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Hedging für Arme oder Global Macro

Egal in welcher Branche du tätig bist ist es sinnvoll, sich an erfolgreichen „Größen“ der Branche zu orientieren und sich mit deren „Erfolgsmodell“ zumindest zu beschäftigen. In der Welt des Tradings kommt man meiner Meinung nach um das Thema Hedging nicht herum. Allerdings handelt es sich um ein sehr schwieriges Thema und ich möchte meine Erfahrungen mit diesem Thema mit der Community teilen.

Ich habe 2015 sehr intensiv und obsessiv Devisen gehandelt und ich bin sehr dankbar, dass ich dort heil raus gekommen bin. Wir haben eine Hedging-Strategie verfolgt, bei der wir mit einer Wahrscheinlichkeit von ca.  1:243 einen sehr großen Verlust erleiden würden, aber sehr viele kleinere Gewinne einfahren würden. Es hat mich als Trader sehr viel weiter gebracht, diese Erfahrung gemacht zu haben, und am Ende bin ich bei Breakeven ausgestiegen. Das Handelsvolumen, was ich gehandelt habe, war sehr hoch, sehr sehr hoch. um genau zu sein, spielt aber für diesen Beitrag keine Rolle, sondern ist vielmehr bedeutend für meine Erkenntnis, dass man bei Devisen extrem gehebelt sehr hohe Summen setzen kann und in meinem Fall habe ich das getan.

Die letzen 12 Jahre habe ich so ziemlich alles gehandelt und handele nunmehr nur noch Aktien (hauptsächlich Werte aus dem S&P 500 und DAX 30) und einen einzigen Index-Markt, nämlich den SPY (S&P 500 ETF). Für den Index analysiere ich allerdings nicht den SPY sondern nur den ES-Future, Positionen gehe ich dann nur im SPY ein. Ich habe „nur“ 2 Strategien nämlich Aktien long only und SPY (short/long).

Global Macro

Hedging bedeutet Absicherung und es gibt sehr viele unterschiedliche Strategien. Meiner Beobachtung nach handeln mehr als 90 Prozent der Hedgefunds, Investmentbanken und Institutionellen Anleger „Global Macro“. Wenn man professionellen Tradern und Hedgefunds-Managern zuhört, wird man auf Aussagen wie: „We have a global macro approach, we are market directional and use also relative value arbitrage and invest in distressed debt.“ treffen. What a fucking Fachchinesisch kann ich dazu nur sagen und frage mich, wer soll das denn verstehen?

Begleitet von dem unbändigen Willen, das Trading „zu knacken“, habe ich in den letzten 11 Jahren sehr viele Reisen unternommen, um fünf Coaches zu besuchen, hunderte von Büchern, hunderte DVD´s und Webinare „konsumiert“. Es war nicht alles die Mühe wert, aber alles in allem hat es mich sehr viel weiter gebracht. Ich habe mir selbst zu meinem Geburtstag eine umfangreiche Video-Serie eines sehr bekannten Hedgefonds-Managers geschenkt. Meine Erfahrungen mit dieser Video-Serie werde ich später noch etwas konkretisieren, möchte aber zuerst „Hedging für Arme“, oder so wie ich es gehandhabt habe und immer noch tue, erklären.

Hedging im Devisenhandel

Nachfolgend habe ich einen EUR/USD Chart auf 15 Minuten Basis und habe eine intraday sideways Phase eingezeichnet.

EUR-USD Intraday Sideways Phase
EUR-USD 15 Minuten Chart mit Intraday Sideways Phase

Wir nehmen jetzt einfach mal an, dass wir bei 1.1290 eine fully hedged position von jeweils 1 Mio EUR long und short eingehen, was im Ergebnis bedeutet, dass wir den Spread plus Commissions auf der Uhr haben, sagen wir mal 0,8 Pips, also die Gesamtposition eröffnet mit einem Verlust von 80 USD. Jetzt bewegt sich der Markt nach oben und somit ist unser Long Leg im Gewinn und unser Short Leg im Verlust.

Ebenso nehmen wir an, dass wir zumindest die Erfahrung besitzen und grundsätzlich die Strategie verfolgen „we buy @ support and sell @ resistance“ und das wir in der Nähe des Gleitenden Durchschnitts (Magenta Farben) unser Long leg abwerfen, mit dem Ergebnis von +28 Pips. Somit besitzen wir eine „net short exposure“ von 1 Mio EUR und tatsächlich korrigiert der Preis und wir schließen unser Short Leg bei 1.1305 mit einem Verlust von -15 Pips und sind flat. Im Ergebnis haben wir dann ein Netto Ergebnis von 11,5 bis 12 Pips eingefahren, was bei 1 Mio EUR = 1150-1200 USD bedeutet.

Dieses Beispiel soll nur verdeutlichen, wie ich persönlich mit dem Thema Hedging umgegangen bin und ich habe nicht so gehandelt, sondern hatte eine erheblich komplexere Strategie, die ich verfolgt habe. Ich denke aber, dass jedem, der ein bisschen erfahren ist, klar wird, wie Hedgefunds etc. agieren, denn sie haben meistens ein Exposure zu beiden Seiten und werfen Teile ihrer Positionen an bestimmten Zonen ab und handeln damit auch meistens erfolgreich.

Abschließend zu diesem Devisen-Thema sei erwähnt, dass man bei guten Brokern nur sein „net exposure“ als Margin hinterlegen muss. Bei der Eröffnung der Position von 1 Mio EUR long und einem Hebel von 200 wird das Konto mit 5.000 EUR belastet. Sobald man die Short Position eröffnet, bekommt man die Margin zurück, weil man gerade dem Markt Liquidität zur Verfügung gestellt hat (Broker mögen sowas = no risk for them and guaranteed commissions).

Breakouts handeln im Aktienmarkt

Nun zu dem, was ich seit März 2016 gehandelt habe und zu meiner aktuellen Position:

Ich habe diverse Aktien long gehandelt und Gott sei Dank auch fast alle mit Gewinn.

 

Es handelt sich hierbei um klassische Breakouts, wobei ich bei den meisten Aktien mindestens einmal Gewinn genommen habe und meinen SL nach meinen Regeln irgendwann über Einstieg stehen hatte.

Bei DIS, GILD und MCK konnte ich zwei Mal Gewinn einstreichen, allerdings bin ich mit mir selbst mit meinem Trade-Management bei EBAY und MU nicht zufrieden. Bei EBAY habe ich trotz einer Gewinnmitnahme und drei Ausbruchsversuchen letztlich breakeven gehandelt und bei MU habe ich trotz Gewinnmitnahme einen Netto-Verlust erlitten. Natürlich lerne ich daraus und werde versuchen, es bei meinem nächsten „Angriff“ besser zu machen.

Zwischenfazit 1:

Diese Aktien-Positionen alleine betrachtet, hatte ich also eine „long net exposure in equities“ = eine Netto Long Position in den Aktienmärkten.

Hedging für Arme im Aktienmarkt

Unabhängig meiner Aktien-Positionen begann ich mit Datum 17.03.2016 Short Positionen im SPY aufzubauen, da ich wie Eingangs erwähnt, zwei unterschiedliche Strategien handele. Nachfolgend der Chart des SPY bei dem ich mit blauen Elipsen meine Short-Einstiege und mit roten Elipsen meine Teilgewinn-Mitnahmen eingezeichnet habe.

spy-14052016
SPY Tageschart

Ich bin beim SPY ein „zone trader“ und bin an Unterstützung und Widerstand interessiert. Dieser Trade hat sich so ergeben, dass ich einen „Hedge-Trade für Arme“ hatte, da ich zwischenzeitlich sowohl Aktien long als auch Index short war. Zeitweise hatte ich „net exposure“ long, aktuell bin ich net short.

Mein Durchschnittspreis bei SPY liegt bei 206,74 sodass ich augenblicklich mit ca +2 USD Buchgewinn im SPY dastehe. Ich habe drei Mal Gewinn realisiert und das schöne an diesem Trade ist, dass meine Aktien Long Trades als auch SPY Short Trades bis jetzt Gewinn gebracht haben.

Im Augenblick habe ich nur eine Aktien-Position Long nämlich WFM, denn alle anderen wurden ausgestoppt, was ok ist, da der Markt sehr unruhig ist.

Zwischenfazit 2:

  • Hedging ist nicht der Heilige Gral, sondern eine Absicherung, die allerdings auf beiden Seiten zu Verlusten und Gewinnen führen kann.
  • Es gibt sehr viele unterschiedliche Hedging-Ansätze, die man verfolgen kann. EUR/USD long = USD short und zeitgleich AUD/USD short = USD long kann bei vernünftigem Management zu Profiten führen und kann in Betracht gezogen werden.
  • Die mentale Komponente sollte nicht außer Acht gelassen und unterschätzt werden: Ich gehe Aktien long und will, dass der Markt steigt. Auf der anderen Seite shorte ich den Index, damit sollte man mental umgehen können.

The Global Macro Approach

Ich freute mich wie ein kleines Kind auf meine Video-Serie und war sicher, dass ich sehr viel durch „the professional approach“ lernen würde. Mit den Videos bekam ich mehr als 30 verschiedene Excel-Tabellen zzgl. 60 Stunden Core-Videos und mehr als 20 Stunden Bonus-Material. Jedes Video beträgt zwischen 2-3 Stunden und so fing ich damit an, meine Zeit dafür einzuplanen. Ich begann mit den Videos und kann einfach nur sagen, ich war überwältigt von der Information, die gegeben wurde und habe mir das alles viel einfacher vorgestellt.

Eines sei gesagt: Global Macro hat nichts mit charttechnischer Analyse zu tun, sondern geht sehr sehr sehr viel tiefer. Die Typen schauen sich die Märkte wirklich in aller Tiefe an und bilden sich dann eine Meinung. Sie machen kein Day-Trading (ich bin übrigens aus vielerlei Hinsicht auch kein Freund davon), sondern sie gehen mit einem Zeithorizont von mindestens 1-3 Monaten in einen Trade. Als ich dann bei Video 4 ankam (ca. 10 Stunden komplexe Formeln reingezogen), ging es um das Thema „the true ATR“ eines Devisenpaares zu bestimmen. Nun benutze ich selber ATR = Average true range, aber diese Jungs benutzen und ermitteln das sehr, sehr anders als wir.

Das war der Moment an dem ich gesagt habe, dass ich das weder leisten kann noch will. Aber ich habe wieder einmal dazu gelernt und habe heute vor den Big Boys eine andere, viel größere Achtung. Es ist unbeschreiblich wie diese Leute vorgehen. Um euch einen Geschmack zu geben, füge ich nachfolgend einige Screenshots anbei, damit sich jeder sein eigenes Bild machen kann.

Copyright by Anton Kreil

http://antonkreil.com/

 

framework
Global Macro Framework

 

opportunity set
Global Macro Devisenmarkt

 

Macro Fundamentals
Macro Fundamentals

 

drivers
Global Marco – Was bewegt die Märkte

Mein Fazit Teil I:

  • Ich bleibe bei Hedging für Arme, wenn es sich ergibt.
  • Ich versuche mich weiter zu bilden, indem ich mir diese Video-Series über die nächsten Wochen und Monate „reinziehe“, so wie es meine Zeit erlaubt. Bildung hat noch nie geschadet.
  • Ich bin sehr dankbar, dass ich meine beiden Strategien gefunden habe, denen ich absolut vertraue und die ich bedingungslos handele.
  • Ich lerne jeden Tag hinzu.
  • Ich bleibe demütig und kann jedem Trader empfehlen, sich mit dem Thema Hedging auseinander zu setzen und vielleicht seinen eigenen Weg zu finden.

Ich werde, sobald ich mit meinen Trades flat bin, einen zweiten Teil darüber schreiben, um über den Ausgang zu berichten.

Good luck with your trading!

 

Hier weiter lesen: Hedging für Arme, Teil 2

 

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