege stehen dort als Pfeile, profitable Trades verbindet eine grüne Linie.

MultiCharts Chart mit Ein- und Ausstiegen einer MACD-Strategie im E-mini S&P 500
Backtest im E-mini S&P 500: Die Strategie zeichnet Ein- und Ausstiege in den Chart

Bei der Optimierung trennt die Edition wieder. Genetische und erschöpfende Optimierung sind in allen Editionen enthalten, die kostenlose eingeschlossen. Walk-Forward-Optimierung und Matrix-Optimierung gibt es nur in der Advanced-Edition.

MultiCharts Optimierungsarten: genetisch und erschöpfend in allen Editionen, Walk-Forward und Matrix nur in Advanced
Zwei der vier Optimierungsarten setzen die Advanced-Edition voraus

Die Optimierung nutzt alle Prozessorkerne. Bei umfangreichen Parameterläufen macht das den Unterschied zwischen Minuten und Stunden aus. Wer viel optimiert, sollte den Rechner danach auswählen.

Ein Hinweis aus der Praxis: Eine Optimierung findet immer Parameter, die in der Vergangenheit gut ausgesehen haben. Ob sie in Zukunft funktionieren, sagt sie nicht. Genau dafür ist die Walk-Forward-Analyse gedacht, und genau die steckt in der teuren Edition.

Market Scanner und Market Data Playback

Der Market Scanner durchsucht ganze Wertpapieruniversen nach Kriterien. Du kannst zum Beispiel alle Aktien anzeigen lassen, die den 20-Perioden-Durchschnitt in den letzten drei Handelstagen von unten durchstoßen haben. Über 20 Datenfelder lassen sich einblenden, die Ergebnisse gehen nach Excel. Benachrichtigungen kommen optisch, akustisch, per E-Mail und seit Neuerem auch über Slack und Telegram. In der Gratis-Version läuft der Scanner nur simuliert.

Market Scanner in MultiCharts mit gefilterten Werten und Kennzahlenspalten
Der Market Scanner von MultiCharts

Das Market Data Playback spielt vergangene Handelstage Tick für Tick nach. Für diskretionäre Trader ist das die nützlichste Funktion der Plattform, weil sich Preismuster üben lassen, die sich schlecht programmieren lassen. Die Indikatoren werden dabei für jeden Tick neu berechnet, die Geschwindigkeit ist regelbar, und der Scanner lässt sich zuschalten.

Automatisierter Handel und Portfolio Trader

Der automatisierte Handel läuft in zwei Modi. Im synchronen Modus wartet die Strategie auf die Bestätigung des Brokers, bevor sie weiterarbeitet. Im asynchronen Modus sendet sie weiter, ohne zu warten. Der erste ist sicherer, der zweite schneller. Ein Order and Position Tracker zeigt alle offenen Aufträge in Echtzeit, Papertrading zum Testen ist enthalten.

MultiCharts automatisierter Handel: synchroner Modus wartet auf die Broker-Bestätigung, asynchroner Modus sendet ohne zu warten
Der gewählte Modus entscheidet, ob die Strategie auf den Broker wartet
Order and Position Tracker in MultiCharts mit ausgeführten und stornierten Orders
Der Order and Position Tracker listet jede Order mit Status und Füllung

Der Portfolio Trader ist die stärkste und zugleich teuerste Funktion. Er testet und handelt ganze Portfolios mit Hunderten Instrumenten gleichzeitig, inklusive Korrelationsmatrix. Er steckt ausschließlich in der Advanced-Edition. Ältere Beschreibungen, die ihn als Bestandteil jeder Lizenz nennen, sind überholt.

Portfolio Trader in MultiCharts mit mehreren Instrumenten und Auswertung
Der Portfolio Trader gehört zur Advanced-Edition
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Vor- und Nachteile von MultiCharts

Die Stärken und Schwächen von MultiCharts liegen dicht beieinander. Was die Plattform für Systementwickler attraktiv macht, macht sie für alle anderen aufwendig. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, was aus dem Test hängen bleibt.

Vorteile von MultiCharts

  • Die kostenlose Version ist ungewöhnlich großzügig. Strategieentwicklung, Backtesting und genetische Optimierung ohne Zeitlimit und ohne Kreditkarte.
  • Backtesting auf Tick-Basis mit realistischen Kosten. Spread, Slippage und Kommissionen fließen ein, statt weggelassen zu werden.
  • EasyLanguage-Kompatibilität. Ein großer Vorrat frei verfügbarer Skripte aus der TradeStation-Welt läuft ohne Umbau.
  • Freie Wahl bei Daten und Broker. Du bist nicht an den Datenfeed deines Brokers gebunden und kannst mehrere Verbindungen parallel betreiben.
  • Lifetime-Lizenz vorhanden. Bei dauerhafter Nutzung ist sie nach etwa 19 Monaten günstiger als das Abo.

Nachteile von MultiCharts

  • Nur Windows. Keine Mac-Version, keine Weboberfläche, keine App. Mac-Nutzer brauchen eine Windows-Umgebung.
  • Die wichtigsten Werkzeuge sitzen in der teuersten Edition. Portfolio Trader, Volume Profile und Walk-Forward-Optimierung kosten als Lifetime-Lizenz 1.999 US-Dollar.
  • Keine Rückerstattung. Alle Käufe sind endgültig, auch bei der Lifetime-Lizenz.
  • Die Testphase verlangt Kreditkartendaten und startet über die Bezahlseite.
  • Marktdaten kosten extra. Der Lizenzpreis enthält keine Kursdaten. Ein professioneller Feed schlägt monatlich zusätzlich zu Buche.
  • Kein Deutsch. Software, Website und Support sind ausschließlich englisch.
  • Der Fokus liegt auf Futures. Für reine Aktienanleger ist der Aufwand unverhältnismäßig.

Für wen lohnt sich MultiCharts?

Für Entwickler von Handelssystemen ist die Plattform eine der stärksten am Markt. Wer Strategien programmiert, sauber backtestet und danach automatisch laufen lassen will, findet hier alles an einem Ort. Der Einstieg kostet dank der Gratis-Version nichts außer Zeit.

Für diskretionäre Futures-Trader lohnt sie sich wegen des Playbacks und der Ordertools. Das Nachspielen vergangener Tage Tick für Tick gibt es in dieser Qualität selten. Wer über den Chart handelt und mit Markttiefe arbeitet, bekommt eine ausgereifte Oberfläche. Wem es dabei weniger um Strategieentwicklung als um reine Ausführungsgeschwindigkeit geht, sollte Sierra Chart danebenlegen: dieselbe Zielgruppe, aber ein anderer Schwerpunkt.

Für Einsteiger ist sie die falsche Wahl. Die getrennte Einrichtung von Broker und Datenfeed, die englische Oberfläche und die Preisstruktur setzen voraus, dass du weißt, was du willst. Wer erst herausfinden möchte, ob Trading überhaupt zu ihm passt, ist mit einer schlankeren Handelsplattform besser bedient.

Für Anleger mit Aktien und ETFs ist der Aufwand nicht gerechtfertigt. Die Stärken der Plattform liegen im kurzfristigen, systematischen Handel. Ein Buy-and-Hold-Depot braucht davon nichts.

Fazit zu MultiCharts

MultiCharts ist eine Spezialistenplattform, und das ist als Einordnung gemeint, nicht als Kritik. Beim Backtesting, bei der Optimierung und beim automatisierten Handel gehört sie zu den vollständigsten Werkzeugen, die es für den privaten Trader gibt. Die freie Wahl von Broker und Datenanbieter ist ein echter Vorteil gegenüber geschlossenen Broker-Plattformen.

Die Umstellung des Preismodells hat den Einstieg deutlich verbessert. Dass Strategieentwicklung, Backtesting und Optimierung dauerhaft kostenlos nutzbar sind, nimmt die größte Hürde. Du kannst monatelang testen, bevor du entscheidest.

Zwei Punkte bleiben unangenehm. Der erste ist die Aufteilung der Editionen: Genau die Funktionen, für die viele Trader kommen, also Portfolio Trader, Volume Profile und Walk-Forward-Analyse, stecken in der Advanced-Edition. Der zweite ist die Bindung an Windows, an der sich seit Jahren nichts geändert hat.

Meine Einschätzung: Wer systematisch handelt und unter Windows arbeitet, sollte mit der kostenlosen Version anfangen und erst nach einigen Wochen entscheiden. Wer das Volumenprofil oder Portfolios braucht, rechnet von vornherein mit der Advanced-Edition und sollte den Preis nicht schönrechnen. Und wer am Mac sitzt, prüft zuerst, ob er eine Windows-Umgebung dauerhaft betreiben will. Einen Überblick über die Alternativen gibt unser Vergleich der Trading Software.

Häufige Fragen zu MultiCharts

Ist MultiCharts kostenlos?

Ja, es gibt eine dauerhaft kostenlose Version. Sie enthält Charting, Strategieentwicklung, Backtesting und genetische Optimierung mit Beispiel-Kursdaten. Nicht enthalten sind Echtzeitdaten, die Anbindung an Broker und Datenanbieter sowie der Handel mit echtem Geld. Diese Funktionen laufen nur als Simulation.

Was kostet MultiCharts?

Die Standard-Edition kostet 99 US-Dollar pro Monat, bei Jahreszahlung 79 US-Dollar monatlich, oder 1.499 US-Dollar als Lifetime-Lizenz. Die Advanced-Edition liegt bei 149 US-Dollar monatlich, 119 US-Dollar bei Jahreszahlung oder 1.999 US-Dollar für die Lifetime-Lizenz. Marktdaten sind darin nicht enthalten.

Läuft MultiCharts auf einem Mac?

Nein. MultiCharts ist eine reine Windows-Anwendung. Es gibt weder eine Mac-Version noch eine Weboberfläche noch eine mobile App. Mac-Nutzer benötigen eine Windows-Umgebung, etwa über Parallels, Boot Camp auf älteren Geräten oder einen Windows-Server.

Welcher Broker passt zu MultiCharts?

Angebunden sind 26 Broker, überwiegend aus dem Futures-Bereich. Interactive Brokers, TradeStation, Saxo Bank und Dukascopy haben eigene Schnittstellen. Die meisten anderen laufen über die Gateways CQG, Rithmic oder Trading Technologies, darunter AMP, Stage 5 Trading und Optimus Futures.

Unterstützt MultiCharts Python?

Ja, seit Kurzem als Beta. Die Python-Anbindung läuft über die .NET-Edition. Da es sich um eine Vorabversion handelt, sollte man sie nicht für den produktiven Handel einplanen. Etablierte Wege bleiben PowerLanguage sowie C# und VB.NET.

Was ist der Unterschied zwischen Standard und Advanced?

Die Standard-Edition enthält Echtzeitdaten, alle Broker-Anbindungen, manuellen und automatisierten Handel, den Market Scanner und die Markttiefe. Die Advanced-Edition ergänzt Portfolio Trader, Volume-Profile-Zeichnung, Walk-Forward- und Matrix-Optimierung, Self-Adaptive Trading und den Historical Data Downloader mit Zeitplan.

Kann ich MultiCharts vor dem Kauf testen?

Ja, auf zwei Wegen. Die kostenlose Version läuft ohne Zeitlimit und ohne Kreditkarte, beschränkt sich aber auf Simulation und Beispieldaten. Die 30-tägige Testphase schaltet alle Funktionen frei, wird aber über die Bezahlseite gestartet und verlangt dafür Zahlungsdaten.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels handelt seit 1980. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und arbeitet als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.

Seine Arbeit als Übersetzer prägt die Fachsprache mit. In den späten 1980er-Jahren übertrug er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und brachte dessen zehn Bücher heraus. Bis heute gibt er Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Desktop-Plattformen begleiten ihn seit den Neunzigern, lange bevor Charting im Browser möglich war. Für diesen Test hat er die Editionen, die Preisliste und die Anbieterübersicht des Herstellers im August 2026 abgeglichen und jede Angabe des Bestandsartikels gegen die aktuellen Herstellerseiten gehalten.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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