Mit Risiko einer Kurslücke beim Swing-Trading umgehen (2020)

Kennzeichnend für den erfolgreichen Trader ist, dass er sich auf das Risiko fokusiert. Das Paradoxe am Trading ist, dass man langfristig mehr Gewinne machen wird, wenn man mehr über das Risiko anstatt über Gewinne nachdenkt. Für einen Swingtrader bedeutet das Halten einer Position über Nacht, dass das Risiko einer Kurslücke (engl. gap) die größte Herausforderung darstellt, mit der man umgehen muß.

Kurslücken ergeben sich, wenn die Markteröffnung weit vom Schlusskurs der vorherigen Handelssitzung entfernt ist. Dies tritt ein, weil weiterhin neue wichtige Informationen eingepreist werden, während der Markt geschlossen ist. Die Veröffentlichung von Unternehmensgewinnen ist ein klassisches Beispiel dafür.

Durch Kurslücken (engl. gaps) kann ein Trader auf zweierlei Weise die Kontrolle über das Risiko des Trades verlieren:

  • zum einen durch eine Kurslücke hinter der Stop-Loss Order
  • oder durch Kurslücke hinter dem beabsichtigten Einstiegskurs

Diese zwei häufigen Fälle für Kurslücken werden nun gesondert diskutiert, um zu ergründen, wie man damit umgehen kann.

Kurslücke hinter der Stop-Loss Order

Mit einer Stop-Loss Order für die Verlustbgrenzung wissen Sie, wieviel Sie pro Position verlieren können. Sie wissen, was Sie zu erwarten haben. Das ist wichtig für die Bestimmung der Positionsgröße und den Umgang mit den Emotionen.

Aber bei Kurslücken zählt Ihre Verluststopporder nicht mehr. Der Markt kann eine Kurslücke jenseits Ihrer Stop-Loss Order entwickeln, was zur Folge hätte, dass Ihr Verlust größer als erwartet ausfällt. Der folgende Chart veranschaulicht dieses Szenario.

Risiko einer Kurslücke - MCD Tageschart
1. Bullischer Pin Bar Einstieg. 2. Stop-Loss Order genau unter dem Pin Bar. 3. Abwärts-Gap zum Eröffnungskurs | Erwartetes Trade-Risiko | Tatsächlicher Trade-Verlust aufgrund der Kurslücke.

Möglichkeiten, um mit dem Risiko von Kurslücken umzugehen

1. Vermeiden Sie das Halten von Positionen vor der Veröffentlichung von Unternehmensergebnissen

Unternehmensergebnisse (engl. Earnings) werden normalerweise außerhalb der Handelsstunden veröffentlicht, was insbesondere für wichtige Informationen gilt. Daher sind diese die Hauptursache für Kurslücken in den Aktienmärkten.

Sofern Sie nicht aufgrund von Gewinnerwartungen handeln, sollten Sie es vermeiden, kurz vor der Veröffentlichung von Unternehmensergebnissen Positionen zu halten. Dies ist eine einfache Maßnahme, um das Risiko von Kurslücken zu umgehen.

Bei Zacks Earnings gibt es den Bereich „ Earnings by Symbol“. Geben Sie einfach das Symbol der Aktie ein, die Sie für Ihr Swing-Trading ausgewählt haben und überprüfen Sie, ob das Datum für die Veröffentlichung von Unternehmenserträgen des entsprechenden Unternehmens zeitlich zu nahe für Sie ist.

2. Verwenden Sie eine vernünftige Positionsgröße und diversifizieren Sie


Das Risiko von Kurslücken stellt die Möglichkeit dar, dass Sie weit mehr verlieren können, als Sie erwarten haben. Die sogenannte Slippage kann auch dazu führen, dass Sie mehr als erwartet verlieren, aber dieser Betrag ist gering im Vergleich zu dem, was Kurslücken verursachen. (Slippage = Differenz zwischen gewünschtem und tatsächlichem Ausführungskurs)

Daher ist es von entscheidender Bedeutung, bei der Bestimmung der Positionsgröße konservativ vorzugehen. Und setzen Sie nie alles auf eine Karte. Egal wie zuversichtlich Sie hinsichtlich des jeweiligen Swing-Trades sein mögen, investieren Sie nicht zu viel Tradingkapital in diesen Trade. Begrenzen Sie bei jedem einzelnen Trade Ihre Positionsgröße.

3. Streben Sie ein höheres Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) an

Wenn der Markt eine Kurslücke gegen Ihre Position entwickelt, ist das Risiko Ihres Trades größer. Ihr Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) wird damit unmittelbar betroffen. Aber wenn Sie Trades mit höherem potenziellem Chance-Risiko-Verhältnis nehmen, ist das größere Risiko ein geringeres Problem.

Wenn ein Trade eine positive Erwartung aufweisen soll, muss folgendes zutreffen:

Chance-Risiko-Verhältnis > (1 – W) / W

  • W – Gewinnwahrscheinlichkeit (Winning Probability)

Ihr Chance-Risiko-Verhältnis beträgt zum Beispiel 1. Eine Kurslücke gegen Sie verdoppelt Ihr Risiko. Ihr CRV beträgt dann 0,5. Dieses Verhältnis ist zu niedrig für eine positive Erwartung, sofern Ihre Tradingstrategie keine extrem hohe Gewinnrate aufweist.

Ziehen Sie jedoch ein CRV von 5 in Betracht. Wenn sich Ihr Risiko verdoppelt, fällt das CRV auf 2,5, was nur eine Gewinnrate erfordert, die höher als 29% liegt, um eine positive Erwartung zu ermöglichen.

Deshalb bieten uns Trading Setups mit höherem Chance-Risiko-Verhältnis ein besseres Polster, um mit dem Risiko von Kurslücken umzugehen.

(Um Ihre Chancen abzuschätzen, benötigen Sie eine Methode, um Gewinnziele für Trades festzulegen.)

4. Schadenskontrolle nach dem Einstieg

Wenn der Markt mit einer Kurslücke jenseits Ihrer Stop-Loss Order handelt, wird Ihre Order zum Eröffnungskurs der Handelssitzung ausgelöst. Da bleibt Ihnen nicht viel übrig, was Sie in solchen Fällen unternehmen können.

Aber einige Trader verwenden keine richtigen Stop-Loss Orders, sondern haben stattdessen einen mentalen Verluststopp, den sie dann manuell umsetzen. Wenn Sie bereits auf diese Weise traden, können Sie nach einer ausgeprägten Kurslücke gegen Ihre Position die folgenden Techniken des Risiko-Managements in Betracht ziehen.

Stellen Sie einen Teil Ihrer Positionen glatt, um das Risiko zu reduzieren. (Stocken Sie Ihre Position niemals auf.)

Die Bestimmung der Positionsgröße haben Sie aufgrund Ihrer ursprünglichen Risikoerwartung des Trades vorgenommen. Da nun die Kurslücke gegen Ihre Position das Risiko Ihres Trades erhöht hat, sollten Sie sofort aussteigen oder zumindest Ihre Positionsgröße reduzieren.

Platzieren Sie Ihren Verluststopp oder ziehen diesen näher heran und zwar auf der Grundlage der Price Action nach Entstehen der Kurslücke. Diese Methode ist ideal für eine Exhaustion-Kurslücke (Erschöpfungskurslücke). Der folgende Chart veranschaulicht diesen Sachverhalt.

Kurslücken-Risiko bei Exhaustion Gap.
1. Hier gekauft. 2. Hoher Umsatz zeigte an, dass dies ein Exhaustion Gap sein könnte. 3. Stop-Loss Order hier platziert. 4. Markt erholte sich.

5. Kaufen Sie Optionen, um Ihr Kurslücken-Risiko zu verringern.

Es gibt zwei Möglichkeiten, um  mittels Optionen das Risiko der Kurslücke zu reduzieren.

Die erste Methode besteht darin, eine Option als Versicherung zu kaufen.

Wenn Sie eine Longposition halten und diese gegen eine bärische Kurslücke absichern wollen, kaufen Sie eine Put-Option. Wenn Sie sich in einer Shortposition befinden und sich vor einer bullischen Kurslücke fürchten, kaufen Sie eine Call-Option.

Im Falle einer ungünstigen Kurslücke wird Ihr Gewinn mit dem Optionskontrakt den Verlust durch die zugrundeliegende Aktie ausgleichen. Die Höhe dieser Absicherung hängt jedoch von der Auswahl der entsprechenden Optionen ab. (Verfall und Ausübung)

Die zweite Methode besteht darin, einen Optionskontrakt tief im Geld zu kaufen, anstatt eine normale Aktienposition einzunehmen.

Optionen, die tief im Geld sind, bieten die Möglichkeit, eine hohe Hebelwirkung zu erzielen, während das Risiko begrenzt wird.

Kurzfristig orientierte Trader benötigen die Hebelwirkung, um die Tradinggewinne zu vergrößern. Die meisten Swing-Trader nutzen Margin-Trading wegen der Hebelwirkung. Sie borgen sich Geld von Ihren Brokern, um Aktien zu kaufen. Das bedeutet, dass sie mehr verlieren können als Ihr Trading einbringt, wenn sich eine sehr große Kurslücke gegen Ihre Position einstellt.

Wenn Sie aber Swing-Trading mit Optionen betreiben und sich der Hebelwirkung erfreuen können, ist Ihr Verlust ebenfalls auf Ihren anfänglichen Geldaufwand begrenzt.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Wo ist der Haken?

Im Gegensatz zu Aktien verfallen Optionen. Und wenn sie verfallen, verfallen sie wertlos. Wenn Sie also Optionen zum Swing-Trading verwenden, müssen Sie sowohl das Timing als auch die Richtung der Aktie richtig einschätzen. Sie müssen den richtigen Basispreis und Verfallstermin auswählen. Sie müssen auch zusätzlich für den Zeitwert bezahlen, der mit dem Optionskontrakt verbunden ist. Außerdem besitzen nicht alle Aktien einen liquiden Optionsmarkt.

Kurz gesagt: Es ist nicht einfach.

Optionen zu verwenden, ist der sicherste Weg, um das Risiko von Kurslücken zu verringern, da Sie nur die Prämie verlieren können, die Sie bezahlt haben, während Sie die Hebelwirkung nutzen können. Allerdings ist dieser Weg möglicherweise kostspielig und anspruchsvoll. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, können Sie mit den folgenden Büchern anfangen:

6. Traden Sie Märkte, die rund um die Uhr geöffnet sind

Eine Kurslücke ist die Kursdifferenz zwischen dem Schlusskurs einer Handelssitzung und dem Eröffnungskurs der nächsten Handelssitzung. Wenn ein Markt nicht schließt, läuft der Handel durchgehend, so dass keine ausgeprägten Kurslücken entstehen. Wenn Sie also in einem Markt Swing-Trading betreiben, in dem rund um die Uhr gehandelt wird, vermeiden Sie das Risiko von Kurslücken.

Der naheliegendste Markt, der rund um die Uhr gehandelt wird, ist der Spot-Forexmarkt (Kassamarkt). Aber sogar der Forexmarkt schließt an Wochenenden, und Kurslücken sind möglich, wenn er am Montag wieder eröffnet wird. Das gleiche gilt für Futures, die fast rund um die Uhr gehandelt werden, wie beispielsweise ES und NQ.

In diesem Märkten sind dennoch Kurslücken möglich, aber die Wahrscheinlichkeit ist viel geringer. Daher ist das Risiko von Kurslücken begrenzt.

Kurslücke jenseits des beabsichtigten Einstiegskurs

Sie könnten einen Kauf geplant haben, wenn der Markt einen bestimmten Kurs erreicht hat. Das wäre dann der beabsichtigte Einstiegskurs. Was passiert, wenn der Markt eine Kurslücke jenseits Ihres Einstiegskurs entwickelt?

Dieser Chart zeigt, was passiert. Ihr Traderisiko erhöht sich.

Kurslücken-Risiko
1. Beabsichtigter Long-Einstieg bei Ausbruch durch bullische Kerze. 2. Stop-Loss Order genau unter der Setup-Kerze. 3. Handelseröffnung mit Aufwärts-Gap (Tatsächlicher Trade-Einstiegskurs) | Erwartetes Trade-Risiko | Tatsächliches Trade-Risiko aufgrund der Kurslücke

Möglichkeiten, um mit dem Risiko von Kurslücken umzugehen

1. Verringern Sie Ihre Positionsgröße

Wenn der Markt Kurslücken jenseits des von Ihnen vorgesehenen Einstiegskurs ausbildet, können Sie dennoch in den Markt einsteigen. Aber zuerst müssen Sie Ihre Positionsgröße reduzieren.

Da die Kurslücke das Risiko Ihres Trades erhöht hat, ist Ihre ursprüngliche Positionsgröße hinfällig geworden. Sie müssen Ihre Position neu festlegen und mit einem kleineren Positionsumfang in den Markt einsteigen.

2. Ziehen Sie Ihre Stop-Loss Order näher an Ihre Position heran

Sie können auch Ihre Verluststopporder nach der Kurslücke näher heranziehen. Anstatt bei Ihrem ursprünglichen Stop-Loss Kursbereich zu bleiben, können Sie die Stop-Loss Order mit dem Markt verschieben, um Ihr Risiko zu begrenzen.

3. Lassen Sie den Trade aus

Die ersten beiden Methoden beruhen auf den gleichen Kriterien.

  • Ihre Trading-Voraussetzung/Setup muss noch gültig sein.
  • Sie können das Risiko Ihres Trades auf ein akzeptables Niveau reduzieren.

Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt sind, erzwingen Sie keinen Trade. Übergehen Sie ihn einfach und warten Sie auf ein weiteres Setup.


Nehmen Sie das Gap-Risiko zur Kenntnis, um damit zurechtzukommen

Sie müssen das Risiko von Kurslücken akzeptieren, wenn Sie eine Position über Nacht halten wollen.

Sowohl Swing-Trader als auch langfristig orientierte Investoren halten Positionen über Nacht. Investoren sind längerfristig ausgerichtet, und Kurslücken sind für sie kurzzeitige Phänomene. Aber für Swing-Trader kann eine Kurslücke das Chance-Risiko-Verhältnis einer Position negativ beeinflussen, so dass der Erwartungswert darunter leidet. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, damit umgehen zu können.

Viele Trader sind hocherfreut, wenn eine Kurslücke zu Ihren Gunsten entsteht und zu einem unerwarteten Gewinn führt. Dennoch wollen sie die Augen vor der Wahrheit verschließen, was geschehen kann, wenn sich Kurslücken entgegen der eigenen Position einstellen.

Nehmen Sie das Risiko von Kurslücken zur Kenntnis und verwenden Sie die Methoden, die oben erörtert wurden, um damit umgehen zu können.

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Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: How to manage Gap Risk in Swing Trading

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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