Der Bärenmarkt – Erklärung und Strategien

Die Börsenkurse folgen einem festen Zyklus, der sich regelmäßig wiederholt. Die Gründe für Auf- und Abschwünge sind gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Natur. Insbesondere der Einfluss auf den Leitzins von Zentralbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) sind von hoher Relevanz für das Steigen und Fallen von Aktienindizes. Diese Phasen werden Bullen- und Bärenmärkte genannt. In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Bärenmarkt ist und welche Strategien in dieser Situation zu Gewinnen führen.

Bärenmarkt an der Börse - Erklärung und Strategien

Definition: Was ist ein Bärenmarkt?

Ein Bärenmarkt (auch Baisse genannt) bezeichnet die Situation eines Marktes, bei dem der Kurs um mehr als 20 % im Vergleich zum letzten Höchstwert gefallen ist. Dieser Zeitraum ist oft durch fallende Aktienkurse gekennzeichnet und wird in der Regel durch weit verbreiteten Pessimismus definiert.

Das Gegenteil vom Bärenmarkt ist der Bullenmarkt. Für die Beschreibung der Marktlage wird sich oft auf die Tiere Bulle und Bär bezogen. Der Bulle steht für Optimismus und der Bär für Aggression. Ein Bullenmarkt ist ein Markt, in dem die Aktienkurse weiter steigen, ähnlich wie ein Stier mit seinen Hörnern nach oben stößt, wenn er einen Gegner angreift. Im Bärenmarkt schrumpfen die Aktienkurse, ähnlich wie ein Bär bei einem Angriff mit seinen Pfoten nach unten schnappt.

Wichtig: 
Die relevantesten Aktienindizes sind der DAX, der NASDAQ, der Dow Jones und der Nikkei 225. Diese zählen zu den wichtigsten Leitindizes der Welt und stellen den Börsenmarkt jeweils von Deutschland, der USA und Japan dar. 

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Aufbau eines Bärenmarktes

Die Finanzmärkte bewegen sich in Zyklen. Zunächst setzt eine Hausse ein, wenn Unternehmen neue Technologien auf den Markt bringen und die Anleger höhere Preise für die mit diesen Technologien hergestellten Waren erwarten. Schließlich kehrt sich der Aufwärtstrend um und es kommt zu einem Bärenmarkt. Wenn sich der Abschwung als echt herausstellt, löst eine zweite Verkaufswelle eine weitere Runde der Unterbewertung aus und schafft die Voraussetzungen für den Beginn eines neuen Bullenmarktes.

Zum Aufbau und den Phasen des Bärenmarktes gibt es unterschiedliche Definitionen und Erklärungen. Hierfür gibt es zwei verschiedene Modelle. Die erste Darstellung umfasst das Wellen-Modell nach Elliott:

Der Bärenmarkt nach Elliott Wave

Die Elliott-Wellen-Theorie ist eine Analyse des Marktverhaltens, die die Bewegung der Preise und das Verhalten der Anleger in zwei grundlegende Muster unterteilt. Dies sind:

  • Impulsmuster
  • Korrekturmuster

Nach Elliot besteht die Bewegung, die zu einem Basis-Impulsmuster gehört, traditionell aus fünf Wellen. Diese fünf Impulse werden mit römischen oder arabischen Ziffern bezeichnet. Drei aufeinanderfolgende Impulswellen 1, 3 und 5 geben die Grundrichtung der Trendbewegung an und stehen für einen Bullenmarkt. Die Kurse befinden sich also in einem Aufwärtstrend.

Eine Trendrichtung lässt sich immer anhand einer Korrekturbewegung erkennen, die zwei gegenläufige Bewegungen, d. h. die Wellen 1 und 3, umfasst. Diese stellen eine Aufwärts- bzw. Abwärtsbewegung dar. Am Ende jeder Korrekturwelle wird ein Buchstabe über die Anzahl der geschriebenen Buchstaben hinaus hinzugefügt.

Normalerweise wird diese Hinzufügung so gehandhabt, dass man für verschiedene Korrekturmuster je nach ihrem Grad unterschiedliche Buchstaben verwendet. Alle Korrekturbewegungen bestehen aus den folgenden drei Grundtypen:

  • Flat
  • Zigzag
  • Triangle

Nach dem Ende einer Welle ist klar zu erkennen, worum es sich überhaupt handelt. Dennoch können die grundlegenden Muster unter einer Welle dazu verwendet werden, eine Welle zu identifizieren.

Bärenmarkt nach Eliiott Wave in drei großen Wellen
Schematische Darstellung eines Bärenmarktes auf Grundlage der Elliott Wellen
Wichtig: Ein vollständiger Marktzyklus bzw. Basismuster ist abgeschlossen, wenn eine fünfteilige Impulsbewegung und eine dreiteilige Korrekturbewegung aufeinander folgen.

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Der siebenteilige Bärenmarkt

Bärenmärkte werden auch bear markets genannt. Es ist mittlerweile bekannt, dass ein Bärenmarkt sieben Phasen beinhaltet, wofür ein selteneres Modell verwendet wird. Die Darstellung erfolgt anhand der Dotcom-Blase, die im März 2000 geplatzt ist:

  1. Ende des Wahnsinns: Das Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 war u.a. auf massiv überzogene Aktienwerte und Überbewertung zurückzuführen. Der scheinbar nie endend wollende Aufschwung war abrupt zum Halten gekommen.
  2. Erste Korrektur: Nach einer massiven Korrektur an den Aktienmärkten wurde die Realität von den Experten beschönigt. Dies war ein Trugschluss.
  3. Zu früher Optimismus: In diesem Beispiel setzten die Aktionäre und Anleger ihre Hoffnungen auf die Notenbanken und eine Anpassung des Leitzinses. Der Plan war, dass allein eine Zinssenkung u.a. der EZB und der FED zu einer Verbesserung der Lage führen sollte.
  4. Feststellung der Realität: Zusammen mit dem Anschlag auf den World Trade Center am 11. September 2001 erlitt die Wirtschaft einen weiteren Rückschlag und die katastrophale wirtschaftliche Lage auf dem Globus wurde final verstanden.
  5. Zu früher Optimismus: Zu viele Anleger waren der Meinung, dass das Schlimmste überstanden sei. Dies war falsch, da der Bärenmarkt in der Realität noch nicht überwunden war. Hier kann es zu kurzen Bärenmarktrallys kommen, die nur zu kurzfristigen Kursanstiegen führen.
  6. Liquidation: Aktionäre, Anleger und Unternehmen, die zu früh auf Kurswachstum gesetzt und ihr eigenes Risiko überschritten haben, werden nun liquidiert und ziehen sich aus dem Markt zurück. In dieser Phase kommt es zu zahlreichen Verkäufen.
  7. Kapitulation: Dies ist die letzte Phase des Bärenmarktes. Hier ist die Stimmung sehr schlecht und durch die vorherigen schweren Phasen wird negativ in die Zukunft geblickt. Doch hier ist der Wendepunkt: Die Aktienmärkte sind am Boden und können endlich wieder steigen.

Merkmale eines Bärenmarkts

Ein Bärenmarkt ist eine anhaltende Phase rückläufiger Aktienkurse. Wann der Bärenmarkt beginnt, lässt sich erst im Nachhinein bestimmen. Tiefpunkte oder Krisen gibt es am Aktienmarkt immer und auch in einer Hausse kann es zu Kurskorrekturen nach unten kommen. Einige wichtige Merkmale für einen Bärenmarkt sind diese hier:

  • Kurs fällt um 20 %
  • Über mindestens 2 Monate
  • Abgebildet in Leitindex, wie dem DAX

Ein Bärenmarkt definiert sich u.a. mit einem Kursrückgang von 20 % im Vergleich zum letzten Hoch. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass dieser Kursrückgang für mindestens zwei Monate angehalten hat. Der Begriff Bärenmarkt kann auch bei negativen Kursentwicklungen einzelner Aktien verwendet werden. In der Regel jedoch wird die Bezeichnung Bärenmarkt bei einem globalen Kursrückgang verwendet, wie es bspw. bei Indizes wie dem DAX, NASDAQ oder Dow Jones möglich ist. Ein Bärenmarkt kann auch im Rentenmarkt oder beim Goldpreis stattfinden und ist somit nicht unbedingt an einen Aktienindex gebunden.

Weiterhin ist wichtig zu wissen, dass auch die Dauer eines Bärenmarktes erst im Nachhinein stichfest bewertet werden kann. So ist zwar die Mindestdauer von zwei Monaten vorgegeben, die finale Dauer eines Bärenmarktes ist jedoch nicht fest definiert. Das Gleiche gilt für einen Bullenmarkt. Niemand kann vorhersagen, wie lange die Phasen eines Marktzyklus sind.

Wichtig: Die durchschnittliche Dauer eines Bärenmarktes beträgt etwa 9,5 Monate. Ein Bärenmarkt tritt im Durchschnitt in einem Abstand von etwa 3,5 Jahren auf.

In der Regel geht man von einer Dauer von 7 Jahren für einen Zyklus im Börsenmarkt aus, wobei Sondereffekte hier nicht mit einbezogen werden. So sorgen unerwartete Ereignisse wie eine Pandemie oder ein Krieg für dramatische Veränderungen an den Börsen und den dazugehörigen Aktienindizes.

Definition: Bärenmarktrally am Aktienmarkt

Eine Bärenmarktrally (bear market rally) ist eine vorübergehende Erholung des Aktienmarktes in einem Abwärtstrend. Damit eine Rally als Bärenrally angesehen werden kann, darf sie nicht über das Kursniveau steigen, bei dem der ursprüngliche Rückgang begann. Eine Marktrally ist ein deutlicher Anstieg des Index oder Marktpreises eines bestimmten Vermögenswerts. Dieser Anstieg kann durch das Vertrauen der Anleger, gute Wirtschaftsnachrichten, eine negative Anlegerstimmung, Spekulation und ein geringes Angebot an Vermögenswerten verursacht werden.

Eine Bärenmarktrally ist eine Aufwärtsbewegung in einem Abwärtstrend, die fünf Prozent oder mehr anhält. Sie wird manchmal durch die Emotionen der Anleger oder frühere Erfahrungen verursacht. Allgemein wird bei einem Anstieg von 5 bis 10 % von einer Bärenmarktrally gesprochen. Wichtig ist, dass es sich nur um einen vorübergehenden Kursanstieg handelt, bevor der größere Abwärtstrend weitergeht.

Diese Art der Aktienrally muss während oder am Ende eines Bärenmarktes stattfinden, um als solche zu gelten. Der Grund dafür ist, dass es Anleger gibt, die darauf warten, niedrig zu kaufen und hoch zu verkaufen. Wenn der Kurs fällt, gibt es mehr Anleger, die niedrig kaufen und hoch verkaufen wollen, und das führt zu einem Kursanstieg. Dieser Nachfrageanstieg führt zu einem Preisanstieg, wodurch die Anleger kurzfristige Gewinne erzielen können.

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Die Bärenfalle – kurz erklärt

Bei einer Bärenfalle verkauft ein Anleger sein Wertpapier in dem Glauben, dass er es zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen kann. Der Anleger hat nicht damit gerechnet, dass der Kurs des Wertpapiers tatsächlich steigt und nicht fällt.

Wichtig: Die Bärenfalle ist eine besondere Form des Underperformings und tritt besonders häufig bei Laien und Privatanlegern auf.

Die Bärenfalle ist einer der häufigsten Fehler von Privatanlegern. Es handelt sich dabei um einen emotionalen Fehler, der an der Börse dazu führt, dass diese während eines Abschwungs Aktien mit Verlust verkaufen. Somit greifen die Anleger in das buchstäbliche „fallende Messer“.

Die häufigste Reaktion von Anlegern, wenn ihr Portfolio stark an Wert verloren hat, ist, in Panik zu geraten und alles zu verkaufen. Dies kann der schnellste Weg sein, noch mehr Geld zu verlieren. Im Oktober 2008 inmitten der Finanzkrise, veröffentlichte der bekannte Investor Warren Buffett einen Meinungsartikel für die New York Times mit dem Titel „Buy American. I Am“. Darin schrieb er:

Wenn Sie das Geld haben, um in Aktien zu investieren, ist der beste Zeitpunkt dafür, wenn alle anderen denken, dass die Welt untergeht. Wenn Sie kein Bargeld haben und es nicht sofort zur Begleichung von Rechnungen benötigen, sollten Sie Ihre Aktien nicht verkaufen. Selbst Menschen, die kurz vor oder im Ruhestand sind, können ein paar Jahre warten, bis sich ihre Investitionen auszahlen.

Warren Buffett

Ursachen einer Bärenmarktrally

Bärenmarktrallyes werden in der Regel durch „Bottom Fishing“ verursacht. Die Rally wird von Spekulanten ausgelöst, die glauben, dass der Abwärtstrend beendet ist. Sie beginnen Aktien zu kaufen, um einen schnellen Gewinn zu erzielen. Erholungen an Bärenmärkten sind anfällig für die Illusion, dass sich der Markt erholt, und vermitteln den Anlegern oft den falschen Eindruck, dass die Erholung von einem Abwärtstrend begonnen hat.

Aus diesem Grund wird die umgangssprachliche Bärenmarktrallye auch als Dead-Cat-Bounce bezeichnet. Sobald genügend Kapital den Markt für eine bestimmte Dauer verlassen hat, wird erwartet, dass er wieder an Stärke gewinnt, was wiederum Anzeichen für einen überkauften Druck auslöst und eine zweite Welle starken Verkaufsdrucks verursacht. Bärenmarktrallyes werden von neuen Händlern und Anlegern oft mit Haussephasen verwechselt. Dies kann zu gefährlichen Situationen für unerfahrene Anleger führen, da sie auf der Grundlage von Gerüchten und Lügen handeln könnten.

Die richtige Reaktion auf eine Bärenmarktrally ist ganz individuell. In vielen Fällen hängt die Art und Weise, wie Anleger auf Markterholungen reagieren, davon ab, welche Art von Markterholung sie gerade erleben. Eine Bullenmarktrally ermutigt die Händler in der Regel dazu, mehr Risiken einzugehen. Andererseits kann eine Bärenrally Händler dazu bringen, bei der Verwaltung ihrer Portfolios vorsichtiger zu sein. Grundsätzlich hängt die Reaktion der Marktteilnehmer auf eine Bärenmarktrally jedoch davon ab, ob sie ein langfristiger oder ein kurzfristiger Anleger sind.

Wenn Sie Händler sind, kann das Erkennen einer Bärenmarktrally eine große Chance sein. Wenn Sie über eine solide Einstiegsstrategie und Ausstiegsstrategie und einen Plan für das Risikomanagement verfügen, können Sie von den steigenden und fallenden Marktbewegungen profitieren.

Unterschied zwischen Bärenmarkt und Börsencrash

Nicht jeder Rückgang ist direkt eine Katastrophe und nicht jede Korrektur ist ein Grund zur Besorgnis. Doch ab wann sollten Sie sich Sorgen machen? In diesem Abschnitt wird zuerst einmal geklärt, was der Unterschied zwischen einem Bärenmarkt und einem Börsencrash ist. Auch die Begriffe Korrektur und Krise werden hier dargestellt.

Die Korrektur des Aktienkurses beruht auf der Idee, dass der Aktienkurs falsch eingeschätzt wurde und der Fehler nun korrigiert wird. Die Informationen über ein Unternehmen werden häufig in Form von Nachrichten verarbeitet und ausgetauscht. Letztere werden von den Analysten möglicherweise nicht gründlich recherchiert, was zu Diskrepanzen bei der Bewertung des Unternehmens führen kann.

Auch unerwartete Ereignisse, wie das Lahmlegen des Welthandels 2021 durch die unfreiwillige Blockade des Suez-Kanals oder Reformen in den USA können zu positiven und negativen Börsenkursen führen. Nur im Laufe der Zeit kann man feststellen, welche Fakten von größter Bedeutung und welche vernachlässigbar sind. Eine Hausse führt oft dazu, dass Anleger Risiken unterbewerten und positive Nachrichten aufblähen.

Im wahrsten Sinne des Wortes ist ein Crash ein plötzliches Ereignis, das Schäden verursacht. Ein Unfall ist ein plötzlich eintretendes, schädigendes Ereignis, welches häufig einen Schaden an einem Fahrzeug meint. An der Börse steht der Crash ebenfalls für ein unerwartetes Schadensereignis.

Bei einer Korrektur handelt es sich um eine Marktanpassung, bei der der Preis und die Bewertung von Unternehmen nach unten korrigiert werden, wodurch jedoch das mit der Anlage verbundene Gesamtrisiko verringert wird. Ein Crash hingegen ist eine rasche Verschlechterung der Lage, deren Gründe unklar sind.

Die Preise fallen, die Unternehmen haben zu kämpfen und ihre Ressourcen werden entwertet. Folglich verbessert sich das Risiko-Ertrags-Verhältnis zunächst nicht. Es können viele Monate vergehen, bis das volle Ausmaß des Schadens sichtbar wird. Wenn man nicht zwischen einer Korrektur und einem Bärenmarkt unterscheidet, kann dies zu schmerzhaften Verlusten führen.

Ein Börsencrash wird oft von einer fundamentalen Krise begleitet. Nicht alle großen Krisen enden in einem Absturz. Die Klimakrise, die Krise im Nahen Osten und die Flüchtlingskrise haben sich bisher kaum auf die Börsentätigkeit ausgewirkt. Wirtschaftskrisen von globaler Tragweite sind bspw. diese hier:

  • Ölkrise
  • Dotcom-Krise
  • Immobilienkrise
  • Schuldenkrise

Für Anleger besteht eine der wichtigsten Aufgaben darin festzustellen, ob es sich bei einem Kursrückgang um eine technische Korrektur oder um das Platzen einer Blase handelt.

Deutlich weniger dramatisch ist ein Kursrückgang. Der Kursrückgang ist definiert als der prozentuale Rückgang des Aktienkurses eines Unternehmens. Er wird in der Regel verwendet, um den Rückgang des Marktwerts eines einzelnen Wertpapiers zu beschreiben, der durch den Handel am Markt entsteht.

Das Kuriose an den Wertpapiermärkten ist, dass bei Kursbewegungen nie ganz klar ist, warum sie entstehen. Es kann zum Beispiel sein, dass Mittel in den Sektor oder aus einer Branche fließen. Manchmal ändert sich auch nur die Stimmung der Anleger. Selbst der zyklische Geschäftsverlauf kann dazu führen, dass sich die Aktienkurse nach oben oder unten bewegen.

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Geschichte relevanter Bärenmärkte

Seit 1947 gab es etwa 14 Bärenmärkte, mit dem Tiefpunkt im Jahr 1958 und dem Höhepunkt im Jahr 2009. Ihre Häufigkeit schwankt und ihre Dauer liegt zwischen einem Monat und zwei Jahren. Etwa 10 Bärenmärkte fielen mit einer Rezession zusammen, die anderen traten während einer wirtschaftlichen Expansion auf. Eine Gemeinsamkeit der Rezessionen von 1973, 1981, 1990, 2000 und 2007 war ein Anstieg der Zinssätze, der den starken Rückgang der Aktienkurse auslöste.

Diese Grafik von Invesco, einem weltweit tätigen, unabhängigen Vermögensverwaltungsunternehmen, zeigt den S&P 500 und die typischen wirtschaftlichen Entwicklungen während Bullen- und Bärenmärkten in der Vergangenheit.

Historische Bärenmarkte und deren Erholung bei S&P 500 | Quelle: investopedia
Historische Bärenmärkte und deren Erholung bei S&P 500 | Quelle: investopedia

Der S&P 500 hat seit 1973 drei Bärenmärkte erlebt. Der letzte war in den späten 2000er Jahren während der Subprime-Hypothekenkrise, die von Dezember 2007 bis Juni 2009 zu einer Rezession in den Vereinigten Staaten führte.  Sie wurde durch das Platzen der Immobilienblase und dem anschließenden Zusammenbruch der Finanzinstitute ausgelöst.

Die späten 1960er und frühen 1970er Jahre waren zwei der volatilsten Zeiten für Aktien, die bis zu 36,1 % bzw. 48,2 % fielen. Dies führte zu mehreren Rezessionen in den USA, die jedes Mal zwischen 1,5 und 1,7 Jahren dauerten.

Der Schwarze Freitag 1929 und Weltwirtschaftskrise

Der Börsenkrach von 1929 an der NYSE leitete zusammen mit der Großen Depression in den USA und vielen anderen Ländern eine Wirtschaftskrise ein, in deren Verlauf die Aktienmärkte in den folgenden drei Jahren weltweit um fast 80 % fielen.

In den 1920er Jahren führte die Börsenspekulation zu einer Blase, die risikoreiche Anlagen begünstigte. Im Jahr 1929 waren viele Aktien überbewertet und lösten einen Börsencrash aus, der als Schwarzer Freitag bekannt wurde. Fehlende staatliche Eingriffe und eine straffe Geldpolitik trugen zur Großen Depression bei.

Die Dotcom-Blase 2001

Die Dotcom-Blase war eine spekulative Wachstumsphase für Internet-Neugründungen und -Investitionen in den 1990er Jahren, die durch Risikokapitalfinanzierungen angeheizt wurde. Die Dotcom-Blase entstand, weil die Investoren von der Gründung innovativer Internet-Unternehmen begeistert waren, von denen viele jedoch keinen klaren Plan hatten, um Geld zu verdienen.

Im März 2000 erreichte der Nasdaq-Index einen Höchststand von 5.048,62 Punkten. Bis zum 4. Oktober 2002 war er auf 1.139,90 gefallen, was einem Rückgang von 76,81 % entspricht. Dies geschah nach einem spektakulären Anstieg zwischen 1995 und 2000, als die Aktienkurse vieler Dot-Com-Unternehmen exponentiell anstiegen. Tatsächlich blieben auch einige berühmte Blue-Chip-Technologieunternehmen nicht verschont, auch sie verloren über 80 % ihres Wertes.

Wichtig: Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Finanzblasen leicht zu erkennen sind, während sie sich aufblähen. Erst im Nachhinein können Beobachter zurückblicken und eine Spekulationsblase erkennen.

Im Jahr 2000 platzte die Dot-Com-Blase und vernichtete weltweit Milliarden von US-Dollar und Tausende von Arbeitsplätzen. Unternehmen wie Amazon, Alphabet und Microsoft überlebten den Absturz.

Die Finanzkrise 2007

Im Laufe des Bärenmarktes zwischen 2007 und 2009 fiel der S&P 500 um 51,9 %. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten war 2007 in eine Rezession gerutscht, begleitet von einer zunehmenden Krise bei Subprime-Hypotheken, da immer mehr Kreditnehmer nicht in der Lage waren, ihren Verpflichtungen planmäßig nachzukommen. Dies führte schließlich im September 2008 zu einer allgemeinen Finanzkrise, bei der sogar systemrelevante Finanzinstitute weltweit von der Insolvenz bedroht waren.

Die Zentralbanken in aller Welt leiteten beispiellose Interventionen ein, um eine drohende globale Finanzkrise abzuwenden. Massive Liquiditätsspritzen für das Bankensystem ließen die Zinssätze auf ein Rekordtief sinken. Dies war eine Neuerung, da u.a. die EZB jahrelang den Leitzins auf 0 % gesenkt hatte und somit Sparer Strafzinsen an Banken zahlen mussten.

Der Bärenmarkt von 2020

Der Bärenmarkt, der im März 2020 begann, zeichnet sich durch seine Schwere und Dauer aus. Die unmittelbare Ursache für den Bärenmarkt war eine Kombination aus anhaltenden Sorgen über die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Weltwirtschaft und einer für Verbraucher unglücklichen Entwicklung auf den Ölmärkten.

Die Weltmärkte für 2023 sind bereits mit zahlreichen Unsicherheiten konfrontiert, darunter die anhaltende Ukraine-Krise und der Einbruch von Kryptowährungen. Mittlerweile ist klar, dass wir uns gegenwärtig in einem Bärenmarkt befinden.

Dies wurde vor kurzem in einem Bericht von Goldmann Sachs dargestellt, der insbesondere Bezug auf die hohe Inflation und die Zinssteigerungen nahm. Laut Goldmann Sachs dürfte sich eine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte verzögern, da selbst Optimisten erst im Jahr 2023 mit einer Zinserhöhung rechnen.

DAX 40 von 2020 bis 2023 (Stand: 06. Juli 2023) | Quelle: börse.de
DAX 40 von 2020 bis 2023 (Stand: 06. Juli 2023) | Quelle: börse.de

Chancen im Bärenmarkt?

Ein Bärenmarkt ist in der Regel ein Zeitraum mit niedrigeren Aktienkursen in einer Reihe von Sektoren oder der ganzen Welt. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um das eigene Portfolio zu diversifizieren oder zu liquidieren. Ein Bärenmarkt kann eine Chance für langfristig planende Anleger sein.

In solchen Zeiten bietet sich die Gelegenheit, Qualitätsaktien zu einem niedrigen Preis zu kaufen. Dies setzt voraus, dass die Anleger wissen, wie man Aktien bewertet und welche Risiken mit dieser Art von Dienstleistungen verbunden sind.

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Bärenmarkt-Strategien im Aktienmarkt

Es gibt verschiedene Strategien, die Anleger in einem Bärenmarkt anwenden können. Allerdings ist es in der Regel nicht möglich, einen Bärenmarkt vorherzusagen. Dieses Market Timing ist schwer durchzuführen, sodass es sowohl zu Verlusten als auch zu Gewinnen führen kann. Folgende Strategien werden für den Bärenmarkt vorgestellt:

  • Leerverkäufe bzw. Shorting
  • Hedging gegen das Risiko
  • Fokus auf etablierte Aktien
  • Umschichten nach Sektoren
  • Put Optionen
  • Inverse ETFs

Leerverkäufe bzw. Shorting

Unter Leerverkauf versteht man den Verkauf eines Wertpapiers, das sich zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht im Besitz des Leerverkäufers befindet. Dies geschieht in der Regel, um Geld zu verdienen, wenn der Aktienkurs fällt.

Viele Anleger sind der Meinung, dass Leerverkäufe die riskanteste Art des Handels sind. Es handelt sich dabei um den Verkauf von Verträgen für Aktien zu aktuellen Marktpreisen in der Erwartung, dass ihr Wert sinkt. Die Absicht des Leerverkäufers ist es, zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen, um einen Gewinn zu erzielen. Einige professionelle Anleger haben es auf Unternehmen abgesehen, die hoch bewertet und hoch verschuldet zu sein scheinen.

Hedging gegen das Risiko

Wenn die Zeiten härter werden, sind die Anleger oft gezwungen, ihr Vermögen zu veräußern. Viele wollen jedoch nicht auf die harte Arbeit verzichten, die sie in jeden gekauften Vermögenswert gesteckt haben.

In dieser Situation entscheiden sich viele Anleger dafür, ihr Risiko durch Leerverkäufe eines Indexfonds zu verringern. Die Leerverkäufe eines Indexfonds stellen eine Wette darauf dar, dass der Index an Wert verlieren wird. Mögliche Gewinne aus dem Shorting können Verluste im langfristigen Portfolio ausgleichen.

Obwohl diese Strategie für den unerfahrenen Händler nicht ungefährlich ist, wird sie von einigen der größten multinationalen Unternehmen der Welt sowie von kleinen Hedge-Fonds eingesetzt, um Gewinne zu erzielen oder Risiken zu minimieren.

Put-Optionen

Bei der Put-Option handelt es sich um einen Vertrag, der den Inhaber des Vertrags berechtigt, aber nicht verpflichtet, von einer anderen Partei zu verlangen, einen Vermögenswert bis zu einem bestimmten Datum zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Der Vertragseigentümer hofft oft, dass der Preis des zugrundeliegenden Vermögenswerts vor der Ausübung sinkt, wodurch der Wert seiner Option steigt.

Der Verkauf einer Put-Option kann eine attraktive Alternative zu herkömmlichen Strategien der Dividendenreinvestition darstellen. Eine Strategie, die eine Kombination aus einer Aktie und einer Option verwendet, kann sowohl für Dividenden als auch für Kapitalgewinne genutzt werden und bietet möglicherweise attraktivere Renditechancen als eine direkte Beteiligung am Aktienmarkt.

In einem Bärenmarkt fallen die Preise. Mit Optionsstrategien können sich Anleger gegen fallende Kurse absichern und möglicherweise dann profitieren, wenn sich der Markt umkehrt und die Kurse wieder steigen.

Fokus auf etablierte Aktien

Value-Aktien sind wichtig, denn sie helfen langfristigen Anlegern, wenn die Marktvolatilität hoch ist. Anhand der Fundamentalanalyse können Anleger den wahren Wert eines Unternehmens und damit auch den Aktienkurs ermitteln.

Etablierte Aktien verfügen oft über stabile Dividenden und generieren einen positiven Cashflow. Einige Anleger setzen auf eine Strategie, die als Value-Investing bekannt ist. Wenn Aktien eines Unternehmens zu einem niedrigeren Preis erworben werden können, kann dies dem Anleger mehrere Vorteile bringen.

Umschichten nach Sektoren

Sektorrotationen finden statt, wenn Anleger Geld von einem Sektor in einen anderen umschichten. Dies hilft ihnen, ihr Risiko zu senken, falls ein bestimmter Sektor von der Baisse betroffen ist.

Der Gesundheitssektor schneidet in Bärenmärkten in der Regel gut ab. Der Sektor profitiert von technologischen Fortschritten und einem verstärkten Wettbewerb in der gesamten Wertschöpfungskette. Auch in diesem Bereich bieten zahlreiche Emittenten ETFs mit unterschiedlichen Schwerpunkten an.

Inverse ETFs

Inverse ETFs können zur Absicherung von Geschäften mit Abwärtsrisiken eingesetzt werden. Einige Händler nutzen Inverse ETFs gerne als Absicherung in Abwärtsmärkten oder in einem Umfeld steigender Zinsen, wenn die Rendite von Anleihen unattraktiv wird.

Inverse ETFs werden als Short-ETFs betrachtet. Diese Instrumente werden eingesetzt, um ein umgekehrtes Ergebnis der Wertentwicklung des Basiswerts zu erzielen. Sinkt beispielsweise der Wert des zugrunde liegenden Vermögenswerts, spiegelt sich dies in einem Wertzuwachs des inversen ETFs wider.

Bei einer sehr geringen Kursabweichung über einen langen Zeitraum kann der ETF seinen Ausgangswert nicht mehr erreichen. Um dem Rechnung zu tragen, wird ein Short-ETF jeden Tag auf Basis der prozentualen Veränderungen neu berechnet. Dies führt zu einer Differenz zwischen dem ETF und den zugrunde liegenden Vermögenswerten.

Gold als Safe Haven

Der Goldmarkt bietet Anlegern die Möglichkeit, ihr Portfolio zu diversifizieren und kann sich in Zeiten der Wirtschaftskrise als vorteilhaft erweisen. Anleger können auf verschiedene Weise vom Markt profitieren, vom Bergbau bis hin zur Investition in einen Goldfonds.

Bei börsengehandelten Goldfonds handelt es sich um eine Wertpapierart, die es Anlegern ermöglicht, mit Gold zu handeln, ohne das gelbe Metall in Empfang nehmen zu müssen. Der SPDR Gold Shares ETF (GLD) beispielsweise, der 2007 aufgelegt wurde, ist derzeit der zweitgrößte börsengehandelte Fonds der Welt, gemessen am Vermögen.

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Gewinne im Bärenmarkt

Langfristiges Investieren in einem Bärenmarktumfeld ist eine Herausforderung. Hierfür sind die richtigen Strategien notwendig. Anleger neigen dazu, ihre Positionen vorschnell zu verkaufen, weil sie Angst haben, was in Zukunft passieren könnte. Stattdessen sollten sie sich auf langfristige Ziele und Anlagekonzepte konzentrieren, wie z. B. das Halten von preisgünstigen Qualitätsaktien.

Anleger sind gut beraten, nicht in Panik zu verfallen und sich auf die Gelegenheiten zum Kauf von günstigen Aktien zu konzentrieren, die sich während eines Bärenmarktes ergeben können. So hält auch der Bärenmarkt zahlreiche Chancen bereit, wenn man besonnen und strategisch vorgeht.

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