Mit Bollinger-Bändern die Price Action lesen (Update 2020)

Price Action Trading ist mehr als nur Chartmuster wie Engulfing-Candlestick und die Chartformation Schulter-Kopf-Schulter (Head-and-Shoulders). Trader der Price Action übersehen häufig einen entscheidenden Faktor: die Volatilität der Kurse. Um wie viel sich der Markt bewegt, ist ebenso wichtig, wie sich der Markt bewegt.

In dieser kurzen Anleitung werden Sie die Volatilität in Ihre Price Action Analyse einbeziehen. Die Bollinger Bänder sind das Instrument, das wir verwenden werden.

Wie sie gleich sehen können, sind Bollinger Bänder aparte Linien, die durch Kursschwankungen gesteuert werden.

  • Mittlere Band-Linie = N-Perioden einfacher gleitender Durchschnitt (SMA = simple moving average)
  • Obere Band-Linie = N-Perioden einfacher gleitender Durchschnitt + (N-Perioden Standardabweichung der Kurse x 2)
  • Untere Band-Linie = N-Perioden SMA – (N-Perioden Standardabweichung der Kurse x 2)

Der Normalwert für N beträgt 20.

Bollinger Bänder schaffen eine Art Umhüllung oder Umschlag um die Mittlere Linie bzw. dem Gleitenden Durchschnitt des Kurses. Für die Konstruktion des oberen und unteren Bandes bzw. die Weite des Umschlages wird die Standardabweichung jeweils nach oben und nach unten an der Mittellinie abgetragen. Die Breite der Bänder hängt von der Volatilität der Kursbewegung ab. Bollinger Bänder erweitern und verengen sich aufgrund der Standardabweichung der letzten Price Action.

Daher sind die Bollinger Bänder hilfreich zum Lesen der Price Action im Zusammenhang mit deren aktueller Volatilität. Oder kurz gesagt: Deren Interaktion mit den Kursen liefert wertvolle Trading-Informationen.

Haben Sie schon einmal den Tanz zwischen dem Markt und den Bollinger Bändern beobachtet? Wenn das der Fall ist, kennen Sie die folgenden Situationen:

  1. Die Kursstäbe heften sich an die Bollinger Bänder und vollziehen eine Kehrtwende.
  2. Aufeinander folgende Kursstäbe drücken gegen die Bollinger Bänder.
  3. Ein Kursstab bildet sich vollständig außerhalb der Bollinger Bänder.

Wir werden uns nun jedes dieser Szenarien genauer anschauen. So werden Sie erfahren, wie jede Situation an verschiedene Trading Strategien anknüpft.

Szenario 1: Kursstäbe heften sich an die Bollinger Bänder und machen eine Kehrtwende

Die Kurse bewegen sich seitwärts, wodurch eine geringe Volatilität bestätigt wird. Der Markt ist innerhalb einer Tradingrange (Konsolidierung) gefangen.

Bollinger-Bänder in der Seitwärtsbewegung
Die Kursbalken heften sich an das obere Bollinger Band – Die Kurse heften sich an das untere Bollinger Band

Dieser Markt ist ideal für Scalper, die auf kleine Gewinne abzielen.

Eine einfache Strategie besteht darin, mit einer Limitorder zu kaufen, wenn die Kurse auf das untere Band treffen. Für einen Trade mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit erwarten Sie eine Bewegung in Richtung oberes Bollinger Band. Das Gegenteil gilt für einen bärischen Trade, bei dem Sie sich auf das untere Band ausrichten.

Das Gimmee Bar Setup ist ein hervorragendes Beispiel für den Einsatz von Bollinger Bändern, um von einer seitwärts verlaufenden Kursbewegung zu profitieren.

Sie können die Ergebnisse dieser Trades verbessern, indem Sie nach Gründen für die Unterstützung in einem Seitwärtsmarkt Ausschau halten. Beispielsweise kurz vor der Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten bewegt sich der Markt normalerweise seitwärts. Während der Zeit vor der Veröffentlichung können Sie schnelle Trades in Erwägung ziehen, indem Sie innerhalb der Bollinger Bänder die Kursbewegungen in beide Richtungen nutzen.


Szenario 2: Aufeinander folgende Kursstäbe drücken gegen die Bollinger Bänder

Aufeinander folgende Kursstäbe, die gegen die Bollinger Bänder drücken, weisen auf einen wichtigen Ausbruch hin. Dadurch wird die Stärke des Marktes bestätigt. Dies sagt uns, dass wir nicht dem Trend zuwider handeln dürfen, es sei denn, Sie wollen einen sogenannten Contrarian-Trade machen, also Trading gegen die vorherrschende Stimmung in den Märkten betreiben.

Bollinger Bänder im Trend
Aufeinander folgende Kursbalken drücken gegen die untere Bollinger Band Linie

Diese Situation geht mit einer Ausdehnung der Bänder einher. Dies ist eine normale Erscheinung nach einem Kursausbruch. Wenn Sie auf dieser Welle der sich entwickelnden Kursbewegung reiten, werden Sie reichlich dafür belohnt.

Sie können versuchen, einen Ausbruch zu nutzen, indem Sie in den Markt einsteigen, wenn die Bollinger Bändern durchbrochen werden. Der direkteste und einfachste Weg besteht darin zu kaufen, wenn es zu einem Kursausbruch aus dem oberen Bollinger Band kommt. Oder wie im obigen Chart zu sehen ist, sie verkaufen bei einem Ausbruch aus dem unteren Bollinger Band.

In einem Seitwärtsmarkt kann diese Tradingmethode zu vielen Zickzack-Bewegungen führen. Wenn Sie also einen sicheren Einstieg bevorzugen, warten Sie besser ab, bis ein Kursstab oberhalb des oberen oder unterhalb des unteren Bollinger Bandes schließt, bevor Sie einsteigen.

Für Ausbrüche können Bollinger Bänder auch zusammen mit dem MACD eingesetzt werden und zwar wird der MACD dann mit einer kürzeren Periode verwendet, um Ausbruch-Trades ausfindig zu machen.

Szenario 3: Ein Kursstab bildet sich vollkommen außerhalb der Bollinger Bänder

John Bollinger hat die Bänder so konstruiert, dass sie die Price Action unter normalen Marktbedingungen größtenteils umfassen. Daher ist ein Ausreißer-Kursstab außerhalb der Bänder selten.

Bollinger-Bänder SPY ETF Tageschart
Kursbalken komplett außerhalb der Bollinger-Bänder. | Der Markt dreht.

Diese Formation ist ebenfalls ungewöhnlich. Die Kurse können sich nicht lange außerhalb der Bollinger Bänder aufhalten. Sie werden wieder in die Bollinger Bänder zurückkehren. Dieser Rückzugsreaktion in die Bollinger Bänder kann sich in Form einer Marktumkehr oder einer Korrektur äußern.

Wenn Sie also ein Trendumkehr-Trader sind, sollten Sie auf diese Situationen achten. Wenn Sie einen Ausreißer-Kursstab über den Bollinger Bändern sehen, sollten sie einen bärischen Umkehrtrade erwägen. Gleichermaßen gilt für einen Ausreißer unter den Bollinger Bändern, der vermuten läßt, dass ein bullischer Umkehrtrade angebracht ist.

Wie es bei allen Trendwende-Signalen der Fall ist, sollten Sie diesen, isoliert betrachtet, kein allzu großes Gewicht beimessen. Nehmen Sie ein Umkehr-Setup nur dann, wenn Sie unterstützende Signale finden.

Suchen Sie zum Beispiel nach einem starken Volumenanstieg, der für einen schwachen Markt spricht, der zur Trendwende bereit ist. Tatsächlich sind über die Bollinger Bänder hinausspringende Kursstäbe auch Erschöpfungskurslücken (exhaustion gaps). Deshalb können Sie dann die gleichen Analyseregeln anwenden wie für das Trading von Erschöpfungskurslücken.

Diese ungewöhnliche Formation ist nur hilfreich beim Trading von Trendwenden. Es ist auch ein hervorragendes Tool für die Gewinnmitnahme.

Angenommen Sie haben es geschafft, einen bullischen Ausbruch zu erwischen und befinden sich in einer Longposition. Ein Ausreißer-Kursstab über den Bollinger Bändern ist für Sie ein triftiger Grund, Ihre Gewinne zu realisieren.

Selbst wenn der Markt nicht umdreht, ist eine Seitwärtsbewegung wahrscheinlich. Wenn Sie also glauben, dass keine Trendumkehr erfolgt, ist es trotzdem klug, den Markt bei einem Ausreißer-Kursstab zu verlassen. Danach können Sie normalerweise zu einem günstigeren Kurs wieder einsteigen.


Schlussbemerkung: Price Action mithilfe von Bollinger-Bändern lesen

Beim herkömmlichen Umgang mit Price Action werden Unterstützung und Widerstand sowie Kurs-Swings für den Marktkontext verwendet. Dadurch wird die Volatilität häufig außer Acht gelassen.

Aber mit Bollinger Bändern können Sie diesen vernachlässigten Faktor wieder in Ihre Analyse einbeziehen. Sie können Price Action im Rahmen der bisherigen Volatilität erfassen. In den Händen eines sachkundigen Traders kann dieses einfache Instrument die Price Action Analyse vertiefen.

(Einen weiteren auf der Volatilität basierenden Kurs-Umschlag finden Sie mit den Keltner-Bändern. Diese sind ähnlich wie die Bollinger-Bänder. Aber hier wird die Average True Range (ATR) anstatt der Standardabweichung zur Messung der Volatilität genommen.)

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: Reading Price Action with Bollinger Bands

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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